[Bovillae] Villa Iuliana Divitis

  • Allein. In einsamer Stille saß Dives vor den beiden Briefen. Der obere stammte von seiner Großtante, die ihm wohl wieder einmal ungefragt zahlreiche gut gemeinte Ratschläge auf den Weg geben wollte. Vermutlich würde er keinen einzigen davon beherzigen. (Dafür wusste die rüstige Imperiosa schlicht zu wenig über die komplizierte und verzwickte Lage ihres divitischen Großneffen.) Dennoch freute er sich zweifellos auf ihren Brief. Unter selbigem jedoch lugte unheilvoll das nur halb verdeckte Decimer-Wappen hervor. Und anders als bei all den anderen Briefen hatte der Iulier hier nun nicht die geringste Ahnung davon, was ihn wohl in diesem Schreiben erwarten würde.


    Womöglich hatte der Decimer erst jetzt vom Tod Sergias erfahren. Und womöglich hatte er daraufhin nun diesen Brief geschrieben, um Dives - ganz im Sinne seines Auftritts bei ihrer Hochzeit - seine hämische Freude über all das Unglück, welches sie über die Iulier gebracht hatte, mitzuteilen. Es wäre immerhin nicht sein erster Brief, der Dives einem verbalen Schlag ins Gesicht gleich treffen würde... Wäre es unter diesen Voraussetzungen vielleicht sogar besser, diesen jüngsten Brief erst gar nicht zu lesen? Er könnte abhanden gekommen sein... verloren irgendwo inmitten der unzähligen anderen Briefe. Das würde die Gefühlswelt des Iuliers womöglich vor einem weiteren Schlag bewahren.


    "Aber ich bin ja nicht feige. Zumal er mir ja noch irgendetwas bedeuten müsste, um mich zu verletzen.", sprach er sich selbst Mut zu und erinnerte sich seines späteren Opfers an Apoll, das ihn von der starken Zuneigung zu diesem Decimer erlöst haben sollte. So also wagte er sich schlussendlich nach einer gefühlten Ewigkeit doch, den decimischen Brief zu öffnen. Und er las...
    "Mein Freund." Bereits nach diesen zwei Worten stockte der Iulier und fragte sich unweigerlich, ob sie das denn tatsächlich waren: Freunde. Sie hatten seit Jahren keinen Kontakt mehr, gingen sich seit Jahren aus dem Weg, und in einem der letzten Konversationen - dem bereits eingangs angesprochenen Brief - hatte Decimus doch einst auch recht deutlich gemacht, dass ihre Freundschaft beendet war. Verloren. 'Sage mir, verlor'ner Freund...'


    "Wie Du weißt, ist es für gewöhnlich meine Devise, immer gut informiert zu sein. Dies ist im Augenblick leider nicht der Fall, da ich gerade erst von einer sehr langen Mission zurückgekehrt bin. So weiß ich nicht viel mehr, als dass Deine Gattin zu Fall gekommen ist und Du Dich aufs Land zurückgezogen hast.", las Dives weiter und hielt anschließend kurz inne. Es zeichnete sich ein schmales Lächeln auf seinen Lippen ab, während er sich misstrauisch fragte: Waren diese Worte aufrichtig und ehrlich? Oder versuchte Decimus, der als Praetorianer doch stets so überaus gut informiert war, sich hier lediglich die eigenen Hände rein zu waschen von den Vorkommnissen um einen gewissen Trecenarius Tiberius Verus?
    Aulus Tiberius Verus. Einst hatte der Iulier eine Empfehlung für diesen Mann ausgesprochen, um damit einer Bitte seines (inzwischen nun ehemaligen) Verbündeten Tiberius Lepidus zu entsprechen. Gedankt hatte es ihm dieser Tiberier, indem er als Trecenarius hinter dem Rücken des Familienoberhauptes Dives gegen dessen Familia ermittelt hatte. Und als wäre dies nicht Verrat genug an der tiberisch-iulischen Verbundenheit, welche einst gar durch eine Ehe war manifestiert worden, hatte er in seinen Ermittlungen überdies irgendwie (Dives glaubte an einen Verrat durch Sergia) herausgefunden, dass Dives an anderen Männern interessiert war. - Es war dies das Ende der divitischen Unabhängigkeit, denn er war seither erpressbar durch die Soldaten in schwarz. Es war das Ende der divitischen Karriere. Es war bis auf absehbare Zeit das Ende seiner Tage in der Urbs Aeterna, der Ewigen Stadt, dem Zentrum praetorianischer Macht und Kontrolle.


    "Wenn du tatsächlich 'gerade erst von einer sehr langen Mission zurückgekehrt' bist, dann werde ich mich wohl über die aktuellen Verlautbarungen des Palatin informieren müssen.", sprach der Iulier zu dem Schriftstück in seinen Händen. "Denn ich kann mich zumindest nicht entsinnen, dass du offiziell vom Posten eines Praefectus Praetorio entlassen wurdest." Und wer an der Spitze der Praetorianer stand, der wäre wohl ohne jeden Zweifel - mindestens in Teilen - mitverantwortlich dafür, was alle rangniedrigeren Praetorianer so taten...
    Doch zurück zum Brief. Dives überflog die nächsten Zeilen, die von einer fernen Vergangenheit sprachen. Erst der letzte Satz zog neuerlich seine ganze Aufmerksamkeit auf sich:


    "Natürlich ist mein Einfluss bei Weitem nicht mehr der alte, aber wenn ich Dir irgendwie beistehen kann, lass es mich wissen!" War das der Versuch einer Entschuldigung? Gestand Decimus hier zwischen den Zeilen nun doch ein, mehr zu wissen? Gestand er ein, über das damalige Handeln des tiberischen Trecenarius doch informiert zu sein und zu ahnen, dass es ebendieser praetorianische Angriff auf die Senatoren-Familia Iulia Dives war, der den Senator und seine Kinder aus Roma vertrieben hatte?
    Doch was wollte er tun? Wohl nur der Tiberier selbst wusste, wem er alles die divitische Achillesferse offenbart hatte. Vielleicht wusste es inzwischen auch Tiberius Lepidus schon, oder ein anderer tiberischer Verwandter. Vielleicht wusste es der komplette Führungsstab der Praetorianer. Vielleicht existierte gar eine schriftliche Akte, über die ganz zufällig ein einfacherer Miles beim Schreibtischdienst gestolpert war. Dann würde es in Windeseile in allen Mannschaftsgraden bekannt sein - und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee käme, einem in Roma ansässigen Dives einen 'freundlichen' Besuch abzustatten.


