- Officium XVII

  • Nachdem Aelius das Officium verlassen hatte, widmete sich Gracchus den herumliegenden Schriftstücken, sortierte jene nach dem Zwecke dessen sie zugehörig waren auf kleine Stapel vor sich. Viele waren es erfreulicherweise nicht, doch dass gerade jene Themen liegen geblieben waren, dies ärgerte ihn um so mehr, als dass der vorige Quaestor keine geordnete Übergabe zustande gebracht hatte. Auf einer Wachstafel, deren Inhalt längst hinfällig und daher von Gracchus ausgelöscht worden war, notierte er sich, was zu geschehen hatte und welche Aufgaben wann abgeschlossen sein mussten.

  • Die Linke an der Nasenwurzel und diese leicht massierend saß Gracchus in dem Officium des Quaestor Principis und blickte auf die Liste der Dinge, welche noch zu tun waren. Die Arbeiten am Codex Universalis hatte er beendet, die Vorschläge für die Standeserhebungen brauchten nur noch einen letzten Feinschliff. Die von seinem Vorgänger übernommene Aufgabe war ebenfalls getan, die Sodalitäten versorgt. Die Pax Deorum war dieser Monate gepflegt worden, und Gracchus war rundum zufrieden mit dem erreichten, nicht zuletzt auch als Magister der Salii Palatini. Das Armilustrium, der Festzug und das Tragen der heiligen Rüstungen und Waffen waren wahrhaft erbaulich gewesen. Es grämte ihn einzig ein wenig, dass auf eine Amtszeit direkt die nächste folgte. Ein Aedilat wäre sicherlich erstrebenswert gewesen, doch Gracchus wollte nicht seine Arbeit als Quaestor vernachlässigen dadurch, dass er seine Energieen in den Wahlkampf steckte. Immerhin war die Quaestur noch nicht beendet. Er blickte auf den Punkt seiner Liste, welcher zu oberst stand und einer der wenigen war, welche noch nicht als erledigt betrachtet werden konnten: die Chronik. Es hatte ihn einiges an Mühen gekostet, bereits weit zurückliegende Teile jener mit Hilfe der Archive zu ergänzen. Auch von der mitgeführten Chronik konnte er behaupten, dass sie bis auf den Tag aktuell war, was die Stadt Roma und damit seinen Anteil betraf. Doch von seinen Mitquaestoren hatte er noch keine Nachricht erhalten, nicht einmal in Bezug auf den zurückliegenden vergangenen Monat. Er machte sich daher daran, einige kurze Briefe an jene zu verfassen.

  • Durch Quarto geführt kamen sie an das Officium heran. Unterwegs war ihm noch die ein oder andere Frage eingefallen, die er zu stellen gedachte. "Ich kenne mich im Palast noch nicht so ganz aus, aber wenn es um die Post geht, sollte ich wohl zumindest die dafür wichtigsten Räumlichkeiten kennen, nicht wahr?" fragte er leicht schmunzelnd. "Dein Officium ist mir bekannt, auch den Weg werde ich wohl finden, aber wo muss ich die Post für den Imperator und die Augusta hinbringen? Und wenn Post nicht ausdrücklich an den Imperator adressiert ist, kommt sie dann erst zu Dir?"

  • “Briefe an den Imperator Caesar Augustus, die Augusta oder die Magistrate der Administratio werden für Gewöhnlich im Epistolae des Palastes abgegeben. Briefe die direkt an den Kaiser adressiert sind, bringst du ihm in die Domus Augustana. Solche an die Kaiserin kannst du ihr auch persönlich überreichen, ihre Gemächer befinden sich ebenfalls dort. Briefe an die Abteilungen der Administratio Imperatoris oder an bestimmte Magistrate müssen natürlich entsprechend weitergeleitet werden. Sollte ein Schreiben nur ganz allgemein an den Kaiserlichen Palast adressiert sein, dann bringst du ihn zu mir. Aber das kommt eigentlich kaum einmal vor.“


    Inzwischen hatten sie ihr Ziel erreicht.


    “Also, da wären wir: Officium XVII, dass wird deines sein. Es ist nicht sehr groß und es könnte ein wenig heller sein, aber es ist auch nicht schlechter als die anderen. Ich hoffe, du bist nicht unzufrieden.“

  • Er machte sich zu den Aussagen geistige Notizen und nickte schliesslich. "Gut, das sollte wohl zu behalten sein." Er besah sich das Büro und nickte. "Es wird für meine Aufgaben genüge sein," lächelte er. "Eine Frage hätte ich für den Moment noch. Eine der Aufgaben des Principis ist es ja auch die Vorschläge für Standeserhebungen einzureichen. Wie geht das am Besten von Statten? Wie bekomme ich vor Allem die Informationen über Personen, die ausserhalb Roms leben?"


