'Quod sumus, hoc eritis. Fuimos quandoque, quod estis.' – Libri Decimae

  • Die Aurelia schien zu verstehen, weshalb Seiana es vorzog, auch im Sommer in Rom zu bleiben – in jedem Fall konnte die Decima keine Regung in ihrem Gesicht ausmachen, die darauf hindeutete, dass sie es ungewöhnlich fand. Seiana selbst war im Grunde froh darüber, so viel um die Ohren zu haben. Es bedeutete Ablenkung, die sie schlicht nötig hatte im Augenblick, denn immer, wenn sie Zeit hatte sich ein wenig auszuruhen, suchten sie Gedanken und Erinnerungen heim – nicht nur an Caius und die geplatzte Hochzeit. Es war fast, als wären die Ereignisse um ihren ehemaligen Verlobten ein Auslöser gewesen, um andere Dinge ans Licht zu holen, die Seiana für gewöhnlich verdrängte. In jedem Fall fiel es ihr derzeit schwer, weit schwerer als gewöhnlich, in sich zu verschließen, was sie belasten könnte.


    Das Thema, auf das sie dann zu sprechen kamen – ausgelöst durch die kurze Unterhaltung über Sappho, obwohl jene nun keine Rolle mehr spielte in dem Gespräch –, versetzte Seiana in eine fast wehmütige Stimmung. Sie zog es vor, nicht allzu häufig darüber nachzudenken, ob sie passte in die Zeit, in die sie geboren war. Denn wenn sie es tat, kam sie nicht umhin sich einzugestehen, dass es nicht so war. So wie sie sich sah, wie sie war, konnte sie nicht wirklich in diese Zeit passen. Sie bemühte sich, den Ansprüchen gerecht zu werden, ihren eigenen, denen ihrer Familie, denen der Gesellschaft, aber allein schon die Tatsache, dass sie nach wie vor unverheiratet war, lief dem zuwider. Dass sie eigene Betriebe besaß, im Grunde auch. Und Seiana fiel es durchaus nicht immer leicht, das mit sich in Einklang zu bringen – sie wollte eigentlich dem Bild entsprechen, wie eine Römerin zu sein hatte. Aber sie wusste nur zu genau, dass es sie nicht ausfüllen würde, hätte sie tatsächlich nicht mehr als einen Mann, Kinder und einen Haushalt zu versorgen, und so widmete sie sich ihren Betrieben und weiteren Tätigkeiten, auch wenn das vielleicht nicht das war, was eine ideale Matrona tun sollte.


    Die nächste Frage der Aurelia brachte Seiana nun dazu, sie nachdenklich zu mustern. Von diesem Standpunkt aus hatte sie das noch nie betrachtet, gestand sie sich ein. Und es war… es war eine angenehmere Sichtweise. Sie suchte die Schuld nicht bei den Frauen, sie suchte sie bei der Zeit. Und das war etwas, was Seiana fremd war, sah sie doch stets sich selbst als diejenige, die nicht so ganz hineinpassen wollte in die Form, die für sie bestimmt war, die nicht stimmte, nicht genug war. „Das ist eine gute Frage…“, murmelte sie nachdenklich. „Wenn wir Sappho betrachten, so hatte sie es sicher nicht einfach zu ihren Lebzeiten, aber es gelang ihr wohl dennoch, ihr Leben zu leben, so wie sie es für richtig hielt. Sie hat nicht aufgehört zu schreiben. Sie hatte Schülerinnen.“ Aber auch sie war gewissen Zwängen unterlegen gewesen. Es hieß, auch sie sei verheiratet gewesen, und es hieß, dass sie wenigstens eine gewisse Zeit im Exil hatte verbringen müssen. „Du magst recht haben damit. Aber: ob man nun davon ausgeht, eine Frau passt nicht in die Zeit, in der sie lebt – oder ob man der Meinung ist, es sei die Zeit, die noch nicht reif ist. Ist das Ergebnis nicht das gleiche? Ändert sich nicht einfach nur der Blickwinkel, aus dem man es betrachtet?“ Und doch konnte dieser andere Blickwinkel so viel ausmachen, nicht was das Ergebnis betraf, aber für die einzelne…

