Hauptverhandlung IUD PUB VII/DCCCLX - Faustus Octavius Macer vs. Marcus Decimus Livianus

  • Die freche Antwort des Octaviers versetzte Modestus zunächst etwas in Rage. Einen Moment spielte er mit dem Gedanken dem Octavier zu drohen ihn von den Lictoren solange einsperren zu lassen, bis er seine Quelle preisgab. An wen könnte er sich schon wenden, um wieder freizukommen? An die Consuln? Sicherlich nicht, denn Modestus stand sehr gut mit Flavius Furianus. An die Volkstribunen? Die würden sich beim Volk unbeliebt machen, wenn sie sich für einen reichen Quaestor einsetzten. An den Princeps? Der Princeps! Oder vielmehr dessen Stellvertreter. Der Octavier war immernoch eine Kreatur des Vescularius Salinator. Daher würde der Octavier erstens wohl kaum viel Zeit im Carcer Tulianum zubringen und zweitens würde er selbst sich den Unbill des Vesculariers auf sich ziehen, was seine derzeiten Pläne für das Consulat empfindlich stören könnten. Nein, er musste diese Sache auf sich beruhen lassen. Doch vergessen würde er sie nicht. Bei der nächsten Kandidatur würde es sicher eine Möglichkeit geben...
    Nachdem sich seine Kollegen das Schriftstück angesehen hatten, lies er es von einem Lictor dem Decimer bringen und lies ihm genug Zeit es zu lesen.


    "Damit ist die Beweisaufnahme des Anklägers abgeschlossen. Möchte der Verteidiger Zeugen aufrufen? Falls nicht hat er das Wort."


    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    VERLEIHE ICH
    Appius Tiberianus Marhabal
    MIT WIRKUNG VOM
    NON AUG DCCCLIX A.U.C. (5.8.2009/106 n.Chr.)


    DAS
    Römische Bürgerrecht



    ER NENNE SICH FORTAN
    Appius Quintillius Promotus
    ALLE RECHTE EINES CIVIS SEIEN IHM GEWÄHRT UND ALLE PFLICHTEN AUFERLEGT






    QUINDECIMVIR - QUINDECIMVIRI SACRIS FACIUNDIS
    SODALIS FACTIO ALBATA - FACTIO ALBATA

  • Mattiacus dankte dem Liktor mit einem nicken, als dieser ihm die Urkunde als Beweisstück übergab. Er las es kurz durch und gab es ihm wieder zurück.


    "Schon interssant, wie man heute als einfacher Bürger an Dokumente gelangt, die eigentlich sorgsam verschlossen sein sollen." Diese Bemerkung konnte er sich nicht verkneifen, schließlich war er selbst lange genug in der Verwaltung tätig gewesen, um zu wissen, dass die Archivare solch sensible Schriftstücke nicht einfach so herausgeben.


    "Bevor ich mich auf die Ausführungen meines werten Kollegen näher beschäftige, möchte ich Appius Tiberianus Marhabal als Zeugen benennen. Schließlich ist er es ja, um dessen Adoption es in diesem Fall geht, und er kann uns Auskunft darüber geben, ob Livianus vielleicht eine Rechtspflicht verletzt hat oder nicht."

  • Auch Tiberius Durus war natürlich zum zweiten Verhandlungstag erschienen. Alles hatte sich ein wenig länger hingezogen, als er erwartet hatte, aber nun schien der Prozess Fahrt aufzunehmen. Die nunmehrigen Ausführungen Macers waren ein wenig aufregender und das Beweisstück, das er vorwies, ebenso - was für den alten Tiberier im Übrigen kein Problem darstellte, denn wozu dienten solche Urkunden wohl, wenn nicht als Beweis für die Rechtswirksamkeit des Inhaltes? Warum sollte man sie also nicht einem Anwalt für einen Prozess überlassen?


    Der Zeuge der Verteidigung war weniger überraschend. Vielleicht wäre es auch sinnvoll gewesen, Decimus Livianus selbst in den Zeugenstand zu rufen - doch dank seines Imperium konnte er das Pomerium wohl nicht betreten. Als Marhabal aufstand, musterte Durus ihn genau. Noch gut erinnerte er sich an diesen Burschen, der eigentlich ein Klient der Tiberier hätte sein müssen - das hatte er nun davon!

  • "Du wiillst Appius Tiberianus Marhabal als Zeugen aufrufen? Hast du ihn such gleich mitgebracht, oder muss ich einen meiner Lictoren nach ihm schicken?"


    sagte Modestus und lies seine Blicke über die Anwesenden streichen, doch er sah niemand den er für den Libertinus halten würde. Allerdings musste das nichts heißen, da er den ehemaligen Sklaven nicht kannte. Aber was für eine Zeugenaussage ihn erwarteten würde wusste er jetzt schon. Marhabal sollte Auskunft darüber geben, ob Livianus eine Rechtsfplicht verletzt hatte? Er bezweifelte das der Freigelassene überhaupt irgendein Wissen über Rechtsangelegenheiten besaß oder die Wahrheit sagen würde. Schließlich war dies hier womöglich einen Weg für ihn sein Bürgerrecht zurückzuerlangen. Doch Modestus hatte es ihm nicht ohne Grund entzogen und er würde dafür sorgen, dass sich dies nicht änderte. Schließlich würde es seine damalige Entscheidung und damit auch seine Autorität in Frage stellen.





