tablinum | Flöhe hüten ist leichter

  • Sim-Off:

    Das spielt direkt im Anschluß an das Abenteuer im Lupanar :D



    Noch immer hatte Ursus keine Ahnung, wie er mit dem Erlebten umgehen sollte. Natürlich hatte er den Mädchen erst einmal Gelegenheit gegeben, sich etwas frisch zu machen und ein wenig zu beruhigen. Doch er hatte auch unmißverständlich klar gemacht, daß er sie dann sprechen wollte.


    Auch er selbst hatte sich gründlich gewaschen und umgekleidet. Ein wenig peinlich war es ihm schon, daß die beiden ihn da quasi erwischt hatten. Nicht, daß etwas verwerfliches an seinem Aufenthalt in jenem Haus gewesen wäre. Aber wie nun ihnen klarmachen, daß es für sie durchaus verwerflich war?


    Unruhig ging er im Raum auf und ab, einen Becher mit stark verdünntem Wein in der Hand. Und wartete darauf, daß Prisca und Laevina sich hier blicken ließen.

  • Der Schreck über das unvorhergesehene Ende des gemeinsamen Ausflugs mit ihrer Couisne, saß noch immer tief. Kein Wunder. Es waren ja gerade mal ein oder zwei Stunden vergangen seit Ursus sie - in allerletzter Sekunde - aus den Fängen eines Lustgreises befreit hatte. Es blieb also kaum Zeit um das Erlebte richtig zu verarbeiten, geschweige denn um zu baden und die Frisur und die Kleider wieder in Ordnung zu bringen. Dennoch versuchte Prisca so schnell wie möglich wieder einen klaren Gedanken zu fassen für die nun folgende Unterredung mit ihrem Cousin.


    Was haben wir denn schon großartiges verbrochen? Wir wollten nur wissen, wie so ein Lupanar von innen aussieht. Und wir hatten doch schließlich fünf Leibwächter dabei!! … Warum nur mussten sich diese Dummköpfe auch derart betrinken?! … Und überhaupt, mit dem Alten wären wir sicher auch alleine … Nein halt! Ich bin wirklich sehr froh, dass Ursus uns gerettet hat und ich mag mir gar nicht vorstellen was alles hätte passieren können wenn er nicht gewesen wäre. .. Aaaber, was hatte Ursus eigentlich in einem Lupanar zu suchen? Zumindest gedanklich versuchte Prisca ihre Argumente schon mal zu ordnen. Wobei eher schlecht als recht und ziemlich wirr, was auf dem kurzen Weg ins tablinum auch nicht anders möglich war.


    Mit einem tiefen Seufzer betrat Prisca als Erste das tablinum wo Ursus bereits auf sie wartete. Er wirkte angespannt und nachdenklich, was es nicht unbedingt einfacher machte dem Cousin unter die Augen zu treten. Soll ich mich gleich entschuldigen, mich bei ihm bedanken oder mich rechtfertigen? Nur wofür sollen wir uns eigentlich rechtfertigen? Mit leicht gesenktem Haupt schritt Prisca auf ihn zu und grüßte mit einem eher zaghaften Nicken. "Hier bin ich Ursus, wie du es wolltest. … " Lieber erst einmal nicht zu viel reden, so lange Laevina nicht hier ist …, entschied Prisca kurzerhand und wartete deshalb ab, was Ursus zu sagen hätte.

  • Prisca war die erste, die sich blicken ließ. Ursus musterte sie aufmerksam, ob sie wohl wirklich schon soweit war, über die ganze Sache zu sprechen. Aber abgesehen davon, daß sie seinen Blicken auswich, machte sie einen einigermaßen gefaßten Eindruck. Sie sprach nicht weiter, es klang, als würde sie mitten im Gedanken abbrechen, und Ursus seufzte. "Ja, ganz genau. Ich wollte es. Setz Dich. Kommt Laevina auch?" Die Mädchen hatten doch sicher miteinander gesprochen.


    Ursus füllte einen Becher mit Wein und reichlich Wasser, um ihn Prisca zu reichen. Wortlos. Er wußte schlicht nicht, was er sagen sollte. Vor allem wollte er auch nichts sagen, solange Laevina nicht auch anwesend war. Wie schade aber auch, daß es Corvinus so schlecht ging, sonst hätte er dies ihm überlassen können. Aber es half nichts über unerfüllbare Wenns nachzudenken, er mußte diese Sache irgendwie meistern. Vielleicht eine gute Übung für seine eigene Familie, die er durchaus vorhatte zu gründen.

  • Nach kurzem Zögern kam Prisca der Aufforderung ihres Cousins nach und nahm in einem der bereitstehenden Korbsessel Platz. Die Frage ob Laevina auch kommen würde irritierte sie in dem Moment ein wenig. "Ja ich gehe davon aus, dass sie kommen wird. Du wolltest doch mit uns beiden reden", erwiderte Prisca leicht verwundert, da jede von ihnen, gleich nach der Rückkehr, auf ihr eigenes Zimmer gegangen war. Ich hoffe doch sehr, dass sie mich nicht hier allein sitzen lässt. Vielleicht hätten wir uns doch vorher absprechen sollen Aber was hätte das genützt? Tatsache war, dass sie nun mal in diesem Lupanar erwischt worden waren.


    Behaupten, wir seien dorthin verschleppt worden? … Wir hätten uns in der Tür geirrt? … Nein, wer sollte uns so einen Unsinn glauben, grübelte Prisca still vor sich hin während sie den Arm nach dem Becher mit verdünntem Wein ausstreckte und mit einem gehauchten "Danke" von Ursus entgegen nahm.


