Hortus | fata viam invenient

  • "Weiter... Oder fehlt dir der richtige Ansporn?" Am ehesten ließ sich die Tonlage wohl als düsteres Murren bezeichnen. In leichter Schräglage lag Livineia auf ihrer Liege im Garten und ließ sich von einem Sklaven Luft zufächern. Dies im Übrigen schon eine ziemlich lange Weile. Glücklicherweise war die Patrizierin nicht in der Lage sich darüber Gedanken machen zu müssen, dass diese stetige Haltung der Arme irgendwann zu schmerzen begann. So war das eben - sie war als privilegierte Frau geboren worden und dieser Sklave eben als... Sklave. Er hatte keinen anderen Sinn als zu dienen, er konnte nichts anderes. Jeder musste mit der Rolle zurechtkommen, die für ihn ausersehen wurde. Er musste mit der geringen Bürde leben, kleinere Dienste verrichten zu müssen. Und sie, ja, sie musste mit der Bürde leben, die es bedeutete, adlig zu sein. Eine große Verantwortung, ganz besonders als Mitglied der Gens Claudia. Sie waren keine unbedeutenden plebejischen Emporkömmlinge die nun für eine kurze Weile das politische Parkett betraten, nur um nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten wieder zu verschwinden. Die Gens Claudia war von wahrer Größe und ohne Zweifel würde man noch in tausenden Jahren voll Hochachtung von ihnen sprechen. Wohl weniger von ihren, Livineias großen Taten. Frauen waren nicht dazu ausersehen, große Taten zu vollbringen. Sie musste sich damit bescheiden, nicht durch Skandale aufzufallen und den Ruhm der Familie im Hintergrund zu mehren, indem sie beispielsweise ihrem Bruder half. Dem einzigen Bruder, der ihr noch verblieben war.


    "Titus, mir ist warm. Ich bekomme Kopfschmerzen, wenn mir warm ist. Du willst nicht, dass ich Kopfschmerzen bekomme." Die Wahrheit war, dass sie längst Kopfschmerzen hatte. Viele Dinge über welche sie nachdachte bereiteten ihr Kopfschmerzen. Die Hitze bereitete ihr Kopfschmerzen - es war eine unangenehme, schwül-warme Luft. Es war kein wunder, dass es ihr heute so schlecht ging. Und dieser dämliche Sklave brachte es nicht einmal fertig, ihr Wohlbefinden ein wenig zu besser.
    Titus - der Sklave - besaß eine dunkelbraune, fast schwarze Haut. Er kam irgendwo aus dem Süden, woher wusste sie allerdings nicht. Es war ihr auch egal. Eigentlich hieß er auch nicht Titus. Als sie ihn damals erworben hatte, hatte er ihr seinen Namen genannt. Es war recht lang gewesen. Sie hatte sich nicht mit so einem komplizierten Namen belasten wollen, doch selbst wenn sie sich nur eine Kurzform hätte merken müssen: Sie hatte keine Lust. Ein kurzer Blick auf seine starken Arme und sie hatte ihn einfach Titus genannt. Es war doch nicht ihre Sorge, wie er früher einmal geheißen haben mochte, oder? Für ihn war es auch gänzlich uninteressant. Er würde die Sklaverei kaum mehr verlassen und solange er wusste, dass er mit 'Titus' gemeint war, wenn sie ihn anrief, war der Sinn und Zweck des Namens doch auch erfüllt.
    Unwohl räkelte sie sich ein wenig und ließ ein leidendes Seufzen vernehmen. Sie nahm das feuchte, weiße Tuch von ihren Augen, drehte es ein wenig und blinzelte leicht in die Sonne. Es waren ein paar wenige Wolken am Himmel, aber hoffen ließ das nicht. Den Kopf wieder nach hinten sinken lassend legte sie das Tuch nun wieder auf die obere Partie des Gesichts und genoss die kühle, lindernde Wirkung einen Moment lang, ehe der Effekt nicht mehr weiter auffiel.


    "Du hast es wirklich gut, weißt du? Du musst nicht denken und hast nicht einmal schwere, körperliche Tätigkeiten zu verrichten. Viele Sklaven würden möglicherweise töten, um mit dir tauschen zu können." Sie plauderte ein wenig mit dem Sklaven, vermutlich ein Nubier. Eine Antwort erwartete sie nicht unbedingt, sie hörte sich lieber selbst ein wenig reden als komplizierte Konversation zu betreiben. "Du musst nichts tun als hier zu stehen und zu wedeln - das solltest du langsam außerdem ein bisschen besser machen, wenn du nicht willst, dass ich unzufrieden werde. Ach Titus, diese Kopfschmerzen, diese Hitze... Da wo du herkommst, war es sicherlich noch heißer, oder?"