    Nein. Eine Rückkehr nach Roma wäre selbst im Falle des Todes des Trecenarius keine sichere Option.
    "Du wirst wohl ein Weile warten müssen, bis ich mich ausreichend informiert habe und dir antworten kann.", schloss Dives letztlich seine 'Unterhaltung' mit dem decimischen Brief. *


    Sim-Off:

    * Ich bin jetzt erstmal knapp anderthalb Wochen im Urlaub. Londinium is calling.

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    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus


  • Ad
    Marcus Iulius Dives
    Villa Iuliana Divitis
    Bollivae


    Salve, Vetter!


    Verzeih mir mein Ungemach, dir seit Ewigkeiten nicht geschrieben zu haben, doch insbesonders in letzter Zeit hatte ich durch meinen Wahlkampf viel um die Ohren. Jetzt jedoch ist alles vorbei und ich nutze diese kurzzeitige Atempause, um dich auf den neuesten Stand in der Heimat zu bringen.


    Viel, sehr viel hat sich seit unserem letzten Kontakt in Roma getan, so bin ich ordentlicher Aedituus am Tempel der Venus Genetrix und zudem den Luperci und der Societas Claudiana et Iuliana beigetreten. Von letzterem weißt du natürlich schon, wie ich zwischenzeitlich auf einem von mir veranstalteten großen Fest im Hortus der Domus Iulia von Decimus Casca erfahren habe, als er mir von seiner Beförderung zu deinem Vize erzählte. Auch bin ich im Rennsport für die Factio Praesina tätig, wo ich bislang sehr wohlwollende Beziehungen zu Senator Claudius Menecrates aufbauen konnte. Ja der Senator war von meinen Organisationsfähigkeiten im Austragen von Pferderennen sogar so einnehmend gestimmt, dass er mich in seiner Funktion als Praefectus Urbi in eine Baukommission berief, deren Verantwortungsbereich der Bau einer neuen Station der Urbaner in der Subura ist. Weißt du etwas über dieses Bauprojekt? Falls nicht setze ich dich auch hierüber gerne auf den neuesten Stand.


    Du siehst also ich hatte viele Aktivitäten zu verfolgen, doch kommen wir zu Themen der jüngeren Vergangenheit. Ich hörte im Nachhinein, du und Lucius hattet beide euren Einfluss für mich geltend gemacht, dafür spreche ich dir meinen verbindlichsten Dank aus. Es bedeutet mir viel derart auf den Rückhalt der Familie zählen zu können, sei versichert, dass auch ich dir jederzeit zur Verfügung stehe, solltest du einmal meiner Hilfe hier in Roma bedürfen!
    Jedenfalls kann ich mit Stolz berichten, dass ich in den ordo senatorius aufgenommen wurde! Zweifellos eine große Ehre. Zudem danach noch der Wahlkampf, doch näheres dazu jetzt. Ich kandidierte bei der letzten Wahl als Vigintivir. Um mich darin zu behaupten, vollführte ich die üblichen Winkelzüge, wie Brotspenden, Grafittis und Reden von der Rostra herab. Den großen Moment des Triumphs erlebte ich jedoch während meiner Rede vor dem Senat. Gleich drei namhafte und ehrwürdige eingeschriebene Väter hatten sich während dieser Sitzung von ihren Plätzen erhoben und sich vor allen Versammelten für mich ausgesprochen! Im Detail waren es die ehrenwerten Konsularen Spurius Purgitius Macer, Herius Claudius Menecrates und Manius Flavius Gracchus. Ich wurde mit einer Rate von 99% gewählt. Meine Amtseinsetzung selbst erfolgt am PRIDIE NON AUG DCCCLXIX A.U.C. (4.8.2019/116 n.Chr.).


    Dann beginnt auch für mich der Ernst des Politikerlebens und ich werde wohl meine Stelle als Aedituus am Tempel der iulischen Stammmutter aufgeben müssen. Dieser Gedanke bereitet mir durchaus auch wehmütige Regungen, denn es war schön in den Diensten der lieblichsten aller Göttinnen zu stehen. Und was ich erst in dieser Funktion alles erlebte! So flüchtete sich z.B. einmal ein Verfolgter vor der Prätorianergarde in den Tempel. Ich stellte mich schützend vor ihm und bot dem Anführer dieser Rüpel die Stirn, doch dieser ignorierte meine Widerworte und besudelte die Heiligkeit des Tempels durch Entfernung des Geflüchteten daraus. Ich vollzog danach ein Sühneopfer an Venus und rief sie dabei an Rache an dem Gotteslästerer zu nehmen und wie es der Wille der Unsterblichen so will, hörte ich vor Monaten dann tatsächlich von seinem Tod in einem Gespräch mit einem Tempelbesucher. Venus‘ Rache hatte also ihr Ziel gefunden. Der Name des Rädelführers soll Aulus Tiberius Verus gewesen sein. Tja, solche Dinge wird man wohl als Politiker nicht mehr erleben, doch ich bewahre mir meinen Zugang zum Cultus deorum durch Kontakt mit Pontifex Flavius Gracchus.


    Doch lassen wir nun meine Karriere und die Politik, Zeit, dass ich dir auch von zuhause berichte! Ich weiß leider nicht, inwieweit du darüber durch Lucius informiert bist, doch erzähle ich einmal alles in der Annahme, dass ich es bin, der dir die jüngsten Neuigkeiten zuzutragen hat. Aktuell wohnen in der Domus Iulia neben Lucius und seinen Kindern auch noch Licinus mit seiner Tochter, Iulia Phoebe mit ihrer Mutter Servilia Gemina, Phoebes Cousinen Iulia Stella und Iulia Graecina und jetzt ganz neu eine junge Frau namens Iulia Triaria. Ich glaube, sie ist auch eine nähere Verwandte der drei anderen Iulias, näheres habe ich jedoch aktuell nicht im Kopf. Jedenfalls bahnt sich eine mögliche Verbindung an. Der (überaus erfolgreich!) gewesene Vigintivir und derzeitige Tribun Annaeus Florus Minor hat auf dem bereits erwähnten Fest im Hortus überdeutliche Anzeichen gezeigt, dass er Iulia Stella in näherer oder weiterer Zukunft ehelichen möchte. Mir selbst wäre dies eine Freude, da ich gut mit ihm befreundet bin. Für Iulia Phoebe zeigt sich derzeit kein Bewerber am Horizont. Was mich anbelangt, so bin ich seit einer Weile besonders an einer bestimmten Octavierin interessiert. Auch freue ich mich sehr über mein neues Officium hier im Haus, jetzt, wo mir, nach meiner gewonnenen Wahl, von der Familientradition her eines zusteht. Keine Angst, es sind nicht deine Räume, wenn du mir diesen Scherz erlaubst. Auch gab es eine Aufstockung im Sklavenbestand. Ich habe nämlich drei Sklaven für mich hinzugekauft, welche jetzt tatkräftig mithelfen. Zum einen wäre da die Germanin Clarissa, eine neue Küchenhilfe für die alte Locusta. Das Mütterchen wird ja auch nicht jünger. Dann eine Gesellschafterin, die auf den Namen Aesara hört und ein Ägypter namens Maahes, der als mein Cursor fungiert. Phocylides ist bislang sehr zufrieden mit ihm, da Maahes abseits meiner verfügten Botengänge von ihm Arbeiten im Haus bekommt. Gleiches berichtet Locusta über Clarissa. Gleich an ihrem ersten Tag hat sie eine völlig neue Sauce für uns kreiert, die sensationell war! Genauer, eine Rosinen-Honigsauce. Der Maior Domus lässt dich im übrigen herzlich grüßen!
    Vibilius liegt mit einem Schnupfen im Bett, weshalb derzeit Wonga wieder provisorisch Tordienst versieht, bis es ihm wieder besser geht.


