[Cubiculum] Lucius Helvetius Corvinus et Susina Alpina

  • Mit banger Sorge sah Alpina nach dem Wesen von dem das wimmernde Geräusch kam und wartete auf die Bestätigung, dass ihre Tochter gesund war. Silvanas und auch Timarchas beruhigende Worte führten dann dazu, dass sie sich wieder auf ihre letzte Aufgabe im Geburtsvorgang besinnen konnte. Sie presste die Plazenta mit den Nachwehen hervor. Auch dieser galt ein sorgenvoller Blick, denn nur wenn sie intakt war, konnte Alpina sich sicher sein, nicht noch eine schmerzhafte Prozedur vor sich zu haben. Doch alles schien in Ordnung zu sein.


    "Bitte, gib sie mir!", flehte Alpina die Schwiegermutter an.


    Ungeduldig wartete sie bis Timarcha ihr das kleine Mädchen in den Arm drückte. Den Kuss erwiderte sie mit einem Lächeln, doch wichtiger war jetzt der erste Kontakt mit ihrer Tochter. Sie schob sanft die Decke beseite und sah in wunderschöne dunkle Knopfaugen. Diesen Anblick würde sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Wie schön sie war. Ein perfekter kleiner Mensch. Alpina untersuchte alles: 5 Finger an jeder Hand, 5 Zehen an jedem Fuß, zwei Ohren, eine Nase, ein Mund. Da war ein Muttermal an der Hüfte, das ihr auch schon bei Corvinus aufgefallen war. Er würde also kaum in Zweifel ziehen können, dass dies hier sein Kind war. Auf ihrem Köpfchen wuchs ein zarter dunkler Flaum. Liebevoll betrachtete Alpina die Stupsnase und die fein geschwungenen Lippen.


    Jetzt erst hatte sie die Muße, sich ihren beiden Helferinnen zuzuwenden.
    "Vielen, vielen Dank, Runa! Ich glaube ohne deine Hilfe, wäre es nicht so gut ausgegangen. Ich bin dir unendlich dankbar. Und dir natürlich auch, Timarcha. Entschuldige, Lana, ich habe dich noch nicht erwähnt, aber auch du hast deinen Beitrag geleistet. Danke euch allen."


    Die Kleine sah ihre Mutter neugierig von unten herauf an. Sie schien nicht schreien zu wollen. Alpina nahm es lächelnd zur Kenntnis. Nun, sie war kein Junge. Da galt der kräftige Schrei als Zeichen für spätere Stärke und Durchsetzungskraft. Das hatte die kleine Maus hier nicht nötig. Ihre Waffe würden einmal die schönen Augen sein und das Wissen darum, wann es Sinn machte, die Stimme zu erheben und wann man besser schwieg. Schon jetzt schien sie eine Meisterin dieser Kunst zu sein.


    Alpina lauschte Timarchas eigenartiger Bitte an Silvana, sie gleich nach den Riten im Garten sprechen zu wollen, und runzelte die Stirn. Einmischen wollte sie sich jedoch nicht. Deshalb bat sie stattdessen Timarcha: "Würdest du wohl nachsehen, ob Corvinus da ist? Ich würde ihm gerne seine Tochter zeigen."

  • | Decria Timarcha


    gemeinsam mit


    | Helvetia Coriolana


    Ganz die stolze Mutter betrachtete Alpina ihre kleine Tochter. Wenn Timarcha daran dachte, wie sie das erste Mal ihre Kinder im Arm hielt, hellte sich ihr Gesicht ebenso auf und daher auch jetzt. Wie gut konnte sie Alpina verstehen, denn es war immer etwas ganz besonderes, das erste Mal das eigene Kind im Arm zu halten. Auch von ihr erfolgte nochmal die Untersuchung. Die Arme, Hände, Füße und das Gesicht der kleinen wurden nochmal überprüft und da alles da war, wo es hingehörte, schien auch Alpina sich deutlich zu entspannen.


