Ankunft - nach langer Reise

  • Ein leises Seufzen der Erleichterung entfloh meinen Lippen, als ich endlich, nach Wochen auf dieser Nussschale von Schiff, wieder einen Fuß auf festen Boden setzen konnte. Die Reise von Alexandrien nach Ostia war eine Zumutung gewesen. Die salzige Gischt hatte meine Kleider ruiniert, der Kapitän war zudringlich geworden und die Besatzung ein ungebildeter Haufen aus Sklaven und dreckigen Peregrini. Alles in allem eine Katastrophe und ich war froh endlich dem Schiff entkommen zu sein. Nun stand ich auf dem Pier unter einem Sonnensegel und wartete darauf, dass mein Gepäck entladen wurde. Dabei glitt mein Blick über die Hafenanlage und ich stellte fest, dass sich in den letzten fünf Jahren, anscheinend nicht verändert hatte. Ostia wirkte nachwievor wie das verschlafene Hafenstädtchen, als das ich es in Erinnerung hatte. Ganz so friedlich wie es den Anschein hatte, war die Stadt nicht. Im Hafen herrschte Hochbetrieb. Schiffe wurden beladen und gelöscht, Sklaven mit Karren trotteten mit unbeteiligter Miene an mir vorbei und Händler feilschten um die kostbaren Gewürze und Stoffe aus aller Herren Länder.
    „Khurram… geh und such eine anständige Unterkunft! Ich will endlich wieder in einem richtigen Bett schlafen! Und ich will auch ein Bad!“ Leicht rümpfte ich die Nase, ich roch nach Schweiß, Salz, Meer und Sonne. Auf diesem Kahn hatte ich mich nur mit Meerwasser waschen können, denn das Trinkwasser war streng rationiert. Der Sklavenjunge huschte davon. Er war ein aufgeweckter Junge. Klug und mit einem gewissen Charme. Während der Junge davon flitzte und sich um eine angemessene Unterkunft bemühte, wartete ich derweil auf mein Gepäck. Ich wollte dabei bleiben und den Männer beim Abladen auf die Finger schauen. Nicht dass sie mich am Ende prellten. Das traute ich diesen habgierigen Halunken glatt zu. Schließlich hatten sie bereits ein Vermögen für die Überfahr verlangt. Hätte ich es nicht so eilig gehabt Alexandrien verlassen zu wollen, dann hätte ich wohl bei einem anderen Kapitän mit einem größeren Schiff angeheuert. Aber das hatte ich nun davon, dass ich es so eilig gehabt hatte. Eine völlig überteuerte Überfahrt und die gierigen Blicke der Besatzung.


    „Ich bin froh dieser Nussschale entkommen zu sein“, raunte ich Siha zu. „Das nächste Mal hältst du mich davon ab, auf so einem Schiff zu reisen!“ Was dauerte es so lange bis man mein Gepäck auslud? Ich war ungeduldig, ich wollte nicht mehr in der Sonne stehen. Ich wollte frische Kleider, eine Massage, ein Bad und kühlen Wein. Mit genervter Miene trat ich an den Kapitän heran. „Wo bleibt mein Gepäck?“ fragte ich gereizt. Als Antwort erhielt ich ein schmieriges Grinsen. „Wenn Du nett zu mir wärst, würde es schneller gehen, Herzchen!“ „Für Dich bin ich immer noch Helvetia Phoebe“, fuhr ich ihn an und funkelte wütend. „Ich hab Dir schon genug Geld in den Rachen gesteckt! Dafür kann ich erwarten, dass Du deine Männer antreibst!“ „Geld ist nicht alles, Helvetia. Ich schlug ihm auf die Hände, als er diese nach meinem Hintern ausstreckte. „Nein, bedeutet nein! Ich will mein Gepäck!“ „Dann wirst Du dich noch gedulden müssen!“ grinste er mich frech an und wandte sich zu seinen Männern um. Er ließ mich einfach stehen. Ich kochte vor Wut. Für wen hielt er sich? Nur was konnte ich schon machen? Im Augenblick fehlten mir die Druckmittel um diesen Kerl in die Schranken zu weisen und dafür zu sorgen, dass er mich mit dem nötigen Respekt behandelte. Seit dem Tod von Decimus war das Leben komplizierter und schwieriger geworden.


    Sim-Off:

    Wer mag dazu kommen?

  • Dives konnte Ostia natürlich noch nicht wieder gen Roma verlassen, bevor er nicht noch einmal einen Blick aufs Meer geworfen hatte! So machte er am Morgen zusammen mit seinem Sklaven Antinoos auf zum Hafen. Eigentlich hätte er auch den alten Aglaopes gern mitgenommen, doch nach den jüngsten Geschehnissen, wusste er nicht mehr so recht, wie sehr er ihm noch trauen konnte... Dies war auch eine gute Gelegenheit, ihm das gleich einmal vor Augen zu führen! Auch er war schließlich nur ein Sklave - was bildete er sich eigentlich ein?!
    Als die beiden Männer den Hafen endlich erreicht hatten, versicherte Antinoos zum gefühlt einhundertsten Mal - auch wenn er soweit zu zählen wohl nur mit etwas Glück schaffen mochte - und hörbar genervt:


    | Antinoos
    CURSOR ET CUSTOS CORPORIS - MARCUS IULIUS DIVES


    "... Marcus, ich habe wirklich keine Ahnung, was der Alte da gemacht hat!" Jetzt wo dieser nicht anwesend war und auch sein Herr sauer auf ihn zu sein schien, konnte man ruhig in dieser Wortwahl über Aglaopes reden, befand Antinoos. "Gut, dann will ich dir da mal glauben... Cucuco!", klopfte Dives seinem Sklaven auf die Schulter und dieser machte innerlich Luftsprünge, dass sein Herr ihn wieder beim gewohnten Namen nannte! Zumindest ihm schien er also verziehen zu haben!
    "Schau dir das Meer an...", meinte Dives mit einem leichten Seuftzen und über den Hafen direkt auf die offene See blickend. "Wie gern würde ich auch mal wieder..." Dives stockte, als sein nun über den Hafen schweifender Blick auf ein gerade angelegtes Schiff fiel. Das heißt, natürlich achtete Dives weniger auf das schwimmende Ungetüm, als viel mehr auf die Schönheit, die er in dessen Nähe ausmachte! "Ja, Herr! Mit einem Schiff zu ..." - "Pssst!", zischte Dives und wies seinen Begleiter mit seinen Augen unauffällig auf die Dame am Schiff hin. So schritten die beiden langsam und auffällig unauffällig weiter in ihre Richtung.


