Officium des Subpraefectus Alae

  • Die Wachen führten Plautus stracks in das Officium des Subpraefectus Alae.


    "Salve Subpraefectus, ich bin Sergius Plautus, der neue Scriba Provincialis. Der Princeps Praetorii schickt mich. Er möchte gerne Aufschluss haben über die Militäraktion, die gerade angelaufen ist und an der auch die Ala II beteiligt ist. Ich war gerade beim Praefectus der Legio II, wo ich mich schon etwas schlau gemacht habe".

  • Der Subpraefectus Alae war ein junger Bursche aus einer neureichen sardischen Familie. Frei nach dem Motto "Wenn die Katze aus dem Haus ist tanzen die Mäuse auf den Tischen" hatte sich der junge Bursche gönnerhaft in sein Officium gesetzt und machte auf Schreibtischheld während sein Kommandeur im Felde war.
    "Salve Bürger." begrüßte er den Mann und trennte sich damit demonstrativ vom Zivilisten ab, "Nun die Truppe ist im Felde. Ärger mit den Barbaren. Was hat man dir bei der Legio erzählt?" fragte er erst einmal nach, nicht, dass er noch was falsches sagte.

  • Etwas gönnerhaft war der Bursche schon, der da von seinem Schreibtisch aus in die Welt guckte. Plautus zwang sich, seine dienstliche Haltung zu wahren. Er schob seine Unterlippe nach vorne.


    "Ich hatte dort die Ehre, mit einem Cornicularius zu sprechen. Der bestätigte mir, dass von der Legio II sechs Kohorten ausgerückt wären, um ein Germanendorf nicht weit von einem Kleinkastell plattzumachen. Die Dörfler hatten es gewagt, das Kastell zu überfallen. Er war der Ansicht, dass es schon Sinn machen würde, wenn man diese Aktion mit immerhin der halben Legio durchführen würde, weil so ein gewaltiger Militärschlag geeignet sei, die Germanen zu lehren, dass man mit dem Imperium keine Späßchen treiben sollte. Ich hätte gerne Deine Einschätzung zu dieser Art des Vorgehens und frage bei dieser Gelegenheit auch, wieviele Männer von der Ala Numidia bei dieser Aktion beteiligt waren."

  • Ein Grinsen legte sich auf das Gesicht des Offiziers "Und da hat mein Kamerad von der Legion verdammt nochmal recht. Stärke ist die einzige Sprache die jenseits des Limes gesprochen wird." erklärte der Mann und fuhr fort "Von unseren 24 Turmae sind 8 ausgerückt. 32 Mann pro Turma, macht 256 Mann, was den Burschen dort das fürchten Lehren sollte." prahlte er und lehnte sich zurück "Ist der Princeps Praetorii über irgendwas besorgt?"

  • Plautus nickte verständnisvoll. Er hatte ja selbst noch keine Ahnung, wie sich Germanen so gemeinhin verhielten. Meist guckten sie finster drein, wie zum Beispiel sein Sklave Segimundus, der ja auch mal seine Fäuste fliegen ließ. Ansonsten hatte er nur die üblichen Horrorgeschichten über die chaotische und von Wut getriebene Kriegsführung der Germanen zu Ohren bekommen.


    Er zog seine Augenbrauen zusammen und meinte: "Die einzige Sorge, die den Princeps Praetorii aktuell umtreibt, ist die, dass er beim Beginn der Militäraktion nicht wusste, was da überhaupt los ist. Und genau das ist der Grund warum er mich hergeschickt hat".

  • Der Subpraefect war ein wenig erstaunt dass es niemand für nötig erachtet hatte dem Princeps Praetorii Bescheid zu geben. Was sagte das wohl über diesen Mann aus? Der Subpraefectus legte seine Überheblichkeit zumindest teilweise ab und beugte sich nach vorn...
    "Vor einiger Zeit begannen Übergriffe kleiner germanischer Banden auf römische Bauern und Händler entlang des Limes. Um dem Einhalt zu gebieten und Informationen über die Schuldigen zu sammeln wurden immer wieder kleinere Einheiten über den Limes geschickt um Nachforschungen anzustellen. Eine Einheit eines Praesidio etwas südlich ging auf eine eben solche Mission. Die meisten Männer kamen nicht zurück. Nur einigen wenigen gelang die Flucht und Begebenheiten waren noch nicht gänzlich zu Rekonstruieren doch dieser Übergriff erforderte eine schnelle und entschlossene Antwort der Truppen." erklärte der Offizier recht detailliert und versuchte in den Augen seines Gegenübers eine Reaktion zu erahnen.