    Soweit also für dich von mir aus der Heimat.
    Mach es gut und mögen die Götter dich schützen!



    Vale Bene


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    G. IULIUS CAESONINUS
    AEDITUUS VENERIS GENETRICIS


    Domus Iulia | Collis Esquilinus | Roma

  • Nachdem Caesoninus seinen Brief an seinen Freund dem Tribun Annaeus Florus Minor fertiggestellt gehabt hatte, war er auf den Gedanken gekommen, dass er eigentlich genauso gut auch gleich seinen Verwandten Marcus Iulius Dives in Bollivae auf den neuesten Stand der Dinge zuhause bringen konnte. Das natürlich umso mehr, wenn er Teile des Briefes von Florus Minor einfach kopieren konnte, da sie für seinen Vetter gewiss ebenfalls interessant sein könnten. Also machte er sich ans Werk und schon ein paar Tage später trudelte der caesonische Brief in der divitischen Villa ein.



    Ad
    Marcus Iulius Dives
    Villa Iuliana Divitis
    Bollivae


    Salve, Marcus Iulius!


    Viel Zeit ist seit dem letzten Mal vergangen und meine Amtszeit als Vigintivir neigt sich dem Ende zu. Ich habe bislang getreulich meine Pflichten immer erfüllt und ich kann guten Gewissens behaupten, dass dank mir die Wachen des tullianischen Staatsgefängnisses stets einen ausgearbeiteten Wachplan hatten und ich selbst regelmäßig dort gewesen bin. Meistens war es eben mehr Verwaltung als Politik, was ich machen habe müssen. Doch hin und wieder gab es doch auch einen kleinen Farbtupfer in meiner ansonsten eher grauen Amtszeit. Z.B. wenn eine Hinrichtung anstand, oder es das eine oder andere Verbrechen aufzuklären galt. Zuletzt wurde z.B. auf dem Kapitol der Templum Claudii durch Christianer geschändet, die Ermittlungen hierbei sind jedoch im Sande verlaufen. Aber so sah bislang meine Amtszeit meist aus, Wache im Staatskerker, Hinrichtungen und kleinere Detektivarbeiten.


    Jetzt wo ich bald wieder ein Privatus bin, wird es Zeit für mich über das Tribunat nachzudenken. Ich werde später gleich an die kaiserliche Kanzlei schreiben. Was ich von anderen Tribunen bislang gehört habe, wird meine Zuteilung wohl auf Germanien fallen, dahin zieht es nach meinen Erkundigungen in der letzten Zeit alle Tribune wie aktuell meinen Freund Lucius Annaeus Florus Minor, oder der Flavierspross, oder aus unserer eigenen Familie Manius Iulius Avianus, Vetter Lucius' Sohn.


    Hier in Rom geht alles seinen gemächlichen Gang weiter, ohne größeren Aufruhr. Ich arbeite immer noch in der Baukommission als rechte Hand des Praefectus Urbi Herius Claudius Menecrates mit bei der Errichtung einer neuen Station der Cohortes Urbanae am Rande der Subura. Der Baufortschritt geht gut voran, die Fundamente sind abgeschlossen und auch das Erdgeschoss existiert schon im Rohbau. Momentan sind wir mit der Deckenkonstruktion beschäftigt, um darauf dann den ersten Stock zu setzen. Bislang klappt alles wirklich wie am Schnürchen angesichts der delikaten Lage, an der sich die Baustelle befindet. Aber das organisierte Verbrechen hat uns bislang noch keine Steine in den Weg gelegt, ob sie wirklich jetzt schon Reißaus genommen haben? Schön wäre es, aber ich bleibe hierfür besser vorsichtig. Zuletzt ist eines der Gerüste zusammengekracht, es gab mehrere Verletzte, aber zum Glück keine Toten. Doch eigenartig erscheint mir dieser "Unfall" schon, wo doch das Gerüst all die Tage zuvor auch gehalten hatte...aber besser ich erhebe keine Anschuldigungen, oder Verdachtsfälle ohne mehr in der Hand zu haben als Schatten und Licht.


    Privat hat sich in der Domus Iulia ein erfreuliches Ereignis eingestellt, Marcus Iulius Proximus ist einmal wieder den weiten Weg aus Misenum gekommen, um uns in Rom zu besuchen! Natürlich auch mit einem gehörigen Nachschub an selbstgekelterten misenischen Weines aus iulischem Anbau. Ich kann dir übrigens jetzt auch näheres zu den Verwandtschaftsgraden von den drei neuen Iulias berichten, da ich sie extra für das Fest zu Ehren von Proximus recherchiert habe, um unsere Damen ihm angemessen vorstellen zu können. Iulia Stella ist die Tochter des Tiberius Iulius Antoninus, Iulia Graecina stammt als Tochter von Paullus Iulius Triarius ab und sie beide sind zusammen mit der dir schon bekannten Iulia Phoebe Cousinen untereinander und auch alle drei Enkelkinder des großen iulischen Ritters Tiberius Iulius Numerianuns. Iulia Triaria ist etwas weiter verwandt als die anderen, sie ist nämlich Tochter des Lucius Iulius Augustinus, einem Sohn des Bruders Marcus Iulius Subaquatus von Iulius Numerianuns.
    Alle vier sind nach Rom gekommen, um gut verheiratet zu werden, doch an dieser Front gibt es seit meinem letzten Brief immer noch nichts Neues für mich zu berichten. Am meisten hat immer noch Iulia Stella Aussicht auf einen Mann, aber da Florus Minor immer noch in Germanien weilt, konnte sich zwischen ihnen noch nichts handfesteres anbahnen.



    Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen, außer dass ich angefangen habe einen norischen Peregrinus aus Mogontiacum, Norius Carbo, in Sachen Opfer und ihrer korrekten Durchführung zu unterrichten. Es freut mich sehr diese Tätigkeit auszuüben, da ich dadurch immer noch das Gefühl habe eine Verbindung zum Cultus Deorum zu haben. Bislang hat er gute Lernfortschritte gemacht und ich kann auch von mir behaupten durch diese Lehrtätigkeit schon die eine oder andere neue Betrachtungsweise über Opferungen und ihre Praxis gefunden zu haben, wie es sie so vorher noch nicht bei mir gegeben hatte.


    Mach es gut und mögen die Götter dich schützen!



    Vale Bene


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    GAIUS IULIUS CAESONINUS
    VIGINTIVIR TRESVIRI CAPITALES


    Domus Iulia | Collis Esquilinus | Roma


  • Ad
    Marcus Iulius Dives
    Villa Iuliana Divitis
    Bovillae


    Salve, Marcus Iulius!


    Ich muss dir heute leider wegen höchst trauriger Umstände schreiben, Lucius Iulius Antoninus ist von uns gegangen! Hinabgestiegen in den Hades werden wir uns nie wieder an seiner Gegenwart erfreuen können und der kleine Caius Iulius Spurinus wird fortan ohne Vater aufwachsen müssen. Natürlich versuchen wir alle so gut es geht für ihn da zu sein, doch ist es wohl für jedes Kind ein Schock, wenn einem die väterliche Leitfigur urplötzlich fortgerissen wird. Hoffentlich zerbricht sein junger Verstand nicht ob dieses Verlustes.


    Die Beerdigung wird in einer Woche PRIDIE NON AUG DCCCLXX A.U.C. (4.8.2020/117 n.Chr.) stattfinden.


    Aufgrund dieser Entwicklungen sehe ich dieses Mal besser davon ab nach Neuigkeiten aus Bovillae zu fragen, was könnte schon wichtiger oder interessanter sein im Moment, als Lucius' Tod. Verzeih mir Vetter, nächstes Mal dann wieder!


    Mach es gut und mögen die Götter dich schützen!



    Vale Bene


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    GAIUS IULIUS CAESONINUS
    VIGINTIVIR TRESVIRI CAPITALES


    Domus Iulia | Collis Esquilinus | Roma

  • Wie er es dem an ihn gerichteten Brief einst versprochen hatte, hatte sich Dives selbstredend - wenn auch zugegebenermaßen ohne allzu großen Eifer in der Sache - nachträglich informieren lassen über die Rückkehr des Decimus nach Roma. Dazu hatte er seinen Klienten Petilius Rufinus und dessen Vater, den Senator Petilius Sophus, zu einer kleinen Cena nach Bovillae eingeladen - selbstredend mit der Möglichkeit, auch im divitischen Haus zu nächtigen. Eine Rückreise im Dunkeln wollte er schließlich niemandem zumuten.
    Und so schlug der Iulier am Ende gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Primum. Er kam seiner Pflicht als Patron nach, indem er einen seiner wichtigsten Klienten auch mal wieder persönlich empfing. Secundum. Er erhielt sich zudem die Loyalität seines Senatoren-Kollegen Petilius Sophus - für den theoretischen Fall der Fälle, dass Dives doch einst wieder Fuß in die Ewige Stadt setzen würde. Tertium. Er hielt den Umfang dieser von Beginn an nur für ein paar Stunden anvisierten Rückkehr ins gesellschaftliche Leben ganz klar überschaubar - verglichen mit einem Szenario, in welchem er sich an einen verwandten Iulier wandte und dann womöglich für mehrere Wochen ein Dutzend dankbar frohlockender Familienangehöriger im Hause hätte, die ihn alle zu überzeugen suchten, das hiesige Leben auf dem Land aufzugeben und an den Nabel der Welt zurückzukehren. Quartum Ultimumque. Er konnte sich darüber in Kenntnis setzen lassen, dass in diesen Tagen wohl weder eine größere Bekanntmachung des Palatin verlautbart noch ein besonderes imperatorisches Edict auf dem Forum Romanum verlesen worden war, das in irgendeiner Weise den Führungsstab der Praetorianer berührt hätte - dass jedoch die Decimer (immerhin eine durch Decimus Meridius und Iulia Severa einst ehelich mit den Iuliern verbundene Gens) dort mittlerweile genauso die oberste Befehlsgewalt [nach dem Imperator Aquilius] verloren hatten wie in Germania Superior.


    Am Ende des Abends war der Iulier schließlich überzeugt: Es mochte durchaus sein, dass die Decimer irgendwie in Misskredit geraten waren und daher jetzt weder die Statthalterschaft in Germania Superior noch die Führung der Praetorianer innehatten. Doch irgendeine lange Mission vorzuschieben, um damit zu begründen, dass man - noch dazu ausgerechnet als Praetorianer - keinerlei Kenntnis habe darüber (oder gar Mit-Verantwortung trage dafür), was die eigenen Männer derweil in der Urbs Aeterna taten, das war Dives entschieden zu einfach. Welche Intention auch immer Decimus mit seinem Brief also verfolgt haben mochte, der Inhalt seines Schreibens überzeugte den Senator nicht. Entsprechend vermied Dives irgendeine Reaktion auf diesen Letter.

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    CIVIS
    DECURIO - OSTIA
    INSTITOR - MARCUS IULIUS LICINUS
    IUS LIBERORUM
    VICARIUS DOMINI FACTIONIS - FACTIO VENETA

    Klient - Marcus Vinicius Hungaricus

  • Zitat

    Original von Marcus Iulius Dives
    Entsprechend vermied Dives irgendeine Reaktion auf diesen Letter.


    ...doch nicht nur auf den. Auch sonst blieb der Iulier - wann immer möglich - hartnäckig wortkarg und vermied es nach Kräften, den Rückzug vom Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben anzutreten.


    So las er zwar den Brief seines Verwandten Caesoninus und schickte im Anschluss auch eine kurze Nachricht an seinen vertrauten Mit-Senator Petilius Sophus, auf dass dieser ebenfalls ein paar Stimmen für Caesoninus akquiriere. Doch sehr viel mehr tat er nicht. Denn Dives hatte sich hier im beschaulichen Bovillae einigermaßen eingerichtet. Und er intendierte nicht, sich in absehbarer Zeit über ein gewisses Maß hinaus in irgendwelche Belange einzumischen, die ihn hier in Bovillae schlicht nicht weiter betrafen.


