Im Innenhof - der Besuch des Kaisers

  • Ein Bote aus dem Palast hatte den jungen Tribunen eine Nachricht überbracht, dass die Visite des Kaisers einen Tag später, als ursprünglich geplant, stattfinden musste. Doch heute war es endlich soweit. Das Eintreffen des Kaisers stand kurz bevor und im Innenhof der Castra hatten sich alle zur Verfügung stehenden Vigiles gesammelt und Aufstellung bezogen. Nach und nach trafen auch die Stabsoffiziere und einige zusätzlich geladene Gäste und Honoratioren ein, um diesen Schauspiel beizuwohnen. Für die Vigiles selbst, war dies mehr als nur ein Besuch oder eine Kurzvisite des Kaisers. Gerade jetzt, so kurz vor der Abreise des Kaisers in den Osten, war dies ein Zeichen für die Truppe, dass dieser sich während seiner Abwesenheit auf die Stadteinheiten und auch auf Vigiles verließ. In solch schwierigen Zeiten war es weitaus wichtiger eine sichergestellte Kontrolle über die Reichshauptstadt zu haben, als während der Anwesenheit des Staatsoberhauptes.


    Silanus schritt noch einmal die Reihen der Männer ab, die in voller Montur links und rechts des Haupteinganges aufgestellt waren, um den Kaiser Spalier zu stehen. Durch ein Kopfnicken der einzelnen Centuriones ließ er sich noch einmal bestätigen, dass jeder auf seinen Platz und alles bereit war. Schlussendlich gesellte er sich dann selbst zu den restlichen Stabsoffizieren und machte dem Praefectus Castrorum Meldung, dass man nun nur noch auf den Kaiser selbst warten musste.

  • Abgeriegelt von einem ansehnlichen Haufen Prätorianern, erreichte die Sänfte des Kaisers kurze Zeit später die Castra Vigilum. Es war zwar nicht gerade der beste Zeitpunkt für einen Besuch, dennoch entschied Iulianus, das es wichtig war, vor seiner Abreise noch einmal wie versprochen bei der Vigiles vorbei zu kommen. Langsam ließ er sich von seinen Sklaven aus der Sänfte helfen und betrat dann unter den neugierigen Augen und Jubelrufen vieler versammelter Bürger die Castra.

  • Als der Kaiser seine Sänfte verlassen hatte und auf den Haupteingang zuging, ließ der junge Tribun ein lautes Kommando durch den Innenhof der Castra hallen.


    "Vigiles, aaaciem dirigite!"


    Abwarteten sah er dann weiter zum Eingang, bis die Shilluette des Kaisers auftauchte, mit langsamen Schritten näher kam und schließlich den Hof betrat. Dann hob Silanus erneut an, um seine Befehle durch die Reihen der Männer donnern zu lassen.


    "Vigiles, staaate!
    Oculus ad prosam!"


    Die Männer folgten zackig seinen Kommandos und ließen das laute Aufstampfen ihrer Caligae durch den Hof hallen. Fürs erste war sein Part damit beendet. Nun sah der junge Tribun zum Praefectus Castrorum. Als dienstältester Offizier und Lagerkommandant überließ er es ihm, den Kaiser in der Castra Vigilum Willkommen zu heißen.

  • Dieser stand mit seinem Adjutanten, der die letzten Ernennungen und Tagesberichte unter dem Arm hielt, vor dem Schauspiel noch auf dem kleinen Podest, welches für eine etwaige Ansprache des Kaisers aufgestellt worden war, befand sich nun an der Seite des Oberbefehlshabers und verbeugte sich leicht.


    "Mein Kaiser, ich begrüße dich im Namen der ganzen Einheit, besonders dieser Cohors, in unserer Castra.
    Wenn du mir bitte folgen würdest."


    Sogleich schwenkte der Praecetus mit seinem Arm zwischen die aufgestellten Männer, die im Spalier den Weg zu der Ehrentribüne des Kaisers säumten. Die Tribune der anderen sieben Cohortes sollten den Oberbefehlshaber dort erwarten.

