Domus Aeliana - Cubiculum Axilla

  • Er glaubte also wirklich, sie wollte einen anderen? Axilla schnaufte einmal tief durch, als sie sein ernstes 'ja' hörte. Ihr brannte die Frage auf der Zunge, warum er denn sie geheiratet hatte, wenn er doch so davon überzeugt war, dass sie lieber Vala heiraten wollte, aber sie ließ es bleiben. Nicht noch mehr Öl in die ohnehin viel zu heftig brennende Flamme gießen.


    Als sie mit ihrem ganzen Vortrag zu Vala fertig war, hörte sie, wie er aufstand und zu ihr kam. Sie spannte sich innerlich schon an, als er sie dann doch etwas unsanft herumdrehte und sie damit zwang, ihn anzusehen. Trotz blitzte aus ihren Augen, als er sie so ansah, Trotz und Wut. Sie wollte jetzt nicht! Sie wollte ihm nicht in die Augen sehen, sie wollte nicht streiten, sie wollte nicht darüber reden! Sie wollte jetzt einfach nicht! Was sie wollte, das war raus, weit weg, wo sie allein war, wo ihre Gedanken klar waren und sie nicht von all dem Druck Kopfschmerzen bekam.
    Und wieder redete er nur von Vala. Darüber, dass er ihm nicht traute, dass er ihr was antun wollte. Er hörte ihr gar nicht zu! Wie oft musste sie es denn noch sagen?
    “Aber du kennst Vala gar nicht. Du kennst ihn nur von dem fest, und sonst gar nicht. Ich kenn ihn schon viel länger und anders als du. Vielleicht hat er sowas gesagt, aber er würde das nie tun. Niemals würde er mir etwas tun.“ War das denn so schwer zu begreifen? Warum beharrte er darauf, dass sie das anders sehen müsse?
    “Wenn er mir etwas hätte tun wollen, dann hätte er es schon so oft tun können. Aber das hat er nicht. Er hat mich vom Aventin sogar nach Hause gebracht, damit mir nichts passiert! Ich meine... warum sollte er erst das tun, und mir dann was tun?“ Dass Archias da auch so stur sein musste! Warum konnte er nicht einfach akzeptieren, dass Axilla das anders sah. “Du musst ihn ja nicht gern haben, aber vertrau doch wenigstens mir!“

  • »Du kennst meine Leute auch schon ne Weile, aber weißt nicht, wozu sie fähig wären«, schnappte Caius zurück. Sie verstand das einfach nicht! Caius hatte doch auf diese bescheuerte Drohung gar nichts (naja, zumindest nicht allzu viel) gegeben, bis das mit Leander passiert war. Seitdem musste er dauernd fürchten, dass Vala sein grausiges Werk vollendete. Und Axilla r-a-f-f-t-e das einfach nicht! Caius musste echt ein frustriertes Stöhnen unterdrücken.


    »Na weil er seinen Ruf nicht kaputt machen will!« Caius schnaubte.
    »Der kommt aus einer Familie, die sich quasi hochgeschlafen hat, Axilla. Was glaubst du, wie sich das auswirkt, wenn er einfach so jemanden umlegt, weil er mir eins auswischen will! Jemand wie der macht das mit viel Geld an einen miesen Feigling aus der subura. Dea Dia sei Dank hat er da wohl den falschen bezahlt oder zu wenig, dass der nur Leander getroffen hat und nicht dich!« Caius stockte, ließ seine Worte Revue passieren und sah Axlla dann zerknirscht an.
    »Das..also, das hab ich nicht so gemeint. Mit Leander. Aber ich bin so froh, dass du nicht das Messer abbekommen hast, das kannst du dir gar nicht vorstellen.« Caius war es jetzt auch egal, dass er eigentlich Axilla etwas sauer war und umgekehrt. Er nahm sie einfach in den Arm und drückte sie an sich, als würde sie sonst weglaufen.
    »Ich will einfach nicht, dass du ihn so verteidigst. Ich kann den nicht leiden. Aber ich kann's auch nicht beweisen, dass er das war. Ich wünschte nur, du würdest mir glauben. Oder mich zumndest verstehen. Der hat keine so weiße Weste wie du glaubst. Das weiß ich einfach.«

  • “Ja, aber es gibt Unterschiede, wie man jemanden kennt!“ schnappte Axilla zurück. Sie war sich sicher, dass Vala ihr nichts tun würde. Sie hatte in seine Augen gesehen, während er ihre Hand gehalten hatte im Tablinum vor nichtmal 2 Wochen. Und selbst, wenn sie diesen Moment nicht mit ihm erlebt hatte, Axilla wusste einfach, dass er ihr nichts tun würde. Sie konnte es nicht beschrieben, warum, sie wusste es einfach. Dass Archias das nicht einfach akzeptieren konnte!