    Kurz blickte sie zu Ursus hoch und hoffte, dass er etwas sagen würde - was auch immer. Doch ihr Cousin schwieg und so blieb auch Prisca stumm und nahm einen tiefen Schluck. Der verdünnte Wein tat gut, doch dieses bedrückende Schweigen … ist ja nicht auszuhalten! Wann kommt denn endlich Laevina , hoffte Prisca. Ihr Blick schweifte unruhig umher und blieb schließlich wieder auf Ursus haften: "Hast du vor, Marcus von unserem kleinen Ausflug zu erzählen? Eigentlich muss er es doch nicht erfahren, oder? ", versuchte Prisca das Thema ein wenig herunter spielen. Marcus war schließlich lange krank gewesen und außerdem, … wollte Prisca nicht auch noch mit ihm darüber reden und überhaupt, … wollte sie sich eigentlich gar nicht rechtfertigen müssen für das, was sie getan hatte.



    edit: TippEx

  • Anscheinend hatten sie doch nicht miteinander gesprochen. Zumindest klang sie so, als sei sie über seine Frage überrascht und wüßte auch nicht mehr als er. Daß sie ihm etwas vorspielte glaubte er nicht, so war Prisca nicht. Laevina schien allerdings ein wenig länger zu brauchen, was das Schweigen, das sich nun ausbreitete, zu einer sehr unangenehmen Stille werden ließ. Ursus fühlte sich kaum weniger unwohl als er es bei Prisca vermutete. Doch auf keinen Fall durfte er sich davon etwas anmerken lassen.


    Schließlich brach sie das Schweigen und stellte eine Frage, die er sich auch bereits gestellt hatte. Sollte er es Marcus berichten? Eigentlich war es seine Pflicht, das zu tun. Marcus war nun einmal, ob Ursus das paßte oder nicht, das Familienoberhaupt. Andererseits war er sehr krank. Im Moment auf jeden Fall viel zu krank, um mit so etwas belastet zu werden. Was später, wenn es Marcus besser ging, kommen würde, mußte Ursus einfach abwarten. "Das kommt darauf an, ob euer Abenteuer von Fremden beobachtet wurde. Wenn ihr Gegenstand der Gerüchteküche Roms werdet, komme ich nicht umhin, ihm davon zu berichten. Besser, er erfährt es von uns, als daß er es auf dem Forum hört."

  • Nun ja, irgendwie hatte Prisca mit so einer Antwort gerechnet. In Rom machten Gerüchte schließlich schnell die Runde und die Nachricht, dass zwei junge Patrizierinnen in einem Lupanar gesehen worden waren, wäre vielleicht ein gefundenes Fressen für jedes Klatschweib, hier und jenseits der sieben Hügel. Nicht auszudenken wenn meine Freundinnen davon erfahren … , machte Prisca sich so ihre Gedanken, während sie da saß und an ihrem Becher mit verdünntem Wein nippte.


    Auf der anderen Seite war es wiederum fraglich, ob zwei Aureliae überhaupt so einen Bekanntheitsgrad besaßen, dass es sich lohnte über sie zu tuscheln.


    "Glaubst du wirklich wir sind so bekannt hier in Rom, dass man sogar auf dem Forum über uns tuscheln wird? Was sollen die Leute denn, deiner Meinung nach, schon großartig über uns erzählen? … Dass wir uns in einem Freudenhaus vergnügen wollten? … Na und? Das ist doch etwas ganz alltägliches, oder nicht? ", erwiderte Prisca deshalb leicht belustigt klingend, ohne die Angelegenheit weiter allzu ernst nehmen zu wollen.


    Warum auch? Wenn sogar Ursus dorthin geht! … Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass uns jemand erkannt hat. Und wenn schon. … So ein bisschen Publicity war doch manchmal ganz gut. Schließlich hatten die Aurelier auch solche Dinge, wie das Theaterstück anlässlich der Meditrinalia - mehr oder weniger - unbeschadet überstanden.

  • Ungläubig schaute Ursus seine Cousine an und schüttelte dabei den Kopf. Er konnte kaum glauben, was er da hörte. "Prisca... Willst Du mir damit sagen, daß Dir gar nicht bewußt ist, was ihr falsch gemacht habt? Ihr seid adelige junge Damen! Ihr gehört einer der vornehmsten Familien des römischen Imperiums an! Natürlich seid ihr bekannt! Nur, weil ihr die Leute nicht persönlich kennt, heißt das nicht, daß sie euch nicht kennen. Ihr seid in heiratsfähigem Alter. Marcus möchte euch guten Männern an die Hand geben. Glaubt ihr, ein vornehmer junger Mann, der vor allem auch noch Karriere machen kann, möchte eine Frau haben, der schon Skandale anhaften? Eine Frau, die sich in einem Lupanar herumtreibt? Es ist ganz und gar nichts alltägliches, wenn edle junge Damen in ein Lupanar gehen! Und habt ihr auch nur einen Gedanken an Marcus verschwendet? Oder an mich? Auch auf uns wird euer Benehmen zurückfallen."


    Er hatte wirklich Mühe, nicht laut zu werden. Dabei rückte die eigentliche Untat in den Hintergrund gegenüber dem offensichtlich fehlenden Unrechtsbewußtsein. Wer hatte Prisca eigentlich über Anstand und Benehmen unterrichtet? Wer hatte sie erzogen? "Wie seid ihr überhaupt auf diese unsägliche Idee gekommen? Und wie habt ihr Brix dazu gebracht, dabei mitzumachen? Spätestens er hätte doch die Vernunft besitzen müssen, euch zurückzuhalten." Die Sklaven, vor allem Brix, mußte er sich auch noch vornehmen. Aber erst, wenn sie wieder nüchtern waren.

