Durch die Narbonensis

  • Während Haakon und Undorich den Dieb fröhlich durch die Gassen verfolgten, herrschte bei den Wägen nicht weniger Hektik. Wie der Alte befohlen hatte, blieb er mit gezücktem Schwert vor dem Schutzkreis stehen und achtete darauf, dass niemand sich hindurch drängte. Angesichts der Mauer aus germanischen Leibern, Schwertern und Spießen hatte daran aber sowieso keiner Interesse, selbst wenn die Schaulustigen immer mehr wurden. Sie hielten sogar so viel Abstand, dass Lucius es nach einiger Zeit sogar etwas langweilig wurde und er fast wünschte, dass es einen Dummen gab, den das Gold im Dreck so sehr anzog, dass er einen Durchbruch versuchte. Sein Vater hatte ihm eingebläut, wie man eine Linie hielt und bei der Miliz-Ausbildung hatte er auch gesehen, wie man sie ausrichtete! Er wäre also bestens gewappnet...


    Allerdings bekam er keine Gelegenheit, denn als Haakon und einer der ungewaschenen Milizionäre aus einer Gasse kamen, stand er immer noch in seinem matschbespritzten Mantel vor den Männern und beobachtete, wie dahinter die Münzen gesammelt wurden. Deshalb erschrak er auch etwas, als plötzlich zwei Gestalten in seinen Augenwinkeln auftauchten, die offensichtlich den Sicherheitsabstand durchbrachen. Blitzschnell drehte er sich um und streckte das Schwert aus - um dann zu erkennen, wen er vor sich hatte.


    "Wo kommt ihr denn her?"


    fragte er feindselig. Haakon war ein Klient seines Vaters - aber er war auch ein gemeiner Germane, dem alles zuzutrauen war. Wenn er bemerkt hätte, dass der "Kommandant" der Eskorte fehlte, wäre der junge Petronier wohl davon ausgegangen, dass er sich ein paar Aurei geschnappt und das Weite gesucht hatte. Das war jetzt aber auszuschließen, denn danach wieder zurückzukehren war ziemlich irrational - hier in der Stadt würde man ihn sowieso nicht kennen und er konnte wahrscheinlich bequem untertauchen. Was also wollte er?

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  • Lucius mochte es langweilig werden - für Crispus im inneren des Kreises war das Gegenteil der Fall: Diese Goldmünzen waren eine Menge wert und wenn er sich vorstellte, aus Unachtsamkeit auch nur eine hier im Dreck zu verlieren, würde er sich im Nachhinein wohl selbst in den Arsch beißen. Also steckte er sein Schwert weg und half mit, sie alle wieder zu finden. Auch wenn er das Wühlen den einfachen Söldnern und Dienern überließ, schritt er den Kreis in gebeugter Haltung ab - was ihn daran erinnerte, dass sein Kreuz auch nicht mehr das beste war. Aber all das war egal - wichtig war der Auftrag! Und da war es ab und zu doch auch mal nötig, mit den Fingern ein bisschen Schmodder beiseitezuschieben, um einen Stein von einem Aureus zu unterscheiden.


    Dazu mussten weitere Dinge organisiert werden: Der alte Petronier schickte einen der Decurionen zurück in die Stadt, um einen Ersatzwagen zu organisieren. Außerdem brauchten sie eine neue Kiste, denn ihre bisherigen Funde hatten sie in den intakten Teil der aufgebrochenen Kiste gesteckt, der aber nicht besonders stabil wirkte.


    Als Haakon dann zurückkehrte, war aber immerhin alles gefunden - oder zumindest sahen die Wachmänner mit ihrem dreckverschmierten Händen ziemlich ratlos aus und auch der scharfe Blick des Alten konnte es nirgendwo mehr funkeln sehen.


    Deshalb schob er sich nun durch den Schutzwall aus Milizionären nach draußen, wo Lucius seinen Klienten bereits gestellt hatte. Erwartungsvoll stemmte er die Fäuse in die Hüfte.