    Nichts zu danken, meine Liebe. Wenn ich meiner Schwiegertochter helfen und mein Enkelkind auf die Welt bringen kann, ist das doch selbstverständlich.


    Auch hier bildete sich wieder mütterlich-milde Ausdruck auf Timarchas Gesicht. Die junge Frau hatte alles gegeben, um die kleine Helvetia zur Welt zu bringen. Das rechnete Timarcha ihr hoch an. Lana hingegen errötete leicht, denn eigentlich hatte sie ja längst nicht so viel gemacht, wie ihre Mutter und Silvana. Dann allerdings wurde Timarcha wieder ernster.


    Würdest du bitte schauen, Coriolana? Aber er soll draußen warten, wenn er da ist, ja?


    sagte sie und schon kurz nachdem die junge Helvetia aus dem Raum verschwunden war, wandte sich Timarcha wieder Alpina zu.


    Ich kann leider nicht zulassen, ihn jetzt schon hereinzuholen, meine Liebe. Gleich im Atrium werde ich ihm das Kind, so wie es Tradition ist, vor die Füße legen, damit er entscheiden kann, ob er es als seines annimmt. Danach wird er es dir bestimmt sofort zurückbringen und erst dann kannst du ihn auch sehen. Vorher muss aber der Tradition genüge getan werden.


    Es war kein leichter Moment, das wusste Timarcha selber zur genüge. Das Kind jetzt noch abzugeben und dann der doch immer leise nagende Zweifel, wie der frischgebackene Vater nun auf das Kind reagieren würde. Die Decria hatte aber keinen Zweifel daran, dass Corvinus das Kind annehmen würde. Ansonsten würde er nämlich auch einen Tritt in den Hintern bekommen, da das Kind nunmal definitiv seins war.

  • Runa war sichtlich geschafft, jetzt wo die Anspannung von ihr abfiel konnte man deutlich das Zittern ihrer Hände sehen.
    Sie lächelte Alpina kurz an. „Das war doch selbstverständlich.“
    Ihrer Schwiegermutter erwiderte sie. „Ich würde mich gern erst frisch machen.“ Ja Runa sah wirklich nicht gerade vorzeigbar aus, ihre Tunika war mehr als nur etwas in Mitleidenschaft gezogen. Sie würde sich also zumindest umziehen, bevor sie in den Garten gehen würde.
    Aber zunächst galt ihre Aufmerksamkeit Alpina. Während sich Decria Timarcha um das Kind kümmerte, war es Runa, die Alpina mit dem bereitgestellten Kamillensud wusch und ihr dann acuh Tücher zwischen die Beine legte. Runa war nur froh, das sie nichts erklären musste, denn Alpina wusste ja genau was sie da tat. Als Timarcha dann mit der Kleinen das Zimmer verließ, half Runa ihrer Freundin auf um sie gleich danach in ihr Bett zu legen.
    „Sie ist wirklich perfekt, dass hast du gut gemacht. Und Corvinus wird sicher gleich kommen. Der platz bestimmt vor Stolz.“ Runa strich Alpina noch die Haare aus dem Gesicht, legte ihr ein Kissen in den Rücken, so das sie es wirklich bequem hatte. „Ich werde mich mal umziehen gehen. Lana...“ Ja jetzt wo ihre Schwiegermutter nicht im Zimmer war nannte sie ihre Schwägerin bei ihrem Spitznamen. „.. bleibst du bitte bei ihr.“ Runa hauchte Alpina noch einen Kuss auf die Stirn. „Wir sehen uns später.“ Und verschwand um sich frisch zu machen und vor allem um durchzuatmen.

  • Nachdem er alles, was irgendwie hätte Krach machen können - die Messer, die beiden warmen Umhänge und die Stiefel - im großen Atrium zurückgelassen hatten, schlichen Silvana und Curio so leise wie möglich in den rechten Wohnbereich. Schon im Vorraum war das laute Schnarchen seines Bruders zu hören - und einen Augenblick fragte er sich, wie Alpina und die Kleine dabei schlafen konnten. Der einzige Vorteil daran war, dass dadurch die meisten Geräusche der beiden nächtlichen Besucher überdeckt wurden. Noch bevor sie eintraten, hielt Curio seine Frau zurück.


