[Domus Petilia] Das Anwesen des Quintus Petilius Sophus

  • "Aber... du musst.", sagte sie traurig und sprach damit aus, was er in den letzten Augenblicken gedacht hatte. "Wir müssen wieder nach drinnen. Ich bin sehr müde, Crassus. Aber...", jetzt senkte sie den Blick, weil sie ihm einfach nicht länger in die Augen lügen konnte. Entsprach doch das, was sie sagen musste- verpflichtet war, zu tun, absolut nicht ihrem inneren Verlangen nach seiner Zärtlichkeit und Nähe.


    "Ich möchte nicht mit dir... in einem... Raum schlafen, Crassus. Das gehört sich nicht. Wir sind nicht verheiratet.", flüsterte sie mit zittriger Stimme. Noch nicht, vielleicht? Sie musste umbedingt ihren Cousin dazu bringen, einer Ehe zuzustimmen.


    "Wir... sollten das nicht tun. Irgendwer wird es herausfinden, und dann?"

  • Jetzt wurde die Stimme in seinem Hinterkopf immer lauter und zwang ihn nun wohl schon. Die Stimme seines schlechten Gewissens, personifiziert als blonde Schönheit direkt vor seinen Augen - in seinen Armen.
    Ja, sie mussten wirklich, doch war das für den jungen Iulier momentan kein Punkt, mit dem er sich wirklich anfreunden konnte. Ein wenig fühlte er sich wieder zurückversetzt in seine Kindheit, in einen Moment, in dem seine Mutter ihm sein Lieblingsspielzeug wegnahm und ihn zwang sich waschen zu gehen, damit sie essen konnten. Er wollte sie nicht wieder loslassen, schon garnicht weil es irgendeine blöde Etikette, in einer noch blöderen Gesellschaft verlangte. Jetzt kam der Trotz in ihm hoch. Genauso wie damals, vor beinahe zwanzig Jahren, als Kind auf dem Weingut in Hispania. Er wollte sie nicht mehr hergeben.


    ,,Und was dann?", spuckte er voller Trotz aus. ,,Sollen sie es doch Alle wissen! Was wollen sie denn dann tun?", mit genervtem Blick, sah er an ihren Augen vorbei auf den Boden, während seine Gedanken rasten. Dazu ein Wechselbad aus Gefühlen, vermischt mit kindlichen Erinnerungen. Natürlich hatte Caenis recht, doch wollte Crassus sich das nicht eingestehen. Und dabei ging es weniger darum, dass sie sich nicht ein Cubiculum teilen durften, sondern viel mehr darum, dass sie wohl besser beinahe kaum Kontakt haben durften, solange keine Ehe geschlossen wurde.

  • "Was sie tun wollen... Was sie...", wiederholte Caenis mit bebender Stimme. "Crassus, ich bitte dich. Wir können nicht. Wir dürfen nicht. Du weißt das. - Und wenn du das nicht einsiehst- Dann... dann muss ich es eben alleine durchsetzen. Irgendwann wirst du es schon verstehen!", die letzten Worte hatte sie lauter gesagt, als sie eigentlich wollte, aber auch sie konnte sich leicht in so etwas hineinsteigern. Und ruhig bleiben, jetzt, das konnte sie nicht.


    "Ich werde nicht mit dir die Nacht verbringen. Ich werde in einem anderen Cubiculum schlafen als du. Und ich werde morgen früh in die Casa Aemilia zurückkehren. Ohne dich."


    Das war viel zu hart. Das hatte sie nicht sagen wollen. Er würde... Würde er sie jetzt von sich stoßen, nur weil sie ihm nicht mehr geben konnte? Er dürfte nicht! "Ich liebe dich. Bitte Crassus. Bitte! Denk an deine Ehre. Denk an meine Ehre.", flehte sie und klammerte sich fester an seine Brust.
    Sie spürte seine Wärme auf ihrer Wange, hörte den schnellen Herzschlag. Jetzt war es wieder um sie geschehen. Jetzt war ihre ganze Stärke... weggeweht. Wenn er ihr jetzt weiter widersprechen würde, dann würde sie alles machen, was er von ihr wollte. Und wenn er mehr wollte, als bei ihr zu schlafen, sollte es eben so sein. "Ich liebe dich so sehr...", hauchte sie in seine Tunika und wollte nichts sehnlicher, als mehr von ihm zu fühlen...

  • Und auf die Trotzreaktion folgte, wie in seiner Kindheit auch, die Ohrfeige der Mutter, diesmal in Form eines emotionalen Schlags, nicht in sein Gesicht, sondern direkt zwischen die Rippen. Innerlich musste er Luft holen, als wenn wirklich etwas seinen Brustkorb zuschnüren würde. Die Ohrfeige, die ihn wieder ins hier und jetzt zurückholte. Und ihn all die Gefahren erkennen lassen konnte.


    Daher dauerte es auch einige Atemzüge, bis er sich von diesem anfänglichem Schock erholte und Caenis in die Augen sah.
    ,,Du ... Ich liebe dich auch.", waren dann die einzigen Worte, die er imstande war auszusprechen. Zu hart klangen ihre Worte in seinem Kopf nach. Natürlich hatte sie recht, und Crassus wusste das. Für seine Ehre wäre es ihm wohl ziemlich egal gewesen. Von ihm aus, könnten sie alle zum Pluto gehen, solange er nur mit Caenis zusammen sein durfte.
    Doch das ausschlaggebende Argument, dass dafür sorgte, dass Crassus seine Meinung wieder änderte, war ihr Ehre. Ihr Wohlergehen und ihr Ansehen in der Gesellschaft. Daran wollte Crassus nicht rütteln, es nicht in Gefahr bringen. Zu schnell konnte es passieren, dass alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen brechen würde, bei dem leisesten Wind von aufkeimenden Gerüchten.


