[Schiff] Nordwind

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    Original von Aulus Flavius Piso


    Verus schaute den Flavier an. Woher kannte er ihn nur? Verus grübelte angestrengt. Diese Gedächtnislücke war recht groß, bedingt durch sein Trauma vergaß er gerne mal einige Dinge.


    Er durchforstete seinen Kopf und fand schließlich die Lösung für die Frage.


    "Wir trafen uns auf dem Markt, mehr beiläufig... - Von einem größeren Treffen kann nicht die Rede sein," sprach Verus feststellend. Den schrägen Gesang hatte er bereits völlig verdrängt und erinnerte sich nur an das Gesicht des jungen Flavier. "Es ist aber schön, ein bekanntes Gesicht wieder zu sehen. Jedoch ist mir dein Name entfallen, verzeih' ich vergesse seit meiner letzten Schlacht einige Dinge. Das Kriegstrauma überlagert des Öfteren die alltäglichen Eindrücke. Ich arbeite daran, das dies nicht mehr passiert."


    Er lächelte entschuldigend.


    "Sofern dir mein Name entfallen ist, ich bin Decimus Verus." - Verus lachte leicht auf.


    "Darf ich dir meine Tochter vorstellen?"


    Er deutete dezent auf sie und legte anschließend seine starke Hand auf ihre Schulter. "Ich denke, dass sie dich kennenlernen möchte. Nicht wahr, Serrana?"


    Verus' Gesicht verzog sich zu einem väterlichen Zufriedenheitsgrinsen als er diese Worte sprach.

  • Der Mann blickte Piso an, mit einem, wie sich Piso fuer eine Schrecksekunde einbildete, argwoehnischen Gesichtsausdruck. Doch das war es nicht. Es war vielmehr der Gesichtsausdruck eines Mannes, welcher scharf nachdachte. Nebenher hatte er noch Zeit, um das Laecheln, welches ihm das Maedchen zuwarf, zu registrieren. Ah, das schien einmal gut anzufangen, dachte er, als er das Laecheln erwiderte.
    Da fing ploetzlich der Mann zu reden an.
    Er schien sich an ihn erinnern zu koennen... doch irgendwie schien er den... Vorfall vergessen zu haben. Oder tat er nur so, weil er seine Tochter nicht verstoeren wollte? Nein, er klang durchaus ehrlich. Puh! Jetzt konnte man nur hoffen, dass er nicht mehr diesem anderen, eierwerfenden Seesoldaten, der vielleicht wieder alles ans Tageslicht bringen koennte, ueber den Weg lief. Es schien alles gut zu sein. Gluecksfall! So hoffte dies Piso zumindest.
    Gleichzeitig fand er es aber auch schlimm, dass ein Mann unter so einem Gedaechtnisverlust leiden musste. Jener stellte sich vor, und Piso entgegnete: "Dein Name ist mir wirklich entfallen, falls ich ihn einmal ueberhaupt gehoert habe. Es ist mir eine sehr grosse Freude, deine Bekanntschaft zu machen, Decimus Verus. Mein Name ist Aulus Flavius Piso." Hoffentlich klingelte es bei Verus nicht, wenn er diesen Namen hoerte.
    Nun stellte der Decimer Piso seiner Tochter vor. Sie wollte ihn kennen lernen? Womit hatte er das verdient? Ein kleines bisschen baff blickte er zu Verus hin, dann wandte er sich an Serrana und laechelte wieder. "Decima Serrana, ich bin Aulus Flavius Piso.", wiederholte er seinen Namen zu ihr. "Es ist wundervoll, dich kennen zu lernen." Sie war wirklich ausserordentlich huebsch, man konnte kaum glauben, dass es sich dabei um die Tochter des Baertigen handelte.

  • Wie recht Serrana doch hatte! Jetzt kannte sie ihren Vater erst wenige Stunden und schon konnte sie ihn so gut einschätzen. Ihr Vater ließ wirklich keine Möglichkeit aus, sie mit dem erstbesten Patrizier zu verkuppeln, der ihnen über den Weg lief. Dass sie ihn unbedingt kennenlernen wollte, davon konnte nun wirklich keine Rede sein! Fürsorglich legte er seine Hand auf ihre Schulter, um ein für allemal die Besitzverhältnisse zu klären. Tja, Väter konnten zuweilen ganz schön peinlich sein, wenn sie ihre Töchter an den Meistbietenden verhökern wollten.
    Serrana machte das nur noch verlegener, wobei sie sich schon unauffällig nach einer geeigneten Fluchtmöglichkeit umsah. Noch waren sie nicht auf dem Schiff, was ihr eigentlich ein Vorteil hätte sein können. Allerdings machte es keinen guten Eindruck, während der Opferhandlung für Tumult zu sorgen. Sie musste sich einfach damit abfinden, dass es keinen Ausweg gab. Eines musste sie sich aber schon eingestehen, rein optisch gesehen, war der Flavier nicht zu verachten. Wie sie aus der Unterhaltung der beiden Männer heraushören konnte, waren sie sich bereits einmal auf dem Markt begegnet.
    Der Flavier stellte sich ihnen vor und wieder holte dabei ihren Namen. Serrana fühlte sich dadurch sehr geschmeichelt. Wie dumm, dass sie noch immer unter ihrer Schüchternheit litt, die sie selbst nicht auf Ansage ihres Vater über Bord werfen konnte.
    "Ich bin erfreut, dich kennenzulernen, Flavius Piso!", brachte sie mit einiger Anstrengung heraus.

  • Corvinus erwiderte ihren Blick, aber im Gegensatz zu ihr lächelte er nicht. Eher das Gegenteil schien der Fall zu sein, für einen Moment wurde seine Miene ernst, beinahe schwermütig, und ebenso unwillkürlich, wie sich ihre Mundwinkel zu dem Lächeln empor gebogen hatten, sanken sie nun wieder herab. So lang ihr dieser Augenblick zu währen schien, so kurz dauerte er in Wahrheit. Vielleicht einen Wimpernschlag lang sahen sie sich an, bevor Corvinus nur leise ihren Namen sagte und ihr zunickte, nur um sich umzudrehen und sich einen Weg zu seiner Braut zu bahnen. Siv reagierte gar nicht darauf – zunächst, weil sie nicht so recht wusste, was sie sagen oder machen sollte. Nicken? Lächeln? Nichts davon wollte sie tun, nichts von dem, was dazu gedacht war zu verschleiern, wie sie sich im Grunde fühlte. Nicht in diesem Augenblick, der vermutlich einer der wenigen heute war, wenn nicht der einzige, in dem er sie so ansah. Also blieb sie reglos, und im nächsten Moment hatte Corvinus sich abgewandt, was es müßig machte, über die eigene Reaktion zu grübeln. Die Germanin presste kurz die Lippen aufeinander und schloss die Augen, dann gab sie sich einen Ruck. Sie folgte Corvinus durch die Menge, in gebührendem Abstand, ihr Gesicht wieder so neutral wie möglich, während in ihren Augen etwas unruhig zu flackern schien.


