Im Schutz der Nacht?

  • Die Luft war in der letzten halben Stunde deutlich kälter geworden. Doch niemand merkte es. Niemand war im Haus, der nach draußen treten oder aus dem Fenster sehen konnte. Niemand, der die ersten Tropfen fallen sah oder sie prasseln hörte.
    Und keiner sah die kleine Gestalt, die sich, als der Regen stärker wurde, aus den Büschen löste. Er wußte, das Haus war leer. Tagelang, jeden Abend, wenn es dunkel wurde, war er drum herum geschlichen.
    Heute war er erst lange nach Einbruch der Dunkelheit hergekommen. Nachdem er über einen Baum hinweg die hohe Mauer überwunden hatte, hatte Romaeus gewartet, bis alles schlief. Sogar Varius schlief schon, selbst Neco hatte nicht bemerkt, wie er sich davongestohlen hatte. Wahrscheinlich würde Neco später wieder sauer tun, weil er ihm auf seine Art helfen wollte. Lysandra würde mal wieder gar nichts sagen, aber immer wenn sie das tat, sprachen ihre Augen und ihr Lächeln dafür.


    Auf Zehenspitzen, obgleich seine nackten Füße im Gras kaum zu hören waren, huschte der Junge zur Tür, die vom Garten aus ins Gebäude hinein führte. Vorsichtig zog er sein kleines Messer aus dem Hosenbund, das schon ganz stumpf war von all den Schlössern, die er damit aufgebrochen hatte. Aber es leistete dennoch gute Arbeit. Zwar dauerte es etwas länger, weil er natürlich leise sein mußte, aber nach einer knappen Viertelstunde hörte der Junge jenes leise Klicken, das ihm sagte, daß er es geschafft hatte.
    Vorsichtig drückte er die Tür zu einem schmalen Spalt auf, so daß er sich gerade hindurchzwängen konnte. Aufmerksam sah er sich um. Das hier war das Zimmer mit den langen Sitzliegen. Triclinium hieß es auf Latein, soviel wußte er schon, das war das Eßzimmer bei den Römern.
    Zum Glück waren seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt und er wußte, wie man sich nachts in fremden Räumen sicher fortbewegen konnte. Langsam, Schritt für Schritt, tastete er sich an den Clinen und am Tisch entlang, bis er sich ungefähr im Höhe der nächsten Tür wußte.
    Auf ihrer Schwelle blieb der kleine Einbrecher erneut stehen, um sich prüfend umzusehen.


    Er wußte nur grob, wo die Küche lag. Das Haus stand noch nicht allzu lang leer und so hoffte er, dort zurückgebliebenes Essen zu finden, das sich länger hielt.
    Der Junge mußte ein paarmal im Flur auf und ab wandern, bis er die richtige Tür gefunden hatte. Um die Schränke zu durchforsten, brauchte er allerdings Licht. Rasch hatte er die kleine Kerze aus seinen Lumpen hervorgewühlt. Das Anzünden war nach all den Jahren der Übung ein Klacks! Gut, daß bei leerstehenden Häusern immer die Fensterläden zu waren - zum Schutz vor Einbrechern. Daß es gerade die Fensterläden waren, die ihn vor ungebetenen Blicken schützten, brauchte ihn immer wieder zum Kichern.
    Grinsend hob er die Kerzenflamme an, zog schließlich einen Schemel näher zu den Schränken hin. Jeder einzelne wurde so von dem kleinen Dieb durchforstet. Aber das einzige, was er in der Küche vorfand, waren vertrocknete Zwiebeln und eine dicke fette Spinne, die plötzlich über seine Hand hinweg huschte.


    Enttäuscht schob Romaeus die Unterlippe vor und stieg vom Schemel runter. Jetzt blieb ihm nur noch der Keller als letzte Hoffnung ... Wie bei den meisten römischen Häusern schloß die Treppe zur unterirdischen Speisekammer an die Küche an. Dennoch lief Romaeus vorsichtig die Stufen hinunter, da das heiße Kerzenwachs allmählich anfing, ihm auf die Hand zu tropfen. Daß er dabei möglicherweise Spuren auf dem Boden hinterließ, war ihm egal. Niemand würde aufgrund von Wachsflecken feststellen können, wer hier herumgeschnüffelt hatte!
    In der Speisekammer angekommen, suchte Romaeus auch dort sämtliche Ecken ab - und wurde, ganz oben im Regal, sogar fündig!
    Dort standen noch zwei kleine Behälter mit eingelegtem Obst und Gemüse. Das Wort, welches die Römer dazu benutzten, konnte er sich einfach nicht merken - aber es war ein besonderes Essen, das er zuletzt vor Jahren mal probiert hatte. Ingolf hatte es damals als Überraschung besorgt ... Jetzt war er schon über ein Jahr lang tot. Nicht bloß weg, wie Varius immer noch behauptete ...
    Fest preßte Romaeus die Lippen aufeinander.
    Nicht jetzt daran denken!
    Behutsam fischte er mit der freien Hand nach der ersten Dose. Lysandra und Neco würden sich sicher freuen, und ihr Herr würde nie davon erfahren! Dieses kleine Festmahl gehörte ganz allein ihnen!