    Du schaust nach der Kleinen, ich nach Alpina.


    flüsterte er ihr zu und wartete ab, dass sie ihm dabei zustimmte. Waren sie abgesprochen, konnte das eine schnelle Prüfung werden und je schneller sie wieder draußen waren, desto geringer war die Chance, dass irgendjemand geweckt werden würde.

  • Runa nickte und ging schnell und auf leisen Sohlen schlich sie zur Wiege der Kleinen. Runa streichelte ihr sanft über die Wange, was mit einem kleinen Glucksen beantwortet wurde. Ja der Kleinen ging es gut. Also schlich Runa wieder zur Tür und wartet auf Curio, der nach Alpina sehen wollte.

  • Silvana war die erste, die das Zimmer betrat und direkt zum Bett ihrer Nichte ging. Curio indessen ging langsam auf das große Bett zu, in dem sein Bruder und Alpina schliefen. Am Schnarchen seines Bruders war überdeutlich zu erkennen, dass es ihm zumindest gut ging. Daher ging er so leise wie möglich zur Seite Alpinas. Je näher er kam, desto klarer wurde, dass auch von ihr ein leises Atmen ausging. Dieses war ruhig und regelmäßig und schien gleichzeitig zum Schnarchen von Corvinus zur verlaufen. Mit einem Lächeln verließ Curio dann das Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich. Ein schönes Pärchen sind die beiden, dachte er, nahm seine Frau an der Hand und richtete erst im Atrium wieder leise das Wort an sie.


    Mit Alpina ist alles in Ordnung. Die beiden atmen sogar schon gleichzeitig.


    flüsterte er ihr zu und wartete ab, was sie zu ihrer Nichte sagen würde. Allerdings wäre sie wohl kaum so ruhig, wenn es der kleinen nicht gut ginge.

  • Runa zog Curio wieder aus dem Zimmer heraus. Vor der Tür erst flüsterte sie ihm zu. „Alles in Ordnung mit der Kleinen.“
    Sie nahm sich dann ihren Umhang und ging in Richtung Tür. Natürlich achtete sie darauf, dass ihr Mann ihr folgte. Vor der Casa, nahm sie seine Hand. „Kommt.“ Runa sprach immer noch leise. Ein banger Blick zum immer noch tiefrot gefärbten Mond und schon führte sie ihren Mann hinaus aus der Stadt.

  • Timarcha war mit dem kleinen Mädchen verschwunden und Alpina lauschte angestrengt, ob sie hören konnte, was der frisch gebackene Vater dazu sagte, dass sie ihm "nur" eine Tochter geschenkt hatte.


    Sie wartete, doch aus dem Atrium war kein laut zu hören. Da das Cubiculum der beiden nach hinten hinaus ging und das Fenster doch recht klein war, hörte Alpina nicht den Ausruf der Freude, den Corvinus in die Nachbarschaft schallen ließ.


    Sie wartete und wartete.


    Niemand kam, weder Timarcha, um ihr das Kind zurückzubringen, noch Corvinus. Einzig Lana war zurückgeblieben und stand etwas unsicher herum. Alpinas Herz schlug bis zum Hals. Er war enttäuscht, weil es nur ein Mädchen war. Ganz bestimmt. Sonst hätte sie längst etwas gehört oder er wäre längst bei ihr. Doch er blieb fort.


    Alleine lag Alpina in dem großen Bett an dessen Kopfteil die Bärenfamiilie spielte ohne Kind und ohne den Vater dazu. Die Tränen sammelten sich in ihren Augen.

  • Endlich, Corvinus war es nicht wirklich lange vorgekommen, kam Corvinus mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm zurück ins Schlafgemach der beiden.


