atrium | Die Ankunft der Aurelia Laevina

  • Der Junge führte die beiden Besucher ins Atrium und bot der Dame einen Stuhl an. Dann verschwand er wieder, um dem Hausherrn von der Ankunft der jungen Dame zu unterrichten und für eine Erfrischung zu sorgen. Auf dem Weg dorthin, begenete ihm Fhionn. Das war wirklich eine Fügung des Schicksals, denn er traute sich nicht so recht an Corvinus´ officium anzuklopfen. Also versuchte er seine Aufgaben auf die Keltin abzuladen, die offenbar dem Charme des Jungen nicht wirklich gewachsen war! :D

  • Ich setzte mich auf den angebotenen Stuhl, Blandus stellte sich in die Nähe. Ich wusste, dass er gerne sitzen wollte und er machte auch ein entsprechendes Gesetz. Doch genausogut wusste er, dass er in meiner Anwesenheit zu stehen hatte. Während ich wartete, betrachtete ich die Mosaiken, das grosse Wasserbecken, die Ahnenmasken und Schreine an den Wänden. Alles war sehr gepflegt, doch dabei nicht so leblos und kalt, wie in der Villa meines Vaters. Hin und wieder waren Sklaven zu sehen, doch sie hielten sich dezent im Hintergrund und gingen ihrer Arbeit nach. Nach meiner ungewohnten Wanderung durch Rom tat es gut zu sitzen, obwohl ich gleichzeitig kaum still bleiben konnte, so gespannt war ich, so nervös wartete ich darauf, dass dieser grossartige neue Lebensabschnitt für mich beginnen würde. Unruhig strich ich mir mit den Händen über meine Beine und für einen Moment liess ich die Damenhaftigkeit fallen, Blandus kannte mich eh seit ich ein kleines Mädchen war. Doch in dem Moment, in dem jemand das Atrium betrat, erstarrte ich wieder und auch mein Gesichtsausdruck wurde ruhiger, wenn auch meine Augen geradezu gierig die Person zu erkennen suchten.

  • Fhionn konnte so einigem widerstehen, aber einem Jungen der kurz davor stand, wie ein Schloßhund zu heulen, war zu viel des Guten. "Ja, ja, ist schon gut! Ich gehen ja! Dafür du mir schulde etwas!" Sie strich ihm aufmunternd über seine Stoppelhaare. "Außerdem Corvinus nicht da. Ist gegangen weg."


    Mit einem Tablett in Händen, auf dem zwei Becher und zwei Krüge, gefüllt mit verdünntem Wein und einen Saft/Wasser Gemisch, traf Fhionn schließlich im Atrium ein. Sie stellte das Tablett ab und sah zu der Dame, die einen schlechtgelaunten Eindruck machte.
    "Dominus Corvinus ist nicht da. Ist gegangen weg, aber kommen bald wieder. Du möchten Erfrischung? Verdünnte Wein, Saft und Wasser?"
    Fhionn gab sich wirklich die größte Mühe. Im Laufe der Zeit hatte sie ihren Wortschatz erweitert. Auch ihre Aussprache hatte sich um einiges verbessert.

  • Ich war enttäuscht. Jetzt reiste ich wochenlang und Corvinus war nicht da... andererseits konnte er ja auch nicht wissen, dass ich da war.
    Dann kam diese Sklavin. Sie hatte einen ausländischen Akzent, ich konnte nicht sagen, woher sie stammen mochte, aber ihr fehlten auch die Worte um ordentlich Latein zu reden. Das machte nichts, solange sie eine gute Sklavin war. Und immerhin brachte sie etwas zu trinken.
    Ich sagte, ich wolle Saft und Wasser, Wein hatte mein Vater mir immer verboten. Zwar fühlte ich mich an dieses Verbot nicht mehr gebunden, doch im ersten Augenblick reagierte ich instinktiv ablehnend.
    Ich setzte eine etwas gütigere Miene auf und versuchte etwas mehr Informationen aus der Sklavin rauszukriegen.
    "Wo ist er denn? Wann wird er zurück erwartet? Ich muss ihn dringend sprechen und mein Libertus kann nicht ewig warten."
    Nur weil die Sklavin mir irgendwie symphatisch war, musste ich ihr ja noch nicht gleich alles über mich erzählen und warum ich hier war. Im Übrigen schien das Haus bescheid zu wissen, oder aber sie würden jeden und jede, der oder die sich ein Aurelier nannte reinlassen und bewirten.
    Dabei: Getränke waren ja gut und schön, aber eine Kleinigkeit zu essen wäre auch angebracht gewesen... Naja, solange der Herr ausser Hause war konnte man nicht zuviel erwarten.

