Die kleinen Vergnügen

  • Um sich von der beschwerlichen Anreise aus Alexandria etwas zu erholen und vom Schmutz der vergangenen Wochen gründlich zu befreien, besuchte Cafo die Thermen des Agrippa. Die große Kuppel der Eingangshalle beeindruckte ihn. Mit langsamen Schritten durchschritt er diesen Tempel der Hygiene und Ertüchtigung, der dem Neuankömmling - wie eigentlich alles, was ihm Rom bisher geboten hatte - von einzigartiger Größe, unübertroffener Handwerkskunst und vollendetem ästhetischen Geschmack vorkam.


    Cafo, der seit langer Zeit einmal wieder ganz alleine unterwegs war, zog sich im Apoditerium um, reinigte sich und begab sich schnurstracks auf eine der Tepidarien. Ohne groß auf die anderen Thermenbesucher zu achten, richtete er sich auf der Liegefläche ein und schloss die Augen. Wie die Könige geringerer Länder lebt selbst der kleinste Römer, dachte er bei sich. Während er so in eine tiefe Entspannung überging, wollte ihm sein Körper weismachen, dass er stattdessen noch auf dem Schiff dem immergleichen Gang der Wellen ausgesetzt sei. Eine Erinnerung daran, dass er einem Tempel des Neptun noch seine Aufwartung schuldete. Nach kurzer Zeit stellte sich sein inneres Gleichgewicht aber ein und er löste sich in einen Knäuel befreiter Wonne auf.


    Wie viel Zeit vergangen war, wusste Cafo beim gemächlichen Aufwachen aus seinem tranceartigen Zustand nicht zu sagen. Langsam bewegte er seine Muskulatur und massierte die ehemals schmerzenden Stellen. Wie ausgewechselt kam ihm sein Körper vor. Anstatt weiter in den warmen Räumen der Thermen herumzufläzen begab er sich direkt in die angeschlossenen Gärten. Dem beseelten Badegast schien die harmonische Anordnung der gepflegten Anlage wie ein Spiegelbild seines inneren Friedens. Unbekümmert wandelte er in Richtung des angelegten Sees, um dort ein wenig zu schwimmen.

  • Die Sonne stand bereits tief über den prächtigen Gärten der Agrippa-Thermen, als Praxilla mit einem feuchten Tuch über die Marmorbänke wischte. Der Duft von Lorbeer und blühendem Jasmin erfüllte die Luft, vermischt mit dem fernen Plätschern des Stagnum Agrippae, des künstlichen Sees, der das Herzstück der Anlage bildete. Viel war nicht mehr los, sie hatte den Tag wie immer eher im Hintergrund verbracht, es war war nicht erwünscht, dass die Bediensteten, und erst recht nicht sie als Aushilfe, mehr Kontakt als unbedingt notwendig zu den Gästen hatten, normalerweise gab es für alle Dienstleistungen Sklaven.

    Während sie ihrer Arbeit nachging, fiel ihr Blick auf einen jungen Mann, der unbekleidet und mit einer selbstbewussten Gelassenheit den Kiesweg entlangschlenderte. Praxilla hielt inne und beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Sein athletischer Körperbau und die wilden schwarzen Locken fielen ihr auf, ein paar Druckstellen auf der Haut ließen darauf schließen, dass er sich eben ein wenig ausgeruht hatte. Sein Gesicht strahlte Zufriedenheit aus, als ob er die Sorgen der Welt für einen Moment hinter sich gelassen hätte. Ein durchaus angenehmer Anblick, es gab hier auch weitaus weniger schöne Dinge zu sehen. Dass sie einem Mann hier drin so relativ offen nah kam, lag an der späten Stunde, man rechnete wohl nicht mehr damit, dass hier noch jemand vorbeikäme, oder vielleicht hatte man ihn auch nachlässigerweise übersehen, weil man ihn nicht hatte stören wollen. Jetzt aber reinigte sie hier die Bänke und er war hier. Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

    Solche Männer waren oft empfänglich für ein wenig Unterhaltung nach dem Bad – vielleicht ein harmloses Würfeln oder ein geschicktes Hütchenspiel, bei dem sie ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen konnte. Zu viel Vertraulichkeit zwischen dem Personal und den Gästen war, wie gesagt, nicht gern gesehen. Trotzdem entschied sie sich, nach einem prüfenden Blick über die Schulter, das Risiko einzugehen. Immerhin lohnte es sich immer, jemanden für solche Spiele zu begeistern, auch wenn er offensichtlich keine Münzen bei sich trug.

    Mit einem charmanten Lächeln trat sie einen Schritt vor und sprach ihn an:

    "Dominus, Ihr seht aus, als hättet Ihr einen angenehmen Aufenthalt. Darf ich Euch vielleicht zu einem kleinen Spiel einladen, um den Tag ausklingen zu lassen? Nur zum Zeitvertreib, versteht sich."

    Sie hielt ein paar Würfel in der Hand, die sie kunstvoll zwischen den Fingern drehte, und wartete gespannt auf seine Reaktion, die selbstverständlich auch vollkommen nach hinten losgehen konnte. Da sie eine schlichte Tunika trug, war immerhin direkt ersichtlich, dass es sich bei ihr um keine Sklavin handelte.

