Praefectus Vehiculorum

  • Aculeo erhob sich wieder und ging ein paar Schritte zu einem kleinen Schrank und öffnete die Türen. Heraus nahm er zwei Gläser und eine Kanne mit Wein. Da Mensch nur zwei Arme hatte und, falls es keine unglücklichen Ereignisse gab, zwei Hände musste er zuerst die beiden Gläser und die Kanne wieder zurück an den Tisch bringen, diese abstellen und erneut den Schrank aufsuchen damit die Kanne mit Wasser auch an den Tisch kam.


    Ohne Hast füllte er nun beide Becher zur Hälfe mit Wein und goß zusätzlich Wasser dazu.
    Also Octavianus. Ich bin ehrlich erfreut darüber dass es noch Menschen gibt die sich für richtige Arbeit interessieren und kann mir daher vorstellen dich bei uns einzustellen. Doch möchte ich auch Bedenken ausdrücken. Du weißt über die derzeitige Situation im Reich bescheid? dies war eine rethorische Frage daher fuhr der Germanicer ohne zu warten fort.


    Da der CP ein Instrument des Staates ist welches unter besonderer Stellung steht sind wir zur Zeit auch unter besonderer Beobachtung. Derzeit gibt es einige Ungereimtheiten was den Postverkehr angeht...es werden diverse Schreiben, offizielle Schreiben der Kanzlei zum Beispiel, einfach nicht weitergeleitet oder benötigen oftmals einen Weg der Fragen aufwirft. Im Moment, wie gesagt, stehen wir unter strenger Kontrolle der Praetorianer.

  • Der Octavier lauschte den Erklärungen des Mannes und nickte. "Ja, ich bin informiert."


    Der Octavier räusperte sich. "Wenn ich offen sein darf, Germanicus. Es muss doch nicht unbedingt negativ sein, wenn man besonders beobachtet wird. Es bietet die Möglichkeit sich besser zu präsentieren und mit Loyalität und Pflichtbewusstsein zu überzeugen."


    "Nun..." Er lächelte und ergriff die Chance sich nochmal anzubieten. "..wenn du gestattest: Ich würde dir dabei gerne helfen"

  • Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht des Germanicer. Er hatte das schon öfters gehört seit der diesen Posten besetzte jedoch war keiner der Personen die dies behaupteten noch im CP.
    Wahrscheinlich werde ich dich nun enttäuschen aber es geht nicht anders. Den Posten als Stationarius kann ich dir nicht gleich von Anfang an anbieten. Wie du selbst erklärt hast ist dir Pflichtbewusstsein wichtig.
    Du kannst sofort beginnen...aber als Tabellarius. Wenn du dich in den nächsten....Aculeo überlegte kurz....3 Monaten bewährst so besteht die Möglichkeit als Stationarius eingesetzt zu werden.
    Also...bist du damit einverstanden? Aculeo blickte sein Gegenüber fragend und abwartend an.

  • Avianus seufzte innerlich. "Ich bin offen, Germanicus: Das ist nicht so ganz das, was ich erhofft hatte. Ich bin mir sicher, dass es innerhalb meiner Gens zu einem Aufruhr gegen mich käme, wenn ich als einfacher Tabellarius arbeiten würde."


    Zwar gehörten die Octavier nicht zu den Patriziern, aber sie zählten sich dennoch zu dem Geldadel Roms. Es stammten Senatoren, ja Consulare, Ritter und Kommandeure von Militäreinheiten aus den Reihen der Octavier, da war es ja fast undenkbar, als einfach Überbringer von Post zu arbeiten, wohl gemerkt nach einem mehrjährigen Studienaufenthalt in Griechenland.


    Der Jünglich räusperte sich. "Gibt es da keine Alternative, Praefectus?" Trotz der bescheidenen Situation lächelte er leicht und nahm einen Schluck Wein.

  • Auch Aculeo musste seufzen. Es fiel ihm nun schwer das zu sagen was er zu sagen hatte war ihm der Kerl doch recht sympathisch. Aber er konnte gewisse "Regeln" wegen persönlicher Sympathien jemanden gegenüber nicht einfach übergehen. Nun nahm er selbst auch einen Schluck aus dem Becher und blickte den Oktavier an.