    In der Nähe von Celerina und Corvinus angekommen blieb auch Siv stehen, froh darum, dass es etwas gab, was sie tun konnte – auch wenn es vermutlich nicht nötig gewesen wäre. Es gab genug Sklaven auf dem Schiff, die sich um alles kümmerten, aber einfach nur herumzustehen, hätte der Germanin vermutlich den Rest gegeben. Es war einfacher, sich an etwas zu klammern, selbst wenn dieses Etwas im Grunde eingeredet war. Reglos verharrte sie, hörte weg, während sich die Brautleute begrüßten, und heftete ihren Blick auf Orestes, als dieser mit dem Opfer begann. Sacht strich ihre Hand über ihren Bauch, eine unbewusste Geste, die kaum länger als den Bruchteil eines Moments währte, als der Aurelier Iuno zu preisen begann. Bis jetzt war alles in Ordnung, bis jetzt hatten Iuno und ihre eigene Götter ihr gewährt, worum sie gebeten hatte – dass mit dem Kind alles in Ordnung sein würde. Wieder umspielte ein Lächeln ihre Mundwinkel, und dieses Mal schien es ehrlicher zu sein. Dann tauchte sie wieder auf und begann, sich erneut umzusehen. Brix konnte sie nirgendwo entdecken, dafür aber Nuala, der sie zulächelte, ebenso wie Caelyn, die gerade eben von einem der Sklaven angesprochen wurde, die in Begleitung der Flavia hergekommen waren. Mit langsamen Bewegungen, um das Opfer nicht zu stören, schob Siv sich an ein paar Leuten vorbei und zu Nuala hin, die ebenso wie sie in der Nähe ihres Herrn stand und das Opfer zu verfolgen schien. "Morgen", murmelte sie, so leise, dass es außer Nuala kaum jemand hören und schon gar nicht stören dürfte.

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    Original von Manius Aurelius Orestes
    "O Mutter IUNO, neige Dein Ohr unserem Rufen und lass diesen Weihrauch als unsere Gabe zu Dir aufsteigen!"
    "O IUNO Pronuba, nimm die Blumen und diesen Kuchen entgegen, sie seien Dir geweiht zum Segen für Flavia Celerina und Marcus Aurelius Corvinus"
    "O Regina benigna, nimm auch diesen Wein entgegen, und schau gütig herab auf Deine Diener Marcus und Celerina."


    Iuno blickte interessiert auf das Voropfer. Eine Hochzeit war im Gange, aber solch ein Tamtam war selten dabei veranstaltet worden. Iuno kicherte ganz ungöttinnenhaft bei dem Gedanken, dass manche Gäste auch Neptun geopfert hatten und noch opfern werden.


    Das Voropfer war angenommen und Iuno wartete gespannt auf das Hauptopfer. Sie hoffte, es würde kein Nouvelle-cuisine-Opfer werden: viel Brimborium, aber im Endeffekt nichts auf dem Teller beziehungsweise Altar.

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    Original von Phraates


    Echt schade! Den langhaarigen Sklaven der Braut konnte ich nirgends entdecken. Dafür hatte sie einige andere Sklaven mitgebracht, die ihr brav hinterher dackelten. Einer von denen sah ja vielleicht ulkig aus! Voll abgefahren! Der trug ´n grünes Nachthemd als Tunika und´n Handtuch auf seinem Kopf. Naja, wenn´s schön macht! Mannomann, die Flavierin hatte echt ´nen abgedrehten Geschmack, wenn´s um ihre Sklaven ging. Do flackerten dir echt die Ohren!


    Corvinus holte seine Braut ab und führte sie zu Orestes hin, der irgend so ein Opfer vorbereitet hatte. Echt, mit den römischen Göttern hatte ich´s nicht so und so ´ne Hochzeit hatte ich auch nie wirklich live erlebt. Mal ganz ehrlich, ich fand den Brautschleier für meinen Geschmack ´nen Tupfer zu orange! Mir hätte eher was Dezenteres gefallen. Aber das war ja auch nicht meine Hochzeit. Zum Glück!

    Wie ich da so rum stand und nichts tat, außer zuzugucken, was gerade passierte, stand plötzlich dieser Nachthemd und Handtuch bestückte Typ vor mir und laberte mich mit irgend‘ nem Müll voll und zwar so, als ob er vorher ´nen Stock verschluckt hätte.
    "Was is? Wer ich bin? Öhm, ja, ich gehör zu den Aureliern. Wer will´n das wissen?" Das machte mich ja schon ´n bisschen stutzig. Dann laberte er was von Kelten und Germanen. "Hör ma Keule, seh ich aus, wie ´ne Germanin? Und außerdem, lass dir gesagt sein, Kelte is nich gleich Kelte! Da gibt´s Himmelgroße Unterschiede! Ich bin Gallierin und wenn du´s genau wissen willst, ich gehör zum Volk der Häduer. Klar? Und was bist du für einer?" Vorerst verschonte ich ihn mal mit Vertingetorix. So wie der aussah, hatte der davon sowieso keinen Dunst.

  • Sim-Off:

    Corvinus scheint mich übergangen zu haben bei der Begrüßung. Nun ja, ich sehe es einem Mann im Augenblick der ersten Panik (kommt die Braut oder kommt sie nicht?) ausnahmsweise mal nach. Und betrachte Serenus mal zusammen mit Dido und den beiden Kampfhunden im Schlepptau von Papa als an Bord gegangen. Und warte auf den Augenblick der zweiten Panik, den bangen Moment, ob Frau tatsächlich Ja sagt.



    Mit gemischten Gefühlen betrat Serenus das Hochzeitsschiff. Zumindest machte es nicht den Eindruck eines Seelenverkäufers. Ihm folgten seine beiden Kampfhunde Nero und Domitian, sowie seine Leibsklavin Dido. Zumindest schien die Planke sehr stabil zu sein, denn sie trug das Gewicht seines Vaters und der claudischen Natter. Einen Augenblick überlegt er, ob er auf den Planke hinter seinem Schwiegermuttermonster Epicharis etwas auf- und abhüpfen sollte um die Planke in Schwingungen zu versetzen, aber dann verwarf er den Gedanken. Es würde bessere Gelegenheiten geben Epicharis das Grauen zu lehren.


