• Die Turma Prima unter Subpraefectus Alae Germanicus Varro tat das wozu sie um Caesars Willen aufgebrochen war. Die Sammlung und Auswertung von Informationen unter Anwendung offener Mittel und Methoden. Sie hatte das Ziel, Erkenntnisse über die politische und taktische und militärische Lage zu erlangen. Niemand, noch nicht einmal der Praefectus selbst wurde in diese Missio eingeweiht, sie waren nur im Namen des Caesar unterwegs.

    Die Männer bewegten sich nahezu unbemerkt durch die abwechslungsreiche, größtenteils friedliche Landschaft. Wälder dominierten die Weiten, Dörfer und größere Ortschaften zeugten von einer Landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft. Neben der Land- und Viehwirtschaft gab es auch Handwerker wie Schmiede, Töpfer und Tischler.

    Die Siedlungen schwankten zwischen 50 und 200 Menschen.

    Nicht alle standen sich kooperativ oder friedlich gegenüber. Immer wieder kam es zu Überfällen, motiviert durch Neid, Gier oder schlicht Hunger.

    Es war schwer zu glauben, daß diese Menschen die größtenteils im Schweiße ihres Angesichts arbeiteten raubend und plündernd durch die Grenzgebiete des Imperiums zogen. Immer wieder kamen die germanischen Reiter der Prima von ihren Erkundungen zurück und berichteten von einem Aufwiegler, einem, der durch die Siedlungen, Weiler und Dörfer zog, die Jugend inspirierte, an prasselnden Feuern von unermesslichen Reichtümer in kaum bewachten Städten erzählte. Er weckte Begehrlichkeiten, besonders bei der Jugend, denen das Leben in ihrer Gemeinschaft zu langweilig zu wenig selbstbestimmt war. Was wären sie für Helden und angesehene Krieger, wenn sie mit Beute und Sklaven heimkehrten um ihrer Familie das Leben zu erleichtern.

    Diesen Aufwiegler galt es zu finden, doch bisher entkam er ihnen stets auf auf geheimnisvolle Weise, war immer einen Schritt voraus.

    Man hatte eine Beschreibung, vage,...allgemein und einer von Vielen.

    Varro führte genau Buch über die Erkenntnisse, legte eine Karte an und traf sich immer weit entfernt und gut verdeckt vom jeweiligen Erkundungsgebiet, so wie jetzt in einer Nacht in den Tiefen des Terra incognita an einem großen Waldsee.

  • Varro drückte den Rücken durch. Wie lange waren sie nun unterwegs? 7,...8 Wochen? Obwohl die Tage wärmer wurden waren die Nächte noch empfindlich kalt. In eine Decke gehüllt die Hände um einen Becher mit heißem Würzwein betrachtete er aus einer gesicherten Position den einzigen Zugang zu ihrem Versteck. Wie seine Männer hielt auch er seine Wache über die schlafenden Kameraden. Gedanken kamen und gingen. Gesichter tauchten vor ihm auf und gingen wieder in die neblige Unendlichkeit seiner Gedankenwelt. Morgen würden sie die Missio beenden und sich auf den Weg zurück zum Castellum machen.

    Morgen,...das war nicht mehr allzu fern. Der Würzwein ramm angenehm warm durch seine Kehle und erwärmte Brust und Bauch.

    Sein Blick glitt über die schlafenden Männer, alle in wildem Räuberzivil, alle, wie er selbst auch bärtig und abgezehrt. Wie es hungrige Waldläufer nun einmal sind.

    Ihre oberste Pflicht war es nicht aufzufallen, deshalb liefen sie zu Fuß durch die Wiesen und Wälder. Die Pferde waren gut bewacht in einer geschützten Stellung und wurden von 10 Mann bewacht. Die meisten waren krank oder hatten sich verletzt, sie würden die Aufklärung also nur behindern. Es war gut so, denn der Erfolg gab ihnen Recht.

    Er hob seinen Blick und sah über den Wipfeln der Bäume das Sterben der Nacht und die Geburt des Tages.