    Wer ist dein Patron sagstest du? Vllt kannte er den Mann ja. Und wenn es ein Oktavier war konnte man doch ausserhalb darüber sprechen um dem jungen Avianus nicht das Leben schwer zu machen.

  • Aus dem Grübeln des Gegenübers schloss der junge Mann, dass er die Situation verstand. Er schwieg einen Moment. "Da ich erst seit kurzer Zeit im Mannesalter bin habe ich noch keine Möglichkeit gefunden mich nach einem geeigneten Patronen um zuschauen."


    Er trank noch einen Schluck und fuhr dann vor. "Ich hoffe du verstehst meine Situation, Germanicus." sagte er freundlich.

  • Fast hätte Aculeo dem Oktavier angeboten diese Aufgabe zu übernehmen...also die eines Patrons. Er besann sich jedoch rechtzeitig und meinte daher....


    Ein wenig, ja. Das macht es aber nicht einfacher für mich und anscheinend auch nicht für dich. Der Posten des Tabellarius ist der Anfang einer Karriere die dir sehr hilfreich sein kann.
    Je nachdem wie man sich anstellt...aber das ist überall so. Es könnte möglich sein dass ich dich persönlich brauche. Schliesslich gibt es vieles im Auge zu behalten und zu beachten und ich bin nicht immer in der Lage alles sofort zu erledigen.
    Wie wäre es wenn du...auch wenn du nicht sonderlich darauf reflektierst....mir persönlich zur Verfügung stehst. Also...du weißt hoffe ich wie es gemeint ist. Einen hilfreichen Geist hier zu wissen erleichtert vieles ungemein. Was dich aber nicht von den Pflichten entbindet welche ein Tabellarius zu erfüllen hat.


    Und...wer weiß wie lange ich noch in dieser Position sitze. Nichts währt ewig....

  • Nachdem ich in der Casa Sergia angekommen war und sich meine nichtsnutzige Leibsklavin Callisto mit der Einrichtung meines neuen Zimmers beschäftigen durfte, hatte ich mich dazu aufgemacht, die Ewige Stadt ein bisschen zu erkunden. Als junge, hübsche Frau, der man ihr Temprament nicht gleich ansah, ließ ich mich sicherheitshalber natürlich von einem Leibwächter-Sklaven begleiten, der mir bei der Gelegenheit auch gleich als Stadtführer diente.
    Die Erkundungstour, bei der ich diesmal nun absichtlich auf eine Sänfte oder ähnliches verzichtete, um auch einen richtigen Eindruck von Rom zu bekommen, führte natürlich zunächst vom Quirinal weiter ins Innere der Stadt hinein. Als ich irgendwann mehr oder weniger zufällig an dem Gebäude vorbei kam, in dem sich der Amtssitz des Praefectus Vehiculorum von Italia befand, ergriff ich die Chance, die sich mir damit bot. Zwar hatte ich auch meinem Onkel Decimus geschrieben, ob er mir nicht vielleicht eine Empfehlung schicken könnte, aber notfalls schnupperte ich eben einfach erstmal hier rein und würde einen möglichst bleibenden Eindruck hinterlassen, sodass man mich spätestens mit der Empfehlung dann schon fast einstellen müsste, so mein Plan.


    Mein Wächter blieb natürlich draußen stehen, während ich mich im Innern von einem pickelgesichtigen Jüngling, der sich von meinem reizenden Augenaufschlag leicht beeindrucken ließ, zum Officium des Präfekten führen ließ. Ich kriegte den Kerl sogar dazu, dass er für mich an die Tür klopfte, damit ich mir nicht am Ende noch meine Hand hässlich rot pochte. Anschließend wartete ich auf ein hoffentlich baldiges "Herein".

