triclinium maior | Frühstück mit Familienzuwachs

  • Viel war während der vergangenen Tage passiert. Celerina und ich waren aus dem Urlaub gekommen, die Zwillinge waren angekommen, Orest und ich hatten die Wahl gewonnen, Siv würde bald ihr Kind bekommen und gestern hatte Ursus seine Tiberia geheiratet. An den Ausklang des gestrigen Abends erinnerte ich mich nicht mehr. Irgendwer musste mich in mein Bett geschafft haben, und heute früh hatte ich mir nach dem Wecken gewünscht, weniger getrunken zu haben. Ich wusste nicht einmal mehr, mit wem ich Becher um Becher vernichtet hatte - war das tatsächlich Durus gewesen oder doch Orestes? Einige Soldaten von der Ersten waren auch anwesend gewesen. Mit dröhnendem Schädel hatte ich mich nach dem Aufstehen schließlich einigermaßen herrichten lassen. Der Tag nach der Hochzeit war noch einmal eine Pflichtveranstaltung für uns alle, aber wenigstens blieb uns noch etwas Zeit, bis wieder eine Fuhre Gäste und Glückwunschüberbringer ins Haus flatterten. Auf das Frühstück hatte ich mich gestern noch gefreut, aber das war vor dem Wein gewesen...


    Während ich mich rasieren ließ, hatte man mir eingeweichte Pfefferminzblätter auf Stirn und Schläfen gelegt. Das half ein wenig, aber die Kopfschmerzen verschwanden davon leider nicht gänzlich. Ein Sklave versprach, mir bald einen heißen Aufguss aus Weidenrinde zu bringen und verschwand, und kurz darauf verließ ich, einigermaßen frisch, mein Schlafgemach und steuerte das große triclinium an. Ganz offensichtlich war ich, abgesehen von ein paar Sklaven, der erste, was mich ein wenig ärgerte. So hätte ich noch ein wenig mehr Schlaf abbekommen können, und wenn es nur Minuten gewesen wären. Ich ließ mich seufzend auf eine der Liegen fallen, lehnte den Kopf zurück und schloss noch einmal die Augen. Um ein Haar wäre ich wieder eingeschlafen.

  • Zusammen mit Ursus verließ Septima das Ehegemach und begab sich in Richtung des Atrium. Ihre Serva Frija hatte ihr beim ankleiden geholfen, so wie Cimon, der Nubier, Ursus beim ankleiden geholfen hatte. In eine helle Tunika gekleidet, mit einer, zur Feier des Tages, purpurfarbenen Stola darüber, gab Septima selbst nach der zweiten Nacht in Folge mit wenig Schlaf, eine gute Figur ab. Ihr Gürtel bestand aus größeren Goldringen, die ineinander verankert waren, ähnlich wie bei einem Kettenhemd. Dazu trug sie ebenfalls goldene Armreifen und ihre Haare waren nicht ganz so kunstvoll wie am Tage der Hochzeit aufgetürmt. Ein paar einzelne Strähnen hingen ihr in den Nacken und kleine Nadeln mit goldenen Köpfen waren zum hochstecken verwendet worden, so dass sie auch gleichzeitig als Schmuck dienten und hier und da in ihrem dunkelbraunen Haar sichtbar waren.


    Frija ging hinter ihrer Herrin her und hielt dabei ein hölzernes Kästchen in den Händen, in welchem Septima ihren Weihrauch aufbewahrte. Zu der traditionellen Münzniederlegung vom Vortag, wollte sie vor dem Frühstück noch kurz zu den Laren der Aurelier beten, damit sie ihr und ihrer Ehe mit Aurelius Ursus von Anfang an positiv gewogen waren. Es gab nichts schlimmeres, als die Laren einer anderen Gens zu verärgern. „Titus? Möchtest du vielleicht schon mal alleine vorgehen? Ich würde gerne noch vor dem Frühstück zu den Laren beten.“

  • Was für eine Nacht! Ursus war so müde, als hätte er einen gesamten Tag mit Cimon trainiert. Was er natürlich nicht hatte. Überhaupt war es schwer gewesen, dem Nubier heute das morgendliche Training auszureden. Im Moment fühlte sich Ursus noch gar nicht richtig wach, schon lange nicht wach genug, um bereits zu denken. Als Cimon ihn heute Morgen rasiert hatte, wäre er fast wieder eingeschlafen. Doch trotz der Müdigkeit fühlte Ursus sich glücklich. Unsagbar glücklich. Was für eine Frau hatten die Götter ihm geschenkt!


    Im Gegensatz zu ihm war Septima bereits ausgesprochen wach und frisch. Sie war bereits ganz auf ihre heutigen Pflichten konzentriert und erinnerte ihn nun an eine von ihnen. Ursus nickte und wollte schon weitergehen, als er im Schritt inne hielt. Er schüttelte den Kopf, um ihn frei zu bekommen von den Nebeln des Schlafes, die immer noch nach ihm griffen. "Vielleicht sollten wir das gemeinsam tun? Und auch den Ahnen Ehre erweisen?" So traten sie gemeinsam an den Hausaltar, um zu beten.


    Später erzählte er ihr, welche der Figuren auf dem Hausaltar wen darstellten. Wer seine Eltern gewesen waren. Und seine Schwester, die ja noch gar nicht so lange tot war. Er ging sehr ehrerbietig mit den Figuren um, zeigte offen seine Liebe zu seiner Familie und ließ auch keine Zweifel daran entstehen, daß er Septima nun als Teil dieser Familie betrachtete. Daß sie sich noch kaum kannten, war dabei gar nicht von Belang.


    Es verging einiges an Zeit, bis sie sich doch noch zum triclinium maior begaben. Eigentlich rechnete Ursus gar nicht damit, daß schon jemand zugegen war. Die Sklaven hatten Septima und ihn seiner Meinung nach allzu früh geweckt. Was aber auch nicht verkehrt war, gab es ihnen doch die Gelegenheit, in Ruhe zu frühstücken. Und hungrig war Ursus durchaus. "Guten Morgen, Marcus", grüßte er den Onkel, der auch nicht gerade taufrisch wirkte.

