officium MAC | Briefe, Schreiben und Papierberge

  • "Etwas mehr als achtundfünfzig aurei, mh... Das ist weniger, als ich vermutet hatte", kommentierte ich zu Pyrrus gewandt den Brief des Duccius Verus. "Du hast es gehört. Veranlasse die Zahlung an die Stadtkassse der Stadt. Aber zuerst verfasse ein Antwortschreiben: Ich danke dir für deine freundlichen Worte und deinen Einsatz. Männer wie dich braucht der cultus. Wenn dich dieses Schreiben erreicht, sollte die Stadtkasse Mogontiacums die übermittelte Summe bereits erhalten haben. Ich bin stolz darauf, an diesem Projekt, wenn auch nur als Sponsor, mitgewirkt zu haben. Der eigentliche Dank für den reibungslosen Ablauf und die Organisation wie Überwachen allerdings gebührt dir, und du sollst wissen, dass ich hier in Rom dafür sorgen werde, dass man im cultus davon weiß, wem die germanische Hauptstadt ihre schönen neuen Tempel zu verdanken hat." Ich runzelte die Stirn, nahm den Papyrus in die andere Hand und dachte nach. "Meiner Familie geht es prächtig, ich danke deiner Nachfrage. Mein Neffe Titus Ursus hält inzwischen ein Sitz im Senat, und mein Mündel Laevina ist nun die Frau des amtierenden consul Tiberius Durus. Wie ich hörte, befinden sich auch die Deinen wohl. Ein Verwandter von dir, Titus Vala, war vor kurzem bei mir vorstellig geworden. Er schien verwundert, im Großteil Gutes von mir über deine Familie zu hören, selbst als ich ihm versicherte, dass ich bisher schlichtweg keinen Grund zur Klage hatte. Ich überlege, ihn als scriba personalis zu beschäftigen, da er nach eigenen Angaben auf der Suche ist. Ich beabsichte überdies, im kommenden Amtsjahr erneut zum aedilis curulis zu kandidieren, um meine lückenbehaftete Präsenz der letzten Amtszeit wett zu machen. Doch genug von mir - wie ergeht es euch im kalten Germanien? Gewiss liegen Berge von Schnee. Ich hörte auch, dass dein Verwandter und mein subauctor Lando Vater geworden ist. Bitte übermittle ihm doch meine herzlichsten Glückwünsche. Meiner Frau und mir war ein solches Glück bisher nicht vergönnt, doch wir arbeiten daran. Was du mir über deine Schülerin berichtest, klingt vielversprechend. Sorge nur dafür, dass sie weiterhin emsig und fleißig ist, dann bin ich mir sicher, dass sie mit deiner Hilfe eine Koryphäe auf ihrem Gebiet wird. So denn will ich schließen. Ich danke dir nochmals herzlich für die Zusammenarbeit und bitte dich, mir umgehend mitzuteilen, wenn ich mich bei dir revanchieren kann. Möge deine Familie von den Göttern mit Wohlwollen betrachtet werden. Hast du das?" Pyrrus nickte und sortierte das eben beschriebene Dokumente nach unten in den Stapel ein, den er auf seinem Schoß trug.


