"Was mein Neffe allfällig damit aufzeigen möchte ist die Problematik, dass der praktisch greifbare Unterschied theoretisch durchaus nicht detektierbar sein kann, so dass die Leistung schlussendlich als glei'hwertig erscheint, da die Differenz nur in introspektivischer Reflexion der Legaten wäre zu erkennen, in welcher indes der Konterpart in facto fehlt, da jene Introspektive unweigerlich diesen ausschließt - was letztendlich die Frage aufwirft, ob nicht die Fähigkeit zur unstrittig gerechten Be..urteilung einer Leistung dem Menschen an sich muss abgesprochen werden"
, warf Gracchus nachdenklich ein, war die Theorie damit doch auf einer Ebene angelangt, auf welcher sie ihre Zweckdienlichkeit einzubüßen drohte.
Beiträge von Manius Flavius Gracchus
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Ein Sklave, dessen Name gänzlich ohne Belang war, überbrachte einen Brief aus der Villa Flavia Felix für den Imperator Cornelius Palma, respektive die kaiserliche Kanzlei, welche ihn ohnehin zuvor würde lesen.
Ad IMPERATOR CAESAR AUGUSTUS APPIUS CORNELIUS PALMA
Senator et Pontifex M' Flavius Gracchus Imperatori Caesari Augusto Ap. Cornelio Palmae s.d.
In Hinblick auf Deine Entscheidungen bezüglich des ehemaligen Praefectus Praetorio F. Decimus Serapio, respektive dessen künftige Aussichten im Dienste des Imperium Romanum bitte ich Dich um die Gelegenheit einer persönlichen Unterredung.
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In einem leisen, desperaten Anflug von Protest öffnete Gracchus' Mund sich ein wenig, doch letztlich konnte seiner Kehle kein Laut entweichen, konnte kein Wort aus seinen Sinnen sich den Weg in Freiheit bahnen. Es konnte keinen Protest geben. Keine Dementi. Kein Veto. Er allein hatte dies Netz gewebt. Er. Allein. Er allein hatte diesen Pfad beschritten, hatte jede Entscheidung getroffen, jede Tat begangen, jedes Wort gesprochen oder verwehrt. Dies war sein Leben - es gab keine omnipotenten Götter, welche er konnte in die Verantwortung nehmen für die abstrusen Wendungen der Welt um ihn her, es gab kein unumstößliches Schicksal, welches er konnte in die Verantwortung nehmen für die widersinnigen Ereignisse in seinem Leben, und es gab auch keinen schlechten Literaten, welchen er konnte in die Verantwortung nehmen für den Bruch seines Charakters. Er allein, so wie er in diesem Augenblicke im lebhaften, überfüllten und laut feiernden Saturnalien-Rom stand - allein in der Dunkelheit seiner selbst.
"Ich kann nicht"
, flüsterte er leise und senkte den Blick in das Feuer zu seinen Füßen. Wenn dies im Feuer würde enden, würde er einzig alleine brennen, einzig, allein. Neuerlich bahnten Tränen sich ihren Weg, doch diesmalig biss Gracchus fest seine Kiefer aufeinander, sie in sich zu halten.
"Ich kann nicht dich auffangen, indem ich jene, die mir ge..blieben sind, fallen lasse."
Vermutlich würde man ihn ohnehin nur für wahnsinnig erklären, so wie sie es mit Domitianus schon einmal hatten getan - zweifelsohne mit Blick auf eben diesen -, im besten Falle ihn klandestin eliminieren und seine Familie bemitleiden, im schlimmsten Falle ihn seiner Ämter entheben, der Lächerlichkeit preisgeben und seine Familie schmähen. -
Vom ersten Tage seines Lebens bis hin zu seiner offiziellen Mannwerdung hatte stets Antonia sich um die Sorgen und Nöte Minors gekümmert, ihm Trost und Wärme gespendet, während Gracchus selbst zumeist nur Pflichten und Lektionen, Mahnungen und Erklärungen, ab und an die Vorzüge und Freuden flavischen Lebens an seinen Sohn hatte weiterzugeben. Als der Junge - welcher in diesem Augenblicke viel mehr dem Kind glich, welches er war, als einem Manne, welcher er hatte zu sein - nun indes ihn mit flehentlichem Blicke taxierte, bröckelte jene Mauer bereits wieder, welche der Vater sich hatte vorgenommen zum Schutz seines Sohnes zwischen ihnen zu errichten. Vorsichtig trat er einen Schritt auf Minor zu - als könne allein die Nähe zwischen ihnen die Larven bereits dazu animieren, auch seinen Sohn ihm auf der Stelle hinwegzureißen - und legte eine Hand auf seine Schulter.
"Der Tod kennt keine Zeit, Minimus - was heute noch voller Lebendigkeit ist, mag morgen bereits ver..gangen sein. Dies ist ... schlichtweg Teil unserer Existenz."
Das Leben war zu allen Zeiten voller Tod, auch Minor hatte bereits von einigen Verwandten Abschied nehmen müssen, doch Gracchus wusste, dass der Tod eines geliebten, vertrauten Menschen stets different war, eine tiefe Wunde riss, welche lange Zeit noch würde schmerzen. Und obgleich er selbst viele Tode hatte erlebt, zu viele bisweilen, zu viele Abschiede hatte nehmen müssen, fand Gracchus auch nach all den Jahren keine Worte, welche Trost spendeten, welche erträglicher machten, was bisweilen nicht zu ertragen war. Eine endlose Leere erfüllte sein Innerstes, eine devastierte Ödnis, welche selbst all die schönen Lügen bedeckte, all die hohlen Worte über den Tod und die Zeit, welche zur Bestattungsfeierlichkeit noch zur Genüge würden verteilt werden. Zudem war er all der Lügen Leid, selbst so die Wahrheit schmerzlich war.
