Besprechungsraum der Offiziere

  • Besprechungsraum der Offiziere


    Das Herzstück des gut bezeizten Raumes bildet ein rechteckiger Tisch mit vielen Stühlen. Die hölzerne Tischplatte ist groß genug, um jedem anwesenden Offizier genug Platz zum Ausbreiten seiner Unterlagen zu bieten. An der Wand hängt eine große Schiefertafel, auf der mit Kreide Pläne veranschaulicht werden können. Öllampen sorgen während der in Germania oft herrschenden Dunkelheit für Licht. In den Ecken des Raumes frisst die Feuchtigkeit an der roten Wandfarbe, der Boden ist nicht mit Mosaik, sondern mit Natursteinen gefliest - ein deutliches Zeichen, dass man sich hier im Castellum einer Hilfstruppe in der Provinz und nicht bei der Legio befindet.

  • Nero hatte den Aushang von Sabaco gelesen, alle Offiziere der Turma II, wie auch die Ausbildungsturma hatte sich am ANTE DIEM XV KAL APR DCCCLXXII A.U.C.

    (18.3.2022/119 n.Chr.) im Besprechungsraum einzufinden. Nero kam dem selbstverständlich nach und brachte eine Tabula mit, um sich alles Wichtige notieren zu können. Worum es ging, dass wusste Umbrenus nicht und er musste sich eingestehen, dass er auch nicht die geringste Ahnung hatte, um was es gehen könnte. War ein Notfall eingetreten? Musste etwas geklärt werden? Gab es generellen Gesprächsbedarf?


    Möglicherweise wollte Sabaco seine Führungsriege zusammentrommeln. Es war immer von Vorteil, zu jedem Namen ein Gesicht zuordnen zu können. Sie beide waren neu in der Ala, versetzt von der Legio, in der sie kaum angekommen waren, ging es direkt weiter zu den Pferden. So als wollte sich Neptun entschuldigen, dass er ihn zuerst schlicht auf das Land geworfen hatte. Gab es schon kein Wasser für ihn, dann sollte es wenigstens Pferde geben. Damit konnte Nero leben, er musste sich selbst ein Pferd besorgen. Wie sah man in der Ala aus, wenn man kein Pferd zur Verfügung hatte? Wie jemand aus der Classis, der über kein Schiff gebot, wie ein... Landläufer.


    Nero nahm Platz und wartete ab, was geschehen würde. Dabei zeichnete er bis die anderen Kollegen eintrafen einen winzigen Seehund auf seine Tabula.

  • Cimber hatte den Aushang gelesen und war ebenso dem Befehl gefolgt, sich im Besprechungsraum einzufinden. Sein Onkel Titus war bereits anwesend und Cimber grüßte freundlich. Er setzte sich neben Nero und machte es sich bequem. Was genau anlag, darüber wurde nichts erwähnt, aber das hieß nichts. Sie wurden hier informiert oder erhielten passende Befehle. Cimber sah etwas gelassen, man musste nur Geduld haben, dann trugen sich die Informationen meist von allein zusammen.


    "Wir beiden sind die ersten Anwesenden Titus, dass ich das mal sagen würde. Und soweit alles klar bei Dir?", fragte Cimber und legte seine Tabula auf den Tisch.

  • Nero grüßte seinen Neffen mit einem freundlichen Grinsen und fragte sich tatsächlich, wie es Cimber geschafft hatte sich als zweiter in den Besprechungsraum zu schleppen. Vermutlich war er versehentlich in der Nähe gewesen. Anders war dieser Umstand nicht zu erklären.


    "Bei mir ist alles Bestens, weißt Du wie lange mich niemand mehr mit Titus angesprochen hat Appius? Das ist eine Ewigkeit her, vermutlich sogar zwei. Wie steht es mit Dir? Ja ich hatte auch schon gerade überlegt, wie das möglich ist, dass Du einer der Ersten bist. Vermutlich bist Du in der Nähe gewesen und hast Dich in den Besprechungsraum gewuchtet. Wo wir schon bei der Ala sind, ich benötige zwei Pferde. Einen Apfelschimmel und einen Braunen. Beides Hengste. Kannst Du was klarmachen?", fragte Nero gut gelaunt.

