Officium - Iunia Axilla

  • Axilla wühlte sich gerade durch ihre Betriebsunterlagen. Nach der neuen Lex Mercatus konnte sie ihr Handelsimperium eigentlich erweitern, allerdings konnte sie sich einfach nicht entscheiden. Jede Wahl hatte andere Probleme, die es dabei zu lösen galt, und Axilla hatte einfach keine Lösung, die für alles gleichermaßen gut war. Es war zum Verrückt werden!


    Mitten in dieses Durcheinander kam also Silanus als willkommene Abwechslung hereingeschneit.
    “Oh, ja, komm rein und lenk mich ab. Mir schwirrt der Kopf schon vor lauter Zahlen“, meinte Axilla ehrlich dankbar über die Ablenkung. Was immer Silanus hatte, es konnte definitiv nur erfreulicher sein als die Frage, woher man das Werkzeug für einen weiteren Marmorbruch bekommen sollte.

  • Sie hatte also Zeit, oder nahm sie sich vielmehr, was Silanus dazu veranlasste weiter auf sie zuzugehen und sich auf einen freien Platz in ihrer unmittelbaren Nähe niederzulassen. Am Weg dorthin überlegte er noch kurz wie er denn nun anfangen sollte Axilla von der großartigen Neuigkeit zu berichten, entschied sich aber dann doch kurzerhand einfach gerade heraus zu sagen, was ihm durch den Kopf ging. Und das war einiges.


    "Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll Axilla. Ich habe heute das vollkommen unerwartete Angebot erhalten in eine Patrizierfamilie einzuheiraten. Es ist vollkommen verrückt. Eigentlich war ich nur dort um nach dem Rechten zu sehen, da ein Offizierskollege verletzt wurde und ich mich um die Familie kümmern wollte. Doch irgendwie hat sich das Gespräch mit dessen Bruder in die Richtung entwickelt, dass er einen Mann für ihre gemeinsame Schwester sucht und so hat er dann irgendwann nach meinem Interesse gefragt. Es sind die Tiberia. Kennst du die Familie?


    Zugegeben.. um ihr Ansehen in der römischen Gesellschaft steht es derzeit nicht besonders, aber sie sind dennoch einer der ältesten patrizischen Gentes und die betroffene Schwester ist eine wirklich sehr hübsche und wohl auch kluge junge Frau. Tiberia Corvina. Kennst du sie vielleicht? Ich habe sie nur ein, zwei Mal getroffen bisher, aber sie hat auf mich einen durchaus netten Eindruck gemacht....."


    Es sprudelte vor Aufregung regelrecht aus Silanus heraus, sodass Axilla ihn unterbrechen musste, wenn sie auch etwas dazu sagen wollte.

  • “Äh...“


    Mehr brachte Axilla im ersten Moment nicht heraus, während ihr Cousin immer und immer weiter redete und erzählte. Sie hatte bei dem Wort Neuigkeiten mit vielem gerechnet, aber definitiv nicht damit, dass Silanus von jetzt auf gleich heiraten wollte. Noch dazu jemand völlig fremdes. Und obendrein noch eine Patricia.


    Als Silanus dann endlich einmal Luft holte, durfte er ein mehr als fragendes Gesicht seiner Cousine bestaunen, die immernoch versuchte, die passenden Worte dafür zu finden.
    “Hast du getrunken?“ waren dann zwar vielleicht nicht ganz die passenden Worte, aber die besten, die ihr dazu einfielen.


    “Hast du nicht vor ein paar Wochen noch erklärt, dass du dich erst verlieben willst und eine potentielle Braut erstmal richtig kennenlernen müsstest, bevor du ans Heiraten denken würdest? Hast du nicht deshalb auch darum gebeten, dass Torquatus und ich eine Heirat nicht überstürzen? Und jetzt nimmst du die erstbeste Braut, die man dir mal so eben anbietet?“ Axilla hatte noch immer ihre Probleme damit, das gesagte vernünftig zusammenzufassen. Dass sie so etwas machte, ja, gut, sie war impulsiv. Aber Silanus? Der romantische, verklärte, unpragmatische Silanus? Wollte nun ganz pragmatisch eine Braut heiraten, einfach so, weil es sich ergab?

  • Getrunken? Nein, warum sollte etwas getrunken haben? Doch als seine Großcousine weiter sprach verstand er ihre als kleinen Seitenhieb gemeinte Frage recht schnell. Ein wenig war ja damit schon zu rechnen gewesen, dass sie ihr erst vor einiger Zeit geführtes Gespräch wieder in Erinnerung rief. Doch hatte sie bei diesem besagten Gespräch nicht mit ziemlich guten Argumenten versucht Silanus vom Gegenteil zu überzeugen.


