Balas Reise nach Mogontiacum

  • Entgegen der Tatsache, daß die meisten Römer die Reise auf dem Pferd ablehnten liebte Bala diese Tiere. Er genoss die Geschwindigkeit, den kraftvollen Gang, ja sogar den Geruch.


    Die Reisegruppe bestehend aus Bala, den Praetorianern und der Abordnung der Ala II Numidia kam gut voran.


    Der Tag war mild und der Verkehr erträglich. Sie kamen gut voran, auch weil im Anblick der Praetorianerstandarte die Meisten ihr Heil am Rand der Strasse suchten.


    Ihr ersten Halt war die kleine Stadt Falerii Novi, etwa 30 Meilen von Roma entfernt. Bala wollte es am ersten Tag nicht übertreiben und auf keinen Fall im Dunkeln reiten.


    Die Speculatores hatten für Quartier gesorgt und nach einer kurzen Nacht ging es kurz nach dem Morgengrauen weiter. Knapp 26 Tage hatte er eingeplant. Das war machbar und mit nur einem wirklichem Risiko versehen. Die Überquerung der Alpen.


    Ihr Weg führte vorbei an Clusium, Arretium, Florentia. Über Bononia, Mutina und Verona. Bald tauchten die Alpen vor ihnen auf und sie machten in Tridentum einen Pferdewechsel und in Veldidena einen Tag Rast. Die Überquerung der Alpen barg zu dieser Jahreszeit zumindest auf der gegenüberliegenden Seite Gefahren durch Wetterstürze.


    Balas Laune war gut, die seiner Männer ebenso.


    Vor dem Lager, einer Vexillation der Legio Prima, hatte man ihnen Platz für Pferde, Zelte mit Schlafplätzen und eine ordentliche Mahlzeit.


    Sie saßen als Brüder vereint um die wärmenden Feuer und aßen ihren Puls, der köstlich erweitert war mit Käse, Eiern, Kräutern, Butter, Fleisch und Zwiebeln. Es gab Cervesa und Met.


    Bala sog die Luft ein, genoß die Kameradschaft und lebte förmlich auf, den Zwängen und bösen Geistern des Palastes entkommen zu sein.


  • Während Bala eine innere Befreiung erlebte, war Calenus die Verkrampftheit in Person. Wenn er nicht damit beschäftigt war, Perfektion seiner Einheit zu erzeugen, widmete er sich der Optimierung seines Äußeren. Trotz des langen Rittes sah er aus wie aus dem Ei gepellt.


    Er stolzierte herum und überprüfte mit Argusaugen, dass alles reibungslos funktionierte und pingelte an seinen Männern herum. Die Gegenwart des Caesar dürfte ausreichend Ansporn sein, alles zu geben, es waren gute Soldaten, trotzdem wollte Calenus sich keinen weiteren Fehltritt erlauben, nicht einmal die Ahnung eines Fehlers! Jeder Reiter unter seinem Kommando durfte sich bis auf die Knochen von seinem Blick kontrolliert fühlen und am Ende dieser Reise würde seine Unbeliebtheit in den unteren Chargen vermutlich einen neuen Rekord verzeichnen.


    Doch was interessierte es den Adler, wenn die Krähen krächzten? Was interessierte es ihn, ob die Soldaten ihn mochten? Der Caesar selbst würde sein Engagement und sein Talent bezeugen und an den entsprechenden Stellen erwähnen. In Vorfreude auf die Ankunft im Castellum umspielte ein Lächeln seinen verkrampften Mund. Varro würde Augen machen! Und dessen rüpliger Matinier würde sehen, welche Qualitäten es wirklich waren, welche den Erfolg ausmachten.


    Bei dem Gedanken putzte Calenus sich zufrieden ein Stäubchen vom glänzenden Panzer.

