• Quintus Nero war merklich gereizt. Alles dauerte ihm zu lange, alles war nicht nach seinem Gusto. Während seine Begleiter sich über Fleisch und Brot hermachen, nippt er an seiner Cervicia. Angewidert prustet er sie auf den Boden und brüllt Heee, Wirtschaft, was soll denn das sein Eselspisse? Während das stete Raunen im Schankraum abebbte rückten die schwarz gewandeten Begleiter mit unbestimmten Mienen vom Tisch ab. Hier lag Ärger in der Luft. Der Wirt eilte herbei und seine Schürze knetend fragte er nach den Problemen.
    Kurz darauf stand er triefend im Gelächter der Schwarzkittel nachdem ihm Nero den Krug Cervicia über den Kopf ausgegossen hatte. Breitbeinig, die Hände in die Hüften gestemmt grollte er So beschissen diese Drecksprovinz auch sein mag, einem Gast setzt man so etwas nicht vor! Willst du uns beleidigen? Noch bevor der Wirt sinnlos greinend antworten konnte stieß ihn Nero von sich, worauhin dieser gegen den Tisch von Ocella und Sabaco stürzte.

  • Der Tisch kippte unter lautem Getöse um. Das Fleisch, die Bratensoße und die abgefressenen Knochen ergossen sich über die Hosen der zwei Brüder, zusammen mit den Resten des Honigweins. Sabaco, der gerade aus der Wanne gekommen war und sich frisch eingekleidet hatte, sah wieder aus wie ein Schwein. Der Met war verschüttet und das Essen lag im Dreck.


    Sabaco sprang auf.


    Er packte den einbeinigen Appius am Kragen und am Hosenboden, riss ihn in die Luft und warf ihn hinter den umgekippten Tisch. Morgen würde dem die Musrille brennen, aber er lag in Sicherheit vor dem, was nun womöglich kommen würde. Sabaco baute sich vor dem vermeintlichen Anführer des johlenden Trupps auf. Der Wirt war ihm scheißegal - sein Essen und sein Met waren es nicht.


    "Du bezahlst die ganze Scheiße", verlangte Sabaco.


    Aber eigentlich hoffte er, dass der Typ ihn stattdessen angriff. Allein die Tatsache, dass er und seine Begleiter Prätorianer waren, genügte, um Sabaco zu provozieren und nun hatte der auch noch sein Abendessen verschüttet. Das Ocella ihm ausgegeben hatte!


    Sabaco wollte sich kloppen.

  • Nero betrachtete sein Werk mit dem ihm sadistischen Grinsen. Eine seiner Eigenschafen die ihn seinen Posten gekostet hatten. Selbst seinem Vorgesetzten war es zuviel. Es war wohl ein Gefangenenverhör zuviel bei dem der Verhörte seine Behandlung nicht überlebte, eine Tür zuviel die er im Eifer eingetreten hatte, ein Verstoß gegen die Vorschriften zuviel die ihm zum hoffnungslosen Fall machten. Ihn, den Kriegshelden, den Evocati...sie wollten ihn doch, sie wußten was sie an ihm hatten. Und jetzt? Jetzt verdingte er sich als Leibwächter für einen halbschwulen Adligen, ach es kotzte ihn alles an.
    Da tart dieser Typ in die Szene. Maulte herum. Mit pochenden Halsadern drehte er sich zu ihm um und entgegnete Mordlüstern Was hast du denn hier zu melden du stinkende progigium? Ein häßlicher Bastard meinte er zu sich. Ganz im Gegensatz zu seinem Begleiter, der auch ein wenig besudelt war. Sofort taxierte er die beiden, erkannte an Körperhaltung und Habitus daß es sich um Kämpfer handelte. Also brauchte er seine Männer, die er mit einem Handzeichen zu sich rief.
    Risikominimierung nannte er das. Schon war er wieder der Alte. Großspurig trat er den sich aufrappelnden Wirt in den Hintern und genoss die Szene. Rundherum rückten die Gäste Stühle und verzogen sich aus der Peripherie. Was glaubst du denn wer hier wem was zahlt du Arschgeburt? Beifallheischend sah er sich nach seinen Männern um.