"Ihre Iuno wird immer über dich wa'hen, Minimus, doch sie selbst wird nie wieder bei uns sein." -
Mit den übrigen Sodales der Salii palatini war auch Gracchus vom Palatin hinab zum Forum Augustum gezogen und während auf dem Wege durch die Straßen Roms noch der Klang der trauten Lieder von all den kleinen und großen Sorgen seines Lebens ihn hatte abgelenkt, das erhebende Gefühl der heiligen Schilde ihn hatte beflügelt, der Rhythmus des Dreischritts ihn hatte berauscht und der Jubel der Menschen ihn hatte vorangetrieben, so verspürte er im templum des Mars Ultor bereits wie die Kraft allmählich aus seinem Leibe wich. Jahrelanger Übung folgend hob er Füße und Arme, tönte die alten Gesänge, drehte und wandte sich im passenden Takt, doch sein Geist zählte bereits die Augenblicke bis endlich der letzte Schlag auf der Trommel das vorläufige Ende des Ritus verkündete, die palatini zur Linken, die collini zur Rechten des Opferplatzes hin sich aufstellten, Lanzen und Schilde neben sich abstellten, um den Ritus zu bewachen.
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Bis zu jenem Augenblicke als sein Vilicus ihn über den Brief des Aurelius hatte informiert, hatte Gracchus nicht einmal gewusst, dass seine Base während des Bürgerkrieges die Scheidung von diesem hatte veranlasst, wiewohl er bis zu diesem gegenwärtigen Augenblick weder mit ihr, noch mit ihrem Vater darüber hatte sprechen können. Dennoch gab es kaum Zweifel daran, was gesagt werden musste - auch dies war Teil der Rollen, welche sie alle hatten zu spielen, und letztendlich galt es die Bindungen in Rom aufrechtzuhalten, was schlussendlich in Gracchus' alleiniger Verantwortung lag - denn letztlich hatte sein Onkel Aetius stets nur aus der Ferne gewettert, jedoch nie selbst einen Fuß nach Rom gesetzt, geschweige denn für das Wohl der Familie vor Ort Sorge getragen.
"Auch Nigrina, wiewohl Cnaeus Aetius, bedauern die Auflösung dieser Ehe über alle Maßen, ins..besondere da diese selbstredend nicht aus ihrem freien Willen heraus geschah, sondern einzig da zurückgelassen in Rom und durch Vescularius bedroht ihr kaum eine andere Mögli'hkeit blieb - nicht zuletzt hattest du durch die Proskription schlussendlich dein ius conubium eingebüßt."
Obgleich Gracchus durchaus ließ deutlich werden, dass zurückgelassen in Rom sich auf die vernachlässigte Pflicht ihres Gatten bezog und aus seiner Perspektive der Groll darob wohl vielmehr auf Seiten der flavischen Familie wäre gerechtfertigt, vermied er dies allzu sehr zu dramatisieren durch die Hinzufügung eines schutzlos - denn letztendlich hatte auch ihre eigene Familie ihr kaum Schutz geboten.
"Wie wir indes bereits festgestellt haben gerei'hten die Ereignisse dieses Bürgerkrieges zu allzu vielen unvorteilhaften und deplorablen Wendungen, und da diese Scheidung nur eine weitere von diesen ist, liegt es auch unserer Familie fern, die guten Beziehungen, welche wir seit langem mit der Aurelia pflegen, dadurch zu be..lasten. Die Mitglieder deiner Gens werden in diesem Hause stets willkommen sein, und dies gilt insbesondere auch für deinen Sohn."
Womit der einfachere Teil dieser Scheidung - die persönlichen Befindlichkeiten - geklärt waren.
"Weitaus diffiziler gestaltet sich die Abwicklung in rechtlicher Hinsicht, nicht nur in Bezug auf die dos, sondern bereits mit Blick auf die Re'htskraft dieses Aktes. Die Ehe wurde aufgelöst nachdem du durch Vescularius proskribiert worden und dein ius conubium verloren hattest, die Scheidung wurde somit also weder durch dich, noch durch Nigrina explizit erklärt - und sofern von letzterer, so zweifels..ohne nicht unter beständigem Ehescheidungswillen, sondern unter der Bedrohungen des Vescularius. Die Proskription wurde durch Cornelius Palma längst annulliert, so dass auch die Grundlage der Scheidung als hinfällig zu betra'hten ist, und auch wenn dies nicht zur Folge hat, dass die daraus entstandenen Handlungen ebenfalls als hinfällig zu betrachten sind,"
Diesbezüglich hatte Gracchus bereits seine eigenen Erfahrungen machen müssen.
"So könnte doch die Re'htskraft dieser Scheidung angefochten werden, sofern daran ein Interesse besteht." -
Gedankenverloren betrachtete Gracchus das Spiel des Windes, welcher die kahlen Zweige des Mandelbaumes vor dem Fenster sanft wiegte, sann über eine Zukunft ohne Antonia nach, um nicht allzu detailliert mit der Gegenwart sich beschäftigen zu müssen. Er würde eine Entscheidung treffen müssen bezüglich Flamma, war Rom doch kaum der geeignete Ort für das Mädchen aufzuwachsen, wiewohl die Vestalinnen keine Zukunft mehr für sie boten, nun da Cornelius Palma die Obhut über jene inne hatte. Das Vermögen musste ebenfalls verwaltet werden, ebenso wie all die anderen Dinge des Haushaltes, über welche die Claudia stets hatte gewacht. Unwillkürlich drifteten seine Gedanken in eine weitere Richtung, welche er gerade in diesem Augenblicke nicht wollte wahrhaben, als die Türe hinter ihm sich öffnete, was ihn unmerklich ließ ein wenig zusammen zucken. Tief atmete Gracchus ein und aus, nachdem Minor sich leise bemerkbar gemacht hatte, drehte sodann sich langsam um, ausdruckslos seine Miene, ein wenig blass und leer augenscheinlich, obgleich dies für Minor wohl nicht zu erblicken war.