  • <<< RE: ~ Hortus ~ | Der nervige kleine Bruder


    Einige Tage später gelang es Fango, seine Einheit einzuholen. Der Grund für die Verspätung war offensichtlich: Auf seinem Packpferd saßen hintereinander zwei sehr erschöpft aussehende junge Männer, die er unterwegs aufgesammelt hatte. Zudem schliff unter lautem Gepolter eine Kiste hinterdrein. Sein eigenes Gepäck hatte er zu sich nach vorn auf seinen Schecken verfrachtet. Beide Pferde waren hoffnungslos überladen, doch das Packpferd war am schlimmsten dran mit den zwei Landstreichern auf dem Rücken und ihrer übervollen Gepäcktruhe am Geschirr, die nun lärmend zum Stillstand kam.


    Fango hopste vom Pferd, suchte seine Vorgesetzten und machte Meldung. Mit der Faust schlug er sich auf die schmale Brust.


    "Iullus Seius Iunianus Fango, Ausbildungsturma der Ala II Numidia! Ich melde mich zurück von der erfolgreichen Adrogation mit einem neuen Namen! Außerdem habe ich unterwegs eine Verwandtschaft vom Subpraefectus Alae samt Freund aufgelesen. Die Verwandtschaft war zu Fuß ohne Sklaven nur mit einer Truhe nach Sonnenuntergang allein auf der Fernstraße unterwegs. Drum hielt ich es für besser, sie zu ihrem Schutz einzusammeln und mitzubringen."


    Er wies auf Aemilius Nero und Tuccius Apollinaris.

  • Soviel Glück wie sie musste man erst einmal haben. Nero und er waren zu Fuß mit einer schweren Truhe mit all ihrer Habe unterwegs gewesen. Und da hatte ihnen das Schicksal Fango vorbeigeschickt. Er hatte sie nicht nur aufgelesen, sondern auch auf sein Packpferd verfrachtet. Das Laufen hatte ein Ende und sie durften die Strecke reiten. Sogar die Truhe wurde von dem Pferd gezogen. Apollinaris freute sich und wertete das als gutes Zeichen.


    Als sie die Einheit von Fango erreichten und er sie vorstellte, hob er kurz grüßend die Hand.

  • Bala´s Augenbraue wanderte ein wenig nach oben.Es kam ihm einmal mehr in den Sinn sich zu fragen was eigentlich in dieser Reitereinheit alles schief lief.


    Zuerst in Waffen nach Roma einzureiten, dann unvollständig abzurücken und nun noch ein paar Streuner mitzubringen.


    Doch als er sah wer einer dieser Streuner war musste er sich zusammennehmen. Nero war ihm kein Unbekannter wie jener Subpraefectus aus Lepidus´Gens.


    Nero war Stadtbekannt. Es widerstrebte ihm diese Kreatur in seiner Reisegesellschaft mitzuführen.Er wandte sich Furius zu und meinte,


    Ich glaube kaum, daß wir Zeit für die Begleitung von Reisenden haben,…aber sie sind Römer also muß ich etwas zu ihrem Schutz unternehmen…was schlägst du vor?


    Sein Blick fiel auf Nero und seinen Begleiter. Sie waren gezeichnet von den Strapazen der Reise. Sollte er ihnen die Umstände eines militärischen Marsches zumuten? Er dachte an Lepidus. Was musste der alte Bücherwurm wohl mitmachen mit solch einem Sohn?


    Da strich ihm ein anderer Gedanke…was musste sein Vater wohl mitmachen mit einem Sohn wie ihm?


    Kurzentschlossen sagte er,


    Besorgt ihnen zwei frische Pferde, diese Kiste kann mit der Post nachgeschickt werden, wir halten uns nicht an ihnen auf…wenn sie zurückfallen soll sich die Ala um die beiden kümmern…Abmarsch in einer Stunde!


    Sprach´s und wandte sich ab, nicht ohne Nero einen vernichtenden Blick und Ballus ein ausatmendes Kopfschütteln zuzuwerfen.