    Mit einem Blick der irgendwo zwischen dämlich und total glücklich lag sah Corvinus die beiden Anwesenden Frauen an.


    "Hört mal wie kräftig sie weint! Das wird mal eine richtige Helvetierin!"

  • Endlich! Endlich erschien Corvinus und er sah sehr glücklich aus. Alpina wischte sich die Tränen aus den Augen. Ein zentnerschwerer Brocken fiel ihr vom Herzen.


    Tatsächlich weinte die Kleine auf seinem Arm nun herzzerreißend. Es war wohl alles ein wenig viel für die Neugeborene. Alpina streckte die Arme aus und nahm das Kind entgegen. Mit der Routine einer Hebamme schob sie ihre Tunika hoch und legte die Kleine an die Mutterbrust. Nach anfänglichen Fehlversuchen, die Brustwarze zu fassen zu kriegen, kehrte schließlich Ruhe ein und die frisch gebackenen Eltern konnten das zufriedene Schlucken des Säuglings hören.


    Alpina sah Corvinus selig lächelnd an.
    "Ich hoffe du bist nicht allzu enttäuscht, dass es kein Stammhalter geworden ist."

  • Corvinus gab die Kleine mit leichtem Zögern an Alpina und sah dann zu wie diese das erste mal gestillt wurde.
    Die nun zu hörenden Geräusche waren etwas was Corvinus wohl nie wieder in seinem Leben vergessen würde. Er nahm sich schon jetzt vor sollte er irgendwann mal an einen ganz dunklen Ort kommen z.B. in Gefangenschaft germanischer Barbaren und seine letzten Atemzüge tun. Dann würde er seinen Geist genau an diese Stelle hier schicken.


    Er umarmte die anwesende Lana kurz und gab ihr einen Kuss auf die Stirn
    "Ich danke auch dir für deine Hilfe. Ich glaube aber jetzt kommen wir alleine zurecht."


    Anschließend legte er sich neben Alpina.


    "Ach quatsch. Eine Bärin kann genauso gut einen Stamm halten wie ein Bär", versuchte er mit einem kleinen Scherz Alpinas Sorge zu entkräften.
    Natürlich wäre ein Sohn toll gewesen aber gegen eine große Schwester sprach ja nichts und es sollte ja nicht das einzige Bärchen bleiben.

  • Lana verließ das Cubiculum und Corvinus legte sich zu Alpina, die ihre gemeinsame Tochter stillte. Er entkräftete ihre Bedenken, dass sie ihn mit einem Mädchen enttäuscht hatte, mit einem Scherz. Sie musste grinsen. Ihr Blick glitt über das Gesicht der Kleinen. Der dunkle Haarflaum und auch die Augenpartie ließ keinen Zweifel aufkommen, dass es sein Kind war. Er musste es ebenfalls erkannt haben. Alpina war erleichtert, dass die Tochter dem Vater ein wenig ähnlich sah.


    "Wir müssen einen Namen suchen für die Kleine. Ich habe natürlich schon ein wenig darüber nachgedacht..."
    Alpina sah ihn forschend an, ob auch er sich Gedanken gemacht hatte.


    "Mein erster Gedanke war Alruna gewesen, weil sie doch das Ergebnis eines Alraunenrausches ist... in diesem Namen würde zudem der Anfang von Alwina und der Name meiner besten Freundin Runa stecken, doch ich bin mir nicht sicher, ob du deiner Tochter einen germanischen Namen geben möchtest?"


    Fragend sah sie Corvinus an. Sie wusste um sein zwiespältiges Verhältnis zu den Germanen.
    "Andernfalls, wie wär es mit einem Bärchen? Ursicina? Was hältst du davon?"

  • "Den Hunger hat sie scheinbar schon mal von mir!"


    Als Alpina dann wegen des Namen fragte dachte er kurz nach.


    "Ursicina finde ich wirklich gut...aber wenn die Alruna lieber ist....
    Was hältst du von der folgenden Abmachung. Bei allen Bärenmädchen hast du das letzte Wort und bei allen Bärenjungs ich?"