  • Die Kohle war nur der Aufhänger, das wusste der andere so gut wie er. Sabaco war besoffen, hatte Lust, sich sinnlos mit irgendwem zu schlagen und dieser Fatzke kam ihm gerade Recht. Wäre er nüchtern, hätte er im Angesicht so vieler Gegner vielleicht anders reagiert. Doch Betrunkene kannten weder Schmerz noch Furcht, besonders nicht, wenn sie Sabaco hießen. Seine Zähne waren nicht von ungefähr in einem so zerklüfteten Zustand. Er wollte die arrogante Prätorianervisage in Brei verwandeln.


    "Klar, dass deine Arschlecker dir helfen müssen. Schlappschwanz."


    Während der Wirt erneut im Essen herumkroch, trat Sabaco noch näher an den anderen heran, so dicht, dass sie sich fast berührten. Er machte sich auf den ersten Einschlag gefasst, um einen Grund zu haben, entsprechend antworten zu können.

  • Ocella schnippte eine Beinscheibe von seiner Ausgangstunica. Auch er war ein wenig angepisst. Was bildete sich dieser Fatzke ein? Sabaco ging schon einmal auf Tuchfühlung mit dem Schreihals. Doch das dauerte ihm alles viel zu lange. Einer der Schwarzkittel positionierte sich so, daß er Sabaco gefährlich werden konnte. Mit zwei Schritten war Ocella bei ihm und versenkte seine Faust in seiner Wange. Unter der Wucht zerbrach knirschend Kiefer und Jochbein und der Kerl sackte wie ein gespießter Eber in sich zusammen.
    Ocella grinste hämisch und massierte sich die Faust.
    Na was ist ihr Lutscher? Abreibung gefälligst?

  • Nero war begeistert. Endlich mal eine Herausforderung. Dieser Typ vor ihm stank nach Vinum und nach Verottungsgrube aus dem Maul. Aber das war es nicht was Nero in seinem Tunnelblick jetzt wahrnahm. Der Typ strahlte zwei Dinge aus, zum einen war er nicht zimperlich und offensichtlich ein Kämpfer und er hatte keine Angst. Den störten seine sechs Begleiter nicht die benfalls nicht aussahen wie Betschwestern aus der Vestalinnen - WG.
    Da nahm er Bewegung war, der andere Typ machte sich auf und in dem Moment wo dieser seine Faust in Quintus versenkte stieß Nero seinen Kopf ruckartig nach vorn. Er wollte hier sofort für klare Verhältnisse sorgen.

  • Ocella benötigte länger, um sich dafür zu entscheiden, mitzumischen, fing aber dafür eher an und fällte seinen ersten Gegner mit einem Hieb. Auf das Vorgeplänkel mit gegenseitigem Dissen hatte er scheinbar keine Lust. Sabaco jetzt auch nicht mehr, angespornt vom Sieg seines kleinen Bruders. In dem Moment verpasste der vermeintliche Anführer des Trupps ihm einen Kopfstoß. Sabaco konnte gerade noch den Kopf so weit senken, dass ihm nicht die Augenbraue platzte, dann kam der Knall. Der Aufschlag war heftig und Sabaco schnaubte, aber der andere würde auch eine ordentliche Beule abbekommen haben. Noch halb im Taumel zielte Sabaco darauf, seinem Gegner von unten einen Haken in den Magen zu verpassen. Das konnte je nach Füllstand mit einem Kotzschwall in seine Richtung enden, tat aber herrlich weh, wenn er traf.

