Irgendeine Insula, irgendwo am Tiberufer...

  • Leer war die Wohnung, leer und kalt. Seiana saß auf einem der Stühle am Tisch und lauschte ohne erkennbare Regung den Regentropfen, die draußen herunterfielen und die Luft mit einem beständigen Prasseln erfüllten. Leer war die Wohnung. Das Mädchen war fort, mittlerweile – sie hatte lange gebraucht, bis sie sich überhaupt hatte aufraffen können sich endlich um das zu kümmern, was notwendig war, aber irgendwann hatte sie es dann doch geschafft. Oder besser: nachdem Raghnall sie ein ums andere Mal daran erinnert hatte, war er irgendwann auch zu ihr durchgedrungen. Durch all das, was sich wie schwerer Stoff um sie gelegt zu haben schien, all die Schwierigkeiten, all das was schief gelaufen war, all die Entscheidungen, die sie getroffen hatte in dem Glauben, sie wären die richtigen für sich und ihre Familie, nur um im Nachhinein festzustellen dass sie falsch gewesen waren... Lange Zeit hatte sie sich kaum aus dem Haus begeben, und hatte sich selbst dort zumeist in ihren Räumlichkeiten aufgehalten. Es hatte sie Überwindung gekostet, wieder Entscheidungen zu treffen, und es hatte sie Überwindung gekostet, die Casa Decima zu verlassen... aber irgendwann war ihr klar geworden, dass sie sich nicht ewig verstecken konnte. Nicht so, nicht auf diese Art. Nicht wenn sie nicht davon laufen wollte, um irgendwo weit weg von Rom zu leben. Was sie noch nicht gänzlich ausschloss, aber wenn sie das tat, dann weil sie feststellte, dass sie es in Rom nicht mehr aushielt, und nicht weil sie zu feige war, um es überhaupt zu versuchen. Also hatte sie sich irgendwann aufgerafft. Sie hatte noch nicht wirklich wieder am Leben in der Casa Decima teilgenommen, lebte nach wie vor zurückgezogen, hielt sich in der Regel fern von gemeinsamen Essen, gar nicht zu reden von Tagen, an denen Gäste eingeladen waren. Aber sie hatte sich um das Mädchen gekümmert. Silana. Sie hatte angefangen, wieder die Schreiben zu lesen, die an sie gerichtet waren, Berichte ihrer Betriebe, andere Korrespondenz... und da war ihr irgendwann eine Nachricht von ihm in die Hände gefallen. Von Seneca. Sie konnte sich noch an die Botschaft erinnern, in der er ihr gesagt hatte, er würde fort sein, für Wochen, für Monate gar, auf einer Reise nach Germanien, und sie konnte sich an den vagen Schmerz erinnern, den das in ihr ausgelöst hatte, die Sehnsucht nach ihm, die Angst ihm könnte etwas zustoßen. Bis sie beschlossen hatte, die Gedanken an ihn zu verdrängen, weil sie das Gefühl hatte dass es zu viel war, dass sie nicht stark genug war, um damit auch noch fertig zu werden, wenn sie zuließ dass die Sehnsucht in ihr schwärte wie eine offene Wunde. Verdrängung, also. Wie so häufig. Verdrängung war ihr Allheilmittel. Als ihr dann aber diese nächste Botschaft in die Hände fiel, fiel es ihr schwer zu glauben, wie abgeschottet sie tatsächlich gelebt hatte, wie sehr sie sich wirklich von allem und jedem zurückgezogen hatte, sogar von ihm, von dem Gedanken an ihn, nur um allein zu sein, nur um nichts mehr mitbekommen zu müssen. Und was sie sonst selten tat, tat sie nun: ohne großartig nachzudenken, ohne erst das Für und Wider abzuwägen oder sich über ihre Beweggründe klar zu werden, ließ sie ihm eine Nachricht zukommen, um ihn zu treffen. Sie wollte ihn sehen. Sie wusste nicht worüber sie hätten reden sollen, sie hatte keinen Plan, kein Ziel. Sie wollte ihn einfach nur wieder sehen. Und so war sie nun hier, in dieser Wohnung, die leer war, mit Raghnall, der allerdings draußen geblieben war, und wartete, hoffte darauf, dass Seneca kam.