  • Marcellus war gerade erst wieder im Anwesen der Familie angekommen und sein erster Weg führte ihn zu seiner Schwester. Livineia. Seine Schritte klangen ein wenig schwerer als sonst auf dem marmornen Boden und ja, sie waren vielleicht auch etwasstolzer und selbstsicherer. Marcellus sah kurz an sich hinab und war zufrieden. Ja, er hatte sich eine Rüstung anfertigen lassen, kaum das er nach Rom zurück gekehrt war. Und nun war sie fertig. Ein Brustpanzer aus geschmiedetem Eisen, welcher auf der Brust ein steigendes Pferd und einen Wolf zeigte. Dazu Armschienen, Lendenschurz, Gürtel und natürlich die lacerna, den roten Umhang welcher an der rechten Schulter mit einer Fiebel in Wolfsform verschlossen wurde. Dem Wappentier der Claudier. Marcellus trug unter all dem eine rote Tunika und hoch gebundene Sandalen. An seiner Seite hing ein Gladius aus norischem Stahl, welchen er ebenfalls hatte anfertigen lassen. Das Schwert steckte in einer hölzernen Scheide, welche mit leder umhüllt und mit silbernen Beschlägen verziert war. Auch das Heft und der Knauf des Schwertes waren mit Silber verziert.


    Unter dem Arm schließlich trug er einen Helm aus schimmernder Bronze. Auch dieses Rüstungsteil war reich verziert und am Helmkamm mit einer Helmzier aus rot gefärbten Federn geschmückt.


    Nun könnte man Marcellus vielleicht vorwerfen, dass er irgendwie zu vorschnell gehandelt hatte. Sein Großvater Menecrates wusste von dem Bestreben des jungen Mannes sich als Offizier im Heer einen Namen zu machen und er hatte zugesagt den Kaiser um eine Ernennung als Tribun zu bitten. Das bedeutete aber freilich nicht, dass er diese begehrte Ernennung schon in der Tasche hatte. Allerdings war er ein Claudier. Ein Nachfahr ruhmreicher Ahnen und Mitglied der angesehensten Familie Roms. Er würde seinen Weg gehen, niemand konnte ihm das verwehren.


    "Geliebte Schwester, deinem Aussehen nach plagen dich wieder die Kopfschmerzen?" mit diesen Worten betrat Marcellus den Garten des Anwesens und trat an die Kline seiner Schwester. Er schnippte in die Finger und sah einen Sklaven an, der gerade irgend etwas unwichtiges tat.


    "Du, bring mir Trauben und Wein, dazu Olivenöl, Brot und etwas Schafskäse. Und Oliven." mit herrischem Ton scheuchte er den Sklaven in die Küche, während er sich gegenüber seiner Schwester auf eine Kline setzte. Den Helm stellte er neben sich ab und mit einem leichten Grinsen sah er zu Livineia, welche sicherlich gleich einen Kommentar zu seiner Aufmachung abgeben würde.

    "Ich habe Hunger"
    meinte er, womit er erst einmal seine Bestellung von eben erklärte, ehe er zu dem schwarzen Sklaven hin sah, der mit stoischer Miene den Wedel schwang.

  • Es kam für Livineia ziemlich überraschend, als ihr Bruder das Wort an sie richtete. Äußerlich war von dieser Überraschung erst einmal nichts zu sehen; träge blieb sie einfach liegen und zog sich langsam das Tuch wieder von den Augen, um ihren Bruder ansehen zu können. Dieser vermaledeite, unnütze Sklave hätte wenigstens ankündigen können, dass sich jemand näherte. Natürlich war sie einigermaßen zurecht gemacht und könnte problemlos unter Leute gehen, aber wer wurde schon gerne überrascht? Das würde später noch ein Nachspiel nach sich ziehen. Sie vertraute sich hier ihrem Sklaven an und der ließ sie einfach so ins offene Messer rennen. Zum Glück war es nur ihr Bruder. Derart unleidlich hätte sie beispielsweise nicht von ihrem Großvater aufgefunden werden wollen. Sie hatte das Gefühl, bei Menecrates eigentlich einen ganz guten Stand zu haben, konnte sich aber trotzdem nicht vorstellen, dass er von einer derartigen Unpässlichkeit sonderlich begeistert gewesen wäre. Ihr Bruder hätte noch Verständnis und, davon einmal abgesehen, würde sie sich von ihm ohnehin nicht bevormunden lassen. Menecrates hingegen besaß eine Autorität, die sie nicht einfach so anfechten würde. Und vor dieser Autorität träge da zu liegen wäre einfach peinlich gewesen.
    Spannungslos ließ sie ihren Arm leicht herabhängen und das Tuch anschließend zu Boden fallen. Erst war sie zu überrumpelt, um wirklich auf ihn eingehen zu können, sodass er wirklich noch Zeit hatte, seine Bestellung aufzugeben und diese zu rechtfertigen. Überrumpelt im Übrigen nicht ausschließlich von seinem plötzlichen Erscheinen.