  • Eigentlich wäre es besser gewesen zu schweigen bis Laevina hier wäre. Sicher hatte ihr Cousin recht mit dem was er sagte und doch fühlte sich Prisca unverstanden. Von ihm und auch von ihrem Onkel und überhaupt … . "Nein ich bin mir allerdings nicht bewusst, was falsch daran sein soll herausfinden zu wollen, was ihr Männer an euren Huren und Sklavinnen so sehr schätzt, dass ihr sie regelmäßig euren Ehefrauen vorzieht!", wetterte Prisca nun ihrerseits ungehalten los. Ob Ursus die Intention dahinter verstehen konnte, warum sie auf diese dumme Idee gekommen war? Männer! … Ach und was soll das jetzt heißen? 'Marcus möchte uns guten Männern an die Hand geben' … und unser Benehmen wird auf sie zurückfallen " Pah!! Das war ja gleich das nächste Reizthema für Prisca, bei dem sie regelrecht aus dem Sessel hoch fuhr.


    "So so, dir geht es also um unseren ach so guten Ruf?! … Na dann frage ich dich Ursus, wie weit unser Ruf schon gesunken sein muss, wenn Marcus allen Ernstes in Erwägung zieht, uns mit Plebejern zu verheiraten. Mit Plebejern!! Kannst du dir vorstellen welche Schmach das für mich bedeutet?... Da kann ich meinen guten Ruf genauso gut in irgendeinem billigen Lupanar ruinieren" Vielleicht schweifte Prisca zu sehr vom eigentlichen Thema etwas ab, aber das war ihr egal. Viel zu viel hatte sie ihr ganzes Leben über Anstand und Benehmen anhören und lernen müssen, nur um irgendwann eine gute Partie für einen Adeligen darzustellen und jetzt das!


    "Und wenn schon, ich mache was ich will. … Und ganz bestimmt wird mich kein Sklave wie Brix davon abhalten können. Er hat schließlich mir zu gehorchen und nicht umgekehrt!"In den letzten Worten überwog eindeutig der Trotz und dementsprechend wild funkelte Prisca ihren Cousin an, auf den sie eigentlich gar nicht böse war.

  • Es war wirklich kaum zu glauben. Ursus traute seinen Ohren kaum. "Prisca, willst Du mir wirklich sagen, daß Du von all diesen Dingen keine Ahnung hast? Warum geht ein Mann wohl in ein Lupanar? Für gewöhnlich, damit er seine Bedürfnisse stillen kann, wenn seine Frau dies gerade nicht wünscht. Oder wenn er gar nicht verheiratet ist, wie ich zum Beispiel. Du als Frau solltest doch wohl am besten wissen, daß es Tage im Leben einer Frau ist, an denen sie nicht bei einem Mann liegen möchte. Du siehst, Du hättest mich nur fragen brauchen und mußtest solch ein Haus nicht betreten, um das zu erfahren." Natürlich war ihm klar, daß es auch eine andere Art von Neugierde war, die sie getrieben hatte. Aber darüber wollte er lieber gar nicht nachdenken. War es nicht im Gegenteil ein Zeichen, daß sie schon viel zu lange unverheiratet war?


    Die nächste Information allerdings ließ ihn die Stirn runzeln. "Er will Dich mit einem Plebeier verheiraten? Mit wem denn? Hör zu, Prisca, natürlich wäre es besser, wenn Du einen Patrizier heiraten würdest. Aber bitte, schau Dich um. Wieviele junge Patrizier oder auch Patrizierinnen - ich habe nämlich das gleiche Problem - sind denn im heiratsfähigen Alter und noch nicht versprochen? Dazu kommt, daß die Unterschiede zwischen Patriziern und einigen vornehmen plebeiischen Familien extrem klein geworden sind. Manche von ihnen stellen seit Generationen Senatoren und Consuln. Ist es nicht wichtiger, daß Du einen Mann bekommst, der Dich ehrt und der die Mittel besitzt, Dir ein gutes Leben zu ermöglichen, als einer, der allein seine Abstammung auf die ersten Familien Roms zurückführen kann?" Gab es am Ende schon jemanden, den sie gerne heiraten würde?


    "Du wirst mitnichten tun, was Du willst. Du wirst tun, was Marcus als Hausherr Dir sagt. Und solange er indisponiert ist, dann wirst Du tun, was ich Dir sage. Ja, ein Sklave hat Dir zu gehorchen und nicht umgekehrt. Es sei denn Marcus oder ich haben es anders bestimmt!" Seine Worte waren härter, als er es gewollt hatte. Ursus fuhr sich durch die Haare und seufzte. "Prisca, niemand will Dich einsperren oder Dir das Leben vermiesen. Aber wir alle haben uns eben an bestimmte Regeln zu halten. Wir sind Patrizier und wenn es um Heirat geht, dann pochst Du ja auch selbst darauf. Aber unsere Privilegien bringen eben auch manche Einschränkung mit sich. Und ganz abgesehen davon: Auch ein anständiges plebeiisches Mädchen würde ihren Ruf ruinieren, wenn sie in ein Lupanar ginge."