  • 23-cb5bdb5b374f4593c78e350cb72495f83b863d40.jpg85-05c7d51e0844ac5b05e172907f0498f2f26b6a34.jpgDer Aurelier hatte sich entschieden endlich einmal die Thermae Agrippa mit Selina und Massad zu besuchen um ein gepflegtes Baderlebnis wieder erfahren zu dürfen. Der Andrang war wie immer riesengroß und daher lohnte es sich schon die aristrokratische Arroganz und vor allem die finanzielle Potenz darzustellen. Schließlich gab es doch noch Unterschiede zwischen den Patriziern und den Plebejern. Für Titus war dies alles nur ein Spiel mit und in der Gesellschaft, die für ihn nicht wirklich zählten. Aber wie hieß es so schön man musste mit den Hunden bellen um verstanden zu werden. Nun jedenfalls traten die drei durch Porta in die Einrichtung ein um sich ganz dem Luxus eines wohligen Bades hinzugeben. Der Aurelier wandte sich an seine beiden Begleiter und meinte: "Achtet ihr beide ein bisschen auf die Umgebung und vor allem auf Menschen die uns begegnen. Man weiss ja nie was für ein Gesindel sich hier auch herumtreibt. Also Augen auf und vor allem schnelle Reaktionen wenn es sein muss." Titus dachte für sich, dass sich hier kaum etwas besonderes ereignen konnte, dafür waren hier doch zu viele der reichen Oberschicht unterwegs. Trotzdem sollte man auch hier in der Thermae Vorsicht walten lassen. Beeindruckend erschien Titus die große Kuppel der Eingangshalle und so ging er mit langsamen Schritten durch diese Einrichtung der Ertüchtigung und Hygiene und labte sich an ihrer unvergleichlichen ästhetischen Handwerkskunst.


    Als die drei im Apoditerium angekommen waren entledigten sie sich schnell ihrer Bekleidung um sich zu reinigen und dann gezielt in eine der Tepidarien zu verschwinden. Dort legten sie sich entspannt auf die Liegefläche um in eine wundervolle Ruhe zu verfallen. Dieser Frieden machte die drei müde und so dämmerten sie in einen tranceähnlichen Halbschlaf dahin. Als sie wieder zu sich kamen wechselten die drei in eines der heißen Caldarien um dort die Gelenke und Muskeln etwas zu entspannen. Abschießend hieß es noch einen wundervollen Gang im Sudatorium einzulegen und ordentlich den Schweiß fließen zu lassen. Das tat gut und reinigte das Innere eines jeden Römers. Als Titus, Selina und Massad es nicht mehr aushielten beschlossen sie unverzüglich das Frigidarium aufzusuchen um abzukühlen. Wie wundervoll war dies und tat allen drei sehr gut.


    Sie beschlossen nach einem kurzen Fußweg durch die Gärten des Agrippa sich zum Stagnum Agrippae zu begeben um dort zu verweilen und einige Runden zu schwimmen. Vielleicht würden sie dann noch in das Palaestrae gehen um sich sportlich etwas zu betätigen. Titus beobachtete seine nähere Umgebung und beobachtete die Menschen um sich herum. Viele plauderten miteinander oder übten sich im Ringkampf und bei Ballspielen. Doch die meisten suchten die Erholung und Ruhe die in der großen unruhigen und hektischen Stadt Rom immer vorherrschte.

  • Der Mann, der eben aus dem See gekommen war, blieb stehen. Für einen Herzschlag sah er sie nur an, die schlichte Tunika, das rotbraune Haar, das sie nicht ganz unter dem Tuch verborgen hatte, die grünen Augen. Dann zuckte ein Winkel seines Mundes, ihm gefiel wohl, was er da sah.

    „Zum Zeitvertreib“, sagte er. Kein Ja, kein Nein. Aber er streckte die Hand aus, winkte sie herbei.


    Sie ließ die Würfel in seine offene Handfläche fallen. Knochen, klein, abgenutzt an den Kanten. Er wog sie, als prüfe er, ob sie gezinkt seien, dann kniete er ohne weiteres Zeremoniell auf den Kies, sie ihm gegenüber. Gut, dachte Praxilla, denn auch wenn er keine Münzen hatte, sah man so ja, wer vielleicht später noch um wirklichen Einsatz spielen mochte. Also los.

    Zwei Würfe, drei. Beim vierten Wurf, von ihr, klackten die Würfel gegen einen größeren Stein, kamen zur Ruhe: Sechs und Sechs. Venus.

    Praxilla lachte leise, nicht laut, nicht triumphierend. Aber gewonnen war gewonnen, da durfte man sich freuen, nicht wahr?

    „Die Göttin scheint Euch heute noch nicht hold“, sagte sie und streckte die Finger nach den Würfeln. „Ihr solltet weiterspielen!“

    Das Gesicht des Mannes veränderte sich in einem einzigen Atemzug. Die Ruhe, die er eben noch ausgestrahlt hatte, fiel von ihm ab wie ein nasses Tuch. Es war wohl doch nur Anspannung gewesen. Er griff nach den Würfeln, drückte die Hand zu, als wolle er sie zerdrücken.


    „Weiterspielen?“, wiederholte er. Die Stimme war nicht laut, aber energisch. „Du hältst mich für jemanden, der sich von Dienstmädchen auf dem Kies zum Narren halten lässt?“

    „Ich halte Euch für jemanden, der eben verloren hat“, entgegnete Praxilla trocken. „Mehr nicht.“

    Das war wohl zu viel.

    Der Kerl sprang auf, so heftig, dass Kies unter seinen Füßen wegspritzte. Die Würfel flogen zur Seite. Einer blieb im Gras liegen, der andere rollte auf dem Kies aus.

    „Behalte Dein Spiel“, stieß er hervor und deutete einmal vage auf ihren Körper. „Und… auch sonst alles. Ich hatte mir hier mehr versprochen als vorlaute Weiber!“

    Er drehte sich um, ohne ihr noch einen Blick zu gönnen, und stampfte den Weg hinab in Richtung See. Die Schultern hochgezogen, der Nacken steif, jeder Schritt ein Zeichen seiner Wut. Unbekümmert wirkte er nicht mehr. Nur noch ein Mann, dem jemand den Frieden verdorben hatte.


    Praxilla blieb kniend sitzen und schaute ihm hinterher. Sie hob dann den einen Würfel auf, wischte ihn am Saum der Tunika ab. Ein flüchtiges Lächeln zuckte über ihr Gesicht. Es war bemerkenswert, wie dünn die Haut mancher Leute war. Dieser Mann hatte wohl gedacht, dass sie einzig und allein zur Unterhaltung hier war. Was für ein Narr. Sie erhob sich, klaubte den anderen Würfel auf und schaute sich um. Ob ihr kleiner Streit unbemerkt geblieben war?