  • „Domnia!“ drang es gedämpft durch die Decken und Kissen. „Nun steh endlich auf! Es warten schon alle wegen dem Frühstück“, ermahnende Worte die sie nicht hören wollte. Stattdessen zog sie sich ihre Decke nur fester um den Körper. Sie brummte eine Entgegnung die mehr ein Protest war. Sie hasste es, wenn sie schon früh geweckt wurde und heute fiel ihr das Aufstehen schwerer als sonst. Bis spät in die Nacht hatte sie mit gefeiert und mehr Wein getrunken, als sie vertrug. Das Ergebnis war das sie völlig müde war und Kopfschmerzen hatte. „Domina!“ erklang es erneut, diesmal energischer.
    „Geh weg!“ jammerte sie. Es wurde Still um sie herum. Anscheinend hatte sie gewonnen. Leicht streckte sie sich, kuschelte sich tiefer in ihr Kissen und wähnte sich schon im Land der Träume, als ihr mit einem Male die Decke mit einem Ruck weg gezogen wurde. Sie kreischte auf, denn eisige Morgenluft schlug ihr entgegen. Lysandra hatte das Fenster weit geöffnet und ließ Luft und Licht hinein. Sie kniff die Augen zusammen, denn das grelle Licht stach ihr in die Augen und verstärkte noch das dumpfe Pochen hinter ihren Schläfen. Gequält drückte sie ihre Handflächen auf die Augen und rollte sich auf dem Bett zusammen. Sie fror und sie wollte doch nur im Bett bleiben.
    „Du hast eine Verpflichtung!“ erklang es gnadenlos. „Die gesamte Familie will heute gemeinsam Frühstücken und du bist auch ein Teil davon! Narcissa hat sich nicht so gesträubt!“
    Mühsam blinzelte sie gegen die Helligkeit. „Ich will nicht!“ erwiderte sie schmollend und versuchte wärme in ihrem Nachthemd zu finden. Vergeblich! Wie eine Matrone und mit strenger Miene stand die Sklavin an ihrem Bett. „Wenn du nicht aufstehst, dann leere ich die Waschschüssel über dich!“ erklang es drohend. „Geh weg!“ sagte sie noch einmal, wusste aber, dass die Sklavin ihre Drohung ernst meinte und zu allen Mitteln greifen würde um sie aus dem Bett zu bekommen. Ähnliche Kämpfe hatte sie auch schon mit ihrer Mutter gehabt. Kurz überlegte sie, ob sie es darauf ankommen lassen sollte, dann entschloss sie sich doch, folge zu leisten. Mit einer Grimasse und einem wütenden Blick in Richtung der Sklavin rollte sie sich aus dem Bett. Leicht schwindelte ihr und ein Blick in den Spiegel verriet ihr, dass sie furchtbar aussah, genauso wie sie sich fühlte.
    „Ich hasse dich“, grollte sie, doch Lysandra nahm es mit einem Schulterzucken. Lange würde dieser Groll nicht anhalten. Flora war nicht wirklich nachtragend, nur eben ein Morgenmuffel und an diesem tage auch noch verkatert. Kein Wunder bei dem rauschenden Fest das gefeiert worden war. Doch trotz allem waren die Zwillinge eine Musterbeispiel guten Benehmens gewesen. „Ich will ein Bad!“ sagte sie.
    „Das würde jetzt zu lange dauern. Aber ich verspreche dir nach dem Frühstück bekommst du eines!“ sagte sie und dirigierte die Aurelia erst zur Waschschüssel und dann zum Frisiertisch. Innerhalb kürzester zeit hatte sie aus dem zerknautschten schlecht gelaunten Zwilling eine vorzeigbare hübsche junge Dame gemacht. Zwar war sie noch blasser wie sonst, aber das würde keinem auffallen. Die resolute Sklavin hatte Flora in eine schlichte weiße Tunika gesteckt und die wilde Lockenpracht nur gründlich durchgebürstet. Kurz kniff ihr Lysandra in die Wangen."Aua!" „Damit du etwas Farbe bekommst!“ war die kurze Erklärung. Kritisch musterte die Sklavin sie noch einmal und nickte dann zufrieden. „Husch, husch, im großen Triclinium warten schon alle!“ Etwas unsanft wurde sie aus ihrem Zimmer geworfen. Für einen Protest war es zu spät. Seufzend ergab sie sich ihrem Schicksal.


    Zu ihrem Verdruss musste sie dann fest stellen, dass sie mit eine der Ersten war. Nur Marcus war bereits auf und das frisch gebackene Ehepaar. Lysandra hatte sie sogar noch vor Narcissa aus dem Bett geschmissen. Dieses Biest! Dennoch verdrängte sie all die düsteren Gedanken und täuschte über Kopfweh und Unwohlsein hinweg, indem sie strahlend in die Runde lächelte. „Guten Morgen!“ grüßte sie und ließ sich dann auf eine der Klinen sinken. Mit Septima hatte sie sich noch nicht wirklich unterhalten können.

  • Ein Lächeln erschien auf dem Gesicht der frisch vermählten Frau von Ursus, denn es gefiel ihr, dass ihr Mann gemeinsam mit ihr beten wollte. „Ja gerne.“ erwiderte sie mit sanfter Stimme. Septima kniete nieder am Hausaltar der Aurelier, opferte Weihrauch, Mulsum und Opferkekse, verbunden mit einem Gebet an die Laren und Ahnen der Aurelier, sowie der Tiberier. Als sie beide zu ende gebetet hatten, erklärte ihr Ursus noch die einzelnen Figuren im Lararium und Septima sah sichtlich betroffen aus, als sie erfuhr, dass Ursus' jüngere Schwester bereits verstorben war. „Das tut mir sehr leid für dich.“ Sie legte eine Hand auf die von Ursus, die die kleine Bronzefigur seiner Schwester hielt und schaute ihm kurz in die braunen Augen. Sie waren nun eine Gemeinschaft, die zusammen halten mußte, und dies wollte sie mit der kleinen Geste zum Ausdruck bringen.