    "Geliebter Bruder, deinem Aussehen nach plagt dich dein Geltungsdrang?" Nicht, dass Ehrgeiz etwas Schlechtes wäre. Trotzdem fand Livineia es verfrüht, sich schon die Rüstung anfertigen zu lassen, ehe er offiziell in seinem neuen Amt bestätigt wurde. Es war... beinahe ein wenig kindlich. Es hatte etwas von einer Art Verkleidung, ihren Bruder so zu sehen.
    Auf der anderen Seite stand ihm der Kram schon auch. Es wirkte schon recht beeindruckend und Livineia konnte nun nicht sagen, dass sie nicht stolz auf ihren Bruder war. Trotzdem - lieber wäre es ihr, wenn er einfach eine Karriere in der Politik anstrebte, ohne Umschweife über das Militär. Wer wusste schon in welche gottverlassene Provinz man ihn am Ende schickte. Am Ende starb er da noch.. Nein, begeistert war Livineia von der ganzen Sache nicht... Sie winkte ab und lächelte, wohl ein wenig süffisant.


    "Iss nicht zuviel, sonst musst du deine Rüstung bald wieder anpassen lassen." Sie richtete sich ein wenig auf und stützte sich nun auf dem Ellenbogen ab, den Blick auf ihren Bruder gerichtet, der auf einer Kline saß. "Es wäre zu schade - du siehst wirklich gut darin aus. Wenn nun irgendjemand daran herumstümpert ist sie am Ende ruiniert, ehe du sie auch nur einmal mit Berechtigung hättest tragen können. Oder hast du sie dir einfach so gegönnt und hast gar nicht mehr vor, mich zu verlassen?" Sie ging gerne übers Gewissen. So auch heute wieder. Ein wenig schmerzlich sah sie ihm vorwurfsvoll in die Augen. Eine Schönheit war ihr Bruder nicht, anders als sie selbst. Dennoch würde sich kaum eine Frau darüber beschweren, einen Mann wie ihn heiraten zu können. Er war zweifelsohne sehr edel, sowohl im Aussehen, als auch im Geiste. Ein wahrer Claudier.

  • Marcellus verzog sein Gesicht zu einer saurtöpfischen Grimasse, als er den Kommentar seiner Schwester vernahm. Geltungsdrang.... Nannte man es so, wenn man seiner Familie und seinen Ahnen gerecht werden wollte? Wenn man, wie einst die Vorfahren, durch militärische Leistungen und politisches Geschick sich einen Namen machen wollte? Marcellus sah seine Schwester an und hörte ihr weiterhin zu. Sie, die da lag wie ein sterbender Schwan, sollte sich nicht solche Spötteleien erlauben.


    "Liebste Schwester, ich habe einen Körperbau wie der junge Achill und was meinen Geltungsdrang angeht... dazu sage ich einfach nichts." meinte er, noch immer etwas beleidigt. Aber er war heute nicht hier um mit seiner Schwester zu streiten. Es war schon bitter, dass sie beide die einzigen waren die von fünf Geschwistern übrig geblieben waren. Quintus, Marcus, Tiberius... alle drei waren sie tot. Hin und wieder belastete es Marcellus ziemlich, aber er zeigte es nicht. Im Prinzip hatte nur Quintus ihn wirklich getroffen, denn zum älteren Marcus und zum jüngeren Tiberius hatte Marcellus nie ein enges Verhältnis gehabt. Aber Quintus, er und Livineia waren gemeinsam in Griechenland gewesen. Sein Tod schmerzte...


    "Ich habe vor zu den Legionen in Germanien oder Britannien zu gehen." sagte er als nächstes. "Ich will für unsere Familie endlich wieder etwas militärischen Ruhm erringen. Seitdem Großvater Legat in Germanien war, hat sich niemand aus unserer Familie hervor getan. Wenn du mich so vermissen würdest, begleite mich doch. Hat der Medicus nicht gesagt, dass kühleres Klima dir gut tun würde?"


    Marcellus hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er gerne eine Reitereinheit kommandieren würde. Er liebte Pferde und empfand die römische Reiterei als edelste aller Einheiten. Natürlich waren die schwer gerüsteten Miles der Legionen das Rückgrat Roms, aber Reiter hatten etwas hehres. Selbstverständlich wusste er auch, wie sein Weg ablaufen würde. Als Tribun würde er militärische Erfahrung sammeln und danach würde er sich auf der politischen Bühne in Rom zeigen. Sein bestreben war es aber das Tribunat nicht nur möglichst unbeschadet ab zu sitzen, er wollte sich einen Namen machen. Und daher wollte er an die Grenze. Germanien, Britannien, oder eben der Osten. Aber er liebte die Hitze nicht und zudem faszinierten ihn die wilden Länder an der nördlichen Grenze.