  • Endlich waren sie angekommen und Calvena war recht froh darüber, nun das Haus zu beziehen. Viel Gepäck hatten sie ja nicht dabei gehabt, nur das nötigste was man auf der Reise brauchte. Der Rest würde wohl erst in einer Woche nachkommen. Bis dahin würden sie und Valentina auch so zu recht kommen. Das Haus an sich war klein und beschaulich. Deutlich wurde, dass der Zahn der Zeit an der Fassade genagt hatte, eine Renovierung würde dem Haus nicht schaden, aber darüber würde sie sich erst in einigen Tagen Gedanken machen. Erst einmal war sie nur froh darüber gewesen, endlich das Ziel erreicht zu haben.
    Nachdem sie sich kurz eingerichtet hatte, hatte sie sich auch erst einmal von ihrem Mann verabschiedet, er musste sich ja in der Castra melden. „Wir kommen schon zu Recht“, hatte sie ihm versichert und dann sanft aus dem Haus geworfen. Als erstes hatten sie alle Läden geöffnet und Sonne und frische Luft hinein gelassen. Dann auch etwas Ordnung geschafft und einige wenige frische Vorräte geschafft. Erst am nächsten Tag würden sie es wohl groß einkaufen. Valentina war die glückliche Rückkehr nach hause anzusehen. Sie selbst würde sich erst einmal einrichten müssen um sich wirklich wohl zu fühlen. Die Möbel, ihre Instrumente und ihre Kleider waren ja erst noch auf den Weg hier her. Am Abend hatten sie dann den Thermen einen Besuch abgestattet und danach war sie müde ins Bett gefallen.


    Mitten in der Nacht wurde sie dann wach. Sie wusste gar nicht warum. Es lag wohl an der unbekannten Umgebung und das Valerian nicht da war. Die letzten Wochen hatte sie ihn ja fast ganz allein für sich gehabt und das sie ihn jetzt vermisste. Leise seufzend drehte sie sich auf die andere Seite, kuschelte sich in die Decken und hoffte wieder einzuschlafen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, das irgendwie plötzlich irgendwas anders war. Dabei lag das Haus in völliger Ruhe da. Eine Weile lang lag sie nur auf dem Rücken und starrte in die Dunkelheit, ehe sie seufzend aufgab. Einschlafen konnte sie irgendwie nicht mehr.
    Erst jetzt bemerkte dass es angefangen hat zu regnen. Leise prasselte das Regen aufs Dach nieder. Etwas unschlüssig stand sie einen Augenblick vor ihrer Tür. In Roma hätte sie sich jetzt ein Buch geschnappt und hätte es sich im Tablinium gemütlich gemacht, doch hier, fühlte sie sich noch nicht ganz zu Hause.


    Täuschte sie sich, oder war da gerade Licht in der Küche gewesen? Erschrocken erstarrte sie. Da war doch nicht etwa jemand ins Haus eingedrungen? Das fehlte noch, ausgerechnet in ihrer ersten nach im noch fremden Haus. Kurz verschwand sie in ihrem Zimmer und wühlte in einer Tasche herum. Irgendwo hatte sie einen Dolch, vielleicht hatte sie es sich ja eingebildet, aber wenn nicht, dann wollte sie einem Eindringling nicht ungeschützt gegenüber treten. Die ganze Zeit über spitzte sie die Ohren.
    Schließlich schlich sie in Richtung Küche. Ein leises Scharren war zu hören, es kam aus dem Keller. Ein schwaches flackerndes Licht einer Kerze erhellte die schmale Treppe hinab in die Tiefen. Was sollte sie jetzt machen? Jetzt konnte sie einen mutigen und tapferen Soldaten an ihrer Seite gebrauchen. Doch Valerian war in der Castra. Sollte sie den Eindringling stellen? Irgendwie wollte sie nicht glauben, dass ihre Schwägerin zu dieser Zeit im Keller herum streifte.
    Calvena versteckte sich schließlich neben der Tür vor der Küche. Je nach dem bei wem es sich um den Eindringling handelte würde sie eingreifen oder aber ihn ziehen lassen. Viel gab es nicht zu stehlen.

  • Das Unterfangen war ein wenig komplizierter, als Romaeus es sich gedacht hatte. Immerhin mußte er mit einer Hand die Kerze halten und in der anderen den Gemüsetopf. Und der wiederum war zu breit für seine Hand. Vergebens tasteten seine Finger nach einem Henkel.
    Also blieb ihm nur eines übrig: die Kerze abstellen. Leise auf germanisch vor sich hin fluchend, ließ der Knabe nun Wachs auf das unterste Regalbord tropfen. Nach einer Weile drehte er die nun verdächtig schiefe Kerze um und klebte somit das Ende auf dem noch schmierigem Wachsfleck fest.
    Endlich konnte er mit beiden Händen nach dem ersten Topf langen. Diesen stellte er auch im unteren Teil des Regals ab, ebenso wie den zweiten. Anschließend pustete er die Kerze aus und stopfte sie zurück in eine seiner Taschen.