  • Konzentriert lauschte Narcissa den Worten der Decima und schwieg dann eine Weile, um über die Entgegnung der Älteren nachzudenken. Die Stille hing zwischen den verwaisten Bücherregalen, aber sie war nicht unangenehm. Durchbrochen wurde sie hin und wieder lediglich durch den Sklaven, der im Hintergrund weiterhin Kisten ausräumte, ihren Inhalt ordnete und dann am Platz ihrer Bestimmung verstaute. Die junge Aurelia wandte den Kopf und sah ihm eine Weile dabei zu, um ihre eigenen Gedanken zu ordnen. Vorsichtig umgriffen die Hände des Mannes ein Schriftrolle nach der anderen. Mit den Augen studierte er den Titel – er musste zumindest in Grundzügen gebildet sein.
    „Es mag nur ein anderer Blickwinkel sein und mag das Ergebnis auf den ersten Blick nicht verändern...“, begann sie langsam, ihre Gedanken in Sprache zu übersetzen: „Aber auf lange Sicht könnte sich daraus ein Unterschied entwickeln. Die andere Perspektive ist auf eine andere Grundeinstellung zurückzuführen“, Abermals hielt sie inne und sah wieder hinüber zu Seiana. „Eine Frau, die das Gefühl hat, dass sie nicht in die Zeit passt, wird eher ein negatives Grundgefühl haben. Nicht die Zeit ist der Fehler, sondern sie, weil sie nicht in die alten Konventionen der Gesellschaft passt. Sie wird eher versuchen, sich zu verbiegen, um in die Zeit zu passen. Wohingegen die zweite den Fehler nicht bei sich, sondern bei der Zeit sieht, woraus sich eine positive Grundeinstellung ergibt und vielleicht wird sie daraus die Kraft ziehen, Veränderungen der Zeit herbeizuführen...“ Eine Frage blieb dann aber dennoch...“Aber werden diese Veränderungen überhaupt erwünscht?“
    Sie empfand es angenehm mit der Decima zu sprechen. Hatte die Frau zu Beginn ihrer Unterhaltung noch fast unnahbar gewirkt, so hatte Narcissa mittlerweile den Eindruck, dass sie gelassener geworden war, ohne die Kontrolle über sich zu verlieren. Es musste sie unglaublich viel Energie kosten diese Fassade zu wahren. Sie musste schon einiges hinter sich gebracht haben. „Andererseits...warum sollte man sich mit einer Ehe, mit Kindern und Haushalt zufrieden geben, wenn man doch genau weiß, dass das einen selbst nicht ausfüllen würde....“

  • Während die Aurelia dem Sklaven eine Weile dabei zusah, wie er weiter die Kisten auspackte und Schriftrollen in Regalen verteilte, nutzte Seiana die Gelegenheit, einen Schluck zu trinken – und gleichzeitig die Patrizierin zu mustern. Ein wenig nachdenklich fragte sie sich, was die Aurelia wohl hierher geführt hatte – und was sie dazu brachte, sich ausgerechnet mit ihr über derartige Themen zu unterhalten. Sie kannten sich nicht. Sie saßen einfach hier beisammen, und Seiana hatte ihr ein Schriftstück verkauft, zugegebenermaßen eines, das die ein oder andere Frage nach sich zog. Und doch… passte es irgendwie. Vielleicht gerade weil sie sich nicht kannten – Seiana fiel jedenfalls auf Anhieb niemand ein, mit dem sie so gesprochen hätte über diese Fragestellung, über Frauen und ihren Platz in der Gesellschaft. Über ein Thema also, das bei ihr mehr als nur einen Nerv traf. Außer Faustus… und nicht einmal diesem gegenüber wäre sie ehrlich gewesen, nicht völlig. Es sei denn, sie trafen sich wieder im Stall oder sonst wo, und er holte seine Pfeife hervor. Aber einfach so? Das war ja noch nicht einmal ein Thema, über das sie einfach so nachdachte, geschweige denn sprach, und schon gar nicht darüber, wie sie selbst sich einordnen würde. Und auch das Gespräch mit der Aurelia blieb trotz aller Tiefe in einer gewissen Hinsicht oberflächlich, was ihre eigene Position betraf.


    Ein negatives Grundgefühl. Die Worte hallten in Seiana nach, als Narcissa wieder zu sprechen begann. Sie wird eher versuchen, sich zu verbiegen. Das war der Moment, an dem sie am liebsten aufgelacht hätte, nicht fröhlich, sondern in einer Mischung aus Bitterkeit und Spott. Aber dafür hatte Seiana sich bei weitem zu gut im Griff. Lediglich ein leichter, zynischer Zug hob ihre Mundwinkel ein wenig an. „Werden sie erwünscht. Das ist eine gute Frage. Eine weitere gute Frage ist: kann man denn tatsächlich Veränderungen herbeiführen, unabhängig von der Grundeinstellung. Oder gleicht man nicht Sisyphus in seiner Mühe, wenn man versucht, was zum Scheitern verurteilt ist. Tut man nicht besser daran, das Beste aus dem zu machen, was die Zeit einem bietet, anstatt nach etwas zu streben, was unerreichbar ist.“ Seianas Stimme klang nach wie vor ruhig, fast gelassen. Nur unterschwellig war eine feine Note des Zynismus’ zu hören, der sich auch um ihre Mundwinkel schwach zeigte. „Würden dich eine Ehe, Kinder und Haushalt denn ausfüllen?“, fragte sie dann unvermittelt.