  • Ihr Lächeln nahm eine spöttische Nuance an, als sich Marcellus mit Achilleus verglich. Sie betrieb keine sonderliche Heldenverehrung mit Achilleus und der alte Held war vermutlich tatsächlich nicht so viel 'besser' gewesen als ihr Bruder, doch die Wahl die er traf zeugte doch von einem ziemlich gesunden Selbstvertrauen oder aber von einer guten Prise Humor. Nun, beides war ihr lieber als ein junger, völlig verlorener Mann der nicht wusste welchen Platz er auf der Welt einnehmen sollte. Ihr Bruder wusste das ziemlich gut.
    Und der Humor - nun, der war schon besser gewesen. Nun fing er auch noch davon an, dass sie doch mit ihm nach Germanien reisen könnte, wenn sie sich so um ihn sorgen würde. Unweigerlich stieß sie ein ungläubiges Lachen an, das vielleicht auch wie der Ausruf einer Krähe umschrieben werden könnte. Entrüstet schaute sie ihn ob dieses wahnwitzigen Vorschlags an und schüttelte leicht den Kopf.


    "Germanien? Britannien? Noch schrecklichere Orte auf der Welt sind dir wohl wirklich nicht eingefallen, oder?" In ihren Worten lag dieses Mal keine Ironie; er hatte wirklich einen Nerv getroffen. Dachte sie an Germanien, dachte sie nur an dunkle Wälder. So dunkel, dass ihre Fantasie für keine weiteren Farben als Grau- und Blautöne Platz ließ. Ab und zu stank und blubberte zwischen den düsteren Bäumen noch einmal ein Moor hervor, in dem schon so manche unschuldige Seele ihr Leben lassen musste. Der Tod in einem Moor soll überaus grausam sein, wie Livineia schon einmal gehört hatte. Man sank langsam immer tiefer und je mehr man versuchte sich seines garantierten Todes zu erwehren, desto schneller und tiefer sank man in dem Matsch nach unten. Selbst wenn man sie aus so einer Situation retten würde, so befand sie, würde sie niemals mehr dem Boden unter ihren Fußen trauen können!
    Sie rümpfte die Nase und hielt diese eine Weile lang in genau der Haltung. Und dann wagte er es tatsächlich noch sie um ihr Geleit zu bitten. Er hatte sicherlich nur einen Scherz gemacht, aber so ganz von der Hand zu weisen war sein Vorschlag nicht. Tatsächlich sollte die kühlere Luft ihren Kopfschmerzen Linderung verschaffen. Allerdings bedeutete kühle Luft auch eine kalte Landschaft. Sie würde dort erbärmlich frieren und vermutlich an einer Lungenentzündung zugrunde gehen, wenn sie ihn begleitete.


    "Die Länder sind voll von ehrlosen und dreckigen Barbaren, todbringenden Sümpfen und eisigen Winden. Ich habe schon genug von Germanien gehört um genau zu wissen, dass mich keine zehn Pferde jemals dorthin bringen könnten. Du musst selbst erkrankt sein, dein Geist verwirrt, wenn du tatsächlich darauf hoffst, in diese grässliche Ecke der Welt versetzt zu werden. Marcus, das kann nicht dein Ernst sein. Du musst das wirklich nicht tun, ich bin sicher, Großvater unterstützt auch andere Pläne von dir..." Sie runzelte die Stirn und sah ihn mit großer Besorgnis im Blick an. Das konnte sie gut, kummervoll und schmerzerfüllt dreinschauen.

  • Cara musste sich noch an die die weitere Verwandschaft, Cousin und Cousine, von Sassia und Silana gewöhnen. Etwas suspekt kamen die beiden ihr schon vor, denn jetzt wo sie da waren, wehte ein schärferer Wind in der Villa Claudia.
    Sie fand, das Titus, der Sklave von dieser Livineia, besonders unter ihrer Herrin zu leiden hatte. Ständig nörgelte und jammerte diese herum. "Kopfschmerz", war scheinbar ihr Dauerzustand.
    Der Sklave aber,Titus war sein Name, sie konnte ihn von ihrem Platz aus sehen, tat ihr schon etwas leid. Cara hatte ein wenig Zeit für sich, da Sassia ein wenig ruhen wollte und hatte sich ein Plätzchen hinter Oleanderpflanzen gefunden, welche in Kübeln, zu einer Art Sichtschutz aufgereiht waren.
    Mit sichtlichem Interesse betrachtete sie ihn. Er war ein hübscher Kerl und welch einen athletischen Körper er hatte. Versonnen schaute sie ihn an und bewunderte ihn für seine stoische Ruhe. Dann erst seine Haut, sie wirkte wie seidiger Samt. Sie hätte gerne einmal über seine Haut gestreichelt. Ob diese sich so anfühlte wie sie aussah?

  • Marcus hatte nicht erwartet, dass seine Schwester in irgend einer positiven Art auf Germanien oder Britannien reagieren würde. Natürlich, beide Länder waren ziemlich unheimlich. Sie waren von dichten Wäldern bedeckt und von Sümpfen ebenfalls. Es lebten dort unzivilisierte Menschen, wilde und brutale Barbaren... aber es waren eben diese Gebiete, die Marcellus reizten. Er hatte auch schon darüber nachgedacht, ob er um die Versetzung in eine bedeutendere Provinz bitten sollte. Nach Syrien vielleicht, oder in eine der wirtschaftlich stärkeren Provinzen wie Afrika, Ägypten oder Griechenland. Aber welcher Ruhm wäre dort zu holen? Die Grenzen des Reiches wurden bedroht und Marcellus wollte nicht irgendwo in einer Legion seine Zeit vergeuden, die seit Jahrzehnten keinen Kampf mehr gesehen hatte.