  • Furius nickte nur, innerlich verstimmt über diesen Tiro, der einfach irgendwelche Zivilisten anschleppte. Als er des Caesars Entscheidung hörte entgegnete er nur knapp,


    Jawohl Caesar,… Salutierte kurz und machte sich auf dem Weg zu Aemilius Bassus, dem Vorgesetzten dieses kleinen Idioten.


    Befehl des Caesar,…die Zivilisten bekommen zwei frische Pferde, die Kiste wird durch die Post nachgeliefert. Wir reiten in einer Stunde weiter, wenn sie zurückfallen ist das nicht unser Problem.


    Seine eisblauen Augen starrten den Aemilier durchdringend an. Es war ihm scheißegal ob er Patrizier oder Subpraefectus war. Er war Gardeoffizier und schon Soldat als dieser kleine Subpraefectus noch in die Windeln geschissen hat.


    Doch er hatte schon bemerkt, daß es dem Aemilier schlecht ging. Seine Truppe war ein chaotischer Haufen ohne Disziplin und militärischer Führung. Er ahnte was in dem Aemilier vor sich ging, nahm aber keinerlei Rücksicht darauf. Sein Interesse galt dem Willen des Caesar, sonst niemandem.

  • Bisher verlief die Reise Ereignisses. Der Terentier schwieg bislang, der Sproß des Kaiser erfreute sich anscheinend des Lebens und die Prätorianer, welche als Leibgarde des Caesars mitkamen, machten den Eindruck als hätte man ihnen ein bestimmtes Gift in Bereiche des Gesichts gespritzt. Da war keine Regung zu sehen.

    Andridcus selbst kümmerte sich zwischendurch immer wieder um die Reiter der Legion und der Ala. Ein paar Worte zwischendurch und Aufmerksamkeit waren immer gut.

    Es war später vormittag als sich von hinten eine kleine Gruppe näherte. Zuerst blieben die drei Männer unbemerkt doch als sie in Hörweite waren wurde man auf sie aufmerksam. Das Pferd trug zwei Männer während einer nebenher schritt.


    Der Troß, der bisher seelenruhig auf der Strasse dahineierte, hielt an und eine Stille Unruhe machte sich breit.

    Was sollte man nich mehr dazu sagen da ja der Sohn des Kaisers bereits einen Befehl gegeben hatte?

    In Gedanken machte er sich eine Notiz.....kein Fleisch für die nächsten zwei Wochen und das für die ganze Ausbildungsturma. Und für Fango den halben Sold.

  • Fango registrierte die eisige Stimmung, ohne sie zu begreifen. Hilflos blickte er seinen Ausbilder Andriscus an, auf der Suche nach einer Erklärung, der indes ebenso finster drein sah wie der Rest. War es wirklich falsch gewesen, den kleinen Bruder vom Subpraefectus nicht allein in der Wildnis zurückzulassen? Obwohl offensichtlich war, dass das schiefgegangen wäre? Nachts gab es Frost und in den Bergen Räuber. Fango war sicher, dass der kleine Aemilier und sein Freund diese Nacht nicht überlebt hätten.


    "Jawohl, Caesar", sagte er nicht ganz so zackig wie sonst. Nach einem Salutieren zum Abschied kehrte er zu den Zivilisten zurück. "Ihr habt eine Stunde Zeit für eine Rast. Geht auf die Latrine, also ins Gebüsch, esst und trinkt. Ich organisiere euch frische Pferde." Sein eigenes musste er auch wechseln, sonst ritt er den kleinen Schecken zugrunde.


    Ohne selbst eine Rast einzulegen, kümmerte sich Fango darum, dass die beiden Gäste und die erschöpften Tiere versorgt wurden und das Gepäck auf andere Packtiere kam. Auch die Kiste buckelte er eigenhändig unter schmerzhaftem Ächzen zur nächsten Poststation, die zum Glück in unmittelbarer Nähe war, und gab auf eigene Kosten die Sendung auf, ehe es wegen der paar Sesterzen noch mehr Ärger gab.


