Cubiculum - Gaius Aemilius Lepidus

  • Lepidus schüttelte lächelnd den Kopf, inzwischen war Antigonos in den Raum gekommen um ihn in den Tag zu helfen.

    Nachdem er in eine neue Tunica geschlüpft war stieg er in seine Hausschuhe und meinte zu der kleinen Iulia,

    Quid quo pro, kleine Iulia,...das bedeutet, daß wenn jemand etwas leistet er das Recht auf eine gleichwertige Gegenleistung hat.

    Er warf seine Stirn in Falten und rieb sich das Kinn.

    Eine Geschichte deines Großvaters ist doch sicherlich mehr wert, als auf einem Bein zu hüpfen?!

    Lepidus tätschelte ihre volle Wange und meinte,

    ...ich denke du gehst jetzt einmal zu deiner Mutter und läßt dir erklären wie sich eine kleine Aemilia zu benehmen hat...wir sehen uns dann heute Nachmittag...Er nickte der Kleinen zu und machte sich auf um sich seinem Tagewerk zu widmen.

  • Nachdem Iulia herumgehüpft war und ganz angestrengt über die Bedeutung von quid pro quo nachgedacht hatte, nickte sie ihrem Großvater zu. "Ich geh jetzt zu Mama und erzähle ihr von quid pro wo. Und am Nachmittag gibts eine Opa-Geschichte!" Die gleichwertige Gegenleistung oder gutes Benehmen gingen zum einen Ohr rein und wieder raus - selektives Kleinkindgehör wohl...


    Vom Gang her konnte man bereits Irene, die Kinderfrau und Faustina, ihre Mama hören. Faustina war aufgeregt und bemühte sich nicht zuviel Zorn an der Kinderfrau auszulassen, die ebenfalls nicht mitbekommen hatte, wie die kleine Iulia ausgebüchst war. Antigonos hatte einen Sklaven zu Faustinas Cubiculum geschickt, damit sie das Kind holen konnten. Die Kinderfrau trottete hinter Faustina schweigend und mit gesenktem Kopf her, um nicht noch mehr den Zorn ihrer Herrin herauf zu beschwören.


    Faustina wartete kurz, bis Antigonos sie ebenfalls hereinwinkte, nachdem ihr Vater angezogen war. "Guten Morgen, Vater. Bitte verzeih die Störung. Ich komme um Iulia einzusammeln. Sie hat sich wohl noch vor dem ersten Hahnenschrei davon gestohlen." Sie wusste, dass ihr Vater generell früh aufstand, aber es war erst kurz nach Sonnenaufgang und sie hatten alle noch sehr verschlafene Gesichter. Lepidus sah allerdings so aus, als wäre er schon halb auf dem Weg zu seinem Tagewerk und so schnappte sie sich das Kind, damit sie nicht weiter im Weg standen.


    "Es ist Zeit für Iulias Griechischstunde mit der Kinderfrau. Möchtest du mit uns zu Mittag essen oder sehen wir dich zur Cena, Vater?" Bei der Erwähnung von Griechisch versuchte sich das Kind direkt aus Faustinas Griff zu winden, aber diese hielt stand. Faustina hatte extra eine griechische Kinderfrau besorgt, damit Iulia Griechisch schon früh lernte. Bisher hatte sie allerdings wenig Begabung oder Interesse daran gezeigt.

  • Lepidus blickte seine Tochter an und lächelte ihr warm zu. Er hatte ihr ihren Exkurs längst vergeben, so wie er ihr immer alles vergeben hatte. Er war Pragmatiker und Lösungsorientiert. Der kleine Faux pas an ihrer Hand musste nahlos in ihre Gens überführt werden.

    Wenngleich die Aemilier nicht mehr so glanzvoll und führend in der Gesellschaft Roma´s standen, so war es doch notwendig sich und die kleinen Iulia vor den Schandmäulern der Stadt und ihren effektheischerischen, sensationslüsternen erdachten Wahrheiten zu schützen.

    Er goutierte die Information, daß Iulia Griechisch lernte mit einem Nicken und entgegnete,

    Gut,gut,...äh, nein, ich muß noch zu Menec, und habe einen straffen Tagesplan...wir sehen uns zur Cena...und dann... er sah die kleinen Iulia an die sich unter seinem Blick eher wieder an die Hand ihrer Mutter kuschelte als ihr zu entrinnen ...erzählt mir die kleine Iulia auf Griechisch etwas über Himmel Mond und Sterne...und dann... nickte er ihr verschwörerisch lächelnd zu, ...erzähle ich dir etwas über unser Wappentier, ...dem Einhorn... quid quo pro...kleine Iulia.

    Mit einem kurzen Nicken entließ er die Schar aus seinem Cubiculum...inzwischen begann sich das erste Zeitfenster seiner Tages langsam zu schließen.

  • Das würde dann wohl eine doppelte Stunde Griechisch werden, wenn Iulia etwas derart lernen sollte aber wenn Lepidus eine Geschichte dafür erzählte, dann war es das wert. Er war ein guter Geschichtenerzähler und Faustina hatte ihm immer gerne gelauscht als Kind. Sie war auf jeden Fall schon gespannt, was die kleine Iulia für Unfug angestellt hatte, dass der Großvater ihr diese Geschichte versprach.


    "Dann wollen wir dich auch gar nicht weiter aufhalten, Vater. Richte bitte dem Senator Claudius Menecrates meine besten Grüße aus. Bei der Cena kannst du mir ja erzählen, wie es ihm so geht."


    Faustina wartete kurz, bis Lepidus sie alle entließ und bedeutete dann der Kinderfrau, dass sie nun frühstücken gehen würden, ehe es zum Unterricht ging für die kleine Iulia. Sie erinnerte sich an Menecrates, aber sie hatte ihn bestimmt schon gute fünf oder sechs Jahre nicht mehr gesehen. Sie war schon gespannt, was ihr Vater dann bei der Cena erzählen würde. Mit ihrer Tochter im Arm verließ sie dann auch zügig Lepidus' Cubiculum, ehe sie sich ihrem zweibeinigen Tagewerk widmete, das ihr so ähnlich sah.

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