    "Es ist mir ernst, liebe Schwester. Die Grenzen von Rom werden in Britannien und Germanien bedroht, nicht hier oder im sonnigen Griechenland. Wenn ich darauf hoffe militärischen Ruhm zu ernten, so wie so viele unserer Vorfahren, dann muss ich auch die Gelegenheit dazu haben." erklärte er ernst und strich mit der Hand über das Heft seines verzierten Gladius. Diese Rüstung war ziemlich teuer gewesen, aber Marcus wurde von Vater und Onkel gefördert, da waren diese Ausgaben schon drin.


    "Du wirst sehen, ich werde als gestandener Soldat zurück kehren. Und ich werde dir ein Geschenk mitbringen... Nun, zumindest sofern ich überhaupt gehe. Großvater hat noch nicht mit dem Augustus gesprochen, soweit ich weiß." Marcellus war durchaus etwas ungeduldig. Er wollte nicht mitten im Winter in Germanien ankommen, wenn die Zeit für die Sommerfeldzüge schon vorbei war. Außerdem könnten in dieser Jahreszeit die Alpen seine Reise beschweren, so dass er viele Monate verlieren würde. Nein, es durfte sich nicht ewig hin ziehen, das war wichtig.

  • Sie schnaubte, als er die Ernsthaftigkeit seines Wunsches noch einmal beteuerte und verdrehte bekräftigend die Augen. Er musste wirklich von allen guten Geistern verlassen sein. Natürlich hatte sie auch vor ihren Einwürfen gewusst, dass er es ernst meinte - aber sie verstand es nicht. Sie war ja nun selbst schon ein wenig umher gereist und hatte manches von der Welt gesehen, aber ihr fiel kein schönerer Ort als Italien ein. Rom an sich war ein Dreckloch. Das konnte man einfach nicht anders titulieren, so altehrwürdig und architektonisch beeindruckend ihre Heimatstadt auch war, so dreckig war sie auch. Allerhand Gesocks trieb sich hier herum und es war außerdem voll und laut. Wären hier nicht ihre Familie, recht ansprechende Märkte und auch ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens angesiedelt, würde sie nicht freiwillig hier bleiben und genau das könnte sie auch bei Marcellus gut nachvollziehen. Aber... Germanien? Britannien? Warum zur Hölle wollte man sich das freiwillig antun?
    Gut, nun würde er mit der Ehre argumentieren. Er wollte sich ja schließlich beweisen und an einer friedlichen Grenze ging das nicht wirklich. Aber wirklich - in den Norden? Nur deshalb? Er tat es nur für sich, niemand würde das wirklich von ihm verlangen. Man mochte es vielleicht mit der Enthaarung von Beinen und anderen Zonen vergleichen, die Livineia durchaus rege betrieb. Diese Bereiche sah aktuell eigentlich auch kaum jemand und so machte sie das auch nur für sich; aber das waren nur kurzzeitige Leiden. Während... Nein, wirklich nicht. So gar nicht.


    "Was willst du mir von dort schon für ein Geschenk mitbringen." Sie lachte spöttisch auf und runzelte die Stirn. Natürlich würde er ihr ein Geschenk mitbringen, das gehörte sich schließlich so. "Es gibt nichts in Germanien, gar nichts. Nicht einmal die Sklaven von dort sind wirklich zu etwas zu gebrauchen. Glaub mir, ich weiß das - ich hatte schon mehr als nur einmal das Vergnügen. Sie sind dumm und verroht, taugen nicht einmal als Leibwächter etwas. Ihrer muss man sich schämen. Sieh dir Titus an - vielleicht ebenfalls nicht sonderlich helle, aber ihm ist das wenigstens bewusst! Also nein, wirklich... Willst du mir irgendwelchen Matsch aus den Sümpfen mitbringen?" Livineia redete sich schnell in Rage, wenn es gegen etwas ging, das sie nicht leiden konnte. Und sie war von ihrer Position felsenfest überzeugt.


    "Marcus, ich kann dir das nicht ausreden, das weiß ich - und ich weiß auch, dass es nur sehr bedingt deine Entscheidung ist, aber... - Bona Dea, wo bleibt denn nur dieser nichtsnutzige... Titus, hör auf." Sie war in Rage. Ganz augenscheinlich. Aufgebracht stand sie nun auf und spähte durch den Garten. Ihr Bruder hatte Hunger und wenn der Hunger hatte, dann war bei ihm ohnehin nicht viel zu wollen. Der Überzeugung war sie jedenfalls. Während sie allerdings so spähte, fiel ihr etwas auf... Ihre Augen verengten sich bedrohlich und mit einem Mal ging sie in Richtung des Oleanders, ohne anzukündigen weshalb. Sie hatte es kaum sehen können, aber sie hatte es gesehen.