    Der Aurelier reagierte nicht auf Serenus Begrüßung. Pah! Sofort wurde er klassifiziert. Der Aurelier, Serenus-Klassifizierung „unfreundlicher patrizischer Schleimer“, schaute in Serenus Augen etwas verzweifelt drein. Allerdings ließ sein Gesichtsausdruck noch keinen Rückschluss zu, ob er sich lieber durch ein schnelles Ablegen noch absetzen wollte oder ob er die Angst hatte, dass Celerina es sich noch einmal anders überlegt haben könnte. So launisch wie Celerina laut den Sklaven in der Villa angeblich sein sollte wäre dies möglich, obgleich Serenus nicht damit rechnete. Celerina war eine Flavia und die standen immer ihren Mann, äh ihre Frau. Allerdings fand er es etwas verwunderlich, dass Sie sich hinsichtlich des Hochzeitortes nicht durchgesetzt hatte. Der Ort der Hochzeit war in flavischen Kreisen heftig diskutiert worden. Ein Schiff! Das war ja beinahe so traditionell wie eine Hochzeit in der Cloaca Maxima. Zumindest bei Hochzeiten war man in der Gens Flavia traditionell-spießig. Hatte der Aurelier ein geringes Selbstbewusstsein und versuchte dies aufzubessern, indem er unbedingt einen Hochzeitsort wählte, der augenscheinlich einen Hauch der Extravaganz aufwies? Der war wohl selten in Baiae. Was hier in Ostia oder Roma als extravagant galt, war in Baiae meist schon eine abgelaufene Sandale.
    Oder war dies ein offener Affront gegen die Gens Flavia? Dabei sollte sich der Aurelier doch eigentlich geschmeichelt fühlen, dass eine erlesene Frau aus der Gens Flavia eine Heirat mit einer solch niederen patrizischen Gens einging, obgleich noch ein Vertreter der Gens Claudia für Serenus nicht zur Diskussion stand. Nun denn. Serenus, sein Vater und Onkel Gracchus würden einem Konflikt ganz sicher nicht aus dem Weg gehen. Sie hatten diesen Zwist nicht begonnen, aber sie würden ihn gewinnen. Vendetta! Sicher bereitete Onkel Gracchus in Roma schon geeignete Maßnahmen vor.


    Neben dem absolut untraditionellen Aspekt bedeutete das Schiff noch ein weitaus größeres Risiko. Es konnte mit Brautpaar und Hochzeitsgesellschaft untergehen. So abwegig war das nicht, denn vor einigen Jahren war Serenus in Baiae selbst Zeuge einer solchen Katastrophe geworden. Drei Schiffe waren eine halbe Meile vor dem Strand in Form eines Dreiecks vor Anker gegangen, als an Bord eines Schiffes ein Feuer ausbrach. Auf Hochzeiten ging es meistens zuerst gesittet, dann lustig und später recht wild zu. Natürlich brach einen Panik aus und alles versuchte sich auf die anderen zwei Schiffe zu retten. Viele Leute gingen über Bord und es zeigte sich schnell, dass man in einer Toga sehr schlecht schwimmen konnte oder wer alles ein Nichtschwimmer war. Und dann wurde das Chaos noch gesteigert, weil jemand eine Flosse im Wasser entdeckte. Dabei war es nicht mal ein Hai gewesen, sondern nur ein neugieriger Delphin. Serenus war damals überrascht gewesen, wie viele Sklaven man als Ballast über Bord geworfen hatte und wie wenige davon schwimmen konnten. Deren Gezappel hatte dann tatsächlich zwei Haie angelockt, was echten Seltenheitswert so nah an der Küste hatte.
    Na ja, um seine Familie machte er sich keine Gedanken. Er konnte gut schwimmen, sein Vater würde schwimmen (Fett bleibt oben), das Schwiegermuttermonster war ihm egal. Die konnte ruhig wie ein Anker absaufen. Dido konnte zwar nicht gut schwimmen, aber für sie und Onkel Piso waren dann noch die Hunde zum festhalten da. Molosserhunde waren weder wasserscheu noch schlechte Schwimmer. Man würde ja hoffentlich nicht nur hier im Hafen mit dem Schiff liegen bleiben.


    Er stellte sich mit seinem zwei- und vierbeinigem Gefolge an einen übersichtlichen Platz an der Reling und begann aufmerksam die ankommenden Gäste zu beobachten.


    Bei Senator Purgitius würde er später mal anfragen, ob er mit 15 Jahren bereits Vollmitglied mit Stimmrecht in der Factio Russata werden konnte. Da hatten die einzelnen Factios unterschiedliche Regelungen. Manche Factios wollten ein gewisses Mindestalter haben.


    Ah, Onkel Piso war auch schon da. Vermutlich hatte er die Sänfte von Onkel Aquilius oder die 1-Senator-Repräsentationssänfte von Onkel Senator Felix genommen, die man ihm da gelassen hatte. Onkel Gracchus XXL-Familiensänfte mit dem großen Stauraum für Spielzeug von Gracchus Minor und Einkäufen von Tante Antonia hätte keinen Sinn gemacht. Und da Celerina, Serenus und Aristides ja mit Sänften hier waren blieb im flavischen Sänftenpark nur noch die Sänfte von Oma Agrippina übrig. Und die verlieh ihre Sänfte nie, nicht mal an ihn.
    Sicher würde er später Zeit für ein Gespräch haben. Bei den Wettkampfspielen war Onkel Piso etwas zu kurz gekommen.


    Pontifex Tiberius Durus war auch da, ebenso der dicke Consul. Na, der würde im Notfall auch nicht ertrinken. Dessen Sänftenträger sahen aber recht schlapp aus. Dazu noch eine Unmenge weiterer Gäste die er nicht kannte.


    Da kam ja endlich Celerina. Sie sah hübsch aus, vielleicht etwas zu aufgemotzt, dabei hatte sie das gar nicht nötig. Aber angeblich war so ein Tag für Frauen unglaublich wichtig und die Götter gestatteten wohlwollend alle Eitelkeiten. Zumindest solange die Opfer stimmten.
    Besänftigende Opfer waren das Alpha und das Omega bei den Göttern. Serenus hatte mit Hilfe von Onkel Gracchus sogar noch ein kleines Opfer für Neptun dargebracht. Er war in seinem Leben so oft mit Schiffen gereist, dass man den Göttern des Meeres nicht genug opfern konnte, wenn man einen Fuß an Bord eines Schiffes setzte.


    Das Opfer verlief recht unspektakulär. Iuno stand eh im Ruf nicht sonderlich anspruchsvoll zu sein. Dennoch rechnete Serenus jeden Moment mit einer göttlichen Intervention. So was in Richtung Erdbeben, Wolkenbruch oder ein Blitzschlag. Onkel Gracchus hatte sich heute von allen Familienmitgliedern verabschiedet, als ob er sie nie wieder sehen würde. Er war der Hochzeit auch fern geblieben. Onkel Gracchus war ein weiser Pontifex. Er hatte sicher Omen gesehen, die Schlimmes befürchten ließen. Fluch und Unheil, Krankheit und Siechtum. Hoffentlich gab es wenigstens später was Gutes zu Essen. Solange hieß es erst einmal dem Opfer zuschauen und auf gute Gespräche warten.

