[INSULA TYRRHENA DIANIUM] Die tyrrhenische Insel Dianium & die Villa Rustica Ducciana

  • Na, immerhin schien die Sicherheit des Vorbesitzers auch wirklich gewährleistet worden zu sein… obwohl… würde Lucia das nicht auch einfach behaupten? Wer konnte das schon nachprüfen? Dass ihr Bruder so einfach darüber hinwegging, dass ein Homo novus sich den Besitz eines Römers aneignete… aber vermutlich war dieser Römer ein Anhänger des Usurpators, oder nicht? Ja das musste es sein! Und sagte das ihr Bruder nicht grade auch in anderen Worten? Damit konnte Lucia sich selbst ein wenig beruhigen, war gleichzeitig aber wieder ihre geistige Beschäftigung los, was sie wieder an ihre Schuhe denken ließ. Dank des ‚langen‘ Marsches waren inzwischen sicher auch die Sohlen in einem katastrophalen Zustand. Wehleidig verzog Lucia das Gesicht, ihre schönen Schuhe!


    Als schließlich das Anwesen in Sichtweite kam, wollte Lucia es nicht wirklich glauben… Das war ja winzig! Sie hatte sich diesen ganzen Ausflug auf eine Insel ganz anders vorgestellt! Sie hatte erwartet die Reise in Kauf nehmen zu müssen, um zu einer schönen Örtlichkeit zu gelangen, aber es war genau anders herum! Sie wünschte sich grade zurück aufs Schiff in Richtung Heimat, am besten noch bevor sie ihre Schuhe in diesem unnötigen Marsch ruinierte! „Fast wie eine kleine Version unserer Villa Rustica in Misenum.“, formulierte sie die im Grunde wie ein Lob klingenden Worte, auch wenn wieder der Tonfall nicht hundertprozentig passte. Doch Lepidus hatte sicher nicht vergessen, wie grässlich Lucia ihren freiwilligen Verbannungsort gefunden hatte und würde ihre Kritik hoffentlich nur zu deutlich heraushören. Vielleicht würde der werte Herr sich dann auch mal darum Gedanken machen, was sie für Probleme haben könnte… Schon im nächsten Moment fragte sich Lucia in was für eine Traumwelt sie da grade abgerutscht war.

  • "Die Chancen standen lange Zeit nicht schlecht, dass man in diesem Moment genau das hätte über uns sagen können.", gab Vala sich recht pragmatisch und ließ durchscheinen, wie er über das ganze Bürgerkriegsgedöns dachte.. allerdings nicht ohne eine Sicherheit nachzuschieben: "Unser Sieg bei Vicetia war nicht Glück, aber es hat doch eine Rolle gespielt. Oder ein Wink der Götter... der Sieg des Princeps bei Misenum kann als nichts anderes denn als Wunder betrachtet werden. Die Götter haben es gewollt und haben ihm den Sieg geschenkt."
    Nach wie vor blieb ihm unerklärlich wie der Kaiser mit so einer verschwindend geringen Streitmacht hatte den Gegner in die Knie zwingen können. Der abgeklärte Realist wollte irgendwas von psychologischer Tiefenwirkung des Siegs bei Vicetia und den sonst so maßgeblichen Fehlern des Vescularius lehren, doch ließ sich das metaphysische nie wirklich ausblenden.


    Als sie die Felder und Weiden durchquerten nickte Vala in Richtung der kleinen Villa, sich wieder einmal vollkommen unempfänglich für Subtext zeigend: "Ja, das einzige Anwesen auf der Insel. Es ist nicht groß, aber groß genug um die Insel zu bewirtschaften und Schutz vor der Unbill Neptuns zu bieten."
    Die Villa Rustica war nichts anderes als ein einfaches Bauerngehöft der klassischen Atriumsbauweise, allerdings nur mit einem Wohnturm, der vor allem deshalb gebaut worden war um bei Sturmfluten einen Rückzugsort zu bieten. Das Gemäuer war unverputzt und wies von der stetig in feinem Nebel herbeifliegenden Gischt eine leichte Salzkruste auf.
    "So, da wären wir...", sprach Vala als sie das große Hauptportal erreichten und von einem älteren Herrn empfangen wurden dem man auf den ersten Blick seine nordische Herkunft ansah, "Dies ist Herge. Er wird euch eure Gemächer zeigen und dafür Sorge tragen, dass euer Gepäck dorthin gebracht wird. So ihr einen Moment ruhen wollt, was ich euch nicht verdenken kann, könnt ihr euch dorthin zurückziehen... ansonsten steht die komplette Insel euch selbstverständlich frei. Zur Cena heute Abend können wir wieder zusammenkommen, ich werde euch rechtzeitig bescheid geben."
    Sich so selbst wegkomplimentierend entließ der Inselherr seine Gäste in ihre ersten privaten Momente, während er sich selbst wieder in sein Zimmer begab um über gewissen, sich als sehr renitent herausstellenden Zahlen zu brüten.
    Die Zimmer, zu welchen der Ianitor die beiden Gäste führte, zeigten sich in derbem rustikalen Charme: schmucklos, aber mit halbwegs komfortablen Möbeln ausgestattet machten sie deutlich, was den Reiz der Insel darstellte: eben die Insel, und nicht die Wohnausstattung der menschlichen Behausungen.

  • "Nun, wer die Götter ehrt und auf seiner Seite hat, der kann jede Schlacht und jeden Krieg für sich entscheiden. Selten haben wir wohl eine so deutliche Demonstration des göttlichen Willens gesehen", gab der Tiberier blauäuig gegenüber einem erfahrenen Militär zum Besten und hätte weder die Moral der Truppe, noch der taktischen Einstellung eine entscheidende Rolle beigemessen. "Ich konnte mich vor kurzem selbst von der frommen Haltung des Imperators überzeugen. Sein Staatsopfer nach seinem Einzug in Rom, welches ich mitorganisierte, zeigte einen Mann, der den Göttern den allerhöchsten Respekt erwies. Und die Eingeweide deuteten auf eine glänzende Zukunft hin." Daran glaubte der Tiberier auch sehr fest. Für ihn persönlich war im Vergleich zur Zeit des Vesculariers ohnehin schon das goldene Zeitalter angebrochen.


