Taberna zum Lustigen Ochsen - oder der Versuch das Unweigerliche hinaus zu zögern

  • Als das Opfer rumbrüllte, gelang es Pollux, seinen Daumen zu befreien, der jetzt in einem sehr hässlichen Zustand war.


    "Unsäglicher", schrie er und betrachtete entrüstet seine Wunde.


    Gebissen. Und Castor wuchs eine Beule. Was hatte dieses Scheusal ihnen angetan! Wenn sie diese männliche Form einer Furie nicht heil und gesund bräuchten...! So zog Pollux seinen Krummdolch, dessen Zwillingswaffe heute das Leben aus den zwei Menschen geschnitten hatte, deren Köpfe nun auf dem Brunnenrand prangten. Mit raschen Schnitten zerteilte er einen Teil seiner Tunika und warf die Streifen griffbereit auf den Boden. Sie würden den Burschen verschnüren wie einen Rollschinken!


    Der Mann versuchte derweil, den Sack von seinem Kopf zu zerren und veranstaltete Lärm. Pollux blickte sich hektisch um. Sie mussten das hier schnell beenden! Da fiel ihm sein Drogenköfferchen ein, das gar nicht weit von hier im Versteck auf ihn wartete ...


    "Ich hole was!", rief er seinem Bruder zu und rannte, ohne weiter nachzudenken, davon in die Dunkelheit.


    Wenige Minuten waren es, die er benötigen würde, doch diese musste Castor allein durchhalten mit einem Gefangenen, den man möglichst nicht beschädigen durfte. Sonst würde Tarkyaris einen Grund finden, den Preis zu drücken.

  • Tacitus unterdessen bekam den Sack nicht ab. Dieser war zu seinem Leidwesen in seinem Genick mit einem selten blöden Knoten zugeknöpft. Wenn er mehr Zeit gehabt hätte und nicht so aufgeregt wäre, dann würde er sich aufzubekommen sein. Doch in der jetzigen Situation war nichts zu machen. Allmählich bemerkte Tacitus wie ihm schummrig wurde. Anscheinend ließ der Sack, zumal er blutgetränkt war kaum Luft ins innere und in der Hektik verbrauchte Tacitus mehr davon als eindrang. Panisch dreht er sich auf die Knie und robbte etwas nach vorne. Dabei tastete er um sich, da er keinen Anhaltspunkt hatte wo er sich befand.


    "Luft...." röchelte er leicht benommen. Er musste sich beruhigen wenn er nicht ersticken wollte. In diesem Moment ertasteten seine Hände den Stein, mit welchem er erst vor kurzem noch selber niedergeschlagen wurde. Nachdem er selber nichts sehen konnte musste er sich auf sein Gespür und vor allem sein Gehör verlassen. Er hörte wie einer der Beiden davonrannte. Mit aller Wucht und auf gut Glück feuerte er den Stein in eben jene Richtung in welche Pollux gerade lief.


    Danach brach er zusammen und drehte sich auf den Rücken. Er musste verschnaufen, versuchen die kostbare Luft zu inhalieren. Mittlerweile fiel ihm auch der üble Geschmack des Blutes nicht mehr auf. Das Adrenalin in seinen Venen schien ihn diesen schaurigen Umstand ausblenden zu lassen.


    "Nur kurz Ausruhen Lucius. Komm schon. Du schaffst es..." sprach er sich selber Mut zu und verweilte für einen Moment.....

  • Der Bursche war wie von Sinnen und dann biss er Pollux sogar. Sein Bruder kreischte auf und verschwand um irgendetwas zu holen. Castor schaute einen Moment verdutzt, den der Zechpreller natürlich sofort ausnutzte und sich freistrampelte. Zum Glück hielt der Sack! Das war vielleicht ein Chaos! Irgendwas hatte Tacitus gepackt und geworfen, zum Glück nicht in seine Richtung. Nur wohin? Das hatte Castor nicht mitbekommen. Ehe der Mann noch fliehen konnte sprang Castor ihm in den Rücken und verfehlte ihn, den just im gleichen Augenblick ging der Bursche in die Knie und landete auf dem Rücken. Castor landete bäuchling neben ihm. Keuchend rappelte er sich sofort wieder auf und schmiss sich auf Tacitus. Seine Hände legten sich um dessen Hals, nicht um ihn zu erwürgen, sondern um ihn zu fixieren.


