Die Zelle von Theognis - ein Sklave als Helfer radikaler Christen

  • Einzelzelle

    CP-III


    Die Einzelzellen waren schmal, dunkel und tief wie ein Grab. Als Theognis eintrat, fand er den Raum gerade so dimensioniert, dass ein Mensch sich hinlegen konnte. Wenn er die Arme ausbreitete, berührte er rechts und links die Mauern. Den meisten Platz beanspruchte ein frischer Haufen Stroh zum Schlafen, denn es musste etwas geben, das man dem neuen Insassen wegnehmen konnte. Die Notdurft würde er fortan in ein kleines Loch im Boden verrichten, das in einer stinkenden Sickergrube endete, anstatt in die Kanalisation zu führen.

  • Diesen Gefangenen hatte Stilo vergessen. Zu leise, zu unwichtig, zu uninteressant. Ein Sklave eben.


    So musste es zügig gehen. Ohne viel Federlesen wurde Theognis aus dem Schlaf gerissen, gepackt, ihm das Hemd vom Leib gerissen und er in den Verhörraum gestoßen. Man ließ ihm nicht die Wahl, freiwillig zu gehen. Heute zeigte der Skorpion seinen Stachel. Stilo brauchte Ergebnisse, nachdem er sich vor dem Praefectus Urbi blamiert hatte, und die wollte er schnell.


    Zahnräder knirschten, schwere Ketten rasselten und dann war Theognis fest in eine Apparatur gespannt, deren Namen er nicht kannte, einer gewaltigen Eisenspinne gleich, die ihr Opfer unnachgiebig packte. Kalte Luft strich über seinen Körper. Ohne dass jemand Theognis Gelegenheit gab, freiwillig zu sprechen, drehte Pansa eine Winde, so dass der wehrlose Körper überdehnt wurde. Er spannte die Apparatur, bis die ersten Schmerzensschreie ertönten. Es zeigte dem Gefangenen, dass die Prätorianer keinerlei Hemmungen hatten, seinen Körper zu zerstören, ganz gleich, ob es gerecht war oder nicht. Sie taten es einfach.


    Stilo beugte sich über das Gesicht des Gefangenen. "Die Vöglein haben gesungen, Theognis. Deine Freunde haben dich und alle anderen verraten. Wir wissen nun die Namen der Mitverschwörer, aller Helfer und Helfershelfer. Und dass du einer davon bist. Ich habe alle Namen hier auf dieser Liste. Du weißt, welches Schicksal ihnen blüht. Oh ja. Und du weißt auch, welches dich erwartet. Auf Hochverrat kann es nur den Tod als Antwort geben."


    Er ließ eine Pause, um die Fantasie des Sklaven anzuregen, ehe er weitersprach. "Es kann auf die eine Weise oder auf die andere Weise geschehen. Du kannst unter dem Applaus einer blutrünstigen Menge in der Arena zerfleischt werden. Du kannst auch hier und jetzt deiner Haut entledigt werden, Streifen für Streifen, und in den nächsten Stunden so nackt, wie ein Mensch nur sein kann, allein und vergessen in deiner Zelle daran zugrundegehen. Niemand wird für dich beten, niemand um dich weinen, und deine Gebeine enden als Fischfutter im Tiber.


    Es mag aber auch sein, dass jemand ein Einsehen hat, dass dir jemand einen Holzfisch um den Hals legt, damit dein Gott bei dir ist auf deinem letzten Weg, und dass du vor der Vollstreckung einen tragischen Unfall erleidest, bei dem kurz und schmerzlos dein Genick bricht."


    Stilo sah ihm unentwegt in die Augen. Er sah nicht für einen noch so kleinen Moment weg. "Sprechen wir Klartext, Sklave: Dies ist deine einzige Gelegenheit, mir zu beweisen, dass du nicht nur ein Staatsfeind bist, nicht nur ein Stück Abfall, das jede Tortur verdient, sondern dass du einst ein Mensch warst, jemand, dem seine Heimat Rom am Herzen lag, bevor ihn die Umstände vom Weg abbrachten.


    Sprich, Theognis. Bestätige mir die Namen." Und er richtete sich auf, trat einen Schritt zurück und nahm den Griffel und die Tabula, die völlig leer war. Im Raum nebenan saß Dexter, der durch einen unsichtbarten Spalt in der Wand alles mit anhörte und für Stilo notieren würde.


    Sim-Off:

    Sollte es dir zu viel werden - PN.

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