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    Original von Decima Serrana


    Sehr verspannt sah sie aus. Kein Wunder. Piso blickte mit einem etwas seltsamen Blick zu verus hin, der sich wahrscheinlich jetzt schon im Geiste die Haende rieb. Also, seine Tochter sah wahrhaftig nicht so aus, als ob sie ihn kennen lernen wollte. Viel eher glaubte er, dass ihr viel eher mehr daran gelegen war, einfach nur davonzulaufen. Irgendwie fand Piso das nicht recht... doch die Kleine hatte etwas, was ihn irgendwie beruehrte. Deshalb entschied er sich dafuer, jetzt hierzubleiben und sich mal auf eine laengere Unterhaltung einzustellen. Immerhin schien er mit seiner Vorstellung einmal gut angekommen zu sein, und sie entgegnete, dass es sie auch freute. Nun ja, mit kaum etwas anderem haette Piso gerechnet. Er war nicht SO eingebildet, dass er glaubte, alle Welt wuerde ihn lieben, viel eher hatte er Vertrauen in die Erziehung, die man Maedchen aus einer verdienten Gens wie der Decima angedeihen liess (obwohl die Gens Decima es natuerlich nie mit der Gens Flavia aufnehmen konnte!). Er konnte aber deutlich sehen, wie sehr sie sich ueberwinden musste, um ihren obligaten Satz zu sagen. Schuechternheit? Ablehnung gegenueber Piso? Frauen waren so kompliziert... drueben sah er aus seinen Augenwinkeln kurz Serenus, wie er mit diesen beiden urhaesslichen Viechern herumschritt. Piso musste sich vorsehen, vor diesen beiden nicht zusammenzuzucken, und wandte seine ungeteilte Aufmerksamkeit wieder auf Decima Serrana. "Eine Hochzeit auf einem Schiff ist schon etwas besonderes. Da hat sich Senator Corvinus etwas sehr Originelles einfallen lassen. Das erinnert mich an die langen Schiffsreisen, die ich frueher gemacht habe, doch das ist jetzt schon einige Jahre her.", versuchte er ein passendes Gespraechsthema anzuschneiden und blickte aufs Schiff, auf welchem er gerade gewesen war, das er aber wieder verlassen hatte und wohl gleich ein zweites Mal besteigen wuerde.

  • Die kurze symbolische Prozession war einmal um den abgegrenzten Raum gezogen und als Orestes wieder in der Mitte angekommen war, näherten sich zwei Ministri, einer mit einem Wassergefäß der andere mit einem aus Palmbüscheln gebundenen Strauß, der dazu benutzt werden sollte, die Anwesenden mit Hilfe des Wassers symbolisch zu reinigen. Orest nahm die Palmzweige in die Hand und ging zuerst auf das Brautpaar zu und besprengte es, bevor er großzügig die Menge reinigte, wobei die Ministri ihm immer einen Schritt hinter ihm folgten.


    Als diese beiden Ministri zusammen mit Orestes wieder in die Mitte zurückgekehrt waren, traten sechs noch ziemlich junge Opferdiener hervor, die mit ihrer hellen (aber nicht deswegen leisen) Knabenstimme gemeinsam riefen: "Favete Linguis!"


    Als die so eingeforderte Ruhe sich einstellte, begannen die Flöten zu spielen. Die (auch in rot und gold) geschmückte weiße Kuh, die nun in der wunderbarsten aller Arten ihr Schicksal zu erfüllen (sprich zu sterben) ihr natürliches Ziel erreichen sollte, wurde in die Mitte gebracht und festgebunden. Derweil brachten wiederum zwei Opferdiener das mallium latum und das schon bekannte Gefäß mit Wasser.


    Die Flöten setzten ab und Orest erhob die Stimme: "Weil es würdig und recht ist, Dir, gütige Mutter zu opfern, sei Dir diese Kuh geweiht, auf dass Du segnest, die Dich anrufen und beschützt, die ihren Ehebund unter Deinem Mantel bergen wollen." Nach dieser Formel wurden Orest die Hände gewaschen und mit dem mallium abgetrocknet. Im gleichen Moment als Orest das Handtuch den Dienern zurückgab, setzten die Flöten leise wieder ein.


    Die nächsten Schritte geschahen schnell hintereinander, aber dennoch mit der nötigen Ruhe. Das hatte einige Mühe gekostet, dies mit den Camilli so einzuüben, aber es schien sich gelohnt zu haben, denn Entkleidung der Kuh, Übergabe des Opfermessers an Orest, der damit die Entkleidung durch das Streichen von Kopf bis Fuß mir eben dem Messer beendete, und das Bestreichen mit der Mola Salsa gingen reibungslos und flott, aber würdig von statten.


    In das Flötenspiel hinein, welches nun nur noch so laut war, dass es gerade noch eine Stimmung vermitteln konnte, nämlich die von gerührter Andacht, sprach Orest das Opfergebet, mit würdig-salbungsvoller Sprache (ohne allerdings zu übertreiben):


    "O Iuno Pronuba, dieses Opfer, das ich Dir im Namen der Dir treuen Anwesenden darbringe, sei Dir geweiht, es erfreue Dich und neige Dein Ohr dem Rufen derjenigen zu, die Dich heute anrufen. Lass die Ehe von Flavia Celerina und Marcus Aurelius Corvinus gesegnet und fruchtbar sein zu Deinem Ruhm und zur Ehre Roms"


    Nach diesen Worten trat der Cultrarius hervor zusammen mit einem Opferdiener, der sich an den Hinterbeinen der Kuh aufstellte, während der Cultrarius seinen Platz beim Kopf der Kuh einnahm. Orestes selbst ließ sich noch einen goldenen Becher mit Wein geben, den er über die Schnauze des Opfertieres goß. Als dieses Trankopfer abgeschlossen war und Orestes wieder auf dem Platz in der Mitte stand, rief der Cultrarius die alte Frage: "AGONE?", auf die Orestes ruhig, aber bestimmt antwortete - "AGE!"


    Und die Schlächter walteten ihres Amtes. Nach einem Schlag gegen die Hinterbeine knickte die Kuh ein und der Cultrarius durchtrennte gekonnt die Halsschlagader. Das Blut floss. Einiges fing man auf, anderes floss in extra in den Boden eingeritzten Rillen ab. Die beauftragten Opferdiener taten nun das nötige, so dass es nicht lange dauerte bis sie in einer weiteren prächtigen patera die vitalia zu ihm brachten, die er nun gründlich untersuchte.


    Während er dies tat, bereiteten die Camilli schon einmal alles dafür vor, im Falle einer litatio die zu verbrennenden Teile auf dem Altar aufzuschichten, beziehungsweise die anderen Teile des Fleisches in Sportulae zu verteilen, die an die Klienten der Klienten der Klienten verteilt werden sollten.

