Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Offenbar hatte Titus ihn nicht verstanden, was Durus zu der Annahme brachte, dass der Veteran wohl ein wenig schwerhörig war. Als er jedoch sofort auf Arvinia reagierte, hätte Durus sich beinahe aufgeregt - Titus war Gast in seinem Hause und hatte ihm gefälligst zu gehorchen - doch die Situation gab ihm keine Zeit dazu. Stattdessen winkte er zwei andere Sklaven herbei, die eine Trage für Crista gebracht hatten und nun arbeitslos herumstanden, da der Hühne ihre Arbeit abgenommen hatte.


    "Folgt Arvinia! Bringt sie in ihr Cubiculum!"


    befahl er und stand einen Augenblick unschlüssig da. Sollte er einfach hier bleiben oder doch lieber mitgehen? Er entschloss sich für letzteres und ging hinter der Trage her, die wiederum Titus folgte.

    Die Idee von Macer sagte Durus tatsächlich sehr zu: So musste Philogena nicht allein nach Hause, die beiden konnten ungestört plaudern und sie blieben davon verschont, sich zu sehr betrinken zu müssen.


    "Certe! Arvinia, möchtest du Purgitia nicht einmal ein wenig die Villa zeigen?"


    Dass dies wohl überflüssig war, da Summanus' Zorn die Villa in naher Zukunft zerstören würde, konnte Durus noch nicht wissen. Doch im Grunde war es ja ohnehin nur eine freundliche Verpackung dafür, dass Arvinia und Philogena dorthin gehen konnten, wo es ihnen beliebte zu bleiben. Vielleicht würden sie ja in die Bibliothek gehen? Oder doch einfach ein benachbartes Triclinium?


    Dann kamen auch schon die Sklaven und räumten das restliche Obst ab, über das sich sicherlich die Diener des Hauses hermachen würden. Zugleich erschienen die Sklaven, die die Comissatio-Schicht übernahmen. Ihre Köpfe waren bekränzt und sie schienen besonders nach ihrer Schönheit ausgewählt worden zu sein. Einer von ihnen brachte Würfel aus Elfenbein, ein anderer eine große Schale, die zum Mischen von Wein benötigt wurde.


    "Wer möchte beginnen? Oder sollen wir den Arbiter Bibendi auf die griechische Art per Akklamation bestimmen?"


    fragte er in die Runde und hielt die Würfel in seiner geöffneten Hand in die Mitte.

    Zitat

    Original von Tiberia Arvinia
    "Naja, eigentlich war er nur schneller weil er penetranter war und somit der Sklavenhändler seine Augen schneller bei ihm hatte. Aber das Gespräch danach, er hat mich ein wenig auf den Arm genommen."


    Vielleicht konnte er es sich als Praefectus erlauben, Leute auf den Arm zu nehmen, aber einer Patrizierin gegenpber?
    Jetzt war er auf jedenfall entlassen und bekam seine Auszeichnung, dann war er also wahrlich so mutig und tapfer im Dienste des Kaisers gewesen, wie er damals gesagt hatte.


    Nachdem Arvinia geantwortet hatte, erwiderte Durus vorerst nichts - zu sehr wurde er von den Geschehnissen um den Kaiser abgelenkt! Dieser wählte wie üblich wenige Worte (ein großer Redner war er wirklich nicht), dafür durfte Caecilius Crassus etwas mehr sagen. Dass er gegenüber seiner Cousine hochmütig aufgetreten war, wunderte ihn nicht - das war eben so bei diesen Homines Novi, deswegen mochte Durus sie ja auch nicht!


    Die Auszeichnungen waren einigermaßen normal - nicht zu viel, nicht zu wenig (zumindest nach Durus' Auffassung). Wahrscheinlich würde er dazu noch ein wenig Geld oder Land bekommen, worauf auch die Rolle hinwies, die der Kaiser zusätzlich an Crassus weiterreichte.


    Dann hatte er wieder ein wenig Zeit, etwas zu Arvinia zu sagen.


    "Nunja, jetzt ist er wieder Privatmann und wird sich ein wenig mehr zurücknehmen müssen!"

    Offensichtlich erkannte Corvinus Durus' stille Bitte, denn die Sklaven wurden weggeschickt. Jetzt konnte er freier reden - oder doch nicht? Eigentlich hielt er Corvinus für vertrauenswürdig, doch war er das wirklich? War es für einen jungen, aufstrebenden Senator nicht eine gute Gelegenheit, sich beim Kaiser einen Namen zu machen, indem man einen alten Widersacher aufdeckte?