  • Man musste nicht lange warten da erschien auch Andriscus. Der unscheinbare, oftmals recht merkwürdig wirkende Duplicarius war der Ausbildungsturma zugeteilt.

    " Salve allerseits" grüsste der Italiker mit unformellen Tonfall.

    " Für Anqesende denen ich unbekannt bin.. Duplicarius Andriscus, Ausbildungsturma."

    " Decurio, Decurio, Cornicularius." Kurz nickte er jedem einzelnen zu.

    Sapperlot ging es ihm durch den Kopf. Wo kamen all die neuen Visagen her.

    Schlussendlich vermutete der Italiker dass wieder einmal Wichtiges im Eiltempo an ihm vorüber gallopiert war.

    Zumindest hatte er es registriert dass hier heute etwas zu besprechen war.

  • "Salve Duplicarius Andriscus. Schön Dich kennenzulernen", grüßte Cimber gut gelaunt zurück und wartete weiter was sich ergeben würde.

    Nun waren sie schon zu dritt, das machte doch einen sehr guten Eindruck.


    "Bezüglich der Pferde schaue ich, was sich machen lässt Cornicularius Umbrenus, macht Dir keine Sorgen", antwortete der jüngere Umbrenus freundlich.

  • "Von mir ebenso Willkommen Duplicarius Andriscus. Du gehörst vermutlich zu den alten Hasen hier, ansonsten würdest Du die Ausbildungsturma nicht leiten. Wir sind gerade frisch zur Ala versetzt worden. Wobei so frisch ist unser Umgang mit Pferden nicht. Mal sehen worum es gleich geht", warf Nero ein und er musste sich eingestehen, dass er so langsam neugierig wurde.

  • Nochmals nickte Andriscus den Anwesenden zu und meinte mit ernster Mine auf die Einschätzung Neros:" Ich denke ich bin dort zugeteilt worden da Subpraefect Germanicus, ehemals Decurio, keinen anderen Olan für mich hatte."

    Sekunden verstrichen als Andriscus dann zu Grinsen begann.

    " Ja. Ich bin schon länger in der Ala. Aber das mit dem Hasen möchte ich überhört haben." Dabei zwinkerte er Nero zu.

    " Also. . Aus welcher Ecke des Reiches hat euch hier her verschlagen?"

  • Schwere Schritte im Gang ließen erahnen, das eine eindrucksvolle Gestalt nahte. Mit einem Stapel Unterlagen kam Sabaco in den Besprechungsraum. Er marschierte um den Tisch herum zum Stirnende, wo sich an der Wand die große Schiefertafel befand. Den Stapel ließ er auf den Tisch plauzen. Er blickte in die Runde, musterte reihum die Anwesenden und sah jedem einmal kurz in die Augen.


    Denjenigen, die ihn noch nicht so oft gesehen hatten, würde wohl als erstes Sabacos große Gestalt mit dem ausgeprägten V-Kreuz auffallen, dann die eisblauen Augen unter den dichten schwarzen Brauen. Eine frische Narbe teilte die linke Braue in zwei Hälften. Sobald Sabaco sprach, bemerkte man das Fehlen etlicher Zähne auf der linken Seite, überhaupt war sein Gebiss ramponiert. Sabaco war eine raue Erscheinung, die vor Männlichkeit nur so strotzte. Doch verrieten tiefe Augenringe, dass er wenig schlief.


    "Salvete, die Herren. Die Spatzen haben vermutlich schon von den Dächern gepfiffen, wer ab sofort die Turma Secunda kommandiert. Mein Name ist Publius Matinius Sabaco aus Tarraco. Ich habe meine Grundausbildung bei der Legio IX Hispania absolviert, die später nach Niedergermanien versetzt wurde. Dort sammelte ich Fronterfahrung mit endlosen Scharmützeln und Gefechten. Nach einer Umstrukturierung habe ich als Optio in der Classis gedient, meine Schwerpunkte waren dort Ausbildungsbetrieb, Versorgung der Truppen und Grenzssicherung durch Patrouillenfahren. Dieses Jahr sollte ich zunächst als Ausbildungsoptio die Legio XXII Primigenia verstärken, wurde jedoch im Zuge der Ereignisse aufgrund meiner inzwischen recht umfangreichen Erfahrung von der Legio wieder abkommandiert und als Decurio hierher versetzt."