  • Vertrauen war in diesen Tagen selten geworden. Natürlich vertraute man seinen engen Freunden und Verwandten, aber es gab stets jene Grauzonen, die man nicht wagte anzusprechen. Unaussprechbare Gedanken. Narcissa war sich der Brisanz ihrer Unterhaltung bewusst. Eine ganze Reihe von Frauen vor ihnen hatte für solche Äußerungen ein Leben in Verbannung auf sich genommen oder noch schlimmeres. Und nicht wenige Schriftsteller hatten zusehen müssen, wie ihre Werke lichterloh in Flammen aufgingen, weil sie „aufrührerisches Gedankengut“ enthielten. Umso erstaunlicher war es, dass sich hier nun zwei Fremde begegnet waren, die sich nicht scheuten, ihre Gedanken voreinander auszusprechen, mochten sie auch theoretischer Natur sein.


    „Aber wer sagt, dass es zum Scheitern verurteilt ist?“, Mochte ihre Jugend mit ihr in diesem Moment durchgehen. Sie spürte wie die Leidenschaft ihre Fingerkuppen nach ihr ausstreckte und wusste dass es für sie zu Weilen gefährlich war in einer solchen Stimmung zu diskutieren. Zu oft kamen ihr dabei unbedacht Dinge über die Lippen, die sie besser für sich behalten hätte. So entging Narcissa auch um ein Haar der zynische Zug, der sich um die Mundwinkel Decimas gelegt hatte und der sie sogleich vorsichtig werden ließ. Mit Bedacht nahm sie sich zurück. „Es sind nicht unsere Regeln. Zumindest waren sie das nicht immer. Keine Frau würde sich freiwillig solche Ketten anlegen. Und dennoch, stimmen wir ihnen zu, geben ihnen Legitimation und Gültigkeit...“, erklärte die junge Aurelia ruhig.
    Seianas Frage traf sie dann ganz unvermittelt. Einen Augenblick lang war sie ob dessen so überrumpelt, dass es ihre Gedanken ganz aus der Reihe brachte. Schweigsam zwang Narcissa sie wieder unter ihre Kontrolle. Ehe, Kinder, Haushalt. Die Trinität, die man von ihr verlangen würde, eines Tages. Als Tochter aus patrizischem Hause war die Auswahl der potentiellen Ehegatten nur sehr begrenzt – denn natürlich würde man sie lediglich an einen Mann ihres Standes verheiraten. Dass man dabei eher auf Nutzen und Zweck der Verbindung als auf irgendwelche Gefühle achten würde, das stand außer Frage. Sie dachte an andere Frauen, die sie kannte und die bereits verheiratet waren. Tiberia Septima etwa, die mit ihrem Verwandten verheiratet war oder Flavia Celerina und fragte sich, wie diese beiden Frauen es schafften zufrieden zu sein? Oder waren sie es womöglich gar nicht? Narcissa spürte, wie sich ihre Gedanken langsam vom Ursprung der Frage weg bewegten. Schon jetzt war sie nicht vollständig zufrieden, fühlte sich nur halb angesichts all der Möglichkeiten, die ihr verwehrt waren.
    „Nein...“, das Wort durchschnitt die Stille. Mit ehrlichen grünen Augen sah sie zu der Älteren hinüber. „Nein, ich glaube nicht...“

  • „Ist es das denn nicht? Zum Scheitern verurteilt?“ Schon die Gegenfrage allein machte deutlich, dass Seiana durchaus dieser Ansicht war, selbst wenn da nicht nach wie vor dieser feine, zynische Unterton gewesen wäre, der im Klang ihrer Stimme mitschwang. Sie glaubte nicht daran, dass Veränderungen möglich waren, Veränderungen in dem, wie die Rolle einer römischen Frau gesehen wurde. Sie war sich nicht einmal sicher, ob es Veränderungen geben sollte – zu tief war in ihr verwurzelt, dass sie es war, die einfach… nicht passte. Die, egal was sie tat, egal wie sehr sie sich bemühte, sich nicht wirklich anpassen konnte, nicht völlig. Nicht so, dass sie sich auch innerlich danach fühlte, dass sie zufrieden war. Und zu tief war der Gedanke in ihr verwurzelt, dass das ihr Fehler war. „Wenn es nicht auch unsere Regeln sind, wie sind sie dann entstanden? Wenn das nicht die Ordnung ist, die die Götter für die Welt vorgesehen haben, warum leben wir dann nach ihr?“ Fakt war doch, dass es nicht die Frauen waren, die allzu viel Einfluss darauf hatten, wie eine Gesellschaft gestaltet war. Und nie haben würden, weil es nicht ihre Rolle war. Natürlich gab es die, die aufbegehrten, die, die für sich einen anderen Platz erkämpften – aber diese hatten auch mit den Nachteilen zu leben, und, was wichtiger war: sie waren und blieben die Ausnahmen in ihrer Gesellschaft. Wäre es nicht so bestimmt, hätten doch bereits diese Ausnahmen mehr bewegen müssen. Nein, die Welt war nun einmal, wie sie war. Es mochte Ausnahmen geben, aber die meisten Frauen taten besser daran, ihren Platz und ihre Rolle zu akzeptieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu tun, was sie konnten, um sich zufrieden zu fühlen.


