Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Dies war nun endlich einmal ein Einwand des Kaisers, den auch Durus gutheißen konnte. Und er ging nicht davon aus, dass sich noch jemand meldete, denn der Flamen Dialis war viel zu krank, als dass er sich noch größere Aufgaben aufbürden konnte, der Flamen Martialis war für Durus einfach zu jung, um an die Spitze des Cultus Deorum zu gelangen - vielmehr war der Flamen Quirinalis ein sehr geeigneter Kandidat.


    Tatsächlich wagte es auch keiner, etwas gegen die Unterstützung des Kaisers einzuwenden, obwohl Curiatius Fistus so aussah, als wolle er sich sofort zum Flamen Quirinalis bewerben (doch das würde zweifelsohne erst danach entschieden werden). Noch einmal blickte Durus in die Runde, ob doch noch jemand aufstehen wollte, um seinen Hut in den Ring zu werfen.

    | Caius Optimus

    Zitat

    Original von Faustus Decimus Serapio
    [...]


    Durch den Ruck zogen meine Pferde jetzt immer weiter nach links, immer dichter an das blaue Gespann heran, ich hörte schon ein schrilles, kreischendes Geräusch, als unsere Deichseln gegeneinander schrammten. Mit der Rechten haschte ich nach den Zügeln, versuchte sie wieder zu fassen zu bekommen. Zugleich schwang das Band der Peitsche weiter, haarscharf an meinem Gesicht vorbei (zum Glück, denn ich mag mein Gesicht, und mir reicht eine Narbe bei weitem), und legte sich beim Zurückschwingen um meinen schmerzenden Unterarm. Da ergriff die Gelegenheit und packte es - genauso wie ich das mal bei einem sehr berühmten Auriga gesehen habe - wickelte es um meinen Arm, biss die Zähne fest zusammen und versuchte meinem heimtückischen Rivalen seine Waffe mit einem Ruck zu entreissen!


    Caius biss die Zähne zusammen, als er das schrille Kreischen von Metall, das an Metall schrammt, hörte. Er hasste hohe, spitze Geräusche und das hier zauberte eine Gänsehaut auf seine Arme (was allerdings besser war als Striemen wie die, die er bei seinem Nachbarn erzeugt hatte).


    Er glaubte schon, mit seiner Aktion Erfolg gehabt zu haben und wollte erneut zuschlagen, als sich die Peitsche plötzlich um den Arm des Soldaten wickelte und dieser sie mit einem Ruck an sich riss. Vor Schreck ließ Caius die Peitsche los und sah Serapio einen Augenblick ungläubig an - hatte er gerade seine Peitsche verloren?


    Doch dann hatte er sich wieder gefangen und ließ die Zügel schnalzen (mit der Peitsche konnte er seine beiden Pferde ja nicht mehr antreiben). Stattdessen versuchte er nun, mit Hilfe seiner Stimme die Pferde zu treiben.


    "Schneller, schneller! Lauft schneller!"


    Doch es nutzte nichts - Serapio blieb mit ihm gleichauf, auch, nachdem sie die vierte Runde antraten...





    AURIGA - FACTIO VENETA

    | Stesichoros


    Wie erwartet reagierte Dolabella eher unerfreut auf die Neuigkeit, sodass sogar ein lauter Schrei den Türhüter erschreckte. Nachdem er sich wieder einigermaßen gefangen hatte, meinte er


    "Sofort!"


    Und schon öffnete Stesichoros die Tür und führte den Bruder des Toten zu diesem, bereits andere aufgetaucht waren, um Abschied von Iuvenalis zu nehmen.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Als Durus sich umwandte, war Marhabal hinter ihm, der ein wenig erschüttert wirkte - wo hatte er eigentlich gesteckt, während sein Herr gestorben war? Er hielt den Ring des Alten in der Hand, während er Marhabal fest in die Augen blickte.


    "Ita est. Weißt du von einem Testament?"


    Es hatte keinen Sinn, in Trübsinnigkeit zu verweilen - es mussten alle notwendigen Dinge erledigt werden, sodass die Beerdigung zeitnah stattfinden konnte!

    Durus war es wieder einmal fast etwas peinlich, dass das alte Heirats-Thema angesprochen wurde, da er selbst bis zum heutigen Tage unverheiratet war - ein Problem, das Sestius bekanntermaßen nicht mit ihm teilte. Dieser hatte vielmehr eher zu viele Frauen gehabt, was ihm nun vorgeworfen wurde. Er selbst setzte jedoch gar nicht zu seiner Verteidigung an (vermutlich bekam er es wieder einmal nicht richtig mit), dafür jedoch umso heftiger sein 'Sprecher' im Collegium.