  • Was Plautus da hörte, war nicht uninteressant. Es hatte also im Vorfeld der neuesten Militäraktion schon weitere Überfälle gegeben, welche die Besatzungen am Limes in Trab gehalten hatten. Das war durchaus ein neuer Aspekt.


    "Wie bewertest Du diese wiederholten Überfälle, Subpraefectus? Ist das eher ein alltägliches Phänomen, sozusagen eine andauernde Unruhe, die man am Limes halt als gegeben hinnehmen muss oder könnt Ihr dahinter vielleicht etwas Bestimmtes erkennen? Sagen wir, dass die Germanenstämme neuerdings unruhig geworden sind und vielleicht Größeres im Schilde führen? Du sagtest ja, dass die Serie dieser Überfälle vor einiger Zeit begonnen hatte. Liege ich richtig, wenn ich annehme, dass es vorher ruhiger war?"

  • "Naja..." merkte der Subpraefectus an und schob ein paar Unterlagen zur Seite um eine kleine Karte auf dem Tisch auszurollen, immerhin berichtete der Typ gegenüber ja dem Princeps Praetorii "Der vorletzte Winter hat die Sicherheitslage an einigen Abschnitten des Limes verändert..." er deutete auf eine Bereiche südlich von Mogontiacum "Der viele Schnee und die lange anhaltenden niedrigen Temperaturen trieben wohl einige Sippen an den Rande des Hungertods, so zumindest die Berichte von unseren Verbündeten jenseits des Limes, und als das Gelände wieder gangbarer wurde, trieb die Verzweiflung allzu negative Früchte, aus unserer Sicht zumindest." erklärte er und legte die Karte wieder beiseite "Es ist keine Invasion oder ähnliches, sondern eher mit Bandenaktivität vergleichbar. Die Germanen schlugen schnell zu und verschwanden genauso schnell wieder. Wie und wo sie den Limes überqueren galt es zu erötern."

  • Wenn man dem Subpraefectus Glauben schenken wollte, dann war das Grummeln am Limes wohl weder ein gewöhnungsbedürftiger Dauerton, noch ein Böses verheißendes Alarmsignal. Es schien tatsächlich so, dass der Verlauf der Witterung die Unruhen ausgelöst hatte. Es war ja auch so, dass es sich nur um kleinere, mehr oder weniger zufällige Aktionen der Germanen handelte und nicht um planmäßige Bewegungen.


    "Ach, wo Du grade die Karte auf dem Tisch hattest, hat sich der letzte Vorfall südlich oder nördlich des Moenus zugetragen?"

  • "Südlich, einen halben Tagesmarsch etwa. Beim Praesidio XXII." erklärte der Subpraefectus ohne sich ganz über die Bedeutung im klaren zu sein.
    "Wie lange die Armee im Feld sein wird kann ich dir jedoch nicht sagen. Truppenstärke und genauer Standort der Feinde lagen zum Zeitpunkt des Ausrückens noch nicht vor." fuhr er fort und implizierte, dass die hohe Truppenstärke der Legio und der Ala vor allem der Vorsicht geschuldet war. Diese Sippen der Barbaren waren nie zu unterschätzen und es konnte sich gerne mal größere Heeresbanden zusammenrotten.

  • Nachdem Plautus mit seinen Notizen zu Ende war, sagte er: "Ich danke Dir für Deine geduldigen Ausführungen. Nun aber muss ich zurück in die Regia, um dem Princeps Praetorii zu berichten. Vale, Subpraefectus".

  • Marcellus betrat sein altes/neues Officium und schüttelte ob der hochkommenden Erinnerungen energisch seinen Kopf. Jetzt war nicht die Zeit für Vergangenheitsbewältigung sondern für die realen Probleme, die die Alae angingen.


