Nachdem im Prinzip alles über die Bühne gegangen war, hatte Durus sich einem anderen Freund zugewandt und sich daran gemacht, die gerade dargebotene Veranstaltung zu kommentieren, ehe er eine kleine politische Diskussion anstieß (denn ausführlich über den Kaiser zu lästern, während dieser anwesend war, war doch etwas unverfroren). So merkte er es gar nicht, als der Kaiser ihn ernannte - bis plötzlich alle Augen auf ihn gerichtet waren: Verwirrt sah er sich um, dann flüsterte ihm sein Leibsklave zu, warum.
Als er den Grund erfuhr, erstarrte er. Verwirrt blickte er sich um: Hatte sich sein Sklave sicher nicht geirrt? Die Blicke gaben ihm jedoch Recht! Was hatte das jetzt wieder zu bedeuten? War der Kaiser verrückt geworden? Oder war er unsäglich dumm? War Durus nicht einer seiner schärfsten Kritiker? Hatte er nicht gerade eben noch über die Unfähigkeit des Kaisers schimpfen wollen? Und nun sollte er sein Stellvertreter sein? Dies war doch...verrückt!
Es dauerte eine ganze Zeit, bis er seine Fassung wieder zurückerlangte, dann zwang er sich jedoch zu einem freundlichen Blick - dem schwierigsten freundlichen Blick seines Lebens - und meinte
"Vielen Dank. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet!"
Und damit sagte er die absolute Wahrheit. Noch immer arbeitete sein Verstand auf Hochtouren - was wollte der Kaiser damit? Was es am Ende ein genialer Schachzug, ihn ruhigzustellen? War es eine Art Bestechung? Als Pontifex pro magistro konnte er kaum seinen Dienstherren kritisieren - man biss die Hand, die einen nährte, nicht! Und sollte Durus dieser Regel gehorchen? Sollte er nun die Aufgabe, den Kaiser an seine Pflichten zu erinnern, in die Hand nehmen? Aber wollte er das überhaupt? War das vor den Göttern vertretbar, einen so unfähigen Herrscher zu stützen?
"Ein paar Worte?"
Sein Freund, mit dem er sich gerade noch unterhalten hatte, stupste ihn an und riss ihn damit aus den Gedanken. Doch Durus hatte keine Ahnung, wie er nun reagieren sollte. Ihm fehlten sprichwörtlich die Worte! Krampfhaft versuchte er, irgendetwas aus seinem Erfahrungsschatz zu zaubern, was ihm hier helfen konnte...
"Ich...ich danke Dir, Pontifex Maximus! Ich...werde mein Bestes geben, Dich würdig im Collegium der Pontifices zu vertreten und in...im Sinne der Res Publica zu handeln."
Plötzlich kam es Durus, dass er diese neue Stellung auch einen Vorteil hatte: Er musste sich nicht ständig über den Kaiser ärgern! Und er konnte ihm genau das präsentieren, was ihm nützte! Er konnte regelrecht Einfluss auf ihn ausüben! Vielleicht war dies ein Fehler des Kaisers...vielleicht aber auch ein Glücksfall für den Staat!