Die Arbeitsräume von Ànthimos Bantotakis

  • "Na wenn das so ist, scheint mir das natürlich nur rechtens und ich sehe nichts was dagegen sprechen sollte, wenn sich das alles im abgesprochenen Rahmen bewegt."


    Hatte er es sich doch gedacht, das Timos da ein wenig voreilig gewesen war. Aber die Ausrüstung der Neurekruten musste natürlich gewährleistet werden. Die konnten ja schließlich nicht mit einem Topf auf dem Kopf und einem Kochlöffel als Waffe auf Streife gehen.

  • Ànthomos beobachtete sie gespannt. Axilla war wirklich ein wandelndes Chaos, aber wenigstens ein sympathisches. Wie sie sich bei Urgulanias Essen über Marcus Achilleos aufgeregt hatte war ihm positiv in Erinnerung geblieben-denn das hatte ihn an Penelope erinnert. Der arme Geograph schien kein glückliches Händchen für die Befindlichkeiten der Frauenwelt zu haben. Penelope war sogar so gegen den Strich gegangen, dass sie sogar vor der Ekklesia gesprochen hatte und Axilla hatte die Feier ihrer Cousine beinahe gesprengt. Dann konnte er sich aber ein Grinsen nicht mehr verkneifen, als sie den Stuhl endlich wieder aufgestellt hatte.


    "Setzt dich, und bleib ganz ruhig, ich fresse für gewöhnlich keine Antragsteller" versuchte er das Ganze ein wenig aufzulockern.
    "Vielen Dank übrigens für das Hochzeitsgeschenk. Du hast einen sehr guten Geschmack was Geschenke betrifft." Eigentlich hatte Anthi gar keine Ahnung was sie ihnen geschenkt hatte, aber er wollte einfach freundlich und ihr ein wenig ihre unerklärliche Nervosität nehmen.
    "Für was brauchst du denn eine Betriebserlaubnis? Aber wo bleiben denn meine Manieren? Darf ich dir etwas zu trinken anbieten? Saft? Wasser? Wein?"

  • Anthi war schon wieder so nett, dass sie sich gleich noch ein wenig schuldiger fühlte, weil sie so nervös war. Ein Teufelskreis aber auch.
    “Wein? Bloß nicht! Also, ich meine… ähm…“
    Axilla suchte grade eine diplomatische Formulierung dafür, dass das letzte Mal, als sie zuviel Wein intus hatte, sie nicht gerade nett zu einem anderen Griechen war, und das Mal davor mit zuviel Wein in Timos Bett gelandet war. Und das Mal davor mit Silanus im Balneum… nein, Wein war absolut nicht gut für Axilla. Themawechsel.
    “Also, ich hab eine Farbmischerei. Hab sie Varietas Iuniae genannt, und… ähm, also, ich bräuchte da eine Erlaubnis, weil die produziert schon, und die Erlaubnis ging wohl nicht vom Vorbesitzer auf mich über, und… naja, ich bräucht die ja schon, weil sonst ist das ja schlecht, weil man braucht ja eine, und ich will ja die Farben auch verkaufen und die Kosmetik, die ich da mache, und nicht dass ich Ärger kriege, weil… also, ich hab ja gedacht, ich kauf die Erlaubnis gleich mit, aber das war wohl nicht so, und… ähm, ja.“
    Ihre Hände verknoteten sich wieder beim Reden, so dass der Gordische Knoten dagegen wie eine Schuhschleife aussah.

  • So lief der Hase also. Sie hatte also schon produziert und das ohne Genehmigung. Allerdings schien es klar zu sein, dass sie es einfach nicht besser gewusst hatte. Sie war jung und sie hatte es nicht besser gewusst. Außerdem plagte es Anthi noch immer, wie Timos und Ilias damals mit ihr umgesprungen waren.


    "Nun, das ist schon ein Vergehen, wenn auch ein geringes. Zumal du ja selbst zu mir gekommen bist und nicht erwischt wurdest, sehe ich keinen Grund irgend eine Strafe zu erheben. Ich werde dich hiermit mündlich verwarnen und damit sollte es aber auch gut sein. Wenn du dir in nächster Zeit nichts mehr in dieser Richtung zu Schulden kommen lässt, und davon gehe ich aus, ist die Sache erledigt."


