[Officium I] Duumvir - Numerius Duccius Marsus

  • Mathayus trat nun vollends in den Raum und gab der Anwesenden Frau die Gelegenheit sich zu verabschieden und zu gehen. Dabei machte er schon ein wenig den Eindruck als ob ihm etwas auf der Zunge brannte oder er es eilig hatte.

  • Witjon wartete einen Augenblick, bis Roxane schließlich das Officium verlassen hatte, dann wandte er seine Aufmerksamkeit voll und ganz dem städtischen Ermittler zu. "Also Magonidas, was konntest du bisher herausfinden? Gibt es schon einen Schuldigen?" Mit gierigem Blick fixierte er Mathayus. Es MUSSTE doch irgendjemand gefasst worden sein, irgendwelche Verdächtige!

  • Mathayus setzte sich erst einmal, kramte seine Tabula hervor und schlug diese auf.


    "Nun Duumvir ich würde sagen teils teils. In den vergangenen 8 Tagen habe ich fast meine ganze Zeit auf die Ermittlungen rund um den Diebstahl der Stadtkasse verwandt. Ich habe etliche Verdächtige und Mitarbeiter der Curia verhört. Da du sicherlich schon gehört hast das darunter so langsam die tägliche Arbeit leidet kann ich dir mitteilen das ich aller Vorraussicht nach keine weiteren mehr vornehmen muss.


    Ein erstes Ergebnis ist leider nur ein kleines Nebenprodukt welches ich aber trotzdem erwähnen möchte.
    Der städtische Schreiber Volusus Percennius Bursa hat in den Vernehmungen zugegeben schon längere Zeit kleinere Beträge zu unterschlagen. Ich habe ihn an die normalen dafür zuständigen Stellen übergeben, einen deiner Vertreter der sich der Sache annehmen wollte.


    Aber zurück zu den wichtigen Dingen.

    Gerade als ich schon aufgeben wollte hat der Schreiber Servius Vipstanus Saloninus aufgegeben und zugegeben Informationen über die genaue Lage der Stadtkasse, seine Sicherungsmaßnahmen verkauft zu haben. Den Kontakt zwischen dem Schreiber und dem Käufer ein reicherer germanisch stämmiger Händler namens Hermipus hergestellt. Der Mann ist recht vermögend und hat sich auch für die nächste Wahl zum Ordu Decurionum für das Vicus Navaliorum aufstellen lassen.
    Da dieser Mann aber nicht ohne Einfluss ist wollte ich vorher mit dir Rücksprache halten. Mein nächster Schritt wäre ihn so schnell es geht festzunehmen, zu verhören und wenn er schuldig ist, wovon ich ausgehe, schonmal seinen ganzen Besitz zu pfänden. Sein Verhöre werdem dann hoffentlich weiter Erkenntnisse bringen.


    Zu guter letzt hat sich gerade heute noch eine ganz firsche Spur aufgetan. Der dir sicherlich bekannten Faustus Domitius Massula merkte vorgestern früh das sein Fischerboot verschwunden war. Offenbar gestohlen, denn das Seil, mit dem es festgemacht war, war glatt durchgeschnitten. In der Fischerhütte hatte jemand in einer Ecke Stroh aufgehäuft, vielleicht, um darauf zu schlafen.
    Das Boot ist inzwischen wieder aufgetaucht. Ein Massula bekannter Schiffer Pharos hat das Boot auf dem Rhenus treibend vier Meilen stromab von Mogontiacum gefunden und zurück gebracht. Er hat das Boot zuweisen können da es mit Massulas Namen gekennzeichnet ist.
    Im Boot befanden sich zwei leere Säcke die nicht Massula gehören. In einem der Säcke befand sich ein Aureus. Einen zweiten Aureus fand er in der Bilge des Boots. Da dies wohl kaum ein Zufall ist denke ich wird die Sache mit dem Diebstahl in der Curia zu tun haben. Ich werde gleich morgen nach Sonnenaufgang mit meinem Ianitor, einem Sklaven und einem Hundeführer mit Jagdhunden aufbrechen. Zuerst sollen die Hunde in der Fischerhütte in dem Stroh den Geruch desjenigen aufnehmen der in dieser geschlafen hat. An der Stelle wo das Boot gefunden wurde werde ich versuchen mit den Hunden die Spur zu verfolgen."