  • 23-cb5bdb5b374f4593c78e350cb72495f83b863d40.jpg85-05c7d51e0844ac5b05e172907f0498f2f26b6a34.jpgDie Blicke des Aureliers verweilten auf einer kleinen weiblichen Person, deren Gehabe ihm deutlich gefiel. Sie schien eine ziemlich gewiefte Halunkin zu sein, die mit ihrem Können und vermutlich auch mit ihrem Körper jeden ihrer Kunden verrückt machen könnte. Ihr Aussehen gefiel Titus und entzückt sah er ihrer Gewandtheit im Umgang mit ihrem Opfer zu. Sie schien eines jener römischen Kinder zu sein, die in unwürdigen Familienverhältnissen aufgewachsen waren und die Stadt Rom von ihrer dunkelsten Seite kennenlernen durften. Titus war von ihr und ihrem Können fasziniert. Sein Blick ging zu Selina und Massad und mit einem kurzen Blick und Wink konzentrierten sich die beiden nun auf die Person vor ihnen. Der Aurelier erhob sich nun und ging ungeniert auf die weibliche Person zu. Hochachtung lag im Blick Titus und so sprach er sie kurz entschlossen an: "Du liebst anscheinend genauso wie ich das Würfelspiel. Hast du Lust auf ein kleines Spielchen ohne viel Stress. Ich bin ziemlich sicher gutmütiger wie der Mann vorher." Tatsächlich lag dem Aurelier nicht wirklich etwas an den Würfeln, sie waren ihm egal. Egal aber war ihm die Person vor ihm nicht, denn er wollte ihr Können selber sehen. Und ob sie ihn ausnahm und er ein paar Sesterzen verlor erschien ihm nicht wirklich wichtig. Münzen waren nun das was er am meisten hatte und absolut unwichtig für ihn war. Er konnte also locker eine gewisse Summe in sie investieren. Die beiden Leibwächter waren auf der Hut und sozusagen Sprungbereit um sie festzuhalten. Mal sehen ob sie diese Situation richtig einschätzen konnte. Wenn dies der Fall war, dann konnte sie sich sicherlich vorstellen das er Titus etwas von ihr wollte. Nun man würde sehen und beobachten.

  • Praxilla blieb kurz stehen, die Würfel locker in der hohlen Hand. Als die kleine Gruppe auf sie zukam, glitt ihr Blick zuerst über den Sprecher hinweg zu den beiden Gestalten hinter ihm, die nackt wie er waren und wie beliebige Badegäste wirkten, deren Haltung jedoch eine andere war. Aufmerksam und nicht entspannt. Dann kehrte der Blick zu dem Mann zurück, musterte ihn genauer, was das Licht der sinkenden Sonne von Gesicht, Körper und vielleicht sogar Stand verriet. Ein Mann, der sich hier nicht verstecken musste. Und der es auch nicht tat. Wenn man von den zwei Begleitern absah.


    Ein Lächeln zauberte sich auf ihre Lippen, nicht das höfliche und eher unterwürfige der Dienstboten, eher das von jemand, der sich bereits überlegte, was er aus dieser Situation machen konnte.

    „Gutmütig.“, wiederholte sie und hob eine Braue. „Das hat der andere vermutlich auch von sich gedacht.“ Sie zuckte kaum merklich mit den Schultern, als sei das nur eine Feststellung, kein Vorwurf. „Ich wollte wirklich nur ein kleines Spiel. Mehr nicht.“ Nun, vielleicht glaubte er ihr das ja sogar. Einen Versuch war es wert.

    Ihr Blick wanderte kurz demonstrativ seitwärts zu den beiden Begleitern, und kehrte dann zu ihm zurück.


    „Und gefährlich bin ich sicherlich nicht.“ Es klang fast amüsiert. „Zumindest nicht für jemanden, der mit so wachsamen Freunden spazieren geht.“ Sie breitete die Arme kurz aus und demonstrierte damit, dass sie sicher nicht den Körper einer Kämpferin hatte. Aber gut, es war ja seine Sache.

    Sie öffnete die Hand, ließ die beiden Knochenwürfel einmal zwischen den Fingern rollen, dass sie leise klackten.

    „Also. Wollt Ihr hier spielen, Dominus? Oder lieber woanders, wo es Euch etwas bequemer ist?“ Eine kurze Pause, der Kopf leicht geneigt. „Und... wünscht Ihr einen Einsatz? Oder bleibt es beim Zeitvertreib? Es ist meistens viel spannender mit einem Einsatz.“ erklärte sie unschuldig.

  • Titus lächelte über ihre Dreistigkeit und amüsierte sich immer mehr über die Person vor ihm. Anscheinend hatte er sie doch richtig eingeschätzt mit einem vermutlich sehr großen Potential. Selten begegnete man einer Person aus den tiefen der niedrigen Gesellschaft die vermutlich ausbaufähig war. Nun er würde sehen was sich ihm heute bot an interessanten Sichtungen. "Selbstverständlich machen wir einen Einsatz 5 Goldmünzen das dürfte doch machbar sein." Nun würde Titus sehen was sie machen würde, denn das war keine kleine Summe, zu mindestens für sie, würde sie mithalten und wenn ja, wie würde sie ihm die Münzen abluchsen. Der Aurelier freute sich innerlich diebisch und die Situation machte ihm immer mehr Spaß, während seine beiden Leibwächter die junge Frau nicht aus den Augen ließen. Sie würden auf sein Zeichen sofort und hart zuschlagen, wenn dies von ihm so angedacht wurde. Titus musterte die Frau jetzt ganz genau von oben bis unten und stellte fest, dass sie ein bildhübsches Ding war trotz ihrer gesellschaftlichen Klasse. Doch das Körperliche war für ihn nicht wirklich von Bedeutung und somit beobachtete er die Kleine sehr genau. Vermutlich würde sie bereits bemerkt haben, dass er sie zu intensiv musterte als das er nur am Spiel interessiert war. Nun man würde sehen.