    Zitat

    [...] „Wo bleibt mein Gepäck?“ fragte ich gereizt. Als Antwort erhielt ich ein schmieriges Grinsen. „Wenn Du nett zu mir wärst, würde es schneller gehen, Herzchen!“ „Für Dich bin ich immer noch Helvetia Phoebe“, fuhr ich ihn an und funkelte wütend. „Ich hab Dir schon genug Geld in den Rachen gesteckt! Dafür kann ich erwarten, dass Du deine Männer antreibst!“ „Geld ist nicht alles, Helvetia. Ich schlug ihm auf die Hände, als er diese nach meinem Hintern ausstreckte. „Nein, bedeutet nein! Ich will mein Gepäck!“ „Dann wirst Du dich noch gedulden müssen!“ grinste er mich frech an und wandte sich zu seinen Männern um. Er ließ mich einfach stehen. Ich kochte vor Wut. Für wen hielt er sich? Nur was konnte ich schon machen? Im Augenblick fehlten mir die Druckmittel um diesen Kerl in die Schranken zu weisen und dafür zu sorgen, dass er mich mit dem nötigen Respekt behandelte. Seit dem Tod von Decimus war das Leben komplizierter und schwieriger geworden.


    Damit hatte Dives ersteinmal genug: "He! He, du! Ja, genau du!", begann Dives mit einem Macho-Ton, der ihm eigentlich so gar nicht stand. "Es gibt hier 'nen paar Regeln, klar?! Regel Nummer 1: So sprichst du gefälligst nicht" Dives wandte sich zur Seite, da er mittlerweile bis zu der Unbekannten vorgelaufen war. Seine Mimik wandelte sich: Er lächelte und senkte seinen Kopf leicht zur Begrüßung: "zu einer so bezaubernden jungen Dame."
    'Musste das den jetzt sein?! Kaum sieht er eine Frau in vermeintlicher Not, muss er den Helden spielen! Der ändert sich nie... Und wer darf dann den Prügelknaben spielen, wenn sich die Seeleute entschlossen, dass sie diese Provokation nicht einfach hinnehmen wollten?! - Immerhin gibt es hier überall Vigiles...', beruhigte Antinoos sich in Gedanken, der auch schon ungesichertere Orte erlebt hatte, bei denenn sich Dives dennoch zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte... Als Leibwächter war er aber dennoch in Windeseile an der Seite seines Herrn, stellte sich aber natürlich auf die gefährdetere Flanke und nicht zwischen ihn und Helvetia.
    "Wie heißt ihr, wenn ich mich dazu erdreisten darf, euch das zu fragen?", sprach Dives sie nun direkt an. Zwar fiel ihr Name schon in seiner Gegenwart, doch sicher, war sicher - man konnte sich an so einem Ort schließlich auch schnell mal verhören... Den dreisten Typ würde Antinoos ihm schon irgendwie vom Leib halten. Das war schließlich seine Aufgabe!

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

    Einmal editiert, zuletzt von Marcus Iulius Dives ()

  • Gereizt ließ ich meinen Blick zum Horizont gleiten. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Aber nun gut, wenn ich warten musste, dann würde ich warten. In der Zwischenzeit würde sicherlich Khurram eine Unterkunft ausgemacht haben.
    Eigentlich dürfte es mich nicht verwundern, dass ich plötzlich unerwartete Hilfe bekam. Ich war eine Schönheit, ich fiel den Männern sofort ins Auge und ganz offensichtlich steckte ich auch noch obendrein ein wenig in Schwierigkeiten. Dass sich fast umgehend ein Retter einfand, der mich von meiner Not erlösen wollte, war vorhersehbar. Dennoch überraschte es mich, besonders weil sich mein Retter als ein blonder Jüngling heraus stellte. Und dieser sah neben den kräftigen Seemännern wie ein Hänfling aus. Wie eine halbe Portion. Er mochte in Begleitung eines kräftigen Sklaven sein, aber der würde den jungen Mann wohl kaum vor einer Tracht Prügel bewahren. Besonders weil er so große Töne spuckte und die Seeleute ihm haushoch überlegen waren.
    Ein wenig war es beeindruckend, dass der junge Mann mir zu Hilfe eilen wollte, aber Angesichts der kräftigen Seeleute um sie herum, war es reichlich dumm, den Mund soweit aufzureißen. Die Hilfe eines feisten Verwalters wäre mir lieber gewesen. Dann hätte ich in Null Komma Nichts mein Gepäck und vermutlich sogar noch eine Einladung zum Essen. Stattdessen würde ich Zeugin werden, wie der tollkühne junge Mann eine Lektion erteilt bekommen würde. Ich kam gar nicht dazu, auf die Frage nach meinem Namen einzugehen, oder auf das Kompliment zu reagieren.


    Ganz langsam drehte der Kapitän sich um, musterte den Burschen und brach dann in schallendes Gelächter aus. Und mit ihm die gesamte Mannschaft und einige der Hafenarbeiter. „Willst du mir drohen, Bürschchen?“ Das Lachen war einem bedrohlichem Ton gewichen, als er sich vor dem Jüngling aufbaute. „Mir schlottern schon die Knie“, verhöhnte er den jungen Mann. „Ich rede mit dem Weib, wie ich es für richtig halte! Geh nach Haus zu Deiner Amme. Komm wieder wenn Dir Haare am Sack wachsen!“ Er machte eine Handbewegung, als würde er eine lästige Fliege verscheuchen. „Seht ihn euch an! Er will nicht mal wie ein Mann zu seinen Worten stehen! Stattdessen wirft er mit Schmeicheleien um sich und lässt seinen Sklaven für sich kämpfen! Was für ein Feigling!“ hallten die Schmähungen nur so über den Platz. Wieder erklang Gelächter. „Komm her und zeig der bezaubernden junge Dame was du drauf hast!“ Demonstrativ ließ er die Knöchel einmal Krachen.