  • Nero frohlockte förmlich als der Schlag des anderen Titus´Wange zertrümmerte. Jetzt hatte er einen Grund,...seinen Grund.Seine Idee mit dem Kopfstoß zeigte bei 9 von 10 Gegnern Wirkung. Bei dieser Maulcloake jedoch nicht. Mehr irritiert als schmerzbedingt verzog er das Gesicht und war einen Augenblick, einen Wimpernschlag abgelenkt. Den Treffer im Magen fing er jedoch mit seinen respektablen Bauchmuskeln ab. Das meiste davon. Denn der Hieb pfiff ihm seinen Lungeninhalt heraus und vernebelte kurz seine Sicht.
    Rings um ihn herum traten seine Kumpel heran. Wobei dieser andere Drecksack schon drei von ihnen zu Boden gebracht hatte. Nero wischte sich gemein grinsend mit dem Unterarm den Speichel von den Lippen und stieß hasserfüllt hervor, ...du legst dich mit den Falschen an...Arschgeburt. während er einen eisernen Ring über die Knöchel seiner rechten Hand schob. Wohl um seinen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen. Mit einer kurzen Schnappatmung holte er aus um dem Misthaufen seinen stinkenden Schädel samt Hals von den Schultern zu hauen.

  • Bisher war es ein Kinderspiel, wohl auch, weil er hier in Germania nicht aus dem kämpfen herauskam. Zwei lagen stöhnend am Boden, einer muckste sich nicht. Ein wenig ärgerlich sah er zu Sabaco, der sich mit dem Oberschreihals ein kleines Stelldichein lieferte. In diesem Moment pfiff ein Totschläger an ihm vorbei. Ocella wich zurück und grinste,
    Holla, du Mädchen,...hast du den von deiner Oma? Was den Gegner veranlasste einen weiteren Angriff zu starten, jedoch so plump und vorhersehbar, daß es Ocella gelang ihm den Totschläger abzunehmen und gleichzeitig Handgelenk und Unterarmgelenk zu brechen. Knirschend vor Schmerz sank er auf die Knie und sah Ocella hasserfüllt an.
    Wozu der Hass,...wir kennen uns doch gar nicht,...Bruder.Und schickte ihn mit seinem eigenen Totschläger und einem gebrochenem Kiefer in die Horizontale.
    Quattuor,...ich glaube der hier hatte was gegen mich. Seinen Gedanken konnte er nicht fortführen, weil er einen Tritt in den Rücken bekam der ihn in den Raum und schmerzhaft gegen einen Tisch schleuderte.
    Er erhob sich, ignorierte den Schmerz und drehte sich um. Ein Bär von einem Mann stand dort und winkte ihm höhnisch zu sich. Ocella spuckte auf den Boden grinste und schüttelte den Zeigefinger. Den Totschläger hielt zunächst mal verdeckt, wenn es auch nicht sein Stil war, gegen so einen Berg musste man ein paar Tricks haben. Der Berg kam Stühle und Tische seitlich wegschleudernd auf ihn zu.

  • Genau so gut hätte Sabaco gegen einen Baum hauen können. Ihm fiel auf, dass es idiotisch gewesen war, einem Muskelprotz in den Bauch zu schlagen. Er merkte den Aufprall bis zum Ellbogen; ein paar filigrane Knöchelchen und Sehen nahmen im Zweifelsfall eher Schaden als Gewebe, das nachgab. Im Hintergrund randalierte Ocella derweil auf vorbildliche Art und Weise. Vier Schwarzkutten hatte er schon ausgeschaltet, was in Sabaco ein Gefühl der Rührung aufsteigen ließ, während seine eigene Kutte noch immer vor ihm stand. Solch einen Gegner hatte er lange nicht gehabt. Es krachte, Möbel flogen herum. Ocellas fünfter Gegner hatte die Statur eines Endgegners. Wahrscheinlich hatte der schon als Säugling Brei aus pürierten Stierhoden geschlürft.


    Der Gedanke war einer zu viel gewesen.