  • Allerdings kam die Sergia gar nicht bis zum Praefectus Vehiculorum selber, der ja nicht für jeden immer Zeit hatte, sondern lediglich in sein Vorzimmer zu einem Stationarius, der hier die örtliche Betreuung dieser Poststelle leitete. Und etwas verwirrt aufblickte, als da jemand anklopfte, und noch verwirrter, dass sich dieser jemand nach dem Eintreten als Frau entpuppte. Spielten ihm seine Kollegen gerade einen Streich? Er war sich nicht ganz sicher.
    “Jaaa, bitte?“ fragte er ein ganz klein wenig misstrauisch einmal nach. Geburtstag hatte er heute immerhin nicht, und ansonsten kamen doch recht wenige Damen bis hier hinten durch. Die meisten schickten sogar ihre Sklaven, um die Post abzugeben.

  • Das Pickelgesicht hatte mich offensichtlich verarscht, denn ich erkannte ja wohl den Unterschied zwischen dem Officium eines Stationarius und dem eines Praefectus Vehiculorum. Ich war anscheinend noch immer etwas zu leichtgläubig. Das müsste ich bei Gelegenheit unbedingt mal abstellen. "Jaaa, danke?" fürs Eintreten lassen oder so. "Sei gegrüßt. Ich bin Sergia Fausta, Tochter des Sergius Curio und Enkelin des Ritters Sergius Stephanus.", stellte ich mich nach dieser komischen Begrüßung erstmal vor und versuchte dabei meine Wut auf den zweibeinigen Streußelkuchen, der mich hierher gebracht hatte, zu unterdrücken. Stattdessen lächelte ich nun ganz charmant und klimperte zweimal nett mit meinen Augen. "Ich bin hier, weil eine Anstellung im Cursus Publicus bekommen möchte.", erklärte ich dann in leichtem Tonfall. Ich überlegte kurz, ob ich dem Typ gleich sagen sollte, dass ich mein wertvolles, ritterliches Popöchen ganz bestimmt nicht auf irgendeinem Gaul setzen und durch die Landschaft galloppieren würde, sondern gleich als Stationaria einsteigern wollte.
    Nein! "Ist der Praefectus Vehiculorum vielleicht in dieser Angelegenheit zu sprechen oder triffst du hier die Entscheidungen?", fragte ich stattdessen und zog meine linke Augenbraue ein wenig nach oben, während ich meinen Gegenüber weiterhin nett und unschuldig anlächelte. Ja, ich wollte nur das eine....

  • Die Namen, die die Frau auflistete, sagten dem Stationarius allesamt nichts. Was aber nichts heißen musste, immerhin war die Stadt groß und beherbergte sehr viele Familien. Selbst viele Ritter. Auch wenn er da von den meisten den Namen kannte und sich an keinen sergischen Ritter da erinnerte. Gleichgültig.


    “Natürlich kann ich das entscheiden! Der Praefectus Vehiculorum soll den Postverkehr in ganz Italia überwachen, Berichte darüber führen und steht davor vor dem Praefectus Praetorio persönlich gerade, dass alles reibungslos funktioniert! Der stellt doch nicht dann in ganz Italia jeden einzelnen kleinen Scriba oder Meldereiter persönlich ein!“ Vorstellungen hatten die Leute! Der Praefectus Vehiculorum hatte ganz sicher besseres zu tun. Man stelle sich das mal ein, irgendwo in Croton sollte ein neuer Tabellarius eingestellt werden, und der Praefectus sollte dahin reisen, um sich den Mann anschauen... Das wäre entsetzlich ineffektiv.
    “Gut, dann setz dich erstmal. Du willst also im Cursus Publicus eingestellt werden, ja?“ Irgendwie glaubte der Stationarius noch immer an einen Scherz seiner Kollegen, so wie das Mädel mit den Wimpern klimperte, aber deswegen konnte man sich ja dennoch professionell geben und unterhalten. “Da du eine Frau bist, kannst du selbstverständlich nicht als Tabellarius arbeiten.“ Frauen ritten bekanntermaßen nicht. Immerhin war weithin bekannt, dass das unfruchtbar machte. “Was für Arbeit stellst du dir also vor, und was meinst du, qualifiziert dich dafür?“