    Er erhob sich und füllte nun doch zwei Becher mit Ananassaft und gab ihr einen. "Der Name war Varietas Iuniae? Und als Besitzerin trage ich Iunia Axilla ein, richtig? Oder hast du einen Vormund?"

  • Mündlich verwarnt… das klang aber auch nicht ganz ohne. Würde das irgendwo festgehalten werden? Wenn Urgulania davon erfuhr, würde sie sicherlich eine riesige Menge Ärger kriegen. Hoffentlich hielt Ánthimos da dicht. Aber ihre anderen Geheimnisse, von denen er unfreiwillig wusste, hatte er ja auch nicht weitergetratscht. Zumindest wäre ihr nichts zu Ohren gekommen, und Urgulania hätte sie ganz bestimmt darauf angesprochen, wenn sie auch nur irgendwas von ihren Eskapaden ahnte.


    Anthi reichte ihr einen Becher und fasste dann noch mal zusammen. Axilla war so voller Übereifer, dass sie eine Vorwärtsbewegung machte und dabei ein teil des Saftes über den Becherrand schwappte. Das süße Zeug verklebte dabei nicht nur ihre Finger und den untersten Teil ihrer Tunika, sondern auch schön noch den Boden direkt vor Anthis Schreibtisch.
    Mit etwas ratlosem Gesicht erzählte sie aber trotzdem schon mal. Immerhin wollte sie das jetzt schaffen, ehe die große Katastrophe doch noch passierte.
    “Nein, das stimmt so. Ich bin ja auch sui iuris, weil Silanus, also Iunius Silanus mich aus seiner Vormundschaft entlassen hat. Schon vor Wochen, also bevor er nach Rom gegangen ist.
    Ähm… das mit dem Fußboden tut mir leid… ich meine…“

    Sie konnte ihn jetzt wohl schlecht nach einem Wischlappen fragen. Aber sie war versucht, es zu machen, bevor sie ihm alles mit Fruchtsaft verklebte.

  • "Mach dir deswegen keine Sorge, ich lasse hier sowieso jeden Abend putzen. Die Stege des Agoranomos muss nun einmal sauber sein."


    Anthi musste breit grinsen. Sie schaffte es wirklich immer, dass man sich über ihre Ungeschicktheiten amüsieren musste und gar nicht böse sein konnte.


    "Gut, dann haben wir das ja geklärt. Dann möchte ich doch noch etwas als Privatmann fragen: Wie du vielleicht weist habe ich einen Malerbetrieb und verkaufe Bilder und Malerfarbe. Nun habe ich einen großen Auftrag erhalten und werde in nächster Zeit sehr viel Farbe benötigen. Wenn du freie Kapazitäten hättest, würde ich die Grundfarben gerne von dir beziehen. So müsste ich keine teure importierte Farbe zukaufen und du sparst dir die Exportkosten."

  • Gut, er war scheinbar nicht böse. Axilla war einigermaßen beruhigt. Und als er dann auf ein persönliches Anliegen zu sprechen kam, war sie schon wieder so neugierig, dass das Saftmalheur schon vergessen war.
    “Ja, gerne. Also, du musst mir nur sagen, wie viel du wovon brauchst, dann sag ich das meinem Verwalter. Der macht das ja alles für mich, weil ich bin doch jetzt Scriba und ich glaub, da hätte auch Urgulania was dagegen, wenn ich selber in den Farben rumrühre. So wegen den Kleidern und weil eine römische Frau sowas ja nicht macht, du weißt schon.“

  • Schade Axilla hätte er gerne in einer Farbmischerei erlebt. Wahrscheinlich hätte sie dann nach spätestens fünf Minuten ausgesehen wie ein Regenbogen und viel Farbe zum Verkaufen wäre wohl nicht mehr da gewesen.


    "Sehr schön, dann machen wir das doch so. Aber ich denke nicht, dass deine Cousine etwas dagegen hätte. Schließlich ist sie auch eine Frau der Tat."