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    Original von Aulus Flavius Piso


    Als Piso das Schiff erwähnte, wurde Verus ein wenig bange. Die schlechten Erinnerungen überkamen ihn. Seine Finger begannen leicht zu zittern. Er sah wieder all das Blut, hörte die Schreie der Kameraden und spürte die Hitze des Feuers. Er durchlebte erneut den Alptraum seines Traumas. Seine Augen blitzten kurz vor Angst auf. Verus wollte sich nicht erinnern und schob die Phantasien ganz weit in seinen Kopf. Er unterdrückte jede Regung.


    Es dauerte einige Atemzüge bis Verus wieder in der Realität war. Es waren diese Momente, die er so sehr fürchtete. Die Momente in denen sein Trauma offengelegt werden könnte.


    Er räusperte sich kurz und lockerte seine Hand. Das leichte Zittern war wieder verschwunden, mit ihm die Erinnerungen an das Gemetzel.


    "Ja, das ist wirklich etwas Originelles. Ich fahre... oder besser gesagt bin zur See gefahren. Ich bin Centurio der römischen Flotte, momentan schiebe ich jedoch Innendienst. Ich kann also behaupten, dass ich mich ein wenig mit der Schifffahrt auskenne," sprach er erleichtert.


    Verus richtete seine Toga ein wenig.


    "Du bist ebenso zur See gefahren? - Sehr interessant. Wo warst du überall?"

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    Original von Caelyn


    Als er auf die Frau zutrat, blickte ihn jene verwundert an, sie schien noch nie ein parthisches Gewand gesehen zu haben. Und als er ihr seine Fragen stellte, fielen ihre Antworten recht... seltsam aus. Wieso war sie so? Er hatte ihr doch nichts getan?
    Auf jeden Fall war er mit seiner Vermutung richtig gelegen. Sie gehoerte den Aureliern. Und sie war aus dem Norden. Aha, aus Gallien. Er hatte schon vage von diesem Land gehoert. Der Name Haeduer sagte ihm nichts, und den Namen des grossen gallischen Helden hatten die Roemer ihm natuerlich verschwiegen.
    "Aeh... ja.", meinte er verduzt auf das gallische Fragenbombardement hin. "Mein Name ist Phraates. Ich bin aus Parthien.", meinte er stolz und reckte sienen Kopf ganz leise in die Hoehe. "Und Sklave jetzt. Von die Flavierin." Sein Kopf senkte sich und nahm einen traurigen Blick an, der jedoch in Sekundenschnelle verschwand. "Gut, du also bist von Aureliern. Was ist dein Name?", wollte er wissen, wuerde er doch in Zukunft bei den Aureliern leben. "Ich dich muss fragen etwas. Mir tut es Leid, dass ich nicht habe gewusst, woher du stammst. Ich weiss Unterschied zwischen Kelten und Germanen... aber meine Herrin nicht." Phraates sagte diese Worte so vorsichtig wie meoglich. Er linste zu Celerina und Corvinus, die abseits standen, bereit, sich zu vermaehlen. Dann wandte er sich wieder an die Frau, zuckte mit den Achseln und laechelte. "Ich habe Auftrag, und ich wurde gesagt, ich soll suchen nordische Frau, die gehoert zu Aureliern." Es musste nicht unbedingt sie sein, doch er konnte es nur rausfinden, indem er sie fragte. "Ich dich muss fragen ueber Corvinus." Wieder sein unglueckliches Gesicht. "Mir tut leid, aber Auftrag von Celerina... aeh... was mag...", er schluckte, konnte er sie das wirklich fragen "was..." Er raeusperte sich. "Ich muss fragen, was mag Corvinus in Bett. Wenn... aeh... er macht... ffft, ffft, ffft.", machte er in Ermangelung eines anstaendigen Wortes. "Mit Frau. Nicht mit sich selbst.", fuegte er noch schnell erklaerend hinzu, wissend, das er so praezise wie moeglichst sein sollte. Wobei er das selber eben nicht gerade gewesen war.

  • Das Salzaroma des Meeres legte sich schon auf Marcus' Lippen und er sah frogemut auf die blaue Fläche, während er der Antwort seiner Sklavin lauschte – Prudentius Balbus; nein, er konnte mit dem Namen nicht viel verbinden, auch die gens Prudentia weckte nicht irgendwelche Assoziationen oder Verknüpfungen, die ihm etwas gesagt hätte, aber scheinbar hatte der Mann es zu etwas gebracht...war da nicht mal ein consul gewesen mit einem ähnlichen Namen? Marcus erinnerte sich jedoch nicht, die Frau weckte sehr viel mehr an Erkennen mit ihrem gensnamen, doch was ihre selbige Person anging, wußte auch Marcus nichts über sie; ob sie wohl Freunde der Aurelier waren und deswegen heute geladen? Aber genau aus dem Grund hatte er Asny heute dabei, die ihm in dieser Hinsicht eine mentale Stütze sein sollte; doch noch ehe er Nachfragen konnte, was ihn über das Paar genauer informieren konnte, vernahm er, daß die Braut wohl eintraf; Marcus sah von Meer und Gästen weg und wandte sich dorthin, wo er die Verkündung vernahm, und sah dann nach einigem Spähen auch die junge Braut; ein wohlwollendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, Celerina machte den Flavierinnen alle Ehre, sie war wirklich eine schöne und bezaubernde Braut und strahlte die Anmut aus, die er doch so oft bei seinen weiblichen Verwandten gesehen hatte, von natürlich seiner strahlenden Mutter bis hin zu der eleganten Leontia, seiner Lieblingsbase. Daß Asny sich um sein Auftreten und damit dem Sitz seiner toga kümmerte, verwunderte Marcus nicht und er nahm das mit der gelaßenen Gleichmut hin, die man als Mann und Ehegatte nun mal erwarb, schließlich mußten Frauen – egal ob Sklavin oder eben Ehefrau – an einem herum zupfen, das gehörte wohl zu ihrem Wesen; und bei ihm schien es immer etwas zurecht zu rücken zu geben.


    Immer mehr bekannte Gesichter mischten sich in das Treiben der Hochzeit, es wurde immer voller auf dem Steg vor dem prächtigen Schiff, das sie hoffentlich bald alle auf die See hinaus brachte- und darauf freute sich Marcus schon sehr -, natürlich erkannte er Macer, Quarto und auch Durus wieder; auch wenn er nun nur noch flüchtig über die Gäste hinweg sah, da die Prozession mitsamt des Orestes wirklich beeindruckend und schön anzusehen war, darum schloß er sich erstmal ohne weiteres Nachfragen dem Strom an, um zu dem Opferbereich – dort wo man als Gast stehen durfte – zu folgen; dort lauschte er andächtig den Worten von Aurelius Orestes und nickte anerkennend, aber es war nicht das erste Mal, daß er ihn bei einer Amtshandlung als Priester sah und war durchaus von deßem religiösen Geschick und der Würde, die dieser Mann dabei offenbarte, mehr als beeindruckt; aus diesem Mann würde sicherlich noch ein weit bedeutenderer Mann werden als er es jetzt schon war; etwas, was Marcus ohne Neid anerkennen konnte, zumal er keinen Arg gegenüber dem Priester hegte, gespannt verfolgte er auch, wie das Voropfer in das eigentliche Opfer überging, und auch hier zeigte sich, daß der heutige Tag wohl unter einem guten Stern stand, denn bisher war alles glatt gelaufen und schien auf das Wohlwollen der Götter zu treffen, die mit keiner Wolke die Verbindung seiner Nichte trübte – was ihn für seine Nicht sehr freute!