    "Doch das habe ich. Aber du warst es doch, die mir erklärt hat, dass es nichts bringt jahrelang zu suchen und zu hoffen dass man vielleicht jemanden findet, in den man sich vielleicht verliebt? Ich wahr wohl lange genug einsam und habe es satt als der ewige Jungesselle gesehen zu werden. Und sollte ich wirklich mein Ziel erreichen und zu Praefectus Praetorio aufsteigen, dann brauche ich endlich eine vorzeigbare Frau an meiner Seite. Ich sehe also nichts, dass gegen diese Bindung sprechen könnte."

  • Axilla musste sich wirklich bemühen, dass ihr nicht der Mund offen stehen blieb. Hatte irgend jemand ihren Cousin heimlich ausgetauscht, oder war es wirklich so, wie man sagte, und Männer wurden kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag von einer allumfassenden Panik erfasst, die sie allerlei unsinnige Dinge tun ließ? An und für sich war eine Heirat ja etwas erfreuliches, aber doch nicht so plötzlich und aus dem nichts!


    “Ja, und wenn ich mich richtig erinnere, hast du mir das Versprechen abgerungen, nichts zu überstürzen und mir mit alle dem schön viel Zeit zu lassen“, erinnerte sie ihn daher sicherheitshalber auch an den anderen Teil ihres Gespräches, den er eben galant vergessen hatte.


    “Ich kann wirklich verstehen, wenn du heiraten willst, Silanus, wirklich, und wenn du jemanden gefunden hättest oder hast, bei dem alles richtig ist, dann will ich mich ja auch für dich freuen. Aber... eine Tiberia? Ernsthaft?
    Weißt du denn irgend etwas von ihr, außer ihren Namen? Ich hatte in meinem Leben schon weit mehr mit Patriziern zu tun, und ich glaube ernsthaft nicht, dass auch nur ein einziger davon sich in diesen Haushalt einfügen und glücklich sein könnte. Weißt du, wie die allein ihre Sklaven behandeln? Wünscht du dir tatsächlich nach all den Jahren so eine Verhaltensweise in diesem Haus hier?“

    Nein, Axilla hatte ein ausgeprägtes Familienverständnis, das die Sklaven des Hauses explizit mit einschloss. Und wenn jemand daher käme und anfangen würde, diese zu schlagen, wäre es Axilla vollkommen egal, wer das wäre. Auch Silanus Frau würde sich in so einem Fall darauf gefasst machen können, Bekanntschaft mit Axillas Faust zu schließen.


    “Und du musst mir doch erlauben, da skeptisch zu sein. Im Geschäftsleben heißt es immer: Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr. Und tut mir leid, das hier klingt danach.
    Die Patrizier haben ihre Macht im Senat und suchen auch dort ihre Bündnisse. Unsere Familie hatte nie auch nur ansatzweise einen Senator und wird das auch nicht haben. Selbst wenn du Praefectus Praetorio werden solltest, was nützt ihnen diese Verbindung? Als Senatoren hätten sie selbst Zugang zum Kaiser und der Nobilitas, und durch diesen unsäglichen Brutalo, der dir deinen Nacken im Tempel des Mars verstümmelt hat, haben sie doch selber schon jemanden bei den Prätorianern. Warum also sollten sie eine Tochter ihres Hauses an einen Plebeier ohne politischen Einfluss geben? Patrizier heiraten nicht in Ritterfamilien ein, eben aus diesem Grund. Warum also sollten sie eine Mitgift stellen und eine der ihren in eine ihr vollkommen ungewohnte Umgebung werfen, wo sie sich einfügen müsste und von der ihr gewohnten Gesellschaft abgeschnitten wäre?


    Da muss irgendwo ein Haken sein, sowas macht doch kein vernünftiger Mensch.“


    Axilla würde ihrem Cousin ja wirklich von Herzen eine liebevolle Ehefrau gönnen, die ihm einen ganzen Stall voller Kinder schenken würde. Aber das hier stank, und zwar gewaltig.

  • An ein abgerungenes Versprechen, dass Axilla nichts überstürzen sollte, konnte sich Silanus nicht erinnern, auch wenn er dieses gewiss für gut befunden hätte. Und so vermutlich wusste der Iunier genau so viel oder wenig über seine Zukünftige als Axilla damals über diesen Fabier, um den es in letzter Zeit ohnehin sehr ruhig geworden war. Doch dies konnte auch an Silanus liegen, der in seinem neuen Amt als Tribun der Prätorianer ziemlich eingesetzt war. Jedenfalls wollte er sich mit seiner Großcousine gar nicht auf die Diskussion einlassen, ob er diese Tiberier nun gut genug kannte oder nicht. Viel mehr irritierte ihm die Abneigung seiner Verwandten was den Stand seiner zukünftigen Verlobten betraf. Eine Abneigung die er nicht nachvollziehen, noch deuten konnte, woher diese kam.