    Seiana glaubte daran. Und doch… konnte sie sich nicht gänzlich damit abfinden. Überschritt sie die gesellschaftlichen Grenzen, die ihr eigentlich gesetzt waren, strebte nach mehr, dabei in Kauf nehmend, dass es Nachteile hatte. Dass sie immer noch unverheiratet war, um nur ein Beispiel zu nennen. Sie sehnte sich nicht allzu sehr nach einer Familie, aber das war nun einmal das, was von einer Römerin ihres Alters erwartet wurde – nicht dass sie heiratete, sondern dass sie schon längst verheiratet war und Kinder hatte. Allerdings, um sich ihrer eigenen Frage zu stellen: Seiana war sich nicht sicher, ob eine Familie sie ausfüllen würde. Ein Teil von ihr glaubte, hoffte, dass es das war, was ihr endlich ein wenig Frieden bringen konnte. Allein der Fakt, dass sie dann einen weiteren – großen – Teil der Pflicht endlich erfüllt haben würde, die sie gegenüber ihrer Familie und der Gesellschaft hatte, musste doch etwas bedeuten, musste irgendetwas bringen, für sie. Ein anderer Teil wusste mit unumstößlicher Sicherheit, dass sie das bei weitem nicht ausfüllen würde. Sie erwiderte den Blick der Aurelia. „Was dann?“ fragte sie, ein wenig leiser nun. „Was würde dich dann ausfüllen?“

  • Sie hielt es für unmöglich. Ihre Gegenfrage war mehr Antwort und rhetorisch als eine echte Frage. Es machte Narcissa etwas unsicher, denn im Grunde waren ihre Gedanken nur feines Gespinnst, in das zum Teil auch ihre eigenen Träume eingewoben waren, die, wie ihr jetzt bewusst wurde, extrem durch den Wunsch nach Entscheidungsfreiheit geprägt waren. Es war nicht das Problem, dass sie heiraten, Kinder haben, einen Haushalt führen würde – sondern dass sie es sollte. Im Grunde kreisten ihrer beider Probleme somit um ein ähnliches Thema: Heiraten müssen, um den äußeren Erwartungen gerecht zu werden.
    „Eine Einzelne in unserer Gegenwart dürfte scheitern“, erwiderte die junge Aurelia mit Bedacht, nachdem sie einige Augenblicke geschwiegen hatte. „Aber ich glaube auf lange Sicht gesehen, könnte es die eine oder andere Veränderung geben. Nicht sofort, nicht schlagartig…wohl schleichend. Aber alle großen Entwicklungen haben noch mit einer Idee angefangen. Wenn genug Menschen sie in die Welt hinaus tragen, werden sie irgendwann ihr Potential entfalten…“ Das bedeutete aber auch, dass zumindest für sie selbst keinerlei Hoffnung darauf bestand, selbstbestimmt zu leben. Oder es gab noch andere Wege, die sie bisher nur noch nicht in Betracht gezogen hatte.
    „Ist es wirklich die Ordnung der Götter – oder doch eher nur die Deutung, die….“ Sie hielt inne. Das was ihr da so unbedacht über die Lippen kommen wollte, war zu viel. Viel zu gefährlich, blasphemisch. Es ging eindeutig über das hinaus was rechtens war. „Es ist die Ordnung der Götter“, widersetzte sich Narcissa selbst nüchtern, aber mit einem viel zu halbherzigen Ausdruck im Gesicht. Sie hielt inne, um ihre Gedanken zu ordnen.
    „Vielleicht setzen wir uns selbst zu sehr unter Druck. Vielleicht ist es ganz und gar anders herum. Dass wir es eigentlich nicht, die zu viel von uns fordern, die Dinge zu eng sehen und nicht die Gesellschaft….“ Vielleicht machte das ihre ungeheure, wenn auch nicht vollständig ausgesprochene Aussage vergessen. Und war das nicht viel einfacher? Akzeptieren und los lassen. Im Strom schwimmen. Das musste nicht zwangsläufig bedeuten, dass es ein schlechteres Leben war.


    Jene Gesprächswendung, der plötzliche, allzu schlagartige Rückzug der Aurelia wirkte sich auch auf den Fortlauf des Gesprächs aus. Sie wich der Decima aus. „Ich würde mich schon besser fühlen, würde ich nicht Opfer irgendeiner politischen Heirat werden…“ Dabei wollte sie doch das: Nicht in Bedeutungslosigkeit versinken, etwas bewegen. In der Politik vielleicht. Aber das war ganz und gar undenkbar. Denn die Politik und das Militär waren für Frauen das Tabu non plus ultra. Sie schüttelte leicht den Kopf. „Ich habe es zu sehr auf die Spitze getrieben…“ Eine Entschuldigung. Sie wagte nicht die Gegenfrage zu stellen. Nämlich was Erfüllung für die Frau ihr gegenüber bedeutete. Stattdessen: „Vielleicht sollte ich jetzt gehen...“, Es klang aufgeräumter als sie sich fühlte.

