Syene – Die Rückkehr der XXII.

  • "Sie ist ein Schatz. Ein kostbarer Schatz! Ich hoffe nur der Quintilier zeigt sich ihrer würdig."
    Die einzige Frau, der ich etwas abgewinnen konnte... nachdenklich legte ich den Kopf schief und widersprach: "Nein, da wären auch noch Tante Lucilla, Tante Venusia und Großtante Drusilla... und Tante Anteia und Cousine Flava und... - naja, Familie eben." Das war ja ganz was anderes. "Die Decima-Frauen sind halt was besonderes. Die haben Temperament! - Und ausserdem meine Scriba. Celeste. Sie ist gewitzt, und aussergewöhnlich. Aber die allermeisten Frauen sind doch todlangweilige Erscheinungen. Hübschfrisierte Hohlköpfchen, ohne Feuer, eine wie die andere, ohne einen einzigen originellen Gedanken..."
    Hatte ich Vorurteile? Nein, Erfahrungswerte! Ausnahmen gab es, aber sie waren selten. Auf eine Meditrinalienathene kamen nun mal zehn geistlose Heimchen.


    "Das kann ja später noch folgen." warf ich zur Militia Equestris ein. Und voll Überzeugung, Massa schwärmerisch betrachtend, bestätigte ich: "Ich bin sicher, du wirst noch groß rauskommen! Du... -" strahlst wie ein Achilles inmitten namenloser Soldaten, das muß doch jeder sehen, der nicht blind ist... "..machst das schon. Geht eben Schritt für Schritt... waah, jetzt red ich schon wie die verdammten Medici!"
    Ich brach mit einem halbverlegenen Lachen ab, und streckte halbentschlossen die Linke nach den braunen Locken aus. Endlich... Ich fuhr mit dem Handrücken darüber, zauste sie langsam, halbspielerisch. Es war wohl der Tag der halben Sachen. Dabei plauderte ich weiter, als wäre nichts.
    "Sagen die das auch immer zu dir? So ein Stuß, ich kanns nicht mehr hören..."

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • „ So viele Frauen in der Familie...Iberer sind von Natur aus sehr temperamentvoll. “ Ich lächelte vor mich hin. „Die Männer stehen da in nichts nach.“
    Zwei Familien, zwei verschiedene Welten. Wen hatte ich von unserer Gens kennengelernt? Es sah so aus, als ob ich den Zweig mit den Eigenbrötlern erwischt hatte.

    „ Celeste, von ihr hast du mir noch nichts erzählt. Wie hast du sie denn kennengelernt? Sie ist deine Scriba?“ Nun interessierte es mich doch. Er hatte sie erwähnt, eine Frau die nicht zur Familie gehörte. „ Naja ich hatte noch nicht so viel..... mit Frauen zu tun. Mich haben die Bekannten meiner Mutter abgeschreckt. Reden, reden... ihr Mund stand nie still. Über alles und jeden sind sie hergefallen. Wenn sie mich in die Finger bekommen haben. Ich will nicht mehr dran denken.“ Meine Gedanken waren sofort bei Neriman. Sie war etwas ganz anderes, etwas Besonderes, Außergewöhnliches. Es gelang mir nicht, sie zu vergessen, aus meinen Erinnerungen zu streichen. Wollte ich es? Der eine Kuss hatte mich aufgewühlt und eine Ratlosigkeit hinterlassen, die ich mir nicht erklären konnte. Neriman, eine Rose der Wüste, gerade am Erblühen, erschütterte mein bisheriges Empfinden für Frauen in den Grundfesten. Schon wieder das Thema Frauen. Ging denn nichts ohne sie?


    Ich hatte die letzen Worte von ihm mehr im Unterbewusstsein registriert. „ Hmm..?.., Ja... Im Schatten eines Tribuns aus der eigenen Familie, eine fast unlösbare Aufgabe. Man wird alles, was ich in der Zukunft erreiche, deinem Einfluss anrechnen.“ Wir dienten in der gleichen Legion, jeder würde davon ausgehen. Ich machte mir keine Illusionen. Gerade deswegen schadete eine gesunde Portion Ehrgeiz nichts. Sie half in den meisten Fällen weiter.


