Beiträge von Marcus Petronius Crispus

    Nach einem kurzen Plausch mit dem Optio begab sich der Centurio auf seine Inspektion. Zuerst trat er in den Raum des Contubernium I ein, woraufhin die zugehörigen Soldaten ihm folgten. Es dauerte einige Augenblicke, dann erschien er wieder und suchte die nächste Abteilung auf.
    Schließlich erreichte er das Contubernium von Vocula und trat ein.

    Der Centurio blickte hinüber und stellte fest, dass Reatinus gerade vom Tesserarius angesprochen wurde. Wohl wegen der Wache. Also übernahm Crispus das Marschieren persönlich.


    "Nungut, mach' ich das eben selber."


    Er baute sich wieder vor der Truppe auf und blickte ihnen in die müden Augen.


    "Kommen wir gleich zur nächsten Schwierigkeit - das Marschieren.


    Wir beginnen immer mit dem linken Fuß. Aber zuerst in Marschformation: Die rechten vier gehen einen Schritt vor, die anderen vier treten in die Lücke."


    "In agmen venite!" (In Kolonne antreten!)


    Nun ging der Centurio einige Schritt zurück, um die Bildung der Marschkolonne zu ermöglichen. Als diese einigermaßen eingerichtet war, befahl er


    "Pergite aequatis passibus!" (Im Gleichschritt Marsch!)


    Langsam setzte Crispus sich an der Spitze der Einheit in Bewegung und sprach dabei das Auftreten des linken Fußes mit.


    "laevum...laevum...laevum..."


    So marschierte die Truppe über den Exerzierplatz und Crispus bewegte sich zur Seite, um so den Marsch aller zu überprüfen. Nach einiger Zeit erhöhte er das Tempo.

    An einem regnerischen Tag, nachdem er den Männern Zeit gegeben hatte, betrat der Centurio die Unterkunft des Contuberniums um Vocula. Auf den Pritschen hatten die Männer ihr Marschgepäck ausgebreitet, alles neben der jeweiligen Tasche, in die es gehörte.
    Crispus betrachtete das erste Bett. Dort lag allerlei:



    Zuerst nahm er die Tunika zum Wechseln auf und hielt sie hoch. Er erkannte, dass sie teilweise gestopft war, aber das war ja kein Problem. Anschließend begutachtete er das Kochgeschirr und ging zum nächsten.


    Schließlich erreichte er Voculas Pritsche, die er sofort daran erkannte, dass der Probatus die Dinge nicht 100% neben die richtigen Behältnisse gelegt hatte. Nunja, das war ja kein Problem - schließlich hatte er das noch nicht gelernt!
    Er stocherte mit dem vitis in der Decke und der Tunika. Bei der Tunika hatte sich der zuständige Optio im Magazin wohl einen Scherz erlaubt. Crispus hob das Kleidungsstück hoch. Es wies an vielen Stellen dunkle Flecken auf - wahrscheinlich das Blut des Feindes - aber an einer Stelle offensichtlich das eigene, denn ein Riss unter dem Arm war besonders braun. Wahrscheinlich ein Stick an diese ungeschützte Stelle.


    "Geh beizeiten ins Magazin und lass dir 'ne neue geben. Die kann das Schlitzohr selber tragen."


    meinte er nur und ließ die Tunika auf den Boden fallen.

    Crispus ignorierte die großen Augen, denn schon liefen die beiden anderen Banditen auf sie zu und ließen ihre Schwerter kreisen. Der Centurio wich dem gewaltigen Streich aus und stieß wieder zu. Diesmal konnte er keine gefährliche Stelle erreichen, das Bein war daher das Ziel seiner Wahl.
    Der zweite Gegner wurde von Reatinus beschäftigt, doch ganz offensichtlich hatte Crispus das Herz verfehlt, was bedeutete, dass auch der Anführer sich früher oder später wieder würde einmischen...


    Sim-Off:

    es sind 3 Banditen ;)

    Crispus betrachtete seine Männer - besonders die etwas angeschlagenen Probati. Noch waren sie von der Ausbildung völlig mitgenommen, aber dies war erst der Anfang. Bald schon würden sie sich an derartiges gewöhnt haben.


    "Guten Morgen, Männer.