    "Natürlich habe ich sie schon getroffen und mit ihr gesprochen. Ich werde sie bis zur Hochzeit gewiss auch noch besser kennen lernen können. Da mach dir einmal keine Sorgen. Aber was hast du gegen die Tiberier? Und woher willst du wissen wie sie ihre Sklaven behandeln? Axilla ich bitte dich hier jetzt nicht irgendwelchen Klatsch und Tratsch mit in meine durchaus ernst gemeinten Überlegungen einzubringen. Soweit ich das beurteile sind die Tiberier eine ins straucheln geratene Patziergens die gerade wieder dabei ist sich zu erfangen. Gegen einen der ihren steht nach wie vor die Anschuldigung im Raum, dass er an einem Komplott zur Ermordung eines Kaisers beteiligt war, auch wenn dieser nie verurteilt wurde und nun schon einige Jahre nicht mehr unter uns weilt. Also ziehen sie natürlich einen Vorteil aus einer solchen Verbindung.


    Wir mögen keine Patrizier sein, aber wir sind in der römischen Gesellschaft wesentlich angesehener und geachteter als die Tiberier, denen letzten Endes nur ein alter, traditionsreicher Name und ein beeindruckender Stammbaum geblieben ist. Meiner Meinung schaffen sie es mit ach und krach ihre Villa zu erhalten und ihrem Umfeld einen immer noch imposanten Lebensstil vorzugaukeln. Aber defacto schwimmen wir im Vergleich zu ihnen in Geld. Es ist offensichtlich alles weg. Es ist ihnen nichts geblieben außer die Immobilien. Und diese können sie fast nicht erhalten.


    Ich bin kein Narr. Mir ist klar das sie auf mein Geld aus sind und meine Beziehungen. Ich mag kein Senator sein, aber dennoch gehe ich beim Kaiser ein und aus und habe das Gefühl das er sehr wohl einen gewissen Wert auf meinen Ratschlag legt. Mein Stern ist derzeit im Aufgehen - so hoffe ich es zumindest - während der Stern ihres Trecenarius wohl eher am untergehen ist. Er verstrickt sich immer mehr in seine Geheimniskrämereien und seinen offensichtlichen Verfolgungswahn. Und das hat bestimmt auch schon seine Familie gegnissen. Sie brauchen daher angeheiratete Verwandte mit einem gewissen Einfluss und Ansehen und natürlich mit ausreichend finanziellen Mitteln. Eine Mitgift erwarte ich mir daher auch nicht. Mein Einfluss und mein Geld gegen eine hübsche junge Frau aus einem traditionsreichen patrizischen Hause. Ich finde das ist ein gutes Geschäft, wenn du es wirklich so vergleichen willst und mit dem Haken dabei kann ich leben."

  • Was hatte Axilla gegen die Tiberier? Nichts wirksames, wie es schien. Aber schon ihr erster Ehemann hatte es damals schon sehr, sehr treffend zusammengefasst: Alle Patrizier hatten einen an der Klatsche. Und die Tiberier bildeten da keine Ausnahme.
    “Wer sagt dir denn, dass es nur Klatsch ist? Was glaubst du denn, wo der Klatsch herkommt? Aus dem nichts? Und nur zu deiner Information, Tiberius Durus hat damals grandios meine Klage wegen des Erbes von Archias versemmelt, also kenne ich die Tiberier wohl schon ein bisschen und war auch ein bisschen in ihrem Haus.“
    Axilla ärgerte sich, dass Silanus alles, was möglicherweise negativ sein könnte und alle Bedenken so kategorisch als Unsinn wegwischen wollte, während er seine rosarote Sicht der Dinge als grandiose Wahrheit zu verkaufen gedachte. Dabei konnte er wohl genausowenig wie Axilla irgend etwas zu der Sache wirklich konkret beisteuern und nur sein Wunschdenken gegen den gängigen Klatsch anführen. Dass jenes aber nicht mehr Beweiskraft besaß als das andere, ließ er geflissentlich aus.