  • Fhionn betrachtete die junge Dame von der Seite, als sie das gewüschte Getränk in den Becher einschenkte. Nun ja, von 'Dame' im eigentlichen Sinne, konnte bei ihr noch nicht die Rede sein. Sie war fast noch ein Kind! Sie schätzte sie auf dreizehn, vierzehn, allerhöchstens fünfzehn Jahre.
    Wenigstens war ihre miesepetrige Laune auf dem Rückzug, denn als Fhionn ihr die Erfrischung servierte, legte sie gleich eine etwas freundlichere Miene auf.
    "Nicht genau wissen, wann er kommen wieder zurück. Sagen nichts genaues! Sagen nur bald. Das vor zwei Stunden gewesen!" Fhionn zuckte nur mit den Schultern. Sie wußte selbst, wie sehr dehnbar das Wort "bald" war.
    Dann sah sie sich zu dem Mann um, der völlig unbeteiligt etwas abseits stand. "Du wollen auch Erfrischung? Verdünnte Wein, Saft und Wasser?" War er dieser Libertus, von dem sie sprach? Was immer das auch war, sie hatte keine Ahnung.


    Sie fragte sich, woher das Mädchen kam und wie lange sie unterwegs gewesen war. Wenn sie sie genau betrachtete, sah sie etwas dürr aus, fand Fhionn. Sie hatte bestimmt hunger! Wer weiß, wann sie zum letzten Mal etwas gegessen hatte, das arme Kind.
    "Du wolle essen, etwas? Hunger?"

  • Bald!! Bald! Na, das konnte ja noch dauern. Aber wenn er schon zwei Stunden weg war, vielleicht würde er dann doch bald schon wieder kommen.
    Ich beobachtete Blandus abschätzig, während er dankbar etwas Wein von der Sklavin annahm.
    Den würde ich bald los sein. Er hatte mich noch nie wirklich gemocht und ich ihn auch nicht. Doch andererseits war er gerade das Einzige mir Bekannte in dieser neuen Umgebung.
    Und dann bot die Sklavin mit dem gebrochenen Latein mir doch tatsächlich noch etwas zu essen, nachdem sie mich nicht unfreundlich gemustert hatte.
    Ich war ihr für die Geste sehr dankbar, doch lehnte ich höflich aber bestimmt ab. Mir war nicht nach Essen. Stattdessen saß ich eine Zeit still da, bis es mir zu langweilig wurde, die Fremde zu ignorieren.
    Also beschloss ich, mit ihr eine Unterhaltung anzufangen.
    Obwohl es mich tatsächlich interessierte, fragte ich sie mit gelangweiltem Ausdruck nach ihrer Herkunft.
    "Wie heisst Du? Und wo kommst Du her? Bist Du schon lange hier?"
    Bei einer Konversation mit einem standesgleichen hätte ich nun erstmal die Fragen mich betreffend beantwortet, doch gegenüber einer Sklavin war ich dazu nicht verpflichtet. Ich ging davon aus, dass die Sklavin noch nicht lange hier war, da sie sich sichtlich bemühte, richtig zu sprechen.

  • Daß die beiden Fremden einander nicht besonders mochten, bedurft gar keiner Worte, man sah es an ihrem Blick und auch an der Art, wie der Mann gelegentlich einen Blick auf das Mädchen warf. Davon unbeirrt, schenkte Fhionn dem Mann etwas von dem verdünnten Wein in seinen Becher. Der dankte es ihr freundlich und trank.
    Nachdem das Mädchen Fhionns Angebot, ihr etwas eßbares zu bringen, dankend abgeleht hatte, wollte sie schon gehen. Aber etwas ließ sie dann doch zögern, schließlich wollte sie die Fremde hier nicht völlig alleine sitzen lassen. Aber nur so in der Gegend herum stehen, war Fhionn auch unangenehm. Dann dieses Schweigen, das nun im Atrium herrschte, einem Ort, an dem sonst das Leben der Villa pulsierte, hatte etwas Bedrückendes an sich.
    Sie nahm es dann auch als Erleichterung auf, als das Mädchen, zwar etwas mit gelangweiltem Ausdruck, aber immerhin, sie etwas fragte. Die keltin lächelte freundlich und antwortete ohne zu zögern.
    "Ich heißen Fhionn. Komme aus Albion, ähm... Britannia. Ich jetzt sein mehr als ein Jahr hier.... Und du?"
    Kaum hatte sie ihre kleine harmlose Frage gestellt, biß sie sich auch schon wieder auf die Zunge. Es war garantiert keine gute Idee gewesen, sie danach zu fragen, wer sie war und woher sie kam. Aber jetzt war es zu spät.