    Wer jetzt in die Gasse kam, bekam vermutlich ein einmaliges völlig falsches Bild geboten.

  • Ein Stein polterte über den Boden, doch er traf Pollux nicht, sodass dieser wenig später mit dem "Köfferchen der verbotenen Freuden" zurückkehrte. Er grinste, als er sah, dass Castor sich mit dem Burschen gar prächtig amüsierte. Trotzdem musste der jetzt ruhiggestellt werden, sie konnten hier nicht ewig bleiben. Weil es dunkel war, erkannte Pollux die Farbe der Flaschen nicht und griff ziellos in das Köfferchen. Mit den Zähnen entkorkte er das Fläschlein und träufelte den Inhalt auf den Sack, den ihre Beute über dem Kopf trug ...


    Welche Flasche mochte er wohl erwischt haben?


    1 - Transparente Flasche - enthält nur Wasser

    2 - Blaue Flasche - Schlafmittel

    3 - Rote Flasche - Liebestrunk / Aphrodisiakum

    4 - Gelbe Flasche - bewirkt Entspannung und tiefes Glücksgefühl

    5 - Lila Flasche - verursacht farbenfrohe Halluzinationen

    6 - Schwarze Flasche - verursacht einen Horrortrip


    Sim-Off:

    Bitte einmal den lila Würfel rollen lassen, Taci. :D Ich hoffe, das ist der Sechsseitige. Falls du keine Lust auf das kleine Spiel hast, entscheide im Text, dass Pollux die Flasche mit dem Wasser erwischt hat.

  • Sim-Off:

    6er Würfel: Lucius Antonius Tacitus hat eine 6 gewürfelt.


    Während Tacitus kurz durchschnaufen wollte nutzte Castor die Gunst des Augenblicks. Er fühlte wie sich die Hände um seinen Hals schlossen und Castor sich auf ihn warf. Ein Knie traf ihn in an einer Stelle welche für einen Mann sehr unvorteilhaft war und Tacitus keuchte auf. Wohl war, wenn genau in diesem Moment jemand um die Ecke bog, dann wäre dies wohl ein Schauspiel, welches für einiges Stirnrunzeln sorgen würde. Allerdings kam niemand. Zumindest niemand, der Tacitus hätte helfen können, sondern im Gegenteil. Es war sein zweiter Peiniger.


    Während Tacitus durch den Sack noch immer nichts sehen konnte merkte er wie das geronnenen Blut am Sack wieder flüssiger wurde. Es wurde etwas auf den Sack geträufelt. Ein intensiver, bissiger Geruch stieg ihm in die Nase. Die Flüssigkeit übertünchte sogar den ekelhaften Geruch des Blutes und der früheren Inhalte. Tacitus merkte, wie ihm komisch wurde. Hitze stieg in ihm auf, verbunden mit einem gleichzeitigen Kälteschauer, welcher über seinen Rücken lief. Er fühlte sich plötzlich unwohl, ängstlich.


    "Was.... was ... was war das????", schrie er plötzlich auf und bewegte seinen Kopf panisch hin und her. Schatten bewegten sich, griffen mit ihren langen, grauenvollen Klauen um das Hauseck. Schreckliche, brennende und qualmende Abdrücke ließen sie zurück wo sie etwas berührten. Eine, nein, zwei der Gestalten kamen auf ihn zu. Sie sahen aus wie Nebel. Fetzen von Rauch und Nebel rissen von den Gestalten ab. Nur zwei leuchtend rote Schlitze durchbrachen die Dunkelheit an der Stelle wo normalerweise Augen zu finden waren. Mit schriller, kratzender und grauenvoll verzerrter Stimme riefen sie in abgehackten Sätzen nach ihm:

    "Tacitus .... Tacitus .... deine Schuld .... du .... büßen ....".


    Dabei kamen sie immer näher auf ihn zu. Waren es anfangs noch zwei dieser Dämonen - ja es mussten Dämonen sein - gewesen, so kam nun ein halbes Dutzend auf ihn zu. Sie schienen ihn zu treiben, regelrecht zu jagen. In seinem Wahn versuchte Tacitus zu entkommen, was ihn in der wirklichen Welt um sich treten ließ. Zeine Finger kratzten über den steinigen Boden bis seine Fingernägel abbrachen und er blutige Fingerkuppen bekam.