    Dann aber fing Archias an, die ganzen Duccier auch noch mit hineinzuziehen in seine Ablehnungshaltung Vala gegenüber, und da musste Axilla schon arg nach Luft schnappen. “Hochgeschlafen?“ echote sie halb betäubt und war einen Moment fassungslos. “Kennst du denn überhaupt auch nur einen einzigen Duccier? Oh, stimmt ja, du kennst einen. Duccius Rufus, der übrigens ein verdammt guter Freund von mir ist! Den hast du doch auch kennen gelernt, und den hast du auch zum Essen eingeladen, als er beim Cursus Publicus angefangen hat!“ Das hatte Rufus ihr erzählt, als er bei ihr gewesen war. Das weibliche Gedächtnis war schon eine feine Sache, vergaß alles mögliche, auch wichtige Dinge, aber nach Jahren konnte es winzige Kleinigkeiten im passenden Moment zutage fördern, damit frau sie einem Mann unter die Nase reiben konnte. So wie jetzt mit dieser winzigen Information, der Axilla damals kaum eine Bedeutung zugemessen hatte. “Hat der sich deiner Meinung nach auch hoch geschlafen? Ich will dir mal was sagen, die Duccier sind schon lange Handelspartner von mir, und die haben mich noch NIE übervorteilt oder herablassend behandelt oder sonstwas! Die waren alle samt und sonders immer sehr nette, höfliche und ehrenvolle Menschen! Und grade von dir hätte ich erwartet, dass du nicht so viel darauf gibst, woher jemand stammt!“
    So, jetzt war Axilla wirklich sauer. Dass er Vala nicht leiden mochte und eifersüchtig war, schön und gut. Das konnte sie ja zum Teil noch nachvollziehen. Aber wenn er jetzt auch noch einen der wenigen Freunde, die Axilla überhaupt hatte, nur wegen dem Namen mit durch den Dreck zog, dann hörte der Spaß auf!
    Und das mit Leander war dann der nächste hieb. Wieder stiegen Axilla ungewollt Tränen in die Augen, die sie zornig und rabiat wegfegte. Er wusste, wie sehr sie Leander geliebt hatte! Er hatte gesehen, wie sie darunter gelitten hatte, wie sie immernoch litt, wenn sie nachts schweißgebadet und zitternd aufwachte! Er wusste das! Er wusste, wie sehr er ihr fehlte! Und dann sagte er sowas! Auch wenn er sich dafür gleich entschuldigte, aber der Treffer saß erstmal, und von Trauer und Zorn überwältigt sagte Axilla erst einmal gar nichts.
    Sie war steif wie ein Brett, als er sie in die Arme schloss und sich nochmal erklärte. Sie umarmte ihn nicht und machte auch sonst nichts, sie stand einfach nur da. Sie hasste das. Sie wollte mit Archias nicht streiten. Das hier war so schon schwer genug. Sie wollte nicht ganz allein hier in diesem Haus sein, in diesem Palast, in dieser Stadt. Sie wollte doch nur, dass er ihr vertraute.
    Axilla schluchzte einmal, unterdrückte es dann aber wieder. Sie würde jetzt nicht heulen, auch wenn das einfacher wäre. Auch wenn es sie erleichtern würde und den Streit beenden. Aber sie wollte das jetzt so nicht stehen lassen.
    “Und ich mag es nicht, wenn du so über ihn herziehst. Ich mag ihn leiden. Ich weiß, dass er damit nichts zu tun hat. Egal, was er gesagt hat. Ich weiß, dass er auch dunkle Stellen in seiner Seele hat, aber er ist nicht so schwarz, wie du ihn zeichnest.“

  • »Sag ich ja!« maulte Caius zufrieden. Kennen war eben nicht gleich kennen. Gut, dass Axilla wenigstens das einsah. War ja immerhin etwas. Jemand, den man glaubte zu kennen, den kannte man vielleicht gar nicht so gut.
    »Also red nicht davon, dass du den kennst, nur weil er dich mal nach Hause gebracht hat.« Für ihn war die Schlussfolgerung echt logisch. War sie ja auch!


    »Klar, den kenn ich. Der ist ja auch in Ordnung, aber von dem hört man ja auch nichts mehr! Er war mal kurz Postangestellter und ist dann wieder in seiner Höhle verschwunden. Leider, wirklich, ich fand den echt nett.« Caius zuckte mit den Schultern und sah Axilla böse an. Musste sie das alles so pauschalisieren? Caius hatte dabei natürlich vergessen, dass er selber das auch verallgemeinert hatte.
    »Nicht nur von dir, ich kauf bei denen meinen Marmor ein, wie du weißt.« Caius grummelte vor sich hin. Axilla machte doch seine Abrechnungen, sie hatte Einsicht in seine Finanzen. Natürlich wusste sie das. Er stöhnte gepeinigt auf und verdrehte die Augen.


    »Mann! Axilla, ich sag doch gar nix gegen die Duccier! Ich mein doch nur, dass sie zu dem geworden sind was sie sind, weil sie sich eben an einflussreiche Leute drangehängt haben! Und nichts anderes macht dein Freund Vala auch«, ätzte er.
    »Erst ist es Vespas Kerl, jetzt ein einflussreicher Senator.« Caius kniff die Augen zusammen. So langsam bekam er auch Kopfschmerzen. Und ihm fiel wieder auf, dass er sich mit Axilla stritt, was er ja eigentlich gar nicht wollte.


    Axilla fühlte sich an wie ein Holzbrett in seinen Armen. Da ließ er sie los. Er würde sich ihr bestimmt nicht aufzwingen, und wenn sie jetzt so sein wollte, würde er eben gehen und sie alleine lassen. Zumindest war das der Plan. Als Axilla kurz schluchzte, schwankte der allerdings schon wieder. Sie hörte sich trotzig an bei dem, was sie sagte. Caius schnaubte, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute in eine andere Richtung. Über ihn herziehen, pah! Ihn leiden!


    »Fein. Dann leid ihn halt. Aber wehe du beschwerst dich, wenn er dich dann hinterrücks erstochen hat!« maulte er beleidigt. Aber eigentlich machte er sich nur tierische Sorgen um Axilla, und zwar aus zwei Gründen. Erstens fraßen die Worte von Serrana an ihm, die mit der Verliebtheit, die Axilla ja direkt und immer wieder bestätigte mit dem was sie so sagte. Und zweitens diese Drohung. Und Caius musste da was unternehmen. Er drehte sich rum und wollte Axilla stehen lassen, um...was auch immer zu tun. Irgendwas würde er bestimmt schon finden, was er machen konnte, und wenn er trockene Fliegen zu kleinen Bildern zusammenlegte und auf einer Wachstafel festpinnte.

  • GrrrrrrrrrrRRRRRRRRRRRR! Warum verstand dieser Mann sie nicht? War es denn wirklich so schwer zu verstehen? Warum beharrte er so darauf, dass Vala ihr etwas tun wollte und Axilla ihn nicht kennen konnte. Axilla kannte Vala. Das wusste sie mit sicherer Überzeugung. Er war ein Krieger, und Axilla wusste, wie eine Kriegerseele aussah. Sie wusste einfach, dass er damit nichts zu tun hatte. Warum wollte das partout nicht in Archis Schädel?