  • Was für ein komischer Name das war. Aber was hatte ich erwartet. Wer aus einem fremden Land kam, würde auch einen fremden Namen haben. Aus Britannia, soso. Was verband ich mit Britannia?? Rein gar nichts. Es war irgendwo im barbarischen Norden, wo die Leute lebten, wie schon immer, wo die Zivilisation, wo Rom noch nicht Einzug gehalten hatten. Aber die Männer... Einmal hatte ich in Athen mit einem germanischen Sklaven geredet. Das heisst, ich hatte ihn beschimpft, weil er mich angerempelt hatte. Aber er hatte so ein Feuer in den Augen. Und Muskeln und was für einen Körper. Nicht so wie die Griechen, diese Schwächlinge... Im Moment stand ich also auf den nordischen barbarischen Typ, das konnte sich ändern. Aber gleichzeitig verachtete ich die nordischen barbarischen Frauen. Sie hatten einen Körper, wie ein halber Mann. Der zarte Körper der Frau und die feminine Seite, die römische Frauen, vor allem Adelige vorwiesen, das fehlte ihnen. Fhionn war nicht sonderlich stämmig gebaut. Aber mutig war sie.
    Hätte ich mich gar nicht erst auf dieses Gespräch einlassen dürfen? Ein Gespräch wurde von zweien geführt, daher musste ich wohl oder übel auf die Frage antworten. Andererseits beantwortete ich damit die Frage einer Sklavin. Sie hatte mich nicht zu fragen. Für einen Augenblick war ich unentschlossen und etwas unsicher. Doch dann entschied ich mich, zu antworten. Nur Blandus und diese Sklavin waren da, ausserdem war heute sowieso eine Ausnahme. Ich war noch nicht richtig in Rom angekommen und im alten Griechenland war ich auch nicht mehr.
    Ich entspannte mich etwas und auch meine aufgesetzte Langeweile verflog.
    "Ich heisse Aurelia Laevina und stamme von Aurelius Cotta ab. Mein Vater verstarb, also darf ich endlich aus Achaia weg und hierher nach Rom. " Kurz hielt ich inne, dann fuhr ich noch vertraulicher fort, nachdem ich mich einmal umgeblickt hatte. Blandus schaute mich sehr verwundert an. Wie kam es, dass ich jetzt mit dieser Sklavin so offen redete? Vielleicht trug das Gefühl, niemanden zu haben dazu bei. Vielleicht war es der Charakter - den ich zwar nicht kannte, aber mir ausmalte - der Sklavin. Vielleicht war es die Aufregung der Ankunft und die abfallende Anspannung der vergangenen Ereignisse und der Reise.
    Jedenfalls stellte ich Fhionn aus Britannien jetzt noch eine Frage.
    "Wer lebt alles in diesem Haus? Ich..."
    Ich wollte noch sagen, wie gespannt ich auf die Bewohner war und wie aufregend das alles war, doch dann hielt ich inne. Es war eine Sklavin, auch wenn sie sich nicht sonderlich so verhielt. Eigentlich gehörte sie dafür ausgepeitscht. Die Unsicherheit war wieder da und diesmal konnte ich sie nicht durch einen verachtenden Blick übermalen, ohne lächerlich dabei zu wirken. Also wartete ich auf die Antwort der Britin und fühlte mich erneut unwohl in meiner Haut.