    Allerdings war er sich nicht so ganz schier, ob Axilla für ein politisches Amt geeignet wäre. Wobei das sicher vergnügliche Sitzungen in der Ekklesia geben würde.


    "Ach du bist jetzt Scriba? In der Regia? Oder bei einem Pyrtanen? Wärst du zu mir gekommen, hätte ich dich gerne eingetellt."

    Da wäre ganz sicher nicht so langweilig geworden, wie mit den verstauben Scribae die er hatte und die nach fünf Stunden auf dem Xenai Agorai schon über ihre wunden Füße maulten...

  • Ja, Urgulania war wirklich eine Frau der Tat. Axilla strahlte, dass auch Anthi das so sah, denn sie bewunderte ihre Cousine dafür sehr. Und zu hören, dass jemand anderes das auch tat, war natürlich etwas wundervolles.
    Dass er sie aber auch als Scriba eingestellt hätte, machte sie ein wenig verlegen. Dabei endete fast jedes ihrer Aufeinandertreffen in einer Katastrophe, und er wusste von ihren ganzen Fehlern, und er hatte sie auch schon in voller Aktion erlebt. Aber trotzdem klang er so, als würde er das wirklich ganz ernst meinen mit dem Einstellen, und Axilla fühlte sich ein wenig schuldig, dass sie ihn da nicht gefragt hatte, sondern auf den Aushang am Forum gleich losgezogen war. Auch wenn sie Nikolaos für die Chance, die sie erhalten hatte, sehr dankbar war.
    “Ähm, ja. Also nein. Also, nicht in der Regia, sondern bei Nikolaos. Ähm, also, dem Gymnasiarchos.“ Sie war sich nicht sicher, ob sie vor dritten seinen Vornamen den hätte verwenden dürfen, das klang so unprofessionell. “Weißt du, da war ein Aushang am Forum… ähm, der Grammata auf der Agora, und ich hab gedacht, ich versuch mein Glück. Ich wusste ja nicht, dass du vielleicht auch nen Scriba brauchst. Weißt du, viele wollen ja keine Mädchen.. ähm, Frauen, als Scriba. Und da hab ich dann halt nicht lang nachgedacht….“
    Das machte sie jetzt noch ein wenig mehr verlegen. Sie konnte mit diesem versteckten Kompliment nicht so wirklich umgehen. Sie war doch so furchtbar! Nikolaos hatte sie doch nur eingestellt, weil er nicht wusste, wie sie war, ganz sicher. Und Anthi hier sagte, er würde sie einstellen, obwohl er von so viel wusste und ihr Chaos kannte. Das war so ungewohnt.

  • "Ach du bist Scriba beim Gymnasiarchos? Na dann hast du ja alles richtig gemacht, schließlich ist er ein sehr mächtiger Mann in Alexandria. Ich bin sicher bei Nikolaos kannst du viele interessante Sachen lernen, die dir auf deinem weiteren Weg nützlich sein werden."


    Wahrscheinlich hätte er dasselbe wie sie getan, wenn er in dieser Situation gewesen wäre. Nikolaos war sicher kein schlechter Arbeitgeber, zumal er ja, besonders zu Frauen, immer sehr freudlich war.
    "Ich erinnere mich noch, als ich bei Mithridates Castor als Scriba angefangen habe. Weißt du, damals mit meinen 30 Sesterzen pro Woche war ich ebenso glücklich wie heute. Scriba ist wahrlich kein schlechter Beruf. Wenn ich überlege, dass die beiden Kinder einer Freundin für 5 Sesterzen die Woche Ziegel brennen...Aber ich schweife ein wenig ab." Er machte ein wegwerfende Handbewegung. "Sag Nikolaos am Besten nicht, dass du bei mir warst. Er scheint mich nicht besonders zu mögen, und ich würde lügen wenn behaupten würde, es würde nicht auf Gegenseitig beruhen. Aber eines ist sicher: Er ist eine wichtige Stütze für die Polis und ich bin davon überzeugt, dass du ihm gut zu Diensten sein wirst. Vielleicht sitzt ja gerade die nächste Eutheniarche vor mir." Er zwinkerte ihr aufmunternd zu.