    Marcellus ging die Berichte durch die ihm Seneca übergeben hatte und stellte fest, dass eine Menge an Arbeit vor ihm lag. Das wohl schwierigste Unterfangen war die Geschichte mit der neu zu gestaltenden Turma. Sie sollte sowohl zur Aufklärung als auch als irreguläre Einheit aufgebaut werden. Der Petronier hatte in seiner Zeit als germanischer Händler schon reichhaltig Erfahrung sammeln dürfen, doch um so eine Einheit aufzubauen bedurfte es viel praktisches Wissen von Eingeborenen. Als erstes wollte er mit dem Decurio Varro und dem Duplicarius Ocella sprechen. Beide Soldaten hatten bereits ihre Erfahrungen gemacht und konnten dieses Wissen mit ein fließen lassen in eine Planung für diese spezielle Truppe. Ebenso erfuhr er gleichzeitig wie die Versorgungslage wirklich aussah und welche Faktoren noch zu beachten waren.


    „Eques eile und hole mir den Decurio Varro sowie den Duplicarius Ocella her. Ich möchte mich mit ihnen unterhalten. Und sage das es dringend ist.“


    Der Soldat machte kehrt um seinen Auftrag auszuführen. Währenddessen wühlte sich Marcellus weiter durch die zahlreichen Informationen. Es war für ihn aber schon sicher, er wollte so schnell es der Dienst zuließ zu seiner Geliebten Calvina und sie in seine Arme schließen. Er sehnte sich so sehr nach ihr und war während seines Auftrags am verzweifeln gewesen, wenn er an sie dachte. Ein wusste der Petronier aber aus ganzem Herzen, dass er Calvina über alles liebte und ohne sie nicht leben konnte.

  • Der junge Petronier machte sich nun an die Arbeit um aus den zahlreichen Berichten der Alae sich ein Gesamtbild zu verschaffen. Eifrig krizelte er alle für ihn relevanten Daten auf mehrere Bögen Papier.


    Die Gebäude der Alae sind lang gezogene viereckige Gebäude bestehend aus Mannschaftscontubernien, den sogenannten papiliones (Wohnhäuser) mit Herdstellen für jeweils 8 Reiter, außen angrenzend die Armis (Waffenkammern). Die Endcontuberien für die Sesquiplicarii und der Kopfbau für Decurio und Duplicarius.


    Die Ställe sind ebenfalls langgezogene rechteckige Gebäude ohne Innenstruktur von der Größe 64 x 12 m bei einer Durchschnittslänge von 48 m. Die Aufteilung der Gebäude besteht an den Stirnseiten jeweils aus zwei Boxen für jeweils 4 Pferde, danach folgen vierer Boxen ebenfalls für je 4 Pferde. Mittig verläuft eine Sichergrube für die Ausscheidungen der Pferde. Diese werden zur Desinfektion mit Kalk eingestreut und darüber sind Bretter- oder Bohlenroste verlegt. In der Mitte des Gebäudes befinden sich die Lagerräume für Futter und Streu, sowie die Räumlichkeiten für die Calones.


    Die Gesamtfläche des Castells beträgt 60.700 qm. Abzüglich Wall und Ringstraße bleiben 50.000 qm übrig.24 Turmen benötigen 12.000 -13.000 qm Wohnfläche. Principio und Lazarett nehmen eine Fläche von 6.700 qm ein. Die Via Praetoria und Via Principalis benötigen zusammen 2.000 qm. Das Praetorium umfasst eine Fläche von 1.500 qm. Horrea, Fabricae und ähnliche Einrichtungen verbrauchen wenigstens 3.000 qm. Somit stehen für die Ställe max. 30.000 qm zur Verfügung.


    Sommermonate
    Die Pferde der Bereitschaftstruppe und die Offizierspferde befinden sich durchgehend im Lager, der Rest des Pferdebestandes hält sich draußen auf den Koppeln der Prata Alae auf. Die Prata Alae ist ca. 15 Meilen westlich Mogontiacum gelegen und umfasst neben den Weiden ausreichend landwirtschaftlich genützte Nutzflächen, die von den Calones und Bauern aus der Umgebung betrieben werden.


    Ernährung
    Ein Pferd verbraucht im beruhigenden Stehen (Offenstallhaltung) 0,5 kg Gerste, 10 kg Heu und 25l Wasser am Tag. Zusätzlich kommen noch 3 kg Einstreu hinzu. Durch das Training in den Wintermonaten erhöht sich der Verbrauch des Kraftfutters auf 1 kg Gerste (Sommermonate 3 kg Gerste).