  • Erleichtert stellte sie fest, daß ihre Fragerei ohne Folgen bleiben würde. Die junge Frau entschloß sich, ihr sogar zu antworten. Fhionn registrierte auch eine entspanntere Körperhaltung bei dem Mädchen. Vielleicht brauchte sie einfach jemanden zum reden. In diesem Alter waren Mädchen nun einmal sehr schwierig. Es war die Zeit, in der man die ersten eigenen Erfahrungen machte und seinen eigenen Weg suchte. Deibei waren Streß und Ärger meist vorprogrammiert.
    Sie nannte ihren Namen und den ihres Vaters. Dabei mußte Fhionn gewaltig stutzen. Aurelius Cotta war ihr Vater und der war tot? Nein, war er doch gar nicht! Der saß doch in seinem cubiculum und erfreute sich, na ja nicht so der besten Gesundheit.
    "Nein, nicht tot sein, Aurelius Cotta! Er ist leben hier! Er dein Vater?" Sie wollte immer noch nicht recht daran glauben. Dieser Cotta war doch noch so jung. Oder unterlag sie hier einem Irrtum? "Dein Vater seien wirklich tot? Aber hier wohnen auch Aurelius Cotta!"
    Allmählich dämmerte es ihr, daß sie sich doch geirrt haben mußte. Es mußte einen Zweiten dieses Namens gegeben haben! Vor Scham lief sie rot an und hätte sich sicher am liebsten verkrochen. Wohin, wußte sie aber selbst nicht so genau.
    Sie räusperte sich, um ihre Verlegenheit zu verbergen und sich nun wieder ihrer Fragen widmen zu können. Sicher war sie in erster Linie an den Namen ihrer Verwandten interessiert.
    Hier wohnen dominus Corvinus, Aurelius Ursus, kommen zurück von Germanien, Aurelius Avianus und Aurelius Catullus, das seien Brüder, dann Aurelius Orestes, Aurelia Minervina, das Schwester von Ursus und dann noch Aurelia Prisca, das seien Nichte von Corvinus. Ja, und dann noch Aurelius Cotta hier wohnen!“ So, jetzt hatte sie alle aufgezählt und hatte hoffentlich niemanden vergessen. Bei so vielen Menschen konnte man leicht die Übersicht verlieren.

  • Meine Augen weiteten sich. Sie widersprach mir tatsächlich. Er sei nicht tot?? Doch dann fügte sie hinzu, er wohne hier.
    "Mein Vater war Marcus Aurelius Lyso und er wohnt sicher nicht hier. Mein Grossvater war Cotta, Marcus Aurelius Cotta. Doch auch er wohnt nicht hier und ist schon länger verstorben. Ein anderer Mann des gleichen Namens ist mir nicht bekannt, doch in unserer Familie ist es ja nicht ungewöhnlich, zwei des gleichen Namens zu finden."
    Durch meine Ungenauigkeit - ich hatte meinen Grossvater als meinen Ahnen bezeichnet - war es zu einem Missverständnis gekommen.


    Sim-Off:

    sry!! :(


    So viele Leute wohnten in diesem Haus. Und so wenig Frauen...
    Wer wusste, wie lange es dauern würde, bis ich alle kennen gelernt hätte. Na hoffentlich kam jetzt wenigstens bald der Hausherr zurück. Ich seufzte. Warum, wusste ich auch nicht so genau, aber irgendwie war mir gerade danach.

  • Sim-Off:

    Macht nix! ;)


    Fhionn zuckte ängstlich zusammen. Hatte sie die Römerin jetzt erzürnt? Der Drang, einfach wieder verschwinden zu können, wurde in ihr wieder stärker. Wenn sie sich doch nur hätte davon schleichen können. Aber da sie mit ihr ja praktisch alleine war, wäre das mit hundertprozentiger Sicherheit aufgefallen! (:D) Also war Stellung halten die Devise.
    "Tut mir leid! Ich dich nicht wollte Ärger!" Fhionns Stimme klang verschüchtert. Sie saß hier in der Falle und sah keinen Weg mehr, zu entkommen. Hoffentlich kommt bald Corvinus, dachte sie und seufzte unbewußt, so wie es das römische Mädchen auch getan hatte. Es mußte doch irgendetwas geben, was sie machen konnte. Ratlos schaute sie zu ihr hinüber, dann zu ihrem Begleiter und als sich nichts tat, wich ihr Blick zu den schön bemalten Wänden, die ihr bereits an ihrem ersten Tag aufgefallen waren.


    Allerdings war dies auf die Dauer auch nicht das Wahre! Vielleicht sollte sie doch noch ein Gespräch anfangen. So wäre ihnen beiden geholfen, während sie warteten.
    "Du kommen auch A..Achia? Wo ist das? Ich nicht kennen das."

