• Es war kalt.
    Tychicus kannte die Kälte. Er hatte schließlich eine Zeit lang in Germania gelebt, wo die Winter so viel länger und kälter waren als in Hispania oder hier in Italia. Das bedeutete allerdings nicht, dass er die Kälte auch mochte.
    Sein Gepäck geschultert und fest in seine Paenula gewickelt trat der Miles aus den Unterkunftsbaracken heraus in den eisigen Wind. Fröstelnd lehnte er sich gegen die Wand, um etwas vor dem Wind geschützt zu sein, und wartete darauf, dass die anderen auch herauskamen. Denn nicht nur er wollte sein Können bei den Wettkämpfen zu den Kalenden des Ianuarius in Matua beweisen, sondern auch einige andere Soldaten der Cohortes Urbanae. Er selbst hoffte nicht wirklich darauf, in einer der Disziplinen zu gewinnen, denn es gab sicher einige andere, die besser als er waren und sich vor allem ehrgeizger auf das Ganze vorbereitet hatten als er selbst. Alles, was er außer den normalen Trainingseinheiten getan hatte, war, in seiner spärlichen Freizeit noch ein paar Mal das Pilumwerfen zu üben, mehr aber auch nicht. Ihm ging es darum, dabei zu sein, als erfolgreich zu sein.
    Und - wer wusste das schon - vielleicht war ja einer seiner Kameraden in einer der Disziplinen siegreich. Er gönnte es ihnen allen.
    Jetzt hoffte er allerdings erst einmal völlig eigennützig, dass sie auch bald erscheinen würden, denn er fürchtete, sich diverse Körperteile abzufrieren, bis sie endlich alle da waren.

  • Mit einem gesattelten und bepackten Pferd am Zügel - ja, es hatte einen Haufen Vorteile, Centurio zu sein - kam ich vor die Baracke. Ich fror, obwohl ich warme Feminalia trug, und die Tibialia bis zum Knie gewickelt hatte. Redivivus wartete schon. Der Wind griff die Paenulae und liess sie malerisch flattern, es hätte zu einem weit epischeren Aufbruch gepasst.
    "Salve Redivivus. Bereit für den kleinen Ausflug?", grüsste ich, gutgelaunt trotz der Kälte. Ich war froh über diese Abwechslung, und über die Aussicht, in Mantua ein paar alte Kameraden wieder zu treffen. Obwohl die Leute von der Prima natürlich harte Gegner sein würden, aber meine Soldaten würden ihnen schon zeigen was sie draufhatten. Gut war auch, dass wir den Weg für einen Gepäckmarsch nutzen konnten, für die, die das noch nicht kannten.

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  • Einen leicht neidischen Blick konnte Tychicus nicht unterdrücken, als der Centurio mit einem Pferd eintraf, aber er setzte schnell eine fröhliche Miene auf, soweit sein schon leicht angefrorenes Gesicht es noch zuließ, und grüßte zurück:


    "Salve, Centurio Decimus! Natürlich bin ich bereit. Ich wünschte nur, in unserer Ausrüstung wären drei Paenulae enthalten und nicht nur eine, die könnte ich jetzt gut gebrauchen."


    Sein Lächeln wurde etwas gequält und deshalb ließ er es lieber ganz und rieb sich stattdessen das kalte Gesicht, um es wieder etwas aufzutauen.
    Hoffentlich ging es bald los - Bewegung schien die einzige Möglichkeit zu sein, bei diesen Temeperaturen nicht innerhalb weniger Minuten zum menschlichen Eiszapfen zu erstarren. Also vertrieb er sich die restliche Zeit mit auf- und ablaufen, was tatsächlich auch etwas half.

  • Macro zog angesichts des Wetters ganz unbewusst die Schultern nach oben und den dunkelhaarigen Kopf ein, als er aus den Unterkunftsbaracken trat und blickte sich nach den Kameraden um, mit denen er sich auf den Weg nach Mantua machen würde. Die Aussicht auf eine kleine Herausforderung -wiedermal- gefiel ihm durchaus, genau wie seine Kameraden, denn mit Serapio und Tychicus würde es sicher nicht langweilig werden. Der Wind allerdings machte ihm ein wenig Sorgen, ziemlich eisig, strich er durch die Haare des Caeciliers und riss an seiner Kleidung, auch die Faust, die den Gurt seines Gepäcks hielt, fühlte sich schon nach wenigen Schritten etwas klamm an, aber Macro war Mann genug es zu ignorieren -noch. Vielleicht lag sein starkes Temperaturempfinden ja überhaupt nur an seiner Müdigkeit und die würde schon bald vergehen, der Weg war schließlich lang genug, um den Körper abzulenken.
    Ob er in Mantua in einer Disziplin gewinnen konnte oder nicht, dies war etwas worüber der junge Mann sich noch keine Gedanken gemacht hatte, es war einfach nicht Macros Art sich über Zukünftiges so sehr den Kopf zu zerbrechen, aber er wollte es versuchen, das allein gab ihm schon sein Ehrgeiz auf. Einen Fuß vor den anderen setzend, sah Macro schon bald zwei seiner Kameraden vor sich auftauchen, gerade die zwei, derer er eben schon gedacht hatte und ein breites Grinsen stahl sich auf sein Gesicht.
    Noch bevor er an ihrer Seite war, rief er ihnen entgegen.
    "Morgen Jungs. Dann wollen wir Mantua mal ein bisschen aufmischen, was?"


