Crassus Büro | Furianus, Crassus

  • 'Als ob du wüsstest, wie lange schon die Bedenkzeit andauert' dachte sich Crassus in Gedanken. War ja irgendwie klar, dass Furianus sowas erwidern würde, wie Crassus fand. Dass er aber absolut nicht die Informationen für so eine Aussage hatte, schien ihn wenig zu interessieren. 'Patrizier halt'


    Wie es mir scheint bedarf es einer Überprufung des Cursus Publicus auf der Strecke Italia - Hispania. Denn ich habe deinen Brief nicht erhalten, genauso wie du meinen nicht erhalten hattest. Zwar nicht ganz so, denn Furianus Brief ging erst in der Casa Caecilia verloren, aber da Crassus davon nichts wusste, konnte er es ja auch schlecht sagen, beziehungsweise wusste er ja tatsächlich nichts von diesem Brief.


    Wie auch immer, freut es mich zu hören, dass die alten Lagerplätze nun sinnvoll verwandt wurden. Für mich als ehemaliger Soldat der Legio IX und später Decurio der Ala II ist es nämlich schon wichtig, dass die Plätze nicht entehrt oder ähnliches werden, sondern angemessen weitervverwendet werden. Denn irgendwie fühlt man sich doch zu diesen Orten noch hingezogen, auch wenn man sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat.


    Crassus stellte seinen Becher auf den Tisch und sah Furianus einen Moment lang an:


    Wie ist die Lage in Hispania? Der Aufstand des Sertorius liegt ja noch nicht so weit zurück und nun, da die Legio abgezogen wurde, wäre ja ein Rückfall nicht auszuschließen...

  • Dass der Cursus Publicus in letzter Zeit von der Eigenschaft der Zuverlässigkeit weit entfernt war, würde auch Furianus immer wieder bestätigen.
    Zwar bemerkte er, dass Crassus dem Thema des Areals in Hispania auswich, doch es würde sich sowieso noch eine Gelegenheit ergeben wieder auf dieses einzugehen.


    "Während meines Aufenthaltes lernte ich Hispania als kaisertreue Provinz kennen. Der Kaiserkult ist dort ausgeprägt, die Menschen scheinen loyal und begrüßten die Idee einer Statue unseres Imperators mit Freuden."


    Auch wenn Furianus diese spendete, denn vielleicht galt die Freude dieser Tatsache, als der der Statue.


    "In Hispania sind ja noch militärische Kräfte stationiert, doch einen Rückfall würde ich ausschließen. Zu ruhig und zu friedlich ist diese Provinz, den Hispaniern sowas nicht zuzutrauen."

  • Dann wollen wir hoffen, dass dein Eindruck der richtige ist. Schließlich könnten noch so viele kleine militärische Kräfte dort vorhanden sein, gegen einen Aufstand wie der des Sertorius, der ja quasi auch aus dem nichts kam, könnten sie nichts entgegensetzen. Immerhin hatte er es geschafft eine Streitmacht von über 30.000Mann aufzustellen.


    Crassus strich sich langsam über die Stirn. Ja, der Aufstand, aber vorallem die Größe des Aufstandes hatte damals jeden überrascht und zu manchen Fehlern verleiten lassen.


    Wie stellst du dir deine nächste Zukunft vor? Welches Amt hast du vor als nächsten zu erstreben?

  • "Die Zeiten des Sertorius sind vorüber. Spätestens nach der vernichtenden Niederlage des Sertorius dürften die Hispanier von der Legion eingeschüchtert und an die Macht Roms erinnert worden sein - sie werden es nicht noch ein zweites Mal wagen, da bin ich mir relativ sicher."


    Diese Provinz mit ihren freundlichen Menschen, der Idylle und dem einfachen Landleben, nein, er konnte sich diese Provinz nicht so vorstellen, wie sie zu Zeiten des Sertorius zu sein schien. Es war für ihn mehr als unglaubhaft Hispania als potenziellen Unruheherd zu betrachten.


    "Ich will offen zu dir sein.
    Du weißt, dass ich durch meinen Vater dem Ordo Senatoius angehöre, passiv, doch ich hege die Hoffnung nach einer Audienz bei unserem Kaiser zur Praetur zugelassen zu werden - ich hoffe nur, dass es nicht zu spät ist.
    Falls mir diese Möglichkeit verwehrt wird, so werde ich mich wohl in anderer Form Rom zu Diensten stellen."

  • Vor Sertorius dachte auch niemand, dass die Hispanier, diese friedliche und romanisierte Provinz, die als mit loyalste aller Provinzen gilt, zu so einem Aufstand fähig wären. Und deshalb führte ich mit Decimus Livianus damals auch eine Kohorte und einige Turmae direkt in den Tod.


    Mit einer wegwerfenden Handbewegung schob Crassus das Thema beiseite:


    Aber wir wollen den Pluto mal nicht an die Wand malen. Sollten die Spanier daraus ihre Lektion gelernt haben, so soll es mir recht sein.


    Ahh, den Cursus Honorum weiterbegehen. Dann wünsch ich dir bei diesem, oder auch bei einem anderen Vorhaben - solltest du dieses diese Periode noch nicht erreichen können - alles gute. Die Wege sich um Rom zu kümmern sind vielfältig und für einen so ausgezeichneten Patrizier wie dich wird es wohl immer eine passende Position geben.