    Unterdessen rannte er in seinem Fiebertraum um sein Leben. Die Gestalten drängten ihn in eine Richtung. Immer mehr kamen dazu und umzingelten ihn. Er konnte nur mehr in eine Richtung fliehen. Er rannte, rannte um sein Leben. Die Wände links und rechts neben ihm schienen dabei immer näher zu kommen. Hinter sich eine Horde von Bestien, Dämonen. Plötzlich tauchten auch vor ihm zwei Gestalten auf. Er bremste abrupt ab.


    "Was zum ..... Lasst mich ..... ich wollte das nicht!!!!" schrie er auf. Die Furcht und Angst in seiner Stimme konnte man nicht überhören. Castor musste mittlerweile spüren, wie das Herz des Antoniers raste.


    Eine der Gestalten war ein kleiner Junge, entstellt und ohne Kopf. Der andere eine Frau, nicht minder entstellt und ebenfalls ohne Kopf. Hautfetzen hingen von ihren Körpern. Dazu tropfte eitriges Blut auf den Boden. Der Junge hielt ein Gladius in der Hand, welches ebenfalls grässlich aussah. Versehen mit Dornennägeln und bereits ganz schartig. Wieder dröhnten entsetzlich verzerrte Stimmen in seinem Kopf:


    "Du wirst jetzt büßen...."


    Tacitus kauerte zusammen, es war nur mehr ein leises Wimmern von ihm zu hören....

    ir-civis.png Antonia.jpg

    Einmal editiert, zuletzt von Lucius Antonius Tacitus () aus folgendem Grund: Edit 1: Würfelergebnis an den Anfang des Posts gestellt Edit 2: Satzzeichen, Satzbau

  • Castor legte ganz vorsichtig seine Hand auf die Brust von Tacitus. Nachdem sein Bruder etwas auf den Sack geträufelt hatte, war der Mann wie von Sinnen. Eine unbändige Angst schien von ihm Besitz ergriffen zu haben und sein Herz schlug wie wild. Seine eigenen Dämonen schienen Tacitus eingeholt zu haben, er hatte versucht die Götter zu bestehlen, nun bekam er es mit der Gegenseite zu tun. Auf der anderen Seite konnte Castor den Schuldner nicht freigeben. Die Dämonen hatten kein Anrecht auf diesen Mann, sein Bruder und er hingegen schon.


    Er schuldete ihnen ihren wohlverdienten Lohn. Den Rest musste der Mann mit sich und seinen Dämonen später selbst ausmachen. Das war nicht mehr ihre Aufgabe und ihr Problem schon gar nicht. Es wurde allerdings ihres, wenn Tacitus vor lauter Angst gleich hinüber war. Behutsam streichelte er ihm über den Kopf und schaute sich nach seinem Bruder Pollux um.


    "Wir müssen den Burschen schnellstmöglich loswerden, sonst ist er keine Sezterze mehr wert. Also wohin Brüderlein?", fragte Castor mit funkelnden Augen. Er konnte das Geld schon förmlich riechen.

  • "Wir bringen ihn zu unserer Geheimwaffe." Pollux ließ die Brauen hüpfen. "Tarkyaris ist in Rom."


    Weiterer Erklärungen bedurfte es nicht, da sie beide wussten, wer der windige Mann war. Der Cappadox war für jeden schmutzigen Handel zu haben, wenn dabei nur ein ordentliches Sümmchen für ihn heraussprang. Darin unterschied er sich nur insofern von den Zwillingen, dass seine Familie seit Generationen in Wohlstand schwelgte und er ihn geschickt mehrte, während Castor und Pollux trotz aller Mühen und Selbstaufopferung noch immer im Dreck der Subura herumkrochen. Pollux erwiderte den Blick seines Bruders und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Dann übernahm er das Kommando.


    "Lad dir den Kerl über die Schultern. Er ist betrunken und hackedicht! Falls jemand fragt: Wir tragen unseren trunkenen Freund nach Hause. Du nimmst ihn über die Schultern und ich halt dir den Weg frei. Auf zwei. Eins - zwei!"


    Mit Schwung landete ihr lebendes Guthaben quer über Castors Schultern. Dass es auffallen könnte, wenn er noch immer den Sack über dem Kopf trug, kam Pollux, der seinerseits nicht ganz nüchtern war, nicht in den Sinn. Tacitus musste ein weiteres Tätscheln über sich ergehen lassen, das ihn beruhigen sollte, dann verfrachtete man ihn durch die Nacht. Es ging bergab und bald umwaberte ihn der kalte, brackige Gestank des Tiber ...

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