    "Haakon, wo kommt ihn denn her?"


    fragte er - ohne zu wissen, dass er genau die gleichen Worte benutzte wie sein Sohn vor ihm.

  • Kaum am Kreis der Männer angekommen, wurde er sofort von dem Sohn seines Patrons, dem jungen Petronius Crispus gesehen und aufgehalten. Sein Tonfall gefiel Haakon garnicht. Was dachte der bitte, was er mit Undorich gerade getrieben hätte?
    Gerade wollte er eine schlagfertige Antwort geben, die kein grünes Blatt an dem jungen Petronius gelassen hätte, da stieß auch Petronius Crispus Maior zu ihnen und überfiel Haakon mit den selben Worten, wie zu erst Lucius. Wie der Vater, so der Sohne, eh?!
    Doch die Antwort auf Lucius Frage verkniff sich Haakon dann, denn im Angesicht seines Patrons wollte er nicht negativ auffallen.


    "Schau mal, was wir, also ich und...", dann blickte er rüber zu Undorich. "... Undorich hier gefunden haben." Haakon grinste schelmisch, als er die Münze aus seiner Tasche fingerte, sie kurz an einer sauberen Stelle seiner Kleidung rieb und sie dann gold-glänzend seinem Patron unter die Nase hielt. "Der Dieb ist nicht weit gekommen damit."
    'Der Dieb, den dein Stümper von einem Sohn, nicht verfolgen konnte, weil er auf seinem Rockzipfel ausgerutscht war.', fügte er in Gedanken an und blickte dabei noch einmal scharf zum Petronius Minor herüber. Dass dieser ihn der Art feindselig wieder 'begrüßt' hatte, saß noch auf Haakons Leber, wie die Laus. Nur läuft die zumindest weiter.

  • Crispus blickte von einem zum andern, bis Haakon plötzlich die Münze hervorholte - wo hatte er die denn her?


    "Ein Dieb? Den hab' ich gar nicht bemerkt!"


    Er grinste schief und klopfte seinem Klienten anerkennend auf die Schulter.


    "Gut, dass ich dich mitgenommen hab' - sonst wär' der Kaiser jetzt um hundert Sesterzen ärmer!"


    Dann drehte er sich zu Undorich.


    "Saubere Arbeit, junger Mann!"

  • Lucius kam sich ein bisschen nachgeäfft vor, als sein Vater so in die Runde platzte. Allerdings wusste er sehr gut, dass er sowieso nichts dagegen tun konnte, dass der Alte jetzt wieder das Kommando an sich riss - womit auch klar war, dass die Ausflüchte mit der Goldmünze sofort zogen. Sein Vater war ein harter und strenger Mann, aber er war nicht grade der Hellste - es war doch offensichtlich, dass es tausende Möglichkeiten gab, wie der Aureus in Haakons Tasche gekommen war. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden wirklich seinen Dieb verfolgt hatten, lag genauso hoch wie die, dass einer von beiden selbst der Dieb gewesen war und der andere ihn zurückgeholt hatte. Immerhin waren das hier Barbaren, die ihre schmutzigen Finger sicherlich einfach nicht von funkelnden Dingen halten konnten. Wahrscheinlich hatten sie sich auf dem Rückweg abgesprochen, denn Germanen waren ja nicht nur gierig, sondern auch verschlagen - das wusste schon Tacitus!


    Dass sie jetzt aber auch noch versuchten, sich als unersetzliche Spürhunde aufzuspielen, setzte dem ganzen die Krone auf - da machte Lucius nicht mit! Er hatte doch den Dieb gesehen und - gesetzt den Fall, sie hatten tatsächlich zusammen einen Dieb verfolgt - durch sein Rufen auf ihn aufmerksam gemacht! Wenn der verdammte Mantel nicht gewesen wäre, hätte er ihn sogar selbst erwischt!


    "Naja, den Dieb habe ich entdeckt!"