    Hatte er beispielsweise eine Meinung zur Mitgliedschaft seines Cousins in der Factio Praesina? Ja, die hatte er: Er hielt es für einen äußerst durchschaubaren und daher tendenziell schlechten Opportunismus. Die Iulier waren schließlich Anhänger der Veneta. Ihr Cousin Centho war ein Mitglied, ihre Tante Helena war ein Mitglied, Dives' Vater war ein Mitglied, Dives selbst war ein Mitglied... und ohne dass dies jemals in Frage stand, schwärmte selbstredend auch Dives Minor für keine andere als die blaue Factio. Kurzum: Es handelte sich - zumindest aus divitischer Sicht - doch durchaus um eine Art Familientradition, entweder keiner Factio anzugehören oder der Veneta; entweder keine Factio zu bejubeln oder die Veneta.
    Viele Jahre war es mittlerweile her - fast schon wie in einem anderen Leben -, doch erinnerte sich Dives hier an einen der wenigen kostbaren Augenblicke mit Serapio in den lucullischen Gärten. Da hatten sie einst ihre jeweilige Vorliebe für die blaue beziehungsweise goldene Factio thematisiert. Dem Iulier war dies als ein sehr unbeschwerter, sehr offener und ehrlicher Moment in Erinnerung geblieben. Denn obgleich der Decimer die absolut "falsche" Factio präferierte (Seidenhöschen - von wegen!), so tat er dies doch offenkundig weder aufgrund der (äußerst mäßigen) Erfolge der Goldenen noch aufgrund irgendeines Kalküls, damit einen für seine Karriere einflussreichen Kontakt zu knüpfen. Und genau das machte ihn als Anhänger des goldenen Rennstalls loyal.
    Denn gute Fahrer kamen und gingen. Mal gehörten sie der einen Factio an und bescherten ihr die großen Erfolge; mal gehörten sie einer anderen Factio an und triumphierten für ein anderes Banner. Kein Auriga fuhr ewig, sodass auch niemand ewig alle Rennen dominierte. Gleiches galt für die Kontakte innerhalb eines Rennstalls. So waren insbesondere die Germanicer einst deutlich präsenter in höchsten öffentlichen Ämtern und Positionen vertreten als Dives damals zum Mitglied der Veneta wurde. Gleichzeitig hörte man namhaften Jubel für die Factio Praesina dereinst kaum. Ein Umstand, der sich mittlerweile durchaus gewandelt hatte. - Das Fazit des iulischen Senators: Konstanz und echte Loyalität im Wagenrennsport machten sich niemals abhängig vom Erfolg und/oder der Führung einer Factio. Und welchen anderen Grund als einen der beiden genannten könnte Caesoninus haben, mit der Familientradition zu brechen und ihr den Rücken zu kehren? (Das hatte bisher einzig ihr gemeinsamer Großvater Lepidus getan - allerdings bevor die Unterstützung der Veneta überhaupt zur iulischen Tradition geworden war; und zudem gewiss in irgendeinem Zusammenhang der damals noch sehr viel größeren iulischen Nähe zu den Aurata-nahen Decimern.)


    Genauso hatte Dives natürlich auch zu manch anderem Thema eine Meinung. So erfreuten ihn insbesondere die erfolgreichen Auftritte seines Verwandten auf der Rostra und im Senat, da sich hier doch zeigte, ob jemand tatsächlich nicht nur zu erzählen, sondern auch zu sprechen, nicht nur zu überreden, sondern auch zu überzeugen wusste. Und so erfüllte es ihn umgekehrt stets mit einem unheilvollen Unbehagen, wenn sich ein Mitglied der Iulii Caepiones dem divitischen Empfinden nach zu sehr mit den Iulii Caesares zu identifizieren schien - denn irgendwie mutete es doch an wie der Wille der Götter, dass genau solche Iulier auffällig oft sehr früh verstarben; ganz so als wollten entweder die Götter keine zweiten Iulii Caesares... oder als wollten die Geister der toten Iulii Caepiones jeden Agnaten des Iulius Caepio strafen, der die Geister anderer Toter - wie die der toten Iulii Caesares - über sie stellte.
    Doch wie auch schon im Falle seiner Ansicht zu den Factiones behielt Dives auch in diesem Fall seine Meinung für sich... und stellte hier nun fest, dass sich manches Problem manchmal zumindest in Ansätzen auch ein bisschen von selbst regelte. - Kurz gesagt war der Senator gewiss nicht allzu betrübt darüber, dass Caesoninus nicht länger als Aedituus ausgerechnet im Tempel der Venus Genetrix diente.


    Ja, und nicht zuletzt hatte der divitische Iulier selbstredend auch in Sachen Ehepolitik - seiner eigenen mit Anlauf krachend gescheiterten Ehe zum Trotz - durchaus seine Meinung. So war er im Falle der Iuliae der Ansicht, dass eine Frau durch ihren Eheschluss nicht schlechter gestellt werden sollte... so es nicht andere Gründe gab, die ihr zum Wohle der Familie dieses Opfer abverlangten. Das bedeutete, dass eine in ritterlichen Verhältnissen aufgewachsene Frau natürlich einen Mann brauchte, der ihr ebenfalls (mindestens) diesen Status bieten können sollte. Und auch eine Iulia aus nicht-ritterlichem Elternhaus hatte selbstredend immerhin ihren guten Namen, sodass ihr zum Beispiel das Schicksal einer Ehe mit einem ehemaligen Peregrinus, der erst irgendwann im Verlaufe seines Lebens das römische Bürgerrecht erlangt hatte, hoffentlich erspart werden konnte.
    Doch auch in diesem Punkt vertraute Dives darauf, dass sich sein Cousin schon gut um alles kümmern würde - und dass er insbesondere bei einem Eheschluss zwischen cognatischen Verwandten auf eine ausreichend entfernte Verwandtschaft achtete. Womöglich könnte er gar geschickt auch eine - cognatisch selbstredend nicht zu nah verwandte - Iulia von einer geeigneten Familie adoptieren lassen... nur um sie im Anschluss daran dann selbst zu ehelichen. Sofern man(n) nicht wie Dives bereits eine Ehe hinter sich hatte, gab es schließlich ab einem Alter von 25 Jahren gewissermaßen eine Ehepflicht, der gegenüber man sich besser nicht zu lange verschloss, um gar nicht erst die Frage auftauchen zu lassen... wie vorbildlich man eigentlich lebte, während man in die höchste Gesellschaftsschicht aufstrebte, die dem Volk von Roma in Sitten und Moral zu ebendiesem Vorbild gereichen sollte.

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  • Dives lag gerade mit seinen Kindern im Triclinium und ließ sich beim gemeinsamen Essen ihre neusten Erlebnisse berichten, als ein erst jüngst in Ersatz für einen verstorbenen Diener in den Haushalt aufgenommener Sklave den Raum betrat.