    Seine Hand, in meinem Haar zu spüren, zaghaft, zögerlich. Ein leichter Schauer, ein laues Gefühl im Magen. „ Sie sind nicht so feinfühlig mit mir umgegangen. Man sagte mir. Das geht schon. Ist gut verheilt. Diensttauglich. “ Ich lächelte verschmitzt, zog meine Tunika auf der rechten Seite hoch. Eine 2 digitus breite Narbe, ein Stück unter den Rippen zeigte sich. Sie war gut abgeheilt. Jeden Tag mit einer Salbe eingerieben, blieb sie geschmeidig. „ Sie tun ihr möglichstes Aquila. Sei nicht ungeduldig.“


    Ich rutschte zu ihm auf die Seite. Setzte mich neben ihn, legte den Arm vorsichtig um seine Schultern. Das letzte Mal war es nicht so friedlich, als ich ihn so neben mir hatte. „ Du wirst gesund. Schritt für Schritt.“ Ich lachte ihn an. Der Moment der Ruhe neben ihm. Entspannt saß ich da, sah zur Luke hinaus. „ Es geht nach Hause, nach Nikopolis." Nur einen Augenblick noch. "Unser Centurio hat eine feine Nase, ich muss wieder zurück. Natürlich nur, wenn der Tribun nichts weiter zu besprechen hat.“ Er brauchte seine Ruhe, ich sah es ihm an. Für mich war noch nicht daran zu denken. Es gab noch Ausrüstung zu verstauen, und Allerlei Zeug zu tun, bevor die Schiffe ablegen konnten.

  • Wohl war. Obwohl mir das Temperament zur Zeit ein wenig abhanden gekommen war... und sich eher in erhöhter Reizbarkeit äußerte.
    "Und die Achaier erst....." konterte ich mit ernsthafter Miene, ganz unschuldig, bis auf das leise Lächeln in den Augen.


    "Jaha, Celeste... Sie hat mir mal in Rom bei einer Ermittlung geholfen. Ich war damals einer Gruppe übler Verschwörer aus der Christianersekte auf der Spur... hab sie leider nicht erwischt... aber so hab ich Celeste kennengelernt. Ich mach dich mit ihr bekannt, wenn wir wieder zurück sind." – Moment. Bei genauerer Betrachtung schien es mir keine gute Idee zu sein, Massa, den schnell entflammbaren, kaum dass die Wüstenblume passé war, gleich mit einem noch viel hübscheren Mädchen zusammenzubringen. Andererseits... nein, gerade um mir selbst zu beweisen, dass ich über solche albernen, vollkommen unangebracht Besitz-ergreifenden Impulse hinaus war, würde ich ihm Celeste vorstellen. Ganz locker, ganz abgeklärt, ganz...
    ...sein Haar fühlte sich wunderbar an, zwischen meinen Fingern. Ich ließ die Hand hindurchgleiten, sicherer durch sein Lächeln. "Der Schatten der Familie, ich kenn das Problem... Aber Du bist groß, du wirfst doch schon jetzt deinen eigenen Schatten..."


    Er zeigte mir seine Narbe. Sie sah gut verheilt aus, geradezu harmlos. Ich hatte ein Bild vor Augen von ihm, blutüberströmt... wie aus einem Alptraum. Bei allen Göttern, wie war ich froh, dass er noch hier war, und nicht irgendwo in der Wüste verscharrt... Meine Kehle war eng. Ich nickte stumm und vergrub meine Hand sanft tiefer in seinem Haar.
    Geduld war noch nie eine meiner Stärken gewesen. Aber so charmant hatte mich auch noch nie jemand zur Geduld gemahnt. Ich lächelte schief, halbgequält, halberfreut, und ließ mich halbentschlossen auf die Umarmung ein. Es tat enorm gut, und – Stück für Stück – mit jedem Atemzug, fiel die Anspannung, die sich um mich herum zusammengeballt hatte, weiter von mir ab. Und auch der Schmerz war viel... zahmer geworde. Ich schloß die Augen. Wandte Massa mein Gesicht zu, den Kopf halbgeneigt... bis ich sein Haar auf meiner Wange spürte, und auf meinen geschlossenen Lidern, ganz leicht. Draussen rauschte der große Strom, und das Schiff schwankte ein wenig. Ich hörte ihn atmen. Aquila. Ist gut verheilt. Sie tun ihr möglichstes. Du wirst gesund. Es geht nach Hause. Aquila...
    Der Moment zog vorüber, er hinterließ eine große Erleichterung und eine bleierne Müdigkeit.
    "Nein, der Tribun, der hat nichts weiter zu besprechen." murmelte ich schläfrig und richtete mich langsam auf, ließ die Hand über Massas Oberarm herabgleiten. Noch ein kurzes Streicheln, dann löste ich mich von ihm, und in dem Augenblick schoß es mir durch den Kopf: Er könnte alles von mir verlangen. Alles auf der Welt!
    "Also dann."