    Um Serapio gegenüber nicht vollständig respektlos zu erscheinen, salutierte er im Gegensatz zu seinen Worten ziemlich zackig in dessen Richtung, verriet sich allerdings durch sein weiterhin Bestand habendes Grinsen.
    Macro wusste nicht wie viele Kameraden sich noch anschließen würden, doch mit Sicherheit waren noch andere als diese Beiden mit von der Partie. Immer noch nicht ganz fit, lehnte er sich neben den Redivivier, gespannt, was der Tag noch bringen konnte und würde.

  • Drei Paenulae, das wäre bei der Hundekälte genau das richtige - ich schmunzelte bei der Vorstellung, wie wir dick vermummt durch die Landschaft wackeln würden, aufgeplustert wie die Amseln in den kahlen Bäumen, und meinte optimistisch: "Wenn wir erst unterwegs sind, wird es uns schon warmwerden."
    Auch Macro, der nun erschien, hatte sich die Laune nicht verderben lassen. Der Salut war zwar ganz wunderbar, aber der Gruss mehr als lässig. Am liebsten hätte ich zurückgegrinst, und in selben Tonfall geantwortet, aber natürlich konnte ich so eine Respektlosigkeit nicht durchgehen lassen. Auch wenn Macro ein guter Freund war, und mir vor Edessa den Arsch gerettet hatte, und schon länger diente als ich. Gerade deswegen! Was wenn die anderen Soldaten sich ein Beispiel daran nähmen? Da würde die Disziplin ganz schnell den Bach runtergehen.
    Ich richtete mich ganz auf, verschränkte à la Artorius Avitus die Hände hinter dem Rücken, und blickte Macro mit ernster Miene ins Gesicht.
    "Miles Caecilius", sagte ich streng, "ich muss dich daran erinnern, dass ich dein Centurio bin, und auch du mich korrekt zu grüssen hast. - Verstanden?"
    Vage erinnerte ich mich, dass irgend so ein Reitertribun Macro einmal aus dem selben Grund angefahren hatte, als wir in fröhlicher Runde zusammengesessen hatten, bei einer Feier von Licinus war das wohl gewesen.

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  • Kleine Atemwölkchen, drei davon, machten sich auf in dne Himmel zu den Göttern. Die Wand, an der Macro lehnte, war auch nicht gerade wärmend und so stieß er sich kurzfristig wieder von ihr ab, um eben doch nur aus eigenen Kräften zu stehen. Ein Blick zur Seite wurde jedoch gleich darauf zu einem erschreckten Starren und schon ahnend, was nun kommen würde, wandte der Caecilier sich nun ganz in die Richtung seines Centurios, der die Arme verschränkte und ihm direkt in die Augen blickte.
    Serapios Worte bestätigten nur, was Macro im selben Moment erwartet hatte und von einem wirklichen schlechten Gewissen begleitet senkte Letzterer die Augen. Was ihm in diesem Moment aufrichtig leid tat, war, dass er Serapio mit solcherlei Respektlosigkeiten dazu zwang sich zwischen Freundschaft und Rang zu entscheiden und das war wirklich nicht fair. Er war sein Centurio, hatte es nach allem, was er in Parthien und auch hier, zurück in Rom, geleistet hatte, wirklich verdient und damit auch, dass Macro ihm den selben Respekt entgegenbrachte, wie er es gegenüber Avitus getan hatte. Ihn zu solchen Worten, wie er sie nun aussprach, zu bringen, tat ihrem Verhältnis nicht gut und war schlicht nicht richtig.
    Also war es die Wahrheit, als Macro nun antwortete.
    "Ja, Centurio Decimus, natürlich. Verzeih mir, ich verspreche, es wird nicht mehr vorkommen."


    Er hoffte, dass seine Augen die selbe Überzeugung ausstrahlten wie seine Stimme, denn er sah Serapio direkt an. "Ich verspreche es."
    Seine Stimme war nun leiser, aber nicht minder ernst. Ja, er hatte ein Problem mit gewissen...Ordnungen, aber Serapio hatte jeden Respekt wirklich verdient und es würde nicht mehr vorkommen.

  • Ich glaube, Macro verstand ziemlich genau was mich bewegte. Es tat mir echt leid, einen Freund so anzufahren, und innerlich war ich ebenso zerknirscht, wie Macro gerade aussah, aber ich liess es nicht bis nach aussen dringen. Es war mir jedenfalls eine grosse Erleichterung, dass er sich so respektvoll entschuldigte. Ich erwiderte seinen Blick - er sah so aus, als würde er es wirklich, wirklich ernst meinen - und fragte mich für einen Moment, ob in der militärischem Hierarchie, in der wir lebten, so eine Freundschaft überhaupt andauern konnte. Hatte ein Artorius Avitus Freunde in seiner Truppe? Ich konnte es mir kaum vorstellen, aber vielleicht wollte ich dann doch nicht ganz so sein wie er. Ich nickte ernst, zum Zeichen dass ich das Versprechen annahm und würdigte, und antwortete etwas steif:
    "Dann ist gut."
    Noch mehr Wind wollte ich wirklich nicht darum machen. Aber ich beschloss, Macro nach unserer mehr oder weniger triumphalen Rückkehr einfach mal ganz außerdienstlich zum Essen einzuladen.
    Der Rest unserer kleinen 'Vexilatio' traf jetzt ein, ich gab noch ein paar Tips zum Tragen des Marschgepäcks, schwang mich in den Sattel und los ging es. Wir verliessen die Castra, verliessen Rom, und zogen durch die eisige Landschaft in Richtung Mantua wo uns die Wettkämpfe erwarteten.

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