    "Gut. Der nächste geht an meinen Patron. Gruß und Segen aus der urbs aeterna sende ich dir, patronus. Wie ich hörte, befandest du dich auf einer Inspektionsreise durch Germania. Ich hoffe, du bist inzwischen wohlbehalten wieder zurück und hast keinen Grund zur Klage. Ich lege dir eine Ausgabe der Acta bei, die dich sicherlich vor den üblichen Abschriften erreichen wird, und will dir ein paar Neuigkeiten berichten. Über den Kaiser hört man letztens kaum noch etwas. Genauso allerdings von Vescularius. Ich frage mich, ob dies die Ruhe vor dem Sturm darstellt und worauf wir uns gefasst machen müssen. Der Acta kannst du entnehmen, dass es darüber hinaus letztens viele Ernennungen am Kaiserhof gegeben hat. Die Kanzlei ist so voll besetzt wie nie. Wenn du mich fragst, schart Aelius Quarto Verbündete um sich. Es geht gar das Gerücht, dass es ein Treffen mit den Flaviern gegeben hat. Zweck und Absicht sind allerdings unklar. Ich werde beobachten, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Mein Mündel Laevina hat inzwischen Tiberius Durus geehelicht, und eine weitere Verbindung zum Hause Tiberia steht an. Manius Orestes hat auf der Hochzeitsfeier seine sponsalia mit Tiberia Arvinia bekannt gegeben, und mein Neffe Ursus, der inzwischen einen Sitz im Senat hält, plant, Tiberia Septima zu heiraten. Auch wenn ich vermute, dass deine Pflichten dich abhalten werden, so bist du doch bereits jetzt recht herzlich zu den Feierlichkeiten eingeladen. Mein anderer Neffe, Tiberius Avianus, wird in Kürze seine Amtszeit als quaestor consulum abgeschlossen haben. Für die kommenden Wahlen gedenke ich selbst, erneut zum Ädil zu kandidieren. Meine krankheitsbedingte, lückenbehaftete letzte Amtszeit war wenig befriedigend, sowohl für Rom als auch für mich selbst. Daher halte ich diesen Schritt für richtig. Gemeinsam mit mir will auch mein Verwandter Publius Imbrex kandidieren, allerdings zum vigintivir. Ich bitte dich, ihn nach Kräften zu unterstützen. Trotz seiner jungen Jahre zeigt er doch ein unerschütterliches Selbstvertrauen und eine Entschlossenheit und Zielstrebigkeit, die honoriert werden sollte. Ein Verwandter meiner Frau Celerina will ebenfalls kandidieren. Sein Name ist Flavius Piso, und ich habe auch ihn als sehr selbstbewusst und engagiert kennen gelernt. Beide Männer möchten übrigens Eintritt in ein stadtrömisches Priestercollegium finden und beweisen damit nochmals soziales Engagement. Ich bitte dich, auch ihn zu unterstützen. Doch nun genug von mir. Wie ergeht es dir und deiner Frau im kalten Germanien? Sicher habt ihr viel Schnee in diesem Jahr. Ich hoffe, dass sich wenigstens die Aufstände an den Grenzen des Reiches in Grenzen halten. Dein Klient Duccius Vala war übrigens kürzlich bei mir. Ich überlege derzeit, ihn nicht als scriba einzustellen. Nun denn, hast du Anweisungen oder Aufträge für mich? Dann will ich ihnen gern nachkommen. Die Götter mögen über dich und deine Familie wachen und euch ein gutes Jahr bescheren." Pyrrus sortierte auch dieses Schreiben nach unten. Zwei weitere Diktate an Klienten in Germanien folgten, ebenso einer an den Verwalter des mogontinischen Hauses, dann winkte ich Pyrrus, und er legte die Schreiben vor mir ab, damit ich sie unterschreiben und Siegel konnte. Irgendwann später am Tage würde sie jemand zur Poststelle bringen.

  • Im Grunde war es mir gleich, wer von den scribae, die dieser Tage um mich herumwuselten, diese Briefe aufsetzen und dafür sorgen würde, dass sie auch möglichst rasch ankamen. Ich ließ einfach nach dem erstbesten Schicken.


    "Salve... Ich habe hier ein Schreiben, das bitte noch einmal kopiert werden müsste. Der Name der zweiten Empfängerin lautet Iunia Serrana. Sie wird ihren Einsatzort auf dem Nervaforum finden, im Minervatempel dort. Das ist also entsprechend zu ändern. Sonst bleibt der Text identisch. Ah, und beide benötigen eine Abschrift der Urkunde, die inzwischen hoffentlich aushängt..." Ich blickte auf und sah überhaupt jetzt erst, wer vor mir stand.
    Es war Pyrrus, der seine Arbeit wie gewohnt zügig erledigte.


    Sim-Off:

    edit: Na, wenn keiner möchte... ;)



    Ad
    Germanica Calvena
    casa Germanica in Roma



    M. Aurelius Corvinus Germanicae Calvenae s.d.


    Du wirst hiermit über deine erfolgte Ernennung zur aeditua in Kenntnis gesetzt, deine Ernennungsurkunde hängt diesem Dokument an.


    Der Tempel der Iuno Moneta wird vorerst dein Haupteinsatzgebiet sein, doch scheue nicht davor zurück, Germanica, auch in anderen Tempeln auszuhelfen, so dies erforderlich sein wird. Eine Koordination der aeditui untereinander ist diesbezüglich ausdrücklich erwünscht. Das collegium pontificium wird nur im Schlichtungsfalle entsprechend eingreifen und leiten. Sollte es diesbezüglich zu unklärbaren Gegebenheiten kommen, so wende dich bitte jederzeit vertrauensvoll an meine Person. Ich werde das Anliegen dann weiterleiten.


    Eine baldestmögliche Aufnahme der Arbeit deinerseits ist gewünscht.


    Mögen die Unsterblichen dich behüten.


    Für den cultus deorum
    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/2755/macunterschriftmn6.png]
    - senator et pontifex -




    ROMA, ANTE DIEM XIII KAL MAR DCCCLX A.U.C. (17.2.2010/107 n.Chr.)



  • Ad
    Decimus Furius Licinus
    castra cohortes urbanes in Rom
    ITALIA


    EDICTUM AEDILIS CURULIS
    ANTE DIEM IV KAL MAR DCCCLX A.U.C. (26.2.2010/107 n.Chr.)


    Bei der Kontrolle der Betriebe innerhalb meines imperium fiel eine Imkerei auf, welche auf den römischen Quiriten Decimus Furius Licinus zugelassen wurde. Du hast als Angehöriger des exercitus romanus lt. codex universalis, lex mercatus § 3, Abs. III. jedoch mindestens den ordo equester vorzuweisen, um eine Konzession für diesen Betrieb zu erhalten.