  • Seneca hatte nicht wirklich mit einer Botschaft von Seiana gerechnet, schließlich war es doch recht lange her, und auch wenn er ständig an sie gedacht hatte, so hatte er doch damit geplant die Sache früher oder später selbst in die Hand zu nehmen.
    Er freute sich über die Nachricht, natürlich, endlich würde er sie wiedersehen, und trotzdem beschlich ihn ein seltsames Gefühl, denn Seiana war seit ihrer Haft in eine Lethargie verfallen, die Schwangerschaft tat ihr übriges, und der Iunier konnte nur sehr schwer dabei zusehen wie sie litt.


    Nachdem er sich gewohnt vorsichtig umgeblickt hatte, betrat Seneca das mittlerweile zwar gewohnte, aber immer noch gänzlich fremde Refugium der beiden und erblickte sie, Seiana, seine Seiana, auch wenn er natürlich wusste wie Silanus und Axilla reagieren würde, würden sie von diesem Treffen erfahren..
    "Bei den Göttern, ich bin so froh dich zu sehen." platzte es aus dem Centurio heraus, der direkt den in Seianas Arme suchte, ohne einen Moment über eine möglicherweise entstandene Distanz zwischen den beiden nachzudenken, welche ja aufgrund der Ereignisse der letzten Zeit, und natürlich den Zeitraum über welchen sie getrennt waren, hätte entstehen können.

  • Als Seneca die Wohnung betrat, stand Seiana auf. Mit einem Mal fühlte sie sich unsicher. Sie hatte nicht wirklich daran gezweifelt dass er kommen würde – hätte er sich dagegen entschieden, hätte er ihr eine Nachricht zukommen lassen, davon war sie überzeugt. Er wäre nicht einfach weggeblieben ohne Bescheid zu geben. Aber dass er gekommen war, sagte noch nichts darüber warum er hier war... und sie hatte sich selbst davon abgehalten, immer wieder, auch nur ansatzweise darüber nachzudenken, ob er nicht vielleicht doch entschieden hatte, dass es das nicht wert war. Dass sie es nicht wert war. Die Zeit getrennt. Die Umwege. Die Schwierigkeiten. Sie hatte Angst gehabt davor dass es so sein könnte, und darüber nachzudenken hätte das nur geschürt, hätte es schlimmer gemacht.
    Wie sehr, merkte sie erst, als er ohne groß zu zögern auf sie zukam und sie seine Arme schloss. Sie spürte es an der Erleichterung, die sie auf einmal durchströmte in diesem Moment, merkte es an den Tränen, die aufzusteigen drohten, die sie aber zurückhielt und bekämpfte, bis sie verschwunden waren. Ohne etwas zu sagen, erwiderte sie die Umarmung, lehnte sich an ihn und genoss es einfach nur, ihn zu spüren. Wie lange sie so da gestanden hatte, hätte sie nicht sagen können, als sie sich endlich etwas von ihm löste. Sie hob eine Hand, strich ihm sachte mit den Fingerspitzen über die Wange. Sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Ihr fiel nichts ein, was ihr selten passierte. „Es tut mir leid“, kam schließlich über ihre Lippen.

  • Seneca war mehr als glücklich dass Seiana seine Annäherung nicht zurückwies, und anschließend doch etwas verdutzt über ihre Entschuldigung. Sicher, er hatte länger nichts von ihr gehört, aber er war in Germanien gewesen, bei den Decimern legte Decimus Livianus einen rasanten Aufstieg hin, während man von Seianas Bruder nur wenig hörte, und wenn, dann leider wenig gutes, weshalb Seneca die Funkstille zwar nicht gut hieß, aber ihr dafür keinen Vorwurf machte, oder anders gesagt, machen konnte..
    "Wofür denn?" fragte er deshalb leise, Silana war wohl in Sicherheit, und auch wenn die beiden sich lange nicht gesehen hatten, war die Welt noch mehr oder weniger in Ordnung, zumindest schien es zwischen den beiden anfänglich so, und der Iunier fragte sich ob das wohl so bleiben würde.
    Nach einem Kuss auf die Stirn entfernte er sich ein Stück, um ihr gänzlich ins Gesicht blicken zu können, "Wie geht es dir? Ich habe viel an dich Gedacht, an uns, und mich gefragt was du wohl so gemacht hast." fragte er, noch immer mit leiser Stimme, als ob er diese Atmosphäre mit einem zu lauten Tonfall zerstören könnte..