    Er schaffte es noch nicht mal pinkeln zu gehen, da war die Stunde schon vorbei. Fango schwang sich zeitgleich mit allen anderen auf das frische Pferd.

  • Dass man sie nicht mit Freudentränen in den Augen willkommen heißen würde, war Nero klar gewesen. Aber das?


    Nero suchte den Blick von Bassus, wollte ihn wenigstens begrüßen. Doch die Reiter machten sich fertig für den Ritt und er war nicht sicher, ob sein Vetter überhaupt bemerkte, dass er ihm etwas sagen wollte. Andererseits war es Bassus vermutlich sowieso egal. Als Subpraefectus Alae hatte er Besseres zu tun, als mit seinem Vettern zu sprechen.


    Nero tat es leid für den Reiter, der sich mit ihnen abgeplagt hatte und nun dafür auch noch eine drüber bekam. Nero beschloss, ihm unauffällig etwas Geld in irgendeine Tasche zu stecken, wo er es später finden konnte. Doch kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht, fiel ihm auf, dass all sein Hab und Gut sich in der Truhe befand, die nun bei der Post lag. Er hatte kein Geld bei sich, keine Wertgegenstände, nur seine Decke als Rolle hinter sich auf dem Pferd liegen, war jetzt vollends auf die Gnade der Soldaten angewiesen, bis sie Mogontiacum erreichten, wo die Truhe hoffentlich sicher ankam. Was auch immer geschah - er und Apollinaris duften nicht zurückfallen. Reiten konnten sie zum Glück beide ganz gut. So war die teure Ausbildung am Ende doch zu etwas nütze. Wenn das sein Vater hören würde.


    Er schenkte Apollinaris ein erschöpftes Lächeln. Hier hatten sie ihr Abenteuer.

  • Apos Augen wanderten zu Nero. Das Schauspiel das sich ihnen geboten hatte, war verstörend.


    "War es nicht einst die Aufgabe der Legion Rom und seine Bürger zu verteidigen? Kämpft der Legionär nicht für jene, die es selbst nicht können? Scheinbar haben sich die Verhältnisse gewandelt. Oder es liegt an uns beiden. Gut möglich, dass die Rettung von jedem anderen belohnt worden wäre. Aber Du sollst scheinbar ein entfernter Verwandter werden Nero. Behalte das stets im Hinterkopf und lass das Deine Energie dafür werden, dass Du es schaffst. Dass Du es allen zeigst. Wenn hier einer eines Tages entfernt wird, dann nicht Du. Merk Dir das und mach die Augen auf. Sieh wie Dich andere sehen. Und sieh hin, was sie für Unrecht deshalb betreiben.


    Dein Retter bestraft, samt seiner Einheit? Soll Lob und Strafe nicht die Legion nicht zusammenhalten und zu einer Einheit formen? Ist das deren Verständnis von Förderung? Ich nenne das Wut oder Willkür. Falls die uns abhängen wollen, müssen die früher aufstehen Nero. Mit uns nicht", flüsterte Apollinaris seinem Freund ins Ohr.


    Was die Strafe für ihren jungen Retter bedeuten, konnte sich Apollinaris ausmalen. Er hatte bald auf mehr zu verzichten, als auf einen Anteil seines Soldes. Die Kameraden würden sich für ihre Bestrafung erkenntlich zeigen. Ob er den jungen Mann warnen sollte? Ja. Aber nur wie?

  • Bassus, noch ein wenig beeindruckt von der unbedingten Kälte des Terentiers wußte, warum er niemals zu den Praetorianern wechseln würde. Er hatte sich nach der Nuntio des Tiro gefragt wer wohl seine Verwandtschaft ins Spiel gebracht hatte und hoffte auf Marcus, Lepidus´älteren Sohn. Als er seinen unseligen Cousain unter den Begleitern des Nachzüglers entdeckte wuchs etwas in ihm, was die Kälte des Praetorianers in den Schatten stellte.