    Sabaco bekam eine gezimmert, ohne dass er den Schlag hatte kommen sehen. Er flog zur Seite und landete auf einer herumliegenden Schwarzkutte, die sich gerade hatte aufrappeln wollen und nun erneut geplättet wurde. Stöhnend wälzte Sabaco sich herunter und auf den Bauch. Er zog Arme und Beine unter den Rumpf. Wenigstens war er noch bei Bewusstsein, aber sein Kopf fühlte sich an, wie von einem Schmiedehammer getroffen. Blut tropfte zwischen seinen Händen auf den Boden und ein arg schielender Blick in Richtung seines Gegners offenbarte den Grund dafür - der Sauhund besaß einen Schlagring. Als Sabaco nach seinem Kopf tastete, spürte er einen klaffenden Spalt über der linken Hälfte seiner Monobraue, der bis auf den Knochen zu reichen schien.


    Sabaco grinste so breit, dass der Mann seine braunen Backenzähne sah und rappelte sich wieder auf. Er griff nach einem Stuhl, schleuderte ihn auf seinen Gegner und sprang sofort hinterher. Er würde diesen Kampf verlieren, er konnte sich nach dem Volltreffer kaum noch auf den Beinen halten, aber wenn er schon verlor, dann richtig! Er umklammerte seinen Gegner, damit er nicht noch einmal derart ausholen konnte, und riss den Rachen auf, um ihm kraftvoll ins Gesicht zu beißen. Wohin er traf - falls er traf - war ihm gleichgültig. Alles, was er wollte, war, dem Kerl ebenfalls eine Narbe zuzufügen, so wie Sabaco auf ewig gezeichnet sein würde, bis ihrer beider Fleisch dereinst verfaulte.

  • Ocella bemerkte im Augenwinkel, daß es sein Bruder erwischt hatte. Ein wenig Unruhe stieg in ihm auf. Der Koloß hatte ihn fast erreicht. Seine Gedanken und Instinkte überschlugen sich und letztere obsiegten. Mit der schieren Gewalt seines vordrängenden Körpers wollte sein Gegner ihn zerquetschen. Was im Prinzip auch bei einem Normalsterblichen aus der Kombination Schockstarre und Aufprall funktioniert hätte. Ocella jedoch ging in die Knie und rammte dem Schwarzgekleideten seine Faust, welche durch den umklammerten Totschläger hart wie ein Stein war, mit allem was er hatte in seine Weichteile um sich dann nach links wegzubücken. Der Koloß ächzte überrascht und landete wie ein Katapultgeschoß in eine Gruppe Beobachter, wo er und die meisten der Beobachter regungslos am Boden verknäuelt liegen bleib.


    Ocella rappelte sich auf und eilte seinem Bruder zur Hilfe, der an seinem Gegner hin wie ein Leopard an einem Büffel. Grunzen und Schreie kamen aus dieser Konstellation und bevor Ocella den Anführer den Totschläger von hinten überzog sah er die blutende Fratze seines Bruders. Erschrocken trat er zurück als der Gegner betäubt zusammenfiel. Versuchte Sabaco gerade den Typen anzuknabbern?


    Die letzten beiden Schwarzkittel hoben beschwichtigend die Hände und begannen in sicherer Entfernung zu Ocella und Sabaco ihre Kameraden aufzuheben. Der Kampf war vorüber.


    Hey! Sabo! Bist du immer noch nicht satt? Fragte er fast schon belustigt,…fast. Denn er wußte, daß sein Bruder den Tod nicht scheute, ihn in einem Kampf seinen eigenen Tod sogar einkalkulierte.


    Sein Blick fiel auf die Gesichter der Zuschauer. Nicht wenige waren entsetzt über die Brutalität des Kampfes. Es begannen die ersten Aufräumarbeiten jedoch stand allen noch die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben.


    Ocella sah auf den Totschläger, der er immer noch in der Hand hielt und suchte mit Blicken nach dessen Besitzer. Er pfiff ihn an und warf diesem dann den Totschläger zu.