    Was er von der Villa halten sollte, wusste er noch nicht. Den Vergleich mit der Villa Rustica in Misenum fand Lepidus allerdings nicht treffend. Das tiberische Anwesen war selbstverständlich um ein vielfaches schöner. Aber allein durch die eigenen persönlichen Erinnerungen konnte es eine andere Villa wohl ohnehin nicht damit aufnehmen, weshalb der Vergleich wohl ohnehin hinkte. Ein nettes Kompliment von Lucias Seite aus, war es aber sicherlich dennoch. Da konnte der Duccier doch wahrlich froh sein, dass sein Gebäude einem edlen patrizischen in nichts nachzustehen schien.


    Endlich hatten sie ein Dach über dem Kopf. "Vielen Dank für den netten Empfang, Senator. Wir werden uns wohl in der Tat erst einmal auf unsere Gemächer zurückziehen. Zumindest mir hat die Reise sehr zu schaffen gemacht. Wie sehen uns dann zur Cena." Dem Bediensteten folgend, hielt Lepidus Einzug in sein Zimmer. In der Tat fand er hier nichts Aufregendes vor. Da er allgemein die Betrachtung von Landschaften eher langweilig fand, half ihm auch ein Blick aus dem Fenster nicht allzu viel. Nett anzusehen, aber mehr auch nicht. Kurz ging er noch zu seiner Schwester, die in einem anderen Gemacht unterkam. "Na, da haben wir uns ja auf etwas eingelassen", sprach der Tiberier mit dem skeptischen Blick auf das ganze Drumherum. "So richtig weiß ich noch nicht, was uns das hier letztlich bringen wird, aber ich selbst werde mich erst einmal für ein paar Minuten hinlegen, damit ich Kraft für die Gespräch bei der Cena habe. Nur damit du bescheid weißt."

  • Frustriert stellte Lucia fest dass ihr Bruder nicht den Hauch einer Ahnung von dem hatte, was sie eigentlich sagen wollte. Offensichtlich machte es überhaupt keinen Unterschied, wie sie etwas sagte, Hauptsache die Worte die aus ihrem Mund kamen waren angemessen. Wenigstens kamen sie endlich an der vermaledeiten Winz-Villa an, auch wenn da eindeutig einer dieser Barbaren aus Germanien an der Tür stand. Jetzt war es auch egal, ihre Schuhe waren hinüber, aber wenigstens konnte sie ihr Lieblingskleid ausziehen und in Sicherheit bringen.


    Sie wurde zu ihrem Zimmer geführt und als allererstes ließ sich Lucia von Sekunda die Schuhe ausziehen und fragte bang: „Wie schlimm ist es?“ Nach einem skeptischen Blick schüttelte die Sklavin bedauernd den Kopf und reichte wenig später ein kaputtes, schmutziges Stück etwas, das mal Lucias Schuh gewesen war. Da tauchte unvermittelt ihr Bruder noch einmal auf und verkündete er wolle sich hinlegen. Lucia saß schon auf ihrer Bettkante und ihr Griff um ihren kaputten Schuh verstärkte sich, während Sekunda noch mit den Knoten des anderen kämpfte. Die junge Frau konnte nicht anders als entnervt zu grummeln: „Ich weiß schon was mir das hier bringen wird! Ein Paar neuer Schuhe!!!“ Wütend wedelte sie mit dem einen in der Luft herum. Lepidus würde ihr den doch hoffentlich ersetzen! Sie hatte sonst kein Paar, was so gut zu diesem Kleid passte.

  • Bevor der Ianitor die beiden Tiberii alleine ließ, gab er ihnen noch zu verstehen, dass die abendliche Cena fünf Stunden später angesetzt war und ihnen somit genügend Zeit zur Verfügung stand sich von der Reise zu erholen... und/oder das überschaubare Refugium der Insel zu begutachten.


    Sim-Off:

    Solltet ihr hier auf mich warten lasst euch sagen, dass ihr das nicht müsst. Ich werd beizeiten dann einfach nen Post erstellen indem die Cena dann eingeleitet wird... dank der Baumstruktur könnt ihr dann, so ihr wollt, auch unter euch posten. :)

  • Lepidus stand im Zimmer, fragenden Blickes, der nur bedeutete, dass er keine Ahnung hatte, was die beiden da mit den Schuhen anfingen. Für ihn ein recht sekundäres Problem, aber verstehe doch einmal die Frauen. "Wenn die Schuhe nicht mehr tragbar sind, dann erhältst du schon ein paar neue. Ich lass dich ja nicht wie die letzte Bäuerin durch die Straßen laufen." Wohlwissend, dass er seine Schwester mit diesen Worten wieder vollständig zufriedengestellt hatte, würde er sich erfolgreich verabschieden. Über die Schuhe entschied letztlich die Finanzlage, wie er still in sich hineinsprach. Zwischen Tür und Angel fiel ihm allerdings noch etwas ein. "Wollen wir vielleicht nachher noch einen kleinen Spaziergang machen? Ich hab zwar jetzt schon das Gefühl bereits genug von dieser Insel gesehen zu haben, aber nach meinem einstündigen Schlaf wäre es sicherlich gut sich ein wenig die Beine zu vertreten. Vielleicht könnten wir ja sogar noch unsere Strategie besprechen, bevor es mit dem Senator zur Cena geht." Der Tiberier gähnte zwar schon sichtlich, aber mehr als eine Stunde wollte er sich eigentlich nicht niederlegen. Das war eigentlich die perfekte Zeit für ihn. Eine halbe war nicht genug und bei zwei Stunden war das Schlafbedürfnis anschließend so groß, dass er kaum wieder richtig wach wurde.


