Bei aller Überwachungstechnik hin oder her möchte ich auf die beiden Aussagen zurückkommen, die eigentlich zur Debatte standen.
„Die Römer selbst haben Cäsar als ihren ersten Kaiser angesehen.“
bzw.
„Für sie war Cäsar ihr erster Augustus…“
Wenn Tacitus nicht ausreicht, fang ich mal anders an.
Wenn man sich allein die res gestae einmal anschaut, sieht man, dass die Propaganda einzig auf einen Mann ausgelegt ist, nämlich auf Octavian/Augustus. Er selbst hebt die Ehrungen hervor, die ihm zugekommen waren, insbesondere der Titel Augustus. Nach 41 Jahren Alleinherrschaft dieses Mannes, der den Prinzipat institutionalisierte und sich in den Mittelpunkt dieses Konstruktes stellte, wird es schwierig, Caesar als ersten Augustus einzuflechten. Zumal die im Bewusstsein der Römer verankerte Titulatur des princeps und des Augustus nicht auf Caesar zutreffen. Und auch, weil schon zwischen dem Aufbau des Prinzipats und dem Ableben Caesars knappe 20 Jahre vergangen sind.
Geht man dann etwas weiter, kann man Tacitus als Quelle anführen, die Augustus als ersten princeps und Begründer des principatus darstellt. Es ist zwar kaum haltbar, aber wenn man nun möchte und sagt: Der dachte so, aber der Rest der Bevölkerung hat das vielleicht alles ganz anders gesehen … dann sucht man weiter und findet die nächste eindeutige Quelle bei Sueton. Da könnte man sagen: vielleicht haben nur Tacitus und Sueton das so gesehen, aber der Rest der Bevölkerung dachte ganz anders…. Schwieriger wird es aber, wenn man sich dann die lex de imperio Vespasiani anschaut, die in jedem Paragraphen die zuvor herrschenden principes aufzählt, und dabei stets, und in jedem Paragraphen auf´s Neue, Octavian/Augustus als ersten benennt. Dass also bei dieser Quellenlage und der reinen Logik zufolge Caesar im Bewusstsein der Römer als deren erster Augustus angesehen wurde, klingt für mich nicht nur absurd…
Was die Autoren angeht…Die Rolle der Selbstdarstellung der Autoren ist ja gut und schön und macht bei Plinius z.B. auch großen Spaß, interessiert bei der Fragestellung hier aber eigentlich gar nicht.
Die Definition von „res publica“ ist klar. Es ist der Staat an sich, aber du hast ja die Unterscheidung vorgenommen und selbst gesagt: „…hauptsache er beruft sich auf die Tradition der Vorväter.“ Eben das tat die „neue“ Republik nicht mehr, wobei die Adelsschicht diesen Kompromiss eingehen musste.
Dass die Römer das neue Staatsgeflecht realisierten, davon sollte man also ausgehen, schließlich wurde es ja groß und breit propagiert. Inwiefern es den Bauern auf dem Landgut interessierte, ist eine andere Sache, da sich für viele ja nichts änderte, außer dass die pax Augustana nun eingekehrt war. Und damit waren die meisten wohl schon sehr glücklich.