    Und auch das andere ergab wenig bis gar keinen Sinn. “Und ich weiß, du warst noch nie verheiratet und hast dich daher vielleicht noch nicht mit den betreffenden Gesetzen befasst, aber nach Lex Iulia et Papia sind Geschenke zwischen Eheleuten strikt verboten. Wenn die Tiberier so heruntergekommen sind, wie du denkst, wovon soll sie dann ihre Garderobe und ihren Schmuck und dergleichen zahlen, um dir eine angemessene Frau zu sein, hm? Die Tiberier können auf deinen Reichtum überhaupt nicht zugreifen, ohne dass sie eine gewaltige Klage riskieren. Und das werden die auch wissen.“
    Auf die Mitgift zu verzichten war da ja nur das Tüpfelchen auf dem i. Ein absoluter Wahnsinn, für beide Seiten. Nicht nur, dass es die ganze Ehe dem Spott der Gesellschaft aussetzen würde, hatte so weder Silanus einen Vorteil von dieser Ehe, noch konnte die betreffende Tiberia aus dieser Ehe jemals heraus, ohne beträchtlichen Schaden zu nehmen und buchstäblich vor dem nichts zu stehen.
    “Und auch, wenn dieser unsägliche Brutalo demnächst überschnappt und sie damit keinen Zugang mehr zu den Prätorianern haben sollten, stinkt das Ganze ganz gewaltig. Tut mir leid. Sowas ist nichts, was man auch nur annähernd logisch erklären kann. Und da musst du mir wirklich erlauben, dass ich da mehr als skeptisch bin, was das angeht.“

  • "Natürlich erlaube ich dir skeptisch zu sein Axilla. Ich wäre nicht zu dir gekommen, wenn ich nicht auf deinen Ratschlag wertlegen würde. Offiziell werden sie natürlich eine Mitgift haben. Schließlich soll keiner das Gesicht verlieren. Aber alles was wir danach regeln wird inoffiziell sein und innerhalb unserer Familien bleiben. Gesetz hin oder her. Wo kein Kläger da auch kein Richter. Was soll ich sonst mit meinem Reichtum anfangen, als es in eine schöne Frau zu investieren."


    Silanus lächelte seine Großcousine beschwichtigend an. Sie wusste ja nur zu gut, dass er das Glück eines guten Soldes hatte, aber alles andere als ein ebenso guter Geschäftsmann war und daher anders als sie, sein eigenes Vermögen nicht lukrativ investierte und es so vermehrte, sondern es lieber ausgab. Und er gestand er ihr natürlich zu skeptisch zu sein. Er konnte sein Glück immerhin auch noch nicht ganz fassen. Freileich gab es bereits vor ihm die eine oder andere eheliche Verbindung zwischen Patiziern und Plebejern, aber sie waren in der Tat eher selten.


    "Ich bin demnächst zu einem Abendessen in die Villa Tiberia eingeladen und dort werde ich mir das Alles einmal anhören und werde es mit Tiberius Caudex und seiner Schwester Corvina in Ruhe besprechen. Auch habe ich dort eine gute Gelegenheit sie besser kennenzulernen."

  • War Axilla denn allen ernstes die einzige in der gesamten Familie, die nicht mit absolutem Größenwahn geschlagen war und daher meinte, mal eben über dem Gesetz zu stehen? Als Silanus hier gerade eben ganz fröhlich verkündete, dass er noch nicht einmal ansatzweise vorhatte, sich an die Gesetze des römischen Reiches zu halten, blieb ihr doch ernsthaft der Mund offen stehen.
    “Hast du jetzt komplett den Verstand verloren? Du wirst dich gefälligst an die Gesetze halten! Reicht es nicht schon, dass du diese ganze Familie gefährdest, indem du zum Tode verurteilte Amazonen hier herbringst? Ich weiß, bei den Prätorianern grassiert desöfteren die Illusion, dass man über dem Gesetz stehen würde, aber ernsthaft, Silanus, ich habe dich bislang doch für zumindest ein wenig integer gehalten. Und jetzt stellst du dich tatsächlich mit einem 'Gesetz hin oder her' vor mich hin?“
    Axilla konnte gar nicht in Worte fassen, wie entsetzt sie jetzt gerade von ihrem eigenen Vetter war. Der Mann war vollkommen durchgeknallt. Hatte der denn überhaupt gar keine persönliche Ehre mehr? Wenn er unbedingt in seinen Ruin rennen wollte, bitte, da konnte sie ihn wohl kaum aufhalten. Aber sie würde garantiert nicht zulassen, dass er da die ganze Familie mit hineinzog, nur weil er eben dachte, einen tollen Fang zu machen, der sich aber als recht vergifteter Fisch herausstellte.
    “Dann um Himels willen lern sie kennen. Aber stell gefälligst klar, dass das Familienvermögen der Iunii das Familienvermögen der Iunii bleibt und die Tiberii daran nicht den geringsten Anteil haben werden. Wenn sie dann immer noch gewillt sind, die Verbindung einzugehen, dann will ich der Frau eine Chance geben. Ich werd aber nicht zulassen, dass du dieses Haus hier in Verruf und in Gefahr bringst für eine Frau, die du nicht einmal ansatzweise kennst.“