    Und er widersprach sich selber, fand Axilla. Erst relativierte er wegen Rufus, und dann verallgemeinerte er schon wieder. Das war echt zum Haare raufen. Gut, dass Archias sie schon losgelassen hatte, so kam sie nicht in Versuchung, sich extra noch freimachen zu müssen.
    “Also, mir hat er noch jeden Brief beantwortet, den ich ihm geschrieben habe. Vielleicht steigst du mal von deinem hohen Ross und versuchst das auch. Ich bin sicher, Rufus freut sich und wird dir auch antworten.“ Der giftige Unterton in ihrer Stimme machte den Wahrheitsgehalt ihrer Aussage beinahe zunichte. Aber sie meinte, was sie sagte, Rufus würde sich sicher freuen und bestimmt antworten. Wenn Archias also Kontakt haben wollte, lag es an ihm, diesen herzustellen.
    “Und an wen haben sich die Duccier denn drangehängt? Kennst du die überhaupt? Warst du schonmal in Mogontiacum, oder bist du für das Gebiet da oben einfach so Experte?“ Jetzt musste Axilla noch eine ganze gens verteidigen, mit der sie selber genaugenommen wenig zu tun hatte, nur weil ihr Mann einen davon nicht leiden mochte. Nun, sie konnte auch nicht beweisen, dass die Duccier nicht irgendwelchen Einfluss bei sonstwem genutzt hätten, aber sie glaubte auch nicht, dass Archias es beweisen konnte, dass sie so etwas getan hätten. Und selbst wenn, das war eben Politik. Es widerstrebte Axilla zwar, die eine recht verklärte Vorstellung von Ehre hatte, aber sie war nicht so dumm, nicht zu sehen, dass es so nunmal funktionierte.
    “Und was Vala angeht: Dann hat er halt einen Senator zum Patron. Das haben ungefähr zwanzigtausend andere in dieser Stadt auch!“ Gut, die Zahl war sicher übertrieben, und Axilla wusste auch gar nicht, ob Vala von irgendeinem Senator der Klient war. Sie hatte ihn das nie gefragt und fand das auch nicht nötig. Aber jeder Senator hatte einen ganzen Haufen an Klienten, das war das normalste der Welt. Da Vala einen Vorwurf draus stricken zu wollen fand Axilla reichlich albern. “Was bitte ist daran verwerflich? Du bist doch auch auf deinem Posten, weil dein Vetter der Kaiser ist!“
    Kaum eine Sekunde, nachdem Axilla das gesagt hatte, tat es ihr unendlich leid. Das wollte sie nicht so sagen, das war ihr im Zorn herausgerutscht. “Ich... das hab ich nicht so gemeint...“, stammelte sie kurz, wurde dann aber wieder hart. Nein, sie würde nicht hingehen, und sich entschuldigen! Sie war im Recht! Archias war derjenige, der völlig grundlos ihr hier eine eifersüchtige Szene machte! Und dabei hatte Axilla doch gar nichts getan! Durfte sie jetzt keine Freunde mehr haben, weil sie verheiratet war?


    “Oh, keine Sorge, ich werde dann keinen Ton sagen, weil das nie im Leben passieren wird! brüllte sie ihm noch hinterher, als er an ihr vorbeiging, um das Zimmer zu verlassen. Jetzt ging der einfach auch noch! Und Axilla hatte kein Ventil für ihre Wut.
    Nunja, fast keines, denn ihr Schminktisch war ja schon aufgestellt und hielt ein ansehnliches Arsenal an Tiegeln und Töpfchen bereit. Kaum also, dass Archias zur Tür raus war, schnappte sie sich die feinen Gefäße und schleuderte sie gegen das dicke Holz, jeweils begleitet von einem zornigen Knurren. Zack, der grüne Lidschatten, Peng, der blaue hinterher. Lippenrot und einige Haarspangen hatten nicht so gute Flugeigenschaften und landeten auf halben Weg auf dem Boden. Aber die Puderdose flog ganz hervorragend, als sie in einer Staubwolke an der Wand neben der Tür in Stücke brach.
    Axilla sank daraufhin heulend in sich zusammen. Warum verstand er sie so gar nicht? Warum traute er ihr so gar nicht? Hatte sie ihm Grund gegeben, anzunehmen, sie sei ihm untreu? Oder aber hatte er einfach erkannt, wie schlecht und verdorben sie im Grunde doch war, und wie wenig sie hierher passte? Seiana, die hätte hierher gepasst. Bei ihr hätte er sich sicher auch nicht gestritten. Sie war die perfekte, römische Matrone. Und Axilla? Sie sah zu der Zerstörung, die sie angerichtet hatte, und fühlte sich elend. Sie sah zur anderen Seite, zur Rüstung ihres Vaters, und fühlte sich noch elender. Vielleicht sollte sie besser heimgehen, dann tat sie niemandem mehr weh.
    Aber nicht jetzt. Sie rappelte sich halb auf und ließ sich erst einmal aufs Bett fallen, schnappte sich ein Kissen und zog es an sich. Sie schluchzte, und erstickte die Töne in dem Kissen.


    Wie sehr ihr Leander doch in diesem Moment fehlte...

  • »Na an die Römer!« Immerhin waren das Germanen, und die hatten sich irgendwann das Bürgerrecht gekauft. War ja auch egal, es ging hier ja ums Prinzip! Caius hob die Arme kurz und ließ sie dann fallen, wie ein übergroßes Schulterzucken. Axilla war noch schlimmer als Seiana im Streit. Seiana war nur abweisend und kalt, aber Axilla... Die konterte genauso unüberlegt wie er, was das Streiten nicht unbedingt einfacher machte, sondern schwieriger. Seiana hatte immer irgendwann nachgegeben (zumindest hatte Caius den Eindruck gehabt, auch wenn sie sich eigentlich nur noch ihren Teil gedacht, aber nicht laut gesagt).