    Sim-Off:

    Im Moment muss ich leider manchmal ein wenig Tempo herausnehmen. Entschuldigt, wenn es zeitweise länger dauern sollte. :)

  • Wenigstens schien Lepidus, jetzt wo sie ihm so direkt mit ihrem Problem konfrontierte, einzusehen wie wichtig es war! Das beschwichtigte Lucia ein wenig, auch wenn sie weiterhin mit Bedauern auf den fleckigen Schuh in ihrer Hand blickte. Jeder Mann wäre wohl der Meinung gewesen, dass dort einfach nur der gröbste Schmutz abgebürstet werden müsste und vielleicht der eine oder andere Riemen ersetzt, aber ansonsten wäre er sicher noch tragbar… doch in Lucias Augen waren die Schuhe, welche plötzlich den Stand ihrer Lieblingsschuhe hatten, nicht mehr zu retten. Sekunda nahm ihr das Elend aus der Hand und befreite dadurch auch ein wenig ihren Geist davon.
    Als ihr Bruder dann vorschlug, nochmal da raus zu gehen, wollte sich die jugne Frau schon wieder aufregen. Doch Grinsen ist nunmal die beste Art dem Feind die Zähne zu zeigen, also lächelte sie dieser Schuhzerstörenden Insel tapfer entgegen und erwiderte: „Das können wir gerne machen. Dann bis später und erhol dich gut.“


    Sie wartete, bis Lepidus ihr Zimmer endgültig verlassen hatte und wandte sich dann entsetzt, fast weinerlich an Sekunda: „Ich will nicht noch ein Paar Schuhe ruinieren!“ Die alte Sklavin schien jedoch schon einen Plan zu haben und hob beschwichtigend die Arme: „Dann trägst du einfach das Paar von eben nocheinmal! Mit ein paar Riemen festgeschnürt, sollte es einen Spaziergang noch gut überstehen. Lepidus wird es ohnehin nicht auffallen.“ Lucia war zwar skeptisch, doch sie ließ sich abermals beruhigen und nutzte nun ihrerseits die Zeit, indem sie Sekunda ihre Arbeit tun ließ.


    Die erste viertel Stunde verbrachte Lucia auf ihrem Bett liegend mit einem feuchten Lappen auf dem Gesicht, während sich die Sklavin um ihre Hände und Füße kümmerte. Sie liebte diese Prozedur! So entspannend, man konnte kurz einnicken und fühlte sich danach gleich viel besser. Dann musste sie sich jedoch wieder aufsetzen und sich in ihr robustestes mitgebrachtes Kleid helfen lassen. „Gürte es so, dass der Saum ein Stückchen höher hängt. Dann besteht weniger die Gefahr, dass es auf dem Boden schleift!“ Dann setzte sich Lucia auf einen Stuhl und musste es über sich ergehen lassen, dass ihre Haare ausgekämmt wurden. Der Wind auf See hatte so viele Knoten hineingeflochten, dass es die reinste Tortur wurde. Da sie gleich wieder in eben diesen Wind würde rausmüssen, flocht Sekunda ihre Haare in einen festen Zopf, den sie ihr kronenförmig feststeckte. Das frisieren dauerte durch diese schlichte Frisur viel kürzer als gewöhnlich, so dass am Ende tatsächlich noch Zeit zum Schminken blieb. Als die Stunde in etwa um war, ließ Lucia die drei von ihr mitgebrachten Parfüme vor sich aufreihen, da sie sich zu guter Letzt doch nicht entscheiden konnte, welchen Duft sie tragen wollte.

  • Als Lepidus in sein Gemach gelangte, schien alles so still und ruhig. Er bewegte sich auf das Fenster zu, blickte hinaus und atmete ein oder zwei Mal etwas kräftiger durch. Das Meer verbreitete eine ungewohnte frische, die sich in des Tiberiers Lungen ausdehnte. Die Luft war so anders, als die in Rom. Er vermisste den Trubel, das Leben und die Geräusche der Stadt und dennoch schien er in diesem Augenblick, wie er da vor dem Fenster stand, zum ersten Mal ganz froh zu sein, dass er sich auf diese Insel hat führen lassen. Sie gab ihm womöglich die Kraft, die er brauchte, für das, was er sich vorgenommen hatte.


    Erneut ein tiefes Atmen, dann die müden Augen - er brauchte seinen Schlaf. Wenn ihn die Kräfte erst einmal verließen, dann war er kaum noch klagend, überheblich oder Intrigant, dann sehnte er sich nur noch nach gemütlichem Schlaf. Als er sich niederlegte, ging ihm das Erlebte durch den Kopf, all das, was ihn beschäftigte. Sei es der Senator Duccius, den er noch kaum einschätzen konnte, sei es sein Patron, der Aurelier, der die arrogante Selbstsicherheit verkörperte, zu der Lepidus tatsächlich selbst einmal gelangen wollte. Dann war da das bevorstehende Treffen mit dem Kaiser. Bewunderung war schnell zur Stelle, wenn es um diesen jemand ging, der die einzige Chance war, dass sich seine Familie aufrichten konnte, doch gekannt hatte er ihn nie. Genauso gut könnte er auch einem gewaltigen Trugschluss anheimgefallen sein, genauso gut könnte dieser Mann ihm alles verwehren, wonach der Tiberier strebte. Lepidus musste sich dafür wahrscheinlich nur dumm genug anstellen, was wahrlich nicht schwer fiel.