  • Iulianus begrüßte den Praefectus mit einem leichten Kopfnicken, als dieser auf ihn zu kam und sich verbeugte. Die Vigiles hatte sich wirklich Mühe gegeben, ihm einen beeindruckenden Empfang zu bereiten und er sah zufrieden durch die Reihen der angetretenen Männer.


    "Ich grüße dich Furius Helios und danke dir für diesen eindrucksvollen Empfang."


    Der einladenden Geste des Praefectus folgend, begleitete ihn Iulianus zu den restlichen Stabsoffizieren, die ihn bereits erwarteten. Nach einander nahm er ihre Begrüßungen und Wünsche für den bevorstehenden Feldzug entgegen und fand für den einen oder anderen auch ein paar freundliche Worte.

  • Der junge Tribun verfolgte nur kurz das Aufeinandertreffen seinen Praefectus Castrorum mit dem Kaiser und sah stattdessen etwas nervös durch die Reihen der restlichen Gäste. Der Kaiser war ja nun eingetroffen, doch weit und breit war keine Spur vom Praefectus Urbi zu sehen. Soweit es ihm bekannt war, sollte auch dieser heute hier erscheinen, um dieser kaiserlichen Visite beizuwohnen. Als er sich wieder dem Kaiser widmete, war dieser bereits bei ihm und den restlichen Stabsoffizieren angelangt und diese begannen ihn, einer nach dem anderen, zu begrüßen. Auch Silanus war gleich darauf an der Reihe und verbeugte sich.


    "Mein Kaiser! Es ist mir eine Ehre und eine Freude. In meinen und im Namen meiner Männer möchte ich dir alles erdenklich Gute für den bevorstehenden Feldzug wünschen. Die Götter mögen dich und deine Legionen beschützen und begleiten und vor allem gesund und siegreich wieder zurück nach Rom führen."

  • "Ich danke dir für diese Worte. Sorgt ihr dafür, dass mein geliebtes Rom noch in bestem Zustand ist, wenn ich aus dem Krieg zurück kehre. Ich möchte hier nicht mehr Zerstörung vorfinden, als wir in Parthia anrichten werden."


    Ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen des Kaisers, aber die Gedanken an Verlust und Zerstörung im Osten sind zu real, um ausgelassener zu scherzen.


    "Mein Besuch war eigentlich viel früher geplant, seit ihr unter dem Kommado des Praefectus Urbi steht. Wie wirkt sich das im Alltag aus?"


    Die Frage ist gleichsam an alle anwesenden Offiziere gerichtet, die möglicherweise unterschiedliche Erfahrungen haben.

  • Mit einiger Verspätung und einem leicht abwesenden Gesichtsausdruck erschien Victor musterte kurz, aber zufrieden den Aufmarsch der Vigiles und grüßte angemessen den Imperator. Da er dessen letzte Frage eh nicht mitbekommen hatte, wartete der Praefectus Urbi dann bis der Imperator, oder irgendjemand anderes etwas sagte.

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  • Helios kam den teils sehr wortkargen Offizieren zuvor und postierte sich vor dem Kaiser.


    "In dieser Castra wirkt sich die Umstellung nur insoweit aus, dass ich vor wichtigen Entscheidungen, wie Ernennungen, den Rat des Praefectus Urbi einhole. Alle anderen Entscheidungen werden primär von mir, wie es auch unter den Praefecten der Vigiles üblich war, selbst getroffen. Bisher ergaben sich keinerlei Probleme, der Ablauf ist immer noch der alte, die Patrouillen verrichten ihren Dienst, wie auch jeder von uns."


    Mit einem leichten Blick zur Seite versicherte sich Helios, dass der Praefectus Urbi dies auch selbst gehört haben musste.


    "Sofern du es wünscht, Augustus, könntest du in die jüngst vollzogenen Ernennungen der Vigiles Einsicht nehmen, ich habe sie dir zusammen gestellt."


    Richtete er sich wieder dem Kaiser zu und wartete ab, ob dieser wünschte oder dem Verzicht den Vorzug gab.

  • Auf das Studium von Akten hat der Kaiser gerade keine Lust und schüttelt den Kopf.