    Du wirst daher aufgefordert, die vorgenannte Voraussetzung umgehend in schriftlicher Form und beglaubigt durch deinen Vorgesetzten nachzuweisen. Die Frist hierfür wird auf vierzehn Tage nach Zustellung dieses Dokumentes festgesetzt. Erfolgt der Nachweis nicht, wird dieser Verstoß gegen die lex mercatus mit einer Geldstrafe geahndet. Der Betrieb ist bis zur erfolgten Freigabe durch meine Person stillzulegen.


    Beschwerde oder Einspruch ist an den amtierenden Consul zu richten.


    Gezeichnet und verfügt:


    [Blockierte Grafik: http://img382.imageshack.us/img382/2755/macunterschriftmn6.png]



    ROMA, ANTE DIEM IV KAL MAR DCCCLX A.U.C. (26.2.2010/107 n.Chr.)


  • Als Caecus an diesem Morgen die Post brachte, hatte er einen Brief mit aurelischen Siegel dabei. Er lag zu oberst, und ich riss ihn förmlich an mich - in der Hoffnung, dass Cotta von sich berichtete. Doch als ich das Siegel gebrochen und die ersten Zeile überflogen hatte, war mir klar, wer geschrieben hatte. Aurelius Fulvus. Jener Tausendsassa, der damals Rom und der Politik den Rücken gekehrt hatte, um sich auf seinem Landsitz in Achaia die Sonne auf den Faulpelz brennen zu lassen. Ich hatte ihn nicht oft gesehen, und damals war ich noch sehr jung gewesen, weswegen in meiner Erinnerung bestenfalls ein verschwommenes Bild von ihm. Mein Vater jedenfalls hatte vermieden, die Sprache auf ihn zu bringen, und wenn er doch von ihm geredet hatte, war selten ein gutes Wort gefallen. Einen Sextus Lupus kannte ich nicht, doch der Name zeugte davon, dass Fulvus nicht eben untätig gewesen war. Ich las den Brief zu Ende und legte ihn dann kopfschüttelnd fort.


    "Schlechte Nachrichten?" fragte Pyrrus. Ich zuckte mit den Schultern. "Wie man es nimmt. Ich soll den Sohn eines entfernten Verwandten mit einer Flavia verheiraten", erwiderte ich zweifelnd. Der Name Aetius sagte mir zwar schon etwas, doch war ich mir nicht sicher, in welchem Zusammenhang Celerina diesen Namen genannt hatte. Ich würde sie bei Gelegenheit fragen. "Ach, dann kommt noch einer nach Rom?" Ich nickte. "Ja. Ob er bereits auf dem Weg ist oder nicht, kann ich dem Brief nicht entnehmen. Und auch den Namen der Kandidatin nicht, oder ob eine Verlobung bereits vorbestimmt wurde. Sende ihm eine Zusage. Pyrrus. Und schreibe auch, dass ich es gut heiße, wenn er seine Sprösslinge hierher schickt. Dann bekommen sie wenigstens etwas von der Politik mit." Begeistert klang ich nicht, aber was sollte ich machen? Ich würde mir diesen Lupus anschauen und dann urteilen.

  • Ein zweites Mal studierte ich die Worte auf dem Einladungsschreiben, nachdem Livius Pyrrus sie mir zuvor schon vorgelesen hatte. Eine zweifache Hochzeit also. Es waren die beiden Mädchen, deren Priesterprüfungen ich abgenommen hatte. Dennoch sträubten sich meine Nackenhaare, wenn ich auch nur daran dachte, zwei Hochzeiten in der domus der Iunier zu feiern. Ich erinnerte mich noch gut an Iunia Axilla, und es wären nicht nur Iunier dort, sondern mindestens ebeneso viele Germanicer. Dennoch - dies war eine gesellschaftliche Veranstaltung, ich war Ädil. Ich seufzte schwer. "Pyrrus. Frage meine Frau, ob sie sich in der Verfassung... Nein, frage sie besser einfach, ob sie dort hingehen möchte", wies ich ihn an und winkte mit der Einladung. Der Schreiber nahm das Papyrus, stimmte zu und war dann verschwunden. Lustlos widmete ich mich einem weiteren Bericht über die Kontrollen der Märkte.


    Ich saß immer noch darüber gebeugt dort, als Pyrrus wieder kam. "Sie sagt, sie würde dich begleiten, auch wenn sie nicht allzu viel Lust verspürt", verkündete Pyrrus und legte die Einladung zurück auf den Tisch. Ich sah zunächst ihn an, dann die Einladung. Und ich traf eine Entscheidung. "Gut. Dann lassen wir diese Veranstaltung ausfallen. Besorge ein Geschenk, nein, besorge zwei. Und dann formulierst du eine Gratulation und lässt es irgendwen vorbeibringen." Pyrrus nickte und verschwand wieder, um Celerina mitzuteilen, dass wir nicht zu dieser Hochzeit gehen würden.

