[Tablinum] Praktikumsgespräche

  • "Ohne praktische Beispiele ist Theorie immer so trocken", bekräftigte Macer mit einem Augenzwinkern seinen Vorschlag und die Bitte um konkrete Fragestellungen für den Einstieg. "Ich möchte es einfach vermeiden, dir stundenlange Vorträge zu halten. Das ist für uns beide ermüdend und am Ende wirst du sowieso Fragen stellen wollen, weil ich doch nicht alles erklärt habe, was du wissen wolltest. Da kannst du mir auch gleich am Anfang mit ein paar Fragen die gewünschte Richtung vorgeben", erläuterte er seinen Gedankengang. Immerhin waren sie hier nicht in derselben Situation wie früher an der Academia Militaris, wo Macer in der Tat stundenlange Vorträge gehalten hatte. Aber damals wir die Situation ja auch eine andere. Damals hatte er einen Lehrplan und die Studenten wollten einen Abschluss und mussten dafür eine Prüfung ablegen. Beim Tirocinium gab es dagegen weder Lehrplan noch Abschluss und erst Recht keine Prüfung, also wollte Macer auch keine stundenlangen Vorträge halten. "Dir fallen bestimmt Fragen ein", gab Macer dem Iulier noch als aufmunternde Worte mit auf den Weg, denn dieser schien mit der Herangehendweise weniger glücklich zu sein. Dabei war sich Macer aus den bisherigen Gesprächen sehr sicher, dass sein Tiro sich sicher gute Fragen würde ausdenken können.

  • Caesoninus überlegte eine ganze Weile, länger als er eigentlich wollte. Hoffentlich schlief der Senator nicht zwischenzeitlich ein, doch dann endlich rang er sich zu einer ersten Frage durch, gefolgt von ein paar anderen: "Hmm, nun gut. Ich denke statt nach der ganz trockenen und unpersönlichen Theorie hinter dem Cursus Honorum und seinem Wege zu fragen, würde ich gerne erfahren, wie es dir in deinen ersten Anfangsämtern so ergangen war, ehe du zum Senator berufen wurdest. Möchtest du mir davon erzählen? Wie verliefen so deine Amtszeiten als Vigintivir, Quastor und Aedil? Wie war der Wahlkampf immer jeweils zuvor und was sagst du waren jeweils deine politischen Höhepunkte und was die Tiefpunkte pro Amtszeit?"


    Das wäre einmal genug fürs Erste, doch Caesoninus hatte noch ein zwei Fragen mehr. Es waren zwar jetzt nicht die übertrieben tiefgehenden, spannenden oder weltbewegenden Fragen, die ihm da einfielen, doch die die er stellte fand er persönlich interessant mit dem Fünkchen Hoffnung unten drunter, dass er sich für seine eigene Karriere ein paar nützliche Details aus Macers Erzählung herauspicken würde können.


    Sim-Off:

    Ich hab schon in deinem Werdegang gesehen, dass du -aufgrund der simOff-Historie und der Entwicklung des IRs- den Cursus Honorum in anderer Reihenfolge beschritten hast, als eigentlich vorgesehen. Wollen wir es so machen, dass Macer es in seiner Erzählung so darstellt, als hätte er ihn linear beschritten (also bei Aedil und Quaestor einfach von den Amtszeiten erzählen, ohne Hinweis wann die waren) und beim Vigintivirsamt vllt. etwas erfinden, was aber nicht ausgespielt wurde? Oder doch streng an Zeitablauf und Ereignissen an vergangene SimOn-Ereignisse halten?

  • Die Frage seines Tiros fiel weitaus weniger theoretisch aus, als Macer befürchtet hatte. Selbst eine theoretische Frage zum Cursus Honorum wäre wohl in Macers Augen noch praktisch genug gewesen, aber so fiel es ihm natürlich umso leichter, eine ausführliche Antwort zu geben. Er setzte sich etwas entspannter hin, bevor er begann. "Nun, vermutlich sollte ich vorausschicken, dass meine Ämterlaufbahn eine eher untypische war, was vor allem den Umständen der Zeit geschuldet war. Ich hatte mich darüber hinaus zunächst für eine militärische Laufbahn entschieden und war schon zum Tribunus Laticlavius der Legio I aufgestiegen, bevor ich doch den politischen Weg einschlug. Und es waren eben die Umstände der Zeit, die mir dies auf andere Weise ermöglichten, als es heute üblich ist", stellte er seiner Beschreibung eine längere Vorrede voran, um seinem Tiro die korrekte Einordnung der nun folgenden Ausführungen zu ermöglichen.