    Ich seufzte. Meinetwegen sollte es nicht zu einer Schlägerei kommen. Das würde nur Scherereien mit sich bringen. „Das reicht! Sorg dafür, dass mein Gepäck endlich ausgeladen wird. Sonst gehe ich zum Hafenverwalter und sorge dafür, dass Du hier in Ostia nicht mehr landen wirst!“ forderte ich den Kapitän auf. „Ich würde den Hafenverwalter sogar dazu bekommen, dass er nackt herum rennt und schmutzige Liedchen pfeift!“ Meine Worte untermalte ich mit einem bezaubernden Augenaufschlag. Ich mochte erschöpft, genervt und etwas staubig sein, aber ich wusste, dass ich mit meinem Aussehen die Männer um den Finger wickeln konnte und diese dazu bringen konnte, zu tun, was ich wollte. Der Mann warf dem Jüngling einen finsteren Blick zu, grunzte und drehte sich dann wiederwillig um. „Elende Lupa!“ knurrte er unwillig. Zufrieden nickte ich. Mein Gepäck würde ich schon sehr bald in Empfang nehmen dürfen. Dass er mich beleidigt hatte, überhörte ich einfach. Man hatte mich schon schlimmer beleidigt.

  • Dives hatte sich in den grünen Augen verloren, die so glasklar waren, dass man meinen könnte, dass sich das Wasser in ihnen spiegelte. Es war einfach faszinierend! Darüber war es auch ein gar leichtes, die beleidigenden Worte des Herrn hinzunehmen. Doch bei dem Wort "Weib", welches Dives für eine solch elegante Frau höchst unangebracht empfand, verfinsterte sich Dives Miene zwangläufig und er schaute auf. Aufmerksam hört er nun jedes Wort, drehte sich nach der klaren Aufforderung zum Kampfe schlagartig um und stellte sich vollkommen aufrecht hin - eine große Statur zeigt im Regelfall immer Wirkung und zeigte zumindest, dass auch ein junger Mann wie Dives alles andere als völlig wehlos war. So rief er in einem verärgert energischen Tonfall:


    "Nun hör mal gut zu!", begann er er, während sich das umliegende Gelächter von einem Augenblick zum nächsten in gespannte Stille verwandelte und Antinoos seuftzte und dabei dachte: 'Nein, bitte nicht...'.
    "Ich bin Marcus Iulius Dives!" Nicht, dass dies auch nur irgendeinem der Anwesenden - Antinoos ausgenommen - etwas gesagt hätte, doch WENN er sich in den Kopf gesetzt hatte, dass er jemanden verteidigte, DANN konnte das auch jeder wissen! "Ich bin ein ehrbarer römischer Bürger und als solcher besitze ich auch etwas Anstand und Bildung!", untertrieb er klar hörbar. "Wenn du dich mit mir hier duellieren willst, dann gerne, aber nach meinen Regeln; nämlich geistig, wenn du dazu überhaupt in der Lage sein solltest! Offen gesagt, hege ich da nämlich doch EINIGE Zweifel, da du scheinbar weder weist, wie man sich in Gegenwart von Frauen verhält, noch zu realisieren scheinst, dass wir uns hier in Ostia befinden! Folglich gilt hier römisches Recht nach römischen Gesetzen!" Dives hatte sich etwas in Fahrt geredet und man sah nun auch von weiterer Entfernung Leute schauen. Das war vor allem für Antinoos ein beruhigendes Zeichen, da dies die Wahrscheinlichkeit drastisch erhöhte, dass patroullierende Truppen aufmerksam wurden - besonders, falls es zu Ausschreitungen kommen sollte. Dives indes war immernoch in seiner Ansprache: "Und römische Gesetze, das heißt eben genau, dass du auch für Beleidigungen oder Drohungen mal schnell in einem Carcer einsitzen kannst!" Das dies erst Recht für Körperverletzung galt, war damit nicht mehr erwähnenswert, weil zwingend logisch!


    Dann wandte sich Dives ohne Atempause an die gaffenden Zuschauer: "Bürger Ostias, freie Römer, Peregrini! Was ist aus den alten Tugenden geworden, die uns einst so groß machten?! Viele von euch haben doch Familie: Frau und Kinder! Die würdet ihr im Zweifelsfall mit eurem Leben zu schützen versuchen, wenn sie angegriffen werden!" Dives setzte eine kurze Zäsur und blickte sich mit bedrohlich funkelnden Augen um. Tatsächlich senkten sich nun einige Blicke. "Und jede eurer Töchter könnte sich eines Tages in genau dieser Situation befinden, wie sie!", deutete Dives auf Helvetia. "Wo also bleibt euer Kampf für die Tugenden, die Ideale Roms?! Ich, Marcus Iulius Dives, habe den Kampf für diese Ideale noch nicht aufgegeben! Und das habe ich auch in Zukunft nicht vor! Das sollte sich hier jeder überlegen..." Leicht irritiert blickte Dives nun zu Helvetia, die seine sonst wohl nie endende Tirade unterbrach.