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  • Haakons Miene erhellte sich und er lächelte zurück, als sein Patron ihn lobte und ihm dabei auf seine Schulter klopfte. So war der Einsatz wenigstens nicht gänzlich umsonst gewesen, wenn man mal von dem reinen Wert der Münze absah.
    Kurz nachdem sein Patron auch Undorich gelobt hatte, meldete sich wieder sein Sohn dazwischen, der noch immer neben den Dreien stand und offensichtlich nicht wirklich damit einverstanden war, dass Haakon und Undorich solch eine Anerkennung bekamen.


    Innerlich applaudierte Haakon für den jungen Petronius auf eine äußerst sarkastische Art und Weise und blickte ihn dabei etwas mitleidig an. Hätte er nicht im Dreck gespielt und wäre dem Dieb gefolgt, dann läge er jetzt wahrscheinlich tot in der Gosse. Niedergemacht von den raubeinigen Fuhrknechten, mit denen Undorich und Haakon es zu tun bekommen hatten, als sie den Dieb 'stellten'. Vielleicht bekam er auf der Reise noch einen unbeobachteten Moment, um es diesem arroganten Deppen ins Gesicht zusagen, doch unter den Augen seines Patrons, wollte Haakon jetzt kein Fass aufmachen. Er hatte ihn gerade erst gelobt, da wollte er nicht direkt wieder negativ auffallen.


    "Ja, das stimmt. Hätte dein Sohn uns nicht auf ihn aufmerksam gemacht, wäre er wohl entkommen, Patron.", sagte Haakon dann in einem auffallend neutralen Tonfall.

  • Crispus sah abschätzig zu seinem Sohn - was wollte er denn jetzt damit sagen?


    "Dann hättest du ihn mal besser selbst verfolgt! Zurück, sorg' dafür, dass die Leute sich wieder formieren!"


    Neid hielt der alte Petronier nicht gerade für eine Zierde und dass sein Sohn Haakon seine Leistung offensichtlich nicht gönnte, erweckte bei ihm nur Verachtung.


    "Naja, wie auch immer - gut gemacht, wie gesagt. Und jetzt zurück an die Arbeit - wir müssen das Zeug auf den anderen Karren verladen und endlich auf den Fluss zurückkommen!"

  • Immerhin hatte Haakon den Anstand, das nicht zu bestreiten - aber das sagte natürlich nichts darüber aus, was wirklich hinter all dem gesteckt hatte. Der Alte zeigte allerdings weniger Verständnis und fuhr ihn auch noch an - obwohl er die Wahrheit gesagt hatte, die sogar von dritter Seite bestätigt worden war. Aber dass sein Vater sich für Gerechtigkeit interessierte, wäre ja auch eine Neuigkeit gewesen.


    Also biss er die Zähne zusammen und drehte sich wortlos um. Missmutig stapfte er die zwei Schritte zu dem Schutzkreis zurück, der sich aufzulösen begann, nachdem offensichtlich nichts mehr direkt zu verteidigen war.


    "Was steht ihr hier so blöd rum? Los, ladet den Scheiß auf den Karren da!"


    fuhr er die herumstehenden Milizionäre an - das war ja wieder typisch: Sobald man mal nicht hinschaute, lungerten alle herum! Und die anderen Decurionen waren natürlich auch wieder keine Hilfe, die waren ja zu sehr damit beschäftigt mit großen Augen auf die gebrochene Achse zu starren - alles Idioten...

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  • Auch Crispus machte sich schließlich wieder an die Arbeit. Wie er feststellte, war der Ersatzwagen tatsächlich schon da und Lucius scheuchte bereits ein paar Leute herum, die Kisten umzuladen. Da hier alles zu funktionieren schien, machte er selbst sich daran, mit dem Spediteur zu verhandeln, dem der kaputte Wagen zurückgebracht werden musste. Dabei begleiteten ihn ein paar weitere Decurionen mit etwas mehr Erfahrung im Feilschen, sodass sie diesmal nicht ganz so abgezockt wurden wie sonst.