    Nachdenklich strich sich der Tiberier durch den nichtvorhandenen Bart und überlegte, ob die Worte des Aureliers ehrlich waren oder doch nur eine Fassade, um Durus zu verhängnisvollen Bemerkungen zu reizen. Doch dann vertraute er auf seinen Instinkt, wie er es früher als Anwalt auch schon getan hatte: Es klang aufrichtig und irgendwie hätte es auch nicht zu Corvinus gepasst, jemanden heimtückisch ans Messer zu liefern! Also ging Durus darauf ein.


    "In der Tat betrachte ich Vescularius ebenso kritisch. Er ist ein Homo Novus ohne Tradition und für meinen Geschmack viel zu schnell aufgestiegen! Solche Leute sollten keine Macht bekommen und schon gar nicht zu Einflüsterern eines schwachen Kaisers werden! Ich hoffe, Aelius Quarto hat noch einen größeren Einfluss auf Valerianus als er!"


    Sim-Off:

    1. Da ist ja mehr in der Villa los, als wenn wir Convivium feiern :D
    2. Ich glaube, da ist einiges durcheinander: Ich war in der Villa, jetzt bin ich draußen (der Logik entsprechend müsste Arvinia mich dort angetroffen haben, weil es nicht sehr realistisch ist, dass die Vigiles, CUler und Arvinia in ein brennenden Haus rennen und dort alles organisieren. Daher habe ich mich vorher rausschleusen lassen.), wo ich auch Arvinia vermute.


    Der Junge, der aus dem Fenster gekommen war, rührte sich zwar nicht, doch Durus war viel zu sehr damit beschäftigt, seine Sklaven anzuweisen, bei der Eimerkette zu helfen. Dann kam ihm plötzlich, dass er nachsehen musste, ob alle Familienmitglieder da waren. Er blickte sich um: Dolabella stand mit triefenden Kleidern herumrannte (aus irgendeinem Grund kam Durus nicht auf die Idee, diesen aufzuhalten oder sich zu fragen, wo er hinwollte), Arvinia, Albina...wo war eigentlich Albina? War sie noch im Haus? Und wer behielt Übersicht über die Sklaven? Durus kannte sie nicht einmal alle!


    In diesem Augenblick sprach ihn ein Centurio der Vigiles an, der offensichtlich statische Informationen wollte - war Durus etwa Architekt?


    "Woher soll ich das denn wissen? Die Villa ist uralt, ich habe sie nicht in Auftrag gegeben! Und warum wollt ihr sie eigentlich einreißen?"


    Irgendwie kam Durus nicht ganz mit, was die Vigiles nun schon wieder vorhatten!

    Als die Vorspeisen eintrafen, wählte Durus sich lustlos einige aus - es traf diejenigen, die mit Fisch zubereitet waren, denn der Gedanke an Valerianus hatte ihm irgendwie einen kleinen Dämpfer in der guten Laune versetzt. Wie hatte Iulianus dem Imperium das nur antun können?


    Vermutlich war Durus noch sehr viel kaiserkritischer, als Corvinus es auch nur im entferntesten vermuten konnte, weshalb er auch besonders zurückhaltend war. So stimmte er Corvinus auch nicht sofort zu, sondern blickte sich stattdessen etwas verschwörerisch um: Waren die Sklaven noch im Raum?


    Nicht, dass Durus Corvinus für einen Spion des Kaisers hielt - aber Sklaven traute er in solchen Angelegenheiten niemals und wer wusste schon, ob er wegen allzu kritischer Bemerkungen einen Unfall erlitt? Das wollte er dann doch nicht riskieren!


    "Wahrscheinlich...muss er sich noch eingewöhnen."


    antwortete er schließlich in der Hoffnung, dass Corvinus seinen Wink verstand und die Sklaven hinausschickte, sodass er offen reden konnte. In Wirklichkeit hielt er seine Worte nämlich für blanken Sarkasmus: Valerianus regierte nun schon seit über einem Jahr, in dem er nichts geleistet hatte außer vor sich hinzukränkeln, einen Homo Novus mit zweifelhaftem Ruf zu seinem Stellvertreter zu ernennen und seinem Bruder die Regierung zu überlassen. Von fehlender Erfahrung konnte keine Rede sein - vielmehr von fehlendem Talent!