    "Somit entfiel für mich insbesondere das Vigintivirat völlig. Ich habe dieses Amt schlicht nie absolviert. An meine Quaestur habe ich zugegebenermaßen nur noch sehr wenige Erinnerungen, auch wenn ich das vielleicht haben sollte, weil das erste Amt im Cursus Honorum ja schließlich etwas besonderes ist", fuhr Macer dann mit einem leicht verlegenen Gesichtsausdruck fort. Sein Gedächtnis war eben eher schlecht. "Ich hatte jedenfalls den Posten eines Quaestor Urbanus inne und der Wahlkampf zuvor dürfte - wie in jenen Zeiten üblich - recht intensiv gewesen sein. Es gab namhafte Kandidaten und gerade bei den unteren Ämtern war die Konkurrenz groß und jeder versuchte, seine Gefolgsleute zu mobilisieren. Wenn ich mich recht entsinne, war mein Ergebnis gut aber nicht berauschend. Ob ich mir besondere Maßnahmen für den Wahlkampf ausgedacht hatte, weiß ich nicht mehr." Er überlegte eine Weile, ob ihm noch mehr dazu einfiele, schüttelte dann aber den Kopf. "Das Amt selber habe ich dann wohl auch eher unspektakulär verbracht, möchte ich meinen. Als Quaestor Urbanus hat man recht viele Verwaltungsaufgaben, mit denen es wenig Ruhm zu ernten gibt. Der Quaestor Principis hat da eine deutlich exponiertere Stellung und als Quaestor Provincialis kommt man wenigstens ein wenig herum. Ich habe vor allem Meldelisten kontrolliert, wenn ich mich richtig erinnere. Von politischen Höhepunkten oder Tiefpunkten kann in dieser Zeit also wirklich keine Rede sein."


    Macer machte eine kurze Pause, um gedanklich zu rekapitulieren, was danach kam und was er nun berichten sollte. "Bei meinem Aedilat war das völlig anders. Bedingt durch meine weitere militärische Aktivität, die mich nach der Quaestur zeitweilig auch nach Germania führte, habe ich erst acht Amtszeiten später den nächsten Schritt im Cursus Honorum gemacht. Dafür war dies das erste Amt, auf das ich mich wirklich vorbereitet und gefreut habe. Eine detaillierte politische Agenda hatte ich nicht, dafür aber waren meine Aufgaben wesentlich vielfältiger als die während der Quaestur und ich hatte den Ehrgeiz, möglichst vielen der Pflichten eines Aedils auch gerecht zu werden. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich etwas Glück und keine namhaften anderen Kandidaten zu fürchten, so dass der Wahlkampf für mich etwas entspannter verlief als bei der Quaestur. Tatsächlich fiel das Wahlergebnis dann auch deutlich besser aus und soweit ich mich erinnere hieß es damals, dass es eines der besten Ergebnisse gewesen wäre, die für das Aedilat erzielt wurden." Ob Macer sich noch immer in diesem Ruhm sonnen konnte, wusste er nicht, aber inzwischen war es ihm auch nicht mehr so wichtig. "Konkrete Höhepunkte oder Tiefpunkte vermag ich auch für diese Amtszeit nicht zu benennen, blicke aber im Allgemeinen immer äußerst freudig und positiv auf diese Zeit zurück. Sicher habe ich in den späteren Ämtern mehr Einfluss gehabt und mehr bewegen können, so dass diese rein politisch betrachtert zweifellos noch wichtiger sind, aber insgesamt betrachtet würde ich schon mein Aedilat als meinen persönlichen Höhepunkt in der Ämterlaufbahn betrachten."


    Bevor er nun weiter berichtete, machte Macer erst einmal eine Pause, um seinem Tiro Zeit für Zwischenfragen zu lassen. Außerdem kam ihm mit der Zeit vielleicht noch das eine oder andere mehr in den Sinn, was es sich zu erzählen lohnte.


    Sim-Off:

    Ich habe mich mal eng an den tatsächlichen Lebenslauf gehalten und mir lediglich durch ein paar vage Auslassungen ein paar umständliche Erklärungen erspart.

