Beiträge von Marcus Aelius Callidus

    Callidus nickte nur und lächelte. Zwar landete die eine oder andere Notiz kaiserlichen Gedankens auf seinem Tisch, doch war hierzu nichts vorhanden. Kein Wunder, denn damit machte der Kaiser es dem Aelier auch gar nicht so leicht. Als Callidus drei Schriftrollen aus dem Regal gezogen und etwas ausgerollt hatte, wirkte er nachdenklich.


    > In welcher zeitlichen Distanz soll diese offizielle Ernennung stattfinden? Der Kaiser wird sich zur Mitte dieses Monats hin neben seinen zahlreichen Terminen auch einer großen Zahl von Feiertagen, und damit weiteren Verpflichtungen, gegenübersehen.
    Wenn man diese Ernennung nicht allzu weit an das Ende des Monats schieben will, so müsste der Termin rasch stattfinden. Ansonsten könnte man ihn an den traditionellen Tag des Beginns der Sommerfeldzüge legen, was für ein symbolischer Akt, nicht wahr?! <


    Würde der Vinicier in Feldzüge geschickt, hätte Callidus dies bestimmt mitbekommen, aber auch sonst hätte es symbolischen Charakter und bot dieser Tag eine gewisse Theatralik.

    ...und so wurde er auch schon bald von einem officialis zum magister officiorum vorgelassen.


    > Vinicius Lucianus, ich hoffe, dein Gespräch mit dem Kaiser war ergebnisreich und erfreulicher Natur. Was kann ich Weiteres für dich tun? <

    Bei aller Überwachungstechnik hin oder her möchte ich auf die beiden Aussagen zurückkommen, die eigentlich zur Debatte standen.


    „Die Römer selbst haben Cäsar als ihren ersten Kaiser angesehen.“


    bzw.


    „Für sie war Cäsar ihr erster Augustus…“


    Wenn Tacitus nicht ausreicht, fang ich mal anders an.
    Wenn man sich allein die res gestae einmal anschaut, sieht man, dass die Propaganda einzig auf einen Mann ausgelegt ist, nämlich auf Octavian/Augustus. Er selbst hebt die Ehrungen hervor, die ihm zugekommen waren, insbesondere der Titel Augustus. Nach 41 Jahren Alleinherrschaft dieses Mannes, der den Prinzipat institutionalisierte und sich in den Mittelpunkt dieses Konstruktes stellte, wird es schwierig, Caesar als ersten Augustus einzuflechten. Zumal die im Bewusstsein der Römer verankerte Titulatur des princeps und des Augustus nicht auf Caesar zutreffen. Und auch, weil schon zwischen dem Aufbau des Prinzipats und dem Ableben Caesars knappe 20 Jahre vergangen sind.
    Geht man dann etwas weiter, kann man Tacitus als Quelle anführen, die Augustus als ersten princeps und Begründer des principatus darstellt. Es ist zwar kaum haltbar, aber wenn man nun möchte und sagt: Der dachte so, aber der Rest der Bevölkerung hat das vielleicht alles ganz anders gesehen … dann sucht man weiter und findet die nächste eindeutige Quelle bei Sueton. Da könnte man sagen: vielleicht haben nur Tacitus und Sueton das so gesehen, aber der Rest der Bevölkerung dachte ganz anders…. Schwieriger wird es aber, wenn man sich dann die lex de imperio Vespasiani anschaut, die in jedem Paragraphen die zuvor herrschenden principes aufzählt, und dabei stets, und in jedem Paragraphen auf´s Neue, Octavian/Augustus als ersten benennt. Dass also bei dieser Quellenlage und der reinen Logik zufolge Caesar im Bewusstsein der Römer als deren erster Augustus angesehen wurde, klingt für mich nicht nur absurd…
    Was die Autoren angeht…Die Rolle der Selbstdarstellung der Autoren ist ja gut und schön und macht bei Plinius z.B. auch großen Spaß, interessiert bei der Fragestellung hier aber eigentlich gar nicht.


    Die Definition von „res publica“ ist klar. Es ist der Staat an sich, aber du hast ja die Unterscheidung vorgenommen und selbst gesagt: „…hauptsache er beruft sich auf die Tradition der Vorväter.“ Eben das tat die „neue“ Republik nicht mehr, wobei die Adelsschicht diesen Kompromiss eingehen musste.
    Dass die Römer das neue Staatsgeflecht realisierten, davon sollte man also ausgehen, schließlich wurde es ja groß und breit propagiert. Inwiefern es den Bauern auf dem Landgut interessierte, ist eine andere Sache, da sich für viele ja nichts änderte, außer dass die pax Augustana nun eingekehrt war. Und damit waren die meisten wohl schon sehr glücklich.