    "Komm raus." Der Befehl folgte, als sie sicher sein konnte, dass es keines ihrer Familienmitglieder war. Ihre Worte waren kalt und voller Schärfe gesprochen. Irgendein Sklave, eine Frau, wie sie glaubte, barg sich hinter den Pflanzen und belauschte sie. Es war kaum zu erahnen gewesen, lediglich eine kleine Unregelmäßigkeit des Hintergrundes hinter den Blättern hatte sie skeptisch werden lassen. "Sera! Was fällt dir ein?! Was tust du da?" Livineia hatte ein Ventil gefunden. Mit zwei Fingern rieb sie sich die linke Schläfe.

  • Nein nicht, schrie es in Cara entsetzt sie hatte doch nur den Sklaven sehen wollen, Livineia und ihr Bruder interessierten sie doch nicht wirklich. Sie hatte doch ihre Sassia. Aufgeregt kaute sie auf ihrer Unterlippe. „Ich mache eine kleine Pause, Sassia ruht sich aus.“ Kaum ausgesprochen wurde Cara kreidebleich. Sie hatte nicht Silana vor sich, das hier war eine andere. „Ich meine, meine Domnia, bitte verzeih.“ Ein Angstgefühl kam in ihr auf, so dass ein Schauer über ihren Körper rieselte. Mit gesenkten Kopf und hängenden Schultern stand sie vor der Claudierin.

  • Marcellus wusste wirklich nicht so recht, wie er Livineia von seinem Vorhaben überzeugen konnte. Vermutlich konnte er es einfach gar nicht. Sie verstand ihn nicht, sie verstand nicht dass die Ahnen von ihm verlangten dies zu tun. Seine Ahnen waren keine Krämer oder Feilscher gewesen, sie waren Soldaten und Staatsmänner Roms gewesen. Ruhmreiche Feldherren, Konsuln, Imperatoren... Er war mit der Bürde geboren worden ein Teil des Stammes der Claudier zu sein und so hatte er eine Aufgabe zu erfüllen. Umso schlimmer war es, da seine Brüder verstorben waren ohne etwas geleistet zu haben. Er musste seinem Vater und seinem Großvater Ehre machen.


    Marcellus hörte seiner Schwester weiterhin zu, als diese schließlich ihren Sklaven anraunzte und danach zu einer Blumenreihe hinüber ging und mit jemandem redete.


    "Schwester, was. Ist los?" meinte er etwas verwundert und erhob sich. Versteckte sich da jemand hinter den Blumen und belauschte sie?


    Er ging einen Schritt auf seine Schwester zu. Hier im Haus der Claudier konnte soetwas doch eigentlich nicht sein. Niemand lauerte den Familienmitgliedern hinter irgendwelchen Blumen auf... doch tatsächlich sollte er sich da täuschen, denn zwischen den Blumen kam nun eine junge Frau hervor, die sichtlich eingeschüchtert wirkte. Eine Sklavin. Sie erklärte sich, entschuldigte sich, aber selbst der etwas mildere Marcellus war trotz ihrer Beschwichtigungsversuche sichtlich verärgert. Es stand einer Sklavin nicht zu nutzlos im Garten herum zu lungern und dabei auch noch die Herren zu belauschen.


    Marcellus aber hielt sich einstweilen zurück. Seine Schwester hatte ein gutes Händchen mit Sklaven und er würde ihr diese Angelegenheit vorerst überlassen.

  • Was los war? Livineia hatte schlechte Laune und suchte nun zwingend nach einem Grund, diese irgendwo lassen zu können. Wie meistens hatte sie das unverschämte Glück, einen Anlass auf dem Silbertablett serviert zu bekommen und hatte die Sklavin hinter dem Oleander erspähen können. Gut, vor allem war dies vermutlich das Glück ihres Bruders, der sich ansonsten noch weit mehr Wehleidigkeiten hätte anhören müssen.
    Nun war es allerdings, dass die Sklavin dermaßen verschreckt wirkte, dass es selbst der äußerst dominanten Livineia ein wenig den Wind aus den Segeln nahm. Vollkommen schockiert beteuerte die Sklavin, dass ihre Herrin sich gerade ausruhe. Damit wollte sie wohl aussagen, dass es für sie gerade nichts zu tun gab. Das war vermutlich sogar weitestgehend richtig. Wenn Sassia ihre Herrin war und Cara ausschließlich für deren Wohl zuständig, mochte es sogar angehen, dass Cara nun ein wenig Zeit für sich nutzen konnte, ohne dass Livineia ihr daraus wirklich einen Strick drehen konnte. Daraus nicht. Aber daraus, dass sie gelauscht hatte. Dass nichts Geheimes besprochen wurde, war dabei erst einmal vollkommen egal.
    Trotzdem zeigte sie sich äußerst zerknirscht, was die Patrizierin für den Moment doch irgendwo beschwichtigte.