    Mit dem vorläufigen Verschwinden des beleidigenden Typens hatte Dives sich dann aber wieder völlig gefangen und war auch wieder runter gekommen. Antinoos atmete tief durch.
    "Nun, ich hoffe, mein Auftritt war nicht allzu peinlich für euch! Und verzeiht, wenn ich dies so sage, aber wie darf ich dieses schöne Gesicht nennen, dass hier vor mir steht?" - '...und von weitem doch noch etwas jünger aussah...', dachte er sich gedanklich dazu, was aber zumindest eine beginnende Freundschaft nicht ausschloss.
    Antinoos stand derweil mit verschränkten Armen und dem Blick in Richtung des eben Verschwundenen da. Damit versuchte er seine Oberarme noch ein wenig muskulöser wirken zu lassen, als sie eh schon waren. Verstolen blickte er kurz in Richtung der Begleiterin Helvetias, erkannte aber nicht viel, weil er sich sofort wieder auf das Schiff konzentrierte, als sie sich bewegte. Hatte sie es bemerkt?

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

    Einmal editiert, zuletzt von Marcus Iulius Dives ()

  • Der Jüngling, welcher sich dann großspurig als Iulius Dives vorstellte, war ein Heißsporn. Die Pöbeleien des Seemannes wollte er nicht einfach hinnehmen. Das war dumm. Selbst als er sich aufplusterte, wirkte er im Vergleich zu den Seeleuten ziemlich schmächtig. Anstatt einfach die Beleidigungen zu ignorieren, ließ er sich provozieren. Was folgte war eine lange Rede über Stolz und Ehre. Im Grunde nur hohles Gewäsch, mit dem er versuchte Eindruck zu schinden. Wenn der wüsste, dass ich mit meiner Familie gebrochen hatte um die Mätresse eines Mannes zu werden, dann würde er mich wohl nicht ganz so glühend verteidigen.
    Es war mir unangenehm, als er plötzlich die Aufmerksamkeit der Menge auf mich lenkte. Ungewaschen wie ich war, hatte ich eigentlich nur still und heimlich ankommen wollen. Mein Haar war zerzaust, mein Kleid ruiniert und ich war plötzlich der Mittelpunkt, einer Rede über die Tugenden Roms. Aber nun dürfte wohl schon bald ganz Ostia wissen, dass ich angekommen war. Ich warf Siha einen genervten Blick zu.
    Wie gut, dass ich den Kapitän auf meine Weise in die Schranken wies. Die Drohung mit dem Hafenverwalter zeigte mehr Erfolg, als diese lange Rede, eines eitlen Gockels, der Eindruck bei mir schinden wollte. Denn ansonsten hätten wohl die Seeleute sich auf den Iulier gestürzt und ihm gezeigt, was sie von seinen Worten hielten. Kaum, dass ich Frieden gestiftet hatte, wurde ich mit Schmeicheleien überschüttet. Er brauchte ganz schön viele Worte, nur um meinen Namen zu erfahren.


    „Ich bin Helvetia Phoebe“, stellte ich mich schlicht vor. „Peinlich war es für mich nicht…“, deutete ich an. Ein mehrdeutiges Lächeln zierte mein Gesicht und täuschte darüber hinweg, dass ich mich gerade ein wenig lustig über ihn machte. Er hatte sich zum Narren gemacht. „Vielen Dank für Deine Hilfe, Iulius“, fügte ich noch hinzu.
    Krachend stellte man die erste von drei schweren Truhen auf dem Pier ab. Ich konnte sehen, wie es in dem Kapitän brodelte, am liebsten hätte er dem Iulier den Hals umgedreht, aber meine Drohung zum Hafenverwalter zu marschieren, hielt ihn zurück. Wenig später stapelten sich dann drei schwere Truhen auf dem Pier. Alles was ich besaß befand sich dort drinnen. „Sieh nach, ob alles da ist“, befahl ich Siha.
    Nicht das ein teures Schmuckstück oder ein Seidenkleid abhanden gekommen war. Oder die Schatulle mit meinem Geld, welche sich ganz unten in eine der drei Truhen befand.
    Ich war ein kleines bisschen ruppig zu ihr. Aber das war sie gewohnt. Wenn ich schlechte Laune hatte, genervt war oder sonst irgendeine Laune, dann wurde ich zickig.

  • 'Eine Helvetia!', dachte Dives freudig. Nicht, dass er bisher schon groß Erfahrungen mit Mitgliedern dieser Gens gesammelt hätte, aber in einem der übleren Fälle hätte er sich ja auch gerade für eine Peregrina eingesetzt haben können. Dann hätte er sich wahrlich blamiert, da er bei einer Fremden wohl nur schwerlich überzeugend mit römischen Tugenden hätte argumentieren können!
    "Du glaubst doch nicht, dass mir das peinlich ist, oder?", erkundigte sich Dives mit einem Lächeln auf den Lippen, das sagte, dass er auch über sich selber lachen konnte. Peinlich berührt war Dives nun wirklich nicht. "Schau,", meinte er und blickte zu den zum Teil noch gaffenden Matrosen und Kapitänen, "wer mich hier belächelt, der kann mir doch egal sein, solange ich mit mir selbst und mit den Göttern im Reinen bin." Und wenn auch Helvetia dieser kleine Tumult um ihre Person nicht peinlich war, dann war es Dives auch egal, dass er nun vor allem von den vielen Seeleuten im Hafen größtenteils belächelt werden würde!


    "Kann ich dir helfen?", erkundigte sich Antinoos etwas schüchtern bei der augenscheinlichen Sklavin Helvetias. Dabei suchten seine Augen immer wieder den Kontakt zu den ihrigen. Und noch bevor die Sklavin selbst antworten konnte oder auch ihre Herrin, griff Dives diese Idee auf: "Ein guter Vorschlag! Ihr habt doch nicht etwa vor, das alles hier allein zu tragen?!" Auf diese Weise würden alle drei Truhen transportiert werden können, ohne dass sie einen Finger krümmen musste! "Wohin müsst ihr denn, wenn ich das so fragen darf?" Das sollte er für dieses Angebot schließlich schon irgendwie wissen und so fügte er mit einem kecken Grinsen hinzu: "Alles innerhalb Ostias sollte machbar sein! - Oder Cucuco?!", rief er zu seinem Begleiter rüber. "Ja, Herr.", antwortete dieser nur schlicht und blickte dann wieder verstohlen zu Helvetias Begleiterin.