"Minimus"
, titulierte er seinen Sohn und ließ dem eine bedeutungsvolle Pause folgen, noch immer ohne zu wissen, welche Worte er sollte wählen. Kurz sog er seine Unterlippe zwischen die Zähne, fühlte sich ein wenig als würde er vor dem Senat um Stimmen bitten, gemahnte sich doch schlussendlich, schlichtweg die Wahrheit in all ihrer Nüchternheit auszusprechen.
"Deine Mutter ist tot."
Bereits mit dem letzten Wort reute ihn die Kühle dieser Aussage, wollte er zu seinem Sohn treten und in einer väterlichen, einfühlenden Umarmung ihm Trost spenden, doch zwang er sich weiterhin Abstand von Minor zu halten. Er würde ihnen keinen Grund geben, Minor ihm entreißen zu wollen.
"Sie ist vor drei Tagen einem Fieber erlegen"
, wiederholte er die Worte seines Vilicus beinahe ebenso nüchtern und kalt wie dieser, wenngleich er nicht gänzlich den Gram aus seiner Stimme konnte verbergen. -
Beinahe wünschte Gracchus sich, Serapio hätte nicht an ihn gedacht, hätte nicht ihn vermisst, ihn schlichtweg vergessen - es wäre alles so viel einfacher gewesen - zumindest für Faustus. Während dieser über die Dunkelheit sprach, die Ewigkeit, schloss Gracchus neuerlich die Augen, lag die Qual über seinem Antlitz.
"Ich ... habe es versu'ht, Faustus ..."
, wandte er zaghaft ein, entsann sich indes seiner eigenen Worte - keine Rechtfertigung, keine Apologie und keine Ausrede. Es entsprach schlichtweg der Wahrheit, dass er auch dies nicht hatte bewerkstelligen können, dass auch dies ihm entglitten war wie alles andere - von Anfang bis zum Ende. Hätte, könnte, müsste, sollte - es gab zu viele dieser Konjunktive in seinem Leben, zu viele Augenblicke, welche schlichtweg verstrichen ohne dass er daran teilhatte, zu viele Tempora, welche augenscheinlich nicht kompatibel waren zu seiner Realität. Trotz des Feuers erfasste auch ihn die Kälte, jene Kälte welche aus den Worten Faustus' strömte, jene Kälte welche er in Faustus' Blick konnte finden nachdem er die Augen wieder hatte geöffnet. Er fühlte sich leer, ausgehöhlt, exprimiert durch eine Gewalt, welche kein Erbarmen kannte mit der Nichtigkeit ihres Lebens.
"Was auch immer es war"
, entgegnete Gracchus tonlos.
"Wenn du es mit Überzeugung hast geschworen, so musst du es voll..bringen. Denn hast du erst einen Schwur ge..brochen, wirst du dies nie wieder zurücknehmen können, wird ... die Wahrheit um dich schwinden und ... Lüge um Lüge dich umringen, eins ums andere, ... eins ums andere, ... und den Motten gleich, welche das Licht suchen, werden die Untergründigen sich um dich scharren, die dunklen Götter und rastlosen larvae, sie werden dem Moder des Eidbru'hes und der Lüge folgen, welcher dir anhaftet, dich überall finden, gleich wo du bist, in allen Schatten auf dich warten, in allen Winkeln und Ritzen, bis hinab in deinen Geist, bis tief in deine Träume, und sie werden allzeit wispern und raunen zu jedem Wort, welches du spri'hst, sie werden keifen und zetern zu jeder Entscheidung, werden lamentieren und klagen, torquieren und jagen, ihre kalten Klauen nach dir strecken, mit ihrem eisigen Hauch dich be..decken, bei Tage und bei Nacht, jeden Augenblick, jeden Herzschlag, eins ums andere dich tiefer und tiefer ziehen, in ihr Netz dich weben aus Lug und Trug, bis dass du selbst nicht mehr kannst differen..zieren zwischen dem, was tatsächlich geschehen ist, und dem, was du glaubst, dass geschehen ist."
Er fasste Serapios Hand und hielt sie fest, sein Blick durchdringend.
"Was auch immer es war, Faustus, du musst es tun." -
Zitat
Original von Spurius Purgitius Macer et Titus Duccius Vala
Gracchus verfolgte den Wortwechsel mit einiger Faszination, insbesondere in Hinblick auf die Gedankenwelt des Duccius, welche mehr als fern ihm war, wiewohl überaus divergent zur Gedankenwelt jener Kontakte, mit welchen er sonstig Umgang pflegte. Zweifelsohne würde er diesen Abend mit Fusus rekapitulieren müssen, obgleich er kaum davon ausging, dass sein Neffe seine gesamte Erziehung und Bildung würde verwerfen nur aufgrund der Worte eines germanischen Homo Novus. Da Vala in dem idealistischen Purgitus – welcher derart idealistisch war, dass ein Patrizier bisweilen guten Gewissens über seine Herkunft konnte hinweg sehen – eine ausreichende Opposition entgegen stand, begnügte der Flavier sich indes mit Zuhören, durchaus auch ein wenig fasziniert von der philosophischen Seite des Purgitius, welcher er in dieser Tiefe bisherig nicht war gewahr gewesen. -
Selbstredend befürwortete Gracchus, dass dem Wunsch seines Neffen wurde stattgegeben, ob dessen auch er nicht das Wort erhob, indes auf die Nachfrage des Consuls bezüglich der Meldungen ebenfalls nur leicht den Kopf schüttelte.