    "Es ist kein Verbrechen, zweimal geschieden zu sein - und sind wir doch einmal ehrlich: Was nützt eine Frau, die keine Kinder schenkt?"


    Zwar hatte der Tiberier keine Ahnung, ob es an Sestius Gallius oder seinen Frauen gelegen hatte, dass der Alte bis heute keinen Nachwuchs aufweisen konnte, doch plötzlich bemerkte er eine Mos, die die Pontifices fast vergessen hätten:


    "Pontifices, es ist einen geschiedenen Mann ohnehin nicht gestattet, das Amt des Rex Sacrorum zu bekleiden!"


    Der Pontifex, der Sestius verteidigte, verstummte und blickte Durus etwas verwirrt an. Offensichtlich hatte er dies aus irgendeinem Grund vergessen und musste sich nun rasch etwas einfallen lassen.


    "Der Pontifex Maximus könnte einen solch ehrenwerten Mann doch zweifelsohne von dieser Voraussetzung dispensieren, nicht wahr?"


    Etwas verunsichert schielte er zu Valerianus, doch schon sprang wieder ein Pontifex ein:


    "Ich halte es für nicht glückverheißend, wenn der Rex Sacrorum gegen die Mores Maiorum erwählt wird. Unter diesen Umständen würde ich dann doch Curiatius Fistus präferieren..."


    Einer der anderen Pontifices schien plötzlich ebenfalls eine Idee zu haben und verkündete


    "Warum nicht der Flamen Quirinalis? Er dient den Göttern seit langer Zeit, ist von absoluter Integrität und abgesehen davon, entspricht es der Tradition, einen Flamen zum Rex Sacrorum zu machen!"


    Der Flamen Quirinalis war tatsächlich eine Idee, wie Durus zustimmen musste. Andererseits würde das zweifelsohne zu einem Kampf um das Amt des Flamen Quirinalis führen, der wahrscheinlich ebenso moderationslos vonstatten gehen würde, wie es soeben geschah. Und dann würde die Sitzung sich wohl ins Endlose ziehen.


    Der Flamen selbst schien ebenfalls von der Idee, auf der Karriereleiter weiterzukommen, nicht unabgeneigt. Daher erhob er sich und meinte


    "Ich würde mich für das Amt zur Verfügung stellen - wenn der Pontifex Maximus der Meinung ist, ich wäre fähig, es auszufüllen."


    Das hatte Durus nicht erwartet: Niemand riss sich um das Amt des Rex Sacrorum, mit dem man gewissermaßen politischen Selbstmord beging. Er ging nicht davon aus, dass der Kaiser nun noch große Diskussionen dulden würde - eine solche Kandidatur konnte man ja praktisch nicht abschlagen!

    "Das lässt sich kaum pauschalisieren. Es ist ein Zusammenspiel beider Faktoren, würde ich sagen."


    erwiderte Durus knapp und blickte vorsichtig zu Corvinus. Dieser gehörte ebenfalls zum konservativen Lager der Patrizier (möglicherweise fast so konservativ wie Claudius Menecrates). Würde es nun zum Streit kommen, weil Corvinus jedwede Vermischung von Patriziern und Plebeiern ablehnte? Doch andererseits konnte sich der Tiberier nicht vorstellen, dass ein so junger Mann so verbohrt an längst überholte (die Lex Canuleia war vor mehr als 500 Jahren erlassen worden) Traditionen klammerte. Auch wenn der Geburtsstand sicher eine wichtige Rolle spielte...

    Sim-Off:

    sorry, total übersehen ;)


    Das schmeichelte Durus natürlich ebenfalls! Flavus stellte es sehr geschickt an, indem er den Tiberier bei seinem größten Stolz - der politischen Erfahrung - packte. Vielleicht war Durus sogar ein wenig zu begeistert von dem Jungen...


    "Hm, das wichtigste ist vielleicht...Versichere dich, dass du gewinnst, ehe du etwas vor den Senat bringst - egal ob Kandidatur oder Antrag."


    Durus wusste das aus eigener Erfahrung. Bei seinen Kandidaturen war er stets siegessicher gewesen, bei einem seiner Anträge hingegen war alles in der Luft zerrissen worden. Seitdem war er wesentlich vorsichtiger geworden...