    Pass besser darauf auf! Grinste er und hörte an einem grunzend-ächzendem Geräusch, daß sich Sabaco wohl anstrengte aufzustehen.

  • Nero glaubte sich bereits am Ziel wenngleich er auch wahrnahm, daß sein Spiel nicht ganz nach seinen Vorstellungen aufgehen würde. Sein Gegner war zäh und kampfesdurstig mit einem Hauch von Wahnsinn in den Augen. Sein Kumpel jedoch war selten effizient gegen seine Männer. Einer nach dem anderen fiel und nun auch noch Ursus. Dessen Einschlag in die Zuschauer lenkte ihn kurz ab nachdem er den Stuhl abgewehrt hatte und so klammerte sich sein gegner an ihn und sein übelriechendes Maul näherte sich seinem Gesicht. Ein Zittern durchlief seinen Körper. Kalter Schweiß kroch ihm aus den Poren. Gerade noch wollte er sein Kerl von sich winden als er eine Explosion an seinem Hinterkopf spürte. Vor seinen Augen stoben tausend Sterne in sein Hirn. Mit einem Ächzen ging er in die Knie, fast besinnungslos. Trotzdem zwangen ihn seine Instinkte wach zu bleiben.

  • Als sein Gegner umfiel, stürtzte Sabaco mit diesem zu Boden. Ocella hatte am Ende auch seinen Prätorianer gefällt. Einen Moment lang bedauerte er, dass der Kampf vorbei war. Sabaco rappelte sich auf. Mit dem Handrücken wischte er über seinen Mund. Das linke Auge musste er geschlossen, halten, als er sich umschaute, weil das Blut aus der Braue hineinlief. Der Raum lag voller Verletzter. Wie viele Ocella umgehauen hatte, konnte er im Suff nicht zählen. In einer Ecke lag ein ganzes Menschenknäuel.


    "Saubere Arbeit", lallte Sabaco betrunken und halb betäubt von dem gewaltigen Hieb. "Dein großer Bruder ist stolz auf dich! Sehr stolz, Ocella." Er selbst hatte heute eine grausige Figur gemacht, woran sein Gegner Schuld trug.


    Eine Ecke in Sabacos Hirn wollte die letzten beiden Schwarzkutten auch noch vernichten, die ihre Kameraden auflasen, aber damit würde er Ocella noch mehr Arbeit aufhalsen und selbst wenig beitragen können. Letztlich waren das auch römische Soldaten, sollten sie ihre Verletzten aufsammeln. Irgendwie schaffte es sein Gegner noch, sich auf den Knien zu halten. Zäh wie ein Ochse. Der Kerl hatte hervorragend gekämpft, Sabaco war es nicht gewesen, der ihn erledigt hatte. So verzichtete er darauf, ihn ganz umzuhauen und auf den Kopf zu pissen, sondern ließ von ihm ab.


    Er grinste breit und dreckig. "Wir wollten noch nach Borbetomagus. Heute oder morgen?"


    Vielleicht war auch schon morgen. Das konnte man in Zechnächten immer schlecht sagen und war dann stets aufs Neue überrascht, wenn man die Sonne aufgehen sah.

  • Ocella sah seinen Bruder zweifelnd an. Eine Schankmagd brachte ihm einen sauberen Stoffstreifen für die Stirnwunde. Er zwang seinen übermütigen Bruder auf einen Stuhl und tupfte die Wunde mit etwas Met aus. Der Honig hatte schon oft verhindert, daß sich die Wunden entzündeten. Dann wandt er den Stoffstreifen um den Schädel. Sein Blick fiel auf Sabo,...er war ein vernarbter Verrückter geworden. Im Grunde wußte Ocella, daß dies nur vorgetäuscht war, denn Sabo war trotz seiner groben Art ein einsamer kleiner Junge war. Traurig sah er ihn an und meinte nur, Du wirst jetzt erst einmal schlafen, ich hole dich morgen ab, vorausgesetzt ich bekomme den Urlaub. Dann half er seinem großen Bruder auf die Beine.