    Sim-Off:

    Himmel, da ist man mal kurz einen Moment weg, schon bricht hier eine kleine Schlacht aus! :D


    Noch ehe die Vigiles wieder auftauchten, erschien ein Trupp Menschen, die Durus nicht erwartet hätte: Die Cohortes Urbanae kamen den Esquilin hinaufgeeilt und machten sich ohne weiter nachzufragen direkt daran, beim Löschen des Feuers zu helfen (was Durus natürlich nicht sehen konnte, da er sich innerhalb des Hauses befand). Inzwischen hatten es die Sklaven auch im Innern des Hauses geschafft, eine Eimerkette zu bilden und der Maiordomus in seiner unglaublichen Weitsichtigkeit hatte sie angewiesen, gar nicht erst zu versuchen, das Atrium zu retten. Ein Sklave tippte ihn an und meinte, er solle das Haus lieber verlassen - ein Rat, dem Durus angesichts der immer größeren Hitze und des Qualms, der sich ausbreitete, zu gern folgte. Da die Porta versperrt war, wählten er und der Sklave den Seitenausgang.


    Schweißüberströhmt erreichte Durus endlich den Ausgang und wurde von Soldaten und Vigiles zurückgedrängt, die ins Haus ströhmten um beim Löschen zu helfen. Mit einiger Anstrengung schaffte es Durus dann doch und stand endlich unter freiem Himmel. Ihm bot sich ein höllenhaftes Bild: Schaulustige standen herum, Soldaten der Stadtkohorten und Vigiles bildeten Eimerketten vom nächsten öffentlichen Brunnen, der Boden war übersäht mit zerborstenen Dachpfannen und das lodernde Feuer erzeugte durch das Ansaugen der Luft ein gespenstisches Heulen, während es zugleich die Szenerie in seltsames Licht tauchte.


    Endlich konnte sich Durus umwenden und erblickte seinen Sklaven.


    "Das Archiv! Rettet das Archiv!"


    herrschte er ihn an und schickte ihn wieder in die Villa. Wenn die Urkunden und Diplome verbrannten, würde das viel Raum für juristische Wettstreite geben, bei denen nicht einmal Durus stichhaltige Beweise aufführen konnte! Dort lagerte schließlich die Basis der wirtschaftlichen Tiberier-Macht!


    Während Durus noch immer voller Entsetzen, mit leicht rußigem Gesicht und verschwitzter Tunica dastand, tauchte aus dem Durcheinander plötzlich Arvinia auf, die ebenfalls schockiert wirkte (welch Wunder!) und ihm etwas von Cato und Crista erzählte. Wieder einmal brauchte der Tiberier eine Weile um sich zu erinnern, wer die beiden noch gleich waren: Ach ja, das waren die von dem kleinen Unfall - sicher war Crista noch irgendwo untergebracht! Einen Augenblick überlegte Durus, wem er dieses Faktum am besten präsentierte, doch ein geistesgegenwärtiger Stadtsoldat hatte es offensichtlich mitbekommen und plärrte die Neuigkeit bereits über den Platz, sodass die notwendigen Befehlsträger (die der Pontifex im Augenblick nicht ausmachen konnte) wohl informiert waren.


    Dann endlich tauchte jemand auf, der ihm etwas erklären konnte: Es war der Optio Mercatio, der darauf hinwies, dass die Lösch- und Bergungsarbeiten wohl am besten von den Vigiles wahrgenommen werden sollten - keine schlechte Idee, denn die musste er wenigstens nicht bezahlen, wenn sie dabei draufgingen! Rasch winkte er ein paar Sklaven, die mit Bergen von Papyrusrollen, Ruß in den Haaren und gehetztem Blick aus dem Seiteneingang kamen, herbei und herrschte sie an.


    "Überlasst das den Vigiles! Helft beim Löschen!"


    Apropos Löschen...warum hatten die Vigiles eigentlich noch keine Siphones oder Leitern aufgebaut, mit denen die oberen Stockwerke gelöscht werden konnten? Eigentlich kannte sich Durus ja nicht mit der modernen Feuerwehrtechnik aus, doch damals als Magistratus von Misenum war er für die Beschaffung dieser Dinge zuständig gewesen. Also mussten die stadtrömischen Vigiles so etwas doch auch haben!


    Diese Gedanken konnte er jedoch nicht formulieren, denn in diesem Augenblick brach das vordere Dach unter der Last der Flammen zusammen, sodass der Tiberier vor Schreck einen Satz zur Seite machte. Und dann klirrte es gleich noch einmal, als Hippokrates neben Durus auf das Pflaster stieß und ein junger Mann in Uniform, Homer unter dem Arm, hinterhergesprungen kam. Doch in der Surrealität dieser Situation (sein Haus brannte, Leute rannten umher, Befehle wurden gebrüllt, jeder wollte etwas von ihm, das Feuer kreischte) konnte ihn auch das nicht verwundern.