    Ein paar kurze, zweifelnde Gedanken, die ihn jedoch nicht mehr bei Bewusstsein halten konnten, dann schlief er einfach ein und die Minuten gingen vor sich hin. Doch schon nach einer guten Stunde, erhob er sich wieder, ganz ohne, dass er hätte geweckt werden müssen. Zu lange hatte sich sein Körper auf diese Art zwischenzeitlichen Schlaf eingestellt, als dass er nicht auch schon von ganz alleine wieder wach geworden wäre. Sein erster Blick ging wieder hinaus aus dem Fenster, die Wolken in Augenschein genommen, wie sie langsam dahinwehten. Dann das Aufrichten, das Ankleiden. Der Tiberier war wieder halbwegs bei Kräften und die Blässe in seinem Gesicht wich einer gesunden Hautfarbe. Er musste sich jetzt wieder in seine Rolle fügen, ganz der Klagende und allzu Überhebliche, der er zu sein pflegte, ohne, dass er überhaupt die Chance oder die Reflexion hatte, aus dieser Rolle herauszufinden. Warum eigenlich auch? Seine Gedanken trieb er dann leider nie so dermaßen weit.


    Er schritt hinüber zum Zimmer seiner Schwester und wurde von Sekunda hineingelassen, so erblickte er sie vor ihrem Parfüm sitzend. "Einen nicht allzu aufdringlichen Geruch würde ich ja durchaus bevorzugen", sagte er mit einem Lächeln. Schließlich war er es ja, der es den ganzen Spaziergang über riechen musste.

  • Die Zeit auf der Insel hätte ja so schön sein können... wenn der Duccius nicht darauf bestanden hätte, dass sie sich nützlich zu machen hatten, wenn sie nicht gerade über den Planungen für die kommende Amtszeit des Aedils saßen. Also hieß es: arbeiten. Ach was arbeiten, schuften war das treffendere Wort... und Aquila hatte eigentlich überhaupt keine Lust darauf gehabt. Trotzdem verzichtete er darauf, groß rumzumaulen – hätte zum einen keinen guten Eindruck gemacht und zum anderen wohl sowieso nichts gebracht. Also ergab er sich einfach nur in sein Schicksal, und siehe da: es hielt etwas Gutes für ihn bereit. Nachdem Aquila nämlich den ersten Tag auf der Insel selbst mit angepackt hatte, war er am zweiten auf die glorreiche Idee gekommen, er könnte doch den Fischern helfen. Das hatte ihm schon als Kind in Tarraco immer Spaß gemacht – am und auf dem Meer zu arbeiten. Das, und auf dem Gestüt mit zu arbeiten. Dass er auf Dianium etwas gefunden hatte, was er auch gern tat, war ein Glücksfall, und zudem konnte er so tatsächlich auch die Vorteile der Insel genießen, wenigstens ein bisschen – die Sonne und das Meer.


    Auch an dem Tag, an dem die Tiberier kommen sollten, arbeitete Aquila... diesmal nicht ganz so gern. Er wäre lieber dabei gewesen die zwei zu begrüßen wenn sie ankamen, aber er musste sich damit begnügen, sie beim Abendessen zu treffen. Also war er auch heute dort zu finden, wo er auch die letzten Tage zu finden gewesen war: auf einem Boot, das hin und her pendelte zwischen den Fischereigründen und der Anlegestelle, die sie gerade jetzt wieder ansteuerten mit ihrem Fang. Aquila sprang auf den Steg, ein Seil in der Hand, um das Boot festzubinden, während die übrigen Fischer bereits mit den Vorbereitungen zum Entladen begannen.



    Sim-Off:

    Vielleicht möchtet ihr ja bei eurem Spaziergang vorbei kommen :)

  • „Du tust ja grade so, als ob ich immer eine Duftwand um mich herum aufbauen würde!“, erwiderte Lucia ebenfalls mit einem Lächeln. „Ich bin nicht Großtante Drusilia!“ Diese Kindheitserinnerung war zwar schon etwas verblasst, doch diese Parfümwolke um die ältere Dame würde Lucia wohl nie vergessen! Kurzentschlossen griff Lucia nach dem Lavendel-Flakon und tupfte sich mit dem Glasstäbchen je einen Tropfen auf die Innenseite ihrer Handgelenke und mit den Fingerspitzen noch ein kleines bisschen davon hinter jedes Ohr – fertig!


    Sie stand auf, trat zu ihrem Bruder und wedelte mit den Händen, damit er mehr von ihrem Duft wahrnehmen konnte. „Zufrieden?“, fragte sie selbstsicher, noch nie hatte sich jemand bei ihr über ihren Geruch beschwert! Sekunda legte Lucia geübt den Mantel um die Schultern und weil sich die junge Frau grade nicht wehrte auch noch ein Tuch um den Hals. Immerhin war es draußen sehr windig!


    „Gehe wir lieber, bevor Sekunda noch auf die Idee kommt ich sollte mir lieber noch warme Socken anziehen!“, scherzte Lucia, hakte sich bei ihrem Bruder unter und wunderte sich selbst, wie schnell ihre Launen momentan wechselten. Oh nein… Sie überschlug die Tage im Kopf und wusste plötzlich, was ihr in drei Tagen wieder bevorstehen würde. Na wunderbar! Aber wenigstens würde sie dafür wieder daheim sein.


    Sim-Off:

    meinetwegen gerne, dauert nur noch ein bisschen ;)

  • "Noch nicht!", machte der Tiberier den Unterschied zwischen Drusilla und seiner Schwester scherzhaft nur am Alter fest. "Wenn du nicht aufpasst, bist du ganz schnell dort angekommen." Die Götter mögen es behüten, dass seine Schwester sich nur doch durch ihren aufdringlichen Geruch Geltung verschaffen könne, doch wer wusste das schon? Es tauchten so viele Ähnlichkeiten in der Familie auf, dass der Tiberier es nicht bezweifeln wollte - allerdings wollte er es auch nicht herbei wünschen.