    Bei einem derzeitigen Pferdebestand von 2000 Tieren würde sich ein täglicher Bedarf von 40 Zentner Gerste, 400 Zentner Heu, 120 Zentner Stroh und 50.000 l Wasser für die Wintermonate ergeben. Bei 20-25 Winterwochen würde sich der Verbrauch auf 7.000 Zentner Gerste, 70.000 Zentner Heu, 21.000 Zentner Stroh und 8.750.000 l Wasser belaufen. Diese Zahlen stellen einen gigantischen Aufwand dar, der die Leistungsfähigkeit der Alae erheblich einschränken würde.
    Als sinnvoller Vorschlag würde eine weitere Koppelhaltung wie in den Sommermonaten sich darstellen. Im Sommer entfallen Stroh und Heu sowie ein reduzierter Wasserbedarf auf 1/3 bedingt durch das wasserhaltige Gras. Bisher wurden die Tiere mit wenigen Ausnahmen im Castellum gehalten mit erheblichen Verbrauchszahlen. Diese ließen sich erheblich reduzieren, wenn auf den Koppeln Unterstände sich befinden und dadurch auf eine Robustpferdehaltung übergegangen werden könnte. Für die Tiere wäre es sinnvoll sich an die klimatischen Bedingungen anzupassen und dadurch abgehärtet zur Truppe zu gelangen. Diese Möglichkeit könnten wir auch auf Tiere aus anderen Klimazonen des Imperiums anwenden. Der Verlust an Pferdematerial ließe sich so wesentlich schneller ergänzen als die erheblichen Kosten für die Haltung großer Pferdeherden und den resultierenden Arbeitsaufwand (Kosten für die Anschaffung eines Pferdes liegen bei durchschnittlich 100 – 130 Denare).


    Weiterer Punkt ist die Ausbildung der Tiere sowie der Reiter in den Wintermonaten. Bei einem festen Bestand von 800 Pferden im Castellum mindert sich der Verbrauch wie auch die Kosten überproportional. Da der Campus nur bedingt benutzt werden kann muss sich die Ausbildung auf Basilika sowie Gyrus aufteilen. In der Basilika könnten kleinere Gruppen alle wichtigen Trainingseinheiten einüben, während im Gyrus die Pferde eingebrochen und trainiert werden könnten. Durch den kreisrunden Verlauf des Gyrus reduzieren sich die Verletzungen beim Einbrechen und zugleich bekommen die Tiere durch den erhöhten Schall den Lärmpegel eines Gefechtes mit seinem Lärmpegel mit.


    In den 20 – 25 Winterwochen können im wiederkehrenden Rhythmus die Tiere ausgetauscht werden und sich der Verbrauch an Material für die Pferde auf ein erdenkliches Maß verringern. Die zusätzlichen finanziellen Mittel der Alae sollten durch den Kauf weiterer Weide- und landwirtschaftlichen Nutzflächen, gerne auch etwas weiter weg vom Standort, ergänzt werden um so ein breitgefächertes Nahrungsangebot zu erzielen.

  • So trat Ocella dann vor Varro an die Türe des Subpraefectus. Ein Neuer Zwischenkommandeur. Prima, noch mehr Ideen die man verarbeiten musste. Er sah Varro an. Na,...bereit für den Tanz? Dabei grinste er unverschämt und klopfte an.

  • Varro verdrehte die Augen und trat hinter Ocella nach der Aufforderung ein. Er nahm Haltung an, sah im Augenwinkel, daß Ocella dasselbe tat und machte Meldung.
    Decurio Gaius Germanicus Varro und Duplicarius Servius Matinius Ocella melden sich wie befohlen. Was wohl anlag?

  • Decurio Varro und Duplicarius Ocella betraten das Dienstzimmer des Petroniers und meldeten sich wie allgemein üblich. Marcellus blickte aus seinem Stapel von Berichten auf und nahm die vorschriftsmäßige Haltung der beiden zur Kenntnis.