  • Wofür. Seiana bemühte sich um ein Lächeln, aber es kam nicht gegen den bitteren Ausdruck an, der kurz über ihr Gesicht huschte. „Ich hätte mich früher melden sollen. Ich war einfach nur...“ Sie zuckte die Achseln, ohne den Satz zu beenden. Es war zu viel, was gewesen war, zu viel, was sie niedergedrückt hatte, irgendwie. Sie wusste nicht wo sie hätte anfangen sollen. Sie wusste nicht einmal wie sie es hätte erklären sollen, ohne dass es womöglich unverständlich klang oder gar lächerlich. Sie schloss flüchtig die Augen, als sie seine Lippen auf ihrer Stirn spürte, und wünschte sich für einen Moment, er hätte nicht aufgehört. Erst als sie seine Stimme hörte, öffnete sie ihre Augen wieder. „Mir...“ Noch so etwas, was sie nicht sagen konnte. Was sie nicht wusste. Sie hatte gerade erst begonnen sich aus ihrer Lethargie zu befreien, und beinahe überrascht stellte sie fest, wie schwer es ihr fiel, in all diese alltäglichen Selbstverständlichkeiten wieder hinein zu kommen. Fragen zu beantworten, mit Phrasen zur Not, wenn es sein musste. Sie hatte zu lange einfach gar nicht reagiert, gewartet, bis derjenige unverrichteter Dinge wieder gegangen war, wenn sie mit irgendjemandem nicht hatte reden, auf irgendwelche Fragen nicht hatte antworten wollen. „Gut“, antwortete sie schließlich. „Denke ich. Ich... habe nur lange recht zurückgezogen gelebt. Ich hatte nicht mal mit meiner Familie wirklich Kontakt, ich...“ Sie hatte einfach nur allein sein wollen, mehr noch: hatte die Einsamkeit gesucht. „...wollte nicht unter Menschen sein.“ Irgendwie war ihr unangenehm darüber zu reden, weil sie es so schlecht erklären, so schlecht in Worte fassen konnte, aber auch weil die vergangene Zeit, ihre Reaktion, ihre Unfähigkeit sich den Menschen und dem Leben zu stellen, ein Zeichen von Schwäche war. „Was ist mit dir? Du warst in Germanien, hattest du geschrieben.“

  • Seneca hatte Seiana nur selten so unsicher erlebt, und er versuchte einerseits seine Verwunderung über ihre etwas zerstreute Art, welche sie heute an den Tag legte, zu verschleiern, und sie andererseits ein wenig zu führen, und sie wieder in sichere Fahrwasser zu führen, auch wenn sich das im Moment in nicht mehr als einem Lächeln manifestierte, welches über sein Gesicht huschte, wenn er ihr in die Augen sah..
    "Ich bin froh dass du dich gemeldet hast. Heute, oder ein paar Wochen, nur dass du nun da bist genügt mir." erklärte ihr Seneca und musste seine Lippen doch ein wenig zusammenpressen als er hörte wie schlecht es Seiana ergangen zu sein schien, denn die wenigsten suchten freiwillig die Einsamkeit, "Du hast viel durchgemacht in der vergangenen Zeit, aber ich denke dass es nun bergauf gehen könnte." bemerkte der Iunier nun wieder mit einem kleinen Lächeln während er ihre Hand griff, und letztlich nochmal an Germanien zurückdenken musste, "Mir geht es gut, Germanien war eine interessante Erfahrung, es war kalt, es war nass, die Kameraden im Norden waren unfreundlich." resümmierte Seneca und fuhr fort, "Aber es war nicht ganz so schlimm wie in den vielen Geschichten. Wir sahen wenige bis gar keine barbarischen Horden, und unsere Finger und Zehen sind auch noch dran, von daher will ich mich nicht beklagen." scherzte er nun um die doch recht ernste Stimmung ein wenig aufzulockern, immerhin waren sie zwei Liebende welche sich nun seit langem mal wieder sahen, und da wollte er ein Lächeln auf ihr nun schon seit langer Zeit sehr ernstes Gesicht zaubern.