  • Aufmerksam lauschte Caesoninus Macers Ausführungen. Als erstes interessantes Indiz registrierte er für sich die Erwähnung des Amtes des Quaestor Principis. Das würde er sich merken und gleich näher darauf zurückkommen. Als Macer anfangs von den "anderen Zeiten" erzählt hatte murmelte Caesoninus nebenbei: "Ja, hmm.. der Bürgerkrieg." Natürlich hatte Caesoninus diesen schon miterlebt, doch war er damals noch zu klein gewesen, um alles zu verstehen. Doch schon verständlich, dass in solchen Zeiten keine Vigintiviri gebraucht wurden, sondern Männer des Schwertes, Caesoninus wäre seinerseits ebenfalls zur Armee gegangen.


    Als Macer geendet hatte sprach er: "Vielen Dank für diesen Überblick deiner frühen Jahre im Cursus Honorum. Nach deiner überaus positiven Erwähnung deiner Zeit als Aedil würde ich sehr gerne nähere Details über diese Zeit deines politischen Lebens erfahren, darf ich? Mit welchen konkreten Aufgaben du betraut warst, welche Schwierigkeiten vorhanden waren etc."

  • "Nicht alles war direkt dem Bürgerkreig geschuldet", hakte Macer ein, zumal er in seiner Laufbahn mehr als eine Phase erlebt hatte, die man je nach Sichtweise als Bürgerkreig bezeichnen konnte. "Manches vielleicht noch indirekt, anderes war einfach so, wie es damals war und nun ist es anders. Nicht jede Änderung muss blutig erkämpft oder bekämpft werden", mahnte er an, denn eine blutige Auseinandersetzung schien ihm höchst selten ein geeignetes Mittel der Innenpolitik zu sein.


    Dann ging er aber weiter zu nächsten Frage und kam damit zu den Details seines Aedilats. "Nun, die Aufgaben waren jene, die das Gesetz vorsieht. Aufsicht über die Märkte und Thermen einerseits und die Ausrichtung von Spielen andererseits. Ich habe damals viel Wert darauf gelegt, möglichst umfangreiche und häufige Kontrollen von Betrieben durchzuführen und das in allen Teilen der Stadt. Anders gesagt: Ich war viel zu Fuß unterwegs, aber natürlich ist es völlig unmöglich, persönlich lückenlose Kontrollen durchzuführen. Für die Amtszeit hatte ich auch einen persönlichen Schreiber angestellt, Flavius Milo, für den das sowas wie eine Mischung aus Tirocinium Fori und bezahlter Arbeit war, mir bei den verschiedenen Aufgaben zur Hand zu gehen. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich mir von den verschiedenen gesetzlichen Aspekten für die Betriebskontrollen vor allem die Kontrolle des Einsatzes von geeichten Maßen und Gewichten herausgesucht. Bei den Thermen hatte ich vielleicht auch einen Schwerpunkt, aber das weiß ich nicht mehr so genau. Dazu kam natürlich noch die Schreibarbeit, also vor allem das Erteilen und Einziehen von Konzessionen. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich mir das mit meinen Amtskollegen aufgeteilt, dass ich mich vorranging darum gekümmert habe, während andere vorranging die Preiskontrollen auf den Märkten gemacht haben."


    Macer machte eine kurze Pause und schaute nachdenklich ins Leere. "Im Senat war ich nicht allzu aktiv als Amtsträger. Wenn, denn werden es wohl Initiativen zur Lex Mercatus gewesen sein, aber soweit ich mich erinnere, hatte ich keine größere Reform auf der Agenda." Daher stoppte er erneut seinen Vortrag und wartete auf erneute Nachfragen.

  • "Oh, anscheinend war sogar schon damals zu deinen ersten Amtszeiten die Lex Mercatus stets in aller Munde, ja von diesem Gesetz hört man so im Alltag wohl am meisten" meinte Caesoninus und lachte. "Danke für deine Schilderungen, sie haben mir sehr geholfen bei der Durchleuchtung der Aufgaben und des Arbeitsalltags eines Aedils. Dass man in den unteren Ämtern wohl nicht soo sehr glänzen kann im Senat erscheint mir ein wenig schade, aber ja, irgendwer muss ja auch die Schreib- und Tagesgeschäfte erledigen oder? Wirkliche Amtsgewalt wird man wohl erst als Praetor erlangen, aber bis zu diesem Amt ist der Weg weit, obwohl man denke ich auch schon zuvor etwas für seine politische Karriere tun kann, wie mir scheint. Zum Beispiel, wenn man in seiner Quaestorenamtszeit als Quaestor Principis tätig ist, arbeitet man doch ständig mit dem Imperator Caesar Augustus zusammen und hätte so ein ganzes Jahr Zeit sich in den Augen des Augustus zu profilieren. So eine Chance erhält man auf höheren Amtsstufen dann nicht mehr oder? Und was später das Amt des Aedil angeht, so würde mich zumindest das Amt des Volkstribuns anlachen, auch wenn es derzeit ziehmlich machtlos ist. Doch wer weiß, ob es vielleicht möglich ist dieser altehrwürdigen Institution wieder mehr Glanz und Ansehen zu verleihen?"