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Geraume Zeit später war nur Stille geblieben in dem Officium, dessen Besitzer noch immer in der Mitte des Raumes in sich zusammengesunken kauerte, bewacht und beschirmt durch seinen Vilicus, überzeugt davon, dass die Welt nichts mehr an Gutem barg, nachdem sie nun auch noch Antonia ihm hatte entrissen. Es war nicht die reine Form der Liebe gewesen, welche sie hatte verbunden, doch über die Jahre hinweg war es zweifelsohne eine ganz eigene Form der Liebe geworden, der Respekt einander gegenüber, die Wertschätzung der Beständigkeit, und nicht zuletzt - von ihm ausgehend - die Bewunderung ihrer Perfektion. Claudia Antonia hatte Gracchus' Leben einen Halt, eine Konstante gegeben, welchen nichts und niemand sonst ihm konnte bieten, sie war der Anker gewesen, welcher ihn in jenem Leben, welches zu leben ihm bestimmt war, hatte fixiert, sie war das Band gewesen, welches in der Realität ihn hatte zentriert, das Fundament, welches seine Familie hatte getragen. Und nun sollte alles dies fort sein, entschwunden in einem Augenblick, verloren für immer.
"Und … wenn es nur ein Trug war, eine Schwindelei durch … durch jemanden, der uns Schaden will zufügen?"
fand Gracchus schlussendlich zu seinen Gedanken zurück, gewillt jede noch so unglaubwürdige Erklärung anzunehmen.
"Es ist kein Trug, Herr, ich kenne den Boten. Ein Libitinarius aus Patavium hat ihren Leichnam präpariert, so dass er noch am gleichen Tag wie der Bote starten konnte und somit morgen Abend oder spätestens in zwei Tagen in Rom sein wird."
Nüchterne Fakten waren alles, was der Sklave kannte, was gleichsam Gracchus ließ verzweifeln, ihn den Kopf ließ schütteln als könne er die Realität damit schlichtweg verneinen.
"Ich … hätte sie längst nach Rom zurückholen müssen. Ich hätte für ihr Wohl Sorge tragen müssen …"
Beständig geschahen diese Dinge, welche er nicht konnte verhindern, welche an seinem Leben vorbeizogen, ohne dass er sie konnte greifen, ohne dass er sie konnte wandeln - als würde sein eigenes Leben auf einer anderen Spur laufen als das aller anderer, abgekoppelt von dem Verlauf der Zeit, in einer anderen Dimension verhaftet -, welche unabänderlich durch das Schicksal schienen festgeschrieben, ihm beständig durch die Finger rannen, eins ums andere, verfasst von einem Geschichtenerzähler, welcher seine Freude daran zu haben schien, ihn von einer Misere in die nächste zu stürzen, für den allfällig dieses Leben nicht einmal Priorität hatte, nicht mehr als bloße Zerstreuung war.
"Nein!"
keuchte Gracchus mit einem Male als ein anderer Gedanke ihm zu Sinnen kam, fasste den Sklaven bei den Schultern, sein Antlitz von Grauen überzogen.
"Die … divi parentes! Die Parentalia! Sie ist während der Parentalia ver..storben!"
Seine Stimme überschlug sich beinahe und neuerlich durchzog ein Zittern der Furcht seinen gesamten Leib.
"Sie … haben sie geholt! Meinetwegen! Meinet..wegen ..."
Er konnte ihr boshaftes Lachen hören, weit in der Ferne, weit fort in Patavium, um das Bett seiner Gemahlin versammelt, deren Leben sie aus ihrem Körper hinaus zerrten, Stück um Stück, eins ums andere, immerfort, bis dass nurmehr eine Leere Hülle war geblieben. Er hatte es immer befürchtet - sobald er begonnen hatte, ihr mehr entgegen zu bringen als bloßes Einvernehmen, war Antonias Leben verwirkt, war es verloren an die rachsüchtigen Larven, welche beständig nach allen Menschen gierten, die ihm teuer waren, welche unentwegt ihren Tribut einforderten bis an sein Lebensende.
"Es wird nie ein Ende nehmen … niemals … nur ... nur wenn ich ..."
Die Konklusion war so simpel, wie erschreckend.
"Du musst an die Zukunft denken, Herr, an deine Söhne und deine Tochter"
, gemahnte Sciurus seinen Herrn, brachte ihn ab von der Konklusion, evozierte dabei indes gänzlich andere Überlegungen in Gracchus als beabsichtigt. In Hinblick auf Titus bestand kaum wohl Gefahr, war der Junge doch längst an die Untergründigen verloren, lastete der Fluch seines Vaters doch seit seiner Geburt bereits auf seinem Genius. Flamma wiederum war behütet durch die Tatsache, dass sie Gracchus gänzlich fremd war, dass er ihr wenig mehr nur entgegen brachte als mäßiges Interesse an ihrem Werden und Gedeihen. Minor indes war sein Stolz, sein Erbe, die Perfektion all dessen, was er niemals hatte sein, hatte werden können - und sofern es ein Sentiment der väterlichen Liebe in ihm gab, so gehörte es zweifelsohne seinem Ältesten. Es musste dies ein Ende finden.
"Geh und ... hole Minimus."