  • Ein Brief aus Germanien lag ganz zu unterst im Stapel. Antworten und Anweisungen waren daher bereits zu Hauf diktiert, als mir das Dokument des Duccius Marsus in die Hände fiel. Ich wunderte mich kurz, dann brach ich das Siegel und las. Duccius Lando verstarb kürzlich bei einem Überfall im Wald. Ich las es erneut. Duccius Lando verstarb kürzlich bei einem Überfall im Wald. Dann blinzelte ich irritiert und las weiter. Eine Todesanzeige mit Übernahme der anfallenden Kosten. Duccia Elva und Duccia Sila, Frau und Tochter. Ich legte das Schreiben beiseite und sann über das Gelesene nach. Lando war einer unserer erfahrendsten subauctores gewesen. Wir hatten zwar nicht oft Kontakt gehabt, ihn aber dennoch gehalten. Er galt - hatte - als bester Korrespondent Germaniens gegolten. Und er sollte nun bei einem Überfall ums Leben gekommen sein? Ich runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. "Pyrrus. Wir schreiben noch einen Brief", wies ich ihn schließlich an. Besser noch zwei. Der Schreiber zückte sein Werkzeug, und dann fing ich an zu diktieren.

  • "dominus, es ist eben ein Brief von Tiberia Septima gekommen. Per Bote, es scheint wichtig zu sein", informierte mit Caecus, der soeben den Kopf zur Tür hinein steckte. Septima schickte einen Boten? Ich überlegte, wann ich den Brief hatte verschicken lassen. Sie musste sofort geantwortet haben. Ich winkte ihn hinein. "Zeig her", sagte ich, und Caecus trat ein, um mir den Brief zu lesen zu geben.


    Als ich ihn sinken ließ, war ich nachdenklich. Caecus wartete geduldig, bis ich mich gesammelt hatte. Septima war also bereits auf dem Weg hierher. Natürlich, was sie schrieb, machte Sinn. Dennoch bot dieser Besuch Konfliktpotential zwischen Celerina und ihr. Ich seufzte tief. "Caecus, suche meine Frau und sage ihr, dass ich sie sprechen muss. Ich werde hier auf sie warten", wies ich ihn an, und der Sklave verschwand. Das Opfer war für morgen geplant, ich hoffte, dass diese Neuigkeit nun nicht alles durcheinander würfeln würde.

  • Caesus erreichte mich im ungünstigsten Augenblick. Einige Sklavinnen waren gerade zugange, mir ein Ganzkörperpeeling aufzutragen. Selbstredend taten sie dies unter Alexandros´ Oberaufsicht.
    "Ja, des geht abar jetzt nicht!" ,protestierte Alexandros, noch bevor ich etwas sagen konnte. Und in der Tat, er hatte recht. Mein ganzer Körper war von einem Gemisch aus Honig, Sand und diversen Ölen umhüllt.
    "Sag ihm, ich komme, sobald es mir möglich ist." Damit schichte ich ihn ihn erst einmal wieder fort.
    Einige Zeit später, ich duftete lieblich nach einem geheimnisvollen orientalischen Duft und war, wie gewohnt gut frisiert und gekleidet, erreichte ich das tablinum meines Gemahls.
    "Du wolltest mich sprechen?", fragte ich. Mir war bewußt, seit dem der Sklave bei mir gewesen war, waren einige Stunden vergangen. Aber was war denn so wichtig, als das es nicht hätte warten können?

  • Caecus war bald zurück gekommen, allerdings ohne meine Frau und lediglich mit einer Nachricht von ihr. Der Sklave teilte mir mit, dass sie irgendetwas mit sich machen ließ, das der Schönheit förderlich war, und dass ich warten musste, bis diese Prozedut abgeschlossen sein würde. Nun, ich machte mich bereits jetzt auf eine recht lange Wartezeit gefasst.


    Gute zwei Stunden später war jeder Brief geschrieben, jedes Dokument gelesen und jedwede au dem Plan stehende Arbeit erledigt, so dass ich in meinem Sessel saß und beginnen konnte, mich zu entspannen. Ich lehnte mich zurück, seufzte leise und schloss die Augen. Mir war, als hätte ich sie erst kurz zuvor geschlossen, als Celerina eintrat, gehüllt in einen süßlichen Duft, der mich an Honig, Akazien und Blüten erinnerte. Sie roch gänzlich anders als Siv, dies war der Gedanke, der zu allererst sich in mir manifestierte. Dann richtete ich mich auf, einen schalen Geschmack im Mund und Müdigkeit in den Augen, denn ich war in der Tat eingenickt. Verschlafen rieb ich mir übers Gesicht, blinzelte und betrachtete meine Frau. Ich bot ihr keinen Platz an, immerhin würde sie sich selbst setzen können, wohin auch immer es ihr beliebte. Tatsächlich betrachtete ich sie nur weiterhin und empfand sie als recht hübsch an diesem Abend. "Ja", erwiderte ich mit Verspätung. "Septima hat mir wieder geschrieben. Sie wird in den nächsten Tagen hierher kommen." Ich wusste nicht, wie Celerina es auffassen würde, nachdem sie vor einer Weile bereits über die Schwangerschaft Septimas informiert worden war. Inzwischen sah man es der Tiberia gewiss an. "Ich hatte ihr meine Bedenken mitgeteilt, dass es vielleicht...ungünstig wäre", sagte ich zu Celerina.