    "Phoebe ist übrigens ein schöner Name. Sagt, was bedeutet er?", versuchte sich Dives im Smalltalk, während die Truhen kontrolliert wurden.

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Seine Begeisterung schien keine Grenzen zu kennen, als ich mich ihm vorstellte. Kein Wunder, entstammte ich doch einer mächtigen Familie. Die Helvetia hatten schließlich viele einflussreiche Senatoren hervorgebracht und hübsche Töchter. Zu letzteren zählte ich wohl eindeutig. Peinlich war ihm seine Rede nicht, dass jedenfalls behauptete er, in dem er sich dabei auch noch auf die Götter berief. Ich unterdrückte ein Seufzen. Da war ich an einen wahrhaft tugendhaften jungen Mann geraten. „Anscheinend nicht…“, erwiderte ich trocken auf seine Versicherung, dass ihm diese Szene nicht peinlich war. „Dennoch haben deine Worte diese Männer nur wenig beeindruckt“, fügte ich hinzu. Nach wie vor sah es danach aus, als würden einige der Seeleute sich liebend gern auf ihn stürzen und ihm eine Lektion erteilen wollen. „Mit einer Rede über Tugenden kannst du solche Männer nicht beeindrucken. Sie verstehen nur eine Sprache, nämlich die des körperlich stärkeren…“, sinnierte ich.


    „Ich hatte vor jemanden dafür zu bezahlen, mein Gepäck zu transportieren. Es gibt genügend Hafenarbeiter für solche Aufgaben.“ Wenn er unbedingt meine schweren Truhen schleppen wollte, dann würde ich ihn nicht aufhalten. Sparte ich ein paar Sesterzen und ich musste mich nicht weiteren lüsternen Blicken aussetzen. Als die Frage kam, wohin ich denn wollte, tauchte wie auf das Stichwort Khurram auf. Mit einem zufriedenem Grinsen auf den Zügen. „Domina, ich habe eine passende Unterkunft gefunden! Nicht weit von hier!“ berichtete er mir. Mit der Hand wedelte er eifrig umher um die Richtung anzudeuten, in der er einen Gasthof gefunden hatte, der meinen Ansprüchen genügte. Zufrieden nickte ich. „Der Wirt hat auch einen Sklaven mit Wagen mitgeschickt! Für das Gepäck“, fügte er hinzu. Mein Blick wanderte zu dem Sklaven, der sich gerade Mühsam mit einem Handkarren den Weg durch die gaffende Menge bahnte. Es war ein kräftiger Bursche, mit mehr Muskeln wie Verstand.
    Nachdem Siha mir versichert hatte, dass mein Gepäck vollständig war und nichts fehlte, wurde meine Truhe auf den Karren gehievt. Dabei entging mir nicht, welche Blicke der Sklave des Iuliers meiner Sklavin zuwarf.


    „Es ist ein griechischer Namen. Eine Kurzform für Persephone“, erklärte ich ihm bereitwillig. „Du kennst die Geschichte von Persephones Raub?“

  • Aus irgendeinem Grund schien Helvetia ihm nicht so recht über den Weg zu trauen. Sie war sehr zurückhaltend, fand Dives. 'Ob dies in ihrer Natur liegt, wenn sie einem fremden Menschen begegnet? Vor allem nach bestimmt einigen Tagen mit diesen Halunken auf See.... Oder hat sie vielleicht irgendetwas zu verbergen?' Diese und ähnliche Fragen schwirrten durch Dives Kopf.
    "Aber ist es nicht die Gewalt der Götter, welche die größte und stärkste ist?", sinnierte Dives gerne mit. "Und ich denke, wer ein tugendhaftes Leben führt, der erfährt auch einen gewissen Schutz durch die Götter. Darauf zumindest vertraue ich.", erklärte er. 'Oder ist sie etwa eine Christin, dass sie nicht an die Macht der Götter glaubte?!', schoss es Dives entsetzt durch den Kopf.


    Noch ehe Dives etwas auf den Transport der Truhen antworten konnte, tauchte ein weiterer Sklave Helvetias auf. 'Eine Taverne?!?', schloss Dives aus dessen Worten und überlegte, ob er sie nicht in die Villa Rustica einladen könnte, welche zwar eigentlich seinem Cousin gehörte, aber naja... Dann jedoch unterbrach Antinoos, der zu seinem Herrn getreten war, seine Gedanken und flüsterte ihm zu: "Entschuldige Herr, aber wenn ich mich recht erinner, dann gibt es hier in Ostia auch eine Casa Helvetia." Damit war Dives Problem aus der Welt geschafft. Mit einem zufriedenen Nicken zu Antinoos bedankte er sich kurz, bevor er die Information weitergab: "Verzeiht diese Frage, aber nennt die Gens Helvetia hier in Ostia nicht auch eine Casa ihr Eigen?" Die Truhen wurden dennoch auf den Wagen geladen. Vielleicht waren es ja auch nur äußerst entfernte Verwandte. Oder hatte sie sich mit ihrer Familie verkracht? Bei Iuno, hoffentlich nicht!
    Antinoos indes konnte sich über das Lob seines Herrn kaum freuen. Die Sklavin der Helvetia hatte ihm nicht geantwortet, ja nichteinmal hatte er einen Blick von ihr bemerkt. Sie sprach jedoch auch sonst nicht viel. 'Ob ihre Herrin sehr streng ist? Oder ist sie vielleicht bereits in anderen Händen? Vielleicht dieser Cursor der Helvetia?' Antinoos wusste keine Antwort. Oder war er ihr einfach zu dumm? 'Das hatte auch schonmal eine Sklavin zu mir gesagt...', erinnerte er sich.


    'Okay. Eine Kurzform für Persephone.', war Dives nun zumindest bezüglich seiner Zeifel, ob sie eine Christin ist, beruhigt. Als Christin hätte sie sicherlich nicht diesen Namen. Das war gut. Das war sehr gut. "Aber sicher kenne ich die Geschichte vom Raub der Proserpina. Dann will ich aber mal hoffen, dass durch den Namen nicht auch das Schicksal der Proserpina teilt." Letzteres lag dann schließlich zumeist nicht sehr weit fern ab der Realität. 'Nomen est Omen.', ging es Dives durch den Kopf.