    In einer Pause, die die üblichen Opferhandlungen so mit sich brachten und in der Marcus keinen allzugroßen Frevel begang, indem er leise sich an seine Sklavin wandte, widmete er sich wieder kurz den Gästen und ließ seinen Blick schweifen; der Prudentier, ah ja, er wollte ja noch wißen, was dieser so tat, vielleicht würden sich später dann noch Gesprächsthemen ergeben und vielleicht entpuppte sich der Mann als ein leutseliger und lustiger Geselle; dabei stachen ihm auch die Decimer – die Marcus im ersten Impuls als Ehepaar einordnete - und sein Verwandter Piso in die Augen, die sich munter zu unterhalten schienen; Marcus betrachtete sie und runzelte nach einem Herzschlag die Augenbrauen, denn er wußte nicht ganz einzuordnen, weßen Zunge weiter ausgerollt war, die des Piso der – zugegeben – recht hübschen jungen Frau wegen oder die des anderen Mannes – dem Decimer – wegen des Gesprächs mit einem Patrizier; Marcus drehte den Kopf ein wenig in Richtung von Asny, als Zeichen, daß er sie etwas fragen wollte.
    „Was treibt der Prudentier so? Und wer ist das Paar dort drüben, mit denen sich Piso unterhält?“
    , flüsterte er sehr leise, er wollte schließlich keine Opfer oder sakralen Angelegenheiten in Gefahr bringen, in dem er seine Stimme zu laut erhob. Natürlich ging Marcus davon aus, daß Asny alle Familienmitglieder der Flavier kannte, Marcus spähte wieder nach vorne, denn er wollte, trotz seiner kurzen Neugier, nichts von dem Opfer verpaßen, dem großen Moment seiner Nichte an diesem und ihrem Hochzeitstag.

  • Ach nee, hatte ich den Nachthemdheini etwa erschreckt? Naja, ich war vielleicht ein bisschen grob gewesen. Aber woher hätt ich den ahnen können, dass der Kerl so zart besaitet war? Zur Sicherheit grinste ich mal, damit er das checkte, dass ich´s nicht böse gemeint hatte.
    Nur bei dem Namen, den er mir an den Kopf warf, konnte ich absolut nix anfangen. "Öhm, was?", fragte ich verdutzt. Ach so, der war aus Parthien! Na dann, war ja alles klar! Den Namen hatte ich aber trotzdem nicht verstanden. Aber war ja auch nicht weiter schlimm. Dass er der Sklave von der Flaverin war, konnte ich mir halbwegs denken. Warum war er ihr sonst hinterher gedackelt? Das musste einer von den unzähligen Kriegsgefangenen ein, die seit Ende des Krieges Rom überschwemmten. Dementsprechend bescheiden war sein Latein. Aber solange man ihn einigermaßen verstand, ging´s ja.
    "Ich heiß Caelyn. Öhm, sag mal..", wollte ich ansetzten aber der ließ mich gar nicht zu Wort kommen.
    Also der Typ war ja ganz schön seltsam. Wegen jedem Schiss entschuldigte er sich, sogar dafür, dass er mich was fragte. Klar, da musste ich grinsen. "He, is schon gut! Mach dir deswegen nicht ins Hemd!" Ins Nachthemd, dachte ich grinsend.
    "Aber sag mal.. Öhm, was? Ne nordische Frau? Aber ich bin da nicht die einzige! Da is noch Siv und Nuala, die kommen aus Germanien." Jedenfalls laberten die immer dieses Kauderwelsch, was kein Schwein verstand. Aber der Oberhammer kam ja noch! Das beste zum Schluss, wie mein Großvater immer zu sagen pflegte. Was der Typ jetzt vom Stapel ließ, hatte mich ja um ein Haar umgehauen! Das sollte echt was heißen, denn mich haute so schnell nix um! :D
    "Hä? Was?" Woher sollte ich denn das wissen? Ich hatte ja schon gehört, der war kein Kind von Traurigkeit. Aber was er nu so trieb? Keine Ahnung! Am besten, ich ließ mir was witziges einfallen! :D
    "Im Bett? Wie kommsten da drauf? Wenn der´s treibt, dann doch nicht im Bett!" Innerlich schmiss ich mich gerade weg vor lachen, von außen blieb ich ganz cool und tat so, als wüsste ich, wovon ich sprach.
    "Ach, öhm, ist Chimerion eigentlich nicht mitgekommen?" Endlich war ich auch mal zum Zug gekommen.

  • Nun grinste ihn die Frau unvermittelt an! Phraates war leicht konfus, doch liess sich nichts anmerken und laechelte hoeflich zurueck. Immerhin schien sie ihm nicht feindlich eingestellt zu sein.
    Die Gallierin schien seinen Namen nicht mitbekommen zu haben. Er laechelte servil und wiederholte ihn. "Phra-a-tes.", sagte er langsam, jede der drei Silben seines Namens deutlich betonend.
    Ihren namen bekam er mit, doch die Art, auf die er ihn aussprach, war einigermassen hanebuechen, sosehr er sich anstrengte. "Kai-lin... Keilin?", meinte er mit fragender Stimme. War das ein weiblicher Keil? Wer wusste, was sich die Gallier alles dachten, wenn sie ihren Toechtern Namen geben.
    Caelyn schien relativ amuesiert zu sein ueber die zugegebenermassen gestelzten hoefischen Manieren von Phraates, wlecher in einem Umfeld aufgewachsen war, in dem es strengstens verpoent war, Frauen schlecht zu behandeln (ausser, man war mit ihnen verheiratet). Er erfuhr nun immerhin, dass es auch andere nordische Sklaven gab. haette er sich denken koennen. jetzt konnte er alle aurelischen Sklaven durchklappern und sich dabei zur absoluten Witzfigur machen. Na prima. Danke, Herrin, dachte er sich und schnaubte durch die Nase aus. Das koennte noch ein langer Tag werden. Wenn es wenigstens nicht Leute waeren, mit denen er noch lange zusammenleben muesste, wie es bei den aurelischen Sklaven der Fall war...
    Durch seine Frage schien sie anfangs etwas, aber nur ganz leicht,e rstaunt zu sein, dann legte sie ihm dar, wo Corvinus seine Reproduktionsaktivitaeten erledigte. "Nicht in Bett?", fragte Phraates unglaeubig nach. "Aber... jedes Mann macht in das Bett!", stellte er im Brustton der Uebrzeugung fest, ohne zu wissen, was fuer ein drastischer Unterschied so ein einziger falscher Artikel darstellen koennte. :D "Nicht zu tun das ist krank! Wo macht er denn dann? In Plumpsklo?", fragte er nach, ganz entsetzt von der Vorstellung. "Oder... auf das Boden?" Seine Augen wurden gross.
    Dennoch schaffte er es, ihre Frage zu beantworten. "Chimerion, das... nein... der Thraker? Ist weg. Gegangen. Fort." Er ueberlegte kurz und meinte dann: "Er hat die Muecke gemacht... nein... die Fliege!" Er grinste stolz darauf, dass er das im Gedaechtnis behalten hat koennen. "Ich bin Ersatz fuer Chimerion." Er seuftze und zuckte die Achseln.