  • Etwas spät bemerkte ich, daß er eingenickt war. Doch warum hätte es mir peinlich sein sollen. Er wollte mich doch sprechen. Wahrscheinlich ging es um die Opferung, die für den kommenden Tag angesetzt war. Marcus war regelrecht davon besessen gewesen, daß alles perfekt vorbereitet war. Vielleicht war es ihm dann wohler, wenn er zu seiner Germanin ging.
    Ich nahm in einem Korbsessel Platz, so daß ich ihm gegenüber sitzen konnte. Voller Erwartung war mein Blick auf ihn gerichtet. Und dann begann er auch schon. Auf seltsame Weise wurde mir unwohl bei der Erwähnung von Septimas Namen. Als sie in ihrem letzten Brief schrieb, sie sei schwanger, wäre ich beinahe dem Tode geweiht gewesen. Warum also behelligte er mich damit schon wieder?
    Ich ließ mir nichts anmerken. Auch als er mir mitteilte, daß sie kommen würde. Sie kam? Hierher? Nach Rom? Auch das noch! Nicht nur, daß sie es gewagt hatte, vor mir schwanger zu werden. Nun kam sie auch noch nach Rom, um ihr Schwangerenbäuchlein zu präsentieren!
    "Ach ja wirklich?", kommentierte ich seine Mitteilung.
    Ungünstig? Ja! Sehr ungünstig! Außerordentlich ungünstig! Doch ich wollte mir nicht die Blöße geben. So viele Schmach hatte ich schon erleiden müssen, da kam es dann auf das bißchen auch nicht mehr an.
    "Ach nein, wieso denn? Es wäre doch ganz nett, wenn sie käme," meinte ich und lächelte völlig unverfänglich dabei.

  • Ich schwieg. Ich warf ihr lediglich einen zunächst verblüfften Blick zu, der sich als dann wandelte und skeptisch die Worte unterstrich, die darauf folgten. "Bitte, machen wir uns nichts vor", sagte ich in einem Tonfall, der zugleich müde und tadelnd klang. "Sie ist schwanger und du nicht. Und nach deiner Reaktion zu urteilen, als du es erfahren hast, stört dich das sehr wohl ebenfalls", fuhr ich schroff fort. Ich atmete tief ein, um anschließend seufzen zu können, sog dabei Celerinas geheimnisumwobenen Duft ein. Roch ich da auch einen Hauch Jasmin?


    Ich machte ein betretenes Gesicht und tat schließlich den eingeleiteten Seufzer. "Versuchen wir, das Beste daraus zu machen", bemerkte ich. Immerhin war es für mich auch nicht eben leicht, Großonkel zu werden, wo ich noch nicht einmal Vater war. Ich ließ meinen Blick einen Moment auf Celerina ruhen, dann schob ich den Stuhl zurück, auf dem ich saß, stand auf und ging um den Schreibtisch herum, um mich neben ihr, doch ihr zugewandt, an den Schreibtisch zu lehnen. Ich griff nach kurzem Zögern nach ihrer Hand und roch daran. "Mit was hast du dich eingecremt? Es riecht...interessant."

  • Mein Lächeln verging mir aber schon bald wieder, als er mir nämlich deutlich klarmachte, daß er mein Schaupiel durchschaut hatte. Ja, warum sollte ich mir etwas vormachen? Warum konnte ich nicht endlich diese überdrüssig gewordene Maske abstreifen und meine wahren Gefühle zeigen. Ja, es machte mir etwas aus, daß sie schwanger war und ich nicht! Ja, es störte mich, wenn ich allein daran dachte, wie sie ihr Bäuchlein vor sich her schieben würde und ja, es war beschämend, daß sie früher Mutter werden würde, als ich.
    Dann hörte ich sein Seufzen und sah sein Gesicht, in dem all das Leid gestanden schrieb. So vieles, was unser Leben schwieriger machte, war geschehen. Und dann auch noch auf sie Ankunft der freudestrahlenden Tiberia warten, die zudem auch noch schwanger war?
    „Ja, das werden wir,“ sagte ich leise und wich seinem Blick aus, denn in diesem Moment spürte ich, wie schwer es für Marcus sein mußte. Auch wenn so vieles zwischen uns stand, so fühlte ich mich dennoch in diesem Augenblick mit ihm verbunden. So gerne hätte ich mich ihm genähert, hätte ihm tröstend über die Wange gestrichen oder ihn sogar geküßt. Mein inneres Ich aber sagte, daß ich die Ursache war, für all seine Sorgen.