    Der Einfachheit halber zog er zum Transport der beiden Töpfe seinen Umhang aus und sackte sie in selbigem ein. Trotzdem mußte er sie mit beiden Händen tragen, damit nichts überschwappte oder gar zu Bruch ging. Es schepperte ganz schön, als er sich Stufe um Stufe wieder nach oben tastete.
    Einen Moment lang überlegte er, ob er zum Abhauen nicht die Vordertür nehmen sollte, wegen der hohen Gartenmauer. Vollkommen in seine Gedanken versunken marschierte der Junge mit seinem rhythmisch scheppernden Bündel glatt an seiner stillen Beobachterin vorbei, ohne sie zu bemerken.

  • Ton schabte über Holz, so viel konnte Calvena hören, während sie in der Dunkelheit verharrte und den Dolch fest umklammerte. Unheimlich war es schon, mitten in einem fast leeren Haus darauf zu warten einem Eindringling gegenüber zu stehen. Es klapperte und plötzlich machte der Jemand ganz schön Lärm. Anscheinend glaubte er, dass das Haus noch leer stand. Hatte nicht damit gerechnet, dass die Bewohner wieder zurückkommen würden.
    Das Licht erlosch und sie konnte hören wie Schritte die Treppe hinauf schlurften. Nicht mehr lange und dann würde sie sehen, wer da ins Haus eingedrungen war. Angespannt drückte sie sich gegen die Wand.
    Ein wenig Angst hatte sie schon, schließlich begegnete man nicht jeder Nacht einem Dieb im eigenen Haus. Ein Wachhund wäre jetzt praktisch. Oder Simplex, dachte sie furchtsam und dann wurde sie gewahr, wer der Dieb war. Ein Kind. Um genauer zu sein ein schmächtiger Junge nach der Figur zu urteilen. Vor Verblüffung hätte sie glatt den Dolch fallen lassen. Wenigsten ein Gegner mit dem sie fertig wurde. Mit einem Schritt stellte sie sich ihm in den Weg.


    „Was machst du in meinem Haus?“ fragte sie dann mit fester Stimme und musterte den Knaben eindringlich. Den Dolch hatte sie sichtbar in der Hand. Jetzt konnte sie Licht gebrauchen, aber sie wollten den Knaben nicht aus den Augen lassen. „Ich sollte dich direkt in der Castra abliefern“, fügte sie hinzu.

  • Der Junge wußte kaum, wie ihm geschah. Im Reflex taumelte er zurück, während das erste und einzige, was von ihm zu hören war, ein lautes Krachen war, daß sich mit zerberstenden Tonscherben mischte.
    Mit weit aufgerissenen Augen starrte er die Frau an, die da wie aus dem Boden gewachsen plötzlich vor ihm stand. Dann erst wurde ihm bewußt, was sie da auf Latein schimpfte.
    „Ich sollte dich direkt in der Castra abliefern."
    Und daß sie einen Dolch in der Hand hielt!
    Panisch warf Romaeus einen Blick über die Schulter. Aber zurück in den Keller zu rennen, würde ihm nichts bringen, als daß er noch mehr in der Falle saß ... Aber er durfte sich nicht erwischen lassen, das war Varius' oberste Regel! Er durfte, durfte, durfte nicht!
    Also half nur noch eines. Sein erster Schreck war verflogen, und so schaffte er es nun, die Hausherrin - jedenfalls ließen ihre Worte darauf schließen - direkt anzusehen.
    "Das darfst du nicht!" verteidigte er sich entschlossen in fehlerfreiem Latein. "Ich hab nur Essen mitgenommen, was die alten Besitzer vergessen haben! Ich wußte nicht, daß hier jemand drin ist! Sonst wär's doch auch irgendwann schlecht geworden", stellte er noch fest und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.

  • Dem Jungen hatte einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Er hatte wohl wirklich gedacht, dass das Haus leer stand. Was hieß, dass er schon eine Weile die Casa beobachtete hatte. Er ließ seine Beute fallen. Die Tongefäße zerbrachen und deren Inhalt breitete sich auf den Fließen aus.
    Erst etwas zu spät fiel Calvena ein, dass der Junge sie womöglich nicht verstanden hatte. Aus Gewohnheit hatte sie ihn in Latein angesprochen. Gerade wollte sie das was sie gesagt hatte noch mal in germanisch wiederholen, als er ihr dann antworte. Gegen ihren Willen musste sie Grinsen, der Junge war nicht auf den Kopf gefallen und reichlich frech. Dennoch wurde sie schnell wieder ernst. „Dieses Haus gehört der Familie meines Mannes“, klärte ich ihn auf. „Dieses Haus war nur einige Wochen leer“, fügte Calvena hinzu. Was sollte sie jetzt machen. Es war eigentlich das richtigen, wenn sie einen Soldaten ins Haus holte, der sich des Knaben annahm. Aber auf der anderen Seite, war es noch ein Kind und anscheinend ein sehr hungriges Kind. Die Germanica war unentschlossen. Laufen lassen konnte sie ihn nicht wirklich. Zumal er bewiesen hatte, das man allzu leicht in das Haus eindringen konnte. Jetzt hätte sie gern Valerian bei sich gehabt. Ob sie zur Castra gehen sollte um ihn aus dem Schlaf zu holen? Besser wäre es. Doch sie konnte den Burschen ja nicht allein lassen, dann würde er weg laufen. Valentina war ja noch im Haus. Ihre Schwägerin dürfte durch den Lärm auch geweckt worden sein. Kurzerhand nahm sie den Jungen am Arm und führte ihn mit sich und klopfte dann bei Valentina an. „Bist du wach? Wir haben einen nächtlichen Besucher“, erklärte Calvena der Quintilia.