    Axilla war halt anders. Und was sie in dem Moment laut sagte, ließ ihm einfach nur den Mund offen stehen. Weil sein Vetter Kaiser war. Caius klappte den Mund zu und presste ihn auch gleich zu einem dünnen Strich zusammen. Dazu sagte er nichts mehr. Er drehte sich einfach rum und stapfte weg. Weg von Axilla, weg aus dem Zimmer, weg vom Streit.


    »Ach und übrigens«, sagte er gehässig, als nur noch der Kopf kurz im Zimmer war.
    »Ich war in Mogontiacum!« Dann knallte er die Tür hinter sich zu und stiefelte weg. Wohin, wusste er erst, als er vor dem Koch stand und sich mit zornesroten Ohren einen kalten Hähnchenschenkel reinpfiff.

  • Axilla lag auf ihrem Bett und heulte. Wie lange, wusste sie nicht. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem die Lunge nur noch weh tat und keine neuen Tränen mehr nachkommen wollten. Der Punkt, an dem Axilla einfach resignierte und aufgab. Was machte das denn für einen Sinn? Sie war eben nicht perfekt und würde es auch nie sein. Sie war nicht wie Seiana und würde das auch nie sein. Sie war nur ein dummes Mädchen, das viel zu impulsiv handelte und hier nicht hergehörte. Nicht in dieses Zimmer. Nicht in dieses Haus. Noch nicht einmal nach Rom. Das war eben so. Und der Streit eben hatte es wieder bewiesen.
    Und dabei war das so blöd! Alles nur, weil sie fand, dass ein Mann seine Familie verteidigen können musste. Aber sie fand das eben so! Das war so! War das schlimm? War das so falsch?
    Und Vala... Axilla dachte an Vala. Sie konnte doch ncihts dafür, dass sie ihn so angesehen hatte. Sie konnte doch ncihts dafür, dass sie ihn gern hatte. Das suchte man sich doch nicht aus! Aber dass Archias deshalb so wütend war... sie hatte doch gar nichts getan! Sie hatte ihm doch nie Anlass zur Eifersucht gegeben! Sie hatte ihm ja sogar gesagt, wie sie für ihn fühlte, und das war sicher alles andere als einfach für sie gewesen. Jeder, den sie liebte, der entglitt ihr. Ihr Vater war in einem Hinterhalt gefallen. Silanus war erst von Alexandria nach Germania gegangen, und kaum, dass sie ihn hier in Rom wieder sah, war er krank geworden und aufs Land gezogen. Urgulania war in Alexandria ermordet worden. Und Leander, ihr liebster Leander, war erst vor ein paar Wochen getötet worden.
    Sie war verflucht. Eindeutig verflucht. Sie sollte gehen, ehe noch etwas schlimmeres passierte. Ehe Archias auch davon getroffen wurde und sein Leben ihretwegen verlor. Sie sollte so weit weg gehen wie ihr nur möglich war.
    Sie krümmte sich noch etwas mehr zusammen und kuschelte sich an das vollgeheulte Kissen. Sie wollte ihn nicht verlieren. Aber vielleicht war sie einfach so verdorben, schlecht und verflucht, dass es anders nicht ging? Aber sie wollte ihn doch nicht verlieren....


    Axilla lag einfach da, fast apathisch, und starrte vor sich hin. Wenn sie nur wüsste, was das richtige wäre. Wenn sie das doch nur wüsste...

  • Caius hatte einen Schluckauf. Und zwar, weil er das Hühnchen viel zu hastig verschlungen hatte. Obwohl er nicht mal Hunger gehabt hatte! Aber so war das immer schon gewesen. Andere machten Sachen kaputt oder heulten oder machten Sport. Caius aß halt was. Sein Waschbärbauch kam eben doch nicht von ungefähr. Und jetzt hatte er zwar Schluckauf, aber wieder einen klareren Kopf. Nur wenn er an Vala dachte, schäumte es gleich wieder. Deswegen entscheid er, dass es gut war, erst noch mal zur Latrine zu gehen. Und das dauerte. Das dauerte so lange, bis Axillas Augen rot vom Heulen und ihr Kissen ganz nass war. Aber dann, dann war Caius gefühlte zwei Kilo leichter und sah auch nicht mehr dunkelrot, wenn er an Vala dachte. Nur noch hellorange, aber das musste eben irgendwie gehen.


    Caius schlappte zu Axillas Zimmer und horchte. Alles still. Als ob sie gar nicht mehr da wär! Vielleicht war sie ja wirklich weg. Abgehauen, wegen ihm. Weil seine Theorie für ihn so logisch war. Und weil er Vala nicht nur nicht leiden konnte, sondern weil er ihn auch gar nicht leiden wollte. Nicht mal Axilla zuliebe. Caius drückte die Klinke und schob die Tür auf. Dabei machte es merkwürdige Geräusche, als würde das Holz irgendwas erfassen und vor sich her schieben. Auf den Fliesen vor Caius Füßen waren staubige Flecken. Er hatte nicht geklopft, aber rein ging er trotzdem. Und Axilla lag auf dem Bett zusammen gerollt da und knautschte ein Kissen. Caius presste die Lippen kurz aufeinander und zog die Mundwinkel hoch. Süß war sie ja schon. Eigentlich auch, wenn sie sauer war. Aber wenn sie ihm sauer war, das mochte er nicht.