  • Keine nouvelle cuisine, sondern eine Kuh, eine schöne, große, ausgewachsene Kuh wurde ihr geopfert. Hübsch geschmückt und drapiert in rot und gold wurde die Kuh (die arme) zu ihrer letzten Lebensstätte geführt. Das Rot und Gold gefiel Iuno, es war zwar nicht so spektakulär wie das glitzernde Silber ein paar Opfer von irgendwelchen Sterblichen zuvor, aber auch nicht schlecht.


    Iuno sah keinen Grund, das Opfer nicht anzunehmen.

  • Zitat

    Original von Aulus Flavius Piso


    Serrana versuchte zu lächeln. Sie versuchte so zu tun, als wäre sie entzückt, was sie ja vielleicht auch gewesen wäre, hätte ihr Vater sie nicht einem solchen Druck ausgesetzt. Woher hätte sie denn auch ahnen können, wozu ihr Vater die Einladung zu der Patrizierhochzeit ausnutzen wollte. Serrana hatte auf einen schönen, erlebnisreichen Tag gehofft. Dass er eine solche Wendung nehmen würde, hatte sie nicht erwartet. Der Flavier war der erste fremden Mann, mit dem sie sich unterhielt, einmal von den Sklaven in Griechenland und denen in der Casa Decima abgesehen. Niemand hatte ihr erklärt, wie man sich bei einer derartigen Begegnung verhielt oder worauf man achten sollte.
    Serrana war von ihrer Mutter gut erzogen worden. Sie war ein tugendhaftes Mädchen und sie wusste, was sich gehörte. Deshalb entschied sie sich, lieber auf Nummer sicher zu gehen und sich dem Flavier nicht aufzudrängen. Das war ganz und gar nicht ihre Art. Ihre Schüchternheit bot ihr hierfür einen Schutzwall, hinter dem sie sich vorerst verstecken konnte.
    Zu ihrer Erleichterung versuchte Flavius Piso sie nicht zu bedrängen. Er begann ein Gespräch aufzubauen und sprach das aus, was Serranas Gedanken waren, als sie den Hafen erreicht hatten uns die zum ersten Mal das Schiff erblickt hatte. Sie fasste Mut, um ihre Schüchternheit abstreifen zu können. Sie war bereit, ihm ihre Gedanken mitzuteilen, sich an dem Gespräch teilzunehmen, mit ihm warm zu werden. Doch ihr Vater kam ihr aber zu vor. Seltsam, während er sprach hatte er etwas eigenartiges, kaum zu beschreibendes in seinen Augen, von dem Serrana nicht im Geringsten ahnen konnte, was es war. Dafür kannte sie ihren Vater einfach noch nicht zu lange.
    Ihre zu recht gelegten Worte behielt sie vorerst für sich und schwieg. Das war wahrscheinlich auch besser so, denn sie hatte keine Ahnung, welche Strategie ihr Vater verfolgte, um sie an den Mann zu bringen. Er mochte wohl zuerst die Lage sondieren und den zukünftigen Schwiegersohn auf Herz und Nieren prüfen, bevor er ihm sein Allerwertvollstes anvertraute. Genau so musste es sein, glaubte Serrana zu wissen.

  • Ich warf noch einen letzten Blick zurück, der meine Sklaven trafen. Selten in meinem Leben war mir das aufmunternde Nicken einer Sklavin so wichtig gewesen, wie in diesem kurzen Augenblick, in dem mich Charis ein letztes Mal, bevor ich in den Bund mit Marcus einging, bestärkte. Zu meiner Zufriedenheit konnte ich auch feststellen, dass Phraates meinen Anweisungen nachkam. Er mischte sich unter die aurelischen Sklaven. Später, wenn sich die Hochzeitsgesellschaft zum Feiern begab, hoffte ich auf seine Rückmeldung. Ich war schon ganz versessen darauf, zu erfahren, was noch auf mich zukommen sollte, später am Abend. Doch vorerst galt meine Aufmerksamkeit dem Voropfer, welches vor unseren Augen bereitet wurde.
    Wie immer, verfehlte auch diesmal der Duft des Weihrauchs nicht seine Wirkung. Auch wenn das Opfer unter freiem Himmel stattfand, so benebelte der Weihrauch doch ein wenig meine Sinne. Die Musik der Flöten, die Stimme des Priesters, der die erhabene Göttin anrief, ihre Statue, die vielen bunten Blumen, die man aus fernen Ländern herbeigeschafft hatte, das alles ergab ein Bild, welches beinahe unwirklich wirkte, dem ich mich dennoch, gerne ergab. Es verschaffte mir Genugtuung, die meine Ängste, die mich bei der Ankunft noch verfolgt hatten, gänzlich beiseite schoben. Ja, ich Flavia Celerina, was am Ziel angekommen. Hier stand ich nun, bereit für mein neues Leben und bereit dafür, das Gewesene abzuschütteln.


    Allem Anschein nach, stand die Göttin dem Voropfer nicht abgeneigt gegenüber. Nachdem die Hochzeitsgesellschaft zur Ruhe angehalten worden war, fuhr man fort, mit dem eigentlichen Opfer zu beginnen. Eine reichlich geschmückte Kuh wurde herbeigeführt. Mir tat das Tier ein wenig leid, da ich ja wußte, was ihm in wenigen Minuten widerfahren würde. Aber so war nun der Lauf der Dinge. Auch dieses Tier würde nur seiner Bestimmung folgen und sein Blut würde hoffentlich Iuno milde stimmen. Doch bevor es zu dem Unvermeidlichen kam, folgte der Priester den uralten Vorschriften, die Bestandteil der Opferung waren.
    Ich spürte eine angenehme Ruhe in mir und ließ mich betören von allem, was um mich war. Sogar ein versonnenes Lächeln zeichnete sich in meinem Gesicht ab, welches nur kurz im Augenblick der Tötung des Opfertieres aufzuckte.