  • Tatsächlich war Valentina sehr froh wieder in "ihrem" Haus zu sein. hier fühlte sie sich wohl. Hier kannte sie jeden Winkel und alles was das Haus war hatte sie in der Zeit in der sie hier alleine wohnte eingerichtet. Es war nicht viel und die Cassa war nicht so prachtvoll wie die in Roma. Doch es war Valentinas kleines Zuhause. Dieses teilte sie sich jetzt mit ihrer Schwägerin. Was ihr nichts ausmachte, denn immerzu alleine sein war auch nicht erstrebenswert. Einer ihrer ersten Wege führte Valentina in den Rosengarten. Zwar sahen die Pflanzen etwas mitgenommen aus, doch mit etwas Pflege würden sie wieder gedeien.


    Am Abend hatte sie sich dann von Calvena verabschiedet und sich in ihr Zimmer zurück gezogen. Morgen! Morgen würde sie Lupus wiedersehen. Mit diesem freudigen Gedanken war sie eingeschlafen. Und wurde durch seltsame Geräusche wieder wach. Schnell schlüpfte Valentina aus dem Bett, zog sich etwas über und griff nach dem Prügel, den sie neben ihrem Bett stehen hatte. Für eine Frau die alleine in einer Cassa wohnte fast schon ein Muss. Als es dann an ihrer Tür klopfte hob sie den Prügel hoch und umklammerte ihn fest. Zum Glück stand da ihre Schwägerin auf der anderen Seite und Valentina beeilte sich die Türe zu öffnen. Vor ihr stand Calvena mit einem Jungen an der Hand. Einen Besucher nannte sie ihn? Wohl eher ein Einbrecher. Den Prügel immer noch in der Hand, wenngleich auch nicht mehr so drohend erhoben, sah sie von dem Jungen zu ihrer Schwägerin auf. "Was hat er gestohlen?"

  • Romaeus zog eine unsichere Schnute, da die Frau ihm nun prompt erklärte, daß das Haus hier der Familie ihres Mannes erklärte. Daß es nur wenige Wochen leer gewesen war, wußte er natürlich auch, aber das brauchte er ihr ja nicht unter die Nase zu reiben.
    Noch während er überlegte, was er jetzt sagen könnte, fühlte er sich plötzlich am Arm gepackt und stolperte der Frau hinterher.
    "He, laß mich los!"
    Doch ihr Griff war überraschend fest, und irgendwie hatte er auf einmal die Eingebung, daß es vielleicht besser war, sich nicht allzu sehr zu sträuben. Das klappte ja auch bei seinem Herrn ...


    Skeptisch betrachtete Romaeus die Tür, an welche die Frau nun klopfte. Holte sie jetzt etwa ihren Mann aus dem Bett? Der Junge schluckte nervös und fing an, unruhig von einem Bein aufs andere zu treten.
    Dann jedoch ging die Tür auf, und eine zweite Frau trat nach draußen. Sie war ebenfalls bewaffnet, mit einem gewaltigen Holzprügel. Romaeus konnte nicht umhin, das Ding erstmal entsetzt anzustarren. Innerhalb weniger Augenblicke gab es vier Dinge auf einmal, vor denen er Angst hatte.
    "Was hat er gestohlen?"
    Abrupt sah der Junge auf zu der neuen Frau. Wer war sie denn überhaupt?
    "Nur Essen, ehrlich!" Seine Augenbrauen zuckten nervös, als er treuherzig zwischen den beiden römischen Damen hin und her schaute. "Ich dachte, das Haus wär ganz leer! Ich hab extra nachgeschaut, und dann hätte ja auch keiner mehr die Ace ... Acedingsda gebraucht!"

  • Wie bereits vermutet, war Valentina auf. Kein Wunder bei dem Lärm, die der Junge veranstaltet hatte. Mit fester Hand hielt sie den Knaben fest, so dass er nicht flüchten konnte. Natürlich protestierte er, doch wirklich wehren tat er sich nicht. Was sie mit ihm machen sollte, wusste sie nicht wirklich. Er war ja eigentlich noch ein Kind, aber auf der anderen Seite würde er wohl nur dann in das nächste Haus einbrechen und das konnte sie nicht zu lassen.
    Ihre Schwägerin kam aus ihrem Zimmer, in den Händen einen Prügel. Die Frauen dieses Hauses waren eben nicht wehrlos.
    Der Junge versuchte sich erstaunlicher weise nicht heraus zu lesen, dafür setzte er aber einen treuherzigen Blick auf. Calvena warf ihm einen kritischen Blick zu.
    Wie sie bereits vermutet hatte, hatte er das Haus ausspioniert, das gab er direkt zu. „Mit ganz leer hast du dich wohl getäuscht“, sagte sie streng. Eigentlich konnte sie dem Jungen nicht wirklich einen Vorwurf daraus machen, dass er aus Hunger gestohlen hatte, aber sie fand es nicht gut, dass er ausgerechnet in dieses Haus einbrach. „Was machen wir mit ihm?“ fragte sie dann direkt Valentina.