  • Boah, bei der Belehrung, die ich hier bekam, musste ich echt an mich halten, um dem Typ nicht erstmal ordentlich Gegenrede zu leisten! Das fing ja schon damit an, dass ich weder Scriba noch Meldereiterin werden wollte. Es ging weiter damit, dass ich auch nicht irgendjemand war, sondern Sergia Fausta aus dem Ritterstand und mit jeder Menge Kontakte! Diesem Oberlehrer würde ich nochmal die Empfehlung meines Onkels Decimus Varus von den Annaeern, mit der ich fest rechnete, unter die Nase reiben. Der amtierte schließlich als Praefectus Aegypti, einem der höchsten Posten im ganzen Imperium Romanum! Und zu guter Letzt befanden wird uns hier auch nicht irgendwo, sondern in Rom! Wenn der Praefectus Vehiculorum Italias auch nur irgendwo ein bisschen Einfluss auf sein Postgebiet ausüben wollte, dann ja wohl hier, wo er immerhin auch seinen Amtssitz hatte! (Denn ich ging immernoch fest davon aus, dass er hier tatsächlich auch seinen Hauptsitz hatte.)
    Aber ich behielt meine Gedanken für mich und würde mich später an meiner Leibsklavin Callisto oder irgendwem anders abreagieren. Stattdessen lächelte ich weiter, denn ich wollte ja hier und jetzt nur das eine: diese Stelle als Stationaria! "Danke.", sagte ich federleicht und setzte mich. Gewohnheitsmäßig schlug ich dann die Beine übereinander, sodass ich in dem figurbetont geschnittenen tiefblauen Kleid, in dem ich Rom heute erkundete, gleich noch ein ganzes Stück schlanker und graziler aussah. Ich verschränkte meine Finger ineinander und legte meine so verbundenen Hände auf mein oberes Knie. Dass mein Volumen etwas weiter oben damit zunahm, weil meine Arme von links und rechts gegen meine Oberweite drückten, war dabei nicht zu vermeiden. "Richtig.", bestätigte ich meinem Gegenüber dann nochmal, dass ich im Cursus Publicus eingestellt werden wollte und blinzelte danach erneut ein bisschen in seine Richtung.