    Der Tiberier roch das gewedelte Parfüm. Es stieg sehr sanft in die Nase und hatte tatsächlich nichts Aufdringliches an sich. Ganz erstaunt über diese Feststellung, musste er unweigerlich fragen. "Na, das ist ein hervorragender Duft... der war bestimmt der teuerste auf dem Markt!" Er kannte doch seine Schwester. Kein Vorteil, der im wahrsten Sinne des Wortes nicht teuer erkauft war. Über die Einwendung gegenüber Sekunda konnte er natürlich nur lachen, wie er überhaupt gern auf Kosten anderer lachte. "Dann wollen wir mal." Gemeinsam mit seiner Schwester machte er sich auf den Weg nach draußen.


    So wirkliche Ahnung, wo sie am besten hingehen sollten, hatte er zwar nicht, aber allzu viele Möglichkeiten gab es ja nun auf dieser Insel wiederum auch nicht. Er beschloss seine Schwester etwas näher ans Wasser zu führen. Über die Schuhe würde sie sich ja sicher vorerst nicht mehr aufregen. "Und? Wie ist dein erster Eindruck vom Senator? Lass mich lügen, aber du machtest ein Gesicht als er uns begrüßte, als wenn du ihm vorher bereits einmal begegnet wärst. Liege ich da richtig oder hab ich mir das eingebildet?" Eigentlich dachte er ja, dass Lucia den Duccier nur aus Erzählungen kannte. Etwas Gegenteiliges würde ihn doch sehr wundern.


    Sim-Off:

    Ich eröffne mal einen neuen Strang für den Spaziergang. ;)

  • Was ein gemeiner Kerl ihr Bruder doch sein konnte! Lucia musste dennoch darüber lachen und schüttelte gleichzeitig den Kopf. Nein, so wie Drusilla würde sie sicher nicht werden! „Natürlich ist der Duft hervorragend! Wenn ich schon viel ausgebe, dann nur für Qualität!“, verteidigte sich Lucia, denn in letzter Zeit hatte ihr Bruder recht häufig ihre Ausgaben vorgeworfen. Sie wusste ja selbst, dass es seit sie wieder in Rom war zugenommen hatte, aber sooo schlimm war es auch nicht.


    Wieder draußen, umweht von diesem salzigen Meeresduft, überprüfte Lucia vorsichtshalber nochmal die Höhe ihres Saums, ehe sie sich vollständig auf den Spaziergang einlassen konnte. An sich hatte die Insel eine raue Schönheit, die nicht zu verachten war… doch irgendwas störte Lucia hier gewaltig. Sie konnte den Finger nicht drauf legen, was es war, vielleicht lag es wirklich nur am Wetter oder ihren Schuhen vorhin, aber irgendwas an diesem Eiland störte sie. Als ihr Bruder sie dann auf den Senator ansprach, blickte sie ihn überrascht an: „Das hast du bemerkt? Ich bin beeindruckt! Das seltsame ist, dass ich nur das Gefühl habe ihm schon einmal begegnet zu sein, aber ich weiß beim besten Willen nicht wo das gewesen sein könnte.“ Lucia legte die Stirn in Falten und versuchte abermals angestrengt sich zu erinnern, doch die Erleuchtung blieb aus und sie schüttelte den Kopf. „Ich komme einfach nicht drauf! Es ist zum verrückt werden! Aber vielleicht hat mir Manlia auch einfach zu viele Klatschgeschichten über ihn erzählt… Auf den ersten Blick wirkte er ganz genau wie der Frauenheld, vor dem sie mich gewarnt hat. Aber das hat sich auf dem Weg zur Villa gegeben. Vielleicht hab ich auch nur meine Erwartungen aufgrund der ganzen Geschichten auf ihn projiziert und deshalb das Gefühl gehabt ihn zu kennen.“ Lucia tat grad ihr Bestes sich selbst dieses komische Gefühl zu erklären, doch es wollte sie nicht so wirklich überzeugen. Ihr Blick schweifte in die Ferne über das Meer, als hoffte sie dort zu sehen, woher sie diesen Duccius kannte – ob sie ihn kannte.

  • Auch Lepidus wurde aus den Ausführungen nicht schlau, aber die Erklärung, dass der Duccier im Realen genau auf die Beschreibungen passte, die man zuvor geliefert bekam, erschien ihm irgendwie logisch. Seine Schwester hatte, so war sein Eindruck, ohnehin schon immer eine sehr ausgeprägte Vorstellungskraft. Dass das noch andere Hintergründe haben könnte, blieb ihm bisher noch verborgen, zumal er auch seinen ersten Sichtkontakt mit dem Duccier vergessen hatte. Aber ein soldatischer Mann auf einem Pferd war eben doch etwas anderes als ein in toga candida gekleideter Mann auf dem Forum. "Frauenheld... was man wohl alles tun musste, um sich einen solchen Ruf zu erarbeiten?", sprach scherzhaft zu seiner Schwester. Ob der Charme des Ducciers auch auf sie wirken würde? Sie hatte aber gegenüber Lepidus bisher nie den Eindruck gemacht, allzu leicht in Schwärmerei zu verfallen. Vielleicht einmal beim Iulier, aber das konnte der Tiberier tatsächlich auch irgendwo nachvollziehen - der machte schließlich immer den Eindruck als würde er nur aus süßem Honig bestehen. Wie man sich allerdings den Ruf eines Frauenhelden erarbeitete, blieb Lepidus ohnehin ein Rätsel. "Naja, vielleicht klärt uns ja sogar der Senator selbst noch auf, ob er dich schon einmal irgendwo gesehen hat. Mein Eindruck ist jedenfalls bisher ganz anständig, obwohl mir die ganze Sache hier bisher ein wenig zu... nett erscheint. Er lädt uns auf diese Insel ein und empfängt uns geradezu schmeichelhaft. Und das alles nur für eine kleine Offerte, die ich anbot als er noch Kandidat war." Dass der Duccier es besonders finanziell sehr nötig hatte, konnte man sich zwar aus alledem erschließen, aber wie es um den Senator tatsächlich stand, war für ihn natürlich nicht abzusehen. Deshalb blickte er auch schon so erwartungsvoll auf das bevorstehende Abendessen.