Nachdem der Sklave den Raum hatte verlassen, zog Gracchus sich umständlich an dem Schreibtisch empor, rieb sich die Schläfen und trat schlussendlich an das Fenster hin, hinaus in den trüben, verregneten Nachmittag zu blicken. Er hatte diesen Tag so lange bereits gefürchtet, doch letztendlich fehlte ihm schlichtweg der Elan, noch tiefer zu sinken. Er fühlte sich müde und leer, einmal mehr in seinem Leben unfähig eben jenes zu meistern, einmal mehr unfähig zu bewahren, was ihm wichtig war. Allfällig war es an der Zeit jede Reue abzulegen und anzuerkennen, dass sein Leben nur ein Irrtum des Schicksals war gewesen, welches beständig um ihn her sich suchte auszugleichen, und endlich diese Disharmonie abzugelten. -
Der Winter in Rom gestaltete dieser Tage sich überaus mild, bescherte der Stadt nur tristen Nieselregen, welcher seit dem Morgen bereits mehr oder minder ununterbrochen andauerte. Da Gracchus indes nirgends hin zu Fuß musste gehen tangierte die Wetterlage ihn nur mäßig, freute er sich gegenteilig über das himmlische Nass, welches er ob der zahllose Nuancen und vielschichtigen Klangerlebnisse als Witterung durchaus genoss, welches gleichwohl die Straßen üblicherweise nicht nur säuberte, sondern ebenso das lärmende und geschäftige Leben der Menschen daraus wenn auch nicht gänzlich vertrieb, so doch zumindest ein wenig lähmte. Seine eigenen Pflichten diesen Tages waren bereits abgeschlossen, so dass ein wenig Zeit bis zur abendlichen Cena ihm noch blieb für etwas Muße, wenn auch seine gegenwärtige Muße ihm stets ein wenig Mühe bereitete, da er noch immer die schönste Literatur nur quälend langsam zu lesen befähigt war, mit einem Lineal pro Zeile zudem, welches Sätze und Abschnitte unnachgiebig zerriss. Dennoch war das Hinabtauchen in ihm unbekannte Schriften - Epen und Lyrik insbesondere - noch immer eine der größten Wonnen, welche die Welt ihm ließ zuteilwerden, welche einige kostbare Momente ihn sein eigenes Leben vergessen, seine eigene Person verdrängen ließen. Ein wenig verärgert hob er darob den Blick als sein Vilicus ohne anzuklopfen das Officium betrat, tadelte ihn indes nicht, da er genau wusste, dass Sciurus dies nur tat, sofern es wirklich wichtiges zu berichten oder tun gab. Auch der Sklave war dessen sich bewusst, so dass er ohne Umschweife sprach.
"Es ist eine Nachricht angelangt, Herr, aus Patavium."
"Patavium?"
repetierte Gracchus ein wenig ahnungslos, da diese Gegend ihm augenscheinlich von Bedeutung sollte sein, es jedoch gegenwärtig nicht war.
"Eine Nachricht von dem Landgut deiner Gemahlin."
"Patavium, natürlich. Was beri'htet Antonia, befinden sie und Flamma sich wohl? Erwähnt sie, wann sie nach Rom zurückkehren wird?"
Die ersten Frühlingsboten zeichneten immerhin sich bereits ab, so dass die Witterung die Claudia kaum wohl noch sonderlich lange würde von dieser Reise abhalten können, indes war Gracchus nicht sich gewiss, ob dies tatsächlich der Grund war, weshalb sie derart lange im Norden des Landes war verblieben. Sciurus zögerte einen Augenblick - zu lange für sein übliches Gebaren, doch zu kurz, als dass dem Flavier dies wäre aufgefallen.
"Es ist eine Nachricht des Verwalters."
Die Couleur Sciurus' stimme war ruhig, scharf wie die Klinge einer Sica, und doch schwang eine Nuance in ihr mit, welche der Sklave selbst - so er sie jemals hätte eingestanden - wohl als einen Hauch von Anspannung hätte deklariert.
"Deiner Tochter geht es gut, doch deine Gemahlin laborierte bereits seit Wochen an einem Fieber."
Eine eisige Kälte stieg Gracchus' Rückgrat hinauf und er glaubte das Schaben der klauenbewehrten Finger der Strigae an seinem Hinterkopf zu vernehmen.
"Laborierte?"
keuchte er tonlos und alle Farbe wich aus seinem Antlitz, ebenso wie er glaubte dass alle Wärme aus seinem Leib musste weichen. Langsam erhob er sich von seinem Stuhl.
"Nein"
, flüsterte er leise und trat um den Schreibtisch herum, Sciurus' Blick fixiert, in welchem ein eigentümlicher, unmissverständlicher Ausdruck lag, welcher Gracchus regelrecht die Kehle abschnürte.
"Wage es nicht, … wage … es … nicht ..."
, drohte er dem Sklaven, ohne aussprechen zu können, was er fürchtete.
"Sie ist vor drei Tagen dem Fieber erlegen, Herr"
, fuhr Sciurus ungerührt fort, denn die Wahrheit konnte nicht sich verbergen lassen. Als hätten sie nur auf diesen Augenblicke gewartet, stießen die Strigae in lautem Johlen und Jubeln ihre Klauen in Gracchus' Herz, zerrissen seinen Leib, zerfetzten seinen Geist.
"Nein"
, entfuhr es ihm noch einmal als könne er die Realität einzig durch seine Dementi verändern, sodann trat er auf seine Vilicus zu, packte ihn bei der Tunika und schüttelte ihn.
"Nimm es zurück! Nimm es zurück!"
brüllte er den Sklaven an, doch Sciurus fasste nur seine Unterarme und hielt ihn fest, blickte starr in die Miene seines Herrn. Mit einem Ruck, einem kurzen Aufbäumen nur, befreite Gracchus sich aus diesem Griff, schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen und sank unter der Last dieser Schreckensmeldung in sich zusammen, auf die Knie zuerst, ehedem sein Oberkörper sich dem Boden entgegen neigte.