    Das musste letztlich den Ausschlug gegeben haben, dass der Typ, der mich anfangs noch so oberlehrerartig belehrt hatte, nun von ganz alleine einsah, dass ich keine Tabellaria werden konnte. An die Geschichte, dass dem nur so wäre, weil ich eine Frau war, wollte ich nämlich nicht recht glauben. Wie gesagt, war ich manchmal etwas zu naiv und musste mir das abgewöhnen. In Alexandria jedenfalls hatte ich sehr wohl eine Römerin, die ich an ihrer Kleidung als solche erkannt hatte, gesehen, die als Tabellaria arbeitete. Und die war sogar die Frau eines Postumius Rufus, der ebenfalls im Postdienst (in Italia) tätig war - was ich allerdings nicht wusste.
    Dann stellte mir der Mann, der als Stationarius offenbar auch darüber befinden konnte andere Stationarii als seine Kollegen einzustellen (ein sehr interessantes System), die Frage nach meinen Vorstellungen und Qualifikationen. "Nun, ich hatte an eine Einstellung als Stationaria hier in Rom gedacht. Ich bin nämlich erst kürzlich von Alexandria hierher gekommen, um nach dem Tod meines Vaters unter die Vormundschaft meines Onkels gestellt zu werden. Und mein strenger Onkel möchte, dass ich eine Arbeit nur in Rom annehme, damit er ein Auge auf mich haben kann.", behauptete ich. Nachdem ich Alexandria gewohnt war, wollte ich nämlich bestimmt nicht in irgendein kleines Nest ohne angemessenes gesellschaftliches Leben! Ostia zum Beispiel war, abgesehen von meiner netten Willkommensparty, absolut fad gewesen. "In dieser Tätigkeit als Stationaria würde ich mich um die Mansio des Cursus Publicus in Rom kümmern, Briefe annehmen und an die Tabellarii übergeben. Ich würde die Versandlisten führen, mich um die Wertkarten von den ganzen Familien und Institutionen kümmern und natürlich dafür sorgen, dass die Briefe, die hier ankommen, von meinen Untergebenen auch vorschriftsmäßig ausgetragen werden.", führte ich erstmal eine ganze Menge Pflichten aus, die ich in dieser Position haben würde. Ja, ich hatte mich informiert! "Das weiß ich daher, weil mein Vater Sergius Curio ebenfalls einst als Stationarius hier in Italia seine Karriere begonnen hatte.", wobei ich nicht mehr so genau sagen konnte, in welcher Stadt er damals tätig gewesen war. "Und was ich meine, das mich für diese Stelle qualifiziert, ist neben meinem Pflichtbewusstsein, das wohl jeder Enkelin eines Ritters innewohnt, natürlich auch die Tatsache, dass ich in Alexandria aufgewachsen bin und da, wo sich das Wissen der ganzen Welt befindet, in griechisch und latein in Wort, Schrift und Literatur ausgebildet wurde, wie ich außerdem auch rechnen kann und in der Logik geschult bin. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe, kann überzeugend sein, wenn es darauf ankommt, und habe keine Probleme damit Aufgaben zu delegieren und mich gegenüber Untergebenen durchzusetzen.", erklärte ich selbstsicher. Gerade letzteres war so eine Sache, mit der meine Freundinnen in Alexandria immer so ihre Probleme hatten - und ich verstand bis heute nicht warum.
    Dann lehnte ich mich etwas nach vorne, um meinem Gegenüber einen kleinen (denn der Ausschnitt des Kleides gab nicht viel mehr her) Einblick zu gewähren. "Wenn du willst, dann kann ich dir auch eine kleine Kostprobe geben.", lächelte ich vielsagend, bevor ich mich wieder zurücklehnte und ergänzte: "Von meinen Rechenkünsten.", die beim korrekten Verwalten dieser diversen Listen sicher eine der wichtigsten Anforderungen an eine Stationaria darstellten.

  • Sim-Off:

    Mal kurz eine kleine Erklärung: Der Ritterstand im römischen Reich ist nicht erblich. Das Ansehen und alle Vergünstigungen für Verwandte des Ritters erlöschen mit dessen Tod, da die nicht erblich und nicht übertragbar und streng personenbezogen sind. Frauen/Kinder von Rittern haben also nur so lange das Recht, sich als Angehörige des Ritterstandes zu bezeichnen, solange der Träger der Ritterwürde noch lebt.
    In unserem Forum wird das nur etwas missinterpretationsfähig von der Forensoftware ausgegeben, da der Ordo nicht automatisch erlischt, wenn der zugehörige Ritter tot ist. Wobei man mit dem (grau hinterlegten) schmalen Balken ja auch in der Sim nichts weiter anfangen kann, anders als beim (erblichen) ordo senatorius.


    “Aha, also lesen und schreiben...“ murmelte der Stationarius, während er auf einer Wachstafel eben das auch mitnotierte.
    “Natürlich würdest du am Anfang nicht irgendwas deligieren können oder irgendwem Befehle erteilen. Wie sieht es da eher mit deiner Fähigkeit aus, Anweisungen zu befolgen und dich unterzuordnen? Jeder andere Stationarius hier auf der Stelle hat weit mehr Dienstjahre auf dem Buckel, als Neuling wärst du da nicht in der Stellung, irgendwem irgendeine Anweisung zu geben, sondern wärst selbstverständlich allen bisherigen stationarii erst einmal im Rang nachgestellt!“ Lustige Vorstellung hatte die Frau, hier auf der Annahmestelle des Cursus Publicus anfangen und gleich Befehle erteilen zu wollen. Natürlich fing man immer erst ganz unten an, fertigte die Listen für die anderen, half mit, packte mit an und lernte das Handwerk, ehe man irgendwen durch die Gegend scheuchte.