    Einige Stunden später standen sie schließlich wieder auf einem Flussboot, das sich langsam im Strom des Rhodanus Richtung Meer bewegte. Auch wenn Crispus fest überzeugt war, dass sie alles aufgesammelt hatten - er hatte es ja mit eigenen Augen beaufsichtigt - gab er nun, da sie ein bisschen Zeit hatten, dem Wunsch der anderen Decurionen nach und ließ das Gold aus der zerbrochenen Kiste nochmals zählen. Es stellte sich heraus, dass zwei Aurei fehlten - das war wohl das Opfer an Mercurius, den Gott der Diebe, das sie aus irgendeinem Grunde hatten zahlen müssen...


    Aber immerhin würde es nun fast ausschließlich auf Fluss und See weitergehen - da war es für Diebe weitaus schwieriger, unentdeckt zu bleiben...

  • Das Meer! Lucius hatte es noch nie gesehen und war doch ein wenig erstaunt, als er es so vor sich sah. Natürlich hatte er schon davon gehört - aber es war doch irgendwie anders, als er es erwartet hatte. Natürlich hatte er sich beim Grammaticus mit der Odyssee herumärgern müssen und auch die Aeneis erzählte ja von einer Irrfahrt und den Gefahren des Meeres. Aber jetzt, wo er es so vor sich hatte, wirkte es trotz allen Seegangs sehr ruhig und friedlich. Und glatt am Horizont. Wenn er recht überlegte, war das wirklich das erste Mal, dass er den reinen Horizont sah, ohne Wälder, Berge, Hügel oder sonstwas - die Welt hörte einfach auf! Dabei wusste er, dass dies keinesfalls das Ende der Welt sein konnte, denn hinter dem Mare Nostrum wartete ja noch Africa! Nur warum sah man es nicht, obwohl der Himmel heute absolut klar war?


    Diese Frage beschäftigte ihn doch etwas, während sie Massilia erreichten, wo es wieder einmal ans Umsteigen ging - denn jetzt würden sie tatsächlich aufs Meer wechseln und dort die italische Halbinsel hinuntersegeln...

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  • Für Crispus war auch das Meer mindestens genauso beeindruckend wie für Lucius - obwohl er es schon einmal gesehen hatte. Allerdings war das zu einer Zeit gewesen, als er eher in Lucius' Alter gewesen war und sich von Tarraco aus auf dem Weg zur Legion nach Colonia Agrippinensis gemacht hatte. Dazwischen hatte er auch einmal das Meer gesehen - damals, als sie mit der Neunten gegen Piraten gekämpft hatten und das Wasser des Nordmeeres mit Blut getränkt hatten. Aber das war kein Vergleich zum Mare Nostrum - seinem Meer, das seine alte mit der neuen Heimat verband! Für einen Moment fragte er sich, ob er die Gelegenheit nicht nutzen sollte, von hier aus nach Westen in See zu stechen und seinen Lebensabend in Tarraco zu verbringen. Die Petronier hatten eine hübsche Villa Rustica dort, wo er mit seinem Bruder, seinem Onkel, seiner Cousine und all den anderen fröhliche Jahre erlebt hatte...


    Aber dann holte ihn die Realität wieder ein - er war ein angesehener Bürger Mogontiacums, hatte dort Betriebe, ein Haus, sogar einen Bauernhof mit Grund - ein Geschenk des Kaisers - und Freunde und alte Kameraden! In Tarraco dagegen lebte niemand mehr, von dem er in den letzten zwanzig Jahren gehört hätte - was wollte er dort? Also blieb ihm nur ein Seufzen, während er sein Pferd antrieb, denn da der Rhodanus nicht direkt in der Hafenstadt Massilia lag, hatten sie wieder ein Fuhrunternehmen in Anspruch nehmen müssen.


    Kurze Zeit später erreichten sie Massilia, die ehemals griechische Kolonie. Dessen wurde sich der Alte aber erst bewusst, als er die Leute auf der Straße reden hörte - denn dort tauchte Griechisch gefühlt ähnlich häufig wie Latein. Vor knapp vierzig Jahren, als er zum ersten Mal hier gewesen war, war es noch extremer gewesen und er hatte fürchterlich Probleme gehabt, weil er weder damals noch heute auch nur ein paar Brocken Griechisch konnte. Deswegen hatte er Lucius ja auch zu einem vernünftigen Grammaticus geschickt, der nicht nur Latein, sondern auch Griechisch lehrte...