"Nein ... nein … nicht ... nicht Antonia ... nicht … Antonia …"
Als seine Stirn den rauen Boden berührte bebte Gracchus' Leib, zitterte vor Furcht, vor Entsetzen, vor Kummer und Wut - und auch als Sciurus seine Hände um seine Schultern legte, konnte er nicht einhalten, seiner Trauer um die beste Ehefrau, welche das Imperium Romanum jemals hatte erlebt, in diesem stillen Augenblicke Ausdruck zu verleihen. -
Zwar war Gracchus noch immer der Ansicht, dass der Inhalt der Handlung nicht von ihrer Ausführung war zu trennen und als Ganzes musste betrachtet werden, doch da er dies bereits hatte ausgeführt, mit den christianischen Anschauungen nicht derart war vertraut, um mit dem Teufel bekannt zu sein, und die Fragen des Duccius nun ganz eindeutig nicht mehr an ihn waren gerichtet schwieg er und wartete auf die maßgebende Meinung, respektive Antwort des Senates.
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Lebe Wohl, teuerste Gemahlin, und hab Dank für all die treuen Jahre!
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"Täuschen und blenden lassen haben sich allfällig nicht einmal allzu viele"
, warf Gracchus ein, obgleich die Frage der Aurelia womöglich nur rhetorischer Natur gewesen war, und ergriff noch einmal Position für all jene, welche in einem Kriege stets nur folgten.
"Die Majorität der Soldaten hat schli'htweg jenem Kaiser ihren Schwur beeidet, welchen ihr Kommandant präferierte, und hernach folgsam dessen Befehlen gehorcht, so wie es die Pflicht eines jeden römischen Soldaten ist. Es gibt für Cornelius keinen Anlass, diesen Männern zu zürnen, im Gegenteil hätte er mehr Grund ihnen zu misstrauen, hätten sie gegen ihre Befehlshaber und gegen einen Kaiser sich auf..gelehnt, welcher schlussendlich durch Ulpius bestimmt schien und durch den Senat, sowie die Götter war ratifiziert worden."
Letztlich empfand der Flavius es weit mehr Besorgnis erregend wie einfach solcherlei Trug auf höchster Ebene sich konnte gestalten - sowohl in Hinblick auf den Vescularius, doch auch bezüglich Cornelius und der Konspiration des Tiberius.
"Die Vermögenssteuer?"
fragte er sodann ein wenig derangiert, nickte jedoch sogleich verständnisvoll als Prisca ihr Leid klagte und ihre Verluste präzisierte. Tatsächlich war Gracchus gänzlich ahnungslos hin Hinblick darauf, was diese Steuer für das Vermögen seiner Familie bedeutete, denn seitdem seine ersten Schritte auf dem finanziellen Parkett zu übermäßigen Kalamitäten - auch und insbesondere in Hinblick auf persönliche Aspekte - hatten geführt, hatte er tunlichst vermieden, sich allzu intensiv mit Geld zu beschäftigen, sondern dies stets anderen überlassen - zuerst seinem Vilicus, hernach seiner Gemahlin. Da er indes von letzterer bisherig keine Klagen über die Steuer hatte vernommen, schloss er, dass sie irgendeinen Weg hatte gefunden, das Vermögen auch weiterhin bestmöglich zu verwalten - nicht im mindesten dessen gewahr, dass ihr Schweigen auch andere Gründe mochte haben.
"Ich bin sicher, der Senat wird sich baldigst mit dieser Thematik aus..einandersetzen"
, bekräftigte er sodann, dabei jedoch nicht wirklich dessen gewiss, wann dies tatsächlich würde geschehen, wiewohl er durchaus einige Hemmnis sah in Hinblick darauf, dieses Gesetz wieder außer Kraft zu setzen - selbst so es durch den Vescularius war verfügt worden.
"Das Ungemach euren Verwalter be..treffend ist indes wahrhaft deplorabel! Allfällig solltet ihr in die Sklavenzucht investieren - die flavische Familie betreibt die ihre seit mehreren Generationen und es ist dies ein überaus zweckdienliches Unterfangen, sind die Resultate doch nicht nur treulich und reliabel, sondern lassen sich gleichwohl für alle erdenkliche Berei'he spezialisieren. Wir hatten noch nie Schwierigkeiten mit einem Sklaven aus unserer eigenen Zucht."
Einen Augenblick hielt er inne.
"Allerdings löst dies selbstredend nicht eure gegenwärtige Problematik."
Dass Aurelia Prisca sich selbst um diese Angelegenheit bemühte erachtete Gracchus nicht im Geringsten als ungebührlich, gegenteilig würdigte er ihr Engagement, mit welchem sie ihren Cousin entlastet, und war darob mehr als geneigt, ihr seine Hilfe anzubieten - insbesondere da die Mechanik des Zufalles bezüglich des Tatortes ihm eine derart günstige Vorlage gewährte.