  • Selbst noch gefangen in ihren Gedanken, was möglich war und was nicht, was vom Schicksal vorgegeben war und was nicht, lauschte Seiana den Worten der Aurelia. Und sie stellte fest, dass sie etwas in ihr berührten. Alle großen Entwicklungen haben mit einer Idee angefangen. War es das? War es so einfach? War alles, was nötig war, eine Idee? Seiana neigte ihren Kopf ganz sacht zur Seite, überlegte kurz jetzt schon etwas einzuwerfen, entschied sich aber dann zu schweigen und Narcissa weiter zuzuhören, hörte, wie die Aurelia weiter sprach, wie sie sich vortastete, zurückzog, erneut vortastete, nur um einen weiteren Rückzieher zu machen. Und überrascht stellte Seiana fest, dass es ihr beinahe einen Stich versetzte zu sehen, wie die Aurelia sich nun verschloss. „Vielleicht hast du Recht.“ Sie wusste nicht, was sie dazu brachte, dieses Zugeständnis zu machen. Eine Idee. Sie selbst war ja nicht davon überzeugt, dass sich etwas ändern ließ. Dass etwas geändert werden sollte. Andererseits gehörte gerade sie, trotz ihrer Überzeugungen, zu jenen Frauen, die dennoch alles im Rahmen des Möglichen taten, um über die ihr zugedachte Rolle hinaus tätig sein zu können. „Fraglich, wie sehr sich die Götter für unser Treiben interessieren, solange wir ihnen geben, was ihnen zusteht im Gegenzug für ihre Gaben.“ Zu mehr konnte aber auch sie sich nicht durchringen. Das Gedankengut, das die Aurelia ins Spiel gebracht hatte, war nicht unbedingt neu für sie... aber Seiana hatte sich zu lange schon damit abgefunden, mit der Welt, wie sie war, zu lange, um einfach so aus ihrer Haut zu können. Auch wenn Narcissa sie mit ihren Worten durchaus zum Nachdenken brachte.


    „Nein“, wehrte sie die Entschuldigung der Jüngeren dann ab, mit einem angedeuteten Lächeln. „Mach dir darüber keine Gedanken. Ich danke dir für das Gespräch – und sei versichert, dass ich es für mich behalten werde.“ Als die Aurelia nun andeutete, gehen zu wollen, erhob Seiana sich, und ihre Stimme klang ehrlich, als sie weitersprach. „Ich würde mich freuen, würde diese Begegnung nicht unsere einzige bleiben.“

  • Einige Papyri für nötige Aufzeichnungen, die Xanthias sicherheitshalber mit sich genommen hatte, unter dem Arm, betrat er die etwas abseits gelegene Buchhandlung seiner Herrin. Er musterte den mittelmäßig großen Geschäftsraum des Ladens und sofort spürte er deutlich, dass hier irgendetwas fehlte. Zwar standen einige Regale herum, die auch schon eine beträchtliche Anzahl an Schriftrollen beherbergten, und dennoch konnte er sich eines gewissen Eindrucks an Lieblosigkeit, den der Raum ihm vermittelte, nicht erwehren. Eher beiläufig schienen die Schriftstücke hier und dort ein eher ärmliches Dasein zu fristen, scheinbar noch nicht von kundiger Hand sorgfältig geordnet und in sinnvolle Konstellationen zueinander gebracht. Auch wirkte die Ausstattung des Raumes eher spartanisch, was dem zutiefst attischen Geschmack des Griechen grundlegend missfiel. Alles in allem also eine Atmosphäre, die seinen Eindruck von der groben, unsensiblen und ungebildeten Art der Römer nur zu bestätigen schien. Eine bibliotheca oder eben auch Buchhandlung musste seiner Meinung nach, den Anspruch an sich stellen, zumindest ein wenig der geistigen Strahlkraft jener Werke, denen sie als Heimat diente, in ihrer Atmosphäre zu vermitteln. Kurzum, einer gewissen Ordnung und Ästhetik sollte eine Buchhandlung nicht entbehren.


    Darüberhinaus konnte Xanthias, niemanden in dem Geschäftsraum sehen, sodass er sich zunächst bemerkbar machte: „Ist hier jemand?“