    Er gab den Männern Gelegenheit, die Information sacken zu lassen. Vor allem nahm er sich bewusst Zeit mit der Einleitung, da er noch auf das Erscheinen von Paullus Atius Scarpus hoffte.

  • Scarpus betrat kurz nach dem Matibier den Raum, schloß die Türe hinter sich und grüsste.

    " Salve." dabei hob ein einen Arm und steckte die offene Hand nach oben um eventuellen Überraschten Einhalt zu gebieten.

    " Ich weiß, ich weiß...jeder hier wird sich nun fragen....wer ist der Kauz und was will er hier. Um es kurz zu machen. Atius Scarpus, Decurio. Eigentlich Turma I. Aber wie mir zu Ohren gekommen ist gibt es hier ein paar Ungereimtheiten."

    Nach seiner Vorstellung blickte er zu Matinius Sabacco der, wie es schien, die Besprechung leitete.

    Was nun eine weitere Frage in Scarpus aufstellen ließ.

    Bisher hatte er aus Erfahrung mitbekommen dass es hauptsächlich der Praefectus Alae bzw dessen Stellvertreter Besprechungen ansetzen und diese leiteten.

    Mit dieser Frage im Hinterkopf stellte er sich an eine der freien Stühle und wartete darauf dass nun von Seitens Matinius Sabaccos die Einleitung, Erklärung warum man hier ist, begonnen wurde.

  • Ein weiterer Teilnehmer trat ein. Andriscus kannte den Mann nur von sehen bisher, wusste dessen Namen und den Rang. Mehr würde er nicht sagen können falls er zu Matinius Sabaco befragt werden würde.

    "Decurio. Salve" begrüßte der Italiker Matinius Sabaco.

    Der Lebenslauf des Matiniers war......durchwachsen. Legion, Classis dann sollte es wieder Legion werden um dann schlussendlich bei der Ala zu landen.

    In dem einen oder anderen Fall waren solche Versetzungungen oftmals von unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten eingeleitet worden. Eine Frau würde sagen sie wäre mit der Gesamtsituation nicht mehr zufrieden und wünsche daher die Scheidung. Weiber....


    Kurz darauf trat eine weitere Person ein. Ebenfalls im Rang eines Decurios aber total aber wirklich sowas von total unbekannt.

    Bis dieser Unbekannte seinen Namen nannte. Das war also der Mann der gestern in der Castra ankam und ziemlichen Trubel deswegen verursacht hatte.

    " Decurio, Salve. Willkommen zurück."

    Mehr gabs momentan nicht zu sagen.

  • "Damit sind wir vollzählig." Da Scarpus in weiser Voraussicht die Tür geschlossen hatte, brauchte Sabaco das nicht zu tun. "Meine Herren Offiziere und Unteroffiziere! Wir haben uns heute hier eingefunden, um die Operation Sommergewitter zu besprechen." Allein der Name sollte jedem klar machen, dass es sich dabei nicht um eine Friedensmission handelte. "Ich zähle euch die schwersten Angriffe auf das Exercitus Romanus der letzten Monate auf:

    Sabaco ließ eine Pause, damit jeder das Ausmaß der Überfälle innerlich erfassen konnte. Dieses schweren Verluste schmerzten jeden, der ein Herz besaß. Zudem sollte jeder begreifen, dass die Zeit für den bisherigen Kuschelkurs vorbei war.


    "Nicht eingerechnet sind die zahlreichen kleinen Scharmützel, mit denen sich unsere Patrouillen inzwischen beinahe wöchentlich rumplagen müssen. Die erfolgreichen Angriffe auf unsere führenden Köpfe spricht eine deutliche Sprache, hier ist ein planender Geist am Werk, der enthauptet werden muss. Männer. Die kontinuierlichen schweren Angriffe auf unsere Truppen dürfen nicht länger nur mit Selbstverteidigung beantwortet werden. Der Stab hat klare Vorstellungen, wie ab sofort mit dieser Situation umgegangen werden soll."


    Sabaco klopfte auf den Stapel Unterlagen.