    „Eine Pause von deinem so schweren Tag als Sklavin im Haushalt der ehrwürdigen Gens Claudia.“ Ein spöttischer Unterton begleitete Livineias Worte. In der Tat hatten die meisten Sklaven wohl wirklich ein vergleichsweise angenehmes Leben. Kaum einer musste harte Arbeiten verrichten. Die größte Herausforderung waren wohl die manchmal etwas merkwürdigen Launen der Herrschaften.


    „Ich schlage vor, du siehst zu wo das Essen meines Bruders bleibt. Es dauert ewig und ich bin es leid, dass euresgleichen glaubt, dass sie nur fürs nett Herumstehen ihr Essen und ihren Schlafplatz bekommen.“ Die Sklavin von Sassia. Der Glücklichen. Abschätzig musterte Livineia die Sklavin, dann machte sie sich wieder zu ihrem Bruder auf. Eine Blüte des Oleanders hatte sie gepflückt und nahm diese mit zu ihrer Kline. Titus gab sie einfach nur einen kleinen Wink, dass er weitermachen sollte, was er daraufhin auch machte. Von den Intentionen der jungen Sklavin ahnte Titus freilich nichts, sah lediglich ein wenig mitleidig in ihre Richtung. „Dieser Undank ist manchmal wirklich schon erstaunlich. Man gibt ihnen Essen, einen sicheren Schlafplatz und Schutz und was tun sie? Sie belauschen einen, lümmeln sich herum. Es wird immer schwieriger, taugliche Sklaven zu finden.“ Germanien war für den Moment vollkommen vergessen.

  • Magrus hatte den Auftrag erhalten, im Hortus Säuberungsarbeiten zu vorzunehmen. Vor allem sollte er sich um herunter gefallenes Laub kümmern. Er ging also mit einem Korb und sammelte das Laub ein, vor allem auf den Wegen. Als er so durch den Hortus ging und in gebückter Haltung seiner Arbeit nachkam, lief Cara an ihm vorbei, ohne von ihm Notiz zu nehmen. Sie machte einen äußerst verwirrten Eindruck. Er konnte sich nicht erklären, was sie hatte. Nachdem er ein wenig weiter gegangen war, hörte er Stimmen, einen Mann und eine Frau. Er versuchte, so leise wie möglich zu sein um niemand zu stören und nahm seine Tätigkeit wieder auf.

  • Cara die nun ihren Schrecken überwunden hatte, ärgerte sich über sich selber. So etwas war ihr noch nie passiert. Sie hatte noch nie gelauscht. Sie war daran gewöhnt, dass ihre Sassia ihr alles sagte was wichtig war. Für das was sie eben gemacht hatte gab es nur den einen Grund, sie war so fasziniert von diesem Titus, das s sie alles um sich herum vergessen hatte,
    Noch immer mit gesenkten Blick stand sie da und antwortete, „ja Domina und bitte glaubt mir, ich wollte dich und den jungen Dominus nicht belauschen.“ Jetzt da sie es noch einmal betont hatte, dass sie so etwas nicht vor gehabt hatte, wandte sie sich um und ging ins Haus zurück. Sie würde umgehend zum Cubiculum ihrer Sassia verschwinden. Bestimmt gab es dort noch etwas was sie richten konnte.

  • Marcus setzte sich recht schnell wieder, nachdem heraus gekommen war, dass da nur dieses kleine, unscheinbare Mädchen gelauscht hatte. So ein dummes Ding, wie konnte einem nur einfallen als Sklave in seiner Freizeit im Garten herum zu hängen, als wäre man selber der Herr im Hause? Antheas war klüger. Natürlich hatte auch sein griechischer Lehrer seine Freizeit, aber er verbrachte diese nicht auf eine Art... ein im Garten herum sitzender Sklave, das zeugte schon wirklich von ziemlich wenig Respekt. Man bat ja damit fast schon darum von seinem Herrn eine weitere Arbeit aufgebrummt zu bekommen. Aber Marcellus wollte sich da nicht einmischen, er hatte keine Lust dazu die Sklaven hier zu züchtigen, nicht heute und nicht die Leibsklavin seiner Cousine. Außerdem kümmerte sich Livineia schon um das junge Ding, wenngleich sie dabei für ihre Verhältnisse noch ziemlich freundlich war.


    Als die Sklavin sich dann wieder auf den Weg machte, sah Marcellus zu seiner Schwester. Sie hatte eine Blume gepflückt und ließ sich von ihrem Sklaven wieder Wind zu fächern. Marcellus selber mochte es nicht wenn ständig irgendwelche Sklaven um ihn waren, daher verzichtete er meistens auf jemanden der ihm Wind zufächerte oder sonst etwas tat.