  • Immer noch glitten die blauen Augen des Jungen verunsichert hin und her. Bei den nächsten Worten der Frau horchte er jedoch auf.
    "Aber wenn ich mich darin getäuscht habe, hab ich mich vielleicht auch total in dem Haus getäuscht", entfuhr es ihm, noch ehe er wirklich drüber nachgedacht hatte. Daß er sich so vielleicht um Kopf und Kragen redete, darauf kamen seine panikgeleiteten Gedanken gar nicht. Er mußte, er mußte um jeden Preis hier wieder rauskommen!
    "In dem Grundstück, mein ich. Irren ist menschlich, so heißt das doch. Ihr irrt euch nämlich auch. Das ist nicht so, wie's aussieht, ich muß nämlich ...", hier holte er zum ersten Mal tief Luft, denn dieser Punkt war so wichtig, daß er sich genau überlegen mußte, wie er ihn formulierte.
    "Ich muß jemandem helfen", erklärte er bedächtig und richtete seinen Blick fest auf die erste der beiden Frauen, damit sie sehen konnte, daß das bestimmt nicht gelogen war. "Ihr müßt mich gehen lassen, bitte!" schloß er eindringlich sein merkwürdiges Plädoyer für sich selbst und auch irgendwie für seine Freunde.

  • Normalerweise war Valentina sanftmütig und konnte niemandem etwas zuleide tun. Wenn allerdings jemand ihr Haus und damit auch das Zuhause ihrer Schwägerin und ihres Bruders angriff war es sehr schenll vorbei mit der Sanftmut. Da nutzte es auch nichts, dass er Junge sie so treuherzig ansah. Valentina sah auf und Calvena an. "Stimmt es was er sagt? Hat er nur Essen gestohlen?" Sie wartete auf die Reaktion ihrer Schwägerin. Der Junge war ein Dieb und Lügner. Sehr jung noch aber leider schien sein Leben bereits in einem Weg verlaufen zu sein den niemand gerne für sich beanspruchte.
    Als der Junge dann zu plappern anfing und am Ende auch noch log, gab Valentina dem Jungen eine Ohrfeige. Nicht zu fest aber so, dass er sie sich merken würde.
    Sie sah zu ihm hinab und meinte dann in strengem Ton. "Du hast in dieses Haus eingebrochen, versuchst dich nun herauszureden und lügst dann auch noch?" Sie war im Moment wirklich wütend. "Und selbst wenn du nicht lügst, was wäre so schlimm gewesen bei Tage vorbeizukommen, zu klopfen und zu fragen? Niemand hier hätte dich verstoßen oder dich davongejagt. Im Gegenteil. Man hätte dir das was du dir nun angeeignet hast aus freien Stücken gegeben."

  • Zwei Frauen in einem Haus waren nicht wirklich beeindruckend oder beängstigend. Das zeigte sich, weil der Junge recht schnell Mut fasste und nun eine freche Lügengeschichte auftischte. Glauben konnte sie ihm nicht. Dafür, dass er sich angeblich im Haus geirrt hatte, war er erstaunlich gut eingebrochen. Er musste sich das Haus bereits angesehen haben. Skeptisch blickte sie auf den Knaben herunter, während Valentina zu ihrer Überraschung die Geduld verlor. So kannte sie ihre Schwägerin sonst nicht. Aber durchaus verständlich, schließlich hatte sich die Quintilia bisher völlig sicher im eigenen Haus gefühlt und nun stand vor ihnen der lebende Beweis, dass sie wohl recht arglos gewesen waren. Wie gern hätte sie jetzt Valerian hier, oder zumindest Simplex, der war groß, kräftig und konnte einem Einbrecher und Dieb durchaus Angst einjagen.
    Grimmig sah sie auf den Jungen hinunter, was sollten sie mit ihm machen. Laufen lassen, auf keinen Fall. Ratlosigkeit zeigte ich auf ihren Zügen.
    „Wem musst du den helfen?“ fragte sie und es war deutlich, dass sie seine Lüge nicht glaubte.

  • Klatsch.
    Es war nicht sonderlich fest, aber die Ohrfeige saß - was sich in plötzlicher Sprachlosigkeit des Jungen zeigte. Fest preßte er die Lippen aufeinander, um die Tränen zurückzuhalten. Mit merkwürdig ausdruckslosem Blick starrte die zweite Frau an, als diese behauptete, er würde bloß Lügengeschichten erzählen und dann auch noch meinte, sie hätten ihm freiwillig was gegeben, wenn er nur gefragt hätte! Diesen Blödsinn glaubte sie wahrscheinlich auch noch selbst!
    Romaeus atmete tief ein und wieder aus.
    "Wenn jemand was stiehlt, heißt das nicht gleich, daß er immer lügt", verteidigte er sich plötzlich empört. "Und nur weil jemand vom Gesetz her ehrenhafter ist als andere, heißt das nicht, daß er niemals lügt und alles richtig macht!" Er sagte bewußt nicht ihr, denn er wollte den beiden Römerinnen keine neue Angriffsfläche bieten. Die nächste Frage hatte er eigentlich gehofft, nicht beantworten zu müssen. Aber nach seiner Antwort eben konnte er nur erwarten, daß die andere Frau ihm auf den Zahn fühlen wollte.
    "Den Namen sag ich euch nicht!" stellte er sofort klar. "Aber sie ist viel kleiner als ich!" Das war weder gelogen, noch zu nah an der Wahrheit dran. Lysandra war erst fünf, und sie hatte nur noch Neco und ihn, genau gnommen. Auch wenn sie keine Geschwister waren, waren sie dennoch wie welche aufgewachsen. Und wenn er von seinem Streifzug nicht mehr zurückkam, würden die anderen seinen Fehler ausbaden müssen, und das wollte er nicht! Und daß sowas Schlimmes wie bei Ingolf nochmal passieren könnte, darüber wollte er gar nicht nachdenken ...