    "Und vergiss deine Freunde nicht, natürlich!"


    fügte er hinzu und lachte kurz auf, als ihm klar wurde, dass dies auch wie eine Ermahnung klingen konnte, ihn selbst nicht zu vergessen! Doch andererseits waren stabile politische Freundschaften tatsächlich eine sehr wichtige Sache...

    Durus war sehr erstaunt ob des überraschenden Vorschlags der beiden jungen Damen. Ob sie Arvinia bereits kannten? Oder waren die Aurelier noch fremdenfreundlicher, als er sich das auch nur vorstellen konnte? In jedem Fall war Durus heute guter Laune und meinte


    "Von mir aus - aber kommt zeitig wieder!"


    So wie er sich kannte, würden sich seine Gespräche sowieso nur um Politik drehen und damit kannten sich Frauen sowieso nicht aus (obwohl Albina ihn neulich schon ein wenig beeindruckt hatte mit ihren klugen Überlegungen). Damit ließ er sich von der Sklavin ins Triclinium führen, wo der Hausherr sicher schon wartete.

    | Stesichoros


    Wieder einer dieser Lakaien, die grundsätzlich jedem misstrauten und am liebsten alles selbst machten. Sollte er einen Centurio vor der Tür stehen lassen oder mit ihm gemeinsam suchen? Wobei das möglicherweise peinlich wurde (wenn Titus etwa gerade dabei war, sich mit irgendwelchen Sklavinnen des Hauses zu vergnügen) - also ließ er ihn am besten ins Vestibulum und holte Titus herbei.


    "Jaja, schon gut. Tritt ein und warte hier einen Augenblick, ich hole Titus her."


    Damit öffnete Stesichoros die Tür und ließ Licinus ins Vestibulum, die Eingangshalle. Sie war beiweitem nicht so groß wie das Atrium, aber dennoch zeugte sich von Macht und Einfluss der tiberischen Familie. Dem Soldaten wurde ein Bänkchen angeboten, dann lief Stesichoros davon, um Titus zu finden.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    | Stesichoros


    Faustus Tiberius Dolabella? Bruder des Appius Tiberius Iuvenalis? Stesichoros konnte sich erinnern, dass er von irgendeinem Sklaven gehört hatte (war es dieser Marhabal gewesen?), dass Iuvenalis einen jüngeren Bruder hatte. Das war er offensichtlich!


    Doch leider konnte Stesichoros dem Manne nicht weiterhelfen. Und das so knapp! Denn just an diesem Morgen war Appius Tiberius Iuvenalis, Procurator a memoriae am römischen Kaiserhofe, in der Villa Tiberia sanft entschlafen. Daher setzte der Ianitor eine traurige Miene auf (obwohl es ihn so hart nicht traf, dass der Alte tot war) und antwortete knapp


    "Der Dominus Iuvenalis ist heute morgen zu den Ahnen gegangen. Mein Beileid."


    Er senkte den Kopf und schniefte, als würde er still trauern, obwohl er in Wahrheit nur den Rotz seiner Erkältung an einen besseren Ort brachte.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Durus war ebenfalls gerade aufgestanden und ließ sich ankleiden, als ein völlig aufgelöster Sklave im Raum erschien und japsend ausstieß, dass Iuvenalis sich nicht mehr rührte und wohl tot sei. Sofort schubste der Pontifex seinen Sklaven, der die Toga gerade in Falten legte, beiseite und folgte dem Boten ins Cubiculum des Alten.


    Dort lag er, bereits leichenblass, mit einer Haut wie aus Wachs, die Augen geschlossen. Fast wirkte es, als würde er schlafen, würde man nicht das Erschlaffen seiner Muskeln bemerken, die das Gesicht auf eine Weise entstellten, die schwer zu beschreiben war. Er lag da und sah aus wie Appius Tiberius Iuvenalis - und irgendwie auch überhaupt nicht! Wie war das nur gekommen? Er hatte nie etwas mitbekommen davon, dass Iuvenalis krank oder altersschwach war (nunja, eigentlich hatte er allgemein kaum etwas von Iuvenalis mitbekommen, der eher zurückgezogen lebte). Er hätte doch noch so viel mit dem Alten zu bereden gehabt! Er hatte sich nicht einmal über den Vorfall bei jener Cena aussprechen können, bei der er Iuvenalis quasi herausgeworfen hatte! Ob der Geist des Alten ihn nun heimsuchen würde?