    "Ja, es ist manchmal wirklich eine Last. Ich habe das Gefühl unsere Cousinen betrachten ihre Sklaven eher als Freundinnen, statt als Eigentum und Diener. Wie kann man seiner Sklavin nur erlauben im Garten herum zu sitzen, mehr oder weniger neben den Herren?" wunderte sich Marcellus, woraufhin er sich allerdings gleich noch einmal wunderte, als er sah wohin Cara verschwand. Sie nahm eine Tür, welche zum Wohnbereich des Hauses führte und nicht jene andere Tür, welche zur Küche führen würde. Entweder hatte sie seine Schwester nicht verstanden, oder sie war grob dämlich und wollte einen Umweg laufen. Nicht das Marcellus einem Sklaven so etwas nicht zutrauen würde, aber merkwürdig war es schon, daher erhob er seine Stimme in ziemlich gereiztem Tonfall.


    "DU!, was hast du vor wo du hin gehst? Hast du deine Herrin nicht verstanden? Du sollst sehen wo mein Essen bleibt!" rief er einmal quer durch den Garten. Mittlerweile hatte er reellen Hunger war ziemlich ungeduldig ob des fehlenden Essens. Der Sklave den er los geschickt hatte, dieser Nichtsnutz, hätte schon lange wieder da sein müssen. Und diese Sklavin hier, die war offenbar nicht besser. Wer bei den Göttern war denn die letzten Jahre bloß dafür zuständig gewesen die Sklaven zu kaufen und auszubilden, dass man sich hier auf niemanden verlassen konnte? Und wo waren all die verlässlichen, braven und respektvollen Sklaven hin, die vor seiner Zeit in Griechenland hier gelebt hatten?

  • Cara hielt an, seufzte und nickte „Ja Dominus“ sagte sie vor sich her, ohne auf die Lautstärke zu achten. Deine Herrin? Livineia? Sie war eine Herrin, aber den Göttern sei dank nicht ihre Herrin. Wenn sie nur an den Titus dachte wurde ihr ganz anders. Das schlimmste war, jetzt gab es hier gleich zwei von ihrer Sorte.
    Wohl oder Übel schlug Cara den Weg in Richtung Culina ein.

  • Livineia lächelte belustigt, als Marcellus seine Vermutung äußerte, dass die Sklavinnen als Freundinnen angesehen wurden. Anschließend winkte sie einfach nur leicht ab. Das konnte sich die Patrizierin nun kein bisschen vorstellen, nicht einmal bei ihren beiden Cousinen, über die sie recht zwiespältig dachte. Sie hatte nicht unbedingt das allerbeste Bild von den beiden Mädchen, aber das mochte auch schlicht und ergreifend an dem Altersunterschied liegen. Livineia fühlte sich weit über die beiden erhaben, allein schon aufgrund eines überlegenen Altersunterschiedes (der zur gleichen Zeit auch für ziemlichen Frust auf ihrer Seite sorgte).
    Ehe Livineia allerdings antworten konnte, echauffierte sich Marcellus auf ein Neues über die Sklavin, die wohl Livineias Anordnungen einfach ignorierte. Jene machte nur einen geringen Unterschied darin, welche Sklavin nun wem genau gehörte, Anweisungen hatten befolgt zu werden und sie alle waren Herren über die Sklavenschar. Lediglich wenn irgendeine Scheiße passierte, war der auf dem Papier eingetragene Herr verantwortlich. Ebenso würde Livineia auch nur in Extremfällen zur Züchtigung als Maßnahme greifen, wenn ein Sklave nicht ihr gehörte. Was den Respekt und Gehorsam anging sah sie eigentlich keine Unterschiede. Das hatte zu laufen. Nun aber seufzte sie eher theatralisch und rieb sich wieder die Schläfe. Sie war ermüdet, hatte keine Lust mehr sich noch weiter zu ärgern.


    „Da lobe ich mir Corona.“ Murmelte Livineia bloß. Ihre kleine, blonde Sklavin mit germanischen Ahnen, aber einem herzlich wenig germanischen Wesen war eigentlich sehr brav und zurückhaltend und überdies hinaus auch recht hübsch anzusehen. Sie hatte langes, leicht gelocktes blondes Haar. Hätte Livineia das Geld nötig, könnte sie die Haare ziemlich gut verkaufen. Hatte sie aber nicht. Die Haarpracht nutzte ihr mehr am Kopf der Sklavin, die sie außerhalb des Hauses häufig begleitete. Livineia erfreute sich lieber an ihrem ästhetischen Aussehen.


    „Wo waren wir noch gleich stehen geblieben? Germanien? Britannien? Nun, wie auch immer – deine Rüstung steht dir jedenfalls wirklich gut, mein lieber Bruder. Ich würde ja nun sagen, dass die Frauen zu dir aufblicken würden, aber wenn du tatsächlich in eines der von dir bevorzugten Gebiete kommst, so gibt es dort vermutlich ohnehin fast nur Wilde. – Titus, etwas schneller.“ Ein wenig eiliger herbeifliegender Wind passte aktuell besser zu ihrer Gemütslage. Sie gähnte ausgiebig, wenn auch nicht sehr auffällig. Benehmen konnte sie sich schon. Träge lächelte sie ihren Bruder an.

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