  • Er hatte 30 Sesterzen verdient und ein Ziegelbrenner bekam schon 5? Axilla wusste sowas nicht. Da waren ihre 10 pro Woche ja dann eigentlich schon wenig, aber sie war ja auch ein Mädchen und verdiente als solches ja natürlich auch nur die Hälfte von einem Mann. Und 20 Sesterzen war dann ja schon wieder gut, wenn sie so rechnete. Und außerdem brauchte sie das Geld ja auch gar nicht.
    “Eutheniarche? Ich? Du ziehst mich doch auf? Ich wär eine ganz schreckliche Eutheniarche, und mich würd ja auch keiner wählen. Ich bin immer noch ganz begeistert, dass Urgulania gewählt wrden ist, obwohl sie ja auch gar keine Griechin ist, sondern Römerin, und die Griechen ja wegen den Legi…. Ähm, ich meine… ähm…“
    Sie überlegte fieberhaft, wie sie diesen Satz noch retten könnte, ohne dass er wieder falsch rüberkam. Aber Axilla wusste ja von den Problemen zwischen den Legionären und der griechischen Bevölkerung und den ganzen Spannungen, die es deshalb gab. Und sie erinnerte sich noch an das letzte Gespräch mit Ánthimos im Gymnasion, wo sie auch etwas unbedachtes über die Vormacht Roms gesagt hatte, woraufhin er etwas böse auf sie war, und das wollte sie ja nicht.

  • "Gerade solche Römer wie Urgulania, du und Octavius Matrinius tragen sehr viel dazu bei, dass es trotz der unschönen Vorfälle mit der Legion in Alexandria so ruhig geblieben ist. Und ich bin mir sicher, dass du irgendwann eine ebenso gute Pyrtanin werden wirst wie deine Cousine. Außerdem darfst du Nikolaos' Einfluss nicht unterschätzen. Wenn du gut und ordentlich arbeitest, wird er dir sicher unter die Arme greifen. Er hat viele Freunde in der Polis und ist ein begnadeter Redner. Auch deshalb ist es ja für dich eine so gute Chance bei ihm als Scriba zu arbeiten."


    Wäre es ihm schon zu Beginn in Alexandria darum gegangen in die Politik zu gehen, wäre sicherlich nicht Mithridates Castor seine erste Wahl gewesen. Und doch war er froh bei dem kleinen bärtigen Griechen begonnen zu haben. So hatte er sich seine Unahängigkeit behalten und war nicht in Nikolaos' Machtspielchen involviert. Und die Volksversammlung hatte ihn trotzdem mit breiter Mehrheit gewählt: Ein Hoch auf die Demokratie!

  • Axilla hatte zwar keine Ahnung, wer Octavius Matrinius war, aber sie freute sich, dass Anthi nicht nur nicht böse war, sondern sie sogar lobte. Seine anderen Worte aber verunsicherten sie doch. Natürlich könnte sie Nikolaos als Patron nehmen und ihn dann um Hilfe bitten. Aber das widerstrebte ihr aus mehreren Gründen. Zum einen wollte sie keinen Patron haben. Wenn sie etwas machte, wollte sie das ganz von selbst schaffen. Was man von anderen erwartete, musste man auch selbst tun können, so war sie von ihrem Vater erzogen worden. Sie wollte nicht nur deshalb was schaffen, weil sie jemanden kannte, der jemanden kannte.
    Und zum anderen musste sie an die letzten zwei Jahre in Hispania denken, als sie ihr kleines Anwesen verwaltet hatte, weil Mutter zu krank gewesen war. Sie war alles gewesen, aber keine gute Wirtschafterin. Natürlich war die Medizin auch sehr teuer gewesen und die Ärzte und die Opfer an die Götter, und sie war da auch erst dreizehn, aber dennoch hatte sie Schulden gemacht und sie hatte nach Mutters Tod den Hof auflösen müssen, um alles bezahlen zu können und die Sklaven freilassen zu können. Dieser Gedanke stimmte sie doch etwas sehr traurig, und sie sah auf den Fleck langsam trocknenden Furchtsaftes zu ihren Füßen.
    “Ja, könnte er schon, aber… ich bin nicht gut in sowas. Weißt du, nach Vaters… also als Mutter so krank war… und der Hof daheim…“
    Sie schüttelte kurz den Kopf, als müsse sie aufwachen. Sie wollte mit Anthi nicht darüber sprechen, und schon gar nicht jetzt hier und auf diese Weise. Er war ein Freund, und sie hatte ihn schon mit genug belastet, da musste das jetzt nicht auch noch dazukommen.
    “Also, wegen deinen Farben sprichst du dann am besten mit dem Verwalter direkt. Ich sag ihm, dass du vorbeikommst und er dir einen guten preis machen soll. Du weißt das ja sicher, Gelb ist günstiger als Rot und Blau ist am teuersten, aber ich sag ihm, er soll dir da für alles einen guten Preis machen. Oh, und wir haben ein neues Schwarz, das nicht so stinkt wie die übliche schwarze Farbe. Das kannst du dir auch gerne anschauen. Und die können auch jede Farbe anmischen, du musst dann nur sagen, was du benötigst.“
    Der Themenwechsel war jetzt etwas länger ausgefallen als üblich, aber Axilla brauchte den Klang ihrer eigenen Stimme, um sich selbst abzulenken. Sie wollte jetzt nicht traurig sein, sie wollte doch fröhlich und vorbildlich sein. Und außerdem sollte sie Ánthimos auch nicht so lange aufhalten, er musste doch sicher noch viel Arbeiten.