    Alles niedergebrannt? Villa Rustica in Calabria? Durus brauchte einen Augenblick, bis er die knappen, hervorgebrachten Worte in einen sinnvollen Zusammenhang bringen konnte. Konnte es sein, dass Dolabella dermaßen vom Unglück verfolgt war, dass ihm nicht nur sein Haus abgebrannt war, sondern auch noch sein Bruder kurz vor seiner Ankunft verstarb? Hatten ihn die Götter verflucht?


    "Mein...Beileid."


    erwiderte er schließlich und war sich nicht ganz sicher, was er jetzt tun sollte.

    Es dauerte eine ganze Weile, bis Marhabal zurückkehrte und die beiden Männer standen währenddessen nur da und sahen sich an - was sollten sie auch sonst tun? Durus wollte die weiteren Rituale dem Bruder des Toten überlassen, doch als er sah, dass Dolabella nicht in der Lage war, das Geldstück (es war ein ziemlich beachtliches) unter die Zunge von Iuvenalis zu schieben, nahm er ihm den Aureus aus der Hand und trat erneut an das Totenbett.


    Es war gar nicht einfach, die Münze durch den in der Leichenstarre verkrampften Mund zu bekommen, doch schlussendlich gelang es ihm. Dann blickte er wieder zu Dolabella. Er zwang sich dazu, etwas zu sagen - sie hatten sich lange genug angestarrt!


    "Wo...kommst du eigentlich her?"

    Durus wurde durch das Haus in ein Triclinium geführt, wo Corvinus ihn allein erwartete, was den Tiberier etwas verwunderte - war dies keine gemeinschaftliche Cena, wie er sie erwartet hatte? Warum wollte Corvinus ihn unter vier Augen sprechen? Oder war er nur etwas zu früh gekommen?


    "Salve, Corvinus! Es ist mir eine Freude, Deiner Einladung nachzukommen!"


    begrüßte er den Aurelier und wählte sich in Ermangelung einer Zuweisung einfach den Locus Consularis, der die beste Position zum Gastgeber hatte. Wenn noch ein amtierender Praetor oder gar Consul kam, konnte er ja noch immer rutschen!


    Und dann stieg Corvinus auch schon direkt in ein Gespräch ein, das erklärte, warum keine seiner zahlreichen Cousinen beim Essen anwesend war: Es würde wohl eher politisch werden. Und das war Durus ganz recht - er liebte Politik und Gespräche darüber!


    "Nein, der Pontifex Maximus hat uns noch nicht geladen."


    antwortete er knapp. Er war sich nicht sicher, wie Corvinus zum Kaiser stand und verkniff sich lieber eine kritische Bemerkung über die Trägheit des Kaisers, die ihm schon an verschiedenen Stellen aufgefallen war.

    Die drei Männer schienen eine Ewigkeit vor der Leiche des Tiberiers zu stehen und so langsam wurde Durus wieder Herr über seine Gefühle, aber auch Dolabella schien langsam wieder die Fassung zu gewinnen. Den Obolus - den hatte er tatsächlich vergessen!


    "Nein."


    Damit öffnete Durus seine Hand und hielt Dolabella den Ring hin, den er Iuvenalis abgenommen hatte. Mit der anderen Hand versuchte er, Dolabella aufzuhelfen, der diese Hilfe jedoch abschlug.


    "Das bin ich."


    antwortete er dann und blickte zu Marhabal, der noch immer etwas erstarrt wirkte. Die Frage nach dem Testament konnte wirklich ein wenig warten!


    "Hol' uns Geld!"

    Die Ergebnisse der Wahlen überraschten Durus in keinster Weise: Sergius Sulla hatte es offensichtlich erneut nicht geschafft, den Einstieg zu schaffen - vermutlich hatte er sich vor längerer Zeit zu viele Feinde im Senat gemacht. Die Wahl von Aelius Quarto und Aurelius Ursus verwunderte ihn ebensowenig. Etwas spannender war es bei Aurelius Avianus und Decimus Flavus gewesen: Ersterer hatte wohl vor allem die optimatischen Kräfte des Senats mobilisieren können, letzterer wohl auch (mit Durus' Unterstützung!). Alles in allem war der Pontifex mit dem Ergebnis zufrieden.


    Nun ging es um die Vergabe der Ämter, insbesondere der Vigintiviri, wobei es diesmal einigermaßen leicht erschien.


    "Ich unterstütze die Bestimmung des Aurelius Ursus zum Quaestor Consulum, da er und der Consul Aelius eine eingelaufenes Gespann sind und somit die Einarbeitungszeit dramatisch verkürzt werden kann.