    Er machte die Tür zu, entdeckte dabei verwundert Axillas Schminkregalinhalt auf dem Boden und ging dann zum Bett, um sich mit verschränkten Armen neben sie auf die Kante zu setzen.
    »Also gut. Ich kann ihn nicht leiden. Ich mag ihn einfach nicht. Und zwar, weil du ihn so anhimmelst. Und weil du ihn verteidigst, was immer ich auch sag. Aber er hat mir gedroht, Axilla, das hab ich nicht geträumt. Und zwar mit deinem Tod. Nicht mit dem von Leander oder wem anders, sondern mit deinem. Und nicht mal drei Wochen später stirbt Leander dann, als er ganz alleine mit dir unterwegs ist. Aus Versehen? Einfach so? Ich glaub das einfach nicht. Und praktischerweise ist der Mörder auch gleich mit hin. Ich mein, wer ermordet schon einfach einen Sklaven? Und warum?« Caius zuckte mit den Schultern, hob aber einen Zeigefinger, damit Axilla ihn erstmal ausreden ließ.
    »Ich kann das nicht beweisen. Also, dass er das war. Aber das macht mir Angst. Und deswegen die Leibwächter. Weil ich Angst um dich hab. Weil ich nicht will, dass Leander umsonst gestorben ist, denn ich glaub, dass er dich gerettet hat. Weil der Mörder eigentlich dich wollte. Und weil ich das glaub, musst du damit leben, dass die Wächter dir hinterherlaufen.« Caius sah sie ernst an und gleichzeitig auch ganz offen. Vala hatte erreicht, was er wollte, dachte er. Er hatte eine verdammte Scheißangst um Axilla.

  • Wie die Tür geöffnet wurde, bekam Axilla nicht richtig mit. Ihr Blick war in weite Ferne gerichtet, ebenso wie ihre Gedanken. Wenn man sie gefragt hätte, woran genau sie gedacht hatte, sie hätte es nicht einmal so richtig sagen können. So wirklich bewusst wurde ihr die Anwesenheit eines anderen Menschen erst, als die Matratze leicht nachgab und sich in Archias' Richtung neigte, und sich so ihr eigener Schwerpunkt etwas verlagerte. Sie blinzelte erstmal nur, wendete nicht einmal den Kopf oder dachte auch nur daran, zu sprechen. Sie hätte nichts zu sagen gewusst. Und so hörte sie erst einmal nur zu.
    Als er geendet hatte, schloss Axilla müde für einen Moment die Augen. Was sollte sie ihm nur sagen? Er verstand es einfach nicht. Und egal, was sie sagen würde, es machte es schlimmer, und nicht besser. Aber er hatte einfach unrecht. Sollte sie ihn d dann glauben lassen, er hätte recht?


    Die Stille schien beinahe unerträglich zu werden, ehe Axilla sich doch einmal leicht bewegte. Das Rascheln des Stoffes und des Strohs in der Matratze schien unnatürlich laut in der sonst so gespenstischen Stille, ebenso wie der folgende, tiefe Atemzug, den sie tat.
    “Ich bin schuld an Leanders Tod. Ich weiß das. Er ist gestorben, weil er mich beschützen wollte. Und ich hab nichts getan. Ich weiß das.“
    Axilla drehte sich leicht, drehte ihren Kopf so, dass sie Archias ansehen konnte. Ihr Atem ging ganz ruhig, ihre Stimme war ganz leise. Sie hatte einfach keine Kraft mehr, zu streiten, nicht jetzt. Sie wollte nur noch schlafen. Und dann gehen. Das wäre das beste. Sie liebte ihn doch so. Sie wollte ihm nicht weh tun.
    “Aber es war nur ein Überfall. Jeden Tag wird jemand in der Subura überfallen. Ich hätte da nicht lang gehen sollen. Wenn ich den längeren Weg genommen hätte, dann...“ Ihre Stimme versagte kurz, und Axilla musste schlucken, wandte den Blick aus ihren rotgeweinten Augen dabei ab.
    “Ich liebe dich. Aber das hier... das erdrückt mich. Das ist so groß, so... Ich brauche Freiheit, Caius. Das geht nicht, wenn überall diese Kerle bei mir sind. Das ist wie ein Käfig. Die ganze Stadt ist wie ein Käfig. Und ich hab die ganze Zeit so viel Angst, dass jemand meinetwegen verletzt wird.“
    Wie sehr Axilla Leander doch vermisste. Er war auch ihr Schatten gewesen, aber bei ihm hatte sie nicht das Gefühl gehabt, eingesperrt zu sein. Oder so überwacht zu werden. Ihm hatte sie vertraut. Er hatte ihr gehört, in mehr als einer Hinsicht. Die Wachen... die gehörten Archias. Das war Überwachung. Das war, als würde er ihr die Flügel nicht nur stutzen, sondern sie brechen.
    “Ich will nicht, dass dir etwas passiert, meinetwegen. Jeder, den ich liebe, wird verletzt und stirbt. Leander, Urgulania... mein Vater...“
    Wieder ein weiterer, tiefer Atemzug. Axilla wusste einfach nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte doch nur einmal alles richtig machen wollen, und trotzdem lief alles falsch.

  • Caius seufzte tief.
    »Was hättest du denn auch machen können? Er wär auch gestorben, wenn du ihm die Hände auf die Wunde gedrückt hättest«, beharrte Caius. Er konnte nicht nachvollziehen, was Axilla hätte anders machen können. Und klar wurde jeden Tag wer überfallen. Aber wegen Geld oder Schmuck oder was auch immer. Axilla trug doch keine Klunker zur Schau! Sie machte sie Vorwürfe, weil sie schneller zum Palast hatte kommen wollen. Gut, das war auch blöd gewesen, aber eben nicht mehr zu ändern!


    Caius' Gesicht wirkte alt bei Axillas nächsten Worten. Und er fühlte sich auch alt. Das hörte sich so an, als wär ihr das alles zu viel. Nach nicht mal zwei Wochen Ehe. Und Caius wusste nicht mehr weiter. Er sah weg. Auf eine Kerbe in einer Fliese am Boden. Da guckte er ziemlich lange hin, ohne dass er was sagte.


    »Kannst du denn gar nicht verstehen, dass ich deinetwegen will, dass du bewacht wirst?« murmelte er dann und blinzelte ein paarmal und sah Axilla erst danach wieder an. Er wirkte bestimmt traurig.
    »Du willst nicht, dass mir was passiert. Aber das schlimmste, was mir passieren kann, ist dass dir was passiert. Was mach ich denn dann?« Caius zog die Augenbrauen zusammen und zuckte mutlos mit den Schultern.