  • Wieder grinste Alpina. Corvinus konnte einfach nicht ernst sein. Ein wunderbarer Charakterzug, den sie sehr an ihm liebte. Er nahm die Schwere aus jeder kniffligen Situation.Galant ließ er Alpina die Wahl des Namens. Die Gegenleistung bei einem weiteren, dann womöglich männlichen Bärchen, ihm die Namenswahl zu überlassen, nickte Alpina entspannt ab. Dazu musste es ja auch erstmal irgendwann kommen.


    "Also gut. So machen wir es. Dann wird unsere Tochter offiziell Ursicina heißen und rufen können wir sie ja Alruna, wenn dir der Name über die Lippen kommt."
    Sie zwinkerte ihm zu.


    "So viel ich weiß ist es üblich, im Tempel der Iuno einen Sesterz zu opfern. Melden wirst du das Kind ja nicht müssen, denn deines ist es ja ohnehin offiziell erst wenn du die Legio verlässt und den Antrag stellst, dass wir dann deinen Namen tragen dürfen. Da fließt noch viel Wasser den Rhenus hinunter. Und bis ich sie als meine Tochter anmelden kann, müssen auch erst die 40 Tage vergehen, die ich als unrein gelte. Also werden wir zunächst in der Familie den Namen bekannt geben. Wollen wir einen dies lusticus feiern oder willst du lieber auf ein Fest verzichten, so kurz nach Curios Hochzeit?"


    Die Kleine war inzwischen an der Brust eingeschlafen. Alpina zog ihr vorsichtig die Brust weg und strich sanft die Milch von der zarten Gesichtshaut. Dann drückte sie Corvinus das schlafende Mädchen erneut in die Bärenpranken. Sie schmunzelte.
    "Würdest du Susina Ursicina bitte in die hängende Wiege legen?"

  • "Ich kann sie ja auch Ursi nennen oder so", müsste ja irgendwie sowas wie Bärenmädchen bedeuten.


    "Ich glaube das mit Iuno stimmt schon. Die Sache ist nur die...", Corvinus zögerte kurz weil es eigentlich verboten war mit Außenstehenden darüber zu sprechen.
    "Ich folge ja dem Herrn des Lichtes Mithras. Dieser ist aber ein Gott dem nur Männer folgen können. Bedeute das ich meine Tochter anders als meine Söhne nicht in seine Gefolgschaft einführen kann. Ich will Iuno natürlich nicht erzürnen aber es gibt ja sehr sehr viele die ihr nicht opfern bei einem neuen Kind und die sterben ja auch nicht alle oder so. Daher würde ich sagen wenn es dir wichtig ist bekommt Iuno ihren Sesterz, wenn du es aber lieber einer anderen Göttin oder Gott geben möchtest damit sie auf unsere kleine achtet machen wir das."


    Die Sprache kam schließlich auf eine Feier und Corvinus rieb sich den immer noch leicht dröhnenden Schädel von der Feier gestern, dem Gespräch mit dem PC heute vormittag und der Geburt am Nachmittag.
    "Ich feier sehr gerne mit der Familie und noch sind ja auch alle hier. Aber vielleicht sollten wir noch ein paar Tage warten. Bis du dich erholt hast, Curio und Runa sich vielleicht mal wieder aus dem Bett trauen und naja...sich alle ein wenig von der Hochzeit und der Geburt erholt haben. Oder darf man das nicht?"


    Corvinus war durch seine Gefolgschaft zu Mithras und der Erziehung seines Vaters der alles andere außerhalb der Vorbereitung auf den Militärdienst als unwichtig angesehen hat doch erschreckend ungebildet was diese Art Traditionen anging.