    Er ergriff meine Hand und roch daran. Der Duft meiner Haut zeugte noch von der langwierigen Behandlung, die ich mir heute gegönnt hatte.
    „Das ist die neue ägyptische Kosmetik, die Alexandros für mich besorgt hat. Damit hat er mich von Kopf bis Fuß einsteichen lassen. Es soll die Haut besonders Zart machen, sagte er. Und gut duftet es auch noch.“ Ich war nun schon eine langjährige Kundin von Janpau L’Gautis der seinen Laden direkt hinter dem Isis-Tempel hatte. Vor Jahren hatte ich den Tipp von Antonia bekommen. Dafür mußte ich ihr jetzt noch dankbar sein!


    „Du wirst dich von mir scheiden lassen, wenn sich Iuno Sospita uns abermals ihre Gunst verwehrt,“ sagte ich völlig tonlos und sah ihm dabei direkt in die Augen.

  • Celerina hielt mich nicht länger zum Narren. Auch mir würde es einiges abverlangen, wohlwollend und ohne Neid auf das Kind in Septimas Bauch zu schauen, wenn sie es zur Schau trug. Ich hegte nicht einen Zweifel daran, dass es ein Junge werden würde. Ein Knabe, der Septimas Augenstern und Ursus' ganzer Stolz werden würde. Es würde schwierig werden. In diesem Moment jedoch ahnte ich nicht, dass Celerina auch nur daran denken könnte, wie die Situation sich für mich gestalten würde. Und wieder kam uns daher das Empfinden in die Quere, sich nicht in den anderen hineinversetzen zu können, denn vielleicht wäre unser beiderseitiger Empfinden in der Tat besser gewesen, hätten wir einander Trost zugesprochen. So aber blieb es, wie es war, und wir beide blieben weiterhin Einzelkämpfer.


    Ich schloss die Augen und schnupperte erneut an Celerinas Haut, suchte alles andere auszublenden. "Ägypten", wiederholte ich schließlich und blickte meine Frau wieder an, ihre Hand nun langsam sinken lassend. "Manchmal erscheint mir eine Reise dorthin einer Flucht vor der Verantwortung gleichzukommen. Bedauerlich, dass es mir vergönnt bleibt, dorthin zu reisen", sagte ich leicht abwesend vor mich hin, ohne recht darauf zu achten, was ich sagte. Erst als Celerina erneut etwas sagte, nahm ich sie wieder richtig wahr. Auf ihre Worte hin ließ ich ihre Hand endgültig los, verschränkte meine Arme vor der Brust und betrachtete sie forschend. "Ist das als Feststellung, Frage oder Bitte zu verstehen?" erkundigte ich mich ganz sachlich bei ihr und sah ebenso direkt zurück.


    Sim-Off:

    Leer mal dein Postfach ;)

  • Ägypten…. Ja, Ägypten. Von klein auf war es mein Wunsch gewesen, das Land am Nil mit eigenen Augen zu sehen. Da es mir bisher nicht vergönnt gewesen war, war ich eine begeisterte Sammlerin alles Ägyptischem geworden, sei es Kosmetik, Katzen oder auch Sklaven. Ja, Ägypten. Vielleicht sah ich es schneller, als es mir lieb sein konnte. Dort würde ich mein Exil erwählen, wenn… ja wenn er mich davonjagte. Dorthin würde er mir nicht folgen. Mir nicht! Einer anderen vielleicht, doch nicht mir.
    Nein, wir spendeten uns keinen gegenseitigen Trost, obwohl wir uns unabhängig voneinander wegen der gleichen Sache grämten.


    "Du wirst dich von mir scheiden lassen!" Diesmal klang es weder wie eine Feststellung, geschweige denn wie eine Frage. Es war die einzig logische Schlußfolgerung. Warum sollte er dann noch eine infertile Frau neben sich dulden, der er keinerlei Gefühle entgegenbringen konnte.
    "Denn, denn hast du eine bessere als mich verdient!" Eine andere, die schon gleich nach dem ersten Mal schwanger wurde, die ihn nicht mit ihrem Sklaven betrog und die über seine Eskapaden stets hinwegsah und sich niemals beklagte.
    Es war mir nicht leicht gefallen, dies auszusprechen. Doch so war es! Wer seiner Aufgabe nicht gerecht wurde, mußte ausgetauscht werden. Wie sehr wünschte ich mir jetzt in diesem Augenblich einen Halt, der mich vor dem finalen Sturz in die Tiefe schützte.

  • Ich sah Celerina eine geraume Weile nur an, mit undeutbarem Blick. Ich dachte über ihre Worte nach. Wenn sie nicht schwanger wurde, wenn sie mir keinen Sohn schenken würde, würde ich sie dann verstoßen? Sollte ich mich erneut nach einer Frau umsehen - nach der Misere mit Laevina und Orest vielleicht bei den Tiberiern? Erneut diese Last auf mich nehmen, das ganze Prozedere durchspielen, das Celerina und ich bereits hinter uns hatten? Ich verspürte nicht nur wenig, sondern gar keine Lust dazu. Irgendwann war es genug, und diesen Punkt hatte ich längst erreicht. Celerina war also der Meinung, ich hätte eine bessere verdient, oder sagte sie es nur, weil sie glaubte, ich wollte es hören? Ich zog ein wenig die Brauen zusammen, betrachtete meine Frau, wie sie dort saß und nicht besonders glücklich aussah.