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

    2 Mal editiert, zuletzt von Marcus Iulius Dives ()

  • Beinahe hätte ich mit den Augen gerollt. Der Iulier war ein frömmelndes Jüngelchen. Er war so unglaublich überzeugt von den Göttern und einem Leben voller Tugenden, dass er glatt übersah, dass das Leben noch andere Dinge zu bieten hatte. „Die Götter mögen die größte Macht sein die wir kennen, aber ich bezweifel, dass sie über jeden einzelnen Römer wachen“, gab ich leicht zynisch von mir. Jedenfalls hatten die Götter nicht über mich gewacht. Nicht als ich noch genau den Vorstellungen einer römischen Matrone entsprach und ihren Beistand dringend benötigt hatte. „Am Ende können wir uns nur selbst helfen. Die Götter sind wankelmütig und werden sich wohl kaum für die Belange der Menschen interessieren!“


    Irgendwie schien es ihm nicht zu behagen, dass ich eine Nacht oder vielleicht auch mehr, in einer Taverne verbringen wollte. Ich wollte einfach nur endlich wieder in einem richtigen Bett schlafen und vertraute darauf, dass Khurram nicht irgendeine billige Absteige gefunden hatte. Mein ägyptischer Sklavenjunge war schließlich nicht auf dem Kopf gefallen und wusste, dass ich so einige Ansprüche hatte.
    „Ich glaube nicht, dass sich meine Verwandten darüber freuen würden, wenn ich mich in die Casa einquartiere“, ich zeigte ihm ein verschmitztes Lächeln. „Ich bin das schwarze Schaf der Gens“, gab ich dann unverblümt zu. Damit bestätigte ich eine seiner Befürchtungen. Ich war zwar keine Christin, aber ich hatte mit meiner Familie gebrochen. Mit Sicherheit würde nun die Frage nach dem warum kommen. „Meine Vorstellungen davon wie ich mein Leben führen will, entspricht nicht denen der Gens“, umschrieb ich die Gründe für diesen Bruch. Aus irgendeinem Grund war es mir ein wenig unangenehm ihm die Wahrheit zu offenbaren. Vielleicht auch deshalb, weil ich gerade erst angekommen war und ich eine leidige Geschichte hinter mir zurück gelassen hatte. Ich wollte einfach nur erst einmal den Schmutz vom Körper waschen und danach mich dann meinen Schatten der Vergangenheit stellen.


    Sim-Off:

    Das Siha nicht reagiert, liegt daran, dass sie eine eigenständige ID ist und ich grad nicht weiß, wann sie dazu kommt

  • 'Vielleicht keine Christin,', dachte Dives, 'aber dennoch wandelt sie neben und nicht auf dem Pfad der Götter...' Er würde sich nun besser zurückhalten, was die Götter betraf. Er, als einfacher römischer Bürger ohne besondere religiöse Ämter würde ihr den rechten Weg wohl auch nicht mehr zeigen können. Da würde schon ein Pontifex oder so ranmüssen...


    Und dann sprach sie das aus, was Dives gerade befürchtet hatte - und schlimmer noch! Sie meinte ja sogar das schwarze Schaf der Familie zu sein! Dives musste kräftig schlucken. Wäre es wohl im Interesse der Götter, wenn er sie versuchen würde in der Villa Rustica seines Cousins Iulius Centho einzuquartieren? Centho selbst würde dies jetzt sicherlich wissen - nicht umsonst war er ja schließlich Augur. 'Augur müsste man jetzt sein!', blitze es durch Dives Kopf. Fragend blickte er gen Himmel. Ob Iuno, als Göttin der Familie, ihm vielleicht ein Zeichen senden würde? - Wohl bemerkt ein Zeichen, welches Dives auch verstand? In Gedanken bat er immer wieder um Rat: 'Bitte, Iuno, gib mir ein Zeichen! Bitte, Iuno, gib mir ein Zeichen! Bitte...'


    Während er also seinen Blick in den Himmel gerichtet hatte und abwechselnd überlegte, ob er irgendwo ein Zeichen Iunos sah und was er Helvetia auf ihre offenen Worte antworten sollte, schaute auch Antinoos noch nicht glücklicher aus. Als er jedoch seinen Herrn in Gegendwart Helvetias so gleichzeitig suchend und überlegend sah, fühlte er sich dazu berufen, Helvetia den vielleicht ungewohnten Anblick zu erklären und sprach in gedämpfter Stimme zu ihr: "Mar... mein Herr.", begann er, "Das ist ganz normal bei ihm. Er sucht gerade ein ZEICHEN..." Letzteres sagte Antinoos mit einem Augenrollen und einem sich lustig machenden Lächeln. Gut, dass Dives ihn derzeit nicht im Blick hatte...

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Mein offenes Eingeständnis zum Verhältnis meiner Verwandten, hatte ihm glatt die Sprache verschlagen. Jedenfalls sah er mich erst einmal nur ungläubig an und dann richtete er mit ratloser Miene den Blick gen Himmel. Was sollte das denn? Ich folgte seinem Blick, konnte aber nicht erkennen, warum er den Himmel nun so intensiv anstarrte. Der Iulius hatte doch nicht mehr alle. Khurram, mein Sklavenjunge setzte ebenso wie ich eine verwirrte Miene auf. Aber er hatte sich schnell gefangen. Leicht rollte er mit den Augen und machte eine drehende Bewegung mit dem Finger an seiner Schläfe. Dabei drückte der Junge genau das aus, was ich gerade dachte. Ich konnte nicht anders und brach in schallendes Gelächter aus. Der junge Bursche, der mir zur Hilfe hatte eilen wollen, wäre beinahe in der Luft von den Seeleuten zerrissen worden, hätte ich mich nicht eingemischt und nun bat er die Götter um Rat. Jedenfalls klang das so, als mir sein Sklave versuchte zu erklären, was er da gerade trieb.