    "Ich habe hier unsere Befehle für die kommenden Monate. Die Angelegenheit wurde ganz oben geplant und ich habe mich freiwillig gemeldet als der ausführende Arm. Wir werden nichts dem Zufall überlassen.


    Doch bevor ich zur Befehlsausgabe komme, übergebe ich das Wort an Decurio Atius Scarpus, Überlebender der Turma Prima. Bitte berichte uns, was du in Germania erlebtest und ob du Hinweise hast, was mit dem Rest der Turma geschehen ist."


    Damit ließ Sabaco sich auf einem Stuhl nieder. In der Hoffnung, dass der Mann in dieser Angelegenheit Licht ins Dunkel bringen konnte.

  • Bei der Beschreibung der Vorkommnisse verfinsterte sich das Gesicht von Cimber. Es war an der Zeit den Kampf zum Feind zu tragen, statt zu reagieren war agieren angesagt. Sie mussten die Provinz unter ihre Kontrolle bringen, sie hatten hier für Recht und Ordnung zu sorgen. Germania war ein Teil Roms und Rom war nicht dafür bekannt, dass es derartige Ausschreitungen dulden würde. Zudem war kein Umbrenus dafür bekannt, dass er einen Angriff auf ein Mitglied seiner Gens dulden würde.


    Zuerst hatte man Cinna verletzt und nun Nero. Cimber musste seinen Arsch hochbekommen und den Schlendergang aus den Hufen von Impetus. Es war an der Zeit zu zeigen, dass er für mehr bekannt war, als für chronisches zu spät kommen oder alles gelassen zu sehen. Hier ging es um sie alle, um ihre Provinz, seine Gens und seine Familie.


    Was immer diese Besprechung ergab, ab heute wehte ein anderer Wind. Cimber würde seinen Beitrag leisten und noch wesentlich mehr. Sobald er die Besprechung verließ, würde er sich an Fango wenden. Topas und Impetus würden ihre Chance zum gestreckten Galopp erhalten und so einige Germanen würden außer Atem sein, bevor sie in den Abgrund fuhren.


    Cimber betrachtete kurz seinen Onkel, wie üblich hatte er nichts davon gesagt. Lerne leiden ohne zu klagen, war einst seine Aussage gewesen. Die Lektion würde er weitergeben. Gespannt wartete Cimber auf den Bericht von Decurio Atius Scarpus.

  • Gerade als Nero Andriscus erläutern wollte, woher sie stammten, hatte Sabaco den Raum betreten und brachte eine finstere Nachricht nach der anderen. Germania versank im Sumpf und es gab nur eine Möglichkeit dem Einhalt zu gebieten. Ein Plan musste her und zwar z z - ziemlich zügig. Sogar seine Verletzung hatte Sabaco erwähnt, für einige Sekunden fühlte sich Nero gerührt, denn Sorge sprach aus Sabacos Worten.


    Doch sie hatten ihr Fell teuer verkauft, dass musste er seinen Männern lassen. Die Keto und die Mannschaft waren eins gewesen. Ein gutes Schiff mit guten Männern. Nero sandte ihr stumm die besten Grüße, wo immer sie nun war. Vermutlich noch immer dort, wo sie hingehörte. Sie lag an ihrem Liegeplatz und wurde nun von anderen befehligt. Sie hatten die Keto, den Rhenus und die Classis verlassen.


    Alles hatte einen Grund und gerade hatte Sabaco eindrücklich geschildert, weshalb sie hierher versetzt worden waren. Ein Gubernator sollte den Himmel und alle anderen Wetterzeichen lesen können. Wenn Titus eines konnte dann das.


    Die Zeichen standen auf Sturm.

  • Scarpus räusperte sich und blickte vielsagend in die Runde.

    " Guten Tag nochmal. Ich möchte nur kurz etwas berichtigen da es hier zu Fehlinformationen gekommen ist.

    Die Turma I. Sso wie sie euch bekannt ist ist anscheinend verschollen. Dies ist mir erst seit heute klar. Jedoch hat dies nicht mit meinem Abbleiben noch mit meinem Erscheinen zu tun.

