Beiträge von Petronia Arria

    Arria nickte leicht. Ein paar Tage Aufschub also. Sie blickte ihren Vater wieder an und seufzte schließlich.


    "Und danach? Ich will mich nicht von ihm trennen, Vater. Aber dich will ich auch nicht alleine lassen."


    Und was war mit ihrer Ausbildung beim CD? Würde sie in Hispania Ceres überhaupt dienen können?

    Arria zwang sich zu einem Lächeln. Sie wollte ihrem Vater die Freude nicht verderben, es war eine angesehene und gut bezahlte Arbeit. Aber warum musste es Hispania sein? Am liebsten hätte sie geweint, aber das konnte sie ihm nicht antun und so wandte sie sich mit zitternden Händen ab.


    "Dann... werde ich wohl besser packen..."

    "Oh", meinte Arria traurig, als er vom Packen sprach. "Und... was für eine Stelle ist das?", fragte sie schließlich. Was würde aus ihr werden, wenn er woanders hinzog? Musste sie mit? Würde er sie von Imperiosus trennen?

    "Ja, das solltest du wirklich, Vater. Sie freut sich in der ganzen Aufregung bestimmt darüber, wenn du dich meldest", antwortete sie lächelnd. Einen kurzen Moment betrachtete sie ihn noch, dann wandte sie sich einem anderen Thema zu, um ihn abzulenken.


    "Was hast du heute vor, Vater?"

    Arria blickte auf und lächelte erfreut, doch dieses Lächeln schwand wieder.


    "Hast du sie denn noch einmal besucht? Ohne, dass du dich bei ihr meldest, wird sie dich sicherlich vergessen. Da bekommt sie nur den Eindruck, dass du sie nicht willst. Geh doch einfach nochmal zu ihr", meinte sie sanft und strich ihrem Vater fürsorglich über die Haare. "Außerdem hast du ständig so viel zu tun und bist in der Taverna oder in deinem Officium. Du kommst zu wenig raus, kein Wunder, dass du niemanden kennenlernst."


    Nunja, bei ihr war es ja auch mehr Zufall gewesen, dass sie Imperiosus kennengelernt hatte.

    Arria blickte ihren Vater kurz an, ehe sie die Augen schloss und ihren Kopf an seine Schulter lehnte.


    "Willst du dich nicht wieder liieren? Du bist so einsam und ich werde irgendwann nicht mehr da sein", fragte sie nachdenklich.

    Arria nickte. "Ich weiß, Vater. Und ich will nicht schwanger werden, nicht jetzt zumindest. Andererseits... Ein Mann braucht die Vereinigung, oder? Ich meine... du hattest auch Frauen, nachdem Mutter tot war... Manchmal zumindest", antwortete sie und aß die inzwischen angewärmte und lädierte Traube.

    Arria seufzte.


    "Wann hätten wir das Lager teilen sollen, Vater?", fragte sie leise und schüttelte den Kopf. Sie nahm sich eine Traube und drehte sie in ihren Fingern. "Seine Berührungen lassen mich schweben, Vater, es ist so schön. Wenn wir... das Lager wieder teilen, ich weiß nicht, ob ich noch in der Lage bin, aufzupassen", meinte sie schließlich sehr leise.

    Arria schwieg eine Weile. Einerseits verstand sie die Bedenken ihres Vaters natürlich, wer wusste schon, wie Imperiosus sich später zeigen würde. War er vielleicht deswegen so kurz angebunden gewesen an der Tür? Aber warum dann der Liebesbrief? Andererseits wollte sie ihren Bund mit Imperiosus aber auch besiegeln. Sie wollte ihn nicht abweisen, wenn er des Nachts zu ihr kam, sie wollte bei ihm sein, mit ihm eins sein... Schließlich nickte sie jedoch.


    "Ich kann es verstehen... einerseits... aber andererseits... ich will ihn nicht abweisen müssen, Vater", seufzte sie.

    Arria biss sich leicht auf die Lippen. Sie hätte es sich ja denken können, ihr Vater wollte sein Töchterlein sicher nicht hergeben. Aber wenn er es nicht gestattete, warum durfte sie dann mit nach Hispania? Wo war da der Zusammenhang, wenn er die Beziehung nicht gut hieß?


    "Aber... wieso lässt du mich mit ihm zur Sponsalia, wenn du doch etwas gegen unser Zusammensein hast?", fragte sie, ohne aufzublicken.

    Arria wurde augenblicklich rot und senkte den Blick.


    "Ich wusste ja nicht, dass er dich gefragt hat. Und vielleicht habt ihr ja noch über anderes geredet. Man muss ja viel klären, wenn es... du weißt schon...", meinte sie verlegen. Imperiosus hatte bei ihrem Vater also wirklich um ihre Hand angehalten. Sie musste zutrauen, sie hatte es nicht erwartet, nachdem er schon ihr gegenüber so schüchtern gewesen war.

    Arria sah ihn verwundert an. Einen Dickschädel? Nunja, vielleicht anderen gegenüber.


    "Mir hat er bisher jeden Wunsch erfüllt. Er hat sich sogar auf ein Pferd gequält", zwinkerte sie und grinste, als sie daran dachte, wie er geritten war. Er benötigte dringend Reitstunden und Übung. "Worüber habt ihr geredet? Oder darf ich es nicht wissen?", fragte sie, denn die Gespräche, die in Varus' Officium geführt wurden, gingen sie gewöhnlich nichts an, was ihr schon die eine oder andere Strafe eingebracht hatte, weil sie gelauscht hatte.