    Als sie dann endlich gemeinsam das Triclinium betraten, hatte Septima schon die Befürchtung, sie seien viel zu spät dran, aber offensichtlich war die Feier im Hause der Aurelier noch recht ausgelassen gewesen, da bis auf den Hausherren noch niemand anwesend war. Corvinus hatte es sich der Länge nach auf einer der Klinen bequem gemacht, ganz so wie Septima es auch gerne tat, wenn genügend Platz vorhanden war, und hatte die Augen geschlossen. Sie grüßte ebenfalls mit einem fröhlichen „Guten Morgen, Corvinus.“ und wartete die Reaktion des Familienoberhauptes ab. Sie wartete, wo Ursus sich setzen würde, damit sie neben ihm Platz nehmen konnte.


    Direkt nach ihnen betrat eine der Zwillinge das Triclinium. Septima war am Tag der Hochzeit sichtlich überrascht gewesen, denn sie hatte zwischenzeitlich nicht bemerkt, dass es zwei Personen von der gleichen Sorte gab. Ursus hatte sie im Laufe des Tages darüber aufgeklärt und seid dem hatten sie kaum Gelegenheit gehabt, mit den Zwillingen zu sprechen, egal ob einzeln oder zu zweit. „Auch dir einen wunderschönen guten Morgen, Aurelia.“ Geschickt hatte Septima die Anrede gewählt, mit der sie überhaupt nichts falsch machen konnte und erwiderte das Lächeln von Flora/Narcissa herzlich. „Ging die Feier gestern noch lange?“ erkundigte sie sich sowohl bei Corvinus als auch bei Narcissa/Flora. Ursus und sie hatten überhaupt nichts mehr von den Feierlichkeiten im Hause Aurelier mitbekommen. Sie waren viel zu beschäftigt gewesen.

  • Ich war doch tatsächlich eingenickt. Anders erklärte sich nicht, wie plötzlich die zwei Frischvermählten aufgetaucht waren, und obendrein noch Narcissa. oder war es Flora? Ich ächzte, als ich mich ein wenig hochstemmte, fuhr mir dann mit einer Hand übers Gesicht und wünschte mir, wieder im Bett zu sein. "Guten Morgen, ihr zwei. Drei", erwiderte ich und bekam sogar ein Schmunzeln hin, dass ein wenig anzüglich wurde, als ich Ursus betrachtete. Sicherlich hatte er einen netten Abend verlebt. Im Grunde hatte ich das auch, allerdings nicht mit Celerina, sondern mit der ein oder anderen Amphore Wein, und das rächte sich nun. Ich fühlte mich wie eine große Glocke, in deren Inneren jeder zu laute Ton von außen den Klöppel schwang.


    Jemand reichte mir einen Tonbecher mit einer ungustiös riechenden Flüssigkeit darin an. Ich verzog das Gesicht, trank aber davon, auch wenn es mich schüttelte. Immerhin erhoffte ich mir etwas Linderung der Kopfschmerzen damit. Die anderen bekamen sehr stark verdünnten, heißen Wein angereicht, denn man sagte, dass dies das beste Mittel zum Wachwerden sei - auch wenn ich das manchmal bezweifelte. "Gestern ist gut", erwiderte ich zwischen den Schlucken und sah zu Septima hin. Irgendwie war sie die einzige bisher, die nicht nur frisch, sondern auch munter aussah. Und hinreißend obendrein. "Ich glaube, ich bin erst mit der Dämmerung ins Bett gekommen." So genau wusste ich das nämlich nicht mehr, weil ich irgendwann einfach in meine Gemächer getragen worden war. Kurz erwägte ich zu fragen, ob sie denn gut geschlafen hatte, verwarf das aber schnell wieder. Ich wollte sie nicht am ersten Tag inmitten der Familie in Verlegenheit bringen. Also wich ich auf ein unverfänglicheres Thema aus. "Heute habt ihr noch mal einen anstrengenden Tag vor euch. Ich weiß noch, wie das bei mir und Celerina war", sagte ich. "Da waren wir froh, dass wir abends umfallen konnten." Und überhaupt, wo steckte meine Frau eigentlich? Ich warf einen kurzen Blick zur Tür und konnte mich eines leisen Seufzen nicht erwehren. Septima und Ursus traten als Einheit auf. Bei Celerina und mir war das, soweit ich mich erinnern konnte, noch nie so gewesen. Nun ja, zumindest hatte es sich niemals so angefühlt.

  • Marcus sah so aus, wie sie sich fühlte. Nicht zum ersten Mal war sie dankbar dafür, dass Lysandra ihr Handwerk so gut verstand und dafür gesorgt hatte, dass sie frischer aussah, wie sie sich fühlte. Seltsamerweise hatte sie nie ihre Mutter täuschen können… Diese musste so etwas wie einen sechsten Sinn dafür haben, was in ihren Töchtern vorging. Auch ihr wurde ein Becher mit dem merkwürdigen Gebräu gereicht. Mit Müh und Not würgte sie einen Schluck herunter und schob dann den Becher weit von sich.
    Zur Ablenkung lächelte sie Septima zu und erlöste dann alle Anwesenden von der bohrenden Frage, welcher der Zwillinge sie nun war.
    „Wir haben uns noch gar nicht richtig kennen lernen könne, Septima. Ich bin Flora und wo meine Schwester steckt, weiß ich leider nicht… Vermutlich noch im Bett“, sie machte eine kleine Grimasse, weil ihre Sklavin sie so unsanft und viel zu früh aus dem Bett geholt hatte. Sie hätte ruhig noch liegen bleiben können.