  • Sabaco ließ sich auf den Stuhl pflanzen und verarzten. Der Met zwiebelte in seiner Wunde und das linke Auge war vom Blut verkrustet und an den Wimpern zusammengeklebt. Er konnte es nicht mehr öffnen und nur noch einäugig schauen. Doch Ocellas traurigen Blick bemerkte er trotzdem. Er ging ihm selbst in seinem vom Alkohol abgestumpften Zustand durch Mark und Bein, denn sonst blickte niemand Sabaco so an. Er war nicht gerade dazu geeignet, Zuneigung oder Mitleid zu erwecken. Beides wollte er auch nicht, weil Menschen bösartig waren. War man am Boden, pissten sie einem ins Gesicht. Er hatte seine Schlüsse gezogen, um nicht als der zu enden, der unten lag. Nie wieder. Er war gefährlich, er war hässlich und er stank. Er war derjenige, der bei Strafexpeditionen die kleinen Kinder tötete, der fickte, was ihm vor die Lanze geriet und der neue Rekruten mit mitgebrachten Körperteiltrophäen erschreckte. So blieben die Menschen auf Abstand und sie taten gut daran.


    Es gab zwei Menschen in seinem Leben, denen Sabaco vertraute: Ocella und Stilo. Dass einer davon nun traurig war, das gefiel ihm nicht. So grinste er aufmunternd und stellte sich mit Hilfe seines Bruders auf die Füße. Er schwankte und stolperte zwei Mal, bis er sein Gleichgewicht gefunden hatte, dann stand er.


    "Einverstanden. Ich lege mich ins Bett und schlafe. Morgen warte ich den ganzen Tag auf dich, bis zum nächsten Abend und dem folgenden Morgen." Er dachte angestrengt nach, rechnete. "Bis übermorgen also. Dann muss ich weiterreiten."


    Er hoffte, dass Ocella freibekommen würde. Denn bis sie sich das nächste Mal sahen, mochten wieder Jahre ins Land gehen.

  • Ocella half seinem Bruder auf die Beine und stellte sicher, daß er sicher stand. Dann hob er eine Dokumentenrolle auf, die auf dem Boden lag. Irgendetwas sagte ihm, daß sie wichtig sei.

    Er rollte sie auf und siehe da....


    IN NOMINE IMPERII ROMANI

    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI



    VERSETZE ICH DEN :



    Eques der Legionsreiterei

    Publius Matinius Sabaco


    LEGIO IX HISPANIA

    PROVINCIA Germania Inferior



    MIT SOFORTIGER WIRKUNG ZUR LEGIO XV APOLLINARIS NACH CAPPADOCIA


    DER EQUES HAT SICH DORT IN ANGEMESSENER ZEIT;

    SPAETESTENS PRIDIE KAL DEC DCCCLXX A.U.C. (30.11.2020/117 n. Chr.) ZUM DIENST ZU MELDEN


    Dieser Bescheid gilt als Passierschein bis Cappadocia


    FUER DEN ROEMISCHEN KAISER

    PRAEFECTUS CASTRORUM

    MAXIMUS TERENTIUS MERIDIUS

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    [align='center']


    Nicht befördert? Nun, das wunderte ihn zwar nicht wirklich, aber es war eher unüblich bei einem Legionswechsel nicht wenigstens einen Rang hinauf zu steigen.

    Vorsichtig rollte er sie wieder zusammen und reichte sie seinem Bruder.

    Hier, dein Passierschein,...den solltest du besser nicht noch einmal verlieren, sonst gilst du als Deserteur...

    Kopfschüttelnd geleitete er Sabo bis zur Türe seines Cubicullums.

  • Sabaco stutzte. Bei dem offiziellen Schreiben vor der Nase wurde er schlagartig ein wenig nüchterner. Wenn er diese Schriftrolle verloren hätte, dann hätte er ein Problem gehabt.