  • Was war denn das für ein Typ?? Ich bot ihm, wovon ich viel zu bieten hatte - einen kleinen, tieferen Blick auf meine Schönheit - und er reagierte nicht darauf? Ich wusste und rechnete ja damit, dass nicht jeder meinen Beeinflussungsversuchen verfiel, sondern manch prüder Hund erstmal vorgeblich kläffte, nur um mich tief in seinem Innern doch sehr anziehend zu finden. Aber dass da jetzt gar nichts von beidem kam, überhaupt gar keine Reaktion, das überraschte mich - und missfiel mir. Da schien irgendeine Frau ihren Göttergatten ganz schön unterm Sandalen zu haben! "Und rechnen....", half ich dem Kerl ebenfalls murmelnd bei seiner Liste etwas auf die Sprünge, damit er nicht die Hälfte vergaß. Dann traf mich ganz unerwartet die Vermutung: War ich hier etwa einem Eunuchen aufgesessen? Oje, wie peinlich!
    Anschließend erklärte mir der-das vor mir, dass ich hier anfangs niemandem etwas zu sagen hätte. Wahrscheinlich sollte ich, weil ich ja eine Frau war, auch noch Anweisungen von unten, von den Tabellarii befolgen, was?? Ich lächelte nett, während es in mir zu brodeln begann. Ich war eine Rittersenkelin * und Urenkelin eines Auguren! "Verzeih mir meine unbeholfene Nachfrage, aber wenn ich nicht auf einem Pferd herumreiten und die hier ankommenden Briefe selbst austragen soll, dann müsste ich diese Aufgabe als neben den anderen Stationarii für diese Mansio Verantwortliche doch an den einen oder anderen Tabellarius delegieren, oder nicht?", gab ich mich unwissend und verzichtete dabei darauf, nochmal irgendwie mit meinen körperlichen Vorzügen zu spielen. Gegenüber einem Eunuchen konnte eine Frau mit ihren Reizen nämlich auch einfach geizen. Für den-das Gegenüber würde das sicher eh kaum einen Unterschied machen. (Und ja, ich entschied mich, dass das nur ein Eunuch sein konnte, so wie der nicht reagiert hatte!) "Gegenüber den anderen Stationarii und natürlich auch den Präfekten würde ich mich natürlich absolut unterordnen. Ich bin schließlich wohl erzogen und weiß genau, wo ich hier in dieser mir neuen Stadt stehe.", beteuerte ich danach ohne dabei zu sehr vor meinem Gegenüber zu kriechen. Ich hatte schließlich auch irgendwo, und gar nicht mal so versteckt, noch meinen Stolz.


    Sim-Off:

    * Dann bleibe ich dabei, wenns recht ist. :P

  • Verwirrt blickte der Stationarius kurz blinzelnd auf bei der Gegenfrage. “Ach, sooo meinst du das!“ ging ihm ein Licht auf, ehe er fast väterlich den Kopf zu schütteln begann. “Es wird nicht deligiert. Die haben ihre Aufgaben, wir haben unsere. Abgesehen davon, dass du dem ein oder anderen anzeigst, welcher Posthaufen in welche Stadt gehört, damit sie den richtigen mitnehmen, haben wir kaum Berührungspunkte. Tabellarii sind nur Laufpersonal. Wir kümmern uns um die Verwaltung des ganzen und führen die Listen und kontrollieren die Wertkarten und dergleichen. Im Grunde haben wir kaum Berührungspunkte. Solange die Briefe da ankommen, wo sie hinsollen, mischen wir uns in deren Arbeitsabläufe nicht ein. Und wenn sie nicht da ankommen, wo sie hinsollen, schreiben wir einen Bericht an den Praefectus Vehiculorum. Du siehst, keine Delegationsarbeit nötig.“
    Der Stationarius kritzelte noch ein paar Notizen mehr auf seine Tabula. “Hast du denn die Erlaubnis deines Vaters, Vormundes oder dergleichen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen?“ Die Sergia würde wohl kaum das Dreikindrecht haben, um über solche Dinge selber entscheiden zu dürfen.