  • Das entwickelte sich zu einem ziemlich langweiligen Gespräch und die Zeit des Wartens streckte sich. Doch alleine wäre es wahrscheinlich noch öder gewesen.
    Nein, sie hatte mich nicht verärgert, ich nickte nur begnadigend. Dann herrschte eine Zeit lang Ruhe, in der wir beide den Raum betrachteten und die Bilder. Sie schienen der Sklavin zu gefallen.
    Schliesslich schien sie sich entschieden zu haben, das Gespräch doch weiter zu führen. Es war mir Recht, nur in die Gegend zu starren war ja auch nicht das Wahre.
    "Achaia, Athen. Hast Du das noch nie gehört? Die Griechen waren die erste grosse Zivilisation. Von ihnen haben wir ganz viel gelernt. Aber heute ist es freilich unter römischer Herrschaft. Die Griechen sind verweichlicht, sie sind Sklaven..." War das jetzt unpassend? Schliesslich waren die Britannier soweit ich wusste auch Barbaren und ein Sklavenvolk. Naja, egal. Ich fuhr fort: "Das Land liegt im Osten. Aber nicht allzu weit. Britannien ist genau auf der anderen Seite der Welt, nicht? Einer meiner Lehrer hat das mal erwähnt... Er war auch ein Grieche."
    Nun hatte ich genug die Konversation vorangetrieben. Hoffentlich kam Corvinus bald. Und ich meinte zu merken, dass auch meine Gesprächspartnerin sich nicht besonders für unser Gespräch interessierte und am liebsten gegangen wäre. Doch dann wär ich ja - mit Blandus - ganz allein gewesen.

  • Das war ein recht angenehmer Tag gewesen. Ursus hatte sich gut unterhalten und vieles erfahren. So war er recht gut gelaunt, als er nach Hause zurückkehrte. Kaum hatte er das Haus betreten, hatte Leone ihn über die Ankunft von Laevina informiert. Unwillkürlich fuhr sich Ursus ordnend durch das leicht zerzauste Haar, dann betrat er das Atrium. Nicht wenig neugierig, wie er zugeben mußte. Denn mehr als das, was in jenem Brief gestanden hatte, wußte er nicht über die junge Verwandte.


    "Salve und herzlich willkommen in der Villa Aurelia", begrüßte Ursus die Verwandte herzlich und trat lächelnd auf sie zu. Etwas erstaunt blickte er sich um. Was denn? Nur etwas zu trinken? Nichts zu essen? Nach so einer langen Reise? "Hat Dir denn noch niemand einen Imbiß gereicht? Nach der langen Reise bist Du sicher sehr hungrig. Fhionn, ist Corvinus schon informiert? Und schick doch mal jemanden nach einer Kleinigkeit zu essen. Ein Bad sollte auch vorbereitet werden." Daß sich bereits jemand um das Zimmer von Laevina kümmerte, davon ging er mal ganz fest aus.


    "Ich bin Titus Aurelius Ursus", stellte er sich dann erstmal vor, rechnete aber nicht unbedingt damit, daß sie mit seinem Namen etwas anzufangen wußte. Wieviel sie wohl überhaupt über ihre Verwandtschaft wußte?