  • "Die Lex Mercatus ist ja auch eines der Gesetze, die wirklich fast jeden betreffen", stimmte Macer zu. "Fast jeder muss früher oder später irgendwo irgendetwas einkaufen oder ist an einem Handel beteiligt oder ähnliches. Jeden Tag passieren auf den Märkten tausende von Handlungen, die diesem Gesetz unterliegen. Das lässt sich kaum über ein anderes Gesetz sagen."


    Bei den anderen Punkten legte Macer dann aber doch Wert darauf, noch etwas zu differenzieren und hakte noch einmal ein. "Nun, im Senat glänzen kann man in den unteren Ämtern, also im Vigintivirat und in der Quaestur sicher nicht, aber dafür sind diese Ämter ja auch nicht gemacht. Nicht umsonst werden sie auch an Männer vergeben, die eben noch keine Senatoren sind. Und der Aedil hat zweifellos bereits einen wichtigen Aufgabenbereich und kann im Senat schon einiges bewirken, wenn es denn notwendig ist. Um sich einfach nur zu profilieren, hat er andere Mittel, insbesondere die Spiele. Über Gesetzesreformen kannst du dir ohnehin nur einen Namen machen, wenn du gleich den ganz großen Hebel ansetzt."


    Nach diesen eher praktischen Erklärungen kam Macer dann noch auf einen theoretischeren Aspekt zu sprechen. "Und Amtsgewalt ist nicht mit dem Einfluss im Senat zu verwechseln. Es gibt einflussreiche Männer im Senat, die kein Amt ausüben. Und jeder Magistrat, selbst ein Viginitivir hat Amtsgewalt. Eben in seinem Amt, seinem Aufgabenbereich. Was dann noch zu unterscheiden ist, sind die Magistrate mit Imperium und solche ohne. Hier liegt die Grenze tatsächlich bei der Praetur, welches die erste Magistratur mit Imperium ist, die man im Cursus Honorum erreicht. Vereinfacht gesagt, gibt es für einen Magistraten mit Imperium keinen definierten Vorgesetzen", erläuterte Macer das Konzept. "Seine Beschlüsse können nur durch einen Senatsbeschluss oder das Veto eines ranghöheren Magistraten gekippt werden. Die anderen Magistrate ohne Imperium haben dagegen immer auch einen definierten Vorgesetzten."


    Nach diesem ungefragten Ausflug in die Struktur der Amtgewalten kam Macer dann wieder auf die Fragen seines Tiro zurück. "Ja, als Quaestor Principis arbeitest du so eng mit dem Kaiser zusammen, wie wohl auf keinem anderen Posten im Cursus Honorum. Das kann positiv, aber auch negativ sein. Machst du deine Sache gut und ist der Kaiser beliebt, wird er dich fördern und man wird dir als Schützling des Kaisers mit Respekt begegnen. Ist der Kaiser dagegen unbeliebt, bist du schnell als sein Günstling verrufen und man begegnet dir mit Misstrauen oder sogar Ablehnung. Und machst du deine Sache nicht gut, dann hast du es dir mit dem mächtigsten Fürsprecher verdorben, den du hättest haben können." Macer machte eine bedeutungsschwangere Pause. Bei diesem Amt stand eben einfach viel auf dem Spiel, aber der mögliche Gewinn war auch entsprechend hoch.


    Zum Volkstribunat hatte er dagegen eine einfachere Meinung. "Das Volkstribunat ist ein totes Amt. In der Republik war es mächtig, aber das ist lange her. Heute gibt es keinen Grund, es noch einmal zu beleben."