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  • Mattiacus blickte sich kurz um, konnte aber den betreffenden nicht finden.


    "Ich glaube, es ist besser, du schickst einen deiner Lictoren." sagte Mattiacus. Nach den schlechten Erfahrungen, die Marhabal mit den Prätoren, der Basilica Ulpiana und mit dem Recht überhaupt gemacht hat, würde es Mattiacus nicht wundern, wenn Marhabal nicht erschiene. Dies wäre aber auch nicht so schlimm. Mattiacus war fest davon überzeugt, dass er die Richter auch durch seine Argumentation davon überzeugen konnte, dass Livianus das recht nicht gebeugt hatte und unschuldig war.

  • "Und wo hast du den Zeugen untergebracht, beziehungsweiße wo ist er wohnhaft?"
    fragte Modestus und winkte schon einen der Lictoren zu sich, um ihn zu dem entsprechenden Ort zu schicken. Im Grunde lag es in der Verantwortung des Verteidigers dafür zu sorgen, dass der Zeuge auch anwesend war. Doch da der Libertinus nicht aufgetaucht war, musste Modestus zwangsläufig einen Lictor schicken. Der Verteidiger konnte schließlich nicht selbst nach dem Zeugen suchen, denn der Prozess musste weitergehen. Doch sollte der Lictor den Zeugen nicht relativ schnell finden, so würde der Verteider ohne ihn auskommen müssen.


    "Bis du der Zeuge gefunden worden ist oder nicht kannst du mit etwaigen anderen Beweisen fortfahren."





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  • Sim-Off:

    Marhabal ist per PN angeschrieben. Ich hoffe, er meldet sich bald


    Mattiacus kam jetzt leicht ins Schwitzen, da er keine Ahnung hatte, wo sich SEIN Zeuge aufhielt. Er ließ sich aber nichts davon anmerken, soviel Profi war er.


    "Er hält sich zur Zeit in Rom auf. Ich habe ihn darum gebeten, dass er sich während der Prozessdauer in der Nähe der Basilica aufhält. Bestimmt finden deine LiKtoren ihn in einer der Schenken." sagte Mattiacus.


    "Meinem Mandanten verbietet es sich leider aufgrund seines Amtes und seiner Aufgaben in Germania, nach Rom zu kommen. Sonst wäre er Zeuge gewesen. Aber das soll hier nichts zur Sache tun. Um daher in meinem Redefluss nicht zu sehr abzuschweifen, soll es damit mit meiner Beweisaufnahme gewesen sein".

  • Und der Zeuge wurde gefunden. Er hatte sich gar nicht all zu weit von der Basilica aufgehalten.


    Er betrat den Verhandlungsraum und blickte sich ein wenig irritiert um. Dann erkannte er Decimus Mattiacus und ging auf ihn zu.


    Hier bin ich Herr. Was soll ich nun tun?


    Wollte Promotus nun wissen.

  • "Ah wie ich sehe ist der Zeuge gefunden. Dann soll er vortreten"


    fragte Modestus und machte eine kurze Geste um dem Mann seinen Platz zu zeigen, der sich etwa auf dem halben Weg von den Verteidigern zu den Iudices befand.


    "Die Verteidigung hat das Wort um den Zeugen zu befragen."


    erklärte Modestus, denn es sollte jetzt nur um den Zeugen gehen. Für Reden war später Zeit.





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  • Mattiacus trat in die Mitte des Saales zwischen seinem Platz, der Tribüne der Richter, dem Platz des Anklägers und des Zuschauerraums.


    Mit einem freundlichen Nicken begrüßte er Promotus.


    "Ich danke dir, Prätor." sagte er zunächst zum obersten Richter. Dann wendete sich Mattiacus seinem Zeugen zu.


    "Salve Promotus, du bist von mir als Zeuge aufgerufen worden. Ich danke für dein Erscheinen. Du weißt, dass du vor Gericht nur die Wahrheit sagen darfst, da du sonst als Meineider zum homo sacer wirst. Berichte uns bitte aus deiner Sicht von dem Tag, als du mit Lucius Quintilius Valerian zum damaligen Prätor Decimus Livianus kamst, um die Adoption zu vollziehen."