    Sim-Off:

    Früher musste der QP ja eine Liste einreichen. Heute geht es nur noch über das Klientensystem und dem Convent?

  • “Das gehört meines Wissens nach wie vor zu den im Codex Universalis festgehaltenen Aufgaben eines Queastor Principis. Ob der Imperator Caesar Augustus deinen Vorschlägen folgt, dass ist selbstverständlich eine andere Sache und gewöhnlich nimmt er keine Ernennungen vor, die nicht vorher im Consilium zur Sprache gekommen wären.


    Aber du solltest ihm auf jeden Fall eine entsprechende Kandidatenliste erarbeiten und am Ende der Amtszeit vorlegen. Für potentielle Kandidaten außerhalb Roms würde ich den Comes von Italia, beziehungsweise die Statthalter der Provinzen anschreiben und sie um Vorschläge bitten. Angehörige des Exercitus Romanus werden allerdings gewöhnlich direkt von ihren Kommandeuren vorgeschlagen.“




    Sim-Off:

    Die Klientelbeziehungen haben es meines Wissens nicht ersetzt und das Consilium Principis hat schon immer (naja, zumindest seit ewigen Zeiten) darüber beratschlagt. Als Vorlage für den Kaiser, die er dann beim Conventus des Consiliums vorliegen hat, finde ich eine solche Vorschlagsliste weiterhin sehr nützlich.

  • Wieder etwas was auf die geistige Liste kam und er würde sich wohl auf alle Fälle doch später ein paar Stichpunkte noch mal wo notieren, um nicht plötzlich vor unliebsamen Überraschungen im Sinne des Vergessens zu geraten. "Gut, darum werde ich mich dann kümmern. Da der Convent gerade war, gehe ich davon aus, dass der nächste nicht vor Januaris stattfinden wird?" Damit würde ihm Zeit genug bleiben sich kundig zu machen und die entsprechenden Leute anzuschreiben. "Dann würde ich sagen, wenn Du jetzt akut nichts mehr für mich hast, dass ich mich zunächst mit dem Officium und den Unterlagen vertraut mache und dann meinem Amtsvorgänger einen Besuch abstatte. Die Archive für die Arbeit an der Chronicusa stehen mir ja alle offen? Gut," lächelte er. "Bezüglich der Aufgaben, die ich für den Magister Officiorum übernehmen soll noch eine letzte Frage: Audienzgesuche und ähnliches laufen aber über eine Vertretung oder Dich? Das habe ich richtig verstanden?"

  • Sim-Off:

    Ohje, ich habe Dir Quatsch erzählt. :patsch:


    Der stets aufmerksame Macer hat mich darauf hingewiesen, dass sich das doch tatsächlich gegenüber früher geändert hat. Das hatte ich noch nicht registriert, bitte entschuldige.


    Es ist tatsächlich so, dass der Quaestor Principis keine Vorschlagslisten für die Standeserhebung von Rittern mehr erstellt. Dafür soll er Dossiers über die Kandidaten erstellen, die sich für eine Aufnahme in den Senat qualifiziert haben. Das soll also nicht nur eine Auflistung dieser Senatskandidaten sein, sondern dazu auch etwas Hintergrundinformation über die Personen liefern. Die Erhebung in den Ritterstand läuft – wie Du schon richtig gesagt hattest – tatsächlich nur noch über den Conventus und über Klientelbeziehungen.



    “Wer eine Audienz beim Imperator Caesar Augustus oder der Augusta wünscht, der soll bis auf weiteres zu mir kommen, ja. Die Reichspräfekten und andere herausgehobene Personen haben ohnehin freien Zugang zur Domus Augustana und bedürfen keiner gesonderten Audienz. Alle anderen sollen bei mir vorstellig werden.“

  • Sim-Off:

    Die PN kam bei mir auch an :) Kein Problem, jetzt wissen wir es ja Beide :)


    Gut, das würde machbar sein. "In Ordnung, sollte da also jemand aufschlagen und nicht wissen wohin, dann werde ich ihn weiterleiten. Aber bei den ausgezeichneten Wachen sollte das ja nicht passieren," schmunzelte er. "Hast Du sonst noch etwas für mich?"

  • Aufschlagen? – der Quaestor bemühte recht jugendlich wirkende Redewendungen, fand der schon gesetzte Magister Domus Augusti, was sich in einem leichten Stirnrunzeln niederschlug. :D


    “Ähm… nein, ich habe nichts weiter. Aber ich denke, der Imperator Caesar Augustus hat dich auch zur Genüge mit Arbeit versorgt.“
    Da huschte dann doch ein Lächeln über Quartos Gesicht.