    Er wandte sich ab und ging strammen Schrittes auf seinen Vetter zu, der gerade mit seinem Begleiter, einem jener Orgienteilnehmer seines jüngsten Eklats, tuschelte.

    Fast schon im Vorbeigehen nahm er Nero beim Oberarm und schleifte ihn mehr hinter sich her als dieser selber lief.

    Hinter einem hohen Busch packte er Nero an den Schultern und starrte ihn feindselig an.

    Was zum Pluto machst du hier? Weiß dein Vater davon, daß du dich hier herumtreibst? Angewidert ließ er ihn los und betrachtete ihn wie etwas in was man besser nicht tritt.

    Na los!...und was machst dieser Kerl mit dir hier? Verdammt Nero, das ist Caesar, der hat weder Zeit noch Lust sich mit dir zu befassen.

    Es wunderte ihn nachträglich, daß Caesar den Tiro nicht auspeitschen und die beiden Witzfiguren hier ihrem Schicksal überlassen hat.

  • Nero, der dermaßen unsportlich war, dass seine Muskulatur gerade für die täglichen Verrichtungen genügte, wurde von Bassus mitgeschleift wie ein Sack. Er hätte keine Gegenwehr leisten können, um eine würdigere Behandlung einzufordern, selbst wenn er das versucht hätte. Dem angewiderten Blick begegnete Nero mit einem stoischen Gesichtsausdruck und senkte die Lider.


    "Vater weiß nichts von meiner Reise. Es interessiert ihn auch nicht, was ich tue, solange es nicht in seinen heiligen vier Wänden geschieht, wo ein Weintropfen auf dem Marmor landen könnte. Warum sollte ich ihm mitteilen, wohin ich gehe? Es ist ihm egal."


    Er rieb sich den speckigen Oberarm, der weh tat an der Stelle, wo Bassus ihn gepackt hatte. "Apollinaris ist mein Bester."


    Den er erst seit ein paar Tagen kannte, doch das sagte er nicht dazu. Nero wechselte die Freunde wie die Socken. Er konnte das nicht verhindern. Bei den meisten wusste er nicht mal, wie sie hießen oder kannte sie nur mit irgendwelchen Spitznamen. Wobei er bei Apollinaris hoffte, dass er ihm etwas länger erhalten bleiben würde, aber na ja.


    "Woher soll ich wissen, dass du hier mit dem Caesar hockst? Der braucht sich nicht mit uns befassen, das habe ich deinem Reiter auch gesagt. Ihr könnt uns hier verschimmeln lassen, wir kommen zurecht, nur hätte ich in dem Fall vorher gern meine Truhe wieder. Apo und ich sind auf dem Weg nach Germania, aber ohne irgendwelchen Tand. Deswegen haben wir keine Sklaven, keine Sänfte und nichts dabei, sondern sind nur mit einer Gepäcktruhe aufgebrochen. Wir beabsichtigen, Onkel Nepos zu besuchen."


    Den Onkel Neppi.

  • Mit einigem Abscheu betrachtete Bassus den "Besten" von Nero und wandte sich wieder seinem Cousain zu. Wir hocken hier nicht herum du Trollfurz, wir rasten. Er sah an dem Busch vorbei, der sie leidlich verbarg und sah zu seinem gelinden Entsetzen den Caesar näher kommen. Er sah Nero angriffslustig an und stieß hervor, Dein Vater tut mehr , viel mehr für dich als du verdienst, und was willst du bei meinem Vater? Geld aus den Rippen leiern?

    Es war ihm egal, sein Vater war ein Geizkragen, der Nero gegen die Wand laufen lassen würde. Er hörte des Caesars Stimme in der Nähe grollen. ...mach mir hier keinen Ärger Nero, ich schwöre dir du wirst es bereuen! Er stieß ihn gegen die Schulter und hielt ihm warnend den Zeigefinger vor die Nase. Wie zufällig lag seine Hand dabei auf dem Griff seiner Spatha.