    Nachdem sie einmal eine Weile gelaufen waren, kamen sie in Sichtweite der kleinen Anlegestelle, wo gerade ein Boot entladen wurde. "Ah, sieh mal: Echte arbeitende Fischer", sprach er zu seiner Schwester als wenn es sich dabei um ein besonderes Naturschauspiel handeln würde. Dass er einen von ihnen noch vom Forum her kennen würde, konnte er bisher noch nicht identifizieren. "Ist es nicht immer wieder erstaunlich, was Menschen alles können?" Lepidus kannte körperliche Arbeit im Prinzip nur vom Hören-Sagen. Hätte er nicht in seiner Jugend noch Gymnastik betrieben, wären seine recht schmächtigen Arme vor Nutzlosigkeit sicherlich irgendwann einfach abgefallen.

  • „Ich kann dir gerne all die Geschichten wiederholen, die Manlia mir erzählte, wobei ich nicht einmal bei der Hälfte glaube, dass sie tatsächlich so passiert sind!“, beantwortete Lucia ebenso scherzhaft die Frage ihres Bruders, wie man wohl ein Frauenheld würde. Hätte es sich dieser Duccius nicht ebenfalls anmerken lassen, wenn er sie kannte? Lucia zumindest hatte davon nichts mitbekommen, aber vielleicht hatte ihr Bruder ja Recht. „Vielleicht tut er das, ja.“, bestätigte sie ihn zunächst, um dann die Schultern zu zucken. „Vielleicht hofft er auf mehr?“ Die Gründe für diese Einladung konnte sie wohl noch weniger erahnen, als ihr Bruder, wusste sie ja noch nicht einmal wie viel dieser gespendet hatte.


    Der Wind wurde rauer, je näher sie dem Strand kamen und Lucia flatterte ihr Schal um die Ohren. Entnervt zupfte sie ihn zurecht, was jedoch nicht lange zu halten versprach. „Lass mich raten, was es zum Abendessen geben wird!“, sprach sie mit einem schiefen Lächeln, auf seine Beobachtung der Fischer. Eher weniger interessiert ließ sie ihren Blick über die Männer schweifen, musste dann aber zugeben dass diese markigen Burschen durchaus etwas hatten, das einem Mädchen gefallen konnte. „Dafür können sie wohl nicht viel anderes.“, erwiderte sie aber ziemlich herablassend, um ihren Bruder von ihrem eigentlichen Eindruck von den Männern abzulenken. Da flatterte Lucia der Schal wieder ins Gesicht. Sie riss ihn die falsche Richtung weg, der Stoff verlor jeden Halt und Lucias reflexartiger Versuch ihn doch noch einzufangen ging daneben. „NEIN!“ Lucias Aufschrei klang wie Entsetzen und Resignation zugleich. Das durfte doch nicht wahr sein! Ihr schöner Schal flog fröhlich durch die Lüfte und tänzelte parallel zur Küstenlinie davon. „Erst meine Schuhe, nun mein Schal. Diese Insel kann mich nicht leiden!“, beschwerte sich Lucia weinerlich.

  • Aquila legte das Seil in Schleifen um einen Holzpfeiler und zog daran, bis er die Strömung spürte, die ans Boot schwappte und es davon treiben wollte, zurrte es immer weiter fest, bevor er sich an den Knoten machte. Das hieß: bevor er sich an den Knoten machen wollte. Erst heute er einen Aufschrei von einer Frau... und als er sich umdrehte, fielen ihm zwei Dinge mehr oder weniger gleichzeitig auf: in etwas Abstand zum Steg waren zwei Menschen, und von ihnen flatterte ein Stück Stoff davon, die Küste entlang. Das hieß, bis die Küste einen Knick machte, der Wind den Schal aber weiter trug, aufs Wasser hinaus, wo er dicht über der Oberfläche weiter getrieben wurde. Aquila fackelte nicht lange. Er dachte nicht an das Boot oder die Fischer. Er dachte in dem Moment noch nicht mal daran, dass es sich bei den beiden nur um die tiberischen Gäste handeln konnte. Er dachte eigentlich nur eins: eine Möglichkeit eine Frau beeindrucken zu können? Her damit. Er ließ das Seil los – ungeachtet dessen, dass er es noch gar nicht richtig vertäut hatte –, lief leichtfüßig den Steg entlang und das Stück Küste, das ihn noch näher zum Schal brachte, bevor er sich mit einem Hechtsprung wie aus dem Bilderbuch ins Wasser warf.