    Die größte Aufgabe kam dann allerdings noch aus er seine kleine Tochter wieder in den Armen hatte. Er gab sich große Mühe und legte die kleine vorsichtig in die Wiege. Allerdings blieb seine eine Hand unter der Kleinen und jedes Mal wenn er versuchte sie wegzunehmen musste er Ursci bewegen was die mit leichtem quäken beantwortete. Er sah schließlich zu Alpina rüber und sein Gesicht formte ein deutliches
    `Und was mach ich jetzt?´

  • "Natürlich kannst du sie Ursi nennen", lachte Alpina. Der Spitzname war also schon fest gebucht.


    Dann sprach Corvinus seinen Glauben und die Zugehörigkeit zum Mithraskult an. Sie nickte zunächst ernst, dann grinste sie und zwinkerte ihm zu.
    "Ich nehme auch an, dass Ursi keinen großen Wert darauf legen würde, in einem dunklen Kellerloch, zwischen behaarten Sodatenbeinen mit Fußschweiß und dem Blut eines Stiers zu spielen. Nein, im Ernst. Selbstverständlich werde ich Iuno opfern, ich verdanke ihr viel und in meinem Beruf ist Iuno Lucina die wichtigste Göttin. Aber in meiner Heimat habe ich mit meinem Vater oft Epona geopfert. Die Pferde- und Reitergöttin wäre eine gute Empfängerin für den Sesterz. Denn sie verbindet uns. Du bist der Reitersoldat und ich verbinde sie mit meiner Heimat. Aber wir können damit auch warten, bis ich wieder das Haus verlassen kann. Ein Dankopfer für die geglückte Geburt sollten wir aber unedingt darbringen. Es hätte auch anders kommen können...."


    Als Corvinus bei ihrem Vorstoß mit dem dies lustricus eine Wartezeit anriet, nickte Alpina.
    "Mein Bär, du kannst es ja nicht wissen, aber das Fest der Namensgebung ist ohnehin erst nach dem Abfallen des Nabelrestes. Also nach einer Woche bis neun Tagen. Keine Sorge. Es würde mich freuen, wenn wir das Fest gemeinsam mit deinen Eltern und Geschwistern feiern könnten bevor sie wieder abreisen. Und ich hoffe doch, dass Curio und Runa bis dahin wieder aus ihrem Bett finden." Sie lachte.


    Schließlich legte Corvinus die Kleine in die Wiege und wie es nun mal so ist, wenn "Mann" seine große Hand unter einem winzigen Säugling hervorziehen will, es gelang ihm nicht, ohne Ursicina zu wecken.
    "Ich fürchte, du wirst in Kauf nehmen müssen, dass sie kurz wach wird. Vielleicht lässt sie sich beruhigen, wenn du sie ein wenig streichelst. Wenn nicht, nimmst du sie wieder hoch und bringst sie her. Dann lassen wir Ursi bei uns im Bett schlafen."

  • Ein paar Tage waren ins Land gegangen nun aber wollte Runa endlich nach ihrer Freundin sehen. Ihr Mann, war im Castelum, also würden sie ungestört sein. Mit einem Blumenstrauß voller Herbstblumen bewaffnet betrat sie leise das Zimmer. „Alpina? Bis du wach? Darf ich reinkommen?“ fragte Runa vorsichtig in den Raum hinein, man wusste ja nie. Vielleicht wäre ihre Freundin auch lieber ungestört.

  • "Komm rein, Runa!", rief Alpina erfreut. Und als sie sah, dass Runa sogar Blumen mitgebracht hatte, schwang sie die Beine aus dem Bett. An der Bettkante musste sie dann jedoch zunächst sitzen bleiben, alles drehte sich um sie und Funken stoben vor ihren Augen. Der Blutverlust machte sich noch immer durch Kreislaufprobleme bemerkbar.