    Heute würden sie das allerdings nicht brauchen, denn auch wenn die Kapitäne hier teilweise auch Griechen oder andere Ostländer waren, sprachen sie doch alle zumindest so viel Latein, dass man in dieser Sprache ihr Schiff chartern konnte. Und so dauerte es auch nicht sehr lange, bis sie den nächsten Punkt der Etappe gebucht hatten und Segel setzten, um endlich das Heimatland der Römer anzusteuern: Italia!

  • Als sie am Tag nach ihrer Ankunft das Schiff bestiegen, hatte Lucius seine Überlegungen zur Glätte des Meeres schon wieder vergessen. Stattdessen dachte er über etwas wesentlich uninteressanteres, dafür aber auch unmittelbareres nach - Griechisch. In Mogontiacum hatte er durchaus griechischsprachige Leute getroffen und auch auf ihrer Reise war ihnen ab und an mal so jemand über den Weg gelaufen - aber hier war doch der erste Ort gewesen, in dem man diese Sprache einfach so auf der Straße benutzte. Sein eigenes Griechisch war miserabel - er verstand bestenfalls Wortfetzen. Als dann der Alte am Abend auch noch auf die Idee kam, dass er doch ein bisschen seine Sprachkenntnisse üben könnte, weckte das nur noch mehr Widerstand im dem jungen Petronier - er hasste Griechisch, er hasste Plaudern und er hasste Fremde! Warum sollte er sich also eine Plauderei mit einem dumpfen Seemann von irgendeiner der unzähligen griechischen Inseln antun? Was interessierte ihn die Fischausbeute des letzten Jahres oder die Windqualität oder die beste Hafenhure? Zum Glück hatte sein Vater relativ schnell die Lust verloren ihn zu nerven, sodass er um diesen Quatsch herumgekommen war. Stattdessen hatte er einige Becher Wein gebechert und mit Armin darüber philosophiert, dass das Gebräu hier auch nicht viel besser war als in Mogontiacum - was aber wohl daran lag, dass sie dort auch meist Importwein tranken.


    Heute aber erinnerte ihn nur noch ein pulsierender Schädel an die Weinprobe vom Vorabend, denn seine Erinnerung war auch etwas schwammig - wieder so ein seltsames Phänomen der Natur. Warum vergaß man Dinge, wenn man viel Wein trank? Dasselbe ließ sich auch beim Bier beobachten, aber das war weitaus weniger schlimm - eben alle Getränke, die einen Rausch verursachten. Ob der Zusammenhang dazwischen wirklich eine feste Koppelung war, konnte er nicht sagen - das würde er vielleicht auch eines Tages mit einem Experiment verifizieren müssen...


    Kurz darauf stand er an der Reling des Schiffes und sah zurück auf den Hafen von Massilia, die kühle Seeluft um die Nase und Armin an seiner Seite. Dem Sklaven sah man förmlich an, dass er gestern ein bisschen zu tief in den Weinbecher geschaut hatte - das musste wohl auch mit dem Temperament zusammenhängen: Armin als Germane vertrug Wein eben wesentlich schlechter als er selbst - das Erbe des Aeneas vielleicht...

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  • [Blockierte Grafik: http://img862.imageshack.us/img862/1286/arminjungklein.jpg]|Armin [NSC]