    Ich gab mir einen Ruck, trat neben den Stuhl, auf dem Celerina saß, streckte die Hände nach ihrem Kopf aus und drückte jenen sanft seitlich an meinen Bauch. Was ich dabei spürte, war kontrovers. Einerseits erfüllte mich diese Geste, diese Illusion von Zusammenhalt mit einer angenehmen Wärme, andererseits fühlte ich nicht mehr als die Liebe zu den Zwillingen, wenn ich Celerina so hielt. "Mit diesen negativen Gedanken solltest du morgen nicht in den Tempel der Iuno gehen", erwiderte ich. Die Göttin würde es merken, das Opfer wäre vertan. Ein Glück, dass ich entsprechende Vorsorge getroffen hatte. Ich strich Celerina das Haar hinter ihr Ohr, eine Bewegung, die ganz automatisch kam, während ich so dastand und sie hielt, und die ich fortführte, ohne großartig darüber nachzudenken. Eine richtige Antwort blieb ich ihr schuldig. Ich wusste nicht, was ich tun würde. Wieder kam mir mein Sohn in den Sinn. Bevor ich ohne Erben starb, würde ich ihn annehmen, denn war er nicht das Resultat einer glücklichen Zeit? Er war mein Sohn, mein Fleisch und Blut. Nachdenklich starrte ich Löcher in die Luft, während ich Celerina hielt.

  • Mein Blick ging ins Leere. Wie alles leer war in mir. Nur noch dieser eine Hoffnungsschimmer war es, der mich nicht einfach so untergehen ließ. Der morgige Tag würde alles entscheiden. Alles.
    Marcus trat an mich heran, drückte sich an mich. Mein erstaunter Blick war nicht zu verbergen, denn um ehrlich zu sein, hatte ich diese Reaktion nun nicht erwartet. Morgen, das Opfer im Tempel der Iuno Sospita würde ihm endlich einen plausiblen Grund liefern, warum er sich von mir trennen konnte und auch meine Familie würde dann Verständnis dafür haben. Doch er bestärkte mich darin, nicht negativ zu denken, er gab mir Mut. Und damit zeigte er mir zum ersten Mal vielleicht in unserer Ehe seine wahren Gefühle, die er sonst immer gut verwahrt vor mir versteckt hielt.
    Seine Berührungen waren in diesem Moment so heilsam, so lindernd. Tränen sammelten sich in meinen Augen, als ich zu ihm aufsah. Womit hatte ich das verdient? Diese plötzliche Nähe, die Demonstration dessen, daß er nicht froh war, sich problemlos von mir trennen zu können, obwohl sich ihm die Möglichkeit schon morgen vielleicht geboten wurde.
    "Ja, ich werde mir Mühe geben!", antwortete ich und legte mein Kopf auf seiner Brust ab. Eine Geste der Geborgenheit, die heute ihre Premiere hatte.

  • Als Celerina zu mir aufsah, blickte ich, immer noch nachdenklich, auf sie hinab und versuchte, ihren Blick zu deuten. Es lag etwas darin, das mir fremd erschien. Und sie weinte. Wenn es etwas gab, das mich berührte, dann war es dies. Ich schürzte in einem Anflug von schlechtem Gewissen die Lippen, ehrlicherweise ratlos, was nun zu tun war, wie ich damit umgehen sollte. Ich strich ihr weiterhin behutsam über das Haar, eine Geste, der ich mir nun bewusst war und sie dennoch weiter fortführte. Sie suchte wieder die Nähe zu mir. In diesem Moment glaubte ich ihr, dass es sie ebenso grämte wie mich, keinen Nachwuchs zu haben. Zusehen zu müssen, wie andere uns zuvor kamen, erst Titus, dann gewiss Lupus. Vielleicht waren sogar Prisca und Avianus schneller, obgleich sich für sie erst ein passendes Gegenstück finden lassen musste. Ich musste an Laevina denken, allem voran jedoch an Siv, und starrte nun wieder etwas an, ohne es jedoch wahrhaftig zu sehen. Die Lasten, die ich dieser Tage mit mir herumzutragen hatte, sie drücken mir schwer aufs Gemüt und machten mich selbst empfänglich für Zuneigung gleich welcher Art, so dass ich es sogar genoss, hier zu stehen und Celerina zu trösten - schlicht, weil sie mich berührte und sich trösten ließ. Es war ein seltsames Gefühl, das ich nicht recht einschätzen konnte. Celerinas Verhalten ließ mich stärker fühlen, wenigstens einen Augenblick lang. Warum das so war, konnte ich nicht ermessen.