  • "Genauso wie du glaubst, dass wir dich verurteilen, verurteilst du uns." Meinte Valentina dann wieder viel ruhiger. Der Junge dachte sie würden ihm grundsätzlich nicht glauben, er glaubte ihnen aber auch nicht. Also drehten sie sich hier nur ihm Kreis. Einfach so laufen lassen konnten sie ihn nicht. Aber Valentina wollte auch nicht, dass dem Jungen Leid geschah. Sie hörte sich seine Erklärung an und entgegen seiner Behauptung glaubte Valentina ihm. Allerdings sagte sie ihm das nicht.
    Da sie den Prügel immer noch in der Hand hielt, stellte sie diesen nun beiseite, raffte ihr Gewand etwas und trat aus ihrem Zimmer. Näher zu ihrer Schwägerin hin. Sie stellte sich dicht neben ihr und meinte sehr leise. "Was sollen wir mit ihm tun?" Sie hasste es Entscheidungen alleine zu treffen und war froh, dass Calvena hier war um ihr dabei zu helfen.

  • Wieder verteidigte sich der Knabe vor ihnen und erklärte ihnen, das Stehlen und Lügen anscheinend nicht dasselbe war. Recht hatte er, aber für den Moment machte es keinen Unterschied. Er war schließlich mitten in der Nacht eingebrochen mit der klaren Absicht zu stehlen und als sie ihn dann erwischt hatten, hatte er gelogen. Das waren die Tatsachen. Doch was sollten sie nun mit dem Bengel tun? Auf ihre Frage wollte er dann nicht antworten, deutete nur an, dass es wohl ein Mädchen war und wohl jünger wie der Knabe. Das machte das Ganze aber nicht wirklich einfacher. Laufen lassen, konnten sie ihn ganz und gar nicht. Leise seufzte sie, eine Entscheidung musste her. „Laufen lassen, können wir ihn nicht… Wir sollten ihn einsperren und dann Morgen gleich Valerian Bescheid geben!“ Das war immerhin ein vernünftiger Vorschlag.

  • Den Jungen ansehend stimmte Valentina nickend dem Vorschlag ihrer Schwägerin zu. Sie selber konnte und wollte diese Entscheidung nicht treffen. Noch vor einiger Zeit hätte sie das gemusst, da sie vollkommen alleine hier gewohnt hatte. Allerdings war nun ihr Bruder hier und der musste ab sofort die Entscheidungen treffen. "So wollen wie es dann machen. Soll Valerian über den Jungen entscheiden. Und wir sperren ihn solange ein."
    Valentina nahm nun statt dem Prügel eine Kerze zur Hand und trat einen Schritt in den Gang hinaus. "Und wenn er zu schreien anfängt?" Dreht sie sich plötzlich fragend zu Calvena um.

  • So wirklich wohl fühlte sie sich mit ihrer Entscheidung nicht, schließlich war der Einbrecher nur ein Kind. Aber wer wusste schon, ob der Junge auf eigene Faust handelte. Es konnte auch sein, dass jemand ihn angestiftet hatte. Nur ahnte sie bereits, wenn sie ihn danach fragte, würde er ihr nicht antworten und irgendeine Geschichte erzählen, die wohl nicht der Wahrheit entsprach. Valerian würde sicherlich mehr Erfolg haben. Valentinas Einwand war berechtigt. „Wir sperren ihn in den Keller, er bekommt ne Öllampe und ne Decke und dann muss er bis Morgen warten“, herzlos war sie ja nicht und wollte den Jungen auch nicht unnötig quälen. „Da kann er dann randalieren und schreien wie er will, ich glaub kaum, dass ihn dann jemand hört!“ schlug sie vor. Im Grunde war die Entscheidung schon gefallen und auch nicht so schlecht. Calvena sah den Jungen an. „Du lässt uns leider keine Wahl. Wir wollen dir nichts Böses, aber laufen lassen können wir dich nicht“, versuchte sie ihre Handlungsweise zu erklären. Vermutlich würde der Junge sie so oder so hassen und wütend sein, aber sie fühlte sich ein klein wenig besser. Schlafen würde sie aber wohl die Nacht nicht mehr. Der Junge hatte ihnen gezeigt, dass man allzu schnell ins Haus eindringen konnte, wenn man es denn wollte.
    Mit sanftem Druck führte sie den Jungen zurück in den Keller, Valentina brachte Decke und Öllampe, wie sie es versprochen hatte. Er sollte sich nicht fürchten und auch nicht frieren. Schließlich schoben sie den Riegel vor und tauschten einen kurzen Blick. Keine Nacht im neuen Heim und schon gab es Aufregung. Ein interessanter Neuanfang.