  • Einen Moment lang sagte sie nichts. Fünf Goldmünzen. Die Summe war so unverhältnismäßig, dass sie ihn unwillkürlich noch einmal ansah, als müsse sie prüfen, ob er sich versprochen hatte. Ihre Augen wurden größer, als er das sagte, ehe sie sich wieder fing. Natürlich wusste er, was er da vorschlug. Ein Mann, der mit zwei wachsamen Begleitern durch die Gärten der Thermen ging, wusste sicherlich, dass eine Angestellte hier sicher nicht solche Summen bei sich trug.

    „Fünf Goldmünzen“, wiederholte sie nachdenklich, und ließ die Würfel noch einmal zwischen den Fingern rollen. „Das wäre ein großer Einsatz, Dominus, den ich nicht leisten kann. Ihr seht ja, dass ich mir nicht einmal so eine aufmerksame Begleitung leisten kann.“ Sie nickte kurz zu den zwei Schweigsamen hinter ihm.


    Dann schaute sie ihn wieder an. Dass er sie so betrachtete, entging ihr nicht. Es war mehr als die Neugier auf ein Spiel. Sie nahm das zur Kenntnis und hoffte, dass genau dieser Blick ihr ein Stück Verhandlungsspielraum ließ.

    „Was gerecht wäre“, fuhr sie bedacht höflich fort, „wäre dies: Ich setze, was ich heute verdient habe. Ihr setzt, was Euer Tag Euch eingebracht hat. Dann riskiert jeder von uns dasselbe und weiß, dass es keine Kleinigkeit ist.“ Ein schmales Lächeln, dazu hob sich eine Braue.


    Sie neigte den Kopf ein wenig, das rotbraune Haar fiel ihr in einer losen Strähne über die Schulter.

    „Ich heiße Praxilla. Wenn wir schon um etwas spielen, das mehr ist als Zeitvertreib, wäre es hilfreich, sich bei einem Namen nennen zu können.“ Sie schenkte ihm ein breites Lächeln. Und nebenbei wusste sie gerne, mit wem sie es zu tun hatte. Ein wie auch immer geartetet Kontakt in die Oberschicht war mehr wert als jede Münze, wenn man sich gut anstellte.

  • Titus gefiel die junge Frau immer mehr, denn sie war vernünftig, kannte ihre Grenzen und überlegte haarscharf was für sie wichtig und richtig war. Allein das sie mit der genannten Summe sich auf ihr vermutlich maximal mögliches Budget fixierte, zeigte deutlich ihre Fähigkeit ihre Chancen richtig einzuschätzen. "Nun dann wollen wir es so halten wie du es wünscht und damit du weißt mit wem du dein Spielchen treibst ich heiße Titus Aurelius Romanus." Die Aurelier dürften ihr bekannt sein zu mindestens dem Namen nach und das sie kaum Furcht zeigte war ein deutliches Zeichen für viel Erfahrung, vielleicht auch zu viel an Erfahrung. Aber er konnte sie irgendwo verstehen, denn das Überleben war das wichtigste für sie. Er fand es innerlich entzückend als vom Einsatz sprach und von seinen Einnahmen die er heute erzielt hatte. Wenn sie die Summe wüsste würde sie wahrscheinlich auf der Stelle tot umfallen. Darüber musste der Aurelier wirklich schmunzeln, Guthaben war genau das was er im Überfluss hatte und ihn nicht wirklich interessierte. "Also lass uns endlich mit dem Spiel beginnen." Titus war gespannt wie sie es anstellen wollte zu gewinnen. Gut die Würfel konnten gezinkt sein oder sonst in irgendeiner Form manipuliert. Man würde sehen, auf jeden Fall gefiel dem Aurelier Praxilla. Wenn sie so gut war wie er sie einschätzte würde er sie auf jeden Fall unterstützen und gebrauchen können für die widrigen Geschäfte hier in Rom.

  • Praxilla neigte den Kopf, als er den Namen nannte. Sie wusste durchaus, was angebracht war, und ein wenig Anerkennung uns Respekt gehörten dazu. Sie wollte ja einen guten Eindruck machen bei solchen Leuten.

    Ein Aurelier. Das war kein Name, mit dem man in den Thermen oft als Aushilfe zu tun hatte. Eine gens, die man kannte. Eine Welt aus der er kam, die sie sich kaum vorstellen konnte. Sein Tagesverdienst gegen ihren. Sie hätte beinahe gelacht, als er zustimmte. Was immer der Tag einem Mann wie ihm einbrachte, es war sicher kein Vergleich zu dem, was sie zwischen Wischen, Tragen und sonstigen Tätigkeiten bekam. Wie sonst hätte er so leichtfertig von fünf Goldstücken sprechen können.

    Sie kniete sich wieder hin und glättete mit der Hand eine kleine Fläche. Die Würfel ließ sie zwischen den Fingern rollen, einmal, zweimal, ganz offen, damit er und die beiden hinter ihm sehen konnten, dass nichts darin verborgen war. Kein Blei oder ähnliches. Ein Teil von ihr hätte gern den alten Trick versucht, den sie in den Gassen gelernt hatte: den Wurf so anzusetzen, dass man das Ergebnis zu seinen Gunsten manipulieren konnte, was zumindest einen großen Vorteil bringen würde. Aber die Blicke der Begleiter waren zu aufmerksam, und ein ertappter Schwindel wäre keine gute Sache. Einen Aurelier zum Narren zu halten, während zwei Wächter zusahen, war nichts als Dummheit. Einen Aurelier dazu zu bringen, sich ihren Namen zu merken, war ein Geschäft, und wenn es ohnehin nur um ihren dürftigen Verdienst ging, auch noch ein gutes!