    Es dauerte eine Weile, bis Durus sich klar wurde, was zu tun war: Er musste die notwendigen Rituale durchführen, dafür sorgen, dass Iuvenalis ordentlich begraben wurde! Er wusste, dass der Alte einen Bruder hatte - doch dieser war nicht in Rom (zumindest wusste Durus noch nichts davon). Also musste er die Aufgabe des nächsten Verwandten übernehmen:


    "Have, Appius!"


    rief er also und beugte sich zu der Leiche hinab. Dann ergriff er den Arm, der wohl nur durch die Wärme der Decken nicht erkaltet war und streifte Iuvenalis seinen Ring vom Finger, wie es die Tradition verlangte...

    An diesem Nachmittag spazierte Durus gerade durch das Atrium, als ihm der auffällig schwarze Himmel ins Auge sprang. Einen Moment war er ratlos - war es schon so spät? Immerhin wurde es Winter und die Tage immer kürzer! Aber andererseits...das Donnergrollen wies eher auf ein Unwetter hin! Einerseits war es normal, dass es im Winter ein wenig häufiger regnete, doch das dort hatte eher etwas von einem Sommergewitter - kurz und heftig!


    Letztendlich beschloss Durus, dass doch nichts zu machen war und ging weiter ins Tablinium, als er plötzlich einen gewaltigen Schlag hörte. Durus hatte fast das Gefühl, dass die Erde kurz gebebt hatte und stürzte zurück ins Atrium: Ihm bot sich ein Bild, das er sich in seinen düstersten Träumen nicht ausgemalt hätte: In der Decke klaffte ein riesiges Loch, zerborstene Dachziegel lagen auf dem Boden herum und es breitete sich ein verbrannter Geruch aus! Der Qualm aus dem Loch deutete darauf hin, dass der Dachstuhl Feuer gefangen hatte! Und aus irgendeinem Grund schien das Gewitter ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt weiterzuziehen, denn der Regen hatte stark abgenommen, sodass er die Flammen kaum löschen konnte, die nun auch durch das Loch im Dach zu sehen waren.


    "Feueer!"


    brüllte Durus so laut er konnte, während sein Herz zu rasen begann. Was sollte er jetzt tun? Wie gefährlich war so ein Feuer? Und wie war es zu löschen? Und was war in Sicherheit zu bringen? Die Ahnen! Wenn das Feuer stärker wurde, würde die Hitze am Ende die Totenmasken seiner Vorfahren schmelzen und sie wären für immer verloren!


    Erst jetzt bemerkte Durus andere Hausangehörige, die im Atrium standen und noch ganz erstarrt wirkten von dem Schock, nun aber zu ihm blickten.


    "Nehmt die Wachsmasken und bringt sie in Sicherheit!"


    brüllte Durus ihnen zu und stürzte selbst zum Lararium - das Atrium konnte wieder aufgebaut werden, doch wenn die Hausgötter und Ahnen zerstört waren, würde nichts sie wieder zurückholen können! Und sicher würden noch mehr Leute kommen, die etwas gegen das Feuer unternehmen konnten!


    Der Pontifex packte die beiden Laren-Figuren, seinen eigenen Genius und den von Iuvenalis, sowie die Minerva, die im Schrein stand. Der Rest war entbehrlich! So rannte er mit den Figuren in den Armen in Richtung Keller - da würde es am sichersten sein!


    Sim-Off:

    Bitte noch keine weiteren Ereignisse - wir überlegen noch unsere endgültige Reaktion! ;)

    Für Durus erschien die Eröffnungszeremonie nicht unbedingt dem Anlass angemessen: Der Kaiser schien zwar bei der Sache zu sein, doch eine eigentliche Sitzung, die von dermaßen großer Tragweite war, mit den Worten 'Ich höre eure Vorschläge' zu beginnen, war doch etwas...ungewöhnlich. Wie der Senat, so war auch das Collegium Pontificium ein Ort für große Worte und schöne Reden!


    Andere schienen von der Eröffnung nicht ganz so überrascht, denn sofort meldete sich einer der Pontifices zu Wort.


    "Pontifices!


    Diese Sitzung ist von großer Bedeutung für unser Collegium, wie auch die gesamte Res Publica! Wie jeder von Euch weiß, müssen heute vermutlich gleich drei Männer oder Frauen kooptiert werden - denn ich gehe davon aus, dass wir den Rex Sacrificulus aus unseren Reihen wählen und nicht einen völlig Fremden bestimmen!