  • Was sie hätte machen sollen? Irgendwas. Nur nicht einfach nur rumstehen und gucken und gar nichts machen. Ob es was gebracht hätte, das stand auf einem anderen Blatt. Aber tun hätte sie so einiges können. Nur hatte sie es nicht.
    Axilla sagte auch nichts, und das Schweigen zwischen ihnen beiden breitete sich aus, bis es den ganzen Raum zu füllen schien. Irgendwann murmelte Archias doch noch einmal etwas, und Axilla sah wieder zu ihm hin. Er saß noch immer da, die Arme wie schützend vor sich verschränkt. Er hatte sie nicht eine Sekunde berührt in der ganzen Zeit, die er hier war. Axilla sah nur zu ihm halb hoch und musste daran denken. Warum nur war das hier so kompliziert? Warum war es so schwer?
    Sie schwieg eine ganze Weile und sah einfach nur zu ihm hoch. Er sah so verletzt in diesem Moment aus, und Axilla tat das leid. Aber was sollte sie denn machen? Sie konnte ihn nicht anlügen und ihm sagen, dass sie sich anders fühlte, als es war. Sie wollte das nicht. Sie wollte, dass er der eine Mensch auf der Welt war, den sie nicht anlügen musste, bei dem sie nicht so tun musste, als sei sie fröhlich, obwohl sie es nicht war. War das denn so falsch? Musste sie diese Maske, die sie so oft trug, denn wirklich immer getragen werden?
    Sie rutschte ganz leicht auf dem Bett, ließ dabei dann auch endlich das Kissen los, robbte näher an ihn heran. Sie berührte ihn nicht, aber war nun so nah, dass nur einer der beiden wirklich die Hand ausstrecken musste, um den anderen zu berühren. Und Axilla sehnte sich so sehr nach dieser Berührung, nach der Zusicherung, als würde wieder gut werden.
    “Mir passiert nichts.“ Was sollte sie ihm sonst sagen? Ihr war noch nie wirklich etwas geschehen, dass es ihr dabei ans Leder ging. Immer traf es nur die Menschen, die sie liebte. Das war ihr Fluch, davon war sie überzeugt. Und sie wollte nicht, dass Archias der nächste wäre. Aber sie wollte ihn auch nicht verlassen. Wollte ihn nicht verlieren. Sie brauchte ihn doch.
    “Aber ich will nicht von Fremden beschützt werden, Caius. Das ist, als würdest du mir nicht trauen.“ Sie robbte noch ein Stückchen näher, sah zu ihm mit traurigen Augen auf. Sie wollte ihm doch nicht weh tun. Und sie wusste doch nicht, was sie noch sagen sollte.

  • Axilla rutschte herum und kam näher, aber Caius saß nur da und sah sie an. Ihm war gerade nicht nach kuscheln, deswegen kam er erst gar nicht auf die Idee, sie in den Arm zu nehmen. Klar, für etwas mehr war er meistens zu haben, und es versöhnte sich auch ganz prima beim Sex (oder mit Sex). Aber irgendwie... Nee. Caius saß da lieber da und sah Axilla nur an. Ihr passiert nichts. Aha, tolles Versprechen. Caius schnaubte nur zur Antwort. Als ob sie ihm das einfach so versprechen konnte!


    »Ich trau dir doch. Nur anderen nicht«, nörgelte er ein wenig rum. Was sollte er denn machen, wenn der Kerl seine Drohung doch wahr machte und Axilla einfach abmurkste? Er könnte sich das nie verzeihen. Und ihr übrigens auch nicht, wenn sie einfach so über den Jordan sprang. Und dieser Rehblick machte alles noch schlimmer. Bei Seiana hatte Caius sich selten so gefühlt, als müsste er sie beschützen. Bei Axilla fühlte er sich irgendwie dauernd so. Nicht dass ihm das nicht gefiel! Es war nur manchmal anstrengend. Besonders, wenn das zu beschützende Objekt sich so vehement dagegen wehrte. In dem Moment entdeckte Caius den Schwachpunkt in Axillas Formulierung. Er wandte den Kopf und sah sie wieder an.
    »Dann such dir halt iunische Sklaven aus, Axilla. Aber ich will einfach nicht, dass du alleine rumläufst. Von mir aus auch nur vier statt fünf«, argumentierte er.

  • Er traute ihr nicht, das zeigte sein Schnauben auf ihre Worte deutlich. Axilla atmete einmal durch und resignierte. War es denn so schwer zu verstehen, dass sie von ihm beschützt werden wollte und deshalb wollte, dass er eine Rüstung und ein Schwert hatte? War das so falsch?
    Archias bewegte sich nicht, schaute nur zu ihr runter. Wie sehr sich Axilla eine einfache Umarmung gewünscht hätte. Aber es kam keine. Er saß weiter einfach nur da, abweisend, und erklärte ihr, sie solle dann halt iunische Sklaven nehmen. Sie resignierte, ließ den Blick sinken und die Spannung aus ihrem Körper weichen. Ein wenig sank sie richtig in sich zusammen, als sie einfach aufgab. Er verstand es nicht, und sie konnte es nicht anders erklären.
    “Ich werde mich nach einem oder zwei umsehen. Mal schauen....“ Sie vermisste Leander. Wie konnte er nur von ihr erwarten, dass sie sich da nach so kurzer Zeit einen Ersatz suchte? Sie fand das grausam. Es war, als würde sie damit sagen, dass er ersetzbar war, austauschbar. Sie wollte eigentlich keinen neuen Leibsklaven haben. Wie sollte sie jemanden finden, dem sie so sehr vertrauen konnte? Aber sie würde es wohl tun müssen.
    Axilla atmete noch einmal durch und rollte sich dann auf die andere Seite, mit dem Gesicht von ihm weg. Sie fühlte sich so müde und ausgelaugt. Sie wollte keine Maske tragen, aber es ging nicht anders, wie es schien. Sie musste sie jetzt nur noch finden. Sie atmete noch einmal lang und schicksalsergeben. Eigentlich hatte sie mit der Cena auf Archias gewartet, immerhin war es schon spät. Aber jetzt hatte sie keinen Hunger mehr, und auch keine Lust, aufzustehen und irgendwas zu tun.