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    Klient - Decima Lucilla

  • Ein Anflug von Müdigkeit, die Lider wurden schwer. Die Zweisamkeit, lange vermisst. Es kam dem Abend in der Wüste nahe, als wird die Sterne beobachteten. Schwer sich von hier los zu reißen. Seine Stimme, leise, vom Schlaf durchwoben zog mich mit. Ich durfte nicht. Wie dürstete mein Körper nach Ruhe, mein Geist hatte sich der Ohnmacht hingegeben, nichts gegen diesen Raubbau an Gesundheit und Verstand tun zu können. Bald, bald, hatte ich es geschafft. Nach dem Ablegen, Ruhe, das gemächliche Schaukeln, das gleichmäßige Rauschen der Bugwelle....



    Ich schreckte unmerklich hoch. Seine Worte hatten mich aus dem Traum gerissen. Ein Wimpernschlag nur hatte ich die Augen geschlossen, war weggedämmert. Seine Hand auf meinem Arm, die Versuchung war groß die Augen wieder zu schließen. „ Also dann.“ Wiederholte ich zögernd seine Worte. Meine Finger glitten durch sein glattes Haar, strichen es aus seiner Stirn, ließen mich in seine müden Augen sehen. Ich beugte mich zu ihm, hauchte ihm einen Kuss auf Wange und Stirn. „ Schlafe, es wird dir gut tun Aquila.“ flüsterte ich. Vorsichtig glitt ich von seinem Lager. Das Verlangen sich wieder zu ihm zu legen war groß. Ich musste gehen. Heute war die Zeit eng bemessen. Die Flotte hatte ihre Vorgaben. Wir mussten den Zeitplan einhalten. Ich ging leise zur Truhe, nahm mein Cassis. Ein Wangenschutz klapperte, ich blieb stehen. Sah zu ihm, lächelte und verließ leise seine Kabine.

  • Darauf war ich nicht gefasst, auf etwas so... zärtliches...... und irgendetwas in mir, etwas sanftes und leichtes, erbebte bei dieser Geste, diesem Kuss. Halb erfreut, halb verunsichert – war denn alles wieder so wie vor dem Erscheinen der Störenfriedin... - lächelte ich zurück. Den Kopf in die Linke gestützt verfolgte ich Massa mit den Augen. Wie er den Helm aufsetzte, sich in die Pflicht wappnete und hinausging.
    Kaum dass er weg war, begann der Zweifel zu nagen. War es nicht vielmehr Mitleid, was ihn zu diesem Verhalten bewog? Der Wunsch, den armen trübsinnigen Invaliden ein wenig aufzumuntern... oder so. Feindselig stierte ich auf meinen kaputten Arm. Ach! Ich hätte in Rom bleiben sollen, anstatt in Ägypten Abenteuer und Exotik zu suchen, dann wäre das alles nicht passiert.


    Erschöpft sank ich in einen unruhigen Schlaf, aus dem mich irgendwann die Rückkehr meines Sklaven weckte. Er hatte einen Steinmetz im Schlepptau, mit dem regelte ich noch, dass Menas und die anderen Gefallenen meiner Kohorte angemessene Kenotaphen bekommen würden.
    Und auch das verlangte Opium hatte Ravdushara aufgetrieben. Das erleichterte mir die Rückreise ganz ungemein.


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