  • "Das mag sein, der Mensch hat die Gabe zu lügen, ein Tier ist er nicht."


    Entgegnete er noch kurz auf die Worte Crassus und hörte ihm weiter zu, bis er aufgrund des Kompliments auflächelte.


    "Ich danke dir für deine Worte, sie bestärken mich ungemein."


    Zwar konnte der Praetorianer ihn so auf seine Seite ziehen wollen, doch das nahm Furianus nicht an. Schon aus dem einfachen Grund, dass er seinen Onkel in der Verlobungsfrage schlecht beeinflussen könnte.


    "Gedenkst du vielleicht irgendwann im Senat zu sitzen?"

  • Crassus musste bei Furianus Frage leicht Schmunzeln:


    Ich sitze schon im Senat. Zwar nicht als Senator, doch so mit dem Beisitzersitz eines Praefectus Praetorio. Du meinst wahrscheinlich, ob ich je den Cursus Honorum beschreiten möchte, um in den Genuß eines Senatorenstatuses zu kommen. Nun, vorerst nicht. Allerdings weiß ich ja noch nicht was in zehn, zwanzig oder vielleicht auch schon in fünf Jahren sein wird. Deshalb kann ich es nicht konseqent ausschließen, aber momentan ist es nicht wirklich auf meiner "noch-zu-erreichenden-Ziele-Liste." Mein Tag hat leider auch nur 24Stunden und sollte ich dann je meinen Posten als Kommandant der Garde los seni, so werde ich wahrscheinlich mir erst mal eine lange Auszeit gönnen...

  • "Du bist ein fähiger Mann, ich glaube nicht, dass du das Kommando in einigen Jahren abgeben musst."


    Sagte er lächelnd und nahm einen Schluck.


    "Aber wenn es dir die Zeit nicht erlaubt, ist es wohl besser nicht anderes anzustreben, die Gefahr der Vernachlässigung besteht ja fortwährend und bei jedem von uns."


    Sich auf mehrere Ämter zu konzentrieren oder ganz andere Ziele zu verfolgen hielt Furianus für nicht sehr förderlich. Seiner Meinung nach lenkte dieses zweispurige Denken nur von den eigentlichen Aufgaben ab, so dass es häufig passierte, dass jene vernachlässigt oder nicht zur vollsten Zufriedenheit erledigt wurden.

  • Wäre allerdings auch möglich, dass ich irgendwann diese Position freiwillig - so wie mein Vorgäner - aufgeben werde. Schließlich bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste.


    Crassus grinste leicht. So alt war er nun dann doch auch noch nicht..


    Das ist wohl war. Und in letzter Zeit scheint der Kaiser darauf ja auch verstärkt ein Auge zu werfen. War es früher fast noch Gang und Gäbe, dass der Cursus Honorum so "nebenher" lief, so füllt heute jeder Magistrat nur noch sein öffentliches Amt aus. Sicher keine schlechte Änderung...

  • "Die Wahrnehmung religiöser Pflichten und Ämter nebenbei zu verbieten war wahl auch ein Schritt in diese Richtung. Früher durfte man ja Flamen und zugleich Magistrat Roms sein. Zum Glück ist dies nun anders."


    Ja, es war anders und diese Ämter mit ihren Bürden und Pflichten nur unattraktiv, so dass der Kaiser häufiger Priester heranzog, als einsetzte.


    "Doch die Zukunft, mit ihren Launen, steht uns beiden noch offen."

  • Ja. Allerdings hat schon jeder von uns in seinem bisherigen Leben, so einige Launen der Natur durchgemacht. Da werden wir die nächsten Launen und Überraschungen, die noch kommen werden, sicherlich auch überleben und aushalten.


    Mit einem großen Schluck leerte Crassus seinen Becher vollens.

  • "Und auch wenn wir sie nicht überleben - Rom wird es ewig."


    Fügte er ein und nahm ebenfalls einen großen Schluck des köstlichen Getränkes.
    Es war schon recht viel Zeit verstrichen, seitdem seine Sänfte an jenem Domus ankam. Sicherlich würden die Leute schon reden was eine flavische Sänfte vor dem Haus des Praefectus Praetorio zu tun hatte, auch wenn er den Trägern anwies ein wenig weiter zu gehen und dort zu warten. Doch, wie die Leute so waren, würden sie es merken.
    Also stand er mit einem Lächeln auf und nickte Crassus zu.


    "Ich danke dir für deine Gastfreundschaft, Caecilius Crassus."

  • So die Götter wollen - da hast du recht.


    fügte Crassus noch an Furianus letzte Bemerkung an, ehe sich dieser erhob und Anstalten machte, gleich aufzubrechen. Crassus stand ebenfalls auf und rechte Furianus die Hand:


    Nichts zu danken, Flavius, es war mir eine Freude.

  • Furianus verabschiedete sich von Crassus und ging seines Weges.


    Als er schon in der Sänfte lag, fiel es ihm ein. Er wollte mit Crassus doch über das Factiogelände reden, war jener ja Princeps Factionis. Aber er lächelte drüber und verschob es auf ein zukünftiges Treffen - Crassus würde so oder so bald die Villa Flvaia aufsuchen wollen, denn er war ein Wollender. Und ein Mensch der etwas wollte, der war leicht durchschaubar. Daher machte er sich keine Sorgen, er musste lediglich warten.

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