[Officium I] Legatus Augusti pro Praetore

  • Antoninus betrat nun endlich die Räume des Stadthalter oder zumindest den Vorraum den auch hier konnte man natürlich nicht direkt zum wichtigsten Mann der Provinz. „Salve ich bin Iulius Antoninus der neue Präfekt der XV Legion, ist der Legatus Augusti anwesend oder weilt er bei seiner Legion Satala?“ Weil er hier sicher war das der mit dem er sprach auch lesen und schreiben konnte händigte er ihm das Schreiben gleich aus.




    IN NOMINE IMPERII ROMANI ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    ERNENNE ICH


    LUCIUS IULIUS ANTONINUS


    MIT WIRKUNG VOM

    NON IUL DCCCLXXI A.U.C. (7.7.2021/118 n.Chr.)


    ZUM

    PRAEFECTUS CASTRORUM

    Legio LEGIO XV APOLLINARIS


  • Iulius Antoninus wurde gebeten, für einen Moment im Wartebereich platz zunehmen, wo man ihn mit leichten Erfrischungen bewirtete. In der Zwischenzeit hatte er Gelegenheit, sich umzusehen. Während hellenische, persische und kappadokische Einflüsse im Stadtbild Caesareas sonst allgegenwärtig waren, war die Regia ein Bollwerk des römischen Traditionalismus. Ganz so, als würde ihr gegenwärtiger Besitzer versuchen, das schauderhaft bunte und verschnörkelte Miasma des Ostens draußen zu halten. Die Mitarbeiter hatten sich scheinbar streng römisch und keinesfalls hellenisch zu kleiden, zumindest lief an Antoninus niemand vorbei, der anders aussehen würde.


    Nach einiger Zeit bat der Schreiber den neuen Praefectus Castrorum von Roms staubigster Legion durch die Tür.


    Hinter seinem erzrömischen Schreibtisch saß Galeo Calidius Calvena, dem man das einst gute Aussehen seine Jugendjahre noch ansah. Der einstmals feuchte Traum zahlloser Frauen kämpfte im fortschreitenden Alter vergeblich gegen sein anschwellendes Gewicht. Das schwarz gefärbte Haar zeugte von dem Verdruss, den ihm das Alter bescherte, ohne dass er dieses dadurch aufhalten konnte. Calvena blickte der neuen Hoffnung für die Legio XV Apollinaris aufmerksam entgegen, um herauszufinden, ob er diesen Mann für die große Aufgabe, die vor ihm lag, respektieren oder bedauern sollte. Und um zu sehen, wie römisch er war oder ob der Geist des Ostens ihn bereits durchseuchte.

  • Das überaus strenge Einrichtung war ihm natürlich aufgefallen auch wenn er es durch aus so erwartet hatte. Denn die überlegene Kultur beugte sich ja selten der unterlegenen und das war ja wohl klar die römische. Nach dem er eine angemessene Zeit gewartet hatte wurde er in das Offizium des Legatus geführt. Ja ein Seantor durch und durch konnte man sagen. Militärisch legte Antoninus die rechte Faust auf linke Brust und streckte den Arm zum römische Gruß aus wie es unter Militärs üblich war. „Salve Legatus Calidius Calvena, ich grüße dich und bestelle dir Grüße aus Rom von deinem Augustus.“ Die obligatorischen Grüße aus dem Palst mussten natürlich sein auch wenn sie nicht direkt ausgerichtet waren, aber Floskeln gehörten eben auch dazu. Sein eigener Name dürfte dem Stadthalter ja nach der Ankündigung durch sein Vorzimmer bekannt sein.

  • Der erste Eindruck war kein schlechter. Calvena wieß auf den Scherenstuhl, der vor seinem Arbeitstisch stand. Da nicht absehbar war, wie lange sie miteinander sprechen würden und der Mann eine lange Reise hinter sich hatte, hielt er es für angebracht, ihn sich setzen zu lassen.


    "Ich bedanke mich für die überbrachten Grüße. Bitte, Praefectus Iulius, nimm doch Platz. Ich hoffe, du hattest eine gute Anreise? Damit wir uns nicht unnötig aufhalten, komme ich gleich zur Sache. Inwieweit bist du über die Lage vor Ort im Bilde?"


    Der Informationsstand, mit dem die neuen Offiziere von außerhalb aufkreuzten, war ganz unterschiedlich. Manche warf man ins kalte Wasser und erwartete, dass sie sich an ihrem neuen Posten informierten, einige brachten oberflächliches Wissen mit, andere hatten Beziehungen nach Cappadocia und konnten bereits realistisch einschätzen, was sie hier erwartete.