  • Je älter man wird, desto schlechter verträgt man den Alkohol. Jedenfalls musste ich das feststellen. Dabei hatte ich gar nicht viel getrunken und trotzdem fühlte ich mich am "Morgen danach" wie gerädert. Das Tageslicht schmerzte meine Augen. Charis hatte es mit kalten Umschlägen versucht, aber geholfen hatte es kaum. Wahrscheinlich sah ich schrecklich aus. Eigentlich ein Grund, um im Bett zu bleiben. Aber das ging nicht. Nicht am Tag nach Ursus´ Hochzeit.
    Wie mir schien, lebte in diesem Haus eine Horde von Frühaufstehern. Eine widerliche Vorstellung! Aus dem Triclinium hörte ich einige Wortfetzen Man unterhielt sich schon emsig und das mitten in der Nacht. Selbst Marcus war schon aufgestanden, denn ich hörte seine Stimme heraus, wie er meinen Namen nannte.
    "Guten Morgen! Was war bei uns genauso?", fragte ich in die Runde. Himmel, die arme Tiberia hatte doch nicht etwa das gleiche Fiasko erlebt, wie ich? Erschrocken sah ich zu Ursus, dann zu Septima und schließlich zu Marcus. Er hatte doch nicht irgendwelche Einzelheiten preisgegeben, falls doch, war er wohl nicht ganz ehrlich gewesen, denn ich konnte mich an keine Zeit zurückerinnern, an der wir froh waren, abends umfallen zu können. Vielmehr verband ich diese Zeit während und nach der Hochzeitsnacht, als einer der krampfhaftesten, die ich je erbet hatte.

  • Kaum hatte Ursus sich gesetzt und Septima sich neben ihm, erschien eine von den Zwillingen im Triclinium, alles andere als ausgeschlafen wirkend. "Guten Morgen", grüßte er sie und wollte sie Septima gerade als Narcissa vorstellen, als sie selbst sich als Flora vorstellte. Ursus musterte sie mißtrauisch. Er hätte schwören können, daß es Narcissa war. Aber vermutlich war er heute einfach zu unausgeschlafen. Ein Gähnen unterdrückend ließ er sich einen Becher reichen. Verdünnter Wein zum Frühstück? Nungut, weil heute so ein besonderer Tag war.


    "Ihr scheint ja noch mächtig gefeiert zu haben", mutmaßte Ursus beim Anblick seiner gequält wirkenden Verwandten und grinste dabei breit. Ja, bei der Hochzeit von Marcus und Celerina hatten sie auch noch viel Spaß gehabt. Kaum hatte er ihren Namen gedacht, erschien auch seine Schwägerin im Triclinium. "Guten Morgen, Celerina. Dein Mann hat uns gerade darauf vorbereitet, daß der heutige Tag sehr kraftraubend wird." Bei diesem Wort mußte er unwillkürlich Septima angrinsen.


    Zu ihrer Frage nach den Geschehnissen der letzten Nacht nickte er und fügte noch ein paar hinzu. "Also, was gab es denn an peinlichen Zwischenfällen und kleinen Katastrophen? Welche Statuen und Vasen sind zu Bruch gegangen? Und wer hat alles im Impluvium gelegen?" Es war schon eigenartig, so wenig von der eigenen Hochzeit zu wissen. Die Feier schien sehr ausgelassen gewesen zu sein.

  • Als Celerina, die genau genommen Ursus' Tante war und nicht seine Schwägerin - immerhin war Ursus mein Neffe und nicht mein Bruder ;) - eintrat, warf ich ihr einen kurzen Blick zu. Sie sah auch nicht besser aus als ich oder einer der anderen, mit Ausnahme von Septima vielleicht. Ich winkte müde ab. "Der ganzen Stress um die Hochzeit", erklärte ich ihr und hielt ihr dann meinen halb geleerten Becher mit dem heißen Weidenrindensud hin. Man konnte riechen, was drin war, und vielleicht konnte sie ein Mittelchen gegen einen dröhnenden Schädel genauso gut gebrauchen wie ich selbst.


    Ich wartete, bis Celerina sich gesetzt hatte. "Brix hat erzählt, dass es irgendwer nicht rechtzeitig zur Latrine geschafft hat. Ich fürchte, der Kübel mit dem Oleanderbusch hat darunter gelitten. Ansonsten kann ich leider nicht viel berichten. So genau habe ich nicht wahrgenommen, ob und was noch passiert ist." "Ein paar Soldaten haben versucht, mit dem Wandteppich aus dem tablinum ein Floß zu bauen um im impluvium zu angeln!" wusste Sofia da allerdings kichernd zu berichten. Ich sah sie an, dann Ursus und seufzte. "In Ordnung, am besten wendest du dich direkt an Sofia, wie mir scheint", bemerkte ich recht locker mit einer auffordernden Handbewegung. Ich fragte mich nur, ob das der Teppich war, den Prisca mir mitgebracht hatte. Sofia stellte den Brotkorb ab, den sie getragen hatte, und einen Krug Milch. Dann wandte sie sich wieder zum Gehen.

  • Die Familienmitglieder der Aurelier schienen alle nicht ganz taufrisch zu sein, denn nach Flora betrat auch sogleich Celerina das Triclinium. Corvinus sprach etwas langsamer und leiser, so als müsse er seinen Kopf schonen, was Septima ein spitzbübisches grinsen entlockte. Wie es schien, hatte der Onkel von Ursus auf ihrer Hochzeit viel ausgelassener gefeiert, als er es auf derer vom Consul getan hatte. Nun, hier war der Weg bis zu seinem Ehebett auch nicht so weit gewesen, als vom Mons Esquilinus herab und den Quirinal wieder hinauf.


