Endlich war die gesamte Legion angetreten: Auf der einen Seite die Reiterei, gegenüber der Stab und die Signifer, sowie die Leibgarde des Legaten und der Tribune, auf den beiden anderen Seiten die Legionäre.
Die Hörner erklangen und aus den Reihen der Legionäre trat die erste Cohorte vor. Der Primus Pilus brüllte Kommandos:
"State in Ordine!"
Die Legionäre bildeten ein Rechteck und nahmen blitzschnell Haltung an.
"Ad sinistram!"
Die erste Kohorte drehte sich wie ein Mann zur Tribüne mit den Ehrengästen.
"Ad dextram! In duos Ordines"
Die Männer drehten sich zurück und teilten sich: Die eine Hälfte machte zwei Schritte nach Rechts, die andere nach Links.
"Pila dorsum!"
Es gab einen lauten Schlag, als alle Legionäre ihre Pila aufs Pflaster knallten. Die Synchronie, mit der sie arbeiteten, war sogar für die anderen Legionäre beeindruckend.
"Pila sursum!"
Die Männer nahmen wieder gleichzeitig ihre Pila auf und blickten dabei noch immer ausdruckslos geradeaus.
"In aciem venite!"
Wieder gab es ein beeindruckendes Schauspiel: Die Legionäre der vorderen Reihen traten nach außen, sodass sich Zwischenräume bildeten. In diese Zwischenräume traten nun die Legionäre der hinteren Reihen. Somit bildete sich eine Schlachtreihe von einem Ende des abgesperrten Platzes zum anderen.
"In Ordine!"
Wieder bildeten die Männer mit derselben Präzision ein Rechteck.
"Testudo!"
Die Soldaten rissen ihre Scuta hoch und bildeten die berühmte Formation der römischen Legionen.
"Cuneus!"
Diesmal rissen die Soldaten die Schilde wieder hinunter und bildeten ein gleichseitiges Dreieck, das auf beiden Seiten mit Schilden gepanzert war.
"Ordo apertus!"
Diesmal hatte man fast das Gefühl, die Legionäre liefen etwas planlos umher, doch innerhalb von wenigen Augenblicken stand ein Rechteck aus Soldaten da, wobei zwischen den Soldaten jeweils etwa ein Meter Abstand lag. Mit dieser Formation konnte man im Felde auf bestimmte Taktiken reagieren - sie war einer der Vorteile gegenüber der Phalanx.
"In duos agmines!"
Die Soldaten bildeten gegenüber auf den beiden Seiten des Platzes Marschordnungen, die jedoch nicht nach vorn, sondern sich jeweils anblickten.
"Pergite et permutate!"
Nun setzten sie sich in Bewegung. Dabei gingen die Soldaten jeweils auf Lücke zwischen den gegenüberliegenden hindurch und tauschten dabei ihre Pila aus. Dieses Vorgehen hatte keinerlei praktischen Nutzen, jedoch beeindruckte es den unbedarften Zuschauer.
Schließlich kam der letzte Befehl
"In ordine! Regredite!"
Damit bildeten die Legionäre der I. Kohorte wieder ihr Rechteck und traten zurück in die Reihen der übrigen Legionäre am Rand.
Nun erklangen erneut die Hörner mit einem anderen Signal und die zweite Kohorte trat vor. Sie bildeten ein Quadrat und das Kommando des Secundus Pilus Prior erschallte:
"Testudo!"
Innerhalb eines Wimernschlags rissen die Legionäre ihre Schilde hoch und bildeten wie ihre Vorgänger die Schildkröte. Erneut erklang ein Signal und zwei Männer traten vor: Es waren zwei Centuriones von der zweiten Cohorte und nun gingen sie auf die Schildkröte zu. Jeder von beiden hatte zahlreiche Auszeichnungen auf der Brust und einen leuchtend farbenen Helmbusch, sowie ein reichverziertes Rundschild. Diese beiden Männer schwangen sich nun von zwei Seiten auf die Testudo und stiegen vorsichtig auf ihrem Dach in Richtung Mitte. Noch einmal erklang der Secundus Pilus Prior
"Salutate!"
Nun drehten sich die beiden Centurionen zur Tribüne, zogen ihre Gladii und hoben diese zum Gruß.
"Ave, egregii! Pugnaturi te salutant!"
Dann wandten sie sich wieder gegenseitig zu und erneut erscholl ein Trompetensignal, woraufhin die zuschauenden Legionäre mit ihren Pila auf ihre Schilde trommelten, was ein dunkles Donnergeräusch erzeugte. Währenddessen rissen die Centurionen ihre Schilde hoch und umtänzelten sich - sogut es eben auf einer Testudo ging. Dort, wo die beiden auftraten, sanken die Schilde gelegentlich leicht ab, wurden jedoch dann wieder angehoben. Für die Legionäre im Innern der Testudo war dies eine harte Kraftprobe, für die Centurionen oben eine Frage des Geschicks...