  • Caesoninus brummte. "Hmm, ja gut ich hab mich da wohl etwas falsch ausgedrückt bei meiner Aussage, dass die unteren Ränge keine Amtsgewalt haben, denn natürlich haben sie die, nur hatte ich das falsch formuliert, bitte entschuldige, aber vielen Dank für deine kleine Ausführung, das macht so einiges gleich ein wenig übersichtlicher." Caesoninus überlegte kurz, dann: "Ich denke ich würde es versuchen wollen. Also Quaestor Principis zu werden. So eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen. Wie schafft man das? Lost das der Senat einem zu, oder der Imperator Caesar Augustus persönlich?"

  • Macer schüttelte grinsend den Kopf. "Gelost wird sicher nicht. Wir sind ja nicht die Griechen", erklärte er als erstes. "Formal entscheidet der Senat über die Verteilung der Quaesturen, aber er hat dabei in der Regel überhaupt keinen Grund, einen expliziten Wunsch des Kaisers bezüglich des Quaestor Principis zu ignorieren. Und so wie ich unseren Kaiser kenne, wird er es genau so machen, also den Senat entscheiden lassen aber keinen Zweifel daran lassen, welchen Kandidaten er sich wünscht."

  • Caesoninus nickte. Für ihn war seine Aufgabe klar. "Gut, also muss ich den Imperator Caesar Augustus dazu bringen, dass ich dann, wenn es soweit ist sein Wunschkandidat bin. Ob wir vielleicht dieses Tiro Fori nicht ein wenig in Richtung dieses Ziels lenken könnten?"


    Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: "Schritt Eins wäre zu allererst, dass er überhaupt einmal Notitz von mir erlangt. Hierbei hätte ich schon eine Idee. Du weißt ja, dass ich im Namen meiner Factio, der Praesina, die Factio Aurata, wie auch deinen Rennstall, die Russata zu einem privaten Dreierrennen eingeladen habe, stimmts? Das kürzliche von mir organisierte Trainingsrennen Veneta vs. Praesina konnte ich schon mittels öffentlicher Anschläge nutzen, um meinen Namen und beim Rennen selbst auch mein Gesicht in der öffentlichen Wahrnehmung stärker zu etablieren und bekannt zu machen, eine ähnliche Werbeidee hätte ich auch für das zuvor erwähnte nicht-öffentliche Dreierrennen, jedoch muss ich darüber erst mit meinem Factiochef, Senator Claudius Menecrates sprechen. Meine Idee wäre, natürlich das Einverständnis von Senator Claudius vorrausgesetzt, dass ich dem Imperator Caesar Augustus höchstselbst eine Einladung zukommen lassen würde, um ihn zum Rennen einzuladen und dieses Spektakel so quasi zu einer Art persönlicher Privatvorstellung für den Herrn des Imperiums umzuformen mit dem Effekt, dass unsere aller Fahrer den Trainingseffekt erhalten, den sie sowieso durch dieses Rennen gewonnen hätten, der Imperator Caesar Augustus bestens unterhalten ist und er zudem erste Bekanntschaft mit meinem Namen macht durch meine Einladung. Was sagst du zu dieser Idee?"

  • Die Idee erschien Macer unkonventionell, aber das musste ja nichts schlechtes sein. Wer Aufmerksamkeit wollte, konnte nicht immer nur ausgetretene Pfade gehen. Überzeugt war Macer zwar keineswegs, aber das musste er seinem Tiro ka nicht sagen. Stattdessen ermutigte er ihn lieber. "Nun, als Dominus der Factio Russata kann ich ja fast nicht anders, als zu allem meine Zustimmung geben, was mit Wagenrennen zu tun hat. Dass du dich auf diesem Wege profilieren möchtest, kann ich daher nur unterstützen. Der Kaiser ist mir zwar bisher nicht als großer Freund der Wagenrennen aufgefallen, aber wer weiß - vielleicht weckst du ja eine unbekannte Seite bei ihm. Und selbst wenn er nicht wie gewünscht reagiert, wird er zweifellos dein Engagement bemerken, denn niemand organisiert einfach so mal eben ein Wagenrennen."