    Schon jetzt, nach der ersten Nacht in ihrem neuen zu Hause, vermisste Septima die verwinkelte Villa der Tiberia. Doch gewiss würde es ihr Ursus nicht verwehren, ihren Cousin in der Familienvilla zu besuchen, zu mal Durus zur Zeit in Baeie weilte und Celsus... ach nein, Ahala, nun mit Arvinia alleine in der Villa war. Außerdem mußte noch der Umzug veranlasst werden, was Septima in ein paar Tagen zu tun gedachte. Es gab ein paar Dinge, die sie gerne aus ihrem Cubiculum nach hier schaffen würde.


    Der heutige Tag würde wohl kaum kraftraubender werden, als die vergangene Nacht, ging es Septima durch den Sinn, als sie Ursus Worte hörte und sie griff schnell nach dem ihr gereichten Becher, um das breite Lächeln hinter diesem zu verstecken, während sie einen Schluck von dem warmen Getränk zu sich nahm. Nun endlich wußte sie, was es hieß, Spaß im Bett zu haben, und ein klein wenig verstand Septima auch endlich die Männer, die sich diesem Spaß auch gerne mal im Lupanar hingaben.


    „Guten Morgen, Celerina.“ begrüßte sie die Hausherrin ebenso freundlich wie alle anderen. An sich waren die Rituale vom Vortag, wo ihr unter anderem symbolisch das Herdfeuer in Form von heißen Kohlen in einer verschlossenen Pfanne gereicht worden waren, ein nichts sagendes Ritual, denn in diesem Haushalt war definitiv Celerina die Hausherrin und nicht Septima. Doch das störte die junge Tiberia eher weniger. Brauchte sie sich so doch um wesentlich weniger zu kümmern.


    Als Flora sich zu erkennen gab, nickte ihr Septima dankend zu. Nun wäre das auch geklärt. Als die Sklavin, die von Corvinus als Sofia bezeichnet wurde, eine Geschichte vom Vorabend zum besten gab, prustete Septima leider los, denn sie hatte gerade einen weiteren Schluck vom Wein genommen. Hecktisch drückte sie Ursus ihren Becher in die Hand und hielt auffordernd ihre zweite Hand empor, so dass ihr ein Sklave ein Tuch reichen konnte. Zum Glück würden keine sichtbaren Flecken auf ihrem purpurnen Kleid bleiben, so dass Septima sich nur ein wenig trocken tupfte und anschließend entschuldigend in die Runde schaute. „Bitte entschuldigt. Die Vorstellung von ein paar Soldaten auf einem Teppich im impluvium hat meine Fantasie über die Maße angeregt.“


    „Danke, Titus.“ Septima nahm wieder den Becher von Ursus entgegen und schaute auffordernd die Sklavin an. „Gibt es sonst noch etwas zu berichten? Wie viele Gäste mußten nach Hause getragen werden?“ fragte sie völlig unschuldig nach, ohne zu ahnen, dass auch der Hausherr einer der Glückseligen gewesen war, der nicht alleine den Weg zu seinem Bett finden mußte.

  • "Achso," kommentierte ich Titus´ und Marcus´ Antwort. Ich dachte schon! "Ja, das kann heute ganz schön stressig werden. Aber mit etwas Glück erlebt ihr das nur einmal." Es sei denn, sie ließen sich irgendwann scheiden und hatten danach die Schnapsidee noch einmal zu heiraten. Das mochte vielleicht etwas sarkastisch klingen, doch es war so. Ich selbst hatte mich zwar unbändig auf die zweite Auflage der Ehe gefreut, hatte aber sehr schnell danach wieder Bodenhaftung bekommen.


    Ich nahm neben Marcus Platz und seufzte, denn ich fühlte mich sooo elend. Ans Frühstücken war gar nicht zu denken. Wobei, ich hatte einmal gehört, wenn man einen Kater hatte, sollte sauer eingelegter Fisch helfen. Wie widerlich, Fisch! Da verzichtete ich lieber auf alles! Stattdessen hörte ich der Unterhaltung zu, was alles am Abend zuvor geschehen war. Seltsam was erwachsene Menschen alles taten, wenn sie über den Durst getrunken hatten.
    Doch bei einer Sache konnte ich nicht anders als mich über alle Maßen zu echauffieren. "Den Oleanderbaum? Den Oleanderbaum, den ich dir einmal geschenkt hatte? Das darf ja nicht wahr sein! Wer war das?" Die Heiterkeit der andern konnte ich in diesem Moment absolut nicht nachvollziehen. Ich ärgerte mich einfach nur! Ich konntre mich noch genau daran erinnern, als ich Marcus die Pflanze geschenkt hatte. Es war bei meinem ersten Besuch in der Villa Aurelia. Ach, das schien schon so lange her zu sein...

  • Sofia verschwand, und sie war noch nicht ganz aus dem Raum heraus, als Septima sich an ihrem Getränk verschluckte und prustend kicherte. Jemand reichte ihr schnell ein Tuch, und grinsend verfolgte ich, dass es ihr ein wenig peinlich zu sein schien. "Ja, das hätte ich allerdings auch gern gesehen", pflichtete ich ihr bei. Die Unternehmung war jedoch sicherlich ohnehin ins Wasser gefallen. Bekanntlich schwamm so ein Teppich ja nicht, erst recht nicht mit ein paar Soldaten darauf.


    Sofia kehrte rasch zurück und platzierte nun einen Honigtopf auf dem Tisch, ebenso wie eine große Schale dampfenden Hirsebrei, den sie einem Küchensklaven aus den Händen nahm. Dann war sie schon wieder verschwunden, und ich wandte mich Celerina zu. Herrje, ich hatte vollkommen vergessen, dass ich diesen Oleanderbusch einst von ihr erhalten hatte! Betreten musterte ich sie, als ein Sklave sich räusperte. "Aber Herrin, es war doch nur ein wenig Pis-" "Ganz recht", bemerkte ich und wedelte den namenlosen Sklaven davon. "Er wird schon nicht eingehen davon. Immerhin wurde gestern kein Spargel serviert", versicherte ich ihr. Augenscheinlich wollte sie meinen halbvollen Becher mit Weidenrindenaufguss gegen die Kopfschmerzen nicht trinken. Ich deutete ein Schulterzucken an und trank wieder selbst davon, auch wenn noch keinerlei Wirkung zu spüren war.