    Mathayus beendet an dieser Stelle erstmal seinen Bericht und klappte die Tabula zu. Gespannt wartete er auf die Antwort seines Auftraggebers.

  • Zunächst hörte Witjon sich den Bericht des Magoniden in Ruhe an und versuchte seinen Ermittlungen zu folgen. Das Nebenprodukt kommentierte er dann jedoch auch sogleich. "Was denn, der Percennius? Das ist ja ein Ding! Aber weiter..." So ließ er Mathayus weitersprechen, während er gelegentlich die Stirn runzelte und sich wieder und wieder wunderte, was da zutage gefördert wurde. Schließlich beendete der Ermittler seinen Bericht und Witjon lehnte sich erst einmal tief aufatmend zurück.


    "Na, das klingt ja alles schon sehr abenteuerlich!" stellte er fest und kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Vipstanus hängt also auch mit drin. Wie ärgerlich, habe ihn immer für einen verlässlichen Mann gehalten..." Dann besann er sich wieder seines Gastes und begann Beschlüsse zu fassen. "Magonidas, ich danke dir für diesen ausführlichen Bericht. Offensichtlich ist deine Arbeit bereits von Erfolg gekrönt, besieht man sich einmal das Nebenprodukt deiner Arbeit. Allerdings ist mir natürlich die Verfolgung der Hauptsache deiner Einstellung der größte Wunsch, daher kann ich dir nur beipflichten: Suche diesen Hermipus auf und quetsche alles aus ihm heraus, was er weiß. Und dieses geheimnisvolle Fischerboot..." Witjon zuckte die Schultern und unterdrückte ein leichtes Gähnen. Die letzten Tage waren nicht gerade entspannt gewesen. "...ich kann nur unterstützen, diese Spur intensiv zu verfolgen. Ich hoffe, dass sie uns zügig zu den Dieben führen wird." Er ballte die Rechte zur Faust und nickte selbstbewusst. Ja, dieser Skandal musste endlich Aufklärung erfahren!
    "Achja, wann wirst du deinen nächsten Zwischenbericht vor dem Ordo Decurionum halten? Kann ich dich zum nächsten Termin vorladen?"

  • Mathayus schlug die letzte Seite auf seiner Tabula auf wo noch etwas Platz für Notizen war.


    "Wird gemacht und den nächsten Bericht halte ich natürlich sehr gerne vor dem Ordo Decurionum. Bevor ich mich aufmache habe ich noch ein paar Fragen. Den Scriba Servius Vipstanus Saloninus habe ich zunächst unter Hausarrest gestellt, was aber natürlich keiner dauerhafte Lösung ist. Seine Aussage wurde inzwischen schriftlich niedergelegt und von ihm unterschrieben. Wie soll weiter mit ihm verfahren werden. Ich bin ja kein Richter?
    Morgen bin ich wie gesagt unterwegs um zu versuchen die Spur der Diebe zu finden. Mir fehlen auch die Mittel um Hermipus festzusetzen, seinen Besitz zu beschlagnahmen und seinen Haushalt zu durchsuchen. Da es ja keine Vigiles mehr gibt nun die Frage soll ich selber weitere Leute für diese Sache anwerben oder gibt es welche die du mir mitgeben kannst für diese Einzelaktion? Ich könnte natürlich auch bei der Legio nachfragen aber ich denke das wir die Sache eher im städtischen Rahmen klären wollen oder?"

  • "Die Civitas wird Klage gegen Vipstanus erheben. Bis dahin halte ihn unter Arrest. Der Iudex wird in der ersten Anhörung entscheiden, ob er auf freien Fuß gesetzt wird oder nicht und ob und wann es ein Verfahren geben wird."


    Witjon bemerkte anerkennend, dass der Magonide sich durchaus Gedanken über den direkten Erfolg seiner Ermittlungen an sich machte.