  • Auch wenn man es Ursus kaum ansah, war er wohl von ihren Worten schockiert. Marcus hätte sicher nicht viel anders reagiert, genauso wenig, wie Prisca bei ihrem Onkel kaum andere Worte gefunden hätte. Vielleicht war es sogar ihre Absicht, einmal in überzogener Manier das zu sagen was sie innerlich bewegte. NUr was bringt das?Verstanden fühlte Prisca sich trotzdem nicht. "Oh! Danke Ursus, für diese aufklärenden Worte. Du hast recht. Um das zu erfahren, hätte ich nun wirklich nicht in ein Lupanar gehen müssen." , gab Prisca leicht belustigt klingend zurück. Sie schüttelte kurz den Kopf und fasste das Gehörte in ihrem Verständnis noch mal zusammen: "Wenn die Frau mal nicht bei ihrem Mann liegen möchte, wie du sagst, dann stillt er seine Lust eben wo anders. So einfach ist das … Ha!" Prisca klatschte gespielt begeistert in die Hände ehe sie noch etwas anfügen wollte:"Und was ist mit unseren Bedürfnissen? Vielleicht gibt es ja auch Tage im Leben einer Frau an denen sie möchte, dass ihr Mann einfach nur bei ihr liegt und nicht … auf ihr" Bei unverheirateten Männern konnte sie es ja noch nachvollziehen. Aber in einer Ehe?


    Prisca atmete tief ein und ließ, mit einem leisen Seufzer den Blick einen Augenblick lang in die Weite schweifen. Über dieses Thema mit einem Mann zu reden hatte ohnehin keinen Sinn. Ebenso wie es anscheinend sinnlos war, an alten Traditionen und Bräuchen festhalten zu wollen, wenn ihr Cousin, bezüglich einer Misch-Ehe, offensichtlich die selben Ansichten wie Marcus hatte. "Nein nicht mich direkt. Er zog es nur allgemein für uns in Betracht. Marcus hat genau so geredet wie du . Von wegen die Unterschiede zwischen den Plebejern und den Patriziern würden immer geringer und es gäbe immer weniger Adelige und so weiter .... Aber an Vorurteilen und sonstigen Zwistigkeiten mangelt es zur rechten Zeit nicht, zwischen uns und dem plebs. Pah! Glaubst du da wird es eine Freude sein, künftig zwischen den Fronten stehen zu müssen?" Nein nein, dann schon lieber einen pubertierenden bullatragenden Balg , der wenigstens einem alten Adel entsprungen ist, sofern das wirklich die allerletzte Alternative gewesen sein sollte.


    Das war jedoch nicht das eigentliche Thema, weswegen sie hier war und für das sie Ursus nun ziemlich deutlich zurecht wies. Gehorchen und schön die Regeln befolgen Auch wenn sie ungerecht und veraltet sein mochten, so wie eben dieses anerzogene Standesdenken. Welchen Sinn machte es darüber jetzt und hier, mit ihrem Cousin zu streiten ? Dazu war Prisca innerlich viel zu aufgewühlt. "Es war nicht meine Absicht mich oder meine Familie in Verruf zu bringen. Verzeih! ", zog Prisca es vor, mit gesenktem Blick und einsichtiger Stimme um Entschuldigung zu bitten. So blieb sie stehen und wartete, was ihr Cousin nun tun würde ...

  • "Prisca, Du sprichst über Dinge, von denen Du nichts weißt! Eine Ehe ist doch immer ein Miteinander. Ehemann und Ehefrau sprechen miteinander. Und doch wohl auch über ihre Wünsche, was das Beeinanderliegen angeht. Ihr Götter! Was hast Du eigentlich für Vorstellungen? Es kommt noch der Tag, an dem Du froh sein wirst, daß Dein Mann in ein Lupanar geht. Es wird wirklich Zeit, daß Du heiratest." Eigentlich wollte Ursus gar nicht so streng und unfreundlich sein. Er hatte Prisca gern und wollte nur ihr Glück. Doch ihre verschrobenen Ansichten konnte er auf keinen Fall so stehen lassen.


    "Also ist Deine Panik auch noch völlig unbegründet. Marcus hat noch keinen Heiratskandidaten benannt? Gibt es denn jemanden... Also hast Du schon jemanden kennengelernt, der für Dich in Betracht kommen würde? Ich kann Dir nichts versprechen, aber helfen würde es gewiß, wenn wir Deine Wünsche kennen würden. Und Du hast Unrecht: Plebs ist nicht gleich Plebs. Es gibt einige Plebeier, mit denen wir uns gut verstehen und wo Du gewiß nicht zwischen die Fronten geraten würdest. Denn da gibt es keine Fronten." Immerhin hatten sowohl Marcus als auch er Patrone, die Plebeier waren.


    Als sie sich schließlich entschuldigte, legte Ursus seine Hand leicht auf ihren Arm. "Ich weiß, daß das nicht Deine Absicht war. Und vielleicht haben wir Glück und niemand hat euch gesehen und erkannt. Gibt es.. Gibt es irgendetwas, was Du noch wissen möchtest, Prisca?" Er wurde doch ein wenig verlegen, als er das fragte. Aber es war besser, so etwas bieb in der Familie. Und leider war gerade keine erfahrene Frau in der Familie, die dies übernehmen könnte.

  • Natürlich sprach Prisca über Dinge von denen sie nichts wusste. Zumindest nicht aus der Praxis und leider war ihre Mutter nicht mehr am Leben, der sie sich hätte anvertrauen können. Also blieb nichts anderes übrig, als viel darüber gelesen und zu versuchen auf diese Weise heraus zu finden, worauf es in der Ehe und zwischen Mann und Frau eben ankam. So mochten die Ansichten der Aurelia vielleicht etwas verschroben wirken, doch umgekehrt waren es die folgenden Worte - insbesondere die eine Bemerkung ihres Cousins - für Prisca auch.Wie hat er das gemeint: Es kommt der Tag, an dem ich froh sein werde, dass mein Mann in ein Lupanar geht??? Prisca wagte nicht laut nachzufragen. Nur ihr ungläubiger und nachdenklicher Gesichtsausdruck zum Schluss hin zeigte, wie sehr verwirrt sie war.


