Taverne "Zum blinden Esel" gegenüber der neuen Urbanerstation

  • "Sehr gut. Der blinde Esel hat ab heute geschlossen", sagte Lurco und Pullus gab die Tür frei.


    "Raus aber zügig", befahl er und scheuchte die Gäste mit dem Schwert nach draußen. Als sich endlich alle verzogen hatten, nahm er einen Becher Poska vom Tisch und schüttete das Getränk in das Gesicht des Jungen.


    "Ergebnisse?", fragte er hoffnungsvoll.


    "Drei tote Krähen aufgefunden in der Speisekammer des blinden Esels.
    Einen lebenden Boten der Krähen gesichert.


    Corvus war der Kopf der Krähen.


    Die Krähe ist laut dem Boten tot.


    Leichenschau steht noch aus.


    Das Haus der Krähe finden wir wie folgt - Hauptstraße in Richtung Stadtmauer folgen, bis zum Trinkwasserbrunnen. Dort rechts abbiegen. Ankunft in einer verwinkelten Nebengasse. Dortiges Haus mit Hof und mehreren Vorsprüngen. Zwei Etagen, ohne Fassadenschmuck, Wände raus verputzt.


    Zwei Hauptquartiere der Krähen. Eine Casa in der Subura und die Katakomben bei der Via Appia", erklärte Lurco knapp und schüttelte Cassivellaunus.


    "Aufwachen Träumer", befahl er.

  • Cassivellaunus wachte auf, erblickte Lurco, kreischte auf und fiel erneut in Ohnmacht. Ein weiterer Becher Posca und ein paar Backpfeifen waren nötig, ihn gänzlich wach zu bekommen. Kyriakos stand bei den beiden Urbanern, hielt sich aber respektvoll etwas abseits.


    »Werde ich noch benötigt?«, erkundigte er sich.

  • Scheinbar konnte er nicht so gut mit Kindern, denn der Junge wachte auf, kreischte und fiel wieder in Ohnmacht.


    "Du hast selbst gesehen, dass das hier alles kein Spiel ist Cassivellaunus. Natürlich wirst Du gebraucht, Du führst und jetzt zur Leiche. Ganz so wie Du es versprochen hast. Und keine Mätzchen", antwortete Lurco streng.

  • »Ich verspreche es«, sagte der picklige Bub kläglich. Das Gejammer würde Kyriakos ihm noch austreiben.


    »Fall nicht wieder um.«


    Cassivellaunus nickte gehorsam und führte die drei Männer in die Tiefen der Subura. Scheinbar hatte er sich daran erinnert, wie man sich zu benehmen hatte, wenn Bürger mit einem Sklaven sprachen.


    Als der Kleine etwas vorweg gegangen war, ging Kyriakos etwas näher an Lurco heran. »Unter uns. Was hat dich dazu gebracht, ihn zu verschonen?« Dass Lurco dem gleichen Geschlecht zugetan war, wusste er, doch er hielt den Mann nicht für jemanden, der sich davon beeinflussen ließ.

  • Lurco schmunzelte Kyriakos kurz freundlich an.


    "Das Gleiche was mich dazu gebracht hat, Dir und Deinen Leuten beizustehen. Er ist ein Opfer seiner eigenen Umstände. Er ist nicht die Ratte für die ich ihn zuerst hielt. Er ist einfach eine arme Sau für die sich niemand interessiert hat. Und als es jemand tat, war es der Falsche. Er kennt eine gereichte Hand nur in Form einer Faust. Aber die hat er nicht verdient.


    Er hat ein Ohr verloren, aber ein neues Leben gewonnen. Wegen Dir und Deinen Leuten müssen wir uns zusammen mal einige Gedanken machen. So könnt Ihr da nicht weiter hausen. Ich kann Euch nicht alle in der Taberna einstellen, ich kann niemanden mehr einstellen. Aber ich kann Euch nach Feierabend in den Räumen schlafen lassen, wenn Ihr sie pfleglich behandelt", flüsterte Lurco zurück.

  • Eine Weile sagte Kyriakos nichts, weil er seine Überraschung verdauuen musste.


    »Das ist eine angenehm menschliche Sicht. Das ist man nicht gewohnt. Wir schlafen in den Ruinen, weil ich das verdiente Geld sparen möchte. Noch ist es warm. Wenn die Miete nich zu hoch ist, könnten wir bei dir einziehen. Aber du kennst meine Jungs. Sie sind außerhalb des Bettes nicht immer angenehme Gesellschaft. Von Castor und Pollux in den eigenen vier Wänden rate ich ab. Sie tun freundlich, aber es ist viel Stress, sie dazu zu bringen, dass sie tatsächlich freundlich sind. Cassivellaunus bekomme ich wieder hin. Danke, Lurco. Dein Schwert ist scharf und dein Herz ist groß. Nur der Verstand mancher ist zu klein, das zu erfassen.«

  • »Ich werde sie unter Kontrolle halten«, antwortete Kyriakos bestimmt.


