Beiträge von Manius Tiberius Durus


    Die Zeit war vergangen, man hatte das gesamte Mauerwerk des Atriums und der umliegenden Räume abgetragen. Der Maiordomus selbst hatte die Arbeiten kontrolliert, sodass es schnell und effizient vor sich gegangen war. Daher existierte nun ein großer, freier Platz mitten im dicht bebauten Rom, abgesperrt durch Zäune und Tag und Nacht von Sklaven bewacht. In einer Ecke hatte man die noch brauchbaren Ziegel gestapelt, das Übrige war einfach aus der Stadt geschafft worden. Nun stand jedoch der nächste Arbeitsschritt an: Aus einer Vielzahl junger (und alter) Architekten hatte Durus selbst den vielversprechendsten ausgewählt, der nun den Auftrag hatte, die Aufbauarbeiten zu leiten. Er hatte einen Plan vorgelegt, der nun ausgeführt werden konnte.


    Nachdem nun der winterliche Frost voraussichtlich vorüber war, konnte auch endlich mit dem eigentlichen Bau begonnen werden: Nacht für Nacht (denn tagsüber waren Karren verboten) erschienen Ochsengespanne, die Ziegel, Mörtel und weitere Baumaterialien auf die Baustelle schafften. Außerdem hatte man einen Kran aufgebaut, der von mehreren Sklaven bedient werden musste - die Grundsteinlegung war nicht mehr weit!

    Tiberius Durus hatte bei seinem Gespräch mit Corvinus bereits von dieser Kandidatur erfahren. Außerdem hatte er ihn als Ehemann für seine Arvinia angeboten bekommen - und man hatte sich geeinigt, dass er der passende Gatte war. Aus diesem Grund verstand es sich von selbst, dass Durus seinen neuen Verwandten unterstützte und gab eine Wahlempfehlung ab, kaum dass Orestes geendet hatte.


    "In meiner Funktion als Pontifex kann ich bestätigen, was Aurelius Orestes sagte: Er erfüllte seinen Dienst gewissenhaft und angemessen! Daher bin ich überzeugt, dass er das Amt des Decemvir stlitibus iudicandis ebenfalls hervorragend ausfüllen wird!"


    Im Grunde war er noch nicht gewählt, doch Durus glaubte, dass Orestes sehr gute Chancen hatte - und natürlich nicht zuletzt wegen seiner Wahlempfehlung :D

    Tiberius Durus hatte nach seinem privaten Mahl mit Corvinus zuerst ein wenig hinter dem Berg gehalten mit seinem Gespräch. Nun jedoch raffte er sich auf und ließ nach Arvinia schicken - leider noch immer in einer ehemaligen Abstellkammer, die zu seinem Tablinium umfunktioniert worden war, bis die Villa neu aufgebaut war.


    Ein wenig nervös war er schon...offenbahrte er ihr doch immerhin ihre Zukunft!

    Manius Tiberius Durus war persönlich zu dieser Veranstaltung geladen worden und da er Gracchus als einen politischen Freund betrachtete (dem er zudem persönlich auch zugetan war), war er selbstverständlich erschienen, um der Veranstaltung ein mehr wenig Glanz zusätzlich zu verleihen. Er war tatsächlich etwas überrascht gewesen, dass er zum Praetor kandidierte, doch andererseits war dies auch wieder eine Verpflichtung, um höhere Ehren zu erreichen.


    Natürlich saß er in der ersten Reihe, denn es waren nicht ausreichend Consulare erschienen, die den Platz vor den Praetoriern erlangt hätten. So konnte er das Opfer besonders gut verfolgen - es war erwartungsgemäß pompös und korrekt ausgeführt, obwohl Gracchus aufgrund seines Sprachfehlers an einigen Stellen etwas undeutlich sprach. Ein besonders strenger Kontrolleur hätte es möglicherweise nicht gelten lassen - doch da er die Annahme selbst entschied, konnte er natürlich eine Litatio verkünden.


    Und dann begann es endlich: Während ihm Diener süße Früchte und Wein in die Hand drückten, blickte Durus gespannt auf die Tore, aus denen hoffentlich gleich Gladiatoren kommen würden. Ob es wieder einmal eine klassische Präsentation werden würde? Davon hatte er in letzter Zeit besonders wenig gesehen!