  • Mißtrauisch und auch etwas ängstlich hatte der Junge die Diskussion der beiden Frauen verfolgt. Sie wollten ihn also in den Keller sperren, so daß ihn keiner hören konnte und die endgültige Entscheidung diesem Valerian überlassen? Anscheinend war das der Ehemann der ersten Frau ...
    Unwillkürlich wich er ein paar Schritte zurück, als die beiden sich ihm wieder näherten. Leider wurde sein Rückzug unsanft von der Küchenwand im Rücken gestoppt.
    „Du lässt uns leider keine Wahl. Wir wollen dir nichts Böses, aber laufen lassen können wir dich nicht.“
    Romaeus preßte störrisch die Lippen zusammen. Im Reflex stemmte er die Beine so gut er konnte in den Boden, als die Frau ihn an der Schulter packte und vor sich her schob.
    "Aber ich muß zurück! Sie is' noch viel zu klein, ihr müßt mich gehen lassen!" zeterte er inbrünstig gegen die Entscheidung der Hausherrin an, und selbst dabei immer noch bedacht, keine Namen zu nennen. Viel brachte dies leider nicht, sie war einfach stärker als er und noch dazu ziemlich sauer.


    Wenig später saß Romaeus zusammengekauert im Halbdunkel. Etwa zehn Minuten lang hatte er versucht, durch Treten und Hämmern die Tür aufzukriegen oder zumindest den beiden Frauen dermaßen auf die Nerven zu gehen, daß sie ihn wieder laufen ließen.
    Doch offenbar hatten sie recht mit ihrer Einschätzung, daß ihn hier unten keiner hören würde. Irgendwann fingen seine Hände und Füße an, wehzutun und Romaeus zog sich unruhig mit der Decke in die hinterste Ecke des Raumes zurück.
    Erst jetzt kam er dazu, sich gründlich im Keller umzusehen. Wobei es nicht wirklich viel zu sehen gab, außer Spinnweben und staubige Regale. Leider hatte man hier unten keinerlei Essen stehen lassen. Nur noch Scherbenreste von ein paar Tontöpfen konnte er hier und da entdecken.


    Geknickt zog Romaeus sich wieder in seine Ecke zurück. Eine ganze Weile saß er einfach nur da, während seine Hände nervös an einzelen Zipfeln oder losen Fäden der alten Decke herumspielten. Seine Gedanken wanderten ziellos hin und her zwischen Varius, Lysandra, Neco und diesem mysteriösen Mann namens Valerian, dessen Besuch ihm wohl morgen früh drohen würde. Tatsächlich war schon ab dem Moment, als Calvena ihn erwischt hatte, so etwas wie ein Schuldbewußtsein in ihm hochgekrochen. Aber nicht, weil er etwas gestohlen hatte sondern vielmehr, weil er nicht vorsichtig genug gewesen war. Jetzt würden die anderen wegen ihm Ärger kriegen, und er konnte nichts dagegen tun! Sie wußten ja nicht, wo er war ... vielleicht würden sie nie erfahren, was mit ihm passiert war?
    Vor Schreck hielt Romaeus abrupt die Luft an. Was, wenn die ihn hier unten einfach vergessen, vergammeln lassen würden?! Zwar hatten die Frauen gesagt, daß sie ihm nichts Böses wollten, aber hier unten konnte ihn ja wirklich keiner hören!


    Nun auf's neue verunsichert, stand der Knabe wieder auf und lief zurück zur Tür. Mit aller Kraft hämmerte er ein paarmal dagegen.
    "HEY! LASST MICH RAUS! LASST-MICH-RAUS!!!" Wütend, aber auch ein bißchen panisch, knallte er im Takt zu seinen Worten die Fäuste gegen das Holz.
    Da dies natürlich nichts brachte, nahm er als nächstes erneut die Füße zur Hilfe.
    "LASST MICH RAUS, HILFE!" Er holte tief Luft, da diese ihm drohte, auszugehen. Dann fügte er in einer plötzlichen Eingebung so laut er konnte hinzu: "ICH MUSS MAL!"
    Wieder nichts als die gähnende Stille der Nacht. Romaeus antwortete ihr, in dem er sich nun mit dem ganzen Körper gegen die Tür warf.
    "AU!" Im nächsten Moment verzog er weinerlich das Gesicht. Da hatte er sich doch glatt an dem morschen Holz das Knie aufgeschürft. Abgesehen davon, sahen seine Fingerknöchel so langsam auch sehr ramponiert aus.
    Die Tränen runterschluckend, während er gleichzeitig den Rotz in der Nase hochzog, verzog er sich leicht hinkend wieder zu seinem Platz. So wie er es sonst auch machte, riß er ein Stück vom Ärmel seines zerlumpten Hemdes ab und knotete es grob über die Schürfwunde.
    Zusammengerollt versuchte er, diese blöden Tränen zurückzudrängen. Nicht so ganz leicht, weil die Angst inzwischen immer stärker wurde und er gar nicht mehr richtig nachdenken konnte. Außerdem war seine Nase plötzlich verstopft ...
    Durch den Tränenschleier hinweg blinzelte der Junge ins Licht der Lampe hinein, bis er schließlich eingeschlafen war.