  • Caesoninus freute sich darüber, dass Macer seinen Plan offenbar ebenfalls gut fand. "Dann will ich es bei nächster Gelegenheit auch Senator Claudius vorschlagen, danke für deine Einschätzung! Damit wäre das Quästorenamt vorerst genug vorbereitet im Moment. Beim Vigintivirat jedoch weiß ich noch nicht so recht wohin ich will, ich kann mich einfach nicht für eine bestimmte Sparte dieses Amtes festlegen, das ich favorisieren und dafür Pläne schmieden könnte. Ist das schlecht? Was sollte ich tun?" Bei diesem Amt des Cursus Honorum hatte Caesoninus bei seinen Zukunftsplänen tatsächlich noch Schwierigkeiten. Nichts war dabei, was ihn auf Anhieb begeisterte, oder ihm auf Anhieb grandiose Vorhaben einfielen, vor allem jetzt nachdem Annaeus Florus Minor die Latte derart hoch gelegt hatte. Ob der Senator auch hier vielleicht guten Rat wusste?

  • Macer fand es persönlich überhaupt nicht schlecht, wenn ein junger Mann für die Viginitviri noch keine konkreten Pläne hatte, aber hier ging es ja nicht nur um seine persönliche Meinung, sondern eine Beratung für die Zukunft. Also holte er etwas weiter aus. "Nun, da muss man wohl nach verschiedenen Gruppen im Senat unterscheiden. Da gibt es die einen, die dich bei der Kandidatur sehr wahrscheinlich nach deinen Präferenzen fragen werden und es dir negativ auslegen, wenn du nicht wenigstens einen Wunsch hast. Dann gibt es jene, die dir schlicht Planlosigkeit unterstellen werden, wenn du nicht von dir aus gleich einen Wunsch und einen Plan für das gewünschte Amt vorstellst. Wahrscheinlich fragen sie nicht einmal nach, sondern treffen einfach nur für sich diese Entscheidung. Umgekehrt wird es auch jene geben, die jeglichen ausgefeilten Plan für das erste Amt im Cursus Honorum für verträumte, hochtrabende Augenwischerei halten und von dir nichts anderes erwarten als dass du einfach auf dem Amt, welches man dir zuweist, saubere Arbeit machst. Und dann gibt es noch die, die sich einfach überraschen lassen möchten", führte er seine Sicht auf die Zusammensetzung des Senates aus. "Ich persönlich gehöre wohl zu den beiden letztgenannten Gruppen, wenn es um die Besetzung des Vigintivirats geht. Zu große Pläne würde ich an deiner Stelle nicht schmieden. Du hattest noch nie ein Amt im Cursus Honorum, wie willst du dann planen und abschätzen können, was machbar und sinnvoll ist? Wobei ich natürlich schon erwarte, dass du dich mit den verschiedenen möglichen Aufgaben eines Vigintivirs auseinandersetzt und ich fände es nur natürlich, wenn sich aus dieser Beschäftigung auch eine Präferenz ergibt, welches Amt dir mehr zusagt."

  • Das war offensichtlich ein Punkt, wo sich Macers Meinung von der Caesoninus' unterschied.
    "Natürlich habe ich keine praktische Erfahrung in einem Amt des Cursus Honorum, doch finde ich, dass das kein Hinderungsgrund ist, sich trotzdem große Pläne zu überlegen. Sonst gebe es ja viel weniger Fortschritt in der Welt, wenn sich jeder künstlich klein halten und nie etwas wagen würde. Oder hatte z.B. Annaeus Florus Minor keine großen Ideen und Pläne während seiner Amtszeit? Er hatte sich etwas vorgenommen und zu Ende gebracht. Wo es selbst nicht weiterwusste, oder generell die Unterstützung anderer benötigte, hatte er sich Hilfe von dafür kompetenten Stellen geholt. So finde ich ist es ein guter Weg Projekte abzuwickeln. Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man jemanden herbekommt, der das speziell benötigte Wissen besitzt, so denke ich mir das. Natürlich kenne ich die Detailaufgaben des Vigintiviramtes und dass es aus den Tresviri capitales, den Tresviri aere argento auro flando ferunde, den Quattuorviri viis in urbe purgandis und den Decemviri litibus iudicandis besteht, doch ich weiß auch nicht. Was würdest du denn sagen, welche Aufgabe am besten zu mir passen würde? Gefangenenbeaufsichtigung und Bücherverbrennung, Münzprägung, Straßenreinigung, oder Erbschaftsverwaltung?"