    „Gut nehmt bitte Platz wir haben eine Menge zu besprechen. Und ich möchte eure tatsächliche Meinung dazu hören. Ich brauche keine Ja-Sager und Speichellecker.“


    Der Petronier beobachtete beide Männer sehr sorgfältig um sich schon einmal einen kurzen Eindruck zu verschaffen. Kampfgestählt und ganz realistisch in ihrer Einstellung zu Vorgesetzten sowie vermutlich mit dem nötigen Sarkasmus versehen den man brauchte um sich über die eine oder andere törichte Anweisung der Vorgesetzten hinwegzusetzen oder dieser den richtigen Platz in der Witzesammlung zukommen zu lassen. Marcellus gab sich ernst aber auch mit dem notwendigen positiven Verhalten gegenüber erfahrenen Soldaten. Beide Männer machten sich sicherlich auch über ihn ihre Gedanken. Auf der einen Seite stellte er noch einen jungen Offizier dar den man normalerweise als Frischling bezeichnete, auf der anderen Seite hatte der Petronier durch seinen Spezialauftrag sehr viel Wissen und Kampfpraxis in Germanien sammeln können, leider zu viel des letzteren. Sicherlich würde ihnen auch die eine oder andere Narbe an ihm auffallen, die darauf hinwies dass er schon im Kampf gestanden hatte. Veteranen erkannten dies eigentlich immer sehr zielsicher.


    „Nun gut als erstes meinen Glückwunsch zur Verleihung eurer Auszeichnungen. Es ist immer positiv wenn gute Männer belohnt werden für ihre Leistungen.“


    „Die Decurionen der Alae werden von mir noch schriftlich angewiesen sich um die Ställe der Pferde zu kümmern, diese müssen dringend wieder winterfest gemacht werden. Hierbei werden bis auf die Bereitschaftstruppe der I. bis IV. Turma alle anderen Miles und Calones sich gemeinsam einbringen und die baulichen Vorkehrungen in Angriff nehmen. Die Bereitschaftstruppe wird weiterhin ihre Aufgaben am Limes wahrnehmen. Die Belastung wird dadurch zwar kurzfristig größer für alle, aber ist im überschaubaren Rahmen erledigt.“


    „Demnächst werden die Feriae Drusi Germanici abgehalten. Die Alae hat an diesem Ereignis in Paradeuniform teilzunehmen. Das heißt zusätzliche Arbeit um die Uniformen und Rüstungen auf Vordermann zu bringen. Das genaue Datum der Festlichkeiten weiß ich noch nicht, aber ihr könnt davon ausgehen, dass dieser Krug nicht an uns vorbei gehen wird. Daher meine Empfehlung hier schon vorzuarbeiten.“


    „Nun zu einem wichtigen Thema das sehr viel Arbeit erfordert. Unser Subpraefectus Alae möchte aus einer der Turma eine spezielle Kampfeinheit machen. Logischerweise sollte sie zum einen nach römischem Vorbild geschult sein, zum anderen aber in der Lage sein sich unauffällig im Feindesland zu bewegen. Aus meiner Sicht bedeutet dies aber auch sich so zu kleiden, zu verhalten und auch kämpferisch zu präsentieren das sie auf die Schnelle nicht als Römer erkannt werden. Die Hauptaufgabe dürfte sich im Bereich Aufklärung und Infiltration bewegen. Dreißig Mann dürften sicherlich ausreichen um diese Aufgabe wahrnehmen zu können, also nicht zu viele aber auch nicht zu wenige. Was sagt ihr zu diesem Auftrag.“

  • Varro tauschte einen kurzen Blick mit Ocella und nahm sich einen der Stühle um den Ausführungen des ihm unbekannten Petroniers zu lauschen. Dieser versuchte offenbar eine goldene Brücke zu bauen indem er ihnen die Möglichkeit bot hier mit freier Zunge zu agieren. Eine feine Saite schlug in seinem Sinn für Menschkenntnis an. Er nickte unmerklich auf die Gratulation zu den Auszeichnungen und begann sich Sorgen zu machen was nun noch folgen sollte.
    Nun, es folgte das übliche logistische Geplane, welches im Grunde schon seinen Lauf nahm.
    Ebenso die Feierlichkeiten,...die Paradeuniformen waren immer in einem excelentem Zustand, weil sie kaum benutzt und nur hochfein wieder verstaut wurden. Aber das brauchte der gute Subpraefectus ja nicht auf die feine Nase gebunden bekommen. Ein kerniges Jawohl,...! und ein fast schon dankbares ...natürlich Subpraefectus! würde ihm schon zeigen, daß er alles im Griff hatte.
    Nach dem Castellumskram folgte eine andere Offerte, welche Varro wieder ganz kurz Ocellas Blick suchte und sich in seinen Gedanken bestätigt sah.
    Nun, Subpraefectus, hierfür sind absolut loyale und selbstständig operierende indigene Männer erforderlich. Wir beide fallen da als Römer wohl aus, weil wir weder die lokalen Dialekte beherrschen, noch jenen Barabrischen Habitus vorweisen können... Jetzt einmal von Ocella in angeheiterter Stimmung abgesehen.
    ...suchst du in der Turma Prima nach geeigneten Germanen für diese Einheit? Was sehr schade wäre, denn er hatte gerade die nötige Einheit der Männer erstellt.