    Irgendwann wurde er wach, weil er nun wirklich mal mußte. Und zwar verdammt dringend!
    Schnell flitzte Romaeus zur Tür und schlug erneut ein paarmal mit der flachen Hand dagegen. Vielleicht war es ja inzwischen Tag und er sah es nur nicht?
    "LASSTMICHRAUS! ICH MUSS MAL! GANZ DRINGEND!" schrie er gegen das Holz an. Irgendwas hinter ihm quietschte und raschelte. Erschrocken wirbelte er herum und preßte sich mit dem Rücken zur Tür.
    "Achso!" Aufatmend stellte er fest, daß er wohl nur eine Maus aufgeschreckt hatte. Auf Zehenspitzen schlich er nun dorthin, wo das kleine graue Tier in seinem Loch verschwunden war. Kopfüber gebeugt stand er da und versuchte, in das Versteck des Tieres hineinzusehen.
    "Hey, Mausi! Keine Angst, ich tu dir nix!"
    Schade, daß er keinen Brotkrumen oder so etwas bei sich hatte. Sonst hätte er sich bei der Maus entschuldigen können für den Schreck ... vielleicht hatte sie ja auch Kinder?
    Seine Überlegungen wurden unterbrochen, weil erneut seine Blase drückte.
    "Ich komm gleich wieder!" wisperte er in Richtung Mauseloch, ehe er wieder zur Tür huschte.
    "ICH MUSS WIRKLICH, BITTE LASST MICH RAUS!" schrie er nun. Auf der Stelle hin und her hibbelnd, wartete er eine Weile ab. Aber es tat sich wieder nichts. War es etwa noch nachts?!
    "Na dann seid ihr selbst schuld!" maulte er über die Schulter zur Tür. Etwas staksig, um das Pipi zurückzuhalten, ging er nun in die schräg gegenüberliegende Ecke seines Deckenlagers. Dort, in einer Nische zwischen Regal und Wand, hinterließ er schließlich einen kleinen gelben See.
    Anschließend nahm er Decke und Öllampe auf, um sich in einiger Entfgernung vor dem Mauseloch zu postieren. Er würde einfach still abwarten, bis sich das kleine graue Tier nochmal zeigte ... Dann war er wenigstens nicht so alleine.

  • Fast versteinert war Valentinas Gesicht als sie die Öllampe und die Decke brachte die Calvena dem kleinen Jungen versproche hatte. Sie hielt absolut nichts von Sklaverei. Und noch weniger hielt sie davon einen Jungen in den Keller zu sperren. Doch sie mussten es tun. Laufen lassen war nicht möglich und hier oben lassen noch weniger.
    Sie nickte, als Calvena den Riegel vor die Türe schob und stieg zusammen mit ihr wieder nach oben. Fragend sah sie diese von der Seite an. Sie dachte wohl das gleiche wie sie. An schlafen war nicht mehr zu denken. Obwohl Valentina ziemlich müde von der Reise war. So verschwand sie nur kurz in ihrem Zimmer um sich eine Decke zu holen die sie sich über die Schultern legte und ging dann zusammen mit Calvena in deren Zimmer. Dort ließ sich Valentina auf eine der Sitzgelegenheiten nieder und seuftzte leise. Sie fühlte sich elend, doch es musste sein.
    Dumpf und ganz leise hörte sie die Schreie des Jungen und als sie es nicht länger aushielt, stand sie nochmal auf und schloss die Türe gänzlich. Nun waren die Schreie wenigstens kaum noch zu hören. Wieder setzte sie sich und sah ihre Schwägerin müde und fragend an. "Was meinst du wird Valerian mit ihm machen?"

  • Der Junge tat ihr Leid, aber sie versuchte sich nicht hinreißen zu lassen und den Jungen doch noch laufen zu lassen. Es war ihr unangenehm ihn einsperren zu müssen, aber wenigstens hatte er Licht und eine Decke. Wie erwartet machte er jede Menge Lärm, weil er sich nicht einsperren lassen wollte. Calvena seufzte, warum hatte der Bengel auch bei ihnen einbrechen müssen. Jedenfalls war sie nicht allein, Valentina gesellte sich zu ihr. Erst einmal entzündete sie sich selbst einige Öllampen um die Dunkelheit der Nacht zu vertreiben. Ebenfalls wickelte sie sich in eine Decke und lehnte sich dann mit den Rücken gegen das Kopfende ihres Bettes. Die Rufe des Jungen klangen recht unheimlich in dieser stillen Nacht. Ein leiser Schauer lief ihr den Rücken herab. Jetzt war es gut, nicht allein zu sein, auch wenn es ihr lieber gewesen wäre, wenn Valerian jetzt hier war.
    Leicht zuckte sie mit der Schulter auf die Frage ihre Schwägerin. „Ich weiß nicht“, antwortete sie ehrlich. Wirklich Gedanken hatte sie sich dazu nicht gemacht. Sie konnte sich aber kaum vorstellen, dass ihr Mann dem Jungen irgendwas antun würde. Angst einjagen sicherlich, aber nicht mehr. War ja schließlich noch ein Kind. Dennoch machte es den Einbruch nicht besser.

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