    An diesem Scheißtag brauchen wir natürlich eine Beschäftigung, deshalb möchte ich in einer uncia* nachsehen, ob eure Ausrüstung in tadellosem Zustand ist.


    Abite!" (Wegtreten!)


    Damit begab sich Crispus unter den Porticus und verfolgte mit den Augen die Männer, die hastig zurück in die Unterkünfte eilten, um ihre Ausrüstung zu überprüfen.


    * ca. 5 Minuten

    Unnachgiebig eilte der Centurio hinter den Probati her - er wunderte sich, dass einige besonders beflissentliche vorspurteten - offensichtlich hatten diese die Strecke völlig falsch eingeschätzt.
    Die Einschätzung bewahrheitete sich bereits nach der zweiten Runde, als die vormaligen Spitzenreiter hechelten wie Jagdhunde nach einer Hirschjagd im Hochsommer. Aber der Centurio ließ sich nicht beeindrucken.


    "Pergite!"


    brüllte er immer wieder, wenn einer hinter das Feld zurückfiel. Hin und wieder schubste er auch einen der Männer vorwärts, sodass diese teilweise sogar etwas strauchelten.


    "Ihr wollt Milites werden und keine Vestalinnen! Also lauft!"


    Nach der dritten Runde blieb Crispus stehen und überließ es dem Optio, die Truppe über die letzten Runden zu treiben, denn das Alter meldete sich. Abgesehen davon war das nicht seine Grundausbildung.
    Direkt vor der Tribüne stehend brüllte er jedoch trotzdem weiter und merkte sich bereits Gesichter von vielversprechenden und weniger vielversprechenden Kandidaten.
    Endlich waren die Männer fertig und kamen vor ihm zum Stehen. Die meisten schnauften als würden sie die Luft für den Rest ihres Lebens sammeln.


    "State!" (Stillgestanden!)


    brüllte der inzwischen völlig erholte Centurio.


    "Jetzt kommen wir zum Marschieren - Optio?"

    An einem wunderbaren regnerischen Tag erschien der Centurio vor der centuria seiner Centurie und weckte den Cornicen, damit dieser alle weckte. Er zog den Mantel enger und die Kapuze tiefer ins Gesicht, dann brüllte er zur Unterstreichung des Hornsignals


    "Milites venite!" (Angetreten!)


    Nachdem die ersten Köpfe auftauchten und kurz darauf einige verschlafene Gestalten, die ebenfalls in hässlichen und teilweise geflickten Militärmänteln gehüllt waren, erschienen, fügte er noch ein


    "Milites, state!" (Stillgestanden!)


    an.

    Crispus verfolgte die Übungen und sagte vorerst nichts dazu. Reatinus machte das ganz gut, obwohl er sich dachte, dass der Optio ruhig etwas lauter werden konnte.
    Mit dem vitis schlug er einige Probati in die Linie, bis alles ordentlich stand. Dann ging er wieder ein wenig auf Distanz.
    Nun ging es zum Gruß. Er empfing den Gruß der Probati und klopfte sich ebenfalls aufs Herz.


    "Salvete, Probati!"


    Offensichtlich waren manche etwas gelangweilt, aber das würde den Burschen schon noch vergehen...denn nun ging es zum Laufen. Diese zweieinhalb Doppelmeilen* würden ziemlich anstrengend sein - auch für den Centurio, der mitlaufen musste und die Männer antrieb.


    "Pergite! Cursim!" (Marsch! Im Laufschritt!)


    brüllte er und scheuchte die Männer los. Danach würde es keinem mehr langweilig sein, da war er sich sicher!



    * 8 Kilometer ;)