  • Silanus hatte natürlich mittlerweile gemerkt das Axilla sehr emotional mit diesem Thema umging. Er selbst konnte die Aufregung nicht ganz verstehen. Vor allem der Vergleich mit Lea hinkte seiner Ansicht nach gewaltig. Hier hatte er tatsächlich auch unter einem Zeugen gegen Gesetze verstoßen, doch wenn er seiner zukünftigen Frau das eine oder andere Mal einen prall gefüllten Beutel Sesterzen überließ, dann war dies zwar ebenso gegen das Gesetz, aber eine höchst private Angelegenheit, die man ihm erst einmal nachweisen musste. Mit einem hatte Axilla aber tatsächlich Recht. War man einige Zeit bei den Prätorianern, machte sich tatsächlich das Gefühl breit, man würde über den Gesetzen stehen. Denn es war auch mitunter Teil der Arbeit die Wünsche des Kaisers zu erfüllen oder Probleme zu lösen, die nicht immer mit der Gesetzeslage übereinstimmten. Aber Alles in Allem konnte er die Bedenken seiner Großcousine nachvollziehen und nickte daher verständnisvoll. Als sie dann sogar mehr oder minder nachgab und dem Treffen in gewisser Weise auch ihren Segen gab, der dem Iunier merkwürdigerweise wichtig gewesen war, lächelte sie Silanus freudig an.


    "Ich versichere dir, dass auf das Familienvermögen der Iunii nicht zugegriffen wird. Und ich werde auch eine Gegeneinladung aussprechen, so dass auch du sie kennenlernen kannst. Ich bitte dich nur darum ihnen eine faire Chance zu geben und nicht alles immer so Pessimistisch zu sehen. Es wird schon gut gehen und alles passen Cousinchen."

  • Proximus wanderte am heutigen Tage direkt zum Officium von seiner Cousine, um Geschäftliche Dinge zu besprechen. Schließlich wollte er selbst auf eigenen Beinen stehen, und man konnte mit Geld so manch andere Dinge erwerben, die das Herz erfreuten, zum Beispiel, Kleider. Und da seine Cousine in Münzen badete, wie er erfahren hatte, konnte sie dem jungen Iunier sicherlich behilflich sein, früher oder später auch etwas Reichtum anzusammeln. Angekommen vor dem Officium klopft er vorsichtig an die Türe, dabei wusste er gar nicht, ob Axilla überhaupt anwesend war, jedoch wartete er geduldig auf eine Reaktion.

  • Zufälligerweise war Axilla gerade in ihrem Officium. Wie so oft grübelte sie über ihrer Korrespondenz. Die anstehende Hochzeit machte es nicht leichter, sich aufs Geschäftliche zu konzentrieren, und dass sie schon zweimal verschoben werden musste, auch nicht. Es waren noch nicht einmal die Einladungen herausgeschickt bislang! Das Haus ihres Angebeteten war auch noch nicht einmal ansatzweise einzugsbereit – gut, das war zu verschmerzen, am liebsten würde Axilla sowieso hier in der Domus Iunia bleiben wollen – und überhaupt ärgerte sie gerade so manches, kleines Kinkerlitzchen. Sie hatte sich endlich für einen fünften Betrieb entschieden, war sich allerdings alles andere als sicher, die richtige Wahl damit getroffen zu haben.


    Irgendwann also an diesem nicht gerade ruhmreichen Vormittag klopfte es etwas zaghaft an ihrer Tür. Folglich war es keines der Kinder, die vergaßen sowas nämlich andauernd. “Ja bitte?“ fragte sie und gab damit implizit die Erlaubnis, die Tür zu öffnen. Proximus stand auf der anderen Seite. “Ah, Proximus. Komm rein und setz dich. Was gibt es denn? Haben du und deine Schwester euch inzwischen eingewöhnt?“ winkte sie den Jungen gleich näher.

  • Nachdem der junge Römer die Tür öffnete, betrat er zugleich das Officium, und bekam gleich das Angebot sich zu setzen. "Danke Cousine, ich hoffe ich komme nicht ungelegen, oder störe Dich!?" fragte er höflich während er platz nahm. Seine Schwester hatte er schon seit einigen Tagen nicht gesehen, doch vermutlich würde es ihr gut gehen. "Also ich für meinen Teil fühle mich sehr Wohl hier... Caerellia wird es auch gut gehen, nehme ich an, ich habe sie leider schon ein paar Tage nicht mehr gesehen, da ich ja selbst auch etwas beschäftigt bin." erklärte Proximus mit einem Lächeln, das er sich schon eingewöhnt hatte.