  • Ein junger recht gut aussehender Mann betrat den Raum. Er war eindeutig ein Aurelier, das sah ich ihm an. Er schien gut gelaunt und ich freute mich, dass er gekommen war. Mit der britischen Sklavin war es langweilig geworden und ausserdem erwartete ich, dies wäre Corvinus. Auch wenn ich gedacht hatte, der wäre älter...
    Zuerst beließ er mich in diesem Glauben. Er wusste offensichtlich auch, dass ich hier war und schien mich erwartet zu haben. Sehr freundlich hiess er mich willkommen, ich hatte natürlich sofort Haltung angenommen, als er den Raum betrat. Ich schüttelte nur den Kopf, als er mich wegen des Imbisses fragte. Ich hatte diesen ja abgelehnt, aber es würde schlecht aussehen, wenn ich das Essen nicht annehmen würde. Und was die Sklavin dachte, war mir letzlich egal. Dies war endlich ein Verwandter. Ich war weiterhin nicht besonders hungrig, essen fand ich sowieso ziemlich mühselig... man wurde eh früher oder später wieder hungrig. Ein Bad? Das war dagegen nicht schlecht. Aber erstmal wollte ich Corvinus kennenlernen. Denn als der Neuankömmling sich vorstellte wurde mir bewusst, dass er nicht mein zukünftiger Vormund war. Meine Augen öffneten sich weit vor Erstaunen. Dann erinnerte ich mich, dass die Britin ihn aufgezählt hatte.
    Da ich ihn bisher allein hatte reden lassen, war es wohl nun angebracht, etwas zu sagen. Ich versuchte meine Worte mit Bedacht zu wählen, obwohl das noch relativ häufig schief ging. Ich schaute ihm in die Augen, während ich mit ihm sprach, anders als mit der Sklavin.
    "Ich bin Aurelia Laevina, Tochter des Marcus Aurelius Lyso. Wie Du wohl weisst, bin ich gerade aus Achaia angekommen und werde wohl bei Corvinus hier wohnen...". Schon gingen mir die Worte aus. Ich schlug die Augen nieder, bevor ich meinen Verwandten von unten herauf hilfesuchend anschaute. Mir wurde bewusst, wie nervös ich wegen dieses Neuanfangs war. Zum Glück passierte mir das hier und nicht gegenüber Sklaven oder anderen Patriziern. Immerhin war das hier Familie... wie auch immer ich mit Ursus verwandt war. Ich bildete mir ein, es läge an seiner ausgeprägten Präsenz im Raum und seinem sehr selbstbewussten Auftreten.

  • Nein, Fhionn hatte weder von Athen noch von Achaia gehört. Die Welt, die sie kannte war das grüne Fleckchen Erde, wo sie einst lebte und vor langer Zeit auch einmal glücklich gewesen war. Selbst Rom, die Stadt, die man ihr als neue Heimat aufgezwungen hatte, war ihr eigentlich noch fremd.
    Das, was sie über das Volk der Griechen sagte, erinnerte sie sehr stark daran, wie so mancher Römer, zu Hause in ihrer Heimat über ihr eigenes Volk dachte redete. In ihren Augen war sie und ihr Volk nichts weiter, als Barbaren. Sie waren alle so überheblich und arrogant. Fhionn hatte für solcherlei Leute nur wenig übrig. Doch ihrem Gegenüber wollte sie dergleichen nichts verlauten lassen. Nein, sie traute nichts und niemandem, der römisch war. Wahrscheinlich würde sich dies auch niemals ändern.
    "Nein, nicht kennen..." Weiter kam sie nicht, denn plötzlich betrat einer der Aurelier das Atrium. Durch Urus Erscheinen war sie schon etwas erleichtert. Wenigstens war sie jetzt nicht mehr gezwungen, sich weiterhin mit der Römerin unterhalten zu müssen.
    Ursus begrüßte sie und erkundigte sich, ob man ihr schon etwas angeboten hatte. Die Römerin wiederum schüttelte daraufhin den Kopf, was Fhion mehr als traf. Natürlich, sie war eben eine Römerin! Einer der man nicht trauen konnte und durfte. Hätte sie jemals etwas anderes erwarten dürfen?
    Fhionn beantwortete die Anweisungen des Aureliers nur mit "Ja" und verschwand daraufhin, während sie die Römerin nicht mehr weiter beachtete.

  • Fhionn flüchtete geradezu, was Ursus ein wenig wunderte. Doch natürlich rechnete er damit, da sie jeden Moment wieder hier erschien, denn er hatte ihr ja aufgetragen, andere mit den Aufträgen zu betrauen. Immerhin sollte hier immer jemand zur Verfügung sein. Außerdem schien sie sich ja mit Laevina ganz gut zu verstehen, was nur von Vorteil sein konnte. Davon, daß das Gegenteil der Fall war, bemerkte er nichts.


    Doch er bemerkte an ihren Blicken sehr wohl ihre Unsicherheit. Natürlich, sie kannte ja niemanden hier. Verwandt oder nicht, sie war hier völlig fremd. Er bemühte sich daher um einen verbindlichen und herzlichen Ton, als er weitersprach, damit sie sich wenigstens schon willkommen fühlen konnte. "Ich bin sehr erfreut, Dich kennenzulernen, Laevina. Wir sind zwar etwas weitläufiger verwandt, doch ich hoffe, es macht Dir nichts aus, wenn ich Dich Cousine nenne? Leider habe ich Deinen Vater praktisch nicht gekannt. Ich wollte ihn besuchen, als ich in Griechenland zur Ausbildung war, doch es hieß, er sei verreist und so hat es sich leider nicht ergeben. Corvinus wird also Dein Vormund sein? Nun, ich bin sicher, er wird sich gut um Deine Angelegenheiten kümmern. Wundere Dich nicht, er ist nur wenige Jahre älter als ich und eben doch bereits der Familienvorstand. Er ist eben mit Abstand der jüngste unter den Geschwistern gewesen. Wie war denn Deine Reise hierher? Ich hoffe, nicht zu beschwerlich?" Er selbst hatte damals ausgesprochenes Glück gehabt. Ruhige See und gutes Wetter.