    „Khurram, Siha! Lasst uns die Taverne aufsuchen. Soll der Iulius doch weiterhin in den Himmel starren. Davon wird er auch nicht klüger werden“, immer wieder musste ich zwischen meinen Worten kichern. Im Gegensatz zu dem Sklaven hatte ich keine Angst mich laut über den jungen Iulier lustig zu machen. „Wenn er nicht Manns genug ist, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, weil er befürchtet damit den Zorn der Götter auf sich zu lenken, dann kann ich ihm auch nicht helfen“, fügte ich schmunzelnd hinzu. „Die Götter können dir deine Entscheidungen auch nicht abnehmen“, meine Stimme bekam einen ernsten klang. „Nur du kannst entscheiden, was für dich das Richtige ist und was nicht. Ich wünsche dir den Segen Götter. Mögen sie deine Schritte lenken“, verabschiedete ich mich schließlich von ihm und schüttelte über so viel Frömmigkeit den Kopf. Bisher hatte ich keinen Römer getroffen, der sein Leben so sehr nach dem Willen der Götter ausrichtete. So mancher Priester, den ich schon getroffen hatte, war wesentlich zynischer gewesen. Ich sprach den Göttern ihre Existenz nicht ab, aber ich bezweifelte, dass sie Anteil daran nahmen, wie ich mein Leben führte. Ich opferte den Göttern, wenn ich es für nötig hielt. Doch richtete ich nicht mein ganzes Leben danach aus. Schließlich hatte ich immer noch einen freien Willen. Die Götter konnte ich nicht für mein Handeln verantwortlich machen.
    Über diesen jungen Mann konnte ich nur den Kopf schütteln. Er war schon ein seltsamer Kauz.


    Bevor ich mich zum Gehen wandte, beugte ich mich kurz zu dem Sklaven vor. „Pass auf, dass deinem Herrn nicht der Himmel auf den Kopf fällt“, zwinkerte ich. Mit einer leichten Handbewegung bedeutete ich dem Sklaven mit dem Handkarren und meinen eigenen Sklaven, dass ich meine Unterkunft aufsuchen wollte.

  • Da hatte er nun sein Zeichen bekommen! Und es war eindeutiger, als er erwartet hatte und auch deutlich unübersehbarer: Mit einer an Respektlosigkeit grenzenden Art machte sich Helvetia lustig. Und das nicht nur über Dives, was für ihn weniger ein Problem darstellte, da er durchaus Spaß verstand und auch durchaus bereit war, sich eben hin und wieder mit seiner Art auch einigen Belächelungen einzufangen, sondern sie spottete auch über die Götter! Deutlicher hätte Iuno ihm wohl nicht zeigen können, dass sie nicht in die Villa Rustica eines Augurs gehörte!


    Mit ernster, versteinerter Miene blickte Dives Helvetia an. Dabei nickte er leicht und hatte einen Gesichtsausdruck, der sagen wollte, dass er das Zeichen verstand. Dennoch bereute Dives nicht, ihr zur Hilfe geeilt zu sein - ob sie diese nun gebraucht hatte oder dies abstritt war dabei unerheblich. Sie tat ihm einfach nur Leid. 'Wer meint, dass man aus einem Blick in den Himmel nicht klüger wird, muss wirklich ein armer Mensch sein! Sie scheint dann noch nie wirklich den Himmel betrachtet zu haben...', dachte Dives. Und es hatte auch nicht mit fehlender Männlichkeit zu tun, wenn er sich an die Götter wandte. Genau dafür waren sie doch schließlich da: Dass man Fragen und Wünsche an sie richtete. Gerade er, als 18-jähriger Spund und gerade auch bei einer Frage, die das Anwesen eines Auguren betraf...
    Und dass Götter einem Entscheidungen nicht abnahmen, sondern lediglich Zeichen gaben, welche die Mensch deuten mussten und an welche sie sich folgend halten konnten oder sie eben ignorieren konnten, war Dives vollkommen klar, Helvetia aber scheinbar nicht. Sie schien sich im Verlauf des Aufeinandertreffens immer mehr von Dives zu entfernen, was vor allem geistig zu verstehen war.
    Sie schien nicht zu verstehen, dass man nicht viel Hilfe von dden Göttern erwarten konnte, wenn man nur auf Pump mit ihnen kommunizierte. Ständig waren Opfer an die Götter nötig: Allein schon bei jeder Mahlzeit. Und selbstredend dann noch größere und bedeutendere Opfer, wenn man einen speziellen Wunsch hatte. 'Die Götter sind keine Wunderlampen, an denen man bei Gelegenheit dreimal reibt und dann erfüllt sich ein Wunsch.', erinnerte sich Dives an einen Leitspruch seiner Mutter. Oft hatte er diesen gehört und dementsprechend tief hatte er sich bei ihm eingebrannt.


    Dann gab Helvetia erste Zeichen zum Aufbruch und sprach Antinoos leise etwas zu. Dieser hatte seinen Blick bereits zu dem Zeitpunkt zu seinem Herrn gewandt, als dieser seinen Kopf gesenkt hatte, um Helvetia anzuschauen. Antinoos blickte in die Augen Dives' und wusste den Blick dank jahrelanger Erfahrung sofort einzuordnen. Sein Herr war enttäuscht und niedergeschlagen. Auch waren Anzeichen des Bedauerns ablesbar. Kurzum: Sie tat ihm Leid. In diese Stimmungslage Dives' versetzt war Antinoos dann auch kaum noch nach Lachen und er hörte die Worte Helvetias nur noch gedämpft. Es war so, als wenn er kurz unter der Wasseroberfläche tauchte und jemand sprach mit ihm, der aus dem Wasser ragte.