    Während Durus so nachdachte, wurde er von der Worten des Matinius Agrippa aus den Gedanken gerissen: Offensichtlich traute der Senat nicht mehr dem Collegium der Pontifices! Dabei waren sie doch die Experten! Und obwohl Durus nicht in der Stimmung war, sich an großen Debatten zu beteiligen, meldete er sich zu Wort.


    "Die Pontifices sind der Meinung, dass wir rasch handeln müssen und sich deshalb gegen die Befragung der Bücher entschieden. Sie würde zweifelsohne lange dauern und am Ende möglicherweise ebenfalls ein unklares Ergebnis bieten. Aus diesem Grund möchte ich dem Senat mit Nachdruck die Befolgung des Ratschlages nahe legen, ehe die Götter uns mit härterem strafen als einem Blitz zur Warnung!"


    Irgendwie war sich Durus einen Augenblick lang nicht sicher, ob das, was er sagte, auch den Göttern gefiel. Vielleicht sollte man tatsächlich die Sibyllinischen Bücher befragen, um sicher zu gehen? Oder war das tatsächlich doch gefährlicher?


    Wenn die Götter ihn selbst straften, war jede Entscheidung schon wesentlich schwieriger zu treffen!

    Offensichtlich zeigte Corvinus Verständnis, was Durus auch erwartet hatte. Und schon war er bei einem weiteren Thema, das damit eigentlich zusammenhing: Offensichtlich wollte auch Orestes sich endlich ins politische Leben stürzen! Seine Arbeit als Sacerdos war tatsächlich bereits auffällig gut gewesen, daher war es nicht verwunderlich, wenn er sich nun ein noch ehrenhafteres Betätigungsfeld suchte. Und offensichtlich hoffte Corvinus, auch für ihn Unterstützung von Durus zu erhalten - wenn sein letzter Satz nicht sogar fast Missbilligung für die Unterstützung des Decimers ausdrückte!


    "Orestes ist ein ehrenhafter Mann - ich denke, dass sich seine Unterstützung von selbst versteht."


    kommentierte Durus, denn natürlich würde er einen derartig traditionsverhafteten jungen Mann nicht hindern wollen - außerdem war es ja möglich, dass er sich mit den Tiberiern verband, da war es wichtig, dass er erfolgreich war!

    "Ich muss noch einmal betonen, dass dieses Gesetz überflüssig ist und darüber hinaus nicht der Mos Maiorum entspricht!"


    bemerkte Durus noch einmal, als Avarus wieder einmal dazwischenredete - ahnungslos, wie er selbstverständlich dachte.


    "Die Tribunicia Potestas ist unter Paragraph XVIII, fünf und vierzehn erklärt, das Imperium Proconsulare Maius unter Absatz acht und die Lex Provincialis. Ich bin zwar der Meinung, dass diese Form nicht unbedingt gelungen ist, aber selbst wenn wir uns nicht entschließen sollten, die Rechte des Kaisers wieder in alte Formen zu bringen, so wäre unser Paragraph dennoch gänzlich überflüssig - und wie gesagt bringt er die Bedeutung der kaiserlichen Ehrennamen in keinster Weise zu der Geltung, die sie verdienen."

    Nachdem Durus vom a libellis mit der Arbeit eines a cognitionibus betraut worden war, machte er sich direkt an den Arbeitsort, um alles für die folgende Audienz beim Kaiser vorzubereiten. Natürlich fand er das Zimmer leicht und als ein Notarius eintrat, erkannte er ihn sogar wieder - er hatte schon zu seiner Zeit in dieser Abteilung gearbeitet und leitete inzwischen die Abteilung Politische Vergehen. Nachdem Durus mit ihm ein wenig geplaudert hatte, machte er sich endlich an eine Durchsicht der Dinge, was jedoch nicht gelang, denn die Eingänge hatte man einem Notarius zugeschickt, den der Tiberier erst finden musste. Dann endlich fand er, was er suchte: Rechtsanfragen, Berufungsverfahren an das Iudicium Imperialis, Einsprüche und weitere Rechtsprobleme. Glücklicherweise war das Gesetz zumindest dahingehend geändert worden, dass der Procurator nicht mehr alle Anklagen selbst führen musste, dennoch war es eine Menge Arbeit, die da auf ihn zukam...