    "Hmm," machte Witjon grübelnd auf die zweite Frage seines Ermittlers. "Ich schätze, du wirst allerdings besser bei der Legio nachfragen. Der Centurio Statorum ist der perfekte Ansprechpartner für ein solches Unterfangen. Der wird die Männer zur Verfügung stellen, die bei Durchsuchungen und/oder Verhaftungen behilflich sein werden. Ich bitte jedoch darum, nicht wie eine Räuberbande bei diesem Hermipus einzufallen, sondern erst einmal rücksichtsvoll vorzugehen. Oder ist dein Anfangsverdacht so gefestigt, dass er eindeutig als Komplize identifiziert werden kann?"

  • Mathayus hackte gedanklich die Sache mit Vipstanus ab und kam dann zum anderen Punkt.


    "Nun die Aussage war recht deutlich und ich wüsste nicht warum an der Aussage des Scribe gezweifelt werden sollte. Schließlich hätte er sich, wenn er nur irgendwen beschuldigen wollte um sich rauszureden auch irgendwen wählen können und nicht einen reichen und zweifellos mächtigen Mann. Aber natürlich werde ich die Form waren und alles was beschlagnahmt wird genauestens auflisten und soweit es geht keine Gewalt anwenden lassen.
    Es wäre wohl am besten wenn du mir dann für die Anforderung des Centurio Statorum ein Schriftstück ausstellt was mich als Ermittler der Stadt ausweist. Das dürfte die Sache ein wenig abküzren."


    Sim-Off:

    Mir war so das Mathayus keine "Marke" gekriegt hat und von daher sich bei der Legio schlecht ausweisen kann.

  • Sim-Off:

    Gar keine so dumme Idee...hätte von mir sein können. :D


    "Da sagst du was!" entfuhr es einem sichtlich peinlich berührten Witjon, der wahrhaftig seinem Ermittler bisher noch keinerlei Beweisurkunde ausgestellt hatte. Schnell schnappte er sich eine Wachstafel und notierte ein paar entsprechende Worte.


    DOCVMENTVM


    Der Besitzer dieser Urkunde, Mathayus Magonidas, handelt als Ermittler im Namen der Civitas Mogontiacum zur Aufklärung des Diebstahls des Fiscus Mogontiaci und damit zusammenhängender Verbrechen. Er ist in dieser Sache offizieller Vertreter der Gemeinde.


    N. DVCCIVS MARSVS
    Duumvir Mogontiaci



    "So, das sollte wohl genügen, nicht wahr?" fragte er, als er dem Magoniden die Tafel reichte.

  • "Natürlich... reicht dir der Zwischenbericht dann erstmal und alles weitere klären wir bei der nächsten Sitzung? Wenn alles gut läuft kann ich dann vielleicht ja auch schon von weiteren Erkenntnisse berichten."


    Während er antwortete nahm er die Tafel und verstaute sie in seiner Umhängetasche.

  • "Ja, das reicht mir erstmal. Unterrichte mich umgehend, sobald neue Tatsachen aufgedeckt werden." Damit erhob Witjon sich und verabschiedete den Ermittler mit Handschlag. "Viel Erfolg, Magonidas." Er würde zu den Göttern beten, dass sie dem Punier geneigt seien. Hoffentlich war diese Sache bald ausgestanden.

  • Witjon betrachtete den alten Mann mit wenig Verwunderung, als dieser sein Arbeitszimmer betrat. Er empfing hier täglich Leute, manchmal sogar bis in den Nachmittag hinein, wenn es sich nicht verhindern ließ.


    "Salve Ateualus," begrüßte er den Alten, der ihm von seinem Oberschreiber angekündigt worden war, und bot ihm einen Platz an, sowie ein Getränk seiner Wahl - Dünnbier, verdünnten Wein, oder Wasser - und erwartete dann, dass sein Gegenüber mit der Sprache herausrückte. Auch wenn Witjon es sich nämlich nicht anmerken ließ, so interessierte ihn doch sehr, was es bezüglich des Stadtfestes zu besprechen gab.

  • [Blockierte Grafik: http://img5.imageshack.us/img5/2298/ateualus2k.jpg]Ateualus Capito


    Capito lehnte seinen Eibenstock an Marsus' Tisch und griff sich einen Becher verdünnten Wein, aus dem er erst mal einen Schluck nahm.


    "Duumvir Marsus, du hast eine gute Stadt. Ich freue mich, dass ich dir das sagen kann. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass ich hier bin, aber dieses Mal ist mir das klar vor die Augen getreten. Ich bin zu dir gekommen, um dir im Namen aller gallischen Civitates Dank abzustatten. Dank für dieses fabelhafte Fest, Dank für die gastfreundliche Aufnahme in Mogontiacum".