    Wir, jene die mit mir zurückkehrt sind also 1 Contubernium, waren auf Befehl des Praefecten Iunius in Germania Magna unterwegs. Das es hierfür keine schriftlichen Unterlagen gibt liegt daran dass es eine Mission der Verschwiegenheit war. Soviel zum Thema Turma I. Es ist auch gar nicht möglich da meine Mission über einen Zeitraum von gut einem Jahr lief."

    Eine kurze Pause entstand um den Anwesenden die Zeit zu geben das Gehörte sacken zu lassen jedoch auch für Scarpus. Der Tod des Iuniers traf ihn.

    " Ich bin zutiefst erschüttert dass Varro, Subpraefect Germanicus Varro, ebenfalls als vermisst gilt. Diente er doch unter meinem Kommando hier in der Castra."

    Dass der Germanicer es zum Subpraefecten geschafft hat freute den Atier Insgeheim.

    " Was den Verlust der Benefizianer angeht so hoffe ich doch dass die Legio informiert ist und die nötigen Schritte eingeleitet wurden bzw werden mein Weg zurück führte mich an dem Castell vorbei und wir hatten schon überlegt die Gefallenen zu Bergen bzw ihnen einen ordentlichen Abschied zukommen zu lassen. Da es uns aber an den nötigen Dingen mangelte ließen wir davon ab. Ich hoffe dass es baldigst erledigt ist."

    Jetzt schwieg der Atier fürs erste um den Anwesenheit Gelegenheit zu geben Fragrn zu stellen oder sich anders in die Sitzung einzubringen.

  • "Erschüttert sind wir alle, Decurio. Die Legio ist natürlich bereits informiert worden. Wenn du dich aus persönlichen Gründen an der Bergung und am Abschied der Gefallenen beteiligen möchtest, wende dich am besten direkt an die Legio, ich kann dazu nichts sagen."


    Einige Augenblicke schwieg Sabaco. Froh, dass er nicht den Tod seines Bruders mitgeteilt bekam, frustriert, weil er auch sonst nichts über Ocellas Verblieb erfuhr. Dann fing er sich. Der einzige Weg war, diese Operation mit brutaler Effizienz durchzuziehen.


    "Momentan brodelt die Gerüchteküche. Es ist nicht einfach, Gerücht und Tatsache voneinander zu trennen. Ich denke, für uns alle sprechen zu können, wenn ich sage, dass wir froh darüber sind, dass wir uns in dem Fall geirrt haben und dass du und deine Männer wohlbehalten wieder heimgefunden habt."


    Am Wahrheitsgehalt der Worte von Atius Scarpus zweifelte er keinen Augenblick, auch ohne schriftliche Belege, die ihn ohnehin nichts angehen würden. Das bloße Wort eines guten Kameraden galt für ihn und war über jeden Zweifel erhaben.


    "Da es eine geheime Operation war, ist es nicht an mir, Informationen von dir zu erbitten, Decurio. Aber falls es etwas gibt, von dem du meinst, dass es für die Operation Sommergewitter hilfreich sein könnt, dann wende dich an die Stabsoffiziere. Das musst du ja ohnehin tun, um deine neuen Befehle abzuholen. Sie werden dann entscheiden, ob sie mich ebenfalls über die Dinge in Kenntnis setzen wollen, die du ihnen mitteilst.


    Das wäre dann alles. Danke, dass du dir es so kurz nach deiner Heimkehr einrichten konntest, hier zu erscheinen."


    Das war nicht selbstverständlich, denn diese Besprechung ging den anderen Decurio von der Sache her nichts an und er hätte ihm genau so gut die kalte Schulter zeigen und seinen eigenen Angelegenheiten nachgehen können. Sabaco griff nach dem Stapel mit den Befehlen für die Turma Secunda, ein Zeichen, dass sich Atius Scarpus nun entfernen durfte.

  • " Keinesfalls gibt es Informationen die nicht für jeden hier im Raum verschlossen bleiben sollten und es auch sind.

    Einer unserer Kontakte hatte erst vor wenigen Tagen wichtige Details überbrachte. Es betrifft die Provinz Noricum. Der Vedacht besteht und ist mehr als ein Verdacht dass sich bald etwas tun wird. Die Markomanen haben vor die Donau zu überschreiten. Und nicht nur die Markomanen sondern auch noch andere Stämme.