    Sie hielt ihm die offenen Handflächen hin, die Würfel darauf.

    „Ihr zuerst, Dominus. Es ist Euer Vorschlag gewesen, und ich will nicht, dass hinterher jemand behauptet, das Dienstmädchen habe den ersten Wurf für sich beansprucht.“ Ein amüsiertes Lächeln. „Außerdem spielt Fortuna ohnehin, wie sie will. Ich habe nur die Würfel dabei gehabt.“ Sie blickte ihn an, ihr Blick aufmerksam aus den grünen Augen. „Zwei Würfel. Jeder wirft einmal, die höhere Summe gilt. Sechs und Sechs ist Venus, und Venus schlägt alles. Eins und Eins ist der Hund. Wer den Hund wirft, hat verloren.“ Was im Grunde nur Ausschmückung war. Sie sprach ruhig, fast beiläufig, als erkläre sie etwas, das man in Rom eigentlich kennen sollte, und doch genau genug, dass hinterher niemand behaupten konnte, die Regeln seien unklar gewesen. „Drei Mal. Wer zweimal vorne liegt, gewinnt.“ Ganz einfach.

  • Nun ließ sich Titus auf das Spiel der Kleinen ein und würfelte so schlecht es ging. Zwei Einsen amen zum Vorschein, also ein Hund. "Oh das ist jetzt aber nicht besonders gut" ließ sich Titus vernehmen. "Jetzt bin ich aber gespannt wie du Praxilla es hinbekommst." Der Aurelier beobachtete jetzt ganz genau was sie so drauf hatte und auch Selina und Massad waren jetzt gespannt was sich ergeben würde. Selina und Massad hatten schon längst begriffen, dass ihr Herr Interesse an dem Weibstück hatte, doch in welcher Richtung das gehen sollte wussten beide nicht. Sie verständigten sich permanent mit den Augen und da sie ein eingespieltes Team waren konnten sie sich so leicht austauschen ohne das es ein Außenstehender erfasst hätte. In Titus Gedanken war er schon sehr weit weg von dem stattfindenden Spiel, sondern er überlegte in welche Richtung er Praxilla nutzen konnte. Nun sie konnte einerseits als Spionin genutzt werden und anderseits vielleicht als Informatin in Rom und vor allem der Villengegend. Und wenn sie wirklich so gut war wie er es sich dachte, dann würde er sie so versorgen, dass sie ihm lange zur Verfügung stehen würde. Sie würde sicherlich nichts gegen ein ansprechendes kleines Häuschen haben oder gar einem der kleinen Zimmer in der Villa Aurelius, die über eine Geheimtür betreten werden konnte ohne das gleich Jeder sie sehen konnte.

  • Praxilla sah auf die Würfel, die vor ihm lagen. Eins und Eins. Sie bemühte sich um einen neutralen Ausdruck. Der andere wäre darüber wohl wütend aufgesprungen. Dieser hier klang fast belustigt. Das war… unerwartet. Und sogar angenehm im Vergleich.

    Sie sich darüber freuen sollen, immerhin war der Einsatz groß. Stattdessen spürte sie zuerst die Erleichterung, dass er den Wurf nicht als eine Beleidigung nahm. Ein verärgerter Aurelier mit zwei wachsamen Begleitern war schlechter als ein verlorener Einsatz. Ein Aurelier, der fast lächelte, während er den Hund warf, war etwas, das viel Wert war.


    „Dann ist der erste Durchgang entschieden“, sagte sie ruhig, ohne Triumph in der Stimme. Sie deutete mit dem Kinn auf die beiden Einsen. „Canis verliert direkt. Ich muss dafür nicht einmal werfen.“ Eine kurze Pause, das Lächeln fast entschuldigend. Das waren eben die Regeln. „Ihr seid wohl wirklich gutmütiger.“

    Sie richtete sich ein wenig auf, machte den Rücken gerade. Das Abendlicht lag warm auf ihrem Gesicht. Sie schob eine rotbraune Strähne hinters Ohr, und ließ die Hand danach wie unbewusst über ihren Hals hinab gleiten. Die schlichte Tunika fiel enger über die schmale Taille, als sie sich vorbeugte, um die Würfel aufzunehmen. Sie tat, als bemerke sie das nicht, als wäre das ein Zufall. Aber natürlich wollte sie, dass er sie weiterhin anschaute, dass sie im Gedächtnis blieb. Es war kein besonders innovatives Spiel, was sie hier spielte, aber funktionierte schon länger, als es Rom gab. Reiche Männer waren manchmal sehr leicht zufriedenzustellen.

    Die Würfel wischte sie knapp am Stoff ab, drehte sie noch einmal zwischen den Fingern, offen, langsam, und sah ihn dabei an. Grüne Augen, aufmerksam, ohne sonderlich viel Demut.


    „Also: Zweiter Durchgang.“

    Sie ließ die Würfel auf die angedachte Stelle fallen. Sie klackten, rollten, kamen zur Ruhe.

    Zwei und Vier, Also Sechs.

    Kein Hund. Aber auch nichts, womit man prahlen konnte. Praxilla zog die Brauen hoch, musterte das Ergebnis und lehnte sich ein Stück zurück.