    Ich stand eine kleine Ewigkeit so dort, unablässig streichelnd. Meine Gedanken verloren sich alsbald, galten niemandem und nichts Bestimmtem, bis ich doch immer wieder bei dem Opfer hängen blieb, das am morgigen Tage zelebriert werden sollte. Bis zu den nemoralia war es noch über eine Woche hin. "Es wird gut gehen morgen", sagte ich in die ausgedehnte Stille hinein, einfach, um etwas zu sagen. Denn die Ratlosigkeit, was zu tun war, was sie vielleicht erwarten mochte von mir, diese Ratlosigkeit war geblieben.

  • Er blieb bei mir stehen, trennte sich nicht, als müsse es so sein. Als wäre es selbstverständlich. Und ich versuchte mich auch nicht zu lösen, denn diese Wärme, seine Wärme war kostbar, weil sie vielleicht viel zu selten kam. Für einen Moment lang war es so, wie es hätte immer sein müssen. So wie ich es mir gewünscht hatte, von Anfang an. In jenem Moment dachte auch nicht einen Atemzug daran, daß dieser Zustand nur endlich war. Schon bald würde ich erkennen müssen, da sich im Grunde nichts geändert hatte, daß alles so war, wie zuvor. Und doch würde mir dieser Augenblick in Erinnerung bleiben, als ein kleiner Moment des Glücks und der Zufriedenheit. Wenn man in meiner Situation war, wurde man mit der Zeit bescheidener und sah in jeder kleinsten Kleinigkeit ein wertvolles Geschenk. All die Pracht um mich herum, all der Reichtum waren im Grunde nichts, denn die besten Dinge im Leben waren umsonst. Und gerade deswegen waren sie so teuer, denn man mußte sie aus der Hand eines andere erhalten, wenn man sie haben wollte.
    Ob Marcus´ Zuversicht nur gespielt war? Ich wußte es nicht. Wenn sie echt war, dann wollte ich ihm die Illusion nicht nehmen. Schließlich war dies das einzig Verbleibende, was uns noch verband. Wenn auch dieses Band riß, dann waren wir verloren.
    "Ja, ich versuche daran zu glauben," sagte ich leise und vergrub mein Gesicht in seiner Tunika.

  • Es gab nichts weiter zu sagen. Zumindest konnte ich nicht ersinnen, was. Celerina erschien mir in jenem Moment viel weniger die Furie zu sein, als die ich sie bisher so oft empfunden hatte, und das gab mir zu denken. Vielleicht würde sich die große Göttin in diesem Moment gnädig zeigen, da sie zuwenigst den Hauch eines Zusammenhalts erahnen mochte, doch war dies weder der passende Moment noch die passende Situation, um es darauf anzulegen. Morgen würden wir beide so rein als möglich den Tempel betreten müssen, und... Ich sah auf Celerina hinunter, überlegte. So gut, wie sie duftete, würde sie nach ihrer Massage und den Strapazen der Kosmetik wohl kaum das Bad mit mir teilen wollen, welches ich für heute Abend eingeplant hatte. Ich betrachtete eine Weile ihren Haarschopf und entschloss mich dann, den Vorschlag zumindest zu machen. Wenn sie ihn ablehnte, was wahrscheinlich war, hatte ich zuwenigst den Vorschlag gemacht und damit guten Willen gezeigt. "Ich wollte heute Abend ein Bad nehmen. Vielleicht möchtest du mir ja Gesellschaft leisten?" fragte ich also und sah auf sie hinunter, denn sie saß schließlich immer noch und war damit kleiner als Siv, auch wenn sie sonst größer war.

  • So verharrte ich eine gefühlte Ewigkeit. Doch sie hätte ewig währen können. In jenem Moment empfand ich mich befreit von allem, was an mir nagte und was mir Kummer bereitete. So leicht hatte ich mich schon lange mich mehr gefühlt. Ob es Marcus nun ähnlich erging? Konnte er auch diesen inneren Frieden empfinden, wo zwischen uns in letzter Zeit nur Krieg und Schmerz geherrscht hatte?
    Und als er mich dann fragte, ob ich mit ihm ein Bad nehmen wollte, so glaubte ich die Antwort zu wissen. Ja, er mußte so fühlen! Hätte er sonst noch mehr als notwendig meine Nähe gesucht?
    Nun ja, im Grunde hätte ich ein abendliches Bad nicht mehr nötig gehabt, denn die letzten Stunden hatte ich intensivst unter Alexandros Fuchtel gestanden. Der Duft meiner Haut und meiner Haare zeugten noch davon. Die Vernunft hatte wohl nun verneint, doch das Herz, welches nach Zuneigung hungerte, schrie erfreut Ja .
    "Ein Bad könnte sicher nicht schaden," meinte ich erst etwas zögerlich und ernst dreinblickend, dann aber doch verschmitzt lächelnd, nachdem ich mein Gesicht vom Stoff seiner Tunika gelöst hatte und ich ihn nun ansah.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!