    "Nein, dieses Angebot schlage ich aus. Ich vertraue darauf, dass auch ohne meine persönliche Prüfung alles seine Ordnung hat. Ein kurzer Tätigkeitsbericht würde mich interessieren, ob es in der letzten Zeit besondere Ereignisse gab, die zwar nicht so dramatisch waren, dass ich sofort über sie unterrichtet wurde, aber trotzdem Erwähnung verdienen."

  • Dass der Kaiser den Zuständigen vertraute und nicht in die Akten einsehen wollte, war ein großer Vertrauensbeweis, wie auch ein unterschwelliges Kompliment für beide Seiten. So nickte Helios leicht und fing an zu berichten.


    "Unsere Tätigkeiten erfuhren keine große Umstellung, es wurden, wie schon unter den letzten Praefecti, Patrouillen durchgeführt, Übungen und das obligatorische Exerzieren. Unsere Centuriae bilden nach wie vor ihre Probati aus und nur ein leichter Rückgang an Aspiranten könnte vermeldet werden. Zur Zeit wurden wieder, unter Führung des neuen Tribuns Lucius Iunius Silanus, verstärkt Kontrollen der Brandschutzverordnungen durchgeführt, besondere Meldungen gab es hierbei ebenfalls nicht.
    Kurzum, der Alltag unserer Kohorten hat sich nicht groß verändert, nach wie vor werden Etnlassungen, Ernennungen, Vertretungen und anderweitiges durchgeführt, doch in dem gleichen Rahmen, wie schon zuvor."

  • "Stabilität und Kontinuität sind wesentliche Eckpfeiler unserer Gesellschaft, unserer Geschichte und damit unserer Zukunft. Ich bin mir sicher, dass während meiner Abwesenheit in dieser Einheit diese Vorzüge weiterhin gepflegt werden und vertraue diesbezüglich auf die Fähigkeiten meiner Offiziere und Soldaten."


    Da trat ein Adjutant des Kaisers an diesen heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der Kaiser nickte und wandte sich gleich darauf an die Offiziere.


    "Der Empfang war gleichsam informativ wie beruhigend. Doch leider muß ich den Besuch zu einem Ende bringen, so wie ihr Ruhe bringt in Rom, so möchte ich mit den Legionen Roms die östlichen Außengrenzen sichern und gleichsam dort für Ruhe und Frieden sorgen. Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut. Valete, die Herren."


    Mit diesen Worten verabschiedete sich der Kaiser von den Offizieren und Soldaten und verließ nur wenige Momente darauf die Castra Vigilum.

  • Nachdem sich der Imperator schon so schnell wieder verabschiedet hatte, grüßte auch Victor den Kaiser zum Abschied angemessen und mit ihm die anwesenden Offiziere der Vigiles. Eine Weile blickte er dem entschwindenden kaiserlichem Zug noch hinterher, doch als dieser aus dem Seh- und Hörbereich verschwunden war, machte der Praefectus Urbi weiter.


    "Nun denn meine Herren, ich hoffe das war es noch nicht mit der Parade! Ich möcht was sehen."


    Etwas leiser wandte sich dann der Senator an Furius Helios.


    "Wir sollten uns im Anschluss hieran in deinem Officum unterhalten, Praefectus Castrorum."

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  • Über den schnellen Abzug des kaiserlichen Gefolges mitsamt dem Kaiser selbst, verwundert, blickte er dem Zug noch eine Weile nachdenkend nach und suchte schon verzweifelt nach Fehlern, die er begangen haben könnte, um des Kaisers Abzug herbei geführt zu haben.
    Er fand keine, doch verwundert war er dennoch.


    Die Worte des Praefectus Urbi holten ihn aus seinen Gedanken und er bedeutete dem Tribun Iunius Silanus mit einem Kopfnicken, dass nun die rechte Zeit für die Demonstration und Parade war.
    Auf die weiteren Worte des Praefectus hin nickte Helios lediglich und malte sich schon im nächsten Augenblick aus, was da noch auf ihn zukommen würde.


    Sim-Off:

    Cato, du darfst nun, da Silanus überraschend ins Exil gewandert ist.

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