    „Nun ja“, sagte sie trocken. „Wenigstens kein Hund. Euer Wurf, Dominus.“

  • Der Aurelier ging zum zweiten Durchgang über. Wieder schüttelte er die Würfel ohne wirkliche Anstrengung. Ein paar Dreier kamen zum liegen. Machte also zusammen sechs. Gleichstand. Titus bemerkte sehr wohl das die Kleine versuchte mit ihm ihr Spiel zu machen und damit war nicht das Würfelspiel gemeint. Doch für Titus zählten andere Qualitäten und davon sah er bei Praxilla eine ganze Menge. Ja das würde eine ganz große Überraschung werden für seine Spielpartnerin. Und natürlich nutze sie ihren Körper und den Reiz ihres jungen und frischen Körpers um ihn Titus noch näher an sich zu binden. Du kleines Luder du, dachte sich der Aurelier und amüsierte sich innerlich immer mehr über die Show die Praxilla da abzog. "Ach her je ein Paar Dreier, nah das macht auch Sechs. Gleichstand meine Liebe." Jetzt wurde es etwas spannender, denn Praxilla musste um zu gewinnen alles auf eine Karte, sprich die Würfel setzen. Titus war mehr als gespannt, wie sie das Ruder herumreißen wollte. Sein Blick ging zu den beiden Leibwächtern herum und mit einem kurzen Blick machte er ihnen klar sobald der dritte Wurf vorbei sich Praxilla zu schnappen und hinter die in der Nähe stehenden Büsche zu schleifen. Titus hatte nicht vor ihr das Geld abzuluchsen, im Gegenteil wollte er ihr wesentlich mehr anbieten.

  • „Unentschieden“, sagte sie ruhig und nickte. „Diesen Durchgang gewinnt Niemand. Falls nach dem nächsten noch kein Gewinner feststeht, geht es einfach weiter, bis einer zwei Mal gewonnen hat.“ Sie hob den Blick. Keine Andeutung, dass die Chancen für sie immer noch besser standen. Nur die Regel, klar und knapp, damit hinterher niemand behaupten konnte, man habe mitten im Wurf die Zählung verdreht.

    Dabei blieb ihr Blick nicht an seinem Gesicht. Sie bemerkte, dass er sich kurz umdrehte und Kontakt zu seinen Leuten suchte. Kein Wort. Kein Zeichen, das sie hätte deuten können. Nur dieser flüchtige Austausch, der im Grunde nichts Gutes heißen konnte.

    „Ist alles in Ordnung?“ Ihr Blick glitt absichtlich noch einmal zu den beiden Schweigsamen und zurück zu ihm.

    „Ich hoffe, ich langweile nicht?"

  • Titus drehte sich wieder Praxilla zu und meinte mit einem lächeln: "Alles ist in Ordnung dann lass uns doch das dritte Spiel beginnen. Ich bin schon sehr gespannt wie es ausgehen wird." Tatsächlich war dem Aurelier das Spiel völlig gleichgültig, eher wollte er endlich fertig werden und sich seinem wirklichen Ziel zuzuwenden. er musste diese Praxilla unbedingt für sich gewinnen. So nahm Titus die Würfel in die Hand und bekam eine Eins und eine Drei. "Vier ist ja nicht wirklich eine berauschende Zahl für ein Glücksspiel. Mal sehen ob Fortuna dir mehr Glück zukommen lässt." Und wieder gingen die forschenden Blicke des Aureliers über Praxilla hinüber und forschte jede kleine Regung und jede kleine Atmung. Titus Blicke mussten regelrecht auf der Haut von Praxilla brennen, so intensiv durchleuchtete der Aurelier die junge Frau. Sie schien sich nun zu sammeln und Titus erkannte ganz deutlich die unheimliche Konzentration die hinter ihrem neutralfreundlichen Wesen steckte. Diese Frau steckte voller Überraschungen und hatte eine mächtige Aura die sie für weit höheres vorgesehen hatte. "Was machst du eigentlich wenn du nicht hier tätig bist, ich meine in deiner Freizeit?" Titus sah dabei Praxilla tief in die Augen und beobachtete sie mit tiefster Konzentration. Ja, ja mein schönes Kind, wenn du wüsstest was ich für dich vorgesehen habe. Du wirst mir nicht entkommen, vor allem wenn ich dir sage was du alles von mir erhälst für deine Dienste. Du wirst dir vorkommen wie eine Patrizierin.

  • Praxilla nahm die Würfel auf, langsamer als nötig. Vier. Dazu der Wurf, dem man ansah, dass er gar nicht wirklich bei der Sache war. Nicht wie jemand, der gewinnen wollte. Eher wie jemand, der eine Formalität hinter sich bringen musste. Das Spiel war ihm egal. Das merkte sie jetzt deutlich. An seiner Stimme, an der Art, wie der Blick schon wieder über sie strich und an ihr hängen blieb. Sie konnte ihn immer noch nicht recht einordnen. Wenn ihm Münzen so egal waren, konnte er hier und an jeder Ecke jemanden haben, mit dem er tun konnte, was immer er wollte. Das Spiel war nun wirklich nicht notwendig. Nun, sie würde es vermutlich erfahren, und abbrechen konnte sie nun ohnehin nicht mehr, da die beiden Aufpasser vermutlich dann etwas dagegen hätten. Wo war sie nur hinein geraten?


    „Wenn ich nicht hier tätig bin?“ Sie ließ die Würfel einmal in der hohlen Hand rollen und lächelte ihn an, offen, fast unschuldig, die grünen Augen ruhig auf seinem Gesicht. „Ich arbeite fast jeden Tag als Aushilfe. Hier. Und sonst…“ Ein kleines Zucken der Schultern. „Sonst eine ganz normale Römerin. Ich esse, ich schlafe, ich mache abends mal ein Spielchen, wenn Zeit ist....“

    Mehr verriet sie nicht. Er war ein Römer, aber nicht aus ihrer Welt, das war klar. Da blieb sie natürlich eher stumm.

    Sie ließ die Würfel fallen.

    Sie klackten auf dem Kies, rollten, stießen gegeneinander, kamen zur Ruhe.

    Sechs und Eins. Sieben.


    Praxilla sah einen Atemzug lang auf die Würfel, dann zu ihm. Kein Triumph. „Sieben“, sagte sie leise. „Gegen vier. Nach den Regeln ist das Spiel damit aus.“

    Der Blick glitt noch einmal, ganz kurz, zu seinen Leuten und zurück. Sie hatte gewonnen. Nun würde sich zeigen, wie gutmütig er war.