  • An diesem Tag verließ Orestes ausnahmsweise einigermaßen früh das Capitol, ging nur kurz grüßend an Leone vorbei und wunderte sich nicht schlecht im Atrium einen Verwandten zu sehen, der zwar schon einige Zeit aus Germanien zurückgekommen war, dem er aufgrund der vielen Arbeit aber noch nicht begegnet war: Ursus. Außerdem sah er eine junge Dame , die saß und einen - wahrscheinlich - Sklaven, der zu ihr zu gehören schien. "...Corvinus wird Dein Vormund sein...", hatte er von ferne vernommen. Also war die junge Dame wohl ein Familienmitglied. So ging es hier in der Villa anscheinend ständig zu Familienmitglieder kamen und gingen.


    Etwas abgespannt von den Mühen des Tages betrat er also das Atrium und kam nicht umhin sich dazuzugesellen, wollte er nicht unhöflich erscheinen. " Salvete! Ursus laufen wir uns eindlich einmal über den Weg - und: oh verzeih, dass ich zuerst die junge" - er liebte diese Schüsse ins Blaue - Cousine begrüße. Ich bin Manius Aurelius Orestes. Enkel des großen Crassus und Sacerdos des Iovis.. Dabei deutete er eine leichte Verbeugung an.

  • Die Sklavin zog sich sehr schnell zurück, was mir ganz recht war, so sah sie nicht so viel von meiner Unsicherheit. Aber auch Ursus warme Worte halfen mir, mich etwas wohler zu fühlen. Also fasste ich neuen Mut und schaute ihm erneut in die Augen. Er wollte mich seine Cousine nennen. Da ich nicht wusste, wie wir verwandt waren, konnte ich kaum widersprechen, also nickte ich lächelnd.
    Das war ein echter Römer, der in Rom lebte und wirkte, anders als Vater, aber in Athen studiert hatte. So gehörte es sich für einen Aurelier, einen Römer überhaupt. Aha, Corvinus war also auch nicht sehr alt. Das war bestimmt auch von Vorteil. Schliesslich fragte er mich nach meiner Reise. Da er so herzlich mit mir umging, antwortete ich sehr direkt und seufzend: "Es war soo langweilig! Ewig saß ich auf diesem winzigen Boot fest, umgeben nur von Abschaum. Es war eng und unbequem...". Dann ging mir auf, dass er wahrscheinlich das Wetter und die Wellen meinte. Also fuhr ich hastig fort: "Aber das Wetter war gut! Ich bin auch fast nie krank geworden vom Wellengang..."
    Ein weiterer junger Mann betrat den Raum. Hier wimmelte es ja davon. Er schien Ursus zu kennen, aber ihn länger nicht gesehen zu haben... und wieso wusste er von mir? Er nannte mich auch Cousine. Ich war mir ziemlich sicher, dass er nicht mein Cousin war, doch Cousine zu sein, war sicher nicht das Schlechteste. Orestes. Der grosse Crassus. Das sagte mir etwas... wenn auch nicht viel. Ein Priester, das war ein weiterer ehrenvoller Aurelier!
    Ich nickte ihm mit breitem Lächeln zu und freute mich an seiner Mini-Verbeugung. Dann stellte ich mich auch vor.
    "Ich bin Aurelia Laevina und gerade aus Achaia eingetroffen...". Ich wurde mutiger und fügte mit einem frechen Grinsen hinzu: "Tochter des grossen Lyso...". Schliesslich wandte ich mich wieder an Ursus und fragte: "Was tust Du eigentlich? Ich meine ausserhalb Deiner Freizeit..." Das war eine ziemlich dumme Formulierung, es klang so, als ginge ich davon aus, er würde immer nur rumhängen, oder? Ich biss mir auf die Lippen und schaute mal wieder kurz verlegen auf den Boden. Rhetorik hatte ich nie gelernt, aber vielleicht sollte es mir mal einer beibringen!