    "Nun, wie ich Dir ja bereits bei unserem ersten Treffen erklärt hatte, würde ich gerne, mehr oder weniger, auf eigenen Beinen stehen. Dazu wäre natürlich ein Einkommen in irgendeiner Art und Weise notwendig, und ich dachte, das beste wäre, sich in erster Linie an Dich zu wenden." gab der junge Iunier sein Anliegen bekannt. "Also ich wäre Dir sehr dankbar für jegliche Hilfe oder auch Ratschläge, die Du mir anbieten kannst." fügte er schlussendlich hinzu.

  • “Nein, nein, du störst nicht“, bekräftigte Axilla noch einmal, als der Junge hereinkam und ein wenig unsicher wirkte. Aber gut, Axillas Tisch war auch ein anschauliches Beispiel für das Haufenprinzip: Auf diversen Stapeln türmten sich Wachstafeln, hier und da lagen Schriftrollen und dazwischen irgendwo ein Stylus und vermutlich auch eine Gänsefeder.


    Axilla schob also einen dieser Haufen etwas auf die Seite, um wirklich zu veranschaulichen, dass sie gerade Zeit hatte, während Proximus sich ihr gegenüber setzte. Und mit seiner Frage ein Lächeln auf Axillas Gesicht zauberte. “Oh, natürlich werde ich dir helfen. Ich gebe zu, ich habe mir auch schon den ein oder anderen Gedanken gemacht. Immerhin bist du ja auch ein Spross aus einer großen Ritter-Gens, da wäre es ja nur richtig, wenn du auch früher oder später Ritter würdest. Nicht nur einfacher Legionär, nein, nein. Das wäre doch lustig, wenn du in ein paar Jahren als Kommandeur einer eigenen Einheit zurück nach Germania kehren würdest und den Männern dann Befehle geben könntest, anstatt sie nur dumpf auszuführen, nicht?
    Aber naja, erst einmal sollten wir klein anfangen. Wie du vielleicht weißt, ist mein Verlobter ja Procurator a memoria. Es wäre für ihn sicherlich kein Problem, dich in der kaiserlichen Kanzlei unterzubringen. Was hältst du davon?“

    Dass ihre Frage sich auf mehrere Teile ihrer Aussage beziehen konnte, fiel Axilla noch nicht einmal auf. Sie war ganz und ganz im Planungsrausch. Vermutlich wäre es auch gut, wenn Proximus ebenso wie ihr Sohn zuvor Unterricht bei Malachi nehmen würde, um ihn körperlich etwas fitter zu machen.

  • Leicht überfordert, jedoch äußerst aufmerksam, hörte Proximus seiner Cousine zu, die wie ein Wasserfall zu reden begann. Dabei dachte er sich nur, wie schnell sie all diese Pläne geschmiedet hatte, schließlich war er noch gar nicht solange hier. Doch alles was sie sagte, klang wirklich gut durchdacht, und zusätzlich auch sehr reizvoll. "Nun, wie ich sehe, habe ich mich an die richtige Person gewandt, Ritter klingt wirklich schon mal nicht schlecht." dabei grinste Proximus breit über das komplette Gesicht. Eine eigene Einheit, Befehle erteilen, schon sah sich der junge Iunier auf einem Pferd sitzen, in einer glanzvollen Rüstung.


    Rasch holten ihm seine Gedanken wieder zurück auf den Boden, und in die Realität. "Ich denke, das ich vermutlich noch etwas zu jung bin, für die Ritterliche Karriere, von daher finde ich Deine Idee mit der kaiserlichen Kanzlei großartig, so kann ich vorerst mal Erfahrungen sammeln, bevor es dann richtig los geht." bestätigte der junge Iunier kurz und knapp den Vorschlag seiner Cousine. Proximus war wirklich froh an sie geraten zu sein, schließlich machte sie sich ernsthafte Gedanken, und war auch bereit den jungen Römer zu unterstützen. "Ich Danke Dir für Deine mühen, jedoch bitte ich Dich, mir auch noch zu erklären, was genau ich zu tun habe." schließlich war Tiberius doch noch unerfahren, und er wollte sich bestimmt keine Fehler leisten, von daher war es sicherlich praktisch, wenn Axilla ihn etwas genauer aufklärte.