  • "Ich weiß es nicht", antwortete Macer absichtlich schnell und mit einem sicheren Lächeln im Gesicht. Denn genau diese Frage war es, die seine zuvor geäußerte Meinung sehr anschaulich machte. "Das ist ja das, was ich eben meinte", erklärte er daher auch sofort. "Du hast keine Erfahrung im Cursus Honorum und kennst die Ämter nur dem Namen und dem Gesetz nach, aber du kennst die praktische, tägliche Arbeit eines Magistraten nicht aus eigener Erfahrung. Und auch ich kenne dich nur aus unseren vielen Unterhaltungen und aus dem, was du freiwillig in deiner Freizeit tust. Da ist es doch völlig natürlich, dass weder du noch ich eine zuverlässige Einschätzung abgeben können, wie dir die Amtspflichten liegen werden und für welche du geeignet bist. Wie willst du also jetzt einen Plan machen, ein wichtiges Problem zu lösen, wenn du noch gar nicht weißt, auf welche Probleme du stoßen wirst?"


    Macer machte eine kurze Pause, um seine Worte zu unterstreichen, aber natürlich wollte er seinen Tiro nicht gänzlich ohne Einschätzung lassen. "Du bist ein Mann, der gerne redet, der gerne argumentiert und wahrscheinlich auch gerne andere überzeugt. Ich denke, du strebst auch danach, etwas neues zu schaffen und nicht nur etwas zu verwalten oder Regeln anzuwenden. Ich bezweifle daher, dass die Tresviri Capitales das richtige Kollegium für dich wären und auch die Decemviri litibus iudicandis sind zweifellos primär einfach nur eine ausführende Stelle, die tun müssen, was das Gesetz vorschreibt. Annaeus Florus hat gezeigt, dass man auch als Vigintivir der Straßenreinigung Neues schaffen kann und Claudius Gallus hat es als Vigintivir der Münzprägung wengistens versucht, auch wenn ihm im Senat wenig Glück bescheiden war. Aber zweifellos kann man auch in diesen beiden Ämtern einfach nur tun, was die Pflicht verlangt und umgekehrt gelingt es dir vielleicht auch in den anderen Ämtern, etwas zu bewegen, sofern du das denn tatsächlich überhaupt willst und ich nicht falsch liege mit meiner Einschätzung."

  • Caesoninus lachte rau auf. "Würden wir in wilden Zeiten leben, wo Verbrechen und Missetaten an der Tagesordnung sind, oder eben einer anderen Krisensituation in der die Kriminalität dementsprechend sprunghaft anstiege wären wohl die Tresviri capitales noch etwas für mich", meinte Caesoninus nach kurzem Überlegen "dann könnte ich als ganz scharfer Hund gegen das niedere Gesindel vorgehen und sie alle der Reihe nach aufspüren, einsperren und dem Praetor anschließend beim Prozess behilflich sein. Aber ja, wenn ich von der aktuellen Situation ausgehe, haben wir derartige Ausnahmezeiten nicht, ja sogar im Gegenteil. In Rom ist es so ruhig und friedlich, dass man schon fast meinen könnte ees wäre gar niemand anwesend in unserer großartigen Stadt." Er seufzte mit abwesendem Blick. "Ich denke ich werde akzeptieren müssen, dass ich mein erstes Amt vollkommen unspektakulär absolvieren werde müssen, ohne der Aussicht Aufmerksamkeit zu erregen."
    Mittlerweile dauerte dieses Treffen schon wieder seine Zeit und er vermutete, dass der Senator es schn ziehmlich bald beschließen würde. Doch bevor dem so wäre brachte aesoninus noch folgende Frage bzw Anliegen an: "So, damit hätten wir meine gesamte Karriereplanung für die ganze Frühzeit im Cursus Honorum vesprochen, vom offenen Vigintivirsamt, über ein Tribunat an der parthischen Grenze bis zur Quaestur im Umfeld des Kaisers. Falls du dem nichts mehr hinzuzufügen hast, würde ich dich wieder einmal um eine praktische Übung bitten, an der ich mich versuchen könnte, damit wir nicht nur theoretische Gespräche in diesem Unterricht haben. Wäre dies auch in deinem Sinne?"

  • Macer konnte sich der durchaus positiven Äußerung über wilde Zeiten nicht im mindesten anschließen und blieb daher stumm. Zwar hätte er nichts dagegen gehabt, wenn es in Rom etwas quirliger zuginge als derzeit, aber einen Bedarf für scharfe Hunde sehnte er sich ganz sicher nicht herbei. Glücklicherweise brachte der Iulier das Thema dann selber zum Abschluss, so dass Macer es nicht weiter kommentieren musste.