    "Es ist schön, dass du kommst. Und was für schöne Blumen du mitgebracht hast! Danke dir! Nimm doch einfach den Wasserkrug da drüben für die Blumen her. Neman kann nachher einen neuen bringen."
    Alpina zeigte auf die Wasserkanne neben der Waschschüssel. Dann deutete sie auf die Hängewiege.
    "Sie schläft!" Und mit dem Stolz der frisch gebackenen Mutter schob sie hinterher: "Sie ist so süß, unsere Ursi! Ach, du weißt ja noch gar nicht, wie unsere Kleine heißen wird, oder? Offiziell wird sie Susina Ursicina heißen, weil Corvinus sich ein Bärchen gewünscht hat. Ich wollte sie ja eigentlich Alruna nennen. Nach der Alraune, der wir dieses kleine Wunder zu verdanken haben und nach Dir! Meiner tapferen Geburtshelferin, der wir zu verdanken haben, dass wir beide am Leben geblieben sind."
    Dass sie auch an Alwina gedacht hatte, verschwieg Alpina der Freundin gegenüber. Runa wusste ja nichts von der Schattenfrau, die immer ein wenig zwischen ihr und Corvinus stand. Sie zuckte die Achseln.
    "Ich fürchte nur, Corvinus kann sich nicht mit einem germanischen Namen anfreunden..."


    Hilflos lächelte Alpna Runa an.

  • Mit ein paar schnellen Schritten war sie bei ihrer Freundin und sah sie fast schon tadelnd an. „Du sollst doch langsam machen.“ Dann aber schloss sie ihre Freundin erst mal herzlich in den Arm, bevor sie die Blumen in den Krug stellt und sie so arrangierte, das Alpina sie gut sehen konnte.
    Dann ging Runa leise zur Wiege. „Sie ist... perfekt.“ Kurz streichelte sie der Kleinen über die Wangen, ganz sanft nur um sie nicht zu wecken. Sie kam lächelnd zu Alpina zurück. „Ursi also hm...“ Ja ein schöner Name. „Ich werde sie wohl Alruna nennen. So hat sie einen Vater der sie Ursi nennt und eine Tante die sie bei ihrem germanischen Namen ruft.“ sagte Runa, bevor sie die Hand ihrer Freundin nahm. „Ich habe das gern für euch getan. Ich hätte mir nie verzeihen können, wenn irh aufgrund meiner Untätigkeit.. du weißt schon. Aber sag wie geht es dir? Es war ja nicht gerade … nun es war sicher sehr schmerzhaft.“ Ja Alpina konnte sicherlich spüren, dass Runa die Geburt immer noch sehr nah ging und sie irgendetwas bedrückte.

  • Natürlich merkte Alpina, dass ihre junge Freundin sehr mitgenommen war von den Erfahrungen "ihrer" ersten Geburt. Alpina war es nicht anders gegangen als sie damals zum ersten Mal ihrer Mutter bei einer Entbindung assistiert hatte. Auch jene Geburt war komplikationsreich gewesen.


    "Runa, was du getan hast, war alles andere als selbstverständlich. Es war sehr, sehr mutig! Und ich weiß, dass dich das Erlebte mit Sicherheit noch eine Weile in deinen Träumen verfolgen wird. Es ist aber nicht so, dass jede Geburt so schwierig und handwerklich herausfordernd ist. Mit Schmerzen ist sie aber in jedem Fall verbunden. Doch was sind schon die Schmerzen, im Vergleich zu dem Glücksgefühl danach. Ich habe Alruna oder Ursicina das Leben geschenkt! Hoffentlich ein langes Leben! Das zählt und die Schmerzen sind schnell vergessen... naja, fast jedenfalls. Natürlich bin ich noch nicht wieder die Alte, das Wasser lassen brennt noch wie Feuer... aber sie ist einfach perfekt und Corvinus hat sich auch gefreut, obwohl sie nur ein Mädchen ist."


    Alpinas Augen strahlten und sie umarmte Runa.
    "Was den Geburtsschmerz angeht... nun ja, den empfinden sicher auch alle Frauen anders. Und bei der ersten Geburt ist natürlich alles noch sehr eng. Da bleibt ein Schmerz nicht aus. Aber wo wir schon bei Schmerzen beim ersten Mal sind. Wie war deine Hochzeitsnacht? Ich bin gar nicht dazu gekommen, nachzufragen..."

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