    Wie erwartet wurde Durus durch das luxuriöse Anwesen direkt in den Speisesaal geführt. Dort wartete bereits der Hausherr in der Toga des Consuls - offensichtlich wollte er seinen Rang betonen, weshalb er auf die gemütliche Synthesis verzichtet hatte (oder er zog sich noch um). In jedem Fall ging der Tiberier mit einem breiten Lächeln, das er bereits vor Antritt seiner politischen Laufbahn gewissenhaft geübt hatte und deshalb jederzeit hervorzaubern konnte, auf ihn zu und begrüßte ihn


    "Ave, Consul! Ich danke Dir für Deine Einladung!"

    "Gut, dann werde ich gleich nachsehen, ob es dringende Fälle gibt."


    wobei er nicht davon ausging, denn er hielt Mattiacus für einen zuverlässigen Mann, der sicherlich keine wichtigen Dinge liegenließ. Abgesehen davon freute es ihn aber, dass er sich zumindest diese neugierigen Prätorianer vom Leibe halten konnte.


    Er verabschiedete sich und machte sich auf die Suche nach dem Officium des a cognitionibus.

    Nachdem Durus ebenfalls Ursus gegrüßt hatte und die entwürdigende Tortur der Durchsuchung über sich ergehen hatte lassen (obwohl er doch im Augenblick die Aufgaben eines Procurators innehatte), machte er sich an den Aufstieg des Palatins, immer schön hinter den beiden Germanicern. Auf dem Weg traf er sogar noch einen Scriba, den er aus seiner Zeit als Procurator kannte und plauderte ein paar Worte, sodass er sogar noch nach den Germanicern an der Porta der Domus Aeliana ankam.


    Da der Sklave unten hatte warten müssen, musste er selbst an den Ianitor herantreten und darauf warten, dass man ihn hereinbat - seinen Namen brauchte er nicht zu nennen, denn immerhin war das nicht sein erster Besuch und der Sklave hatte zweifelsohne eine Gästeliste!

    Rechtsfälle ansehen? Sehr interessant, dass er dies ohne eine offizielle Beauftragung durfte. Aber andererseits war es ja nicht sein Problem! Also stimmte er zu.


    "Dann werde ich mir das ganze gleich ansehen."


    Sicherlich gab es das ein oder andere zu bearbeiten - schließlich war Mattiacus schon ein Weilchen unterwegs!

    Kurz nach der Sänfte der Germanicer tauchte eine Sänfte auf, die ihren schlimmsten Feind beherbergte - glücklicherweise konnte Durus dies nicht von innen sehen, denn sonst hätte er zweifelsohne dafür gesorgt, dass seine Sklaven die der Germanicer verprügelt hätten (oder zumindest versucht, vor ihnen einzutreten). Doch so verließ er die Sänfte erst, als der Sklave, der geduldig hinter dem des Sedulus stand und sich anschloss


    "Der ehrenwerte Praetorier und Pontifex Manius Tiberius Durus ist ebenfalls geladen!"


    Und da die Germanicer noch nicht ausgestiegen waren, ließ Durus sich ganz unbedarft seine Synthesis richten, die heute in leuchtendem Blau erstrahlte (immerhin war Quarto einst der Princeps der Veneta gewesen!).

    "Ich wäre gern bereit, mich an einer praktikablen und zugleich schlichten Ausarbeitung zu einem Gesetz zu beteiligen."


    warf Durus ein, denn die Lex Provincialis war seiner Meinung nach ohnehin unpassend und der Mos Maiorum nicht angemessen - die Väter hatten so gute Regelungen gefunden, zuerst für ihre latinischen Bundesgenossen, dann sogar für die Griechen und Barbaren! Und dann hatte man all das zugunsten einer Quasi-Zentralverwaltung, die den römischen Staat jeden Tag vermutlich tausende Sesterzen kostete, abgeschafft!

    | Stesichoros


    Jetzt klingelte es bei Stesichoros:


    "Ah, du meinst ANTE DIEM XIII KAL FEB DCCCLIX A.U.C. (20.1.2009/106 n.Chr.)! Ich werde es ihm sagen!"


    Allerdings verwunderte es den Sklaven, dass sein Herr so unförmlich angesprochen wurde - vielleicht war der Bote neu hier und kannte sich noch nicht so aus...


    Sim-Off:

    Kleiner Tipp: Hier kann man jedes Datum in römische Zeitzählung konvertieren ;)





    IANITOR – GENS TIBERIA

    So, möchte nur bekannt geben, dass meine Aktivität in nächster Zeit etwas eingeschränkter sein wird, da die heiße Klausuren-Lern-Phase in der Uni losgegangen ist. Also bitte nicht beschweren, wenn ich ein Posting mal übersehe oder etwas zum Antworten brauche. Wenn ich wirklich sehr lange brauche --> PN (oder wenns eilt).