    Crispus Dösen wurde unterbrochen, als sich plötzlich drei wilde Gestalten vor ihm aufbauten und einer von ihnen in gebrochenem Latein nach ihren Geldbeuteln verlangten. Blitzschnell war der Centurio hellwach und begann, die Möglichkeiten abzuschätzen. Er wusste, dass er nur einen Dolch gegen die Schwerter der Banditen zu bieten hatte. Andererseits war er kampftrainiert und sein junger Optio ebenso. Banditen hingegen waren häufig gerade mal in Waffenbesitz und hatten keine Ahnung, wie man damit umging. Trotzdem waren drei Schwerter verteilt auf drei Männer sehr gefährlich, wenn man nur einen Dolch und vier Fäuste entgegenzusetzen hatte.
    Aber Reatinus hatte offensichtlich schon alles eingeschätzt, denn er provozierte die Burschen sofort. Nunja, er hatte seine paar Sesterzen auch sicher nötiger als der gutbezahlte Centurio.
    Einen Moment überlegte er - sie würden vielleicht zwei Augenblicke haben, bis die Männer ihre Schwerter gezogen hatten. Bis dahin würde sein Dolch einen außer Gefecht setzen. Unter dem Mantel zog er vorsichtig den pugio.
    Dann konnte Reatinus die Waffe nehmen und sie standen Dolch und Schwert gegen zwei Schwertkämpfer. Das dürfte kein Problem mehr darstellen.
    Er blickte kurz zu seinem Optio, dann blitzte die Klinge des Dolches auf und bohrte sich in den Brustkorb des Anführers, um sofort wieder zurückzuschnellen.

    Crispus musterte die Männer. Einige wirkten vielversprechend, andere eher so, als würden sie ihre Ausbildung nicht zur Hälfte beenden. Mit Vorfreude begann er seine kleine Ansprache.


    "Guten Morgen, Probati!


    Ich bin Marcus Petronius Crispus, für euch Centurio Petronius und das ist Optio Artorius. Wir beide werden in der nächsten Zeit Männer aus euch machen.


    Männer, die tagelang marschieren, ohne zu murren.
    Männer, die den Feind eiskalt ins Auge fassen und ihn töten.
    Männer, die bereit sind, für Kaiser und Staat zu sterben.


    Doch der Weg dorthin ist steinig und lang. Ihr werdet mich hassen, denn ich werde euch an eure Grenzen führen und darüber hinaus. Ihr werdet murren und jammern, aber ich werde gnadenlos sein, denn auch der Feind, dem ihr einst gegenüber steht, wird gnadenlos sein.


    Je schneller wir vorankommen, umso kürzer wird es, also fangen wir sofort an."


    Sim-Off:

    Prinzip der Ausbildung: Ich befehle etwas, du beschreibst dessen Ausführung. Je ausführlicher, desto besser.
    Wenn du immer alles mit einem Satz abhandelst, werde ich die Übung möglicherweise mehrmals wiederholen. :]


    Der Centurio ging ein paar Schritte und stand nun an der Seite der Formation. Dann blickte er zu Reatinus.

    Der Centurio marschierte ebenfalls die Reihen auf und ab und hustete immer wieder zwischendurch. Vielleicht sollte er wirklich ins Valetudinarium...


    Als Legionär Quintus am Schießen war, blieb er genau hinter dem Geschütz stehen. Er erkannte sofort, dass der Schuss zu weit gehen würde, sagte jedoch nichts. Erst, als das Geschoss im hohen Bogen über die Übungspuppe hinausschoss, stieß er den Legionär mit seinem vitis an.


    "Streng' dein Hirn an, Legionarius! Du musst etwas vom Gewicht eines Pilums ins Ziel bringen, nicht vom Gewicht eines Felsens."


    Brutus lachte schadenfroh, aber der zornige Blick des Centurios traf ihn.


    "Legionarius Brutus. Offensichtlich willst du uns zeigen, wie es besser geht!"


    Er wies mit dem Stock auf die Ballista. Langsam ging der Gescholtene beiseite und ließ Brutus an die Reihe, der umständlich einen Pfeil einlegte und so sorgfältig zielte, wie es Crispus noch nie gesehen hatte.


    "Wird's bald, Legionarius?"


    brüllte Crispus und musste sich erst einmal räuspern.


    Brutus feuerte und traf die Puppe in den Arm.


    "Glück gehabt. Ein wenig zentraler nächstes Mal!"


    kommentierte der Centurio und schneuzte sich im Weitergehen...

    Crispus ging neben Reatinus, bei dem der Wein deutliche Wirkung zeigte. Der Centurio selbst spührte zwar ebenfalls die Wirkung des Weines, der eine leichte Wärme im ganzen Körper erzeugte, die die Kälte durch den aufgeweichten Mantel wieder ausglich. Sein Blick war starr auf den Boden vor sich gerichtet, weshalb er verwirrt aufblickte, als Reatinus ihn ansprach.
    Müde blickte er ebenfalls zurück und sah - nichts!