  • "Nun, Urgulania war sicher auch noch nicht die Urgulania die sie jetzt ist, als sie in deinem Alter war." Anthi merkte, dass er ihr wieder zu nahe gekommen war, was bei dem Themawechsel auch nicht allzu schwer war. Sie war halt doch wie ein rohes Ei, und so beschloss sich Anthi sie besser aus dem Gespräch zu entlassen um sie nicht aus Versehen noch mehr zu quälen.


    "Ein Schwarz das nicht so schlimm riecht? Da wird sich mein Gehilfe Xenocles aber freuen, denn dem armen Kerl wird davon immer ganz schlecht. Gut, ich denke dann haben wir alles: Ich werde dir die Betriebserlaubnis zukommen lassen und wegen der Farben wende ich mich an deinen Verwalter. Wenn es noch etwas geben sollte, dann komm gerne wieder vorbei, ich freue mich immer über netten Besuch."


    Anthi nickte ihr aufmunternd zu, und erhob sich um sie zur Tür zu bringen. Dann fiel ihm noch etwas ein: "Ach bevor ich es wieder vergesse, ich habe noch eine Tunika von dir, die du im Gymnasion liegen gelassen hast. Die hatte ich schon ganz vergessen. Aber beim Umzug in unser neues Haus, hatte meine Frau sie plötzlich in ihren Händen. Ich wollte sie dir nicht beim Essen bei deiner Cousine geben, oder auf der Hochzeit. Du weist ja wie das ist mit dem Gerede und so, und dann wäre sie beinahe in Vergessenheit geraten. Magst du sie bei uns abholen, oder soll ich sie mit der Betriebserlaubnis vorbeibringen lassen?"

  • Axilla konnte sich nicht vorstellen, dass Urgulania jemals auch nur halb so verplant gewesen sein könnte wie sie. Nichtmal ein zehntel so verplant, ausgeschlossen. Und sie war froh, dass Anthi sie dann aus der Pflicht nahm, sich weiter zu erklären und sie verabschiedete. Sie stellte vorsichtig den saft, von dem sie nur was verschüttet aber gar nichts getrunken hatte, an den Rand seines Schreibtisches und wischte sich ihre klebrige Hand mangels anderer Möglichkeit an ihrer Tunika ab.
    Doch als Anthi dann auf die Tunika zu sprechen kam, die sie vor über einem Monat im Gymnasion hatte liegen lassen, wurde sie noch mal ganz verlegen. Die hatte sie schon vollkommen vergessen. Angesichts Anthis blauem Auge, das der Arzt aufgestochen hatte, hatte sie bereits nicht mehr daran gedacht, und jetzt war das ja auch schon eine ganze Weile her.
    “Ähm, die bringst du vielleicht dann am besten da mit vorbei. Wenn ich die abhole, schaut das vielleicht auch komisch aus, oder? Wenn du meinst, Nikolaos mag dich nicht, und ich bin ja sein Scriba, und überhaupt wegen Timos, weißt doch…“
    Ein ganz klein wenig hatte Axilla da immer noch Angst, dass das eines Tages vielleicht doch auffliegen könnte. Sie war so unvorsichtig gewesen! Und dabei wollte sie doch von nun an anständig sein.