    "Meister!", meldete er sogleich in wichtigem Tonfall. "Ihr habt einen Brief aus Roma!" Mit diesen Worten hielt er eine Wachstafel in die Höhe, auf welcher deutlich sichtbar das Siegel der Iulier zu erkennen war. "Es heißt 'Dominus'.", ergriff sogleich Faustina vorlaut das Wort, um vor ihrem Vater mit ihrem Wissen zu glänzen. "Und es heißt, 'du hast einen Brief aus Roma' und nicht 'ihr'.", fühlte sich stante pede auch ihr älterer Bruder herausgefordert, sich ebenfalls in die Erziehung des neuen Sklaven mit einzuklinken. "Unser Papa ist schließlich ein Senator und kein Lehrmeister.", kicherte Fausta anschließend in Richtung ihres Bruders. "Und wenn man nicht zu viel Wein getrunken hat, dann sieht man ihn auch nur einmal.", grinste der jüngere Dives zurück, auch wenn er ob seines Alters bisher nicht zu sagen vermochte, wie viel Wahrheit an diesem Gerücht war, dass man bei zu übermäßigem Weinkonsum alles doppelt sähe.


    "Verzeih..ung, Dominus.", war dem Unfreien seine Einschüchterung deutlich anzumerken. Dives seinerseits ging über die Fehler seines neuen Dieners hinweg, nachdem sich seine Kinder bereits der Kritik angenommen hatten. Und er übersah fürs Erste auch das vorlaute Verhalten der beiden Kleinen. Sie sollten sich in ihrem jetzigen Alter voll und ganz auf die Aneignung eines grundlegenden Wissens konzentrieren. Der richtige Umgang mit diesem Wissen wäre eine Lektion, die sie im Anschluss daran gewiss noch lernen würden. "Zweifellos wieder einer der schönen Briefe, die mir mein Cousin Caesoninus regelmäßig schreibt.", erklärte der Senator also und forderte seinen Untergebenen anschließend auf: "Lies."
    Der Sklave, des Lesens offenkundig nicht mächtig, stand einen Augenblick lang nur wie angewurzelt da, bis ihm ein weiterer Unfreier aus dem Hintergrund zur Hilfe eilte, den Brief übernahm, ihn öffnete und mit wohlklingender Stimme zu lesen begann:


    "Salve, Marcus Iulius! Ich muss dir heute leider wegen höchst trauriger Umstände schreiben: Lucius Iulius Antoninus ist von uns gegangen!" Dives hustete kurz, nachdem er sich beinahe an einer Weintraube verschluckt hatte, so direkt wie sein Cousin hier auf den Punkt kam. "Hinabgestiegen in den Hades werden wir uns nie wieder an seiner Gegenwart erfreuen können und der kleine Caius Iulius Spurinus wird fortan ohne Vater aufwachsen müssen." Faustina schaute nachdenklich. "Papa?", redete sie mitten in die Verlesung des Briefes, sodass der Sklave - ein pfiffiger Mitdenker - kurz unterbrach. "Wer ist Lucius Iulius Antoninus?", wollte sie wissen. "Für euch... war er ein Onkel 4. Grades. Er hat über viele Jahre im Exercitus Romanus gedient: Erst in der Legio Prima, später dann über lange Zeit sogar bei den Praetorianern. Dabei hat er sich letztlich - neben einigen Auszeichnungen - so viel Anerkennung verdient, dass er nach euren lange verstorbenen Urgroßonkeln Seneca und Numerianuns sowie nach eurem noch lebenden Urgroßonkel 2. Grades, Licinus, der vierte Nachkomme unseres Stammvaters Iulius Caepio war, dem der Aufstieg unter die Equites gelungen ist.", erklärte der Senator, was ihm spontan zu seinem Verwandten einfiel. "Als wir noch in Roma gelebt haben, war er in aller Regel häufiger in den Castra seiner Einheit als dass er in der Domus Iulia gewesen wäre. Daher kennt ihr ihn vermutlich kaum.", war sich Dives spontan gar unsicher, ob sein Verwandter die beiden Kinder überhaupt je zu Gesicht bekommen hatte. (Hatte er.) "Und wer ist Caius Iulius Spurinus?", wollte im Anschluss dann der jüngere Dives wissen. "Nun... offensichtlich war Antoninus Vater - und Caius Iulius Spurinus ist sein Sohn.", musste sich der Iulier an dieser Stelle selbst auf die trivialen Fakten beschränken, da diese frohe Kunde bisher allem Anschein nach an ihm vorbeigegangen war. "Und hat der auch eine Mama? Oder ist das so wie bei uns?", hakte Minor nach. "In den Castra der Soldaten leben doch keine Frauen!", warf seine Schwester sogleich spottend ein, bevor ihr offenbar spontan doch einige Zweifel kamen. "Oder, Papa?"


    "Wir hören am besten erst einmal, was sonst noch alles in dem Brief geschrieben steht, bevor wir uns mit solch detaillierteren Fragen befassen.", lächelte der Vater über seine Unfähigkeit, derlei Fragen zufriedenstellend beantworten zu können, gekonnt hinweg. Stattdessen gab er dem Sklaven ein Handzeichen, fortzufahren: "Natürlich versuchen wir alle so gut es geht für ihn da zu sein, doch ist es wohl für jedes Kind ein Schock, wenn einem die väterliche Leitfigur urplötzlich fortgerissen wird. Hoffentlich zerbricht sein junger Verstand nicht ob dieses Verlustes." Faustina seufzte leise. "Der Arme.", bekundete sie in kindlichster Naivität und legte den Kopf schief. "Die Beerdigung wird in einer Woche am Tag vor den Nonen des August dieses Jahres stattfinden." In Minors Augen funkelte es. "Papa, können wir da hin?", fragte er vorsichtig. "Zur Beerdigung?", verzog seine Schwester skeptisch das Gesicht. "Zur Beerdigung - nach Roma!", betonte er vor allem den zweiten Teil. "H-h! Au ja! Papa, können wir da hin? Zur Beerdigung von Onkel Antoninus?", spielte die Beerdigung bei ihr augenblicklich nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen war es vor allem die Aussicht auf einen kurzen Aufenthalt in der Ewigen Stadt, der ihr Herz aufgeregt schneller schlagen ließ. "Das wird schwierig.", dämpfte Dives in der Folge sogleich die Erwartungen seiner Kinder. "Bitte, Papa.", zeigte sich Minor von seiner artigsten Seite. "Och bitte, Papi!", machte auch Faustina große Augen. "Wir werden sehen.", schloss der Vater das Thema, während er innerlich seine Entscheidung bereits getroffen hatte: Es würde nur einer nach Roma reisen - und das war der Bote mit dem divitischen Beileidsbekunden.