    Ich schlage daher vor, zuerst den neuen Rex Sacrorum zu bestimmen. Dieses Amt gehört zu den Ältesten unserer geliebten Res Publica! Seit der Vertreibung der Könige muss er die Kulthandlungen vollziehen, die zuvor dem Haupt des Staates vorbehalten waren, das sollten wir bei seiner Wahl bedenken! Wir müssen also jemanden bestimmen, der von großer Ansehen ist - auch vor den Göttern! Und wer könnte diese Stelle besser ausfüllen als unser guter Marcus Curiatius Fistus?


    Er sitzt seit langer Zeit in unserem Collegium, dient den Göttern aber noch länger. Aus edlem, patrizischen Geschlecht stammend hat er die Quaestur bekleidet, mit Erfolg wie man weiß. Er stieg auf zum Aedilis Curulis und ist seit langem Senator! Und neben seinem Pontifikat engagiert er sich auch im Collegium der Arvales Fratres und der Sodales Augustales! Ich denke, dass er als Vorbild der Tugend gelten kann und hervorragend dafür geeignet ist, das Amt des Rex Sacrorum zu bekleiden!"


    Er blickte zustimmungsheischend in die Runde, woraufhin Curiatius ein wenig schüchtern und bescheiden tat. Jeder wusste, dass der Redner ein guter Freund des Fistus und die Sache sorgsam einstudiert worden war. Curiatius entstammte zwar patrizischem Geschlecht, doch seine Stirps verfügte längst nicht mehr über größeren Einfluss oder Macht. Das zeigte sich schon darin, dass Fistus es nur bis zum Aedilat geschafft hatte, obwohl er bereits ein betagter Mann war. Vermutlich hatte er die Gelegenheit genutzt, um als Rex Sacrorum doch noch ein wenig Ansehen für seine Familie zu retten - Durus hatte fast Mitleid! Aber immerhin stellte sich jemand freiwillig zur Verfügung - die meisten Senatoren machten einen großen Bogen um diese speziellen Ämter, da sie jede politische Karriere weitestgehend beendeten. So hatte auch Durus kein Interesse.


    Aber natürlich wäre dies nicht das Collegium Pontificium gewesen, wenn sich nicht sofort jemand anderes zu Wort gemeldet hätte.


    "Curiatius Fistus? Mit Verlaub, aber ich bin mir nicht sicher, ob er der geeignete Mann dafür ist! Caius Sestius Gallius hat ebenfalls viel geleistet und wäre geeignet, das Amt zu bekleiden!"


    Sestius Gallius war uralt und manch einer behauptete, dass er auch ein wenig senil war. Vor vielen Jahren hatte er eine politische Karriere hingelegt, war bis zum Praetor aufgestiegen und hatte verschiedene Curatoren-Posten bekleidet. Irgendwann war er dafür zu alt geworden und Kaiser Nerva hatte ihn ins Collegium Pontificium erhoben, wo er seitdem saß, meist anwesend war aber selten etwas sagte.


    "Er gehört wohl zu den verdientesten Männern unter uns, überragt auch Curiatius an Alter und Lebenserfahrung, hat darüber hinaus sogar die Praetur bekleidet und gehörte zu den Vertrauten des göttlichen Nerva!"


    Fistus wirkte etwas beschämt - auf seine gescheiterte politische Karriere reagierte er stets etwas empfindlich und dieser indirekte Hohn traf ihn wohl ziemlich.


    Durus war sich nicht sicher - einerseits hatte Sestius den Vortritt, da das Senioritätsprinzip noch immer von Bedeutung war. Andererseits hatte er keine Lust auf einen senilen Greis, der wahrscheinlich die Hälfte seiner Kulthandlungen vergaß und ebenso vor sich hinvegetierte, wie es der Flamen Dialis war (der heute übrigens tatsächlich anwesend war, obwohl er einen dicken Mantel über seiner doppelt gefalteten Toga trug und immer wieder hustete).

    Durus war sehr glücklich, dass Iuvenalis und Crista den Raum verließen - damit war das Problem aus der Öffentlichkeit geschafft! Dennoch dauerte es eine Weile und einen großen Schluck Wein, bis er sich wieder beruhigt hatte.


    "Wo waren wir stehen geblieben?"