    Auf Septimas Frage konnte ich ihr nur mit einem leicht verschämten Blick antworten. "Um ehrlich zu sein: Ich habe nicht den blassesten Schimmer. Als ich heute früh geweckt wurde, war ich überrascht, dass ich in meinem Bett lag. Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ist dass ich mit jemandem getrunken habe. Nur wer das war und wie ich den Weg in meine Gemächer gefunden habe, ist wie aus meinem Kopf gefegt." Ich ließ mich zu einem kurzen Grinsen hinreißen und zuckte dann mit den Schultern. Allfällig war es sogar eine Frau gewesen, mit der ich gezecht hatte.

  • Einer der Sklaven reichte ihr einen Becher mit Holundersaft. Der schmeckte wesentlich Besser, als das eklige Gebräu aus Weidenrinde, von dem ihr doch glatt schlecht wurde und es nicht Besser machte. Kurz steckte sie sich ein Stück Pfirsich in den Mund. „Guten Morgen Celerina!“ grüßte sie die Flavia, als diese sich dazu gesellte. Sie sah auch nicht gerade fit aus. Anscheinend hatte sie auch ordentlich mit gefeiert.
    In diesem Moment fing sie einen merkwürdigen Blick von Titus auf. Anscheinend hatte er sie für Narcissa gehalten. Aber sie war es ja gewöhnt, verwechselt zu werden. Das war der Nachteil ein Zwilling zu sein.


    Als Marcus und eine Sklavin die Ereignisse des Abends zusammenfasste musste sie kichern. Sie hatte dabei geholfen das Floß zu bauen. Aber das würde sie nicht erzählen, das würde nur Ärger geben. Sie hatte Nymphe gespielt und die Männer zu dem Unfug angestiftet. Verdammter Wein. Um den Schalk in ihren Augen zu verstecken nippte sie ganz schnell an ihrem Becher. Anschließend verzog sie das Gesicht, dass war der Sud aus Weidenrinde gewesen. „Einer der Soldaten fand es auch recht witzig, als Löwe aufzutreten. Er hat sich aus grünen Palmenwedeln eine Mähne gebastelt und ist dann brüllend durchs Haus spaziert!“ erzählte sie kichernd. Eigentlich hatte er es nur gemacht um ihr und Narcissa zu imponieren. Geschmeichelt hatte sie sich auf jeden Fall gefühlt. Lysandra hatte den Spaß dann irgendwann vehement beendet, weil sie die Tugend der Zwillinge in Gefahr gesehen hatte. Dabei waren es nur harmlose Späße gewesen. Zumindest in ihren Augen. So in Gedanken bemerkte sie nur am Rande wie sich die Flavia wegen des Oleanderbusches echauffierte.


    „Ich hab fünf gezählt. Es können aber mehr gewesen sein!“berichtete sie dann Septima auf ihre Frage, wie viele Gäste nach Hause getragen wurden. „Zwischendurch war ich durch das im Implivium untergehende Floß abgelenkt!“

  • Ursus war viel zu müde, um die ausgesprochen junge Tante als solche zu titulieren und sei es nur in seinen Gedanken. Es fiel ihm stets schwer, sie als solche anzusehen. Tanten hatten alt und runzlig zu sein und nicht jung und hübsch. "Zwar bin ich alles andere als ein Fachmann für Pflanzen, aber umtopfen sollte den Oleander doch retten können, oder nicht?" Und wenn nicht, war es doch gewiß nicht unmöglich, Ersatz zu beschaffen.


    Über das Teppichfloß mußte Ursus herzlich lachen. Anscheinend hatten sie wirklich einiges verpaßt. Er rettete Septimas Becher so gerade eben noch, seine Reaktionen waren heute eben auch nicht die allerbesten. "Ein nicht sehr tragfähiges Floß, nehme ich an. Aber bestimmt hat das Bad sie ein wenig ausgenüchtert." Natürlich nahm er keinen Augenblick an, daß Flora etwas mit diesem Unfug zu tun hatte. "Als Löwe?" Wieder mußte er herzlich lachen. Ohne daran zu denken, woher die Palmwedeln wohl stammten und daß dies Corvinus vielleicht ärgern könnte.


    Daß Marcus sich nicht mal mehr erinnern konnte, wie er in sein Bett gekommen war, reizte Ursus zu weiterem Gelächter. "Je mehr Gäste sich nicht mehr erinnern können und je mehr nach Hause getragen werden mußten, umso besser war wohl das Fest." Die Schäden ließen sich beseitigen, Hauptsache, die Gäste hatten sich wohl gefühlt und ein ausgelassenes Fest erlebt. Er schaute zu Flora und zwinkerte ihr zu. "Was ist mit dem Löwen geschehen? Hat ihn jemand eingefangen?"