    Dives hatte einen Kloß im Hals. Er konnte jetzt nicht sprechen. Und auch sonst blieb er verwurzelt am Platz stehen, seine Augen auf Helvetia gerichtet. Stumm und regungslos blieben Herr und Sklave, bis der Tross Helvetias sich in Bewegung setzte. Erst dann konnte Dives sich wieder fassen und sprach für Helvetia und ihre Begleiter nunmehr unhörbar: "Ich wünsche dir eine gute Reise, Helvetia Phoebe! Mögen die Götter dir deine Worte nachsehen und dich schützend begleiten..."
    Da funkelte es kurz in Dives Auge, bevor er sich eine Träne aus eben jenem Auge strich...

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Ich war mir durchaus bewusst, dass ich mit meiner Art dem jungen Mann vor den Kopf gestoßen hatte. Aber so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Jemand der sein Leben so sehr nach dem Willen der Götter ausrichtete, war mir ein wenig suspekt. Das hatte nichts mit mangelndem Respekt gegenüber den Göttern zu tun. Ich verehrte unsere Götter, schließlich gab es nichts Wichtigeres wie die Beziehung zwischen Mensch und Göttern. Aber wir Römer waren keine Christen. Die Christen verehrten ihren Gott bis zur Selbstaufgabe. Es fehlte nur noch, dass diese Christen sich ans Kreuz schlagen ließen um ihren Propheten nahe zu sein. Ein seltsamer Kult. Und genauso seltsam empfand ich den jungen Iulier. Aber was solls. Er war noch jung, im Laufe seines Lebens, würde er wohl irgendwann auch beginnen, etwas pragmatischer zu werden. Hätte ich geahnt, dass er meine Reaktion auf seinen Blick in den Himmel, als ein Zeichen von Iuno wertete, hätte ich ihm erklärt, dass Iuno rein gar nichts mit meiner Belustigung zu tun hatte. Jedenfalls fühlte es sich nicht so an, als hätte sich die Göttin meiner Bemächtigt um den Iulius auszulachen.


    Der Tavernensklave gab den weg vor, Khurram und Siha warteten noch, bis ich dem Begleiter des Iulius meine Worte zugeraunt hatte. Ich hatte mich bereits zum Gehen gewandt, von daher konnte ich nicht sehen, wie eine Träne in den Augen Dives‘ glitzerte. Ich ho nur kurz die Hand um ihm zu signalisieren, dass sich seine Abschiedsworte durchaus gehört hatte. „Valete“, meinte ich nur recht knapp. Mir stand nur noch der Sinn nach einem Bett, einem Bad und meinen teuren Kosmetika. Ich wollte den Staub der Reise von meinem Körper waschen und danach ein Mahl genießen. Den Iulius hatte ich im Grunde schon in dem Moment vergessen, wo ich die Hafenanlagen hinter mir ließ.


    Die Taverne war klein, aber sauber und von einem freundlichen Wirt geführt. Der Wirt hielt seine Sklaven an, mein Gepäck hinauf zu bringen, während dessen Tochter mir Wein, Brot, Käse, Oliven und Obst brachte. Nachdem ich mich gestärkt hatte, zog ich mich zurück. Am nächsten Tag wollte ich dann gen Rom reisen. Bevor ich dann irgendwann in das Bett fiel, -es mochte nicht gerade so weich und luxuriös sein, wie ich es gewohnt war, aber dennoch hatte ich das Gefühl auf Wolken zu schweben-, musste ich erst einmal darüber nachdenken, was mich wohl in der ewigen Stadt erwarten würde. Vielleicht sollte ich aus reiner Höflichkeit einmal meiner Gens einen Besuch abstatten. Auch wenn sie mich wohl zum Orcus jagen würden. Doch der Anstand sollte dennoch gewahrt werden...

  • So zog sie samt ihrer Gefolgschaft dahin und wurde immer kleiner und kleiner, bis sie gänzlich nicht mehr zu sehen war. Erst jetzt konnte sich Dives auch lösen und setzte seinen gemeinsamen Hafenrundgang mit Antinoos fort.


    Von vielen der Schiff erreichten Dives belustigte Blicke, hämisches Grinsen und fiese Grimassen. Dennoch setzte er seinen Weg unbehelligt fort, schritt den Hafen einmal komplett ab, wobei er diverse Erklärungen gab und Geschichten erzählte. Zwar waren längst nicht alle dieser Geschichten wahr oder alle Erklärungen 100%-ig richtig, doch Antinoos hatte sowieso die Angewohnheit, dass die Worte vermittelnden Wissens, welche zu einem seiner Ohren hineindrangen, nur zur Hälfte in seinem Kopf haften blieben. Der Rest würde wohl den Weg durch das andere Ohr wieder aus seinem Kopf finden, vermutete Dives.


    Beinahe unmerklich machte sich Dives auf einer kleinen tabula während des Abgehens des Hafens einige Notizen. E hatte schließlich auch seine Gründe gehabt, an diesem Morgen hierher zu kommen. Aglaopes hatte er auf den Markt geschickt, um dort Informationen für ihn zu beschaffen, und Dives selbst sammelte Informationen im Portus. Planung und Effizienz war eben einfach alles, das hatte er früh gelernt...


    ~~ NOTATIO DIVITIS ~~


    POTVS OSTIENSIS
    NAVES




    Sim-Off:

    = Anlegeplatz des Schiffs (bzw. Link zum Thread)


    Stand: 01.10.2011



    Nach diesem Hafenrundgang kehrten dann auch Dives und Antinoos dem Portus den Rücken und machten sich wieder auf zur Villa Rustica, welche sie noch vor dem Mittag erreichten. Dort trafen sie auch auf den bereits zurückgekehrten Aglaopes, welches Dives seine gesammelten Informationen überreichte. Zu dritt machten sie sich dann auf zur Porta Romana, um Ostia zumindest für den Moment wieder zu verlassen. In Roma warteten schließlich noch einige Aufgaben auf die Drei...


    //Edit: Aktualisierung

    ir-senator.png Iulia2.png

    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

    Einmal editiert, zuletzt von Marcus Iulius Dives ()

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!