  • Die Andeutung eines Lächelns huschte über Seianas Lippen, und sie spürte eine vage Erleichterung, dass Seneca es nicht zu kümmern schien, was gewesen war. „Das hoffe ich“, erwiderte sie. „Zeit genug ist vergangen...“ fügte sie noch hinzu, aber mehr weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Dem Großteil ihrer Familie hatte die Zeit sicher gut getan, die vergangen war. Aber was konkret sie betraf... sie hatte noch in diesem Loch fest gehangen, als in Rom scheinbar kaum mehr ein Thema gewesen war, was im Bürgerkrieg passiert war. Als ihr Onkel bereits zum Consul gewählt worden war. Obwohl ihr das gezeigt hatte, dass es eigentlich schon bergauf ging, und das sogar eher als sie erwartet hätte, war es ihr dennoch unglaublich schwer gefallen, in das alltägliche Leben zurückzufinden – mehr noch, sie hatte es einfach nicht geschafft.
    Aber sie wollte im Grunde nicht darüber nachdenken. Sie war ja hier, war ja endlich wieder unterwegs, um das hinter sich zu lassen. Sonderlich hilfreich war es da nicht, darüber zu grübeln was gewesen war. Viel mehr als das sagte sie also nicht weiter dazu, sondern konzentrierte sich lieber auf das, was er von Germanien erzählte. Das Lächeln, das sich diesmal auf ihren Zügen zeigte, war schon etwas deutlicher zu sehen. „Also nicht jedes Klischee erfüllt?“ Sie hob ihre Hand, die er hielt, drehte sie so, dass sie seine Finger sehen konnte, und fuhr sacht mit ihrem Daumen darüber. Sie sollte ihm wohl von ihrem Kind erzählen, dachte sie vage, aber sie brachte es irgendwie nicht über sich, das Thema anzuschneiden. „Wie ist dein Dienst? Hat sich alles wieder eingependelt?“

  • "Fast jedes." entgegnete Seneca ebenfalls mit einem Lächeln, immerhin, da war es, kurz aber sichtbar, ihr Lächeln, und es ließ den zeitweise doch recht harten Centurio ein wenig dahinschmelzen, wohlwissend dass in diesen Tagen wohl solche Emotionen recht selten waren bei ihr.
    Kaum darüber nachgedacht lenkte sie ihn auch schon zu einem anderen Thema, seinen Dienst, und in der Tat gab es auch da Neuigkeiten, welche doch von Bedeutung waren, "Der Dienst läuft recht eintönig. Wir haben noch immer keinen neuen Praefectus. Aber mein Patron, und mein Onkel, Silanus, drängen darauf mich in den Ordo Equester erheben zu lassen, also ist es momentan schon aufregend, abseits des Dienstes versteht sich." erklärte Seneca und dachte natürlich schon ein wenig weiter, eigentlich hatte der Iunier mit dem Gedanken abgeschlossen mit Seiana zusammen jemals das Tageslicht erblicken zu können, aber die Erhebung in einen neuen Stand ließ zumindest einen Hauch von Hoffnung in ihm keimen.