"Flü'htige Sklaven und Betrüger aufzuspüren ist zweifelsohne nicht unmöglich, allerdings zumeist auch nicht einfach. Doch du hast Glück, mein Vetter Felix lebt seit langem schon auf Corsica, in der gleichen - dazu nicht sonderlich großen - Provinz somit. Ich bin sicher, er kennt einen geeigneten Mann vor Ort, welcher mit solchen Angelegenheiten sich befasst und auch auf Sardinia sich aus..kennt. Sofern du mir einen Namen nennst, an wen er sich bezüglich dieses Sachverhaltes auf eurem Gut wenden kann, werde ich noch heute meinem Vetter einen Brief senden!" -
Gracchus war nicht gänzlich sicher, welcher Teil der duccischen Rede noch an ihn war gerichtet, hatte er sich doch vor dieser Sitzung seit langer Zeit nirgends öffentlich - und auch im privaten konnte er sich dessen nicht entsinnen - zum Wert der Diplomae geäußert, noch mit dem Duccius darüber gesprochen, so dass er wohl kaum endlich eine Einsicht konnte zeigen.
"Nun, so der Senat der Ansicht ist, diese Diplomae seien von beträ'htlicher Bedeutung, weshalb werden sie dann seit langer Zeit weder durch den Senat vergeben, noch von ihm berücksichtigt?"
fragte er dennoch.
"Es mag sein, dass dies in anderen Teilen des Reiches anders gehandhabt werden mag, doch in dieser Halle sind sie faktisch ohne Bedeutung. Zudem kann ich noch immer nicht na'hvollziehen, auf welches Recht du dich berufst, Duccius, denn wo in unserem Recht ist festgeschrieben, wer Diplomae verleihen darf und wer nicht, wie kann der Consul dem Senat ein Recht nehmen, welches diesem nicht explizit als alleinig zugewiesen ist, noch welches er für sich beansprucht?"
Allfällig schien es sich doch um ein Problem zu handeln, welches irgendwo dort unter der persönlich geführten Auseinandersetzung zwischen Duccius und Decimus verborgen war, doch Gracchus hatte wahrlich seine Mühe damit es zu finden, entsprach es doch auch nicht seinem Verständnis des Senates aus einer Tirade unsachlich und persönlich ausgetragener Disputationen jene drei Worte herauszufiltern, welche von Belang waren. -
Obgleich Gracchus noch zu keiner Zeit großartiges Vergnügen am Senat hatte gefunden, so schienen ihm nicht nur manche Causae, sondern insbesondere die Art und Weise der Dispute in der Curia Iulia in der letzten Zeit recht unerquicklich, und er mochte beinahe behaupten lieber mit seiner Gemahlin das Bett teilen zu wollen als diesen Diskussionen beizuwohnen - was indes auch ein wenig aus einer Verklärung seiner Sicht mochte herrühren, hatte er seine Gemahlin seit Beginn des Bürgerkrieges doch nicht mehr gesehen. Diplomae und andere Auszeichnungen waren zu früheren Zeiten des Öfteren Anstoß von Ärgernis gewesen, indes war der Flavier davon ausgegangen, dass dieses Thema endgültig obsolet war - doch augenscheinlich hatten sowohl der Decimus, als auch der Duccius darin für sich eine neue Substanz entdeckt, jeder auf die ihm eigene Weise. Denn worum ging es in dieser Causa - um Diplomae, um Decreta Consulum oder zwischenmenschliche Animositäten, welch längst den Status sublimer Antipathie hatten überschritten und darob sogar für den Flavius erkennbar waren, welcher sonstig seine Schwierigkeiten mit dieser Kognitionsebenen hatte? Sofern indes ein Consul nichts anderes mehr per Dekret hatte zu verkünden als Diplomae, der Senat hernach nichts besseres zu tun als darüber zu debattieren, hatte Rom augenscheinlich endgültig die widrigen Zeiten des Bürgerkrieges und seiner Nachwehen hinter sich gelassen und war zu den Kleinlichkeiten der Politik zurückgekehrt. Gracchus' Worte fielen darob überaus trocken aus und ließen keinen Zweifel daran, mit welch großem Vergnügen er augenblicklich die Curia Iulia mit dem Schlafgemach seiner Gemahlin würde substituieren wollen.
"Ehedem diese Auszeichnung Anlass zu Gesetzesregelungen, Präzedenzfällen oder Anklagen auf Abspre'hung geltenden Rechtes geben, sollten wir allfällig darauf blicken, was genau eine Diploma ist, welcher Stellenwert ihr in Hinblick auf Staat und Politik heutzutage beigemessen wird, und welchen Nutzen sie darüber hinaus nach sich zieht. Weder die Diploma an sich, noch die Autorisierung diese zu verleihen, noch der durch sie entstehende Nutzen ist in unserem Gesetze ver..ankert, noch definiert, und dies wie ich meine aus gutem Grunde - da sie sintemal keinerlei Auswirkung auf das publike oder politische Leben hat. Die Diploma ist schlichtweg eine rein subjektive Wertschätzung eines Vorgesetzten und kann ebenso limitiert, wie auch inflationär verteilt werden, mit der tatsächlichen Intention Dank und Lob auszuspre'hen, indes wie jedes andere Geschenk auch im Sinne der Korruption. Wie Consul Decimus exemplarisch anführt mag auch ein Legatus Augusti nach Gutdünken diese Auszeichnungen verteilen, ebenso wie etliche andere Vorgesetzte in unserem Staatswesen - und da dies in der Vergangenheit durchaus des Öfteren geschehen ist, ist eine solche Diploma kaum mehr wert als das Empfehlungsschreiben eines Patrones oder Vaters, und wird aus eben diesem Grunde seit langem nicht mehr durch den Senat ver..liehen - denn genau dies ist seit Jahrzehnten getätigter Brauch und darob wohl bereits Gewohnheitsrecht, dass der Senat nicht im Geringsten sich um Diplomae, weder in ihrer Verleihung, noch in ihrer Bedeutung schert! Wer sich eine Belohnung seiner Arbeit als Magistrat in Form einer Diploma erhofft, hat ohnehin die Essenz des Cursus Honorum nicht verstanden, denn die eigentliche Anerkennung und Auszei'hnung seiner Arbeit durch den Senat liegt darin, dass dieser Mann auch zur nächsten Kandidatur wieder gewählt werden wird – und niemand wird dann danach fragen, ob er für die vorherige Magistratur eine Diploma hat erhalten oder nicht. Die Frage danach, ob einem Consul das Recht sollte zustehen, eine solche Diploma zu verleihen, scheint mir darum ebenso essentiell wie die Frage danach, ob er dazu sollte berechtigt sein per Dekret einen Dankesgruß zu versenden, und ich muss aufrichtig konzedieren, dass beide Fragestellungen mir wenig adäquat, wenn nicht gar schli'htweg überflüssig für dieses Gremium erscheinen."