    "Nein! … Nein ich denke es gibt im Moment nichts, was ich noch wissen möchte. Wenn sich unser Blut mit dem der Bürgerlichen vermischen soll, dann soll es eben so sein. Ändern kann ich es ohnehin nicht, zuckte Prisca resignierend mit den Schultern auf Ursus letzte Frage hin. Allerdings war ihr anzumerken, dass ihr es widerstrebte diesen Umstand anzuerkennen. "Und was meine Wünsche betrifft. Ich … ich … Ach nichts. … ", setzte Prisca kurz an, ehe sie mit einem traurigen Seufzer wieder verstummte. Sie brachte einfach nicht den Mut auf jetzt mit ihrem Cousin darüber zu reden, trotz der so lieb gemeinten Geste von Ursus. Er und auch Marcus, sie würden ja doch nicht verstehen was mir am Herzen liegt.


    "Letztendlich ist der Wert der Verbindung für die beiden gentes entscheidend und nicht, was ich mir persönlich wünschen würde.", erklärte sie deshalb kurz. " Ach ja, falls es dich interessiert. Marcus, … er … er hat etwas von einen flavischen Jüngling erwähnt. Severus, Serenus oder so ähnlich ist sein Name. Aber ich habe ihn noch nicht kennen gelernt. Naja besser ein adeliges Kind als ein bürgerlicher Mann, nicht wahr?", versuchte Prisca zu scherzen und auch hier war ihr anzumerken, dass sie nicht besonders glücklich über diese Situation war. Was ist nur los mit mir. Soll ich mich wirklich mit all dem abfinden? Ach wenn ich nur wüsste was ich tun soll? Gedankenverloren strich Prisca eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sie versuchte zumindest ein müdes Lächeln zustande zu bringen. Heute war einfach zu viel passiert, um jetzt noch gegen die alten Heiratsbräuche rebellieren zu wollen.

  • Es war Prisca anzusehen, wie es in ihr arbeitete und auch, daß sie sich bei einigen seiner Äußerungen nicht so sicher war. Aber sie fragte nichts und er wollte auch nicht in sie dringen. Sicher brauchte sie Zeit, um all das zu verarbeiten, was sie heute erlebt und gehört hatte. Auch wenn es ihn wirklich juckte sie zu schütteln und zu fragen, ob ihr überhaupt bewußt war, wie knapp die Angelegenheit heute gewesen war. Beinahe hätte dieser Alte... Nein, daran wollte er lieber nicht denken! Es wäre eine Katastrophe! Für alle Beteiligten.


    "Deine Wünsche, ja, Prisca. Ach nichts? Das klingt eher so, als wäre da doch etwas. Schau, vielleicht sind Deine Wünsche erfüllbar? Nur, wenn wir sie nicht kennen, dann werden sie ganz sicher nicht erfüllen können." Prisca war eine schöne junge Frau. Intelligent und einfach liebenswert. Gut, auch ein klein wenig arrogant. Aber er fand nicht, daß das ein Makel war. Es paßte zu ihr und er wünschte, er könnte eine Frau finden, die so war wie sie.


    "Das ist wahr, das ist entscheidend. Doch was ist, wenn es mehrere Möglichkeiten gäbe und nur eine davon würde auch Deinen Wünschen entsprechen?" Warum nur wollte sie nicht mit der Sprache herausrücken? Wenn sie so gegen eine Heirat mit einem Plebeier war, dann hatte sie ihr Herz bestimmt nicht an einen Gladiator oder einen Wagenlenker gehängt, wie es leider manche junge Mädchen taten. Solch ein unmögliches Verhalten würde Prisca ganz sicher niemals in den Sinn kommen.


    "Lucius Flavius Serenus? Er ist wahrhaftig noch ein Kind. Prisca, er ist wirklich viel zu jung. So wichtig ist es Dir, einen adeligen Mann zu bekommen? Was ist mit der anderen Richtung? Wäre Dir auch ein etwas reiferer Mann recht, wenn er nur von Adel ist?" Zwar viel ihm auch da niemand so konkret ein, aber immerhin würde es den Kreis der Kandidaten ein klein wenig erweitern. Er würde dringend mal mit Marcus über Prisca sprechen müssen. Hoffentlich kam der bald wieder auf die Beine.

  • Meine Wünsche!?Prisca sah ihrem Cousin fragend in die Augen und sie überlegte fieberhaft, ob sie sich ihm wirklich anvertrauen sollte. Mit wem sonst könnte sie darüber reden Mit Marcus - mit Laevina - vielleicht mit Celerina? Wer von ihnen würde sie am besten verstehen. Ursus hätte vielleicht am meisten Einfluss bei Marcus und so wie er redete, schien es wirklich Hoffnung zu geben.


    Prisca wollte schon zum sprechen ansetzten, doch der Mut verließ sie wieder. Stattdessen hörte sie weiter zu und sie fand sich selbst in den Worten ihres Cousins immer mehr bestätigt. Dieser Flavius Serenus ist viel zu jung. Genau! Ursus hat recht. Was soll ich mit einem Kind zum Mann?, grübelte Prisca vor sich hin. Und ein reiferer Mann? Warum eigentlich nicht, wenn er nur von Adel ist. … Aber ist mir das wirklich so wichtig??