    "Danke, Bruder ... da fällt mir ein, dass ... Scheiße. Stilo und ein paar andere haben den gleichen Befehl erhalten. Wir haben ja in der Neunten schon darüber geredet, dass wir nach Cappa versetzt werden. Also Stilo ist eine Art Varro, falls ich dir von dem noch nicht erzählt habe. Aber die sind gerade alle in Mantua wegen irgendwelchem Familienscheiß. Es gab irgendeinen Formfehler im Befehl und ich sollte die korrigierten Exemplare mitnehmen. Das habe ich voll vergessen. Werden die Schreiben ihnen hinterhergeschickt? Sonst muss ich noch mal in die Castra und sie mitnehmen."


    Er ließ sich von Ocella bis zur Tür seines Schlafgemachs bringen. Einladend strahlte ihm das Bett entgegen, dessen Decke und Kissen herrlich fluffig aussah. Jemand hatte durchgelüftet und die Reste des Bades beseitigt.


    "Scheiße ... ich glaube ich muss wirklich noch mal umgekehren. Wir waren in Hispania stationiert bei einer zurückgelassenen Einheit ... dann Zwischenhalt in der Hauptcastra unserer Legio gemacht ... und nun das!"


    Ächzend zog er seine Klamotten aus, die voller Bratensoße waren, und legte sich ins Bett, wo er sich tief einwühlte. Die Nächte waren kalt in Germania, wenn man das Wetter von Hispania gewohnt war.


    "In Cappa ist es warm", murmelte er, um sich zu trösten.


    Dass die Winter in Cappadocia noch eisiger waren als in Germania, und über Wochen -20°C herrschen konnten, ohne dass es Holz zum Heizen gab, wusste er nicht. Er hatte noch nie kontinentales Klima erlebt und Stilo nur von den sonnigen, regenfreien Sommern schwärmen gehört. Laut Stilo war Cappadocia - seine Heimatprovinz - das Elysium auf Erden.

  • Alwin lungerte in einer düsteren Ecke der Taberna herum und sog die Umgebung mit seinen Augen und Ohren auf. Es herrschte ein buntes Gemisch aus germanischen Dialekten und Latein in Reinform und Germanisiert. Der Met war nicht vergleichbar mit dem Original, das Fleisch war seltsam von Geschmack und Konsistenz.

    Er wartete hier auf seinen Bruder um sich mit ihm auszutauschen und Gerüchte zu hören.

    Die beiden Marser trieb ein unstillbarer unseliger Geist. Der Geist der Vergeltung und sein buckliger Bruder die Rache. Sie wollten die Römer bluten lassen für das was sie ihrem Volk angetan hatten. Wären sie zum Zeitpunkt des Angriffs nicht im Ungehorsam zu ihren Eltern in ihrem Versteck im Wald gewesen hätten sie das Schicksal ihres Stammes geteilt. Gerade wurde er Zeuge einer Schlägerei die ihresgleichen suchte. Zwei Männer, offensichtlich Römer gerieten mit einer Gruppe schwarzgewandeter Männer, wohl auch Römer aneinander und während einer von ihnen an einem Schwarzen verzweifelte, schlug der Andere mit sparsamen aber höchst effektiven Schlägen eine Schneise in die Angreifer und mähte sie nieder wie Gras.

    Fasziniert betrachtete er den Kampfstil des Mannes, dessen Gürtel erkennen ließ daß er dem Militär angehörte. Er war nicht klar auszumachen. Seine Attacken folgten keinem System, er schien nur auf seinen Gegner zu reagieren und nutzte deren Schwachstellen gnadenlos aus.

    Alwin nahm einen Schluck aus dem Humpen und wischte sich danach den Bart. Er hoffte daß dieser Mann eine Ausnahme war, denn wenn auch nur jeder 10. Römer so kämpfte hatte er berechtigte Zweifel am Erfolg ihres Vorhabens.

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