    Ein letzter Schluck und er wandte sich um Ocella zu wecken, was er auf sehr rustikale Art dann auch tat.

  • Ocellas Welt wurde rüde zerstört. Die schwülstige Szenerie in dieser unbestimmten Therme, umgeben von schwitzigen Körpern die sich verlustieren und immer wieder das Geschicht von... Irgendetwas traf ihn in die Seite, hatte ihm sicher ein paar Rippen gebrochen. Ruckartig ausatmend schnellte er hoch und sah eine Gestalt zum Feuer gehen um dort einen Teil seines Würzweins hinein zu schütten. Ocella verzog sein Geschicht, kratzte sich den inzwischen ansehnlichen Bart und rieb sich die Seite.

    Mühsam kam er auf und stampfte zum Feuer. Verdammt, ihm tat wirklich Alles weh.

    Er nickte Marbod zu, der ihm einen Becher heißen Würzwein reichte und stellte sich neben Varro, während hinter ihnen das Lager erwachte. Der Würzwein war gut, brannte ihm die Kälte aus dem Leib.

    Er sah Varro an. Genau wie er sah Varro aus wie einer dieser Strauchdiebe, die sich hier herumtrieben. Sie alle waren relativ verwahrlost, brauchten eine Rasur und einen Haarschnitt.

    Heute geht es also wieder zurück?

    Fragte er und nahm einen weiteren Schluck. Zumindest war das der Plan. Er folgte Varro´s Blick und versuchte im Morgendunst etwas zu erkennen.

  • Varro starrte in die Richtung dieses undurchdringlichen Landes welche sie nun nicht mehr gehen würden. Was mochte dort auf sie warten, sollten sie es dereinst doch tun?

    Unendliche Wälder, Marschland, Sümpfe, sie wären freilich die größere Herausforderung als die recht spärlichen Dörfer. In nun fast zwei Monaten hatten sie keine Ansiedlung aufgefunden die mehr als 200 Seelen stellte, davon 3/4 Nichtkombattanten. Wo waren die Männer? Wo kamen sie vor allem immer her?

    Sie hatten mehr als einmal eine größere Gefolgschaft aufgerieben. Demnach als mindestens zwei Dörfer um ihre Jugend gebracht. Hier war nichts davon zu beobachten. Die wenigen Hütten und Langhäuser waren bewohnt, es gab ausgeglichen viele Männer in den Ortschaften.

    Das ließ nur den Schluß zu, daß die Plünderer von weiter her kamen,...also von dort hinten, dort im terra incognita.

    Ocella stand neben ihm und sah wieder einmal aus wie eine Müllkatze. Varro lächelte kurz in der Erkenntnis, daß sie alle, auch er selbst so aussahen und vor allem rochen.

    Varro nickte leicht und entgegnete, Ja, wir warten noch auf Thorbrand´s und Wigalt´s Rückkehr dann brechen wir hier ab und es geht zurück gen Mogontiacum.

    Die beiden Eques waren im der Ortschaft am anderen Ende des See´s und sollten dort eine Aufklärungsmissio durchführten.

    Er wandte sich ab und klopfte Ocella auf die Schulter. Veranlaße alles Notwendige, wenn die beiden hier sind, ...was ja nicht mehr allzu lange dauern sollte, gibt es eine kurze Einweisung von mir und dann ziehen wir in Richtung Sonnenuntergang. Er nickte Ocella zu und begab sich dann zu seinem Schlafplatz. Er mußte noch den See in die Karte einbringen und nachher die Angaben der beiden Speculatores hinzufügen. 54 Ortschaften hatten sie entdeckt...auf dem Rückweg würden sie einen anderen Weg nehmen und noch die eine oder andere hinzufügen. Sueben, Chatten und Cherusker, kaum noch Marser, aber auch Langobarden und Hermunduren, wenn auch nur als fahrende Händler hatten sie angetroffen. Allesamt friedlich und ihrem Tagwerk ergeben. Mehr als einmal kamen ihm Zweifel ob es ihnen jemals gelingen würde dieses Land, reich an Holz und Bodenschätzen ganz zu besetzen. Die Ortschaften lebten mehr für sich, pflegten aber einen regen Austausch an Waren und Menschen. Es gab verpflichtende Bündnisse und Rivalitäten.