    ,,Du hast ja recht.", klang es nun etwas wehleidig aus seinem Mund. Dann schob er sie etwas von sich weg, um ihr wieder in die Augen sehen zu können und forderte dann eine letzte Erinnerung an diesen Tag ein, indem er ihr einen weiteren Kuss stahl.


    Als er sich wieder von ihr gelöst hatte, wollte er sie wieder hineinführen. ,,Wir sollten wieder rein gehen. Und morgen früh, werde ich dir helfen, sicher in die Casa Aemilia zu gelangen. Aber maximal bis zur Türschwelle, in Ordnung?", dann musste er wieder grinsen und lächselte seine Caenis offen an.

  • "Ja, das klingt gut. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich begleitest. Und wenn dann wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, lade ich dich zum Essen ein und stelle dich meinem Cousin vor, wenn er wieder in der Stadt ist. Was hältst du davon?", antwortete Caenis freudig und erleichtert, dass Crassus nicht weiter auf eine gemeinsame Nacht beharrt hatte. Sie löste sich von ihm und merkte verwundert, wie sehr ihr seine Wärme plötzlich fehlte. Jetzt gab es wirklich kein zurück mehr. Sie wollte ihn nie wieder missen müssen.
    Ein letztes Mal für den Abend, vielleicht sogar die nächsten Tage, legte sie eine Hand auf seine Schulter und gab ihm einen kleinen und zärtlichen Kuss.


    Dann drehte sie sich in Richtung des Eingangs zur Casa, ging darauf zu und betrat zum zweiten Mal an diesem Abend das Innere. Sie wollte auf direktem Wege zur Petilia, um ihr zu sagen, dass sie nicht mit Crassus ein Zimmer, sondern, wie vom Hausherren vorgeschlagen, mit dessen Tochter zusammen ein Cubiculum teilen wollte.

  • Das beruhigte Crassus bereits um einiges, dass Aemilia nicht alleine den Rückweg zu ihrer Casa suchen wollte, sondern sich von Crassus und mit ihm selbstverständlich einiger starker Sklaven begleiten ließ. Egal ob aus dem iulischen Bestand, oder als Leihgabe des Petilius.
    ,,Ich freue mich schon jetzt auf eine Nachricht von dir.", antwortete Crassus ihr und lächelte dabei, bis sie sich ihm näherte und sich ihre Lippen wohl das letzte Mal für diesen Tag trafen. Hoffentlich konnten sie das in Zukunft öfter wiederholen.


    Kurz darauf drehte Caenis sich dann um und ging zurück ins Innere und Crassus folgte ihr, mit etwas Abstand.
    Drinnen angelangt, trennten sich dann ihre Wege und der junge Iulier suchte seinen Weg in Richtung des Cubiculums, des männlichen Nachfolgers des Petilius Sophus. Wie doch nur gleich nochmal sein Name? Petilius, klar. Aber wie komplett? Hatte er es schon gewusst, gehört oder vernommen und einfach nur verdrängt, oder konnte er es noch garnicht wissen? Keine Ahnung! Das Einzige, das momentan noch in Crassus Kopf Platz hatte, war Aemilia Caenis. Ihre weichen Lippen, ihre samtene Haut. Sie ließ ihn einfach nicht mehr los. Er würde alles dafür geben, nicht unnötig lange von ihr getrennt zu bleiben.

  • Ad
    Quintum Petilium Rufinum

    Domus Petilia
    Rom - Italia



    Wer das Siegel brach, konnte das Schreiben lesen.



    Der Imperator Caesar Augustus, Tiberius Aquilius Severus Augustus, der Caesar Appius Aquilius Bala sowie die Augusta Veturia Serena laden dich, Petilius Rufinus, nach deiner erfolgreichen Teilnahme an dem Redewettstreit des Konsuls Flavius Gracchus, zu einer Cena in ihr Haus ein. Die Cena findet statt an den


    KAL IUL DCCCLXVI A.U.C. (1.7.2016/113 n.Chr.)


    Zeige dieses Schreiben bei der Torwache als Legitimation vor.



  • Orator Petulius Rufinus, Domus Petilia, Roma, Italia


    Orator Sergius Plautus Oratori Petulio Rufino salutem dicit.


    Es ist mir eine ganz große Freude, durch Deinen Brief erfahren zu haben, dass Du meinen Gedanken eines Bundes der Oratores, der im Kern ja eigentlich im Kopf des Orators Decimus enstand, nun ohne viel Aufhebens in die Tat umgesetzt hast.


    Die Schinken, die Du mir abspenstig machen willst, werden in der Tat von einem Sugambrer namens Notker hergestellt und sind dank der Rezeptur äußerst haltbar. Weil dieser Notker dazu noch ein fleißiger Mann ist, kann ich die gefragte Menge auch ohne Umschweife liefern. Alles Zufälle, die ich dem Wohlwollen der Götter verdanke.


    Zweifellos wird mir die Großzügigkeit Deines Patrons bei diesem Geschäft eindrücklich in Erinnerung bleiben und meine Taten lenken, die Götter sind meine Zeugen.


    Vale, Petilius und tu mir den Gefallen, meine Grüße auch an Deinen Patron weiter zu geben.


    Galeo Sergius Plautus


    Galeo Sergius Plautus, Casa Sergia, Roma, Italia

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