  • Er schaute sich in dem Officium um und begann dann erst einmal einige Akten und Tabulae zu sichten und sich ein paar Notizen darüber zu machen, was er alles machen musste. Danach brach er auf um der Villa Flavia einen Besuch abzustatten.

  • Kaum hatte der Quaestor seine Einarbeitung beenden können, steht bereits der erste Diener des Kaisers in seinem Büro.


    "Der Kaiser wurde darüber informiert, dass der Consul zu einem Conventus der Magistrate Roms laden wird. Er wünscht, dass du bei diesem Treffen über wichtige Punkte Protokoll führst und ihn über die Inhalte und mögliche Ergebnisse des Treffens unterrichtest.


    Ferner ist die kaiserliche Entschließung im Fall der Socientas Pompeiana noch an die Betroffenen persönlich zuzustellen."


    Der Diener macht eine Pause in seinem nüchternen Redefluss und stellt dann eine absichernde Frage.


    "Du hast dich bereits soweit hier zurecht gefunden, dass dir diese kaiserliche Entschließung ein Begriff ist?"

  • Er hatte sich gerade um die Aufzeichnungen gekümmert, die der Flavia ihm noch mitgegeben hatte,als der Diener erschien. "Es wird mir eine Ehre sein. Soll ich das Protokoll dann persönlich übergeben oder reicht ihm eine Abschrift in sein Officium?" Einen Moment überlegt er bezüglich der Entschließung und nickt dann. "Ich habe bereits das Dekret im Archiv entdeckt, als ich mich mit der Chronicusa zu beschäftigen begann. Wenn ich mich recht entsinne, sind jedoch keine der Personen die der Societas angehören derzeit in Roma. Ich nehme an in dem Fall reicht ein Schreiben?" Von Trimalchio wusste er, dass er sich in Germanien mittlerweile aufhielt. Pictor war ja ein Mitglied der Classis und Strabo hatte er gehört sei in Hispania. "Ich werde alles sofort veranlassen und gleich zum Cursus Publicus gehen, diese übermitteln lassen." Er hoffte, dass das der richtige Weg war, auch wenn ihm deuchte, dass der Kaiserliche Palast dafür vielleicht eigene Boten hatte.

  • Der Diener beantwortet die Fragen weitgehend regungslos.


    "Das Protokoll reicht zunächst schriftlich. Sollten sich Fragen ergeben, wird er dich rufen lassen. Die Benachrichtigung über die Entschließung des Kaisers soll ebenfalls schriftlich an die Betroffenen erfolgen."


    Dann fügt er einen weiteren Auftrag hinzu.


    "Ferner ist ein Schreiben an die Flotte in Germania zu richten, in dem der Kaiser um genauere Informationen zu Centurio Terentius Pictor anfordert, der in diesen Fall von Steuerhinterziehung verwickelt ist."

  • Er merkte sich auch das und nickte schliesslich. "Gut, ich werde mich sogleich um die Schreiben kümmern. Hast Du noch weitere Aufträge für mich? Ach und da wäre noch die Frage, ob die Briefe über eine Wertkarte beim Cursus Publicus gehen oder sie ein Bote des Palastes überbringt?" Er hatte keine Lust am Ende ein bisschen dumm aus der Wäsche zu gucken, weil er da irgendeinen Blödsinn erzählte.

  • "Der Cursus Publicus ist eine Einrichtung, die ein weiser Vorgänger unseres Kaiseres eingerichtet hat. Für die Beförderung von Post in seinem Auftrag braucht der Kaiser nichts an sich selbst zu zahlen."


    Sim-Off:

    Wobei es durchaus das erste Mal seit langem sein könnte, dass jemand mit solcher Post kommt. Die meisten Sendungen in die Provinzen sind so wichtig, dass wir die Equites Singulares dafür nehmen...

  • Fast hätte er sich mit der flachen hand vor den Kopf geschlagen, aber konnte das gerade noch verhindern. Da wollte er einen Faux Pas vermeiden und hatte sich dann doch voll in ein Fettnäpfchen gestellt. Leicht verlegen sah er drein und nickte dann. "Ich werde mich umgehend um Alles kümmern." Dann sah er ihn fragend an. "Gibt es sonst noch Aufgaben?" Dabei zog er schon entsprechende Listen hervor um zu überprüfen wo wer zu finden war.


    Sim-Off:

    Sollte ich, solange ich diese MO-Aufgaben auch übernehme, auf den zurückgreifen müssen, an wen wende ich mich da am Besten?

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