    "Nun, geradezu natürlich an unsere Diskussion anschließen würde es sich ja, wenn ich dir als praktische Übung auftragen würde, eine Kandidaturrede zu schreiben. Oder wenn du etwas mehr Phantasie aufbringen möchtest, den Tatenbericht für eine Amtszeit als Magistrat deiner Wahl, die du soeben absolviert hast", schlug er vor, auch wenn er sich nicht ganz sicher war, ob das in die Richtung ging, die sich sein Tiro vorgestellt hatte. "Alternativ könnte ich dich auch bitten, mir ein Dossier über die Kandidaten für die kommende Wahl zu erstellen, soweit sie ihre Kandidaturen schon erklärt haben, aber da es diesmal bisher ausnahmslos recht farblose Kandidaten sind, von denen ich gehört habe, wäre das wohl eine eher freudlose Angelegenheit. Falls du doch lieber Gesetze, Verordnungen und historische Schriften wälzen möchtest, könntest du mir auch etwas über die Gepflogenheiten des öffentlichen Wahlkampfes aufschreiben, insbesondere was das Anbringen von Graffiti angeht und wie sich die Gilden und Berufsvereinigungen üblicherweise in den Wahlkampf einbringen. Du hast die Wahl", bot er seinem Tiro schließlich an und war gespannt, wie dieser sich entscheiden würde.

  • Endlich wieder ein wenig praktisches! Caesoninus musste zugeben, dass er sich darauf freute. Immerhin absolvierte er hier beim Senator ein Tirocinum Fori. Würden sie ansonsten einfach immer nur reden müsste Caesoninus hierfür nicht extra ein Tiro sein, sondern könnte auch so einfach immer wieder mit Macer zu Cenas z.B. zusammensitzen. So aber bekam er auch etwas zu tun und nach der ewigen Rederei heute brannte er schon darauf.


    Deshalb hörte er umso aufmerksamer zu, als Macer ihm die Optionen aufzählte, die er ihm zur Auswahl anbot. Eine Kanditaturrede, ein Tatsachenbericht nach absolviertem Amt, Kanditatendossiers und eine Art Aufsatz. Bis auf letzteres waren es durchwegs Aufgaben die früher oder später auch im realen Cursus Honorum auf ihn zukommen würden. Die Dossiers zumindest nicht unbedingt, denn wenn er sich richtig erinnerte würden die erst im Falle schlagend werden, wenn er es tatsächlich schaffen sollte Quaestor Principis zu werden und darin die Pflicht hatte dem Imperator Caesar Augustus dann ebenfalls entsprechende Kurzübersichten zu erstellen. "Eine Kanditaturrede, ein Bericht über eine vergangene Amtszeit, Kanditatendossiers, oder der Aufsatz, geht in Ordnung! Bis wann möchtest du diese Aufgabe gelöst wissen?" fragte er, um auch dieses letzte wichtige Detail geistig festhalten zu können.

  • "Das hängt nicht ganz unwesentlich davon ab, welche der Aufgaben du dir nimmst", gab Macer zur Antwort. "Für die Kandidaten gibt es ja nun einmal eine Kandidaturfrist und es wäre nicht dumm, die Dossiers erst danach zu erstellen, wenn es eben eine vollständige Liste der bekannten Kandidaturen gibt. Der Bericht über eine fiktive Amtszeit erfordert dagegen einiges an Phantasie, immerhin musst du dir eine ganze Amtszeit ausdenken. Auch dafür würde ich dir etwas Zeit lassen. Die anderen Aufgaben sind eher kurzfristiger Natur und gerade eine Abhandlung über die Regeln und Gepflogenheiten des Wahlkampfes wäre natürlich gerade dann interessant zu lesen, bevor der kommende Wahlkampf richtig in Fahrt gekommen ist", führte Macer dann aus und vermied es dabei ganz bewusst, einen festen Termin zu nennen.

  • Macer hatte seine Antwort gegeben. Caesoninus nickte, während er noch über die gestellten Aufgaben nachdachte. "Nun gut, dann werde ich zusehen, was ich schaffe bis zum nächsten Mal." Anscheinend hatte er Zeit zugesprochen bekommen, so viel wie er nun einmal benötigte. Das mochte etwas gnadenvolles sein, oder auch ein Test. Um zu sehen wie lange er sich Zeit lassen würde, wenn keine Frist drückte. Nun gut, er würde den Senator nicht allzu lange warten lassen wollen.


    Sim-Off:

    Wie aalglatt sich Macer bei diesem Treffen ständig um Caesoninus' Fragen herumdrückt. :D

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