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    Raghnall räusperte sich leise und kritzelte auf einer Wachstafel herum, kratzte sich am Kopf, kritzelte weiter. Eigentlich sollte er vorne sein, im Geschäftsraum. Anwesend. Ach ja, und noch mehr Schriftrollen und Bücher einräumen sollte er wohl auch. Und sich ganz generell Gedanken machen, wie man den Laden ein wenig auf Vordermann bringen konnte. Bisher war es hauptsächlich Laufkundschaft und die, die Empfehlungen aus Alexandria bekommen hatten, die sich hier blicken ließen. Insgesamt also nicht allzu viele, und Raghnall wusste durchaus, dass die Decima nur deswegen noch recht wenig krittelte, weil sie selbst viel zu wenig Zeit hatte, um sich darum zu kümmern. Denn die Eröffnung lag nun doch ein wenig zurück inzwischen, lang genug jedenfalls, dass die Räumlichkeiten mehr hätten hermachen können... Aber wie bereits erwähnt: Raghnall hatte wenig Lust, sich das anzutun. Er wusste ohnehin nicht so recht, warum die Decima ausgerechnet ihn mit dem hier betraut hatte, aber das mochte vielleicht daran liegen, dass sie ihn aus Tarraco mitgenommen hatte, damals, auch wenn sie ihn in Rom gelassen hatte, als sie nach Ägypten verschwunden war. In jedem Fall wusste sie, dass er mehr drauf hatte als die simplen Sachen, die er in den letzten Jahren im Haus der Decimer hatte erledigen müssen, handwerkliche Dinge in der Regel, wo er seinen Kopf nicht benutzen musste... Vielleicht hatte sie geglaubt, die Arbeit hier würde ihn reizen. Vielleicht hatte sie sogar geglaubt, ihm hiermit einen Gefallen zu tun. Raghnall allerdings zog es vor, sich selbst auszusuchen, wo er seinen Kopf einsetzte – weshalb es immer wieder damit endete, dass er bei den Decimern einfach irgendwelche stumpfsinnigen Arbeiten erledigte.


    Insofern war es ihm persönlich auch ganz recht, dass eher selten jemand kam und ihn hier störte. Zwischendurch aber kam jemand, das ließ sich nicht ändern – so auch jetzt. Raghnall verzog kurz das Gesicht, wischte über die Wachstafel, so dass nicht mehr zu lesen war, was dort gestanden hatte, legte sie beseite und kam langsam aus dem Lagerraum heraus, in einem fast schon schlendernd, die Haltung beinahe aufreizend lässig. „Jap, hier ist jemand“, machte er und musterte den Störenfried. „Du wünschst?“





    SKLAVE - DECIMA SEIANA

  • Ah ja, endlich kreuzte hier mal jemand auf. Etwas skeptisch musterte Xanthias den Sklaven, der durch sein Gebaren wohl genau das Gegenteil eines vorbildlichen Buchhändlers widerszuspiegeln schien. "Chai...", gerade konnte sich der Grieche noch selbst unterbrechen: "Salve." Nun doch schon einige Zeit in Rom, waren so grundlegende Dinge wie die Begrüßungsformeln seiner Heimat noch immer fest im Bewusstsein des Griechen verankert, was sich so schnell wohl auch nicht ändern würde. "Domina Seiana hat mich damit beauftragt, mir einen Bild ihrer Betriebe zu bilden. Könntest du mir bitte die Abrechnungen der letzten Zeit, sowie Listen des aktuellen Bestandes vorlegen?" Zunächst galt es, einen Eindruck zu gewinnen, wie die Buchhandlung finanziell dastand, und wie das Angebot an Werken aussah.

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    Raghnall blieb einfach stehen und musterte den Kerl. Eine Augenbraue wanderte etwas nach oben beim ersten Ansatz, der über die Lippen des anderen kam, bevor er sich dann irgendwie umentschied und er ein Salve zu hören bekam. Raghnall konnte Griechisch, auch wenn er kein Grieche war, sondern Gallier. Aber in welcher Sprache er nun begrüßt wurde, war ihm gelinde gesagt völlig schnuppe. Was als nächstes kam, hatte schon mehr Substanz, allerdings war sich Raghnall dabei nicht so ganz sicher, ob ihm das nun gefallen sollte oder nicht. Es schien ganz danach zu klingen, dass sein schönes Leben hier nun so langsam ein Ende fand, was ihm gar nicht taugte. Es mochte aber auch sein, dass er ganz simpel zurückversetzt wurde quasi in die Casa Decima, weil er hier nichts geleistet hatte. Wäre nicht das Schlechteste. Hatte zwar Spaß gemacht in dem Buchladen, solange er in Ruhe gelassen worden war, aber nun, er hatte gewusst, dass das eher kürzer denn später ein Ende haben würde.


    Dann allerdings musste Raghnall plötzlich lachen. „Listen?“ Das war gut. Als ob er auf so etwas geachtet hätte. Aber immerhin, mit Abrechnungen konnte er dienen, auch wenn die... nicht so ganz... sauber geführt waren. Er hatte nicht wirklich alles notiert, was er hier verkauft hatte. War nicht ganz einsichtig gewesen für ihn, warum er sich die Mühe machen sollte... und nebenbei war es so recht einfach gewesen, ab und zu mal etwas abzuzweigen. Wenig genug, dass es der Decima nicht auffallen würde, solange sie nicht anfing zu verlangen, dass die Bücher ordentlich geführt wurden, aber genug, um ihm die eine Wette oder das andere Spiel zu finanzieren, wenn er mal wieder verloren hatte. „Also...“ Er machte einen Schritt hinüber zu dem Verkaufstresen und holte ein paar Papyri hervor. „Die Abrechnungen. Und die Bestandslisten, Moment...“ Er meinte sich zu erinnern, dass irgendwo in einer Kiste noch die Listen waren, die aus Alexandria mitgeschickt worden waren. Allerdings hatte er sich nie die Mühe gemacht, die zu überprüfen. Er war ja noch nicht mal fertig mit Auspacken, denn hinten standen noch mehr Kisten. „Ah ja, hier. Sind die Listen aus Alexandria von dem Zeug, was sie hergeschickt haben. Allerdings nicht mehr aktuell, wurde schon was verkauft.“