  • Sie sah sein Lächeln, und ihres wurde in Erwiderung des seinen noch ein wenig deutlicher. Fast jedes Klischee. Sie dachte flüchtig daran ihn nach mehr zu fragen, ihn zu bitten ein wenig zu erzählen, tat es dann aber doch nicht. Es hatte Zeit. Interessanter war zunächst, wie es ihm hier erging. Sie hatte viel zu lange überhaupt kein Interesse daran gehabt, wie es in Rom lief, und wusste daher auch nicht, was aktuell bei den Prätorianern Sache war. Dass es immer noch keinen neuen Praefectus gab, überraschte sie – der Kaiser, inzwischen ja nun nicht mehr wirklich als neu bezeichnet werden konnte, ließ sich damit wahrhaftig Zeit. Seneca erwähnte allerdings zwei weitere Dinge, die die Frage nach dem offenen Posten des Praefectus, die in Seiana aufsteigen wollte, wegwischte. Patron. Ordo Equester. Für einen Moment schwieg sie, weil sie unschlüssig war nach was sie zuerst fragen sollte – und zum ersten Mal, seit sie in jenem Loch versunken war, ärgerte sie sich darüber, dass ihr Verstand momentan nicht mehr so funktionierte wie gewohnt. Sie bewegte ihren Kopf leicht nach rechts und links, fast als wollte sie eine Fliege verscheuchen, dann fokussierte sie ihren Blick auf Seneca. „Du hast einen Patron? Und willst Ritter werden?“

  • "Nun..." entgegnete Seneca etwas unsicher, da er aus der Reaktion seiner Liebsten nicht wirklich schlau wurde, "...ja." fuhr er fort und schob noch ein kleines Lächeln nach. "Senator Duccius Vala und ich haben einige interessante Gespräche geführt, und zusammen mit meinem Onkel Silanus könnte es wohl gelingen. Einzig den nötigen Landbesitz gilt es noch zu erwerben, aber ich bin sicher dass ich mit meinen Fürsprechern auch dort eine Lösung finde." sprudelten die Ambitionen aus dem Iunius heraus, und auch die Hoffnung dass es mit den beiden doch einmal mehr werden könnte loderte wieder ein wenig.. Noch war es ein zartes Pflänzchen, aber man wusste ja nie, "Wenn es so weit ist, oder dazu kommen sollte, müssen wir das gebührend feiern." erklärte Seneca etwas augenzwinkernd, und strich ihr dabei über die Wange.

  • Seiana bemerkte, dass Seneca zögerte, und nach einem weiteren Moment erkannte sie auch, dass er unsicher zu sein schien. Wie eingerostet sie mittlerweile war, wenn es um andere Menschen ging, darum ihre Reaktionen zu lesen... ein ums andere Mal wurde ihr gerade in seiner Gegenwart klar, wie sie nachgelassen hatte in dieser Zeit, in der sie größtenteils einsam gewesen war. Und wieder... störte es sie. Wo es sie vor wenigen Wochen noch verunsichert und zurück in die Einsamkeit getrieben hatte, wenn sie sich so unbeholfen fühlte in der Gegenwart anderer, störte es sie nun. Sie wusste nicht, ob sie einfach nur endlich diese Phase hinter sich ließ, oder ob es an Seneca lag, daran, wie viel er ihr bedeutete, wie wichtig er ihr war. So oder so: es störte sie. Und sie nahm sich vor, sich zusammenzureißen, sich zu konzentrieren, mehr als bisher.


    Seine nächsten Worte machten es ihr allerdings schon wieder etwas schwer. „Senator Duccius Vala?“ wiederholte sie. „Das ist dein Patron?“ Sie wusste nicht so recht was sie davon halten sollte. Duccius Vala. Mit dem sie nun doch mittlerweile schon so einiges erlebt hatte. Einen Moment später schob sie die Gedanken daran allerdings weg und bemühte sich um ein Lächeln. „Mit den Duccii ist meine Familie freundschaftlich verbunden“, erklärte sie ihre Reaktion, hoffte jedenfalls dass Seneca das so als Erklärung hinnahm, und hörte ihm weiter zu. Und als er dann schließlich davon sprach, dass sie seine Erhebung feiern müssten, war ihr Lächeln wieder ehrlich. „Unbedingt.“ Sie neigte ihren Kopf etwas zur Seite, lehnte ihre Wange an seine Hand, um die Berührung mehr spüren zu können. Flüchtig schloss sie die Augen und machte wieder einen Schritt näher an ihn heran. „Um den Landbesitz brauchst du dir keine weiteren Gedanken machen“, murmelte sie. „Ich überschreibe dir eins meiner Grundstücke.“