  • "Ich weiße den Verteidiger wie auch den Zeugen darauf hin, dass nach unserer heutigen Rechtslage die Strafe für eine falsche uneidliche Aussage aus einer Freiheitsstrafe von mindestens 3 Wochen oder einer Geldstrafe von 500 bis 800 Sesterzen besteht."


    mischte sich Modestus dann doch noch ein. Aber er hielt es doch für komisch, dass der Decimer seinen Zeugen selbst belehrte und ihm auch noch mit einere härten Strafe drohte. Wollte er damit demonstrieren, dass der Zeuge auch sicher die Wahrheit sagte , oder den Libertinus eher unter Druck setzen, damit er auch ja nichts falsches sagte?





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  • Mattiacus erwiderte ein Lächeln.


    "Natürlich Prätor, so ist es. Ich bin zur Zeit in Studien über das Recht unserer Vorfahren zur Zeiten der Könige, so dass ich wohl noch in Gedanken bei den Strafen früherer Zeiten war."


    Dann wandte er sich wieder Promotus zu.


    "Aber bitte, erzähle uns von diesem Tag."

  • Promotus hörte sich die Belehrungen an und nickte zuerst dem Praetor zu, dann dem Verteidiger. Dann überlegte ich kurz und begann.


    Es war wohl der NON AUG DCCCLIX A.U.C. (5.8.2009/106 n.Chr.) als mein Adoptivvater Lucius Quintilius Valerian und ich in der Basilica Ulpia erschienen zwecks meiner Adoption in die Gens Quintilia. Der damalige Praetor Urbanus, Decimus Livianus, nahm sich unserer Angelegenheit an.


    Wenn sie mehr wissen wollten, sollten sie einfach noch einmal nachfragen.

  • Nun, er meinte er sei dafür nicht zuständig sondern der Praetor Peregrini. Als dann Quintilius Valerian meinte, dass ich kein Peregrinus in dem Sinne wäre da ich ja schon Freigelassener bin, nahm sich dann Praetor Decimus Livianus unserer Sache an. Er fragte wie ich mich denn ab dem Zeitpunkt nennen möge und fertigte die Papiere an. Und wenn ich mich noch kurz zu dem Fall im Allgemeinen äußern dürfte, verwundert es mich sehr, dass dies erst ein Jahr später oder gar länger aufgedeckt wurde und ich für umsonst die Ausbildung zum Legionär durchlaufen habe. In dieser Zeit hätte ich auch anderen Dingen nachgehen können.


    Bemerkte ich leicht angesäuert.

  • Mattiacus konnte den Ärger, den Promotus empfand, durachaus verstehen, schließlich war es verlorene Zeit und allem Anschein nach, war Promotus gerne Soldat gewesen.


    "Das ist bedauerlich und dein Ärger ist auch verständlich. Jedoch bewegt mich etwas anderes: Erwähnte Livianus, warum er dennoch die Adoption vornahm.?"

  • Modestus trommelte gelangweilt mit den Fingern auf der Lehne seines curulischen Stuhls, während er sich die Befragung des Zeugens anhörte. Er wollte diese Verhandlung schnell hinter sich bringen, doch die Befragung des Zeugens zog sich in die Länge, was ihm garnicht gefiel. Zumal es nicht so schien, als ob bei der Sache etwas herauskommen würde. Seine Ungeduld wuchs und sollte sich nicht bald etwas ändern, würde er die Befragung beenden. Die Bemerkung bezüglich der späten Aufdeckung des Fehlers ignorierte er. Es würde nicht gut aussehen, wenn er sich jetzt in der Öffentlichkeit darüber auslies. Doch es war klar, dass dies einzig und allein der Fehler des Decimus Livianus war. Er hätte dem Freigelassenen schließlich von Anfang an nicht das Bürgerrecht verleihen dürfen.






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  • Promotus überlegte eine Weile, schließlich war es nicht gerade eben erst gestern gewesen.


    Nein, ich wüßte jetzt nicht warum er dies tat. Zumindest fällt es mir im Moment nicht ein.


    Oder war es, weil der Praetor Peregrini gerade nicht vor Ort war und er ihm ein wenig Arbeit abnehmen wollte? Er wußte es nicht mehr genau.

  • Macer verfolgte die Befragung nur anfangs mit gespannter Miene. Die Bedenken, die er hatte, nämlich dass der Zeuge irgendwelche Tatsachen an den Tag brachte, die den Senator entlassten könnten, gingen schnell verloren.


    Macer deutete ein Gähnen an und hoffte, dass der Zeuge bald fertig sein würde. Bringen würde dieser der Verteidigung wohl auch nichts.

  • Der andere Macer im Zuschauerraum verfolgte die Befragung inzwischen auch etwas gelangweilt. Natürlich hatte er nicht erwartet, dass sich der Zeuge und ehemalige Freigelassene als brilianter Gerichtsredner entpuppen würde, der eine eloquenten und spannenden Beitrag zum Prozess liefern würde, aber von Decimus Mattiacus hatte er als Leiter der Zeugenbefragung schon etwas mehr erwartet. Aber vielleicht würde er ja noch mit einer besonders interessanten Interpretation der Zeugenaussage aufwarten.

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