  • "Fantastisch du hast sauber gewonnen. Meine Anerkennung hierzu, du bekommst selbstverständlich deine dir zustehenden Münzen." Titus erkannte ihre Qualifikation an und war noch mehr beeindruckt wie sie sich bei seinen Fragen verhielt. Sie gab nicht mehr preis von sich als das Notwendigste. Im Augenblick war das allerdings nicht wirklich viel und mit diesen Aussagen konnte der Aurelier nicht wirklich etwas anfangen. Prächtige junge Frau diese Praxilla genau das was er für Rom gesucht hatte. Titus hatte bereits für sich entschieden sie nicht entkommen zu lassen, sondern er wollte sie unbedingt für sich gewinnen. Sie war ein ungeschliffener Rohdiamant und musste unheimlich sachte zugeschliffen werden. Titus Planung mit Praxilla entwickelte sich immer mehr, er hatte vor sie komplett vom Äußeren umzuformen in Richtung reicher und unabhängiger Römerin, die sich auch in Gesellschaft bewegen konnte. Zusätzlich sollte sie sich innerhalb ihrer Wurzeln weiter bewegen können um auch verborgene Aktionen für ihn durchzuführen. Praxilla sah verhältnismäßig gut aus und mit den passenden Stylisten, sowie standesgemässer Bekleidung würde sie eine begehrenswerte Schönheit werden. Aber zuerst würde er sie durch seine Leibwächter hinter die nächstgelegenen Büsche führen lassen um ihr dort sein Angebot zu unterbreiten. Sicherlich würde sie erst einmal die verkehrten Schlüsse ziehen, doch mit einer genaueren Erklärung dürfte sich für sie alles aufklären. Vermutlich dachte sie eher in die Richtung einer Gespielin für den Aurelier. Doch so blauäugig war Titus nicht mehr, das Geschlechtliche hatte in seiner beruflichen Planung nichts zu suchen, dass war jetzt erst einmal Nebensache. Für den sexuellen Ausgleich hatte er ja die leidenschaftliche Selina von der er aber auch wusste, dass das zwischen ihnen rein körperlich war und nichts mit wirklichen Gefühlen zu tun hatte.


    Der Zeitpunkt war nun gekommen an dem die beiden Leibwächter aktiv werden sollten. Ein kurzes Kopfnicken zu Selina und Massad mit einem fast unsichtbaren Wink in Richtung Praxilla und die beiden setzten sich gleichzeitig in Bewegung und griffen sich die augenscheinlich überraschte Praxilla. Mit leichter Gewalt bugsierten die beiden die sich leicht wehrende junge Frau in Richtung der nächstgelegenen Büsche. Der Aurelier folgte zufrieden dem Trio um auch wie sie hinter der Buschreihe zu verschwinden. Titus war erleichtert, dass alles so reibungslos vonstatten ging und zufrieden wandte er sich dann an Praxilla. Nun würde sich herausstellen ob sie Interesse am Angebot hatte und wie sie ssich ihre Rolle bei ihm vorstellen würde.

  • Praxilla hatte die Würfel gerade wieder in der Hand, als die beiden hinter ihm sich bewegten.

    Es ging zu schnell. Nur ein Griff an den Oberarm, ein zweiter an die andere Seite, fest genug, dass sie den Boden unter den Füßen verlor, ehe sie wusste, was geschah. Die Würfel fielen ihr aus der Hand. Sie zuckte zusammen, riss die Schultern hoch, stieß mit dem Ellbogen nach hinten, so gut es in der Umklammerung ging. Man sah, dass sie nicht zum ersten Mal in ihrem Leben in Handgreiflichkeiten verwickelt war. Dennoch war es nur der kurze Widerstand von jemandem, der plötzlich wusste, dass aus einem Spiel etwas anderes geworden war, aber man keine Möglichkeit hatte, das zu ändern. Schreien wäre naheliegend gewesen. Sie war keine Sklavin, sie gehörte zum Personal, und es waren noch Gäste anwesend. Aber ein Schrei in den Gärten der Agrippa-Thermen hätte sie ebenso schnell zur Störerin gemacht, vor allem, wenn es gegen jemanden wie den Aurelier hier ging. Wem würde man wohl glauben? Also biss sie die Zähne zusammen.

    Hinter der Buschreihe ließen sie sie nicht ganz los. Nur so weit, dass sie stehen konnte, zwischen den beiden.

    Der Blick blieb trotzdem auf seinem Gesicht, als wolle sie noch verstehen, ob das die Art von Gutmütigkeit war, die er vorhin versprochen hatte.


    „Ich bin keine Sklavin.“

    Die Stimme war belegt, aber kein Flehen. Nur eine Feststellung, als müsse man einem Mann seines Namens erst erklären, dass er hier nicht über Eigentum verfügte.

    „Ihr könnt mich nicht einfach packen lassen.“ Ein kurzer Blick zu den Fingern an ihrem Arm, dann wieder zu ihm.

  • 23-cb5bdb5b374f4593c78e350cb72495f83b863d40.jpg85-05c7d51e0844ac5b05e172907f0498f2f26b6a34.jpg






    Der Aurelier war zufrieden mit der Reaktion von Praxilla. Genau so was hatte er sich erwartet und auch das trotzige und selbstsichere Auftreten passte zu dieser jungen Frau. Und sie zeigte ihre Zähne mit genau dem Maß an passendem Widerstand der in so einer Situation angemessen erschien um ja keine harte Reaktion gegen sich auszulösen. Titus war begeistert von Praxilla und wollte sie jetzt noch mehr als davor rekrutieren. Auf ein Zeichen von ihm lösten Selina und Massad ihre Hände von der jungen Frau, die in keinster Weise eingeschüchtert erschien.