    SKLAVE - DECIMA SEIANA

  • Der ohnehin eher ... ungünstige Eindruck jenes Sklaven, der - nur die Götter mochten wissen, warum - mit der Betreuung des Buchladens beaufragt worden war, schien sich durch sein eher beunruhigendes Lachen nach Xanthias' Erwähung der Listen lediglich zu verschlimmern. Dem Griechen schwante Übles. Wenngleich der Sklave allem Anschein nach keinen besonderen Wert auf penible Buchführung legte, brachte er zumindest ein paar Papyri hervor, die Xanthias sogleich an sich nahm und auf dem Tresen entrollte. Ein einziger Blick auf die Abrechnungsliste bestätigte seine schlimmsten Befürchtungen und ließ ihn gar an seiner Herrin zweifeln. Nun war er doch schon einige Zeit in Rom und Seiana hatte stets einen klugen, überlegenen Eindruck auf ihn gemacht. Sollte sie tatsächlich nicht bemerkt haben, wie schlecht es um ihre Buchhandlung bestellt war? Natürlich waren einige Verkäufe vermerkt, doch ließ die bloße Quantität der Käufe vermuten, dass man die Abrechnungsliste einer Buchhandlung in einer kleinen Provinzstadt, aber doch nicht im gewaltigen Rom, der Hauptstadt eines so riesigen Reiches in Händen hielt. Wenn es nicht problemlos möglich war, die Verkaufszahlen zu verdreifachen, mochte Xanthias sich endgültig mit seinem Schicksal und Sklavendasein zufrieden geben.


    Sodann wandte sich der Grieche den Bestandslisten zu, schreckte jedoch, in die Lektüre derselben vertieft, deutlich zusammen als dieser ungebildete Sklave doch tatsächlich von Zeug sprach, das noch, in Kisten verstaut, seiner Eingliederung in den ohnehin eher mageren Bestand der Bibliothek harrte. Nur mit Mühe konnte er sich zurückhalten diesen Gallier, oder was auch immer er sein mochte, nicht auf der Stelle gehörig zurechtzuweisen, letztendlich scheiterte es an dem Bewusstsein, dass jener wohl nicht zuletzt an körperlicher Kraft und Größe dem eher zarten Griechen zweifellos deutlich überlegen war und eine bracchiale Auseinandersetzung, die Xanthias als Folge auf seine Worte durchaus erwartete (dieser Mann war schließlich ein Barbar!), eher schlecht für ihn ausgefallen wäre. Er biss sich also lediglich auf die Lippen, während er die Liste schnappte und an den Regalen nach den zugehörigen Werken suchte.


    "Sind die Schriftrollen nach irgendeinem Prinzip geordnet?", fragte er den Sklaven, bereits einen etwas entnervten Unterton in der Stimme. Zumindest konnte Xanthias kein Ordnungsprinzip erkennen - und wenn er es nicht konnte, würde es die Kundschaft, so denn einmal sich eine hierher verirrte, wohl auch nicht.

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    Raghnall bemerkte schon, dass der Grieche irgendwie... nun ja... nur mäßig begeistert war. Oder auch: das Ganze suboptimal fand. Oder so. Aber gut, die Abrechnungen sahen auch recht mau aus. Die Kasse selbst war da schon etwas besser gefüllt, da Raghnall ja nicht alle Verkäufe aufgeführt hatte in der Abrechnung. Er rümpfte kurz die Nase, als der Grieche sich gleich auf die Papyri stürzte, und beobachtete ihn dann einfach nur dabei, wie er durchblätterte und las. Der Eindruck, dass der andere Sklave wenig begeistert war von dem, was er vorfand, verstärkte sich noch. Und gemeinsam mit dem nächsten Kommentar, der nun schon etwas genervt klang, führte das bei Raghnall zu einem eher humorlosen Grinsen. „Äh... jein“, machte er mit einem Achselzucken. „Die vom Anfang, als die Decima noch dabei war... die hat sie ordnen lassen. Der Rest... wie er mir unter die Finger kam.“ Insofern war wenigstens eine gewisse Ordnung drin, jedenfalls da, wo Raghnall simpel eine Kiste ausgepackt und direkt eingeräumt hatte. Der Buchladen in Alexandria war gut sortiert und ebenso gut geführt, und entsprechend geordnet waren die Kisten, die von dort geschickt worden waren für die Eröffnung des Buchladens in Rom. Allerdings: Raghnall hatte eben nicht immer einfach eine Kiste nach der anderen ausgepackt. Manchmal hatte er mit einer angefangen und dann wieder aufgehört, weil ein Kunde gekommen war. Oder weil er fand, sich genug angestrengt zu haben. Oder weil noch Platz war im Regal, aber eben für dünnere Schriftrollen, die er sich dann eben aus einer anderen Kiste geholt hatte... Oder es war schlicht schon Abend gewesen. Und wenn er dann irgendwann weiter gemacht hatte, hatte er sich einfach irgendeine Kiste geschnappt – und damit nicht notwendigerweise die, mit der er aufgehört hatte. „Da drüben“, er machte eine vage Handbewegung in die Richtung, „sind griechische Schriften. Und da hinten ein paar Römer.“ Viel mehr konnte Raghnall auch nicht sagen, denn eines hatte er sich ganz sicher nicht gemacht: die Mühe, die ganzen Titel auch nur zu lesen. Er zog ein Stück Süßholz hervor und begann darauf herumzukauen. „Hinten im Lagerraum sind noch mehr Kisten. Sind auch geordnet.“ Wo der Typ doch so sehr auf Ordnung stand, fand Raghnall, dass er das durchaus erwähnen konnte.