  • “Ach, so lange musst du da denke ich gar nicht warten. Titus – also, mein Ältester – ist jetzt auch erst sechzehn und hat sein Tribunat. Allerdings habe ich das auch länger vorbereitet. Aber ich denke, in zwei, drei Jahren spätestens ist es bei dir auch so weit. Ein paar Kontakte knüpfen, für dich einen vernünftigen Patron suchen, dann sollte dem Ganzen nichts im Wege stehen.“ Gedanklich ging Axilla schon einmal die Liste möglicher Patrone durch. Natürlich könnte sie Proximus auch wieder einfach zu Purgitius Macer schicken. Aufgrund der bestehenden Verbindungen sollte das das geringste Problem sein. Aber auch Silanus' Patron wäre interessant. Nur war der gerade in Germania, so dass er weder seinen Einfluss in Rom geltend machen könnte, noch überhaupt etwas dazu sagen könnte. Aurelius Lupus wäre auch eine gute Wahl, allerdings war hierbei fraglich, ob er sich auch für Ritter einsetzen würde, oder sich auf Senatoren beschränkte. Wenn Proximus auch ins Militär wollte, wäre vielleicht auch Claudius Menecrates interessant. Der hatte zumindest schon ein paar Legionen befehligt.


    Axilla war also ganz in ihren Planungsgedanken, als Proximus sie daran erinnerte, dass er noch anwesend war. “Was du als Primicerius zu tun hättest?“ fragte sie etwas verwirrt nach. “Naja, als Primicerius arbeitest du einem Procurator zu. Also hauptsächlich eingehende Post nach Dringlichkeit sortieren und ausgehende Post diktieren, Schreiber und Boten anweisen und alles vernünftig protokollieren und archivieren. Aber genaueres kann dir sicherlich Torquatus sagen. Ich werde ihn dann mal bitten, für dich einen freien Platz in der Kanzlei zu finden.


    Und... also, Titus hatte als Vorbereitung fürs Militär Unterricht bei Malachi. Das ist mein Sklave. Er ist... war... ist Gladiator.“ Bei diesem Satz fiel Axilla einmal mehr auf, dass sie Malachi endlich freilassen sollte. Sie wusste selber nicht so genau, was sie davon abhielt. Aber sie war sich sicher, dass sie ihn nicht mehr in der Arena sehen wollte, und die einzig wirkliche Möglichkeit, das sicher und für immer zu verhindern, war es, ihn endlich freizulassen. Sie scheuchte den Gedanken fort. “Er könnte dich auch trainieren, damit du nicht nur dekorativ auf einem Pferd herumsitzen kannst, sondern auch weißt, wie man kämpft. Einen besseren Lehrer als einen Gladiator gibt es hierfür ja nicht.“

  • Proximus war irgendwie schon sehr fasziniert von seiner Cousine, wie schnell sie einfach jedes Detail bereits in ihrem Kopf geplant hatte. Interessant fand er es auch, das es scheinbar schneller ging, als er es sich erwartet hatte, zumindest war sich Axilla da scheinbar sehr sicher, und er vertraute ihr da voll und ganz. "Das klingt ja fantastisch!" entgegnete Tiberius seiner Cousine, während er einmal kurz in seine Hände klatschte.


    Die Erklärung seiner Aufgabe in der kaiserlichen Kanzlei klang wiederum nicht sonderlich spannend, dennoch war es eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und vielleicht den ein oder anderen Bürger Roms kennen zu lernen. "Ich bin Dir wirklich sehr Dankbar, kannst Du denn schon in etwa sagen, wann ich mit der Arbeit beginnen werde?" fragte Tiberius noch nach, da er keine Ahnung hatte wie schnell sowas über die Bühne ging.


    Training bei einem Gladiator, nun, das klang zwar irgendwie aufregend, machte aber dem jungen Römer zugleich auch Angst, zumal er keinerlei Erfahrung im Kampf hatte. Außerdem war er gerade mal Fünfzehn Jahre alt, und bei weitem noch nicht ausgewachsen, wer weiß ob ihn der Gladiator nicht mit einem einzigen Hieb ins Grab befördern würde. Dennoch, vermutlich hatte seine Cousine mit diesem Vorschlag recht, und er müsste sich auch dieser Herausforderung stellen. "Nun, wenn Du das als notwendig betrachtest, oder besser gesagt, Du es für eine gute Idee hältst, habe ich nichts dagegen einzuwenden." Letztendlich war Proximus sehr froh darüber, das sich Axilla bereits so viele Gedanken gemacht hatte, dadurch musste er so gesehen nicht erst nach dem Weg fragen, denn dieser wurde von seiner Cousine ganz genau beschrieben, und zugleich wurden auch die Steine die darauf lagen beiseite geräumt.