    "Nun mein Liebe ich habe dich sehr genau beobachtet und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin mit dem was ich von dir gesehen habe. Dieses hinter die Büsche ziehen war ein letzter Test meinerseits und ich entschuldige mich in aller Form. Wie du dir vielleicht denken kannst ist mir das Würfelspiel komplett egal, im Gegenteil ging es die ganze Zeit eigentlich nur um dich. Ich spüre und fühle das du eine Menge mitgemacht hast in deinem Leben und reichhaltig Erfahrungen sammeln konntest. Du hast mein Interesse geweckt und ich bin sehr von dir beeindruckt. Ich denke so wie du im Augenblick lebst willst du sicherlich nicht weiter machen. Es ist sicherlich nicht einfach in der Gosse und den Armutsvierteln zu leben. Die Menschen müssen wie die Tiere dahinvegetieren und die meisten führen ein Leben das kaum schlimmer als der Tod sein kann. Du gefällst mir sogar so sehr, dass ich dir ein besonderes und nur für dich passendes Angebot unterbreiten möchte. Ich möchte das du für mich arbeitest als meine Agentin und zwar in verschiedenen Rollen. Dazu müssten wir dich etwas aufbauen, damit du u. a. in der feinen Gesellschaft als edle Dame durchgehen kannst. Ebenso möchte ich das du deine Wurzeln nicht vergisst und dich auch unter den Bediensteten und Sklaven der Reichen umhörst. Gegebenenfalls müsstest du das eine oder andere Objekt entwenden das für mich interessant sein könnte. Ich brauche besondere Dinge von dir, aber auch Informationen sensibelster Art die ich ggf. nutzen könnte. Dein Leben wird sich dahingehend verändern, denn du wirst zu einer vornehmen jungen Frau die sehr reich ist und finanziell unbeschwert lebt. Da müssen wir allerdings noch eine Menge an dir verändern, damit du im Kreis der Reichen ein- und ausgehen kannst. Finanziell bist du durch mich abgesichert und du kannst dir deine Wünsche erfüllen wie du möchtest. Allerdings möchte ich von dir eine Auflistung deiner Ausgaben und wofür du sie genutzt hast. Ich biete dir an, dass du in der Villa Aurelia im Domus Diana, einem ehemaligen Herrenhaus der Gens, wohnen kannst mit eigenem Zugang, so dass du unabhängig und unsichtbar agieren kannst. Es ist ein kleiner Domus den du mit einigen Sklaven für dich gestalten kannst, wenn du möchtest. Wie gesagt du musst dir über Finanzen nie wieder Gedanken machen. Das ist also mein Angebot an dich. Was meinst du, hört sich das nicht gut für dich an?"


    Der Aurelier war jetzt sehr gespannt ob sein Angebot genug interessant war um Praxilla dazu zu bringen sich ihm anzuschließen. Aus Sicht Titus würde für die junge Frau eigentlich ihr Glücksstern aufgehen und für Menschen, die so ein schweres Los wie Praxilla hatten, war das die eine Million Chance ihres Lebens und würde ihr Schicksal komplett zu verändern. Tatsächlich hoffte Titus inständig darauf, dass Praxilla sich für ihn entscheiden würde. Nun vielleicht hatte sie noch besondere Wünsche oder andere Vorstellungen die ihm bis jetzt noch nicht in den Kopf geraten waren. Man würde sehen was sich jetzt daraus ergab. Sie hatte auf jeden Fall erkannt, dass er sie nicht körperlich benutzen wollte. Aber auch das schien in weiterer Zukunft vielleicht möglich sein, wenn sie das wünschen sollte.


    SIM OFF:" Das würde dein neues Domizil werden, ganz abgeschieden von der Gens Aurelia und mit einem eigenen Zugang." Domus Diana im hintern Teil des verwilderten Hortus gelegen

  • Praxilla blieb stehen, als die Hände sich von ihren Armen lösten. Sie rieb sich die Stellen, an denen sie festgehalten worden war und glättete sie die Tunika, holte einmal Luft und hörte zu, bis zum Ende.

    Kein überraschtes Zucken, als er von der Gosse sprach, aus der sie kam. Kein Leuchten in den Augen, als er Reichtum, eine Domus und Sklaven in den Raum stellte. Sie hatte ihre Züge im Griff und wusste, dass nichts im Leben umsonst war.

    Als er fertig war, kniff sie die Augen zusammen. Misstrauisch.

    „Ihr kennt mich seit drei Würfelwürfen“, sagte sie ruhig. „Ein Spiel und mein Name. Und daraus macht Ihr eine Agentin, eine edle Dame und eine Diebin für Euer Haus.“ Der Kopf neigte sich leicht. „Warum meint Ihr, mich zu kennen? Warum denkt ihr, dass ich Dinge tue, die mich teuer zu stehen kommen könnten."


    Eine Pause. Der Blick wanderte nicht mehr zu Selina und Massad. Er blieb auf ihm.

    „Und warum bietet ein Aurelier einer Aushilfe aus den Thermen Reichtum an, der ihr Leben verändert?“ Die Stimme blieb ruhig. „ Ein eigenes Haus. Geld. Sklaven.“ Wie absurd das in ihren Ohren klang. Ein schmales, humorloses Lächeln. „Das klingt nicht nach Wohlwollen. Das klingt nach einem Kauf. Oder einem leeren Versprechen, mit dem man mich locken möchte.“

    Sie verschränkte die Arme.

    „Also sagt es geradeheraus, Dominus. Warum sollte ich euch glauben? Was wollt Ihr wirklich dafür? Wem gehöre ich, wenn ich ja sage? Euch? Eurer gens? Und was passiert, wenn ich eines Tages etwas nicht tun will, das Ihr von Eurer Agentin verlangt?“

    Kein Nein. Aber auch noch kein Ja.

    „Ich bin nicht so dumm, Euer Angebot nicht zu verstehen und zu wissen, was es bedeuten kann. Aber ich bin auch nicht dumm genug, jedem zu glauben, der mir das Blaue vom Himmel verspricht.“

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