    Arria mampfte erst einmal noch eine Mischung aus Trauben und Oliven, ehe sie sich ihrem Vater zuwandte und anfing, mit ihren Fingern ihre Haare zu sortieren und zu entknoten.


    "Wie gefällt er dir? Ist er nicht wunderbar?", fragte sie ihn und strahlte ihn an.

    Arria nahm den Brief entgegen und setzte sich auf eine Cline. Nachdem sie ihre Haare vergeblich versucht hatte, zurückzustreichen, öffnete sie das Pergament und fing an zu lesen. Schon nach der zweiten Zeile begann sie von neuem, da sie nicht mehr als einen Buchstabensalat gesehen hatte.


    Langsam breitete sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht aus und sie blickte kurz zu Brutos, dann zu ihrem Vater. Das Gespräch von gestern, natürlich, sie hatte ihren Vater noch immer nicht danach gefragt. Jetzt erhob sie sich und eilte zu ihm, umarmte ihn und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.


    "Danke, Vater", meinte sie fröhlich und schnappte sich eine Traube, die sie auch sofort in den Mund schob.

    Arria rieb sich die Augen und strich die Haare zurück, die, wie jeden Morgen, widerspenstig in ihr Gesicht hingen. Noch ein paar Mal blinzelte sie, ehe sie Brutos nun wirklich erkannte.


    "Guten Morgen, Brutos", meinte sie schließlich und gähnte (natürlich mit Hand vor dem Mund). "Was schreibt er denn?", fragte sie und streckte die Hand nach dem Pergament aus.

    Arria war erst sehr spät nach Hause gekommen und auch den meisten Teil des nächsten Morgens hatte sie verschlafen. Sie musste unbedingt noch nach Ostia und ihre Arbeit als Scriba kündigen, jetzt, wo sie sicher in den CD eintreten wollte.


    Noch müde und weder gekämmt noch gewaschen machte sie sich also am späten Mittag auf den Weg ins Triclinum, um ein paar Happen zu sich zu nehmen.

    Arria hatte sich mit ihren Ersparnissen irgendwo ein Pferd gemietet. Es war eine Fuchsstute, die sehr lebendig und aufgedreht war. Sie war wohl schon lange nicht mehr geritten worden. Und dabei hatte ihr der Händler gesagt, sie war ein seelenruhiges Tier, das vor nichts zurückschreckte und einen ruhigen Gang hatte - na mit dem würde sie aber ein Wörtchen reden müssen, wenn sie zurück kam. Doch nachdem das Tier eine ganze Weile vor sich hin getänzelt hatte, wurde es zumindest so ruhig, dass Arria es vorwärts treiben und von der Stadt weg konnte. Sie merkte, wie sich die Muskeln des Tieres spannten und es davonrasen wollte, sich endlich wieder austoben, doch Arria ließ das Tier nicht. Nein, es verschaffte ihr regelrecht Genugtuung, die Stute zurückzuhalten und sich in einen Kampf mit ihr zu verstricken. Und vor allem: Es lenkte sie vorzüglich von ihren düsteren Gedanken ab, die sich einfach so eingenistet hatten.


    Als sie die Diskussion mit ihrem Pferd endlich gewonnen hatte, ließ sie die Zügel locker und die Stute sprengte sofort voran. Arria lächelte leicht. Ja, es war eine Freude so über die Ebene zu fliegen, den Wind in Haaren und Kleidung und die Kraft des Tieres zu spüren, wie es sie davontrug. Mit jedem Galoppsprung, das es tat, schien ein wenig Balast von der Reiterin zu fallen.


    Die Sonne tauchte den Himmel bereits in blutrotes Licht, als Arria sich auf dem Rückweg befand. Ihr altbekanntes Lächeln erstrahlte wieder auf ihrem Gesicht und ließ sie mit der Sonne in Wettstreit treten, wer nun mehr strahle. Die dunklen Grübeleien, ob Imperiosus sie nun wollte oder nicht, waren von ihr abgefallen und sie war sich sicherer den je, dass er sie liebte und sie ehelichen wollte. Apropo Ehelichen! Da fiel es ihr siedend heiß wieder ein. Er hatte ja mit ihrem Vater geredet! Sie war so enttäuscht gewesen, dass er sie nicht in den Arm genommen hatte, dass sie ihren Vater gar nicht gefragt hatte, wie die Unterredung verlaufen war.


    Sie spornte die Stute zu einem leichten Trab an und kam vor den Toren Roms an, als die Sonne die letzten kläglichen Strahlen über den Horizont sandte. Sie brachte die Stute schnell zurück und wies den Besitzer an, sie öfter zu bewegen, ehe sie nach Hause eilte.

    Arria wartete einen Moment, doch als keine der anderen Frauen ihre Stimme erhob, tat sie es an ihrer statt. Der Wein gab ihr wohl ein wenig zu viel Mut.


    "Ich denke jede von uns, die zu Ehren Bona Deas hier ist, ist bereit, sich für den Erhalt des Kultes einzusetzen und ihn wieder zu einem offiziellen Status zu verhelfen."