  • Wann er anfangen würde? “Naja, zunächst einmal sollte ich Torquatus doch fragen, nicht wahr? Ich bin mir zwar sicher, dass er etwas finden wird, aber fragen muss ich ihn ja dennoch.“ Es würde sicherlich vieles vereinfachen, wenn Axilla selbst solche Vorgänge in der Kanzlei anleiern könnte, aber als Frau beschränkte sie sich da doch eher auf die Hintergrundtätigkeiten. Die hatten bislang schließlich auch noch jedes Mal ausgereicht.


    Bei der zweiten Frage schien Proximus aber ein bisschen weniger enthusiastisch. Aber Axilla war sich dafür umso sicherer, dass der Junge ein wenig Kondition brauchen würde, damit er nicht wieder im entscheidenden Moment dann umkippte. So ein Schwächeanfall im falschen Moment konnte eine Karriere nachhaltig zerstören. Auch Silanus war von seiner Krankheit um Jahre zurückgeworfen worden. Wenn nun Proximus in ähnlicher Weise desöfteren zusammenklappte, wäre das Gerede über ihre Familie groß und sie würden einiges an Ansehen in der Gesellschaft verlieren, welches sie so hart erkämpft hatte.
    “Ja, ich denke schon, dass dir ein wenig Training nicht schaden kann. Und Malachi hat ja auch Erfahrung als Lehrer wegen Titus.“


    Wenn das geschafft war, war dann natürlich schon einmal der Karriereweg geebnet. Wegen eines Patrones würde sie sich noch ein paar Gedanken machen und vielleicht auch Silanus fragen. Wobei... in letzter Zeit glänzte der ja nicht unbedingt durch logisches Denken. Vielleicht fragte sie ihn da besser nicht.
    Blieb also nur noch eine Sache übrig. “Sag mal, Proximus, hattest du denn bislang in deinem Leben mal etwas mit Betriebsführung zu tun?“

  • Scheinbar würde es vielleicht doch noch etwas Zeit benötigen, bis der junge Römer tatsächlich mit der Arbeit in der kaiserlichen Kanzlei anfangen würde, was ihn selbst aber nicht störte. "Natürlich, Du hast recht, es hat auch keine Eile, ich hatte nur aus Interesse gefragt." gab Proximus lächelnd an seine Cousine zurück.


    Wenn Axilla meinte das es nicht schaden könnte, dann hatte sie damit bestimmt auch recht, dennoch hoffte der junge Iunier, das er nicht zuviel Muskelmasse durch das Training bekommen würde, schließlich würde das in seinem zweiten Ich doch etwas merkwürdig aussehen. "Nun gut, soll ich dann Malachi aufsuchen, oder wird er sich bei mir melden, sobald er Zeit findet?" fragte Proximus nochmal nach, um damit auch zu bestätigen das er einverstanden war.


    "Betriebsführung? Also ich habe das ein oder andere zwar darüber gelernt, als ich noch bei meinen Eltern lebte, jedoch habe ich keinerlei praktische Erfahrung damit." Proximus konnte schon das ein oder andere Wissen in der Theorie vorweisen, doch das war es dann auch schon. Seine Eltern schonten, oder verwöhnten, den jungen Mann vielleicht zuviel wenn es um Arbeiten ging, aber es gab wohl kaum was auf der Welt, das man nicht erlernen konnte.

  • “Ich sag Malachi bescheid und er wird sich dann bei dir melden und einen Trainingsplan machen. Mit Titus hat er jeden Tag trainiert, aber... naja, vielleicht erst einmal langsam anfangen.“ Atticus hatte sein ganzes Leben als Vorbereitung auf den Ritterstand gehabt und daher schon sehr früh angefangen, zu trainieren. Ihr Sohn war nicht nur einen Kopf größer als Proximus, sondern auch sehr viel muskulöser. Bis Proximus ein auch nur halb so guter Kämpfer wäre, würde es sicherlich dauern. Wahrscheinlich würde er nie so gut werden, aber man musste es ja wenigstens versuchen. Irgend jemand musste ja mal einen ganzen Kerl aus dem Jungen machen.


    Dass Proximus da bislang auch keinerlei Erfahrungen mit der Wirtschaft hatte, passte geradezu ins Bild. Gut, er war auch wirklich noch jung, aber jetzt war er ja nach Rom gekommen, um zu lernen. “Gut, dann lernst du jetzt ein wenig mehr. Ich habe vor, dir ein wenig Geld zu überschreiben und ein paar Sklaven und dergleichen, damit du auch wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kannst. Also, später. Anfangs greif ich dir natürlich etwas unter die Arme, aber früher oder später solltest du dann damit dein eigenes Geld verdienen. Du weißt ja, dass man für den Ritterstand auch einen gewissen Census erfüllen muss, was den eigenen Wohlstand angeht.“

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