    Der magister officiorum begleitete die beiden Männer bis zum Audienzsaal und führte sie hinein.


    > Der princeps wird sich eurer Angelegenheit gleich annehemen. <


    Dann gab er die kleine tabula einem Diener, der sie wiederum dem Kaiser vor der Audienz zeigen würde, und verabschiedete sich von beiden Prätoren mit einem freundlichen Nicken, bevor er wieder verschwand.




    C. Prudentius Commodus et L. Flavius Furianus praetores


    venerunt rogatum:


    munera et officia praetorum

    @ Mattiacus


    Oha, na dann schließ ich mich da aber eher den Forschungsmeinungen an, die das nicht so sehen. :]
    Auch wenn es mal Gedanken gab, dass selbst Augustus nicht der erste sei, ist er wohl doch als erster anzusehen.


    @ Theodorus


    Bei der Traditionslinie gehe ich mit dir konform. Augustus hat ja selbst aus politischem Kalkül alles daran gesetzt, Caesar zu erhöhen, so dass die Verknüpfung natürlich zu jeder Zeit gegeben war. Das sieht man ja allein an der Vererbung des Namens, der zum Titel wurde.
    Dass man in Rom der Kaiserzeit aber Caesar als ersten Kaiser sah, denke ich nicht. Auch wenn Sueton ihn in seine Viten aufnimmt, kann man bei Tacitus schon deutlich lesen, wie ich finde, dass Augustus eben der Begründer des Prinzipats war. Woraus auch resultiert, dass man zwischen Republik und Prinzipat schon deutlich unterscheiden konnte. Nicht zuletzt, weil man diese neue Rechtsform, in der man den mächtigsten Mann des Reiches in die Republik eingebunden hatte, principatus nannte.
    Wie immer sio schön in der Sekundärliteratur geschrieben wird, war die Republik "formal" wiederhergestellt, was nur eine Versöhnung mit dem Senat und eine Ehrerweisung an die nobiles darstellte. Dass man aber nun eine Republik hatte, daran konnte wohl kein Römer ernsthaft glauben.
    Ist aber wohl Ansichtssache, da es ja in der Forschung immer mal gern ein umstrittenes Thema ist. Kommt darauf an, auf welche Quelle man sich beziehen will. :)

    Als er den Besuch erkannt hatte, erhob sich Callidus von seinem Stuhl.


    > Senator Prudentius Commodus, Senator Flavius Furianus. Eine Ehre und Freude. Ich beglückwünsche euch zu eurer Wahl zur Prätur. <


    Dann nahm er sogleich eine kleine Wachstafel.


    > Darf ich fragen, in welcher Angelegenheit ihr den princeps aufsucht? <

    hm...hab´s noch nicht gesehen. Jetzt mal bezogen auf die Kritik von Mattiacus:
    Wurde Caesar innerhalb der Spielfilmszenen als erster Kaiser in irgendeiner Form dargestellt? Oder durch den wissenschaftlichen Bericht?


    Ich hatte Probleme mit dem Verständnis dieses Satzes, weil das etwas pauschal klingt. Einen "Kaiser" gibt es ja zu der Zeit nicht, weshalb niemand Caesar als solchen ansehen konnte. Daher: Zu welcher Zeit sahen die Römer Caesar als ersten "Kaiser" bzw. princeps?

    Callidus nickte nur. Der Sklave würde Callidus schon mit dem Wichtigsten behelligen.
    Dann hörte er dem Mann zu, der offenbar noch ein weiteres Anliegen hatte.


    > Nun, bitte, sprich! <


    Sim-Off:

    schick es mir oder ihm, es landet eh bei mir :( ...pff...Sklaven!

    > Bis der Augustus weitere Anordnungen erteilt, werden die vigiles ihre Arbeit fortsetzen und der nächsthöhere Offizier wird die Belange des Germanicus Reverus übernehmen. Ich kann davon ausgehen, dass ein medicus des Lagers Untersuchungen vorgenommen hat? Diese sind vorerst ausreichend.
    Ich bin sicher, dass der princeps die Dinge schnellstmöglich aufgreifen wird. <


    Callidus dachte kurz über die Zuständigkeiten nach.