  • Ocella liebte diese Treffen mit Führungsoffizieren. Es war eine Art Ritt auf dem Vulkan. Egal was man machte, sagte, alles war unter Umständen genau falsch. Deshalb überließ er das Reden Varro. Er nickte artig und dachte sich sein´s.
    Als die Rede auf die neue Truppe kam tat es ihm fast leid den Anforderungen offensichtlich nicht zu entsprechen. er stand einfach auf solche kniffligen Selbstmordaktionen.
    Naja, vielleicht hatten sie ja etwas nicht verstanden...

  • Der Petronier konnte den Decurio gut verstehen, es war immer schwierig qualifiziertes Personal bei der Alae zu bekommen und wenn man endlich auf einem guten Stand war kamen irgendwelche Versetzungen dazwischen und wieder begann der ewige Kreislauf der Ausbildung. Besonders erschwerend kam hinzu, dass nach der Grundausbildung die eigentliche Ausbildung der Miles begann. Für alle Truppführer war dies ein stetiges Ärgernis.


    „Ich gebe dir durchaus recht damit dass wir selbstständig operierende eingeborene Männer für diese Truppe benötigen. Ich denke aber, wenn wir bei den Turmae nur jeweils ein paar Leute herausziehen, können wir den Ist-Stand sowie die Qualität der Truppen erhalten. Es müsste doch machbar sein 30 Mann zusammen zu bekommen. Allerdings muss ich dir leider auch eine schlechte Nachricht zukommen lassen, denn für die Führung der Einheit hatte ich an deinen Stellvertreter gedacht. Seine Personaldaten sehen recht ansprechend aus und von seiner Dienstzeit her sollte er bereit sein ein höheres Amt wahrnehmen zu können. Auch hat er die notwendige Robustheit sich gegenüber den ihm unterstellten Männern durchzusetzen.“


    Marcellus war klar das Varro wie auch Ocella das Gesagte erst einmal verdauen mussten. Für den Decurio war es sicherlich schwerer einen guten Stellvertreter abzugeben auf den man sich verlassen konnte und für Ocella war es der Karrieresprung um endlich in Bereiche vorzustoßen die seiner Natur her eher entsprachen.


    „Bedenkt bitte bei der Auswahl auch, dass wir auf jeden Fall einen römischen Bürger als Befehlshaber, aber auch bei der Stellvertretung benötigen. Wir müssen unsere eingeborenen Soldaten unter Kontrolle halten. Dies im Übrigen auch die Anweisung für alle Truppenführer die nichtrömische Verbände kommandieren. Glauben ist gut, Kontrolle ist besser der alte Spruch dürfte ja bekannt sein.“


    Der Petronier wartete nun auf die Überlegungen der beiden Soldaten vor ihm. Ärgerlich waren Entscheidungen und Veränderungen immer, aber als Soldat war jedem Mann klar was einen Befehl ausmachte. Bei der Gestaltung hatten sie alle dafür im Rahmen der Auftragstaktik erheblichen Spielraum. Darüber war Marcellus eigentlich sehr dankbar, da damit eine optimierte Ausbildung und Entwicklung möglich war. Aber darüber würden sie sich noch unterhalten, entscheidend war aber die Einbeziehung des ersten der Decurionen in den Aufbau der neuen Truppe. Wenn er erst den Nutzen erkannte hatte würde er mit Argusaugen über alles wachen. Und mit Varro hatte die Alae einen der Besten in ihren Reihen.

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