    Was im Süd-Osten beginnt kann sich ausbreiten. Znser Infomant beobachtete dass sich Sueben dazu aufmachen nach Westen vorzudringen, also in Richtung Limes."

    Natürlich könnte er nun den Plänen zustimmen einen Feldzug gegen die Germanen jenseits des Rheins zu starten nur war er sich nicht sicher ob es wirklich eine gute Idee war.

  • Sabaco lehnte sich zurück und hörte aufmerksam zu. Die Angelegenheit wurde nicht einfacher, aber klarte auf.


    "Das sind wichtige Neuigkeiten, Decurio. Hört sich nach einer großen Angelegenheit an die da auf uns zurollt." Er schob Scarpus eine leere Tabula samt Griffel hinüber. "Wenn du kannst, schreib mir die Namen der germanischen Informanten auf und welchem Stamm sie angehören. Dann werde ich sie a) verschonen und b) werden sie uns in Zukunft weiter nützen dürfen."


    Ihm wurde bewusst, wie bedeutsam die Arbeit der Kundschafter in dieser undurchsichtigen Angelegenheit sein würde. Zwar hatte er entsprechende Vorkehrungen getroffen, doch er würde sie weiter ausbauen. Sein Blick streifte Nero. Wenn er jemandem die Verwaltung dieser sensiblen Informationen anvertrauen wollte, dann ihm. Nicht umsonst hatte er dafür gesorgt, dass er den Posten des Cornicularius bekam. Nero war eindeutig zu alt, um Sabaco an die Front zu begleiten. Stattdessen würde er sicher im gut beheizten heimischen Officium die eintrudelnden Informationen auswerten, damit Sabaco daraus seine Taktik weben konnte. Aber davon wusste Nero noch nichts.


    Sabaco schaute wieder zu Scarpus, ob der fertig war mit schreiben. "Weißt du, warum die Sueben nach Westen drängen und warum die Markomannen die Donau überschreiten wollen? Vor diesem vierjährigen Friedensvertrag, den der damalige Tribunus Laticlavius Flavius Gracchus Minor aushandelte, war es wohl Hunger. Missernten und so weiter."


    Sim-Off:

    Falls du dir noch keine Informanten ausgedacht hast, kannst du gern ein paar erfinden, auf die wir uns künftig beziehen können.

  • " Wurde dieser Vertag nicht mit den Chatten vereinbart?" wollte der Atier fürsorglich wissen um nicht einem Irrtum zu unterliegen.

    " Was die Expansionspläne der Stämme im Osten angeht so ist es aus der Not heraus. Einerseits Nahrungsmittel, Gebiete sichern die sich dafür eignen andererseits auch die internen Plänkeleien der einzelnen Stämme. Und auch der Groll gegen Rom. Der Friedensvertag läuft bald aus. Die vier Jahre sind bald vorüber und....und Rom würde es ebenso nicht dulden wenn sich, egal wer, sich dazu aufmacht und sein Gebiet erweitern möchte.

    Einige der Stämme eisern den Sueben nach da diese erfolgreich plündern und stark sind. Wenn wir wirklich einen Feldzug vorbereiten werden wir uns auf großen Widerstand vorbereiten müssen."

  • "Ja, die Chatten. Inwieweit das für die anderen Stämme galt - da habe ich keine Ahnung. Es galt wohl nur für sie, da die Angriffe nie vollständig aufhörten. Nach Ablauf der Zeit nahmen sie allerdings wieder zu. Sprich, der momentane Druck geht wahrscheinlich von den Chatten aus. Hast du dazu Informationen vorliegen?"


    Scarpus schrieb keine Namen auf. Vermutlich durfte er keine nennen, um die Informanten zu schützen.


    "Uns fehlt bislang eine heiße Spur, sie kommen scheinbar aus allen Richtungen und ohne festen Anführer, doch das täuscht. Sie gehen taktisch klug vor und es ist ihnen gelungen, unsere Offiziere zu ermorden. Jemand plant und er weiß, was er tut. Diesen Jemand müssen wir finden und um die Last seines aufgeblasenen Hauptes erleichtern!

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