    Varro ahnte, nein er wußte, daß sie sich im Ernstfall, etwa einer römischen Eroberung verbünden würden und das wäre ein Desaster. Denn die Stärke der römischen Legion, ihr Formationskampf war in dem vorherrschenden Gelände nahezu nutzlos. Man würde sich anpassen müssen, Taktiken entwickeln um den zu allem Entschlossenen wilden Kriegern zu begegnen. Varro zeichnete den See ein und dachte über die Dinge nach.

    Da meldete der Wachposten die Rückkehr von Thorbrand und Wigalt.

  • Ocella stürzte den Rest des Würzweins die Kehle hinab und machte sich dann auf um das erwachende Lager für den Abmarsch vorzubereiten. Die Stimmung war gut, es ging langsam wieder heimwärts Richtung Mogo. Hin und wieder warf er einen Blick auf Varro der über seine Karte gebeugt ihre Position mit unveränderlichen Punkten markierte.

    Varro hatte sich verändert. Seit seiner Berufung zum Sub wirkte er irgendwie ermattet, müde auf ihn.

    Ocella zuckte die Schultern und meinte für sich, daß es in dessen Alter nun einmal so sei, daß man mehr in sich gekehrt ist. Als Kamerad und vor allem als Offizier gab es an Varro nichts auszusetzen. Als der Ruf des Wachpostens erklang winkte Ocella die beiden zu sich und begab sich mit ihnen zu Varro.

    Dann macht mal eure Nuntio,...danach rücken wir ab!

    Thorbrand und Wigalt sahen sich an und nickten. Subpraefectus Germanicus,...Nuntio... Das Dorf besteht aus 56 Seelen, 15 Männer in wehrfähigem Alter. Sie haben keine Verluste zu beklagen, also haben sie keine Männer in letzter Zeit an Gefolgschaften abgegeben. Der Aufrührer war auch hier, vor etwa 4 Tagen, doch niemand wollte ihm folgen. Der Dorfälteste hält es für sinnvoll sich neutral zu verhalten und sich nur im Ernstfall zu wehren. Wigalt sah Thorbrand an ob er etwas vergessen hätte. Dieser nickte und straffte sich ein wenig. Die Menschen dort erzählen sich von einem der kommen wird um die unzähligen unschuldigen Opfer zu rächen,...einem Fürsten der die Stämme vereinen wird wie einst jener Cherusker Arminius um die Invasoren zurückzutreiben.

    Eine beklemmende Stille trat ein und alles starrte auf Varro. Auch Ocella...

  • Es gab immer einen Messias,...immer einen Befreier, den Einen der alles wieder auf Anfang setzte. Varro schloß kurz die Augen und rieb sich die Nasenwurzel. Einen Augenblick später sah er die Männer vor ihm an und nickte leicht. Gut gemacht, danke Männer.

    Dann wandte er sich allen Männern zu die ihn im Halbkreis gegenüber standen. Er betrachtete die Gesichter, bemerkte ihre Erschöpfung, aber auch ihren Willen ihm weiterhin zu folgen. Männer! ...Equites! begann er und sah sie wohlwollend an. Wir haben unsere Missio erfüllt...Abmarsch noch Mogontiacum in 10 Minuten.

    Ein Raunen der Erleichterung drang zu ihm. Auch er war froh aus diesen Wälder zurück in die Zivilisation gehen zu können. Raus aus diesen Klamotten, einen Tag in der Therme um den Schmutz und die sprießenden Haare entfernen zu lassen. Es war ihm ein Rätsel warum man solch eine Art zu leben verteidigen und sich den Vorzügen der römischen Lebensweise entziehen wollte. Wußte man es nicht besser? Er war überzeugt, daß die meisten dieser Hinterwäldler keine Ahnung hatten welchen Vorteil sie aus der Hand gaben.