    "Wichtig?! … Was heißt schon wichtig?", sinnierte Prisca leise vor sich hin, den Blick dabei unsicher umher schweifend. " Mein ganzes Leben lang wurde mir vorgesagt wie wichtig es sei, dass unser adeliges Blut absolut rein bleibt. Eine Ehe mit einem Bürgerlichen? Eine Schande und völlig undenkbar! Und plötzlich sollen diese Werte nicht mehr wichtig sein, an die ich mein Leben lang festhalten sollte? Wie soll ich mich, deiner Meinung nach, da fühlen Ursus?" Eine kurze Pause folgte in der Prisca tief durchatmete : "Ich … ich meine, mir würde es auch nichts ausmachen, wenn er etwas älter und reifer wäre wie ich … ", öffnete sie ihrem Cousin schließlich ihre innersten Gedanken.


    "Natürlich nicht sooo alt wie dieser widerliche …"Lustgreis aus dem Lupanar. Mitten im Satz brach die Aurelia kurz ab und verdrängte schnell jeden weiteren Gedanken an diese Szene. Ein tiefer Seufzer folgte, ehe sie weiter sprechen konnte:"Ich wünschte mir nur er würde mich heiraten weil sein Herz ihm sagt, dass er mich liebt und er mich begehrt und ich ebenso für ihn empfinden kann … aber, dass sind wohl nur naive Wunschvorstellungen, nichts weiter ...""Zum Ende hin sprach Prisca immer schneller und leiser und sie senkte beschämt den Blick, da sie sich augenblicklich so dumm und naiv vor kam …

  • Dieser fragende Blick. Ursus versuchte, ihn mit einem aufmunterndem zu begegnen. Und einen Moment lang schien es so, als hätte sie den Mut gefaßt, sich ihm anzuvertrauen. Doch dann erlosch dieser Entschluß wieder in ihren Augen. Innerlich seufzte Ursus auf. Warum nur hatte sie so wenig Vertrauen? Hatte er je etwas getan, was dies begründen könnte? Vielleicht hatte er sich einfach zu wenig um sie gekümmert bisher?


    "Und Du willst immer an dem festhalten, was Du einmal gelernt hast? Die Welt ändert sich. Die Menschen ändern sich. Die Verhältnisse ändern sich. Überlege, was allein in den letzten hundertfünfzig Jahren an Veränderungen im römischen Imperium eingetreten sind. Wir müssen auch diese Veränderungen wahrnehmen und immer wieder neu lernen, Prisca. Ich sage ja nicht, daß es falsch ist, an den alten Traditionen festzuhalten. Auch ich wünsche mir für mich eine Ehe mit einer Patrizierin. Aber das heißt nicht, daß ich eine Plebeierin ablehnen würde, nur weil sie eine solche ist. Also, ich sage Dir etwas: Sobald es Marcus besser geht, spreche ich mit ihm darüber und sage ihm, daß Du besonderen Wert auf eine Ehe mit einem Patrizier legst. Vielleicht... läßt sich das arrangieren."


    Dann plötzlich schien eine Art Damm gebrochen zu sein. Was nun aus ihr heraussprudelte, zeigte Ursus noch mehr als alles andere, daß sie bei Prisca schon zu lange gewartet hatten mit der Ehe. Seine Miene wurde ein wenig weicher und er faßte ihre Hand, um sie leicht zu drücken. "Wünschen wir uns das nicht alle, tief in unserem Herzen? Aber weißt Du, solch tiefe Gefühle können nur mit der Zeit wachsen. Und das werden sie, wenn beide Eheleute bereit sind, sich aufeinander einzulassen. Wenn sie es fertig bringen, sich kennenlernen zu wollen. Wenn sie begreifen, daß die Ehe nicht einfach ein fertiges Ding ist, sondern ein zartes Gewächs, das sorgfältig gepflegt werden muß, immer und immer wieder. So hat meine Mutter es mich gelehrt. Ich kann Dir nur ihre Worte wiedergeben, denn eigene Erfahrungen kann ich auch nicht vorweisen. Ich bin sicher, das alles ist nicht leicht und ich bin auch sicher, es gelingt nicht immer. Aber es kann gelingen, wenn sich beide ein wenig Mühe geben."

  • Der Damm schien wirklich gebrochen zu sein und dementsprechend verräterisch glänzen Priscas Augen. Seine Worte und der leichte Händedruck ... mit einem dankbaren Lächeln erwiderte Prisca diese lieb gemeinte Geste und strich mit dem Daumen sanft über seinen Handrücken. Ursus sprach mit den Worten seiner Mutter und deshalb nahm Prisca sich diese auch wirklich zu Herzen. Was natürlich nicht heißen sollte, dass sie ihrem Cousin nicht auch solche Worte zugetraut hätte. "Danke … ", brachte sie erst einmal nur mit belegter Stimme hervor.


    Die Ehe ist kein fertiges Ding … sondern ein zartes Gewächs … es muss wachsen und sorgfältig gepflegt werden. Dann kann es gelingern An den Gedanken musste sich Prisca erst einmal gewöhnen, dass ihre Wünsche eben nicht sofort alle in Erfüllungen gehen würden, sondern erst nach und nach. Und was wäre, wenn dieses zarte Gewächs zu schwache Wurzeln hätte? Daran wollte Prisca lieber nicht denken. Aber es war sicher falsch die Dinge immer nur negativ zu sehen, ebenso, wie es falsch war an veralteten Traditionen fest zu halten.