  • Seneca wusste Seianas Reaktion erst einmal nicht so wirklich einzuordnen, doch ihre Anmerkung dass die Familien befreundet waren, ließ ihn die Situation erst einmal übergehen.. "Nun, mein Onkel Silanus ist auch fest davon überzeugt dass die Decimi und die Iunii befreundet sind.." merkte er etwas scherzhaft an, "Ich bin froh dass er mir geholfen hat." fuhr Seneca fort und lächelte ein wenig verträumt als er die Decima so ansah..
    Was sie jedoch danach sagte ließ ihm kurz das Herz in die Hose rutschen, ein Grundstück? Von ihr an ihn? Wie sollte das unbemerkt über die Bühne gehen, wie sollte er es annehmen? Sie tat zu viel für ihn..
    "Seiana ich..." der Iunier rang nach Worten, "Du musst nicht... Also.. Ich meine wie.." stammelte der Ritter in Spe vor sich her bevor sie anblickte, "Ich danke dir. Wirklich, danke, ich liebe dich." sagte er ruhig und voller ernst, bevor er dann zum Haken an der Sache kam, "Aber wie soll es keiner bemerken? Es werden doch Fragen zu uns aufkommen?"

  • Seiana rang sich ein Lächeln ab. Eigentlich waren ihrer beider Familien ja auch befreundet. Der Missklang, den es gab, lag nur an Senecas Cousine. Die Götter wussten, dass sie über die Jahre versucht hatte, in einem vertretbaren Rahmen auf sie zuzugehen – sie hatte sie sogar zur Lectrix bei der Acta gemacht und sie jahrelang behalten. Aber die Iunia hatte es blendend verstanden, derlei Dinge gekonnt zu ignorieren, genauso wie die Tatsache, dass sie selbst und ihre Handlungen der Stein des Anstoßes gewesen waren. Aber Seiana wollte die Stimmung nicht trüben, geschweige denn mit Seneca streiten, also beließ sie es nur bei einem etwas bemühten Lächeln. „Er hat sich weit hoch gearbeitet, er wird dir sicher noch mehr helfen können.“


    Ihr Angebot schien ihn zu überraschen – und wenn sie ehrlich war, dann war sie sogar selbst ein bisschen überrascht von sich. Es war eine spontane Eingebung gewesen, etwas, was sie normalerweise nie nachgab... aber es fühlte sich richtig an. Sie wollte ihm helfen, sie freute sich, dass sie die Gelegenheit dazu hatte. Und sie musste ehrlich schmunzeln, als sie Seneca so sprachlos wie selten erlebte. Nur seine Sorgen dämpften ihre Stimmung wieder etwas – nicht dass er sie äußerte, sondern weil er Recht damit hatte. „Ich bin es leid, ständig aufpassen zu müssen“, entfuhr es ihr in einem Moment des Unbeherrschtseins. „Ich bin es leid, dass wir...“ Sie brach ab und seufzte. „Ich lasse mir etwas einfallen. Ich kann es über einen Mittelsmann überschreiben.“

  • "Nun ich bin es auch leid Seiana. Ich bin es auch leid." antwortete Seneca seiner Liebsten und kam nochmal auf das Grundstück zurück, "Aber dennoch, vielen Dank, du hättest mir nicht mehr helfen können." bedankte er sich erneut und kam sich deswegen immer noch etwas klein vor, auch wenn er wusste, dass Seiana nur das beste für ihn wollte.


    Die beiden verbrachten noch eine ganze Weile zusammen, genossen die gemeinsame Zeit so gut sie konnten, und versuchten die Strapazen der Vergangenheit wenn auch nur für einige Augenblicke ruhen zu lassen.


    Der schwerste Moment war wie immer der Abschied. Es war ungewiss wann sich die beiden wiedersehen würden, und Seneca tat sich stets unendlich schwer seine Seiana zurückzulassen. Jedoch, und das wussten beide, gab es schlicht keine Möglichkeit für eine andere Art der Beziehung, oder besser gesagt noch nicht, denn die Zeichen standen wohl auf Veränderung..

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!