  • Das konnte Anthi natürlich auch verstehen und eigentlich war es ihm auch egal, wie die Tunika nun zu Axilla gelangte: "Ist in Ordnung. Entweder werde ich die selbst vorbeibringen, oder es einen Boten machen lassen. Dann bleibt mir nur noch dir einen guten Heimweg zu wünschen."


    Er lächelte ihr noch einmal aufmunternd zu und schon war sie weg, die gute Axilla. Als er sich wieder an seinen Schreibtisch setzte musste er grinsen: Dieses Mädchen war ihm wirklich ein Rätsel. Zuerst hatte er sie für eine leicht zu habende rhomäische Ziege gehalten, doch sein erster Eindruck hatte sich geändert, denn mittlerweile mochte er sie und hatte immer das Gefühl sie ein wenig beschützen zu müssen, als wäre er ihr großer Bruder. Ein wenig erinnerte sie ihn an einen tappsigen und unbeholfenen Welpen, der versucht alleine seinen Weg zu finden. Ob sich Urgulania nicht genug um ihre Cousine kümmerte? Schließlich war ja nun auch ihr Patron nicht mehr in Alexandria und auch wenn sie sui iuris war, konnte der Grieche die junger Rhomäerin nicht als erwachsen ansehen. Dann würde er das ja auch Ilias zugestehen müssen und das würde dann doch viel zu weit führen...


    Wo der Wuschel wohl gerade war? Seit er für den Cursus Publicus arbeitete, war er ständig unterwegs in anderen Städten und Ländern und kaum noch in Alexandria. Ein wenig beneidete Anthi ihn darum-aber nur ein wenig. Schließlich wurde Anthi jetzt bald Vater und war ein verheirateter Mann. Und das wollte er gegen nichts auf der Welt eintauschen, da war er sich sicher.

  • "Wonderbra!" rief Timos aus und grinste breit, während er sein Zeug wieder zusammenklaubte. "Ich werde meinen Grammateos noch einmal zu dir schicken, wenn ich Geld aus der Stadtkasse zu beantragen habe. Bis nachher beim Essen."
    Und mit einigem Gewurschtel und Balancieren schaffte der Strategos es auch wieder zur Tür der Arché heraus, um sein eigenes Arbeitszimmer aufzusuchen.

  • Emilía hatte nicht mehr lange überlegen müssen, ob sie für ihren Cousin arbeiten wollte. Oder ihm zur Hand gehen - je nachdem wie man es denn ausdrücken wollte. Und so führten ihre ordentlich rasierten Beine, die in ledernen Sandalen steckten und sittsam mit einem langen peplos bedeckt waren gradewegs in die Räume von Ánthimos. Die anderen Scriba begrüßte sie mit einem freundlichen Nicken und der Lockenschopf wurde auch nicht aufgehalten, sodass sie selbst an die Tür klopfte und artig auf ein "Herein" wartete...

  • Welches dann auch gleich kam. Erfreut stand Anthi auf, als er seine Cousine sah. "Emi, schön dich hier zu sehen. Setzt dich doch. Gehe ich richtig in der Annahme, dass du nun meine Schreiberin werden möchtest?"


    Eigentlich war das vorher schon mehr oder weniger beschlossen gewesen, aber solche Sachen schloss man dann auch in einem geschäftlichen Rahmen ab und den hatten sie nunmal hier in der Agora.

  • Selbstverständlich schenkte sie ihrem Cousin ein Lächeln als sie sich dankend setzte. Es war nur eine Formsache, die sie hier noch klären wollten, aber da Anthi darauf bestand alles solle seine Richtigkeit haben. Dann machten sie das eben so. Emi nickte.


    "Ja, genau deswegen bin ich hier. Ich würde sehr gern deine Schreiberin werden."

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