  • Oh, nur ein Missverständnis, na klar. So ganz wollte ich das meinem Gegenüber ja nicht abkaufen, aber auf der anderen Seite hörte es sich schon irgendwie sinnig an, was er sagte. Wenn einer der Tabellarii also nicht ordentlich arbeitete, dann könnte, nein müsste, ich den einfach nur beim Präfekten melden. In meinen Ohren hörte sich das wieder etwas mehr nach Hierarchie und Kontrollfunktion meinerseits an und so nickte ich ganz pflichtbewusst und innerlich lächelnd. Die Verwaltungslisten und Wertkarten hatte ich ja selbst schon erwähnt, sodass auch das nichts Neues war.
    Dann wurde ich nach einer Erlaubnis gefragt, die ich genau genommen so noch nicht hatte. Mein Vater hatte, als er noch lebte, immer gesagt, dass er wollte, dass ich nie irgendwie arbeiten müsste. Direkt dagegen hätte er also bestimmt nichts gehabt. Und meinen neuen Vormund müsste ich ja erstmal sehen, um ihn fragen zu können. * Bis dahin ging ich einfach von stillscheigendem Einverständnis (?) aus. "Natürlich. Mein Vormund Manius Messalla von den Sergiern hat mir die Erlaubnis ausdrücklich gegeben - solange ich eben einer Tätigkeit in Rom nachgehe, damit er immer ein Auge auf mich haben kann. Aber das hatte ich ja schon gesagt.", bestätigte ich freundlich und verwies mit meinem letzten Satz extra nochmal ausdrücklich auf meine vorherige Geschichte, um zu zeigen, dass beide Teile nahtlos zusammenpassten. Denn ich hatte gelernt, dass man nach einer nur halbwahren Geschichte das kleine Lügengerüst nutzen müsste bei der nächsten Halbwahrheit. Das war wesentlich überzeugender als der Bau eines neuen Lügengerüsts, bei dem man sich mitunter in Widersprüche verzettelte und beide Gerüste zum Einsturz brachte. Ja, als ziemlich verwöhntes Töchterchen hatte ich mir da einige Techniken in der Vergangenheit angeeignet, die bisher auch in den meisten Fällen ganz gut funktioniert hatten.


    Sim-Off:

    * Und hier hat sich mein Tuti Messi zum letzten Mal gemeldet. Ich hoffe ja, dass er bald wieder kommt, aber versprechen kann ich natürlich nichts.

  • “Natürlich in Roma.“ Er war ja auch hier Stationarius und konnte da schlecht für irgendwo in Pisae Stationarii einstellen, wenn diese sich noch gar nicht auskannten und über dies weiblich waren! Da konnte ja nur Unfug dann dabei rauskommen! Nein, nein, hier hatte er da dann eher ein Auge darauf, falls etwas schief ging, und konnte reagieren.


    “Gut, wenn er da vorbeikommen könnte oder du ein kleines Schriftstück für die Akten vorlegen könntest, sehe ich keine gewichtigen Gründe, dich nicht einzustellen. Nächste Woche könntest du anfangen, die älteren Stationarii zeigen dir dann die Listen und die Arbeitsabläufe und dergleichen.“


    Sim-Off:

    Einweisungs-PN und Eintragung ins Tabularium folgt am Wochenende.
    Die Vorlage der Erlaubnis setzen wir da jetzt einfach kurzerhand mal fest, dass die da ist und es daher hinterher da keinen Ärger gibt.