    Gilt auch für Petronius Crispus!

    Nach der Sitzung des Senates war Durus völlig verstört bei dem Gedanken, dass die Götter ihn verflucht hatten - denn aus Freude über ihn hatten sie sicherlich nicht sein Haus abgebrannt! So war das erste, was er danach tat, nach einem Haruspex zu schicken - natürlich keinen von diesen Scharlatanen auf eigene Rechnung, sondern einem, der auch Magistraten zur Seite stand!

    Die Form der Inaugurationen war höchst fragwürdig, wie Durus voller Staunen feststellte: Der Kaiser verzichtete auf die althergebrachte, förmliche Sprache! So konnte man doch niemanden zum Rex Sacrorum, dem formell höchsten Priester machen! Durus presste die Lippen aufeinander, während das Schauspiel vor sich ging. Die Worte der neu Eingesetzten waren allerdings wieder genau so pathetisch und formelhaft, wie man es gewohnt war - zumindest hatten sie die richtige Wahl getroffen.


    Bei den Pontifices klappte dem Tiberier dann allerdings die Kinnlade herunter: Er fragte die Götter nicht einmal! Oder hatte er etwa seinen Astrologen mit dieser Aufgabe betraut, anstatt die althergebrachte Form des Auspiciums anzuwenden? Hatte dieser Kaiser denn überhaupt kein Gefühl für Tradition? Und hatte er zusätzlich noch dermaßen miserable Berater? Die Auftritte des Kaisers innerhalb des Cultus waren ja geradezu peinlich!

    Natürlich war auch Tiberius Durus anwesend, um die Debatte über das Prodigium, das erst vor Kurzem festgestellt worden war, zu hören. Vor allem jedoch war er auf die Reaktion der Consuln und vor allem des Blocks der Pediarii des Kaisers gespannt. Wie es Gracchus dann jedoch ausdrückte, klang es doch relativ nüchtern und neutral - völlig anders, als es noch im Collegium geklungen hatte!


    Doch Quarto ließ sich so leicht nicht überzeugen, sondern wies zusätzlich auf sein Haus hin, das noch immer mehr abgetragen als wiederaufgebaut wurde. Soeben hatte er erst wieder einen völlig unfähigen Architekten abgewiesen, der das Haus in irgendein neumodisches Kunstwerk hatte verwandeln wollen. Aber so etwas konnte er überhaupt nicht brauchen!


    Und dann wurde etwas gesagt, was Durus völlig übersehen hatte: Vielleicht war der Blitzeinschlag ein Zeichen gewesen? War es möglicherweise kein Zufall gewesen, dass sein Haus niedergebrannt war? Hatte er die Götter erzürnt? Bei diesem Gedanken erblasste der sonst so kühlte Tiberier regelrecht und war nicht fähig, die Zerstörung seines Hauses zu bestätigen - das musste er aber im Grunde auch nicht, denn jeder wusste davon!

    Als Vitamalacus eintrat, hatte Durus das Gefühl, dass ihm das Tragen der Toga irgendwie unangenehm war - er war eben doch mehr Soldat als Senator. Überraschenderweise waren die Worte, die er dann jedoch an den Senat richtete, eher von Vernunft als soldatischem Führerprinzip geprägt. Doch zweifelsohne richtete er damit das Augenmerk auf eine Sache, die der Senator in Rom oft vergaß. Nichtsdestotrotz war es jedoch die Wahrheit: Städtische Kultur war für viele Provinziale der wahre Segen des Imperiums und natürlich wollten sie diesen Segen auch selbst gestalten! Und als historisch gebildeter Mensch konnte Durus natürlich auch gleich mit konkreten Ideen aufwarten und so seinem Verwandten unter die Arme greifen:


    "Möglicherweise sollte der Status des Municipiums und der Colonia wieder in unsere Gesetzessammlung aufgenommen werden! Zwar tragen viele Städte auch in den Provinzen diese Titel, doch können sie sie nicht wahrnehmen, da das Gesetz sie nicht vorsieht.


    Das nähme uns zwar ein wenig Kontrolle, dafür würde es aber auch den Verwaltungsaufwand verringern und den Provinzialen mehr Vertrauen gegenüber uns geben."