    Capito nahm noch einen Schluck, schaute kurz zu dem Fenster hinaus in den winterlichen Nieselregen. Mit einem Lächeln sagte er dann: "Als wir gestern darüber beraten haben, wie wir unseren Dank Wirklichkeit werden lassen, schlug Togionus Eximnus vor, Mogontiacum ehrenhalber in den Kreis der gallischen Civitates aufzunehmen. Ich habe ihm widersprochen. Erstens wollen wir nicht irgendwelche Grenzstreitigkeiten zwischen der Belgica und der Germania Superior in die Welt setzen und zweitens wird Mogontiacum nicht nur von einem stolzen Germanen regiert, sondern ist auch voll von solchen stolzen Germanen. Nach einigem Hin und Her sind wir zum Schluss gekommen, etwas ganz praktisches zu tun: Jede gallische Civitas wird, wenn sich auch nur die geringste Gelegenheit bietet, die Stadtwerdung von Mogontiacum unterstützen. Wir sind der Auffassung, dass dieses Fest eines römischen Municipiums würdig war und dem Imperium zum Ruhm gereichte. Dies werden wir jedem sagen, ob er uns zuhört oder nicht. Also fahrt bald zum Kaiser und tragt euer Anliegen vor".


    "Hast du mich verstanden?"

  • Während Ateualus so sprach, versuchte Witjon ein breites stolzes Lächeln gar nicht erst zu unterdrücken. Er hätte nicht gedacht, dass man Mogontiacum und seine Anstrengungen wirklich einmal in so hohen Tönen loben würde! Die Decuriones hatten ja bekanntlich immer nur etwas zu meckern und zu nörgeln. Entsprechend gut war seine Laune, als er antwortete.


    "Ateualus, ich danke dir für das große Lob, das du Mogontiacum und mir zuteil werden lässt! Ich hoffe, dass sich bald die Möglichkeit bieten wird, um euer Versprechen einzulösen."


    Witjon erhob seinen Becher mit Bier und prostete dem Alten zu.


    "Auf die großartigen Beziehungen zwischen unseren Gemeinden!"


    Blieb nur noch zu hoffen, dass bald die Reise nach Rom angetreten werden könnte. Was in Germania natürlich noch niemand wusste war, dass der Kaiser nicht mehr in der Lage war, irgendwen zu empfangen. Und wer genau hinhörte, konnte einmal mehr die Nornen höhnisch lachen hören...

  • http://img5.imageshack.us/img5/2298/ateualus2k.jpg Ateualus Capito


    Ateualus hob ebenfalls seinen Becher. Fast schien es, als habe er bloß auf einen Trinkspruch gewartet, um sich einen weiteren Schluck zu genehmigen. Vorher ließ er aber etwas von dem Getränk auf den Boden schwappen. Für die Götter.


    "Und dass es so bleibt, Duccius Marsus. Mögen die Götter uns diesen Wunsch erfüllen". Er wischte sich über den Schnäuzer. "Mir war es wichtig, diesen Dank hier zu lassen, bevor ich wieder in die Silva Arduina verschwinde. Auch deshalb, weil es ein großes Vergnügen ist, jemand eine Freude zu machen".


    Er setzte den Becher ab, griff sich seinen Eibenstock. "Ich reise morgen zurück. Vale, Duccius Marsus!"


    An der Tür drehte er sich noch mal um: "Und halte deine Decuriones im Zaum!"

  • "Die Freude hast du mir definitiv gemacht," bestätigte Witjon und trank einen ordentlichen Schluck, auch wenn er noch mitten im Dienst war und gewiss nicht wenig Arbeit vor sich hatte. Jedenfalls begleitete er seinen Gast zur Tür und verabschiedete ihn. "Vale, Ateualus."
    Der Zusatz, den Ateualus ihm noch hinwarf, ließ Witjon nur weiter grinsen. "Ich gebe mein Bestes!" Und mit einem "Die Götter mit dir!" entließ Witjon den alten Mann auf den Flur, wo er auf seinen Eibenstock gestützt dahinstapfte.

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