    "Denken eigentlich alle Männer so wie du, Ursus?, fragte Pirsca nach einer Weile des Schweigens nach. Ihr Blick und das eher schüchtern wirkende Lächeln würde ihm vielleicht zeigen, dass es als Kompliment an ihn gedacht war. Ach, wenn mein Ehemann doch so sein könnte wie Ursus, … dann wäre ich glücklich und zufrieden So gab sich Prisca sonst nur selten, denn sie hatte durchaus gelernt Gefühle hinter einer Maske zu verbergen wenngleich diese - im Laufe der Zeit - arge Risse bekommen hatte.


    Erst jetzt wurde ihr so recht bewusst, dass sie die Hand ihres Cousins fortwährend streichelte und so zog sie ihre Hände schnell, aber nicht überstürzt zurück, um sie vor dem Schoß zusammen zu falten. Über dieses Thema waren sie ganz von dem eigentlichen Grund des Treffens abgekommen und so wusste Prisca nicht so recht, was sie nun weiter sagen sollte. Noch dazu, da Laevina immer noch nicht hier war und Ursus ja ursprünglich mit ihnen beiden reden wollte. "Ehm was ich noch sagen wollte, also … die Idee mit dem Lupanar, ….sie stammt von mir. Laevina trifft keine Schuld …", sprach Prisca dann zögerlich das aus, was ihr noch am Herzen lag. Schließlich waren sie ja beim Betrachten der erotischen Bilder, die Prisca besorgt hatte, überhaupt erst auf diese absurde Idee gekommen ...

  • Ursus schien den richtigen Ton und die richtigen Worte getroffen zu haben. Ihr sanftes Streicheln war angenehm und es zeigte deutlicher, als tausend Worte, daß Prisca sich seine Worte zu Herzen nahm. Er hoffte nur, daß er selbst sie auch beachten konnte, daß er selbst fähig war, eine gute Ehe zu führen. Denn dies alles war nur graue Theorie, Erlerntes von einer Mutter, die schon viel zu lange tot war. Vielleicht auch leicht verklärt, vielleicht ein wenig naiv.


    "Das weiß ich nicht. Ich habe nie zuvor mit jemandem darüber gesprochen. Zumindest nicht so eingehend. Wenn Männer unter sich sind und über Frauen oder Ehe sprechen, ist da viel Prahlerei dabei. Da kann man sich nicht darauf verlassen, daß es bei ihnen Zuhause wirklich so aussieht, wie sie es gerade behaupten. Doch ich glaube, daß auch andere Männer sich ein schönes Zuhause mit einer Frau wünschen, mit der sie Liebe und Vertrauen verbindet. Was für ein Leben wäre es, wenn man nach dem Sumpf der Politik auch noch Zuhause Kälte und Verachtung finden würde?" Hoffentlich würde seine zukünftige Frau ein wenig guten Willen mitbringen, damit seine Ehe eine gute wurde.


    Sie ließ seine Hand los. Und kam auf das ursprüngliche Thema zurück. Endlich sah er so etwas wie Reue, wie Schuldbewußtsein. Sie schien es nun doch begriffen zu haben und das war wohl das Wichtigste. "Es ehrt Dich, daß Du die Schuld auf Dich nehmen willst, Prisca. Aber sie trifft dennoch ebenso Schuld, denn anstatt Dich von der Idee abzubringen, hat sie mitgemacht. Prisca... Ich denke, Du hast verstanden, was so falsch war, nicht wahr? Vielleicht haben wir ja Glück. Und es hat niemand etwas mitbekommen. Und ich hoffe... ihr habt nichts gesehen, was euch... erschreckt hat." Er musterte sie prüfend. Immerhin wurden in solchen Häusern auch sehr exotische Praktiken angeboten.

  • Prisca nahm die Worte ihres Cousins wirklich zu Herzen wohlwissend, dass diese keine Garantie für eine glückliche Zukunft wären. Wer könnte dies schon mit Sicherheit voraussagen? Niemand - Leider. Dem wurde sich Prisca immer mehr bewusst, je länger sie darüber nachgrübelte wie ihr Künftiger wohl auszusehen hätte. Vielleicht haben Marcus und Ursus recht. Ich sollte wirklich aufhören mir ständig einen Adeligen einreden zu wollen. Wenn der Stand und die Herkunft ohnehin keine Rolle mehr spielen ..., machte sich Prisca nun so ihre eigenen revolutionären Gedanken. Sollten die Beiden ruhig weiter nach einem geeigneten Adeligen suchen … Ich werde mein Augenmerk mal auf die (bislang so verschmähten) Plebejer richten.


    Gleich bei nächster Gelegenheit. Den ludi romani - genau! Das zumindest nahm sich Prisca still und heimlich vor.


    Was sollte daran schon falsch sein? Falsch? Gerade als Ursus auf das Abenteuer ansprach, zuckten Priscas Mundwinkel flüchtig nach unten und nur mit Mühe konnte sie einen weiteren Anflug von Trotz unterdrücken. Was ist falsch daran? Unvorsichtig - unüberlegt- leichtsinnig - naiv. Das alles hätte Prisca akzeptiert. Aber Falsch?? Was ist falsch daran herausfinden zu wollen, was die Männer so fasziniert und dazu bewegt, ihre Zeit mehr mit Sklavinnen und Lupae zu verbingen denn mit ihren eigenen Ehefrauen ...