  • Caius saß da und registrierte natürlich, dass Axilla neben ihm zu einem Häufchen Elend zusammenschrumpelte. Er seufzte leise. Sie sah ziemlich klein und verloren aus, so wie sie da jetzt hockte. Und sich dann wegdrehte. Caius hatte das ziemlich bedrückende Gefühl, ein grober Klotz zu sein. Deswegen gab er sich einen Ruck, drehte sich rum und legte sich direkt hinter Axilla auf ihr Bett und an sie dran. Den Arm legte er über ihre Taille, so dass die Hand vorn lose runterbaumelte. Er sagte gar nichts. Dann steckte er einfach seine Nase in ihre Haare.


    »Drei. In Ordnung? Wenn schon nicht für jede Seite einer...« murmelte er zähneknirschend. Das war sein letzter Kompromiss. Immerhin waren das zwei Sklaven weniger als er eigentlich haben wollte für Axilla.
    »Du kannst sie dir aussuchen. Sie müssen ja auch nicht immer bei dir sein. Nur wenn du raus gehst, in die Stadt. Ja? Und jetzt sei mir nicht mehr böse. Ich hab doch nur Angst, dass dir was passiert, Liebes. Und stell dir mal vor, was das dann für ein Chaos in meinen Betriebsunterlagen wär«, versuchte er einen matten Witz, über den er selber allerdings auch nicht lachen konnte.

  • Als er sich dann doch hinter sie legte, schloss Axilla die Augen. Sie wollte nicht in Gefahr geraten, schon wieder loszuheulen, aber sie fühlte sich im Moment einfach so schwach. Und sie wusste gerade nicht so recht, wie sie mit Archias umgehen sollte. Das war alles so unendlich kompliziert.
    Sie fühlte seine Nase an ihrem Nacken, und kurz war ein Atemzug doch etwas zittriger, als sie wollte. Sie griff nach seiner Hand, die so lose in Höhe ihres Bauches baumelte, und führte diese so um ihren Körper, dass er sie richtig umarmte und seine Hand irgendwo auf ihrem Brustkorb zum liegen kam, wo sie von Axillas Hand auch erstmal festgehalten und rangedrückt wurde.
    “Aber du brauchst doch sowieso jemand neues dafür, wenn ich Arbeit hab. Einen richtigen Scriba...“, versuchte sie den Witz matt zu erwidern. Sie fand es nicht lustig, aber im Moment war ihr auch nicht nach Spaßen.
    Sie rückte noch ein wenig nach hinten, näher an ihn, so dass sie ihn in ihrem Rücken fühlen konnte. Sie brauchte jetzt einfach die Bestätigung, dass er da war und da bleiben würde. Sie brauchte jetzt einfach nur Nähe und Wärme. Sie wollte doch gar nicht mit ihm streiten.
    “Drei.... mal schauen.....“ Das war auch schon wieder so viel. Axilla war es so lange gewohnt gewesen, ganz allein unterwegs zu sein, ohne irgendjemanden. Alexandria war ja auch kein ungefährliches Pflaster gewesen, und dort war sie auch so lange allein unterwegs gewesen, bis Urgulania ihr das Versprechen abgerungen hatte, immer jemanden mit zu nehmen. Und das war dann Leander gewesen, weil sie dem vertraut hatte. Und diese eine Person zu finden hatte Axilla schon schwer gefunden. Davon dann gleich 3? Sie würde sehen, auch wenn sie es immernoch schrecklich beengend fand.

  • Als Axilla seine Hand so platzierte, schob sich Caius noch ein wenig näher an Axilla ran. Es hätte bestimmt kein Blatt Papyrus mehr zwischen sie gepasst. Er seufzte. Ihr Scherz war genauso unlustig wie seiner, also ließ er das besser so stehen und hängte nicht noch was hinten dran.


    »Bitte«, sagte er nur. Er würde sich einfach wohler fühlen, wenn sie nicht ganz alleine war und keine ganz so perfekte Angriffsfläche für mordende Germanen bildete. Sie vielleicht nicht. Er schon. Dann sagte er ein ganze Weile gar nichts und versuchte, einfach nur die Nähe zu genießen und dass er das Hirn weitgehend abschalten konnte. Der Tag war lang gewesen, das Hühnerbein hatte inzwischen seinen Hunger erst so richtig angefacht. Nur deswegen pennte er nicht halb ein, nicht mal zu einem Fünfzigstel.


    »Sag mal... Denkst du das wirklich? Das mit dem Posten am Kaiserhof?« fragte er sie dann unvermittelt. Das hatte ziemlich gesessen, und Caius dachte eben immer noch darüber nach.

  • Nach und nach passte sich ihre Atmung der seinen an. Sie fühlte seinen Herzschlag durch den dünnen Stoff ihres Kleides und den etwas dickeren seiner Tunika hindurch, und schloss einfach die Augen. Auch wenn Archias nicht schlafen konnte, weil er Hunger hatte, Axilla wäre so eingeschlafen. Sie hatte nie Hunger, wenn sie unter Anspannung war, und eigentlich war sie das andauernd. Sie aß viel zu wenig, das wusste sie, aber sie konnte einfach nicht viel Essen, wenn sie sich unter Druck fühlte.


    Doch gerade, als Axilla anfing, fast wegzudösen, sagte Archias noch einmal etwas, was sie dann doch wieder weckte. Ihr Körper spannte sich kurz an, was er aber aufgrund der Nähe in jedem Fall fühlen musste.
    “Das tut mir leid, das wollte ich so nicht sagen“, stammelte sie jetzt doch eine Entschuldigung. “Ich war vorhin einfach nur so... wütend, weil ich nicht verstehe, was du gegen die Duccier hast.“ Sie wollte das thema eigentlich nicht wieder aufwärmen, aber sie musste es ihm ja erklären. “Ich hab das nicht so gemeint. Das ist mir nur so rausgerutscht.“

  • »Mh.« Caius nickte hinter Axilla, was sie ja nicht sehen konnte. Irgendwie war das alles blöd. Das mit Leander war gar nicht so schlimm gewesen, verglichen damit. Caius sagte sonst nichts weiter. Er dachte trotzdem weiter drüber nach. In so einem Satz lag schließlich auch Wahrheit drin, auch wenn sie noch so klein war. Und in Caius baute sich ein Gedanke auf, Stein für Stein und ganz langsam. Wieder verging eine ganze Weile, in der er nachdachte.