  • Antoninus nahm den angebotenen Platz gern an und setzte sich. „Ich danke dir.“ Sagte er zu dem Angebotenen Platz. Wobei das nun bei seinem Status und Rang angebrachter war als bei einem einfachen Centurio. Bei den Dankesbekundungen nickte er natürlich. Wie Frage nach seiner Anreise beantwortet er etwas ausführlicher. Aber auch nur weil sie auch etwas zur Lage beitragen konnte. „Ich bin ab Ilium über Land angereist Wind und Strömung am Hellespont standen gegen uns und wir hatte schon zweit Wochen mit Warten zugebracht. Wir wurde in den Bergen auf dem Weg zwischen Ancyra und Caesarea zwei mal überfallen konnten die Angreifer aber zurückschlagen.“ Das war schon mal der erste Punkt den er setzten wollte. Wobei Überfälle ja auch in andere Provinzen keine Seltenheit waren. Er wollte es nur ansprechen. „Nun zur Provinz und dem was ich weiß. Dies ist eine Grenzprovinz die im Norden und Osten von den Armeniern und im Südosten von den Parthern bedroht wird. Sowohl die Armeiner als auch die Parther kennen sich beim Kampf in diesen Bergen besser aus als wir Römer. Wobei die Armenier hier wohl die gefährlicheren sind, da auch die Parther mit ihren Pferden nur selten in die Berge gehen. Das Problem das ich persönlich sehe aber das ist nur mein Eindruck, da ich es nicht besser weiß ist die Versorgung. Da hier nicht so viel wächst wie sagen wir in den Ebenen Galiens oder Germaniens wenn man den Boden urbar gemacht hat. Ich gehe davon aus dass das Getreide für die Versorgung der Legionen über See hergeschafft wird und dann auf den Straßen transportiert werden muss was in den Bergen schwierig ist.“ Das war seine Einschätzungen der militärischen Lage wie und woher man das Getreide bekam wusste er nicht. Am einfachsten war es wenn man das Getreide im Land der Sykten beschaffte aber außerhalb des Reichs war das immer sehr unzuverlässig. Außerdem wusste er nicht in wie weit und in welchen Mengen man Getreide aus Asia oder umliegenden Provinzen beziehen konnte. Aber eine Legion brauchte grob 305 Talente Getreide, 192 Amphoren Wasser und 650 Talente Heu als Futter für die Tiere am Tag. Das waren gewaltige Mengen und in der Provinz gab es zwei Legionen und zwei Cohorten. Antoninus der nun kein taktischer Führer mehr war sondern Verwaltungschef musste sich also eher darum Gedanken machen. Und davon das Satala im grunde nur ein Bergdorf war wusste er ja noch gar nichts den er verstand unter einer Stadt etwas anderes.



    Sim-Off:

    8t Getreide, 5000l Wasser 18t Heu

    Sorry gestern war irgendwie die Luft raus.

  • "Du wurdest überfallen? Berichte mir davon, auf den Vorfall muss reagiert werden! Stärke und Zusammensetzung deiner Reisegruppe, Anzahl der Gegner? Gab es römische Verluste?"


    Das waren katastrophale Neuigkeiten und Calvena erweckte es mit Zorn, wie dreist dieses Steppenreiterpack inzwischen war. Er atmete durch, um sich auf den Lagebericht zu konzentrieren. Die Lage war komplex, so dass nicht verwunderlich war, dass sich einige Ungenauigkeiten in die Recherche des Praefectus eingeschlichen hatten. Diese zu korrigieren, dazu diente dieses Gespräch. Damit der Praefectus Castrorum umfassend im Bilde war, musste er sich nun einen längeren Vortrag gefallen lassen.


    "Armenien ist ein Klientelkönigreich Roms. Die Armenier sind nicht unsere Feinde. Die militärische Präsenz Roms in Cappadoca dient als wichtige Reaktionstruppe gegen Invasionen aus dem Partherreich und ermöglicht den Römern ein leichtes Eingreifen in die Angelegenheiten Armeniens, beispielsweise, was die Thronfolge anbelangt, denn wir wollen keinen Römerfeind auf dem armenischen Thron. Die Legio XV in Satala fungiert als Wächterin der Handelswege. Wie bedeutsam die Straßen für die Versorgung sind, hast du bereits richtig angemerkt, denn Güter müssen über weite Strecken durch felsiges Ödland transportiert werden und es gibt keine schiffbaren Flüsse.


    Die Parther sind die größte externe Bedrohung und ich behaupte, an keiner anderen Stelle des Imperiums lauert ein derart bedrohliches Ungeheuer wie an der Ostgrenze. Wenn die Parther ihr Haupt aus dem Sand erheben, um gegen Rom ins Feld zu ziehen - die Götter mögen es verhüten. Das wird maßgeblich davon abhängen, welcher ihrer beiden gegenwärtigen Großkönige sich am Ende durchsetzt - der Römerfreund oder der Römerfeind.


    Zu deiner Vermutung, Parther würden sich mit ihrer Reiterei nicht in die Berge wagen, muss ich ergänzen, es durchaus Infanterie bei den Parthern gibt, auch wenn sie eine untergeordnete Rolle spielt und wenig Ansehen genießt: Die Paygan oder auch Paighan*, die den Reitern als Burschen dienen oder bei Bedarf als Schwertfutter. Diese werden es aber nicht gewesen werden sein, die dich überfielen."


    Der Legat ließ dem Iulius eine kurze Verschnaufpause, um die Informationen sacken zu lassen, ehe er fortfuhr:


    "Was die Versorgungsschwierigkeiten betrifft, denkst du in die richtige Richtung, lässt dabei jedoch den wichtigsten Faktor außer Acht: Die Tempelfürsten. Diese Ansammlung giftiger Dornen in Roms Fleisch, diese eitlen, korrupten Oberpriester! Jeder einzelne halbwegs fruchtbare Streifen Land in dieser Einöde, der Rom nützen könnte, gehört einem von ihnen!"


    Sim-Off:

    *Die Paygan sind für die Sassanidenzeit bezeugt, doch vermutlich gab es sie bereits während der Zeit des Partherreichs, da die Sassaniden viele der alten Strukturen beibehielten.

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