    "Naja …" Auf Ursus letzte Frage hin musste Prisca ungewollt schmunzeln. Schnell und beschämt blickte sie zur Seite und nur so wich sie dem musterndenn Blick des Cousins schnell aus. Die eine oder andere spontane Bemerkung konnte sie sich gerade noch zu verkneifen. Bis auf den alten Lustgreis war das Erlebte nämlich alles andere als erschreckend gewesen. "Es … es war ganz interessant einmal zu sehen, was … ehm, was ihr Männer anscheinend so mögt …, haspelte Prisca schnell hervor in der Hoffnung, dass Ursus ihre Antwort nicht mit weiteren Erklärungsversuchen zu vertiefen versuchte. Sie hatte schließlich genug gesehen und vieles davon war alles andere als abschreckend gewesen. Wenn überhaupt, war es lediglich diese plötzliche Ohnmacht gewesen, sich diesem Lustgreis hingeben zu müssen, der Prisca abgeschreckt hatte. Aber zum Glück war Ursus zur Stelle gewesen und seine Tat würde sie ihm - ohne zu zögern - auf ewig vergelten ...

  • Ursus hatte ja keine Ahnung, was er angerichtet hatte. Er ging selbstverständlich davon aus, daß längst nicht jeder Plebeier in Frage kam, sondern nur die aus den vornehmsten Familien, wie er es ja auch am Anfang erwähnt hatte. So glaubte er sich ganz sicher und dachte, sie hätte alles richtig verstanden und für sich angenommen. Das Gespräch war ein voller Erfolg und stärkte sein Selbstbewußtsein nicht unerheblich. So schwer das Gespräch gewesen war, so gut war es seiner Meinung nach abgelaufen.


    Nur schien sie immer noch ein paar Illusionen darüber zu hegen, was Männer so mochten. "Nun, in diesen Lupanaren wird für jeden Geschmack etwas angeboten. Es ist keineswegs so, daß jeder Mann jedes ... also, Angebot mögen würde." Er hoffte, daß sie verstand, was er meinte. Wenn sie nichts erschreckendes gesehen hatte, dann war sie offenbar nicht in die tieferen Gefilde des Lupanars gelangt. Zum Glück. Sonst würde ihr zukünftiger Ehemann einige unangenehme Überraschungen erleben. Ein Gedanke, der ihn fast schmunzeln ließ.


    "Ich hoffe, Du wirst in Deiner Ehe die Erfahrung machen, daß all diese Dinge auch der Frau großen Spaß machen können." Wenn der Ehemann kein völliger Vollidiot war. "Und... was hältst Du jetzt von einem Becher Wein? Ich glaube, den können wir beide vertragen, hm?"

  • Hätte Ursus geahnt was in Prisca vor ging, wäre er vielleicht im ersten Moment schockiert gewesen. Andererseits hätte er keinen Grund dazu gehabt, an dem Erfolg des Gespräches zu zweifeln. Prisca würde selbstverständlich nicht jeden x-beliebigen Plebejer auserwählen, denn zweifellos legte sie viel Wert auf Erfolg, Reichtum und Ansehen. Das galt für einen Adeligen und mehr noch für einen Bürgerlichen. Im übrigen fand Prisca ihre hohen Anforderungen weder schändlich noch unverschämt, schließlich ging es nicht nur allein um ihre Zukunft, sondern - wie so oft - auch um das Ansehen der Familie … Darauf achtete Prisca schon! Naja zumindest immer dann, wenn sie nicht gerade eine Dummheit beging - so wie heute ...


    Ob nun Illusion oder nicht. Was Prisca da in dem Freudenhaus gesehen hatte, beschäftigte sie insgeheim schon. Und Ursus anscheinend auch, oder warum versuchte er ihr zu erklären, dass nicht alle Angebote jedermanns Geschmack träfen. "Aha", hauchte die Aurelia fast andächtig und auch sie musste ein Schmunzeln unterdrücken. Was wohl Ursus für einen Geschmack hat? Was gäbe es es wohl noch für Praktiken, die sie nicht schon längst auf den Zeichnungen angesehen hatte? Hatten sie am Ende gar die ausgefallensten Angebote noch gar nicht gesehen? Waren solche Gedanken eigentlich unanständig? Fragen über Fragen, die Prisca durch den Kopf schossen während sie das Erlebte noch einmal vor ihrem geistigen Auge Revue passieren ließ.


    Spaß? Den werde ich sicher haben. Davon gehe ich zumindest aus, dachte sich Prisca zu den Wünschen ihres Cousins, bezüglich ihrer Ehe. Sofern ihr künftiger Mann die nötige Erfahrung besäße und es richtig anstellen würde. Kein unerfahrener Bengel und auch kein alternder Lustgreis wie .... Ein Glas Wein?...Oh ja! Genau das Richtige um das Bild von dem Möchtegern-Imperator nun endgültig aus dem Gedächtnis zu streichen.


    "Oh ja sehr gerne. Ein Becher Wein kann sicher nicht schaden", stimmte Prisca mit einem Seufzer der Erleichterung zu und ein dankbares Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie den Becher aus seinen Händen entgegen nahm. " Und ich hoffe, dass wir deinen Abend nicht allzu sehr verdorben haben, mit unserer … unserer Dummheit?!", gestand Prisca ein weiteres Mal ihr Fehlverhalten ein, wobei sie insgeheim eigentlich vor Neugier platzte, was ihre Cousin in eben jenem Etablissement gesucht hatte. Direkt danach fragen konnte sie ihn natürlich nicht ... und zudem ging Prisca auch nicht davon aus, dass Ursus ihre Neugier von sich aus mit Details würde stillen wollen ...

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