    "Ach, das war sicher nur ein Hund, der nicht schlafen kann!"


    versuchte er, den paranoiden Optio zu beruhigen. Offensichtlich wurde dieser keineswegs ruhig, wenn er getrunken hatte...

    Crispus war gerade dabei, einen Bericht über den Zustand seiner Centurie zu verfassen, als ein lässig pfeifender junger Bursche hereinplatzte, zu dem die Militärkleidung, die er trug, ganz und gar nicht passte - also ein neuer Rekrut.
    Der Centurio fixierte den Neuen eiskalt.


    "Erstens klopfst du an,
    Zweitens: Gibt es einen Grund für deine gute Laune?
    Drittens: Du meinst wohl Optio Artorius, oder seid ihr schon Freunde geworden?
    Viertens: Du schaust hier nicht vorbei, sondern meldest dich."


    Damit erhob er sich und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Langsam ging er auf Vocula zu.


    "Du bist jetzt in der Armee. Melde dich im Contubernium* I, da ist ein Platz frei. Für fragen wendest du dich an Optio Artorius, der führt dein Contubernium. Morgen früh bei Sonnenaufgang bist du auf dem Exerzierplatz."


    Dann drehte er sich weg und ohne ihn auch nur einmal anzusehen befahl er


    "Abi!" (Wegtreten!)


    Damit kehrte er auf seinen Platz zurück und notierte sich, dass er eine Personalakte des Neuen anfordern musste.


    * Wiki-Artikel

    | Legionarius Brutus
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    Brutus gehörte nicht zu den begeistert loseilenden. Er liebte den Nahkampf, am besten ohne Waffen. Diese dämliche Artillerie war ohnehin nur für feige Belagerungen vorgesehen! Gemeinsam mit Quintus und Gaius, sowie 2 anderen Legionären schnappte er sich trotzdem ein Geschütz und begann als erster, die Apparatur nach den Anweisungen des Optios zu laden.
    Quintus ging sogleich hinter die Balliste und schielte über den Pfeil in Richtung Ziel.


    "Weg da!"


    fuhr Brutus ihn an und schubste ihn weg. Das war sein Schuss und den wollte er hinter sich bringen! Sorgfältig peilte er die Übungspuppe an und löste dann aus.
    Wie die Hirschkuh mit den goldenen Hufen schoss das Projektil aus der Apparatur und flog geradewegs über die Puppe hinweg in Richtung Germania Libera. Zu weit.


    "Zum Orcus!"


    fluchte Brutus wieder einmal und lud erneut. Diesmal zielte er genau auf die Puppe und feuerte erneut. Endlich traf er.




    Crispus verfolgte mit den Augen jede Bewegung des Bechers, wobei er den auf die Hände gestützten Kopf nicht bewegte. Auch er wurde langsam müde nach diesem anstrengenden Tag. Er seufzte. Im Augenblick hatte er so gar keine Lust auf den alltäglichen Drill, für den er verantwortlich war.


    "Ja, gehen wir."


    Damit erhob er sich und ging zum Wirt, dem er ein paar Sesterzen aus dem Geldbeutel zählte. Die Zeche war nicht allzu hoch geworden, aber Reatinus hatte gut gewürfelt, was den alten Würfelfreund Crispus ein wenig wurmte.

    Crispus stand schweigend daneben. Der Optio machte seine Sache hervorragend. Und das war gut, denn er selbst war kaum dazu fähig, zu schreien. Vielleicht sollte er doch einmal das Valetudinarium besuchen...


    Als Brutus sich wie gewohnt dämlich anstellte, seufzte Crispus. Er würde den Burschen wieder einmal für die dritte Wache einteilen. Dann hatte er Zeit, darüber nachzudenken, was er so alles vergaß.


    Keiner der Männer schien Fragen zu haben, aber wahrscheinlicher war, dass es keiner wagte zu fragen. Aber die meisten würden es auch durch das Tun lernen. Und die andern würden es einfach nachmachen.

    Als der Legatus an ihm vorbeikam, hielt Crispus die Luft an. Er wurde nicht inspiziert, dafür jedoch einige seiner Männer. Als Brutus stehen gelassen wurde, atmete der Centurio erleichtert aus. Brutus machte immer Ärger und bei jeder Inspektion war für ihn etwas zu bemängeln. Wahrscheinlich war er einfach zu dumm, sich anständig vorzubereiten...