  • Nero geriet ob des Schlags gegen seine Schulter ins Straucheln und wäre fast gestürzt. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, verstand er, warum Bassus ihn hinter das Gebüsch geschleift hatte. Dessen andere Hand ruhte bedrohlich auf dem Griff seines Schwertes. Eine logische Konsequenz der Entwicklungen, nahm er an. Nero sah sich erstmalig, doch wohl nicht unvorhersehbar, mit einer Morddrohung aus den Reihen der eigenen Familie konfrontiert.


    ... Familie ...


    Bassus würde nur das tun, wofür Lepidus nicht die Verantwortung zu übernehmen gedachte. Nero sah dem Vetter in die Augen. Sie beide könnten nicht unterschiedlicher sein. Der eine brünett und voll soldatischem Schneid, geboren um zu führen. Der andere blond, bleich und schlaff bis in den letzten Finger. Nero senkte das Kinn ein wenig und blickte Bassus weiterhin in die Augen. Er machte einen Schritt nach vorn, direkt in den warnenden Finger hinein.


    "Wenn du es zu Ende bringen willst, dann tu es jetzt", zischte Nero.

  • Bala, dem nicht entgangen war, daß sich die Aemilier nicht gerade grün waren. Als der Subpraefectus dieser kleinen Schwamm Nero hinter ein Gebüsch gezerrt hatte. Er machte sich auf dem Weg zu diesem Gebüsch, mehr aus Neugier als aus Sorge.

    Der Anblick der sich ihm bot war erheiternd, fast schon so wie in einem der Strassentheater in der Urbs.

    Ein kleiner schwammiger Kerl drückte seine Stirn gegen der Zeigefinger eines gepanzerten Offiziers. Welch Tollkühnheit oder finaler Wahnsinn brachte ihn dazu? Lebenslange Abweisung? Verzweiflung?

    Mut war es sicherlich nicht. Er baute sich vor den beiden auf, verschränkte die Arme und meinte trocken,

    Ich denke es ist wenig ruhmvoll Bassus,...er ist wahrlich kein Gegner...dieser kleine, weiche, picklige, zornig verwöhnte Nero.

    Er wandte sich ab und meinte dabei, Abmarsch in 5 Minuten Soldat! ...und du kleiner Mann,...paß auf daß deine Wünsche nicht in Erfüllung gehen,...dann wird es aber kein elegant zivilisierter Römer sein, der dich ersticht, es wird ein stinkender Barbar sein, der dich mit einer fast stumpfen Axt in Stücke hackt...

    Oh, Lepidus, ich kann kaum glauben, daß dies dein Sohn sein soll. Vielleicht wäre es für alle das Beste wenn er...

  • Natürlich schrak Bassus zusammen als Caesar auftauchte. Er war unangenehm berührt, kam sich fast kindisch vor. Doch als sich Caesar zurückzog und ihn als Soldaten zu sich rief war er beruhigt. Nero hatte das Nachsehen,...kleiner Mann...er konnte einem fast schon leid tun. Er ließ Nero zurück mit sich selbst und seiner Todessehnsucht. Bei seinem Pferd angekommen dachte er über die Worte des Caesar nach. Ob die Germanen tatsächlich so wild und schlecht ausgerüstet waren? Sei Blick fiel auf eines der Packpferde. Es trug eine besondere Fracht,...den Adler der XXII Legion. Er tauchte ein in eine besondere Gemeinschaft, eine Bruderschaft und ihre Symbole. Etwas was Nero wohl niemals erlangen dürfte.