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  • Dives hatte sich einen neuen Sklaven zugelegt, nachdem sein Leibsklave Aglaopes, der ihm als persönlicher Medicus, Scriba und Nomenclator diente, um etwas Entlastung ob seines zunehmenden Alters gebeten hatte. So war vor wenigen Tagen der Iberer Saras in den Haushalt des Iuliers gelangt und nachdem der Unfreie sich zunächst etwas im divitischen Anwesen einleben und zurechtfinden durfte, hatte am heutigen Tage nun seine Einarbeitung in seine neue Arbeit als Privatsekretär des Senators begonnen.


    | Saras
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES


    Der Iberer hatte bereits mehrere Briefdiktate seines neuen Herrn aufgenommen, Anreden formuliert und Grußformeln geschrieben. Dives schloss seine Augen und legte Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand auf die Lider. Er unterdrückte ein Gähnen, doch war seine zunehmende Lustlosigkeit deutlich auszumachen.


    "Ich habe hier noch einen letzten Brief, Domine.", erklärte Saras mit leichter Unschlüssigkeit in der Stimme. Dives verzichtete auf Worte und gab dem Iberer lediglich mit einer Geste zu verstehen, dass er fortfahren sollte. "Orbius Poplicola grüßt den Senator Iulius Dives.", begann der neue Scriba zu lesen, während der Iulier, nachdem er den Namen des Absenders nicht kannte, innerlich abschaltete und nur noch mit einem halben Ohr dem Verlesen des Briefes folgte: Es handelte sich um Einladung. Wahrscheinlich wollte sich wieder irgendein Bewerber auf irgendein Amt mit einem Senator als Gast schmücken, reimte sich Dives grob zusammen.


    "Schreib, dass der Senator Iulius Dives den Absender grüßt.", war dem Iulier bei seinem Diktat bereits zu Beginn der Name des Absenders wieder entfallen. "Ich danke ihm für seine freundliche Einladung, muss ihm aber unglücklicherweise mitteilen, dass daraus nichts wird. - Für die genaue Formulierung und eine passende Begründung orientiere dich an dem Brief des Kandidaten für das ostiensische Duumvirat. Ich möchte schließlich konsistent sein in dem, was ich schreibe." Mit diesen Worten erhob sich Dives von seinem Platz, während Saras eifrig Notizen machte. "Am Ende eine angemessene Grußformel und dann legst mir diesen und die übrigen Briefe auf meinen Schreibtisch, sobald du sie in Reinschrift gebracht hast. Ich werde sie mir morgen noch einmal ansehen, bevor sie das Haus verlassen." Mit diesen Worten verließ der Senator das Zimmer. Er war müde.

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  • "Beim Iuppiter...", erschrak Dives am nächsten Nachmittag beim Lesen. "Weshalb sagst du mir denn nicht, dass dieser Brief des Orbius eine Einladung des Augustus ist?!", fragte er mit einer zarten Spur von Vorwurf in der Stimme. "Wenn der Augustus mich einlädt, weil er mich allem Anschein nach sehen will, dann kann ich ihm schließlich nicht einfach so absagen!", erklärte der Senator, während sich ihm bei der Gelegenheit innerlich die Frage stellte, welchen Anlass es wohl gab für diese Einladung.


    | Saras
    SCRIBA PERSONALIS - MARCUS IULIUS DIVES


    "Verzeihung, Domine. Ich werde mich bestimmt bessern.", versicherte Saras eifrig. "Wenn ich nur wüsste, worum es geht. Weshalb werde ich auf den Palatin bestellt?", hatte der Iulier unterdessen längst mit dem Fehler seines neuen Sklaven abgeschlossen und war bereits einen Schritt weiter. "Will er mich womöglich in seiner Funktion als Censor zu den Ermittlungen dieses Trecenarius Tiberius befragen, um im Anschluss daran zu entscheiden, inwiefern ich weiterhin Teil des stadtrömischen Senats sein und bleiben darf?", zeichneten sich leichte Sorgenfalten auf der divitischen Stirn ab. - Ein kurzes Schweigen erfüllte den Raum, da sich der iberische Scriba nicht traute nachzufragen, um was für eine Geschichte es sich mit dem erwähnten Trecenarius handelte.


    "Vielleicht möchte er dir auch ein Amt antragen, Domine?", durchbrach der Iberer irgendwann zögerlich die Stille. "Ein Amt?", war Dives skeptisch. "Das kann ich mir kaum vorstellen. Ich lebe schließlich seit geraumer Zeit vergleichsweise zurückgezogen hier in Bovillae und nicht in Roma. Ich bin nicht involviert in die aktuellen Angelegenheiten des Senats, ich habe keinen Überblick über das aktuelle Geschehen in der Ewigen Stadt, ich habe seit geraumer Zeit bereits kein öffentliches Amt mehr ausgefüllt.", argumentierte der Senator. "Kurz gesagt könnte ich mir höchstens vorstellen, dass man mich als Statthalter oder Legionskommandeur in irgendeine ferne Provinz - nach Britannia oder so - abschieben will. Aber welchen Sinn würde das ergeben, da ich doch eh von der politischen Bühne und aus dem Zentrum der Macht verschwunden bin?" Nicht zuletzt war Dives auch von seinem Rang her zumindest für eine Statthalterschaft ein alles andere als ein geeigneter Kandidat. "Nein, eher noch geht es da womöglich um Fausta...", rollte der Iulier mit den Augen.


    "Domina Iulia Fausta?", wagte Saras eine vorsichtige Nachfrage, da er sich nicht vorstellen konnte, was die Tochter des Senators bereits in ihrem jungen Alter mit dem Augustus zu tun haben sollte. Sollte sie etwa eine Dienerin der Vesta werden? "Nein. Sergia Fausta, die Mutter von Faustina.", korrigierte der Familienvater. "Sie war zuletzt als Procuratrix in der Administratio Imperatoris tätig gewesen, bevor... nunja... bevor ich mit unseren Kindern hier nach Bovillae gegangen bin und ihr den Kontakt zu den beiden untersagt habe. Kurz darauf verschwand sie dann spurlos. Dabei hat sie weder im Officium der Eheregistratur eine offizielle Scheidung eingereicht, noch ist sie aus der stadtrömischen Domus Iulia ausgezogen. Sie war einfach nur vom einen auf den anderen Tag weg... und wurde daher letzten Endes schlicht irgendwann für tot erklärt.", gab Dives sachlich wieder und konnte nicht sagen, dass er sonderlich traurig darüber war, dass dieser schlechte Einfluss nicht länger wie ein dunkler Schatten über der Familia Iulia Dives hing. "Vielleicht hat man ja nach all der inzwischen vergangenen Zeit doch noch irgendwo ihre Leiche entdeckt.", mutmaßte der Witwer, woraufhin Saras sich ein unüberlegtes Kopfschütteln nicht verkneifen konnte. "Warum nicht?", hakte der Iulier nach, ohne dass er tatsächlich größeres Interesse an einer Antwort darauf gehabt hätte. "Verzeih mir den Widerspruch, aber hätte sich dann nicht eher irgendein Tribun oder Kommandeur einer ermittelnden Einheit deswegen bei dir gemeldet, Domine?" Der Herr sah seinen Sklaven nachdenklich an.