  • Phantastisch! Bei diesen Aussichten konnte ich nicht anders als meinen Gegenüber anzustrahlen und vergas dabei sogar für einen kleinen Augenblick, dass der seine Aussichten auf mich nicht ganz so grandios gefunden hatte. Aber Eunuchen gab es ja in fast jeder Verwaltung, sodass mir das im Moment absolut egal war. "Ich danke dir und versichere, dass ich gleich morgen ein Schriftstück meines Onkels, unter dessen Vormundschaft ich stehe, hier für die Akten vorbei bringen werden, damit ich ohne Probleme in der nächsten Woche gleich diese Stelle antreten kann.", erklärte ich und brachte am nächsten Tag tatsächlich einen Schriebs mit Siegel und Unterschrift meines Onkels Manius Sergius Messalla hier vorbei. *
    Nach einer kleinen Pause erkundigte ich mich dann: "Muss ich sonst noch irgendetwas beachten, wenn ich zu Beginn der nächsten Woche hier anfange? Oder kann ich sonst noch etwas für dich tun?" Vielleicht gab es ja bestimmte Kleidungsvorschriften oder ich müsste als Neuling eine Stunde vor den anderen hier sein, um mich schonmal etwas mit allem vertraut zu machen oder so. So genau kannte ich mich schließlich auch wieder nicht aus. Und falls es wider Erwarten doch nichts mehr gäbe, hoffte ich von dem Stationarius, der ja sagte, dass ich mich ihm unterordnen sollte, entlassen zu werden.


    Sim-Off:

    * Damit solltest du auf der sicheren Seite sein. Ich bin mir sicher, dass mein Tuti Messi da bestimmt keine Steinen in meinen Weg legen wird. ;)

  • Der Stationarius überlegte kurz. “Zieh dich zweckmäßig an. Du wirst vermutlich am Abend Tinte an deinen Fingern kleben haben, das geht auf Seide so schwer wieder raus. Ansonsten hör einfach auf die anderen Stationarii und mach, was sie dir antragen. Wir machen die Tür meistens so um die dritte Stunde auf, du solltest also etwas vorher da sein, auch wenn das jetzt im Sommer recht früh ist. Aber wir machen immer um die dritte Stunde herum auf.
    Ich hab sonst keine Wünsche mehr.“

    Er kritzelte mit seinem Stylus noch kurz etwas auf seine Wachstafel, ehe er nochmal aufsah. “Dann willkommen beim Cursus Publicus. Bis nächste Woche.“

  • Ich nickte. Keine zu edlen Stoffe, das würde ich schon im Sinne meiner teuren Garderobe beachten. Andererseits müsste ich dann sicher nochmal irgendwo shoppen gehen, um trotzdem nicht wie der letzte Lump hier anzutanzen. Ein billiger Stoff konnte ja trotzdem schön geschnitten sein und wenn er dunkel gefleckt wäre, würden neue Flecken vielleicht nichtmal übermäßig auffallen. Ich wollte mich ja nicht schämen müssen, wenn mich hier jemand sah, obwohl die patrizische Oberschicht, die meines Wissens nach jedwede Arbeit nur aus der Ferne betrachtete, hiermit sicher nicht mehr besonders viel von mir halten würde. Andererseits könnten aber gerade diese Schicksen mir auch egal sein, weil man mit denen sicher eh kaum richtig Spaß haben könnte!
    Beim Arbeitsbeginn nickte ich dann nochmal. "Ich werde ganz früh hier sein!", erklärte ich selbstsicher und beschloss, dass ich das bis zur nächsten Woche auch gleich noch ein bisschen üben würde. Denn als tollen Nebeneffekt würde ich auf diese Weise auch meinen Vormund, nachdem ich einmal seine schriftliche Arbeitserlaubnis hätte, nicht so häufig sehen müssen. Und solange er mich nicht sah, konnte er mir keine schnöden Regeln oder Vorschriften machten, mir Pflichten aufbrummen oder sonstwas!


    "Ich danke dir für das Gespräch und deine Zeit.", sagte ich, nachdem unsere Unterhaltung am Ende war. Dann erhob ich mich von meinem Platz und lächelte den Stationarius nochmal etas schief an (ich meinte ja zu wissen, das ihm das sowieso egal wäre). "Bis nächste Woche. Vale." Anschließend verließ ich den Raum, schaute mich noch einen kurzen Moment nach den Rotzbengel um, der mich ohne Vorwarnung nicht dorthin geführt hatte, wo ich hin wollte, bevor ich ohne das Pickelgesicht zu finden trotzdem vergleichsweise gut gelaunt das Haus in Richtung Kleidermärkte verließ.

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