    Auch wenn die Zwillinge selbst für ihn eine Herausforderung waren, so hatte er es dennoch geschafft, sie über die letzten Jahre hinweg davon abzuhalten, ihrer Meinung innerhalb der Gruppe körperlich Ausdruck zu verleihen. Und was die Arbeit anbelangte, so hatten sie sich als erstaunlich zuverlässig und fähig erwiesen. Wahrscheinlich waren sie die einzigen, die daran ihre Freude fanden. Allerdings machte Kyriakos sich keine Illusion darüber, dass die beiden ob ihres Benehmens nicht in einer bürgerlichen Casa vorzeigbaren waren.


    So lange sie in der Subura waren, beachtete das ungleiche Dreiergespann kaum jemand, doch als sie sich dem Forum Romanum näherten, zogen die stark blutende Wunde und die rot gefleckte Tunika von Cassivellaunus die Blicke auf sich. Kyriakos betrachtete den Burschen von hinten. Niemals war er 13, auch nicht 14 oder 15. Das wusste vermutlich auch Lurco. Zusammen folgten sie dem künftigen Neuzugang nach Süden in Richtung Amphitheatrum, um von dort aus zur Porta Capena und schließlich zur Via Appia zu gelangen.

  • Lurco nickte knapp, als Zeichen dass er verstanden hatte. Kyriakos Worten glaubte er. Zudem war eine Truppe wie die Zwillinge so etwas wie der grimmige Wachhund. Er half Kyriakos und dieser ihm. Keiner der bei klarem Verstand war, würde die Taberna ausrauben, wo die kleinen Unholde ihr Quartier hatten. Gleichzeitig waren so auch Kyriakos Männer sicher.


    Der Bursche neben ihm lief und lief. Wenn das so weiterging hatten seine Sandalen bald keine Nägel mehr. Lurco wurde langsam misstrauisch.


    "Der Kadaver liegt aber nicht in Germanien oder?", hakte er so missmutig nach, dass Pullus sich ein Lachen verkneifen musste.


    "Falls die Meldung des jungen Bürgers über... seinen Peiniger korrekt ist, sollten wir ihn danach zur Behandlung zu Scato schaffen. Er flickt ihn zusammen", schlug Pullus vor.


    "Abgemacht. Je nach Fund teilen wir uns sonst auf. Du gehst mit dem Burschen zu Scato, wir verfolgen die Spur weiter. Sobald alles erledigt ist, schließt Du zu uns auf", antwortete Lurco.


    "So machen wir das", bestätigte Pullus.


    "Wie weit ist es noch?", fragte Lurco den vermeintlichen Jüngling.

  • Als der Jüngling hörte, dass er zu einem Medicus namens Scato gebracht werden sollte, schaute er Pullus kurz erstaunt an, sagte aber nichts dazu.


    »Der Kadaver liegt vor der Stadtmauer. Es ist nicht mehr weit«, versprach er.


    Katakomben an der Via Appia >>

  • Pullus


    Der Urbaner hatte beide Berichte jeweils beim Centurio und Optio abgegeben. Danach hatte er sich wieder unmittelbar auf den Weg gemacht. Cassivellaunus sollte alle Lebensmittel aus dem blinden Esel sichern und Pullus wollte kontrollieren, ob der Bursche das auch getan hatte.


    Kyriakos Männer nagten am Hungertuch, da kam jede Verpflegung Recht. Pullus hoffte, das es Lurco bald besser ging. Kyriakos hatte auch einiges einstecken müssen. Nach ihm würde Pullus als nächstes schauen.


    Pullus betrat den blinden Esel mit der Hand auf dem Dolch. Man wusste nie.
    "Cassivellaunus, bist Du hier?", rief er in die Taberna hinein.


    Das Summen der Schmeissfliegen war zu hören. Sie waren stets die Ersten bei einer Leiche und hier gab es gleich drei Kadaver, an denen sie sich laben könnten.


    "Cassivellaunus", hakte Pullus nach.

  • Cassivellaunus hatte sich mehrmals erbrochen und zitterte wie Espenlaup aufgrund der übel zugerichteten Toten und seinem eigenen abgeschnittenen Ohr, auf dem er fast ausgerutscht wäre. In dem Moment hatte er sich eingepinkelt. Trotz allem hatte er angefangen, die Lebensmittelvorräte und alles, was sonst noch brauchbar aussah, innen neben der Tür zu stapeln.


    "Ja?", fragte er, als Pullus ihn rief. Sehr angstvoll trat er einen halben Schritt in dessen Richtung, da er nicht sicher war, ob die Urbaner Wort halten würden. "Dominus Iunius Scato kennt mich", platzte er rasch heraus, in der Hoffnung, dass ihm dies das Leben rettete.

  • Pullus


    Der Urbaner betrat den blinden Esel und stieg über die Trümmer und Leichen. Cassivellaunus war schon fließig gewesen und hatte alles brauchbare neben der Tür gestapelt. Pullus schnappte sich alle Beutel und Säcke die er finden konnte und verstaute die Sachen darin, die der Junge zusammengesammelt hatte.