  • Ursus, der keine Ahnung hatte, was für Laevina alles unter den Begriff Abschaum fiel, zeigte sich bei ihrer Schilderung nicht wenig geschockt. "Ihr Götter, auf was für einer Nußschale bist Du denn hierher gereist? Hast Du denn keine Passage auf einem ordentlichen Schiff erhalten können?" Sein strafender Blick wanderte zu dem Sklaven, der stumm dabei stand. Hatte dieser nicht vernünftig für seine Herrin sorgen können? Ein Wunder, daß sie gesund und unbeschadet in Rom angekommen war.


    Gerade hatte er noch etwas zu dem Thema sagen wollen, da betrat Orestes das Atrium. "Orestes! Schön, Dich endlich mal zu treffen. Seit meiner Rückkehr aus Germanien sind wir uns ja wirklich geschickt aus dem Weg gegangen." Er lachte, denn natürlich hatte es bei ihnen beiden keineswegs in der Absicht gelegen, sich nicht zu treffen. Es hatte sich schlicht nicht ergeben. Er begrüßte den Verwandten mit der üblichen kurzen Umarmung, bevor er sich wieder an Leavina wandte, um ihre - zugegebenermaßen recht freche - Frage zu beantworten.


    "Weißt Du, ich bin schließlich Patrizier. Da muß man doch eigentlich nichts weiter tun, als über das Forum zu wandeln und gut auszusehen, oder?" Er lachte wieder und seine Augen blitzten dabei ein wenig übermütig. Es war nicht zu übersehen, daß dies nur ein Scherz war. "Nein, keine Angst, ich bin kein Müßiggänger und Geldverschwender. Ich widme mich der Politik und beschreite den Cursus Honorum. Die Amtszeit als Vigintivir habe ich bereits erfolgreich hinter mich gebracht und bin erst vor kurzem aus Germanien heimgekehrt, wo ich mein Tribunat abgeleistet habe. Zur jetzt kommenden Wahl werde ich wohl als Quästor kandidieren. Außerdem habe ich vor, mich in Zukunft in der Schola Atheniensis als Dozent zu betätigen. Doch das erfordert noch einige Vorbereitung." Er zuckte mit den Schultern. Letzteres war noch ziemlich unausgegoren, doch er zweifelte nicht daran, daß er damit zurecht kommen würde.


    "Aber was ist mit Dir? Was erwartest Du von Deinem Leben in Rom? Was möchtest Du tun?" Neugierig musterte er die junge Cousine. Bestimmt hatte sie einige Träume und Erwartungen mitgebracht. Ob sie sich wohl mit Minervina verstehen würde? Das wäre zumindest wünschenswert.

  • Ich war durchaus Ursus´ Meinung, dass das Boot schlecht war, auch wenn mir klar war, dass das nicht allein Blandus´Schuld gewesen war. Wie auch immer beliess ich es darauf, da der andere Verwandte in diesem Moment den Raum betreten hatte.
    Ich musste grinsen, ob seines Witzes und er gefiel mir immer besser. Schade eigentlich, dass er mein Cousin war... Zu alt fand ich ihn auf jeden Fall nicht, er war gerade im richtigen Alter, erfahrener als die meisten Jungen in meinem Alter aber noch kein eingestaubter Onkel.
    "Ein Politiker... Dann wünsche ich Dir viel Erfolg bei der Wahl. Du würdest das Amt mit Sicherheit mit Würde tragen." Nach den Erzählungen meines Vaters war das Quästorenamt ziemlich langweilig und unnütz, doch es war nun mal das Sprungbrett zu Höherem. Ein politischer, gebildeter Soldat... das war wahrlich eines Römers und Patriziers würdig! Ich war zufrieden. 8)
    Oh, ich erwartete viel von meinem Leben in Rom. Alles, sozusagen. Ich sagte etwas wage, genau wusste ich es ja auch noch nicht: "Nun, ich möchte gerne in die Oberschicht eingeführt werden, in Griechenland waren wir sehr einsam. Und ich möchte geniessen, im Zentrum der Welt leben zu können. Ich hoffe, Ihr nehmt mich mal mit in die Stadt und zeigt sie mir!" Ich sprach aus Höflichkeit mit beiden, doch Ursus faszinierte mich immer mehr, so lächelte ich nur ihn verschmitzt an.

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