    Für Armin war die Reise vor allem eines gewesen: spannend! Er war noch nie in seinem Leben so weit von Mogontiacum weggekommen und hatte tausende Dinge gesehen, die ihn einfach nur beeindruckten - zuerst Borbetomagus, seine eigentliche Heimat (leider nur vom Schiff aus, denn sie hatten dort keinen Halt gemacht), dann die unzähligen unterschiedlichen Städte am Rhenus, ein richtiges echtes Gebirge, dann den Wahnsinns-Bergsee der Allobroger, er hatte erstmals eine Provinzgrenze passiert, hatte die Unterschiede der gallischen und germanischen Dörfer bemerkt, sich über die seltsame Sprache amüsiert (auch wenn in Mogontiacum auch sehr viele Gallier lebten, sprach man hier unten doch einen ziemlich komischen Dialekt) und sah nun innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal die größte Wasserfläche seines Lebens. Wie er sich aus den Erzählungen des Alten erinnerte, hatten die Römer von hier aus begonnen ihr Imperium aufzubauen. Und auf dem Meer, das vor ihnen lag, hatten sie die Karthager niedergerungen, die angeblich ein noch härterer Brocken gewesen waren als die Germanen - was Armin sich aber nicht vorstellen konnte, denn immerhin gab es die Germanen noch, während die Punier mehr oder minder verschwunden waren. Zumindest behauptete der Alte das.


    Sicherlich war es an Bord nicht immer spannend gewesen - aber Armin hatte sich im Gegensatz zu Lucius die Zeit damit vertrieben, Kontakte mit allen möglichen Leuten zu knüpfen - mit den Dienern der anderen Gesandten, mit den Flussschiffern, den Maultiertreibern und so weiter und so fort. Abends in den Mansiones war er zwar meistens bei Lucius gesessen und hatte ihn etwas unterhalten - sein Herr fand ja immer so schlecht Anschluss und irgendjemand musste sich ja um ihn kümmern - aber immerhin konnte man mit ihm ganz gut einen über den Durst trinken. Und das hatten sie auch gestern getan, wie er heute sehr deutlich spührte - sogar das leichte Bündel, das er für Lucius auf das Schiff getragen hatte, hatte sie unendlich schwer angefühlt und ihm den Schweiß auf die Stirn getrieben. Wahrscheinlich würde er heute noch ins Mare Internum kotzen... - verdammter Wein! Bier vertrug der Vangione wunderbar - da trank er Lucius locker unter den Tisch und stand am nächsten Morgen auf, als wäre nichts gewesen. Aber Wein... da gingen bei ihm schnell die Lichter aus.


    Dumm nur, dass er jetzt ins Land der Weintrinker umziehen würde. Der Alte hatte ja beschlossen, dass Armin Lucius begleiten würde - was sicherlich keine dumme Idee war. Lucius war ganz sicher nicht blöd, aber mit Menschen kam er nicht sehr gut zurecht. Sicherlich würde er sich schon irgendwie durchschlagen - aber ohne jemanden, der ihn ab und zu bremste oder an ein paar grundsätzliche Dinge erinnerte, würde er sicherlich nie zum Eques werden, sondern in einem Knast landen. Wahrscheinlich wegen Totschlags. Also war es wohl ganz gut, wenn Armin nicht von seiner Seite wich. Und außerdem war es sicherlich nicht das Schlechteste, den Alten mit seiner knallharten Haustyrannei hinter sich zu lassen und stattdessen in die größte Stadt der Welt zu ziehen. Sicherlich - er würde damit seine wahre Heimat verlassen, die - anders als bei den Petroniern - auch die Heimat aller seiner Vorfahren war. Aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte er von der germanischen Kultur nicht viel mehr mitbekommen als von der römischen. So lange er sich erinnern konnte, lebte er im Haushalt der Petronier und hatte Lucius' Los geteilt - sie waren zusammen in der Schule gewesen (auch wenn Armin ganz hinten saß und niemals aufgerufen oder geprüft worden war), hatten zusammen die brutale Grundausbildung des Alten über sich ergehen lassen, waren zusammen um die Häuser gezogen und sogar im selben Zimmer geschlafen. Es würde für ihn also bestimmt nicht schlimmer werden als für Lucius.


    Aber trotzdem, als er die Landmasse, auf der er sein ganzes Leben gelebt hatte, so davonziehen sah, wurde er schon ein bisschen melancholisch. Allerdings nicht lange - denn sehr bald wurde ihm schlecht und er weihte seinen ersten Tag auf hoher See mit der Ausscheidung des süßen Weins vom Vortag ein. Danach ging es ihm aber wieder etwas besser...





    SKLAVE - MARCUS PETRONIUS CRISPUS

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