    Vom Boot unterdessen kamen zuerst überraschte, dann zunehmend empörte und schimpfende Ausrufe, als sich das nicht befestigte Seil wieder zu lösen begann, je mehr die Strömung am Boot zerrte und es wieder vom Ufer fort trug. Einer der Fischer, der gerade aussteigen wollte und ein Bein bereits auf dem Steg hatte, vollführte für ein paar Momente etwas, das immer mehr wie ein Spagat aussah, versuchte dann noch den Sprung an Land, schaffte es aber nicht mehr und landete mit einem Platschen und deutlich uneleganter als Aquila zuvor ebenfalls im Wasser. Der hatte sich inzwischen auf die Jagd nach dem Schal begeben, der mittlerweile schon ein paar Mal in Kontakt mit dem Nass gekommen war. Mit jedem Mal wurde er ein bisschen mehr beschwert, bis der Wind ihn schließlich gar nicht mehr in die Höhe bekam und er nur noch auf der Oberfläche trieb, und das gar nicht mal so weit entfernt von der Küste. Aquila brauchte nur einige kräftige Kraulzüge, um das Stück Stoff zu erreichen, griff es sich und schwamm damit wieder zurück zum Ufer. Wo er erst mal feststellte, was seine Aktion überhaupt angerichtet hatte... einer der Kerle planschte im Wasser, die anderen versuchten gerade, das Boot wieder so in Position zu bringen, dass jemand auf den Steg springen und es festmachen konnte. „Tschuldigung...“ warf er etwas halbherzig in deren Richtung und lief dann zu den beiden Spaziergängern, wo ihm dann zum ersten Mal bewusst wurde, dass das die erwarteten Gäste waren – in dem Moment, in dem er Tiberius Lepidus wieder erkannte, um genau zu sein. „Tiberius“, grüßte er ihn freundlich, als würde er nicht gerade klatschnass vor ihnen stehen, „schön, dass du gekommen bist. Und das muss deine Schwester sein? Ich würde euch ja die Hand geben, aber ich bin... etwas indisponiert“, lachte er, und hob anschließend den tropfenden Schal hoch, während er sich an die junge Frau wandte. „Ich nehme an, das ist deiner... wenn du möchtest, bringe ich ihn später zur Villa rustica und gebe ihn dort jemanden zur Reinigung. Ich bin ja schon nass.“

  • Amüsiert folgte der Tiberier der besonderen Szenerie. Wenn er so abwechselnd auf den Retter des Schals und die Männer sah, die mit dem Boot hantierten, dann konnte er sich nicht des Gedankens verwehren, dass seine Schwester durch den Verlust eines Accessoires ziemlich viel Chaos angerichtet hatte. Was für ein amüsantes Schauspiel, welches das Zwerchfell des Tiberiers in Bewegung hielt. Als er den Mann näherkommen sah, der so heldenhaft den Schal aus dem Wasser trug, staunte Lepidus nicht schlecht, als er in ihm bereits eine bekannt Person identifizierte. Völlig durchnässt kam er immer näher und Lepidus klatschte drei Mal langsam in die Hände und lächelte dabei. "Decimus", sprach er zu ihm "Du bist der Held des Tages. Einen weiteren Verlust hätte meine Schwester, Tiberia Lucia - wie ich offiziell vorstellen darf - sicherlich nicht mehr verkraftet. Unser Dank ist dir gewiss." Speziell des Tiberiers Dank, denn er musste sich dann ja das Gejammer anhören und auch noch einen neuen Schal bezahlen. Ungewiss, wie er mit dem begossenen Pudel von einem Decima umgehen sollte, legte er ihm erst einmal das Natürlichste nahe. "Möchtest du dich vielleicht erst einmal etwas trocknen und neue Sachen anziehen? Ich würde mich freuen, wenn du uns Gesellschaft leisten könntest, falls das nicht heute Abend zur Cena ohnehin vorgesehen ist?" Bei dieser Einladung aus Höflichkeit missachtete der Tiberier mögliche Verpflichtungen, die der Decimer gegenüber den Fischern dort haben könnte. Gemeine Arbeit sollte doch nun wirklich kein Hinderungsgrund sein. Überhaupt würde Lepidus auf solch eine Idee wohl nicht von alleine kommen.

  • Betrübt schaute Lucia ihrem Schal nach, der war wohl genauso unwiederbringlich verloren wie ihre Schuhe. Nie im Leben hätte sie mit dem gerechnet was dann folgte! Einer der Fischer sprang doch tatsächlich ins Wasser und schien ihrem Schal nachzuschwimmen, während das Boot machte was es wollte und ein weiterer unfreiwillig im Wasser landete. Im ersten Moment hatte Lucia das Gefühl nicht hinsehen zu können und bedeckte ihre Augen mit einer Hand. Doch ihre Neugierde siegte und sie lunzte zwischen ihren Fingern hindurch und beobachtete gespannt das geschehen, das ihr Schal da unten in Gang gesetzt hatte. Sie schwankte zwischen Heiterkeit und Scham, doch ersteres gewann dann doch die Oberhand, als Lepidus so herzlich neben ihr zu Lachen begann.


    Das ganze wurde ihr dann doch wieder peinlich, als der Mann mit ihrem Schal um die Wette tropfend vor ihnen stand. Ihr Bruder und der Mann kannten sich? Sie spürte die Röte in ihre Wangen steigen und senkte rasch den Blick. „Ja, er gehört mir. Ich danke dir!“, sprach sie leise und blickte den Mann mit einem verlegenen Lächeln an. Die Befürchtung, dass der Schal ob des Salzwassers flecken bekommen könnte und damit so wie so ruiniert sein könnte, behielt sie lieber für sich. Dann hätte sich dieser Decimus am Ende ganz umsonst in die Fluten gestürzt und das wollte sie ihm nicht antun. „Ja bitte, zieh etwas Trockenes an!“, stimmte sie ihrem Bruder zu. „Ich könnte mich nicht über die Rettung meines Schales freuen, wenn du dafür krank werden würdest!“ Die Worte waren heraus ehe Lucia zweimal darüber nachdenken konnte und jetzt klangen sie grässlich schwärmerisch in ihren Ohren. Aber man traf auch nicht jeden Tag jemanden, der sich in die Fluten warf, nur um ein geliebtes Kleidungsstück zu retten. Lucia würde es nie zugeben, aber irgendwie hatte sie diese närrische Aktion beeindruckt.