    "Das stimmt natürlich auch wieder.", gab er seinem Untergebenen schlussendlich recht. "Also holen mich letztlich nun doch die Ermittlungen dieses undankbaren Tiberiers ein.", kam er zu dem Schluss. Wahrscheinlich war auf irgendwelchen praetorianischen Wegen die divitische Vorliebe für das eigene Geschlecht nun auch dem Augustus bekannt geworden. Und nun gab dieser in seinem Funktion als über die Sitten wachender Censor dem Iulier diese eine Chance, sich persönlich zur Causa zu erklären, bevor er Dives für des Senatorenstandes unwürdig erachtete und ihn wegen unsittlichen Lebenswandels von den Senatslisten strich... wenn nicht gar ins Exil drängte. Denn so gut kannte Dives den Augustus nicht, als dass er auch nur ansatzweise abschätzen könnte, wie der Augustus über diese Thematik im Allgemeinen so dachte und wie liberal - oder eben auch illiberal - er speziell hierbei nun also war.


    "Gib Antinoos und Aglaopes Bescheid. Sie sollen alles vorbereiten für eine kurze Reise nach Roma, maximal zwei-drei Tage lang. Anschließend setzt du einen Antwortbrief an die Administratio Imperatoris zu Händen dieses Oribus auf und kündigst darin an, dass ich selbstredend dem Ruf des Augustus folgen und zu diesem Zwecke nach Roma reisen werde. Schreib, dass ich voraussichtlich in der kommenden Woche dort eintreffen und ihn sodann an besagtem Ort aufsuchen werde.", wies er seinen neuen Sklaven an. "Gib mir den fertigen Brief heute Abend nach der Cena. Dann kann sich Cito noch heute auf den Weg begeben, ihn schnellstmöglich an den Palatin zu bringen." Dass auch der Senator selbst nach der heutigen Erfahrung lieber noch einmal einen kontrollierenden Blick auf das Werk des Iberers werfen wollte, betonte er nicht extra. Saras verstand es auch so. "Selbstverständlich, Domine.", nickte er.

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  • Noch nicht lange war es her, da hatte die Nachricht vom Tod des Ritters Iulius Antoninus das divitische Anwesen in Bovillae erreicht und den Senator durchaus bewegt. Nun befand sich das Haus gerade in den Vorbereitungen für die Reise des Iulius Dives nach Roma, wo er einer Einladung auf den Palatin folgen wollte. (Noch immer zermarterte er sich innerlich den Kopf darüber, welchen Grund und Anlass diese Einladung wohl hatte.)


    Kurz vor seiner Abreise traf dann ein weiterer Brief aus Roma ein. Der neue divitische Privatsekretär Saras, inzwischen ein wenig geschulter im Umgang mit den Korrespondenzen seines neuen Dominus, erkannte die Relevanz und leitete ihn umgehend an den Iulier weiter...


    Domus Iulia, Roma

    Ad
    Senator
    Marcus Iulius Dives
    Villa Iuliana Divitis
    Bovillae



    Phocylides Maiordomus Iulio Diviti Senatori s.d.


    Ich schreibe dir heute, um dir in trauriger Erfüllung meiner Pflicht mitzuteilen, dass es einen Anschlag gab auf zwei deiner hier in der Domus Iulia zu Roma lebenden Verwandten. Am helllichten Tag wurden bei einem Spaziergang der Dominus Gaius Iulius Caesoninus und die ihn begleitenden Domina Iulia Phoebe auf offener Straße gewaltsam überfallen. Nach allem, was bislang bekannt ist, hatten die beiden wohl keine Chance. Ich muss dir leider sagen, deine beiden Verwandten sind tot.


    Die Trauer und Bestürzung in der Domus Iulia ist bei allen groß. Gleichzeitig macht sich aber auch Sorge breit, denn die beiden Dominae Iulia Graecina und Iulia Stella leben nun vorerst allein hier in der Domus - ohne die Sicherheit und den Schutz, welche die Anwesenheit eines Iulius vermitteln würde. Deshalb hat die Domina Iulia Graecina sogleich einen Brief an Iulius Antipater aufgegeben und ihn als Tutor der beiden Dominae Iuliae gebeten, nach Roma zu eilen. Auch um die Verhandlungen für die beiden Hochzeiten der Dominae abzuschließen.


    Im Auftrag der Domina Iulia Stella soll ich zudem dich eindringlich bitten, ebenfalls nach Roma zurückzukehren und deinen Einfluss als Senator zu nutzen, um ihren Verlobten Lucius Annaeus Florus Minor aus Germania Superior abberufen zu lassen. Der Annaeus dient dort wohl schon seit geraumer Zeit als senatorischer Tribun einer Legio und hat seine Pflicht gegenüber Roma erfüllt. Es würde ihm also nicht schaden, da seine Abberufung eh an der Zeit wäre. Ganz im Gegenteil würde es ihm sogar helfen... helfen seine Qualitäten als Verlobter der Iulia Stella unter Beweis zu stellen und für sie da zu sein in dieser schweren Stunde.


    Im Namen aller Bediensteten des Hauses sei dir unser aller Beileid zu diesem erneuten schweren Verlust ausgedrückt. Wir alle hoffen, dass die informierten Cohortes alles unternehmen werden, um die Täter schon bald ausfindig und ihrer verdienten Strafe für diese grausame Tat zuzuführen.


    Mit dem Segen der Götter: Vale bene!


    PHOCYLIDES
    MAIORDOMUS



    Dives erinnerte sich, als wäre es gestern gewesen, wie er einst erleichtert dachte, dass er mit dem Ende von Caesoninus' Tätigkeit als Aedituus ausgerechnet im Tempel der Venus Genetrix nun nicht länger mit dem unheilvollen Unbehagen kämpfen müsste, welches ihn stets erfüllte, wenn er an die (zu?) große Affinität seines Cousins zu den Iulii Caesares dachte. - Augenscheinlich hatte er sich da zu früh gefreut. Am Ende hatte der 'Fluch' nun also auch Caesoninus heimgesucht...

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