    »Und du willst wirklich, dass ich mir eine Rüstung und ein Schwert besorge?« fragte er ohne große Motivation, dafür aber mit Unglaube in der Stimme, nach. Denn Caius war zu dem Schluss gekommen, dass Axilla sich von Soldaten angezogen fühlte. Und ja, dabei dachte er auch wieder an Vala. Zu dem ihm beim Hühnchenessen eine Idee gekommen war. Caius schob die weg. Darum würde er sich später kümmern.
    »Dir wär's lieber, wenn ich Soldat wär. Oder?« fragte er sie leise. Und er war froh, dass er sie dabei nicht angucken musste.

  • Er sagte nichts weiter zu ihrer Entschuldigung, und auch Axilla ließ es gut sein. Sie wollte das Thema nicht erneut aufheizen und wollte es lieber ganz und gar vergessen. Sie kuschelte sich nach ein paar Momenten wieder weiter zurück in Archis Umarmung und ließ ihren Geist einfach treiben. Ob sie schlafen konnte, wusste sie jetzt nicht, aber sie fühlte sich müde und liebesbedürftig. Daher war Kuscheln wohl mit eine der besten Möglichkeiten.


    Eine Weile schwiegen sie wieder beide, ehe Archias dann doch noch einmal das Wort ergriff. Über seine erste Frage war Axilla so verwundert, dass sie mit der Antwort zögerte. Natürlich wollte sie, dass er Schwert und Rüstung besaß. Sonst hätte sie das vorhin ja nicht gesagt. Was also meinte er jetzt damit?
    Doch da kam auch schon die zweite Frage, die die erste erklärte. Axilla rührte sich leicht, konnte sich aber nicht drehen, ohne dafür zuerst von Archias wegzurücken, was sie aber nicht wollte. So griff sie nach seiner Hand auf ihrem Bauch und streichelte diese sanft und leicht.
    “Ich liebe dich, Caius. Ich weiß, dass du kein Soldat bist. Und anders wärst du mir auch nicht lieber.“
    Sie blickte im Raum herum, als läge irgendwo die Antwort, und suchte dabei nach den richtigen Worten. Die ganze Zeit fuhr sie an seiner Hand entlang, an seinen Fingern, den Fingernägeln, und wieder hinunter zum Handgelenk. Das war so schwierig.
    “Es ist nur... du verstehst das nicht. Wenn du meinen Vater gekannt hättest, dann würdest du es vielleicht... ich meine...“ Wie sollte sie erklären, was sie selbst kaum verstand? Das war ja nicht eine mathematische Gleichung mit nur einer richtigen Lösung. Das hier war so ein Wirrwarr, dass sie nicht einmal wusste, wo anfangen, um es zu entwirren. “Weißt du, ich hab mich immer so sicher gefühlt, wenn er da war. Er hat mich beschützt. Und... ich will doch, dass du mich jetzt beschützt. Nicht irgendwelche Leute, die ich gar nicht kenne. Also, ich meine... du sollst ja nicht permanent an mir kleben oder so. Ich will nur... weißt du, dieses Gefühl... ich.... ich kann das nicht erklären....“
    Axilla atmete einmal tief durch und schaute dann an die Wand, an der die richtigen Worte leider nicht standen. Wie sollte sie das nur vernünftig in Worte fassen?
    “Du musst ja gar nicht Soldat sein. Aber... also... ich finde schon, dass ein Mann wissen sollte, wie... also im Ernstfall, wenn wirklich niemand anderes da ist....“ Sie zuckte mit den Schultern. Was sollte sie denn noch sagen?

  • Es dauerte schon ziemlich lange, bis Axilla überhaupt was sagte. Erst streichelte sie nur seine Hand.Nur deswegen dachte Caius nicht, dass sie eingeschlafen war. Er selber müsste bals aufstehen und den hungrigen Löwen mit den drei Ziegen in seinem Magen füttern.


    Es wär ihr also nicht lieber, wenn er Soldat wär, aber beschützen können sollte er sie schon? Caius runzelte die Stirn, und wieder war er froh, dass Axilla seinen Gesichtsausdruck nicht sehen konnte. Wenn er genauer darüber nachdachte, dann hatte ein Gespräch durchaus was, wenn man es so führte. Weil man den anderen dann nicht ansehen musste in heiklen Situationen, und wenn man seine Stimme einfach ganz nett verstellte, dann merkte der andere vielleicht auch gar nicht, das man es anders meinte als gesagt. Wobei das ja auch irgendwie fies war. Caius seufzte. Eigentlich war er ganz froh, Axillas Vater nicht zu kennen. Der war Soldat gewesen, und die waren meistens etwas seltsam. Zackig und herrisch und so, zumindest stellte sich das Caius meistens so vor, gerade, wenn es um das Wort Heirat bei der eigenen Tochter ging. Und Decimus Meridius war ja auch nicht anders gewesen, damals. Und der war auch mal ein Legat gewesen oder sowas.


    »Du willst stolz sein können?« schoss er einfach mal ins Blaue und lag damit vielleicht richtig, vielleicht aber auch völlig falsch. Zumindest hörte sich das so an, was Axilla sagte. Oder sie hatte recht und konnte es einfach nicht erklären. Wieder seufzte er und zuckte mit den Schultern, was Axillas Kopf kurz rucken ließ.
    »Na wenn du willst, kaufe ich eben eine Rüstung. Was soll's, dachte er sich. Ob er das Geld nun dafür ausgab oder für andere Kinkerlitzchen. Das war ja eigentlich schnurzpiepegal.

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