  • Er schaute gründlich auch die Unterseiten der Organe an, doch er konnte nichts feststellen. Ein wenig erleichtert war er schon, da ein Opfer im Familienkreis immer so eine Sache war, in der man nichts schlimmes voraussagen wollte, oder das Opfer wiederholen, aber dennoch der Wahrheit die Ehre zu geben war. Aber diesmal war es ja gut gegangen, so dass er voller Freude und mit guten Gewissen rufen konnte:


    LITATIO! LITATIO!, in diesem Moment, in dem sicherlich ein Jubel aufbrausen würde setzten auch die Fanfaren wieder ein und gaben mit einem mehrstimmigen Jubilus die Litatio kund. Die Opferdiener machten sich nun daran das Feuer zu entzünden, damit die der Göttin zustehenden Teile verbrannt werden konnten. Noch unter dem Getöse der Fanfaren ging Orestes nun, da das Opfer seinem Ende entgegen ging zu den Brautleuten. Als die Flammen das Opferfleisch zu verzehren begannen, erreichte er sie. "Das Opfer ist angenommen. Ihr könnt des Schutzes der großen Mutter und Königin Iuno gewiss sein."


    Nach diesen noch sehr feierlichen Worten fügte er mit einem Augenzwinkern, leiser hinzu: "Und ich musste noch nicht einmal nachhelfen." Es kam eine leichte Brise auf, die den Geruch verbrannten Fleisches nicht in die Menge blies, sondern von ihr weg. Auch dies konnte Orestes als gutes Zeichen deuten, aber auch Corvinus wusste dies sicherlich, so dass es keine Erwähnung finden musste. Mit einem Wink an die Musiker und Opferdiener machte Orest deutlich, dass diejenigen, die nicht für das Aufräumen oder Verteilen der Sportulae eingeteilt waren sich nun - wieder in Prozession - aufmachen sollten und die Statue der Göttin und Fanfaren- und Flötenspiel wieder in den Tempel zurückbringen sollten. Das Opfer war beendet.

  • Sim-Off:

    @ Serenus: War keine Absicht


    Schweigen senkte sich herab wie eine Decke. Stumm und mit bis zum Zerreißen gespannter Aufmerksamkeit verfolgte ich jedes Wort und jeden Handgriff des Opfers. Wenn es nicht angenommen würde, wäre eine Ehe zum jetzigen Zeitpunkt mit Celerina unmöglich. Es war unrecht, doch ein winziger Teil hoffte beinahe auf ein Knötchen auf der Leber, doch da war nichts, so gründlich Orest auch suchte, und mir vfiel gleichzeitig ein Stein vom Herzen, wie mir kalt wurde. Dann sollte es so sein. Die Frau an meiner Seite würde auch fortan an meiner Seite stehen. Trotz vager Gänsehaut schaffte ich es, erfreut zu lächeln, als die Fanfaren erklangen und Orestes die Opferannahme verkündete.


    Er war der erste, der sich einen Weg zu uns bahnte - was nicht weiter schwer war, da wir direkt beim Geschehen standen. Ein köstlicher Geruch wie von brutzelndem Braten wehte von der Opferschale über den Hafen hinweg, als er uns erreichte und auf seine Weise einen Glückwunsch ausdrückte. In diesem Moment überkam es mich, ich konnte nicht anders. Ich beugte mich nach vorn und umarmte Orestes, klopfte ihm zweimal auf den Rücken. "Ich danke dir, Manius. Es bedeutet mir viel, dass du heute die Zeremonie abgehalten hast", sagte ich, ehe ich ihn wieder losließ und dankbar anlächelte. So perfekt, wie das Opfer gelaufen war, angefangen von den Fanfarenbläsern über die seltenen Opferblüten bis hin zum Schmuck der Kuh und den mit Bedacht gewählten Worten, konnte es nur positiv weitergehen. Es war nun an der Reihe der pronuba, den nächsten Punkt der Hochzeitsordnung einzuleiten. Aristides musste stolz auf seine Frau sein, dachte ich bei mir. Derweil hatte der Wind gedreht und fachte das Opferfeuer an. Der beißende Geruch nach verbrannter Kuh zog stadteinwärts und fort vom Wasser.

  • Es war ein prächtiges Schiff, das dort neben ihnen vor Anker lag, aber es war noch prächtiger geschmückt worden. Epicharis bewunderte das fein aufeinander abgestimmte Arrangement von Stoffen, Blüten, Sklavengewandung und sonstiger Zier. Selbst das Opfertier war in den Farben der Flavier und Aurelier gehalten! Corvinus traute sie ein solches Feingefühl für Dekoration einfach nicht zu, deswegen musste er entweder einen fähigen Verwalter haben oder aber - und diese Vermutung lag sehr nahe - diesen Part hatte Celerina übernommen. Sie nahm sich vor, der Braut später ein Kompliment zu der Ausstattung zu machen.


    Epicharis war aus allen Wolken gefallen, als Celerina sie gefragt hatte, ob sie ihre Pronuba sein wollte. Ausgerechnet sie! Allerdings lag es nahe, nach dem, was sie miteinander erlebt hatten. Dennoch glaubte Epicharis, dass Antonia die bessere Wahl gewesen wäre. Obwohl sie am Vorabend das Zimmer für die Hochzeitsnacht geschmückt und ausgestattet hatte, war ihr trotzdem so, als übertrumpfe Antonias Engagement alles, was Epicharis je hätte vollbringen können. Ihre einzige Hoffnung war, dass Celerina es nicht allzu schrecklich finden würde, was Epicharis in der Villa der Aurelier angestellt hatte.


    Nachdem nun das wahrhaft pompöse Opfer vollzogen worden war, kam Epicharis' Einsatz. Sie war die Pronuba, verheiratet - und das äußerst selig - in erster Ehe. Ihr oblag es, die beiden zukünftigen Ehepartner miteinander zu verbinden. Sie erinnerte sich noch genau daran, wie aufgeregt sie gewesen war, als Antonia ihre Hand ergriffen und in die Aristides' gelegt hatte. Behutsam trat sie vor und wartete, bis der Bräutigam sich aus der Umarmung mit seinem Verwandten gelöst hatte. Ihr hochgestecktes und mit Perlen verziertes Haar schimmerte in der Sonne. Sie trat vor Celerina und Corvinus hin, schenkte Celerina ein aufmunterndes Lächeln und Corvinus einen fragenden Blick, dann ergriff sie ihrer beider Hände: Celerinas linke und Corvinus' rechte. "Juno ist euch wohlgesonnen und mag es immerfort sein", sagte sie. Das war zwar nicht Teil des Ritus, aber Epicharis' Bedürfnis. Sie legte Celerinas Hand in die von Corvinus, umschloss ihrer beider Hände für einen Moment und ließ sie dann los. Es war nun Sache der Brautleute, sich gegenseitig den Eheschwur zu leisten. So lange würde Epicharis noch dort stehen bleiben, dann würde sie sich zurück zu Aristides gesellen, vermutlich seine Hand ergreifen, den Kopf an seine Schulter lehnen und tief und selig seufzen.

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