    Der Blick des Tiberiers ging in die Ferne und er dachte nach. Macer hatte seine Brautsuche bekannt gegeben, dann hatte er Aurelius Orestes nach seinem Status gefragt und zuletzt...richtig - Macer hatte eine Frage gestellt!


    "Das kommt ganz darauf an, würde ich sagen. Für mich persönlich ist nicht der Stand des Patriziers, sondern vielmehr der Status der Brautleute zueinander entscheidend, wobei das Patriziat natürlich ebenfalls ein Faktor sein kann. Etwa würde ich sagen, dass ein plebeischer Consular kaum ein unangemessener Partner sein kann - weder für eine Plebeierin, noch für eine Patrizierin. Es kommt im Grunde also stets auf die konkrete Situation an, sodass man keine pauschalen Aussagen treffen kann."


    Hoffentlich würde durch das Wiederaufgreifen des eigentlichen Themas wieder ein wenig Ruhe in die Runde einkehren und der Eklat vergessen gemacht werden können!

    Durus musste einen Moment auflachen - er hatte schon gedacht, es wäre etwas Schlimmes gewesen! Aber der Kauf eines Sklaven...also bitte! Das war doch kein Grund, sauer zu sein - es gab doch mehr als genug Sklaven auf dem Markt!


    Es sei denn...er verstummte.


    "Du hast ihn zugesprochen bekommen und er hat den Händler gezwungen, ihn dir doch nicht zu verkaufen?"


    Das war natürlich eine Unverschämtheit, die man sich auch von einem Praefectus Praetorio nicht bieten lassen musste - zumindest wenn man Tiberius hieß!

    Der Pontifex Maximus hatte zur Sitzung der Pontifices gerufen, denn es standen wichtige Dinge an: Nachdem Fabius Antistes, der vorherige Rex Sacrorum, durch eine aufgedeckte Affäre zu Fall gekommen war, in dessen Sog auch zwei Pontifices geraten waren, gab es mehrere Ämter neu zu besetzen. Dabei war man aber auch vor allem gespannt, wen der Kaiser begünstigen würde und wie er nach diesem Eklat den Cultus Deorum zu führen gedachte.


    So erschien auch Tiberius Durus zur Contio, wie üblich in die Toga Praetexta der Priester Roms gehüllt und mit dem Kopf voller Gedanken. Wen sollte er vorschlagen? Wen wählen? Und wie würde der Kaiser auf ihn reagieren, nachdem er beim letzten Male doch als Einziger Einspruch erhoben hatte?

    | Stesichoros


    Hatte er es doch gewusst! Der Legatus wollte etwas, doch nicht von den Herrschaften des Hauses! Stattdessen hatte er offensichtlich Instruktionen für diesen furchtbaren Titus! Stesichoros mochte den Helfershelfer des Legaten nicht - er war groß und ungehobelt und behandelte Sklaven die Herren des Hauses, als wären sie Dreck!


    "Ja - soll ich etwas ausrichten?"


    fragte er daher. Sicher war der Soldat in Eile und außerdem hatte Stesichoros keine große Lust, den Hühnen in der Villa zu suchen (wahrscheinlich betrank er sich gerade im Keller).





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Durus sprang vor Schreck auf, als Calena in Ohnmacht fiel und der Becher zu Boden fiel. Die Spritzer des Weines hatten seinen Mantel beschmutzt (was ihm allerdings nicht auffiel, sondern ihn erst später ärgern würde). Einen Augenblick blieb er wie erstarrt, dann jedoch fasste er sich - er musste etwas unternehmen!


    "Capsa! Schnell!"


    Der Sanitäter blickte auf und seufzte, dann jedoch erhob er sich rasch und eilte hinüber zur Sitzgruppe, in der das nächste Unglück geschehen war. Heute kam aber auch alles zusammen!


    Inzwischen hatte Durus sich über Calena gebeugt und sah sie besorgt an. Was sollte er nur tun? Er hatte nie gelernt, was man in solchen Situationen tat - dafür waren stets Sklaven in seiner Nähe gewesen! Überhaupt konnte er sich nicht erinnern, schonmal jemanden in Ohnmacht fallen gesehen zu haben. Ob das gefährlich war? Was würde passieren, wenn sie in seinem Hause starb? Würden die Praetorianer die Villa stürmen und alle Einwohner töten, da sie mit dem Tod einer Verwandten des Präfekten zu tun hatten? Nein, das konnte nicht einmal ein Caecilius Crassus - Durus war doch ein prominenter Senator!