    "Nun ich kenne Dich ebenfalls. Du musst keine Angst vor mir haben, ich bin hier um Dir zu helfen und mit anzupacken. Das mit dem Ohr, hast Du Dir selbst zuzuschreiben. Lass zukünftig die Finger von dem kriminellen Pack Cassivellaunus, dann büßt Du auch keine Körperteile ein. Und glaub mir, mit einem Ohr bist Du noch günstig davon gekommen. Die meisten Verbrecher enden so", erklärte Pullus und verpasste einer der Leichen einen Tritt, so dass Schwärme von Fliegen aufstiegen.


    "Kyriakos ist nun Dein Herr, mach ihm keine Schande. Ihr habt eine Wohnmöglichkeit, Ihr habt die Möglichkeit Euch dort Futter zu verdienen. Also mach Dir nicht kaputt, was Du geschenkt bekommen hast für das bisschen Blutzoll. Und eines noch Cassivellaunus...", sagte Pullus und stellte sich so dicht vor den Jungen, dass kaum noch ein Blatt Papyrus zwischen sie passte.


    "Du hast nichts gehört, gesehen und Du wirst nichts sagen. Das hier ist niemals geschehen. Du warst hier, hast die Gruppe belauscht und wusstest es sind Krähen und hast erfahren wo das Hauptquartier der Krähen ist und wer der Anführer ist. Du hast sogar erfahren, dass er bereits tot ist. Und dann kam ein Fremder und schlachtete sie ab. Du hast Dich versteckt.


    DAS hast Du gesehen und gehört und uns gesagt. Merk Dir das Cassivellaunus, denn es ist Deine Lebensversicherung. Scheißt Du uns an, liegst Du bei Deinen alten Kollegen. Ich denke wir haben uns verstanden Junge", schmunzelte Pullus und knuffte ihn freundschaftlich vor die Schulter.


    "Hast Du noch was gefunden? Sonst schultern wir jetzt die Säcke... also die mit den Lebensmitteln und nicht die Kadaver und bringen sie zu Kyriakos", entschied der Urbaner.
    "So langsam plagt mich der Hunger. Auf dem Weg zum Griechen mit Sturmfrisur kaufen wir uns eine Bratwurst. Du bist eingeladen", entschied Pullus.

  • Cassivellaunus


    Wäre seine Blase nicht schon entleert, hätte sie das nun nachgeholt, als Pullus ihm drohte. Mir riesigen Augen und offenem Mund nickte Cassivellaunus.


    "Ja, Herr!"


    Grieche mit Sturmfrisur ... das musste dieser bösartige Locken-Lupo sein. Die Aussicht auf eine Bratwurst war dann aber doch wieder sehr verlockend. Cassivellaunus schulterte so viele der mit Lebensmitteln gefüllten Säcke, wie er tragen konnte, und machte sich bereit, Pullus zu folgen.

  • Pullus


    Pullus tätschelte Cassivellaunus die Schulter.
    "Ultor, denk daran Junge. Ich will nicht, dass Dir etwas geschieht, aber uns noch wesentlich weniger. Und Lurco... nun Du hast Lurco erlebt, er nimmt Ultor sehr sehr ernst. Aber nun wenden wir uns einem neuen Lebensabschnitt zu. Die Krähen sind tot, wir leben. DU lebst Cassivellaunus wirf Dein Leben nicht weg wie diese Krähen. Schauen wir beide nach vorne", munterte Pullus den Jungen auf.


    Pullus schulterte die restlichen Säcke und nahm Cassivellaunus einige der schweren Säcke ab, so dass der Junge nicht so schwer schleppen musste.


    "Schau Dich nochmal um, hast Du alles eingesackt was Du gebrauchen kannst? Falls ja, Aufbruch Cassi", sagte er und nickte Richtung Tür.

  • Cassivellaunus


    Cassivellaunus hatte gerade noch etwas sagen wollen, doch offenbar zu lange damit gezögert. So verwunderte es nicht, dass der Soldat nicht länger warten mochte und den Befehl zum Abmarsch gab. Der Einohrige half nach Kräften beim Tragen.


    »Danke, Herr«, wisperte er noch einmal, auch wenn er es schon tausend Mal gesagt hatte. Dass er noch lebte, war keine Selbstverständlichkeit. »Ich werde deine Worte beherzigen und die Gnade nicht vergessen, die mir unverdient zuteil wurde.«


    Zumindest hatten Lurco und Pullus ihn begnadigt. Was Scato oder Terpander mit ihm anstellen mochten, wussten die Götter allein.

  • << Lallender Löwe


    Manche bezeichneten Terpander als herzlos, doch das stimmte nicht. Er sah die Welt lediglich durch andere Augen. So verspürte er nichts anderes als Frohlocken beim Anblick der Toten, nach deren Verbleib kein Hahn mehr krähen würde. Die Subura bot großartige Möglichkeiten. Terpander hob die Amphore vom Leiterwagen und stellte sie neben den ersten Toten. Er entkleidete ihn, nahm zwei Fleischerhaken und jagte sie ihm durch die Fesseln, um ihn kopfüber an einem Deckenbalken aufzuhängen. Dann zückte Terpander das Filetiermesser.

    ir-servus.png

    SKLAVE - SISENNA IUNIUS SCATO

    Einmal editiert, zuletzt von Terpander ()

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