  • http://www.kulueke.net/pics/ir…ana/villa_tafelzimmer.png Sobald sich der Tag dem Abend näherte, begann man in der überschaubaren Villa Rustica die Verwandlung eines der größeren Räume in ein Triclinium abzuschließen. Meistens hatte man keinen Bedarf für einen Raum dieser Art der die meiste Zeit leer stand (besonders wenn der Inselherr nicht auf Dianium weilte) und dementsprechend wurde der Raum als Lager und als Wirtschaftsraum genutzt. Die Flecken an den geweißten Wänden, die bei dieser Zweckentfremdung zwangsläufig über die Zeit entstanden, wurden mit simpel bestickten Wandbehängen überdeckt und der Boden mit Fellen und Teppichen belegt. Natürlich konnte man nicht vollends kaschieren, dass das hier kein reines Tafelzimmer war, aber es war ein Anfang...


    Als es dann soweit war und die Speisen in der Cucina bereits vor sich hinbrodelten wurde den beiden tiberischen Gästen, wie auch dem Inselherr und seinem Tiro mitgeteilt, dass man sich doch nun im Triclinium einfinden konnte um das Abendessen zusammen einzunehmen. Abseits der von Vala eingeführten Sitte, dass Inselherr und Belegschaft zusammen dinierten, war dies heute Abend ausnahmsweise nicht der Fall. Um die Kälte, die durch den Seewind nie ganz aus der Villa zu verscheuchen war, wenigstens in dieser Zeit Herr zu werden hatte man zwei Kohlebecken aufgestellt. Die Klinen selbst waren wie der Tisch auch aus einfachem Holz, sicherlich nicht zu vergleichen mit der pompösen Ausstattung der Villen der Nobilitas in Rom.. aber eben zweckdienlich. Einer der Bediensteten stand in einer Ecke bereit um den Getränkenachschub sicher zu stellen, während der junge Sklave, der das Essen schließlich auf dem Tisch decken würde (Vala zog es immernoch vor weibliche Sklaven dorthin zu verbannen wo sie ihn nicht ablenkten), unsichtbar hinter einer angelehnten Tür zu warten.

  • Aquila neigte leicht den Kopf, auf seinen Lippen ein breites Grinsen, als er bemerkte, welchen Eindruck er gemacht hatte. Wie schön, wenn so Spontanaktionen, die noch nicht mal wirklich durchdacht waren, Erfolg hatten. „Nicht doch“, wehrte er den Dank ab, immer noch mit einem sehr verschmitzten Lächeln und einer Haltung, die verriet, dass er durchaus von sich selbst eingenommen war. Und vor allem überhaupt kein Problem damit hatte, mit Klamotten vor den beiden Tiberii zu stehen, die an seinem Körper klebten. „Das war doch selbstverständlich, nachdem ich deinen Hilferuf gehört hab.“ Naja, genau genommen war es kein Hilferuf gewesen, aber das war ja nicht ganz so wichtig.


    Er wollte gerade fragen, wie die Anreise für die beiden gewesen war... aber als dann beide Tiberier darauf hinwiesen, dass er sich doch etwas Trockenes anziehen sollte, dachte Aquila dass er das vielleicht tatsächlich machen sollte. Wäre er draußen auf See vom Boot gefallen, hätte er das zwar auch nicht gekonnt, aber eigentlich hatte er nicht vor jetzt zurück zum Arbeiten zu gehen... die würden schon ohne ihn klar kommen, beschloss er mit einem kurzen Blick zurück. Die Gäste hier waren eindeutig wichtiger. „Ich werd heute Abend bei der Cena auch dabei sein, das ja, aber ich hätte nichts dagegen euch jetzt schon etwas Gesellschaft zu leisten. Ich könnte euch die Insel ein wenig zeigen, wenn ihr möchtet. Nachdem ich etwas anderes angezogen hab“, schlug er daher vor.

  • Als Lepidus den Weg ins Triclinium beschritt, konnte er eine gewisse mürrische Grundstimmung nicht ganz verbergen. Er vermisste sein geliebtes Rom nun doch schon allzu sehr und dies trotz der kurzen Zeit, die er bisher auf dieser Insel verbrachte. Allerdings kam ihm diese Zeit auch irgendwie deutlich ereignisreicher vor, als er es ursprünglich gedacht hätte. Bis zum eigentlichen Zweck dieser ganzen Reise schien ein klarer Spannungsbogen gezogen zu sein. Umso mehr konnte es der Tiberier nun kaum erwarten, erstens das entsprechend tiefgehende Gespräch mit dem Duccier zu führern, andererseits aber dadurch auch die Zeit so schnell vergehen zu lassen, dass er möglichst bald wieder runter von diesem Felsen kam. In jedem Fall hoffte er, dass das Gespräch keine Langeweile offenlegte, die ihm das ganze hier noch länger vorkommen ließ.


    Als er die Räumlichkeit betrat, in der sie nun Essen sollten, konnte es der Tiberier nicht unterlassen, sich selbst immer wieder zu fragen, weshalb er den Senator nicht lieber zu sich eingeladen hätte, um sich größeres zu ersparen und ein wenig mehr Komfort zu genießen. Aber gut. Der Tiberier sah im Grunde ohnehin kaum noch die schlechte Deko oder den Hauch des Provisorischen, den das alles hier in seinen Augen ausstrahlte. Seine Schwester hätte dagegen sicherlich 1000 Vorschläge, wie das alles besser hätte eingerichtet werden können. Auf großes Unterhaltungsprogramm in Form von Musikern oder Schauspielern konnte er hier wohl ebenso kaum Erwartungen setzen. Es würde ihn zumindest sehr überraschen. Wie dem auch sei: Als sie zur Cena antraten, hoffte Lepidus sogleich den Senator zu erblicken oder zumindest den Decimer, der sich tagsüber bereits Sympathiepunkte erarbeiten konnte.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!