    Was war wichtiger uralte Kultur und Lebensweise oder Anpassung an ein besseres System?

    Während die Männer ihre Halbseligkeiten fest verpackten und die Spuren des Lagers beseitigten warf er einen Blick auf die Karte. Sie würde in nicht allzu ferner Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Sie würde Wegweiser der Rache eines Mannes sein, der all jene betrafen würde die es gewagt hatten ihn und seine göttliche Person zu missachten und schlimmer noch anzugreifen. All jene die es gewagt hatten und all jene die so waren wie sie, ob sie nun deren Ansichten teilten oder auch nicht.

    Das Lager wurde langsam wieder eine Waldlichtung vor dem See und die Männer sammelten sich zum Abmarsch.

    Varro nickte Ocella zu und die Männer rückten ab. Varro ließ jeden einzelnen passieren und schenkte jedem Einzelnen das Gefühl einer starken Bindung indem er sie bewußt als Person ansah und wahrnahm. Wigalt war der letzte und Varro folgte ihm nach einem letzten Blick in die Runde.

    Zwei Tagesmärsche bis zum Pferdelager, dann würden sie sich wieder in römische Equites verwandeln. Zwei Tagesmärsche, wenn nichts dazwischen kam.

  • Knapp 120 Meilen waren sie in dieses düstere Land eingesickert, 2 Monate waren sie hier und haben Informationen gesammelt und Gelände erkundet. Die gezeichnete Karte markierte nahezu jeden markanten Punkt, jedes Dorf, jeden Weiler. Sie hatten gefährliche Gelände geeignet für Hinterhalte und die besten Positionen für Marschlager festgelegt.


    Varro schätzte, daß sie zwei, maximal drei Tage, also etwa 40 bis 50 Meilen ohne größere Gegenwehr vorstoßen könnten. Das würde bedeuten, daß die grenznahen Ortschaften als erste dem Zorn des Caesar ausgesetzt waren. Blöderweise handelte es sich bei diesen Siedlungen um Romfreundliche Barbaren. Solchen die fast täglich den Limes mit Waren und Lebensmitteln passierten, solchen die sich mit den Gegebenheiten arrangiert hatten, solchen, denen es Dank des Handels besser ging als ihren hinterwäldlerischen Nachbarn.


    Sie würden also bestenfalls irritiert reagieren wenn sie massakriert würden, geradeso als käme der Nachbar vorbei und meuchelte die Familie für die Taten Anderer. Man wurde zu einem Exempel.

    Je länger Ocella darüber nachdachte, umso mehr stieß ihn der Gedanke ab. Diese Menschen waren unschuldig. Niemand hatte ein Interesse daran sich mit Rom anzulegen. Sie hatten Dank Rom einen gewissen Wohlstand erreicht den sie gewiss nicht auf´s Spiel setzen würden.


    Vor ihm marschierten Olaf und Thorbrand. Sie schlugen zuweilen Äste aus dem Weg. Die Natur explodierte in diesen Tagen förmlich. Ihr markierter Weg war kaum wieder zu erkennen. Das verlangsamte den Marsch, aber es war egal. Ocella freute sich auf einen Tag in der Lagertherme…und auf ein Wiedersehen mit Eila. So in Gedanken rannte er fast Thorbrand um, der ihn alarmiert ansah und den Zeigefinger vor den Mund hielt. Ocella wandte sich blitzartig um um die Kameraden zu warnen und auch sie zur Wachsamkeit aufzufordern.

    Kurz darauf Entspannung. Er hörte Olaf eine Nuntio machen.

    Eine Nuntio? Wem machte Olaf denn eine Nuntio? Wo war Varro,…was zum…Ocella verfluchte sich innerlich. Er war zu sehr in Gedanken, und das in Feindesland!

    Zerknirscht schalt er sich einen Narren, daß er lieber an Eila und schwülstige Thermen dachte als an die Sicherheit der Kameraden.


    Vor ihm tauchten drei Männer auf. Betont unaufgeregt trat er auf Varro zu und sah ihn an.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!