  • Das Wasser klatschte leicht gegen die steinernen Wände, als Narcissa langsam die Stufen des Badebeckens im Balineum empor stieg. Zwei junge Sklavenmädchen warteten bereits mit Handtüchern in den Händen auf sie und hüllten sie in den weichen Stoff ein. Die Wärme des Wassers hatte sie träge und entspannt zugleich gemacht. Tropfnass blieb sie stehen, während die beiden Mädchen jene Dinge hinrichteten, sie gleich benötigen würden.
    Was für eine Nacht war das gewesen! Noch immer hüpften verkleideten Soldaten und ein sinkendes Floss durch ihre Gedanken, sah sie eine glückliche Tiberia Septima neben einem ebenso glücklichen Titus Aurelius Ursus und einen Marcus Aurelius Corvinus, der gemeinsam mit einem Tiberier und ihrem Bruder einen Becher Wein nach dem anderen getrunken hatte. Ein feuchtfröhlicher, aufregender Abend!
    Die Mädchen brachten ihre Kleidung heran, eine weiße Tunika, eine blassgelbe Palla, die sie vorher noch die in ihrem Leben gesehen hatte (und die Lysandra ihr offensichtlich unterschieben wollte) und einen Ledergürtel mit Goldelementen. Noch immer versuchte Lysandra sie dazu zu bringen, sich "modischer" zu kleiden - heute morgen war ihr das alles gleichgültig. So ließ sie es zu, dass die Sklavinnen sie auf einen Stuhl manövrierten und sich dann an ihrem Haar zu schaffen machten. Lysandra war jetzt im Moment zweifelsohne mit ihrer Schwester Flora in einen Kampf verwickelt. Sie konnte ihre Schwester förmlich sehen, wie sie sich trotzig noch weiter in die Kissen eingrub und der Sklavin ein "Ich hasse dich!" entgegen schleuderte. Leise musste sie schmunzeln - und beschwerte sich sogleich bei einem der Mädchen, das etwas unwirsch an ihren Haaren gezogen hatte - nicht sehr förderlich für die Schmerzen, die leise aber beständig in ihren Schläfen pochten. "Verzeiht Domina!", beeilte es sich schnell zu sagen und schluckte einen leisen Fluch bezüglich der wilden Lockenpracht hinuner, die es zu bändigen hatte....


    Eine Weile später machte sich schließlich auch die junge Aurelia zum Triclinum auf. Schon einige Schritte entfernt vernahm sie zahlreiche Stimmen und hörte ein melodisches, lautes Lachen, das unverwechselbar das des Titus Aurelis Ursus´ war. "Guten Morgen - oder besser "Guten Mittag"?", begrüßte sie lächelnd alle, als sie den Raum betrat. Dank des Bades fühlte sie sich frisch und munter - auch wenn sich ihr beim Anblick des Frühstückes eher der Magen umdrehte. Für feste Nahrung war sie noch nicht ganz bereit. So orderte sie Wasser und verdünnten Saft bei einem der Sklaven und gesellte sich dann zu ihrer Schwester. Sie sah alles andere als fit aus und sie musste lächeln. "Na, gut geschlafen?", flüsterte sie amüsiert. Aber auch die anderen Familienmitglieder machten keinen sonderlich wachen Eindruck, mit Ausnahme von Tiberia Septima, die genauso wie am gestrigen Abend strahlte.
    "Es war ein großartiges Fest!", meinte sie in Richtung Titus.

  • Sie musste ein Gähnen unterdrücken. Sie wollte nur zu gern zurück ins Bett, sich in ihre Kissen und Decken kuscheln und erst aufstehen, wenn die Sonne schon hoch am Himmel stand. Kurz wanderte ihr Blick zum Fenster raus. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel! Ihre Gedanken wurden wieder auf das Gespräch gelenkt, als Titus nachfragte was aus dem Löwen geworden war. „Lysandra hat versucht ihn in die Schranken zu weisen… am Ende wurde sie aber nur auf den Schultern als Beute herum getragen!“ berichtete sie und kicherte vor sich hin. Diesen Anblick würde sie wohl niemals vergessen. Ihre Leibsklavin kopfüber auf den Schultern eines Soldaten, der laut verkündete sie mit nach hause zu nehmen. Wie war sie eigentlich dem Soldaten entkommen? Ihr Blick war für einen Moment ins leere gerichtet, erst als sie Narcissas Stimme hörte, richtete sie sich ein wenig auf und lächelte dem Zwilling zu. Ausnahmsweise trugen sie fast gleiche Kleider. Wie und dazu passender Goldschmuck. Leise seufzte sie, Lysandra hatte doch glatt es ausgenutzt, dass sie Beide nicht in dem Zustand waren sich zu wehren. Nun sahen sie tatsächlich vollkommen gleich aus. Nun würde es der Familie tatsächlich schwer fallen sie auseinander zu halten. Sie seufzte.
    „Guten Morgen, Schwesterherz!“ begrüßte sie diese und stellte neidisch fest, das diese das bad bekommen hatte, welches sie verlangt hatte. Unfair! Auf die Frage gut geschlafen grummelte sie nur etwas unverständliches vor sich hin und nippte an ihrem Becher mit Saft. Um Narcissa einen kleinen Streich zu spielen, schob sie ihr den halbvollen Becher mit Weidenrindensud zu. 8)

  • Nach außen wirkte die Tiberia frisch und ausgeruht, allerdings fühlte sie durchaus die Müdigkeit in ihren Gliedern. Langsam trudelten die einzelnen Familienmitlgieder des Hauses Aurelii ein und Septima freute sich über die rege Teilnahme am Frühstück. Es war schließlich nicht sehr verbreitet, ein großes Mahl am frühen Morgen in Anwesenheit fast aller Familienmitglieder zu halten. Gewiss würde die Tiberia später auch zu jenen Hausbewohnern gehören, die durchaus mal länger im Bett blieben und nur eine Kleinigkeit zu essen zu sich nahmen. Doch vorerst galt es, sich an die Gepflogenheiten der Familie anzupassen und einen Überblick zu bekommen.


    Offensichtlich war noch ein Oleanderbaum in Mitleidenschaft gezogen worden, und Septima versteckte ihr verschmitztes Lächeln darüber hinter ihrem Becher, aus dem sie genüsslich trank. Hatten sie die Nacht überhaupt mal Gelegenheit gehabt, etwas zu sich zu nehmen? Wohl eher nicht. Und die zwei Becher vom Sklaven heute morgen, hatten ihren Durst noch nicht ausreichend gestillt. Interessiert, auch etwas feste Nahrung zu sich zu nehmen, studierte sie das Speisenangebot. Hirsebrei mit Honig.