    SKLAVE - DECIMA SEIANA

  • Die Liste des Bestandes in der Hand, strebte Xanthias also zunächst jenen Regalen zu, in deren Richtung der Gallier mit dem Vermerk, dass sich "da drüben" die griechischen Schriften befinden sollten, gewiesen hatte. "Aischylos, Alkaios, Alkmaion, Anakreon ...", wenigstens war die Liste alphabetisch geordnet, in den Regalen sah das leider ganz anders aus. Eine kleine Ewigkeit schien zu verstreichen, bis Xanthias nach angestrengter Suche endlich wenigstens einige Werke der angeführten Autoren ausfindig gemacht hatte. Doch hier stand Empedokles neben Thukydides, Geschichtsschreibung neben Tagödie, Bukolik neben Epik. Dem ästhetisch epfindlichen Griechen schien sich beim Anblick des Chaos schlichtweg der Magen umzudrehen. Rasch trat er aus den Regalen hervor, um zu sehen, ob wenigstens bei den Römern noch zu hoffen war.


    Hier sollte doch allein durch die rein quantitative Unterlegenheit leichter Ordnung zu schaffen sein. "Caesar, Catullus, Cicero...", einiges war tatsächlich zu finden, "Phaedrus, Plautus, Plinius" Klassische Fabel neben altgediegener Komödie und avantgardistischer Epistolographie - wenigstens nach dem Alphabet geordnet. Auch hier trat Xanthias schon bald zurück. Zweifelsfrei, der Laden hatte Potential, doch es würde wohl eine ganze Weile und viel Arbeit brauchen, hier alles auf Vordermann zu bringen. Der Grieche trat erneut auf den Tresen zu und deponierte die Papyrusliste dort. "Ich denke, ich habe einen Eindruck gewonnen.", wandte er sich sodann an den Gallier und tatsächlich sollte er sich besser beeilen und nicht mehr allzu viel Zeit in diesem trostlosen Buchladen verbringen, schließlich harrten noch zwei weitere Betriebe ihrer Inspektion, "Ich danke dir und wünsche noch einen angenehmen Tag!" Die Ironie in seinen Worten schien nahezu greifbar, bestand doch für den Griechen kein Zweifel, dass dieser arbeitsscheue Gallier sich einen eben solchen zweifellos machen würde.

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    Etwas gelangweilt sah Raghnall dabei zu, wie der Grieche die Liste überflog und dann die Regale entlangging, um sich anzusehen, was da schon stand. Er lehnte sich an den Verkaufstresen, kaute auf dem Stück Süßholz herum und wünschte sich, der Kerl würde zu einem Ende kommen. Vermutlich bedeutete sein Auftauchen hier, dass Raghnalls ruhige Zeit ein Ende hatte, aber war jetzt nichts, was den Gallier sonderlich in Aufregung versetzte. Es war klar gewesen, dass es nicht ewig so hatte weiter gehen können, nicht bei seiner Herrin – dafür kannte er sie dann doch gut genug. Aber Raghnall hatte vor, seine letzten bequemen Tage in dem Laden zu genießen, und je eher der andere Sklave ging, desto eher konnte er mit dem Genießen anfangen. Und danach, nun ja, irgendeine Möglichkeit würde er schon finden, um sich sein Leben wieder so leicht wie möglich einzurichten, im Rahmen dessen, was ihm dann als neue Aufgabe angetragen wurde.


    Der Komiker war inzwischen bei den Römern angelangt, recht am Ende wie es schien, und tatsächlich: er kam wieder an und verabschiedete sich. „Ja...“, machte Raghnall und verkniff sich den abermaligen Hinweis auf die doch so schön angeordneten Kisten im Lagerraum. „Dir auch noch einen schönen Tag.“ Er sah ihm nach, wie er den Laden verließ, weiterhin angelehnt an den Tresen. Ein halblautes „Hu“, war schließlich zu hören, bevor der Gallier sich dann löste, die Papyri wieder verstaute und sich dann wieder dem widmete, was er vor dem Besuch getrieben hatte.





    SKLAVE - DECIMA SEIANA

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