  • Apollinaris ließ sich von dem Pferd rutschen und folgte den beiden Männern. Der Caesar tat es ihm gleich. Mehr noch er war wesentlich schneller als er. Apollinaris blieb in einiger Entfernung stehen und hörte sich an, was dieser zu sagen hatte. Welch ein Glück, dass so ein Mann über Leben und Tod entschied, bei dem Interesse an seinen Mitbürgern. Vermutlich wünschte er jedem Fettsack den Tod... wobei nein die finanzierten ja sein dekadentes Leben und machten solche Ausflüge mit klingendem Beutel möglich. Ohne Steuern war das Militär nicht zu finanzieren, denn Geld wuchs bekanntlich nicht auf den Bäumen. Wie man mit seinen Geringsten umging, zeigte wahre Größe.


    Vielleicht fand sich ja auch eine Barbarenaxt eines Tages im Schädel von Caesar wieder oder von dem Verwandten von Nero. Wer wusste das schon? Jedenfalls erklärte sich so, weshalb die wenigsten Senatoren und Kaiser eines natürlichen Todes starben. Es sei denn man zählte Gift oder ein Dolch im Herzen als natürlicher Tod. Denn natürlich überlebte so etwas keiner. Diese Leute gebaren sich, dass sie beliebt waren wie Fußpilz. Wollte man von solchen Leuten tatsächlich verteidigt werden? Oder fiel man da doch nicht lieber in die Hände der scheinbaren Barbaren?


    "Nero kommst Du? Wir müssen los und Dein Verwandter muss es noch aufs Pferd schaffen", rief Apolinaris und betrachtete den Verwandten von Nero wie ein widerwärtiges Insekt.

  • Sein Vater, den Bassus in den Himmel lobte, hatte wahrlich ganze Arbeit geleistet. Selbst der Caesar, der Nero gar nicht persönlich kannte, beschimpfte ihn. Dagegen konnte er schwerlich etwas sagen, er wartete einfach, bis der saure Regen vorüber war und Caesar samt Vetter sich verkrümelten. Man mochte es dem zur Passivität neigenden Nero nicht zutrauen, doch die Blicke, die er beiden hinterherschickte, brannten vor Hass.


    Erst, als Apollinaris sich neben ihn stellte, wurde Nero innerlich ruhig. "Lass gut sein", sagte er und legte ihm eine Hand auf den Arm. "Es bringt nichts."


    Nero musste es wissen. Er hatte in seinem Leben alle Strategien durchprobiert, die ein Jugendlicher aufzubieten imstande war: Trotz, Wut, Verzweiflung. Seine Hilferufe, die lauten wie die leisen, waren ungehört verhallt und hatten ihn in jemanden verwandelt, der wusste, dass es vollkommen gleichgültig war, was er tat. Keine seiner Handlungen mündete in Resultat, die Wogen brachen sich an Lepidus´ schroffem Fels. Am Ende war das Resultat jeder Handlung eine Niederlage.


    Nein, Nero kämpfte nicht. Er wartete darauf, dass der Kampf vorüber zog.


    Der einzige Gott, der ihm je geholfen hatte war Kronos, für den das römische Äquivalent Saturn eine unbefriedigende Analogie bildete. Nero bevorzugte das hellenische Original:


    Kronos, die personifizierte Zeit, die ihre Kinder fraß.


    Der Tag würde kommen, da auch Aemilius Lepidus nicht mehr war. Er war alt, konnte kaum noch laufen. Und Neros Bruder lebte ein gefährliches Leben als Soldat, genau wie sein Vetter. Nero brauchte nur zu warten und würde eines Tages als Pater familias die Augen aufschlagen, ohne dass er einen Finger hatte rühren müssen.


    Er schenkte Apollinaris ein frostiges Lächeln, ohne dass diese Kälte Apollinaris galt. Sie fand nur gerade den Weg aus Neros Inneren auf sein Gesicht. Sein Herz war mit der Morddrohung zu einem Eispalast gefroren. Ohne zu murren, ohne zu diskutieren oder auch nur etwas zu empfinden begab Nero sich zu dem ihm zur Verfügung gestellten Pferd.

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