    Corvinus gab zu, selbst einer jener Personen gewesen zu sein, die wohl offensichtlich mit tragkräftiger Unterstützung ins Bett gebracht worden war. „Ein gutes Zeichen, so hat dir die eigene Feier gefallen.“ merkte sie spitzbübisch an und studierte das etwas fahle Gesicht des Aureliers. Was mußten die Männer auch immer so viel Wein trinken. Wurde der gute Rebsaft am Ende überhaupt noch mit Wasser gemischt? Gewiss nicht, denn ansonsten hätte es nicht so viele Personen gegeben, die nach Hause getragen werden mußten.


    Mit knappen Worten gab Septima einem Skalven Anweisungen, ihr von dem Hiresebrei zu geben und ihn mit Honig zu süßen. Desweiteren verlangte es sie nach frischem Obst. „Lass mir einen Teller mit allem was ihr an Obst da habt, fertig machen.“ befahl sie dem Sklaven. „Aber geschnitten!“ fügte sie noch streng hinzu. „Titus? Möchtest du auch etwas Obst?“ erkundigte sie sich, ganz die fürsorgliche Gemahlin, bei ihrem Mann. Wenn sie wollte, dass jeder sie für das perfekte Paar hielt, dann mußte sie gleich damit beginnen, ihre Rolle gut zu spielen.


    „Na sieh mal einer an. Wenn das nicht Narcissa ist.“ Lächelnd schaute Septima der jungen Aurelia entgegen. „Guten Morgen.“ Kaum saßen die Zwillingen nebeneinander, versuchte sich auch Septima darin, Unterschiede zwischen den beiden zu erkennen, aber das war gar nicht so einfach, wie sie es sich gedacht hatte. „Kann euch überhaupt jemand auseinander halten?“ fragte sie mit einem Lachen nach, denn sie konnte sich die Antwort schon denken. Außer der Mutter wohl eher niemand.


    Der Sklave reichte Septima die Schale mit Hirsebrei und die Aurelia legte sich gemütlich zu recht und begann zu essen. Wie es schien, war sie die Einzige, die einen solchen Appetit verspürte.

  • Es gefiel Narcissa gar nicht als sie bemerkte, dass Lysandra es tatsächlich fertig gebracht hatte, sie beide nahezu identisch einzukleiden. Was hatte sich die Sklavin nur dabei gedacht?! Die Menschen verwechselten sie auch so schon oft genug - dazu brauchte es nicht auch noch dieselbe Palla! Sie überspielte ihren Unmut, indem sie Tiberia zulächelte, während sie antwortete: "Es gibt in der Tat nicht viele, die uns auseinander halten können...Unsere Mutter konnte es und die Köchin in Terentum"- Zu unserem Leidwesen, fügte sie in Gedanken an..."Dennoch, die meisten haben uns auch noch nach Jahren verwechselt. Selbst Lysandra gelingt es nicht immer." Letzteres war eindeutig ein Vorteil. "Als wir geboren wurden, bekamen wir deshalb diese Armbänder mit unseren Namen darauf, damit es einfacher war, uns zu unterscheiden", Sie hob leicht ihre rechte, um deren Gelenk ein fein geschmiedetes Silberkettchen mit einer schmalen Plakette baumelte.


    Sie hielt es für eine nette Geste von ihrer Schwester, als diese ihr den Becher mit einer für sie undefinierbaren dunklen Brühe hinhielt. Vertrauensvoll nahm sie ihn entgegen und trank abwesend einen Schluck, während sie Tiberia dabei beobachtete wie sie sich fürsorglich um Titus kümmerte. Sie war wirklich eine gute Wahl gewesen. Man konnte die Zuneigung, die die beiden verband spüren. Ob das nun tatsächlich auch der Fall war, oder sie nur ihrer Pflicht als Ehefrau nachkam, vermochte Aurelia im Moment noch nicht zu sagen. Schließlich kannte sie die Tiberia kaum. Fürs erste schien sie ihr aber sympatisch zu sein - und sie bewunderte ihren Apptit. Ihr eigener Magen fühlte sich nach wie vor aufgebracht an. Ihre Gedanken wurden aber sofort unterbrochen, als sie den bitteren Geschmack schmeckte, der ihre Zunge zu verätzen drohte. Sie konnte sich nicht beherrschen und verzog angeekelt das Gesicht. "Was ist denn das?!", keuchte sie entsetzt.

  • Septima reagierte wie fast alle Menschen auf die Zwillinge: Sie starrte diese an und versuchte auf den ersten Blick äußerliche Unterschiede zu entdecken. An diesem Tage dürfte es ihr etwas leichter fallen, Narcissa wirkte wesentlich frischer, wie Flora. Auch wenn sich Lysandra alle Mühe gegeben hatte alle Spuren des vergangenen Abends zu kaschieren. Sie wollte ein Bad. Ein langes Bad... Hoffentlich hielt die Sklavin ihr versprechen und hielt es für sie frei. So wollte sie nicht vor die erwartenden Gäste treten. Außerdem wollte sie sich schnell etwas anderes anziehen, sie fand es wirklich nicht witzig, die gleichen Kleider wie Narcissa zu tragen. Sie legte Wert auf ihre eigene Persönlichkeit.
    Zustimmend nickte sie zu den Worten ihrer Schwester und zeigte ebenfalls das silberne Kettchen an ihrem Handgelenk. Aber wirklich auffällig war dies nicht. Früher hatte es seinen zweck erfüllt, jetzt aber war es mehr ein Schmuckstück, auf das kaum jemand achtete. „Wir sollten uns Namenschilder um den Hals hängen“, grinste sie Narcissa zu und wartete gespannt auf die Reaktion auf den Sud aus Weidenrinde. Ihre Schwester bekam gar nicht mit, dass sie ihr einen kleinen Streich spielte. Sie kicherte, als diese sie dann mit großen vorwurfsvollen Augen ansah. „Weidenrinde. Hilft gegen Kopfweh!“ antwortete sie mit einem unschuldigen Lächeln.

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