Gracchus überlegte einen Augenblick eine unbesonnene Äußerung anzufügen, nahm sodann jedoch wieder Platz. Obgleich dies derzeit mehr als populär zu sein schien, würde er nicht zu unüberlegten Verbalinjurien sich hinreißen lassen. Eher würde er nach Patavium zu seiner Gemahlin reisen. -
Gracchus hatte keine sonderlich starke Präferenz für oder gegen dieses Gesetz, einzig gegen die Formulierung desselben, welche durch alle Adaptionen sich hatte bis zuletzt gehalten.
"Ehedem sich diese Vorlage weiter repliziert oder gar zur Abstimmung gelangt, möchte ich stilistische Änderungen be..antragen. Zum einen in Absatz eins:
(1) In Form einer schriftlichen Dokumentation, die in ausführlicher Form über die durch den Magistraten bearbeiteten Fälle und Anliegen aufklärt und eine detaillierte Nachvollziehbarkeit aller relevanten Amtshandlungen ermöglicht.
Weiters möchte ich mich für eine Abänderung des dritten Abschnittes ausspre'hen:
(3) Auf Antrag ist der gewählte Magistrat verpflichtet, eine mündliche Stellungnahme zu Fragen in Bezug auf seine Amtstätigkeit direkt vor dem Senat abzugeben.
Letztere ist jedoch nur eine magrinale Anpassung, welche einzig der besseren Verständlichkeit des Satzes würde dienlich sein."
Obgleich Gracchus durchaus ästhetisch komplexe Sätze ästimierte, so präferierte er in Hinblick auf Gesetzestexte doch einfache, klare Worte, welche im Zweifelsfalle nicht erst durch einen Praetor würden ausgelegt werden müssen.
"Darüber hinaus stimme ich Consul Decimus in Hinblick auf die Konsequenz der Ni'hteinhaltung zu. Schlussendlich verpflichtet der bisherige Paragraph 47 bereits heute jeden Magistraten zu einem Bericht - doch gleich ob dieser abgelegt wurde oder nicht, hat dies keinerlei Implikation, weder in Hinblick auf Anerkennung des Amtsjahres, die Aufnahme in den Senat, noch auf eine na'hfolgende Kandidatur. Eine bloße Erweiterung des Gesetzestextes wird dies kaum ändern." -
Es war eine überaus simple Frage, welche der Augustus an ihn richtete, doch in Gracchus evozierte diese in wenigen Bruchteilen eines Augenblickes einen mehr als komplexen Zwiespalt. Primär war er ein wenig überrumpelt ob der Frage an sich und der Tatsache, dass der Imperator diese Erwägung gar in Betracht zog, denn weder fühlte er sich prädestiniert für dieses Amt, noch hatte er es jemals anvisiert - lagen seine Interessen doch in der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit dem Cultus Deorum, nicht im geringsten jedoch in administrativen Aufgaben, und diese Funktion nun einzunehmen würde ihn nur weiter noch entfernen von jenen Aufgaben, welche er Zeit seines Lebens intendierte. Andererseits indes war ohnehin ungewiss, ob diese Ehre ihm je würde vergönnt sein, hatte er durch seine Taten sich doch mehr und mehr von diesen Ämtern entfernt als ihnen sich anzunähern, wiewohl bei Bedarf traditionell ohnehin zumeist nur Consulare zur Wahl wurden berücksichtigt und dieses letzte Amt des Cursus Honorum ihm eine gleichsam noch größere Hürde erschien, so dass das Pontifikat allfällig das höchste kultische Amt würde bleiben, welches er je würde erreichen können. Dass der einzig noch erreichbare Schritt nun in eine Aufgabe sollte münden, welche ihm nicht unbedingt konvenierte, ihm das stets ästimierte Wirken im Cultus Deorum mit faden Obliegenheiten würde ausfüllen, mochte indes ein Aspekt ausgleichender Gerechtigkeit sein, denn mehr als je zuvor schuldete er dem Imperium Romanum die Erfüllung seiner Pflicht. Darüber hinaus mochte Palma ohnehin nicht ob seiner Fähigkeiten für ihn optiert haben, sondern schlichtweg aus der Verbundenheit durch ihre gemeinsame Vergangenheit heraus, wiewohl Gracchus noch immer nicht gänzlich sicher war, was er diesbezüglich zu erwarten, respektive zu befürchten hatte. Zuvörderst jedoch war die Frage des Cornelius eben nicht nur die Frage des Cornelius, sondern die Frage des Imperator Caesar Augustus, und in der Öffentlichkeit, in welcher sie gestellt worden war, kaum wohl mit einem Nein zu beantworten.
"So dies deinem Wunsch entspricht, Augustus, bin ich dazu bereit"
, entgegnete Gracchus darob mit mehr Überzeugung als ihm zu eigen war. -
Es scheint, dass die Wahlen zum Cursus Honorum 02/14 noch nicht in das Wahlsystem eingetragen sind.