    > Sollte es weitere Fragen geben, wird sich gewiss der praefectus urbi darum kümmern. <

    Callidus Gesichtsausdruck muss einem Fragezeichen geglichen haben.


    > Ich hoffe nicht, dass die vigiles in einer Audienz die Anordnung des princeps erhalten wollten, den Leichnam des ehrenwerten Germanicus aus dem officium zu tragen und seiner Familie zu überstellen!? <


    Etwas anderes konnte der Aelier mit dem Satz des Furius Helios nicht anfangen.

    Oha, jemand, der keine Arbeit brachte, sondern sie selbst schon erledigt hatte! Das war Callidus natürlich willkommen.


    > Du hast Abschriften aus Alexandria? Phantastisch! Und ja, ich übernehme ihre Aufgaben. Du kannst die Schriftrollen zur Durchsicht hierlassen oder aber Actuarius geben, er ist ein fähiger Sklave und wird ebenso behutsam damit umgehen. <


    Sicherlich wird Adria diese Dinge irgendwo vermerkt haben, wie sie fast alles irgendwo vermerkte. Callidus würde es nur noch finden müssen.


    Sim-Off:

    ich hätte da wohl noch ein Stück trockenes Brot auf Lager :P

    Callidus schüttelt schnell den Kopf, um den Mann zu beruhigen.


    > Nein, gewiss nicht. Aelia Adria ist bei bester Gesundheit, es geht ihr gut. Mit einer Rückkehr wird jedoch nicht mehr zu rechnen sein. Sie scheidet aus dem repräsentativen Dienst der Schule aus. <

    Callidus lächelte freundlich.


    > Salve, die rectrix Aelia Adria ist nicht anwesend. Die Amtsgeschäfte werden...zur Zeit...durch mich in Vertretung erledigt. Bitte setz dich doch. Ich bin Marcus Aelius Callidus, praeceptor der schola Atheniensis. Kann ich dir weiterhelfen? <

    Callidus hörte sich die Ausführungen des Mannes, der es offenbar bevorzugte stehen zu bleiben, an, bevor er nach einer Schriftrolle suchte, die er erst kürzlich überflogen hatte. Dieser Vorgang dauerte allerdings nicht allzu lang und nach wenigen Blicken fand er auch den Namen des nach Angaben des Helios verstorbenen Mannes.


    > mhm... <


    ...sagte er und fügte mit einem Lächeln an...


    > Rom scheint immer feuerfester zu werden, wenn der praefectus selbst mir diese Nachricht überbringen kann. <


    Dann nahm er eine tabula, auf der er etwas kritzelte.


    > Der Kaiser wird über diese Entwicklungen unterrichtet werden und die vigiles ihre Befehle bekommen, vorerst ändern diese Tatsachen jedoch nichts am Dienst der Männer. Ich bin jedoch sicher, dass der princeps die Angelegenheit vorrangig behandeln wird. <


    Dann blickte Callidus den Furier an, ob es noch weitere Belange gäbe.

    Doch allzu lang konnte er den Grund nicht mehr geheim halten, da es natürlich im größten Interesse des magister officiorum lag, diesen zu erfahren.


    > Ich grüße dich, praefectus Furius Helios. Bitte setz dich, dann schilder mir in Ruhe, was dich zu einem so...dringenden Audienzgesuch führt. <


    Da Callidus nicht bemerkt hatte, dass halb Rom in Flammen stehen würde, konnte es eine solche Eile doch gar nicht haben...



    [SIZE=7]edit: ups...da hab ich bei meinem Titel etwas zu hochgegriffen...Amtsanmaßung ^^[/SIZE]

    Callidus hörte sich die lange Rede an und war etwas verwundert, doch wartete er noch auf den Abschluss, der ihn aber bestätigte.


    > Artoria Medeia, ich habe seit einem längeren Zeitraum Einblicke in die Finanzen der Schule. Wie du sagtest, verfügt die schola über einige Mittel, dass der Senat Gelder in den letzten Jahren überwies, ist mir nicht bekannt.
    Über eine Erhöhung der Bezahlung ließe sich reden, wobei ich anmerken muss, dass unter Aelia Adria bereits beachtliche Summen an die Lehrenden gezahlt wurden. Angesichts der Inflation wäre eine höhere Entlohnung bei angemessener Qualität denkbar, darauf werde ich auch bedacht sein, wenn ich die Amtsgeschäfte übernehme. <