    Ebenso würde ich es unterstützen, Aurelius Avianus zum Decemvir stlitibus iudicandis zu machen, da er über Erfahrung in diesem Bereich verfügt."


    Außerdem war dieser Posten traditionell angesehener als etwa der Straßenfeger-Vigintivir und somit häufig von Patriziern besetzt wurde.


    "Auch bin ich der Meinung, dass dem Wunsch des Decimus Flavus auf das Amt des Tresvir capitalis entsprochen werden kann, soweit dies in der Gesamtaufteilung möglich ist. Ich denke, dass jemand, der eindeutige Präferenzen angibt, in diesen Bereichen auch am motiviertesten arbeiten kann."


    Leider hatte Durus bereits wieder vergessen, wie viele Bewerber sich für die verschiedenen Ämter gemeldet hatten. Somit verzichtete er darauf, etwas zu diesen zu sagen, sondern nur die einprägsamsten Bewerber zu kommentieren.

    Dolabella - Durus glaubte, sich an diesen Namen als an den des Bruders von Iuvenalis zu erinnern. Wie groß musste sein Schmerz nun wohl sein? War er nicht einen Tag zu spät erschienen?


    Wo er gewesen war, fragte Durus nicht, stattdessen wurde auch er erneut von einer Welle der Trauer erfasst: Nie wieder würde er mit dem Alten sprechen können, ihn nie wieder lachen hören oder auch nur mit ihm streiten! Warum griff Pluto nur immer so unvermittelt zu, sodass man keine Zeit hatte, um Abschied zu nehmen?


    Plötzlich spührte der Senator, dass seine Augen feucht wurden und schniefte.


    "Ich...ich habe die notwendigen Rituale...durchgeführt."


    Wahrscheinlich war das Dolabella jetzt so egal wie das Mittagessen des Rex Regum der Parther, doch Durus hielt es für wichtig, den Bruder des Verstorbenen darauf hinzuweisen. Dann hielt er sich den Mund, den Ellenbogen auf seinen anderen Arm gestützt, mit feuchten Augen zwinkernd und um Fassung ringend.

    | Cursor


    Einer der Sklaven der Villa Tiberia rannte wie ein Verrückter durch die Straßen des Esquilins, ständig auf der Suche nach der nächsten Vigiles-Kaserne (da es bisher nie daheim gebrannt hatte, hatte der Mann sich auch nicht mit der Lage der Feuerwehr beschäftigt). Doch mit einigem Fragen und Verweise auf die Rauchsäule, die sich bereits gen Himmel erhob, schaffte er es doch recht schnell, sich durchzufragen.


    Als er endlich ankam, rannte er direkt auf die Wache zu und brüllte sie an


    "Feuer in der Villa Tiberia! Das Atrium brennt! Blitzeinschlag! Kommt schnell! Beeilt euch!"


    Der Sklave wirkte ziemlich geschockt (kein Wunder, er hatte gerade ein riesiges Feuer gesehen) und winkte bereits in Richtung Villa Tiberia, deren Rauchsäule sogar von hier aus zu sehen war.





    SKLAVE – GENS TIBERIA

    Als Durus wieder aus dem Keller zurückkam, wo er die Figuren einfach neben ein Regal mit Amphoren gestellt hatte, bekam er bereits einen Hustenanfall: Im Atrium sammelte sich Rauch, der sich sofort auf die Lungen legte. Auch Durus' Augen begannen zu tränen.


    Wo waren denn alle? Es musste doch bereits im ganzen Haus nach Rauch riechen! Und vor allem: Wo waren die Vigiles? Wofür gab es denn eine Feuerwehr in Rom, wenn sie es nicht bemerkte, dass die Villa Tiberia brannte? Und sogar die Sklaven, die langsam herbeiströhmten, standen tatenlos herum und pressten sich ihre Ärmel vor die Gesichter, während sie wie erstarrt auf die brenndenden Dachbalken blickten.


    Der Tiberier packte einen von ihnen und brüllte ihn an.


    "Lauf zur nächsten Castra Vigilum und hol' die verdammten Vigiles hier her!"


    Der Sklave brauchte einen Augenblick um zu verstehen, dann jedoch machte er sich auf die Suche nach den Vigiles (wobei er einen Moment brauchte, bis er erkannte, dass er nicht durch das Hauptportal, das auf der anderen Seite des Atriums lag, konnte). Unterdessen begann Durus, wieder um Fassung zu ringen. Er bemühte sich, ruhig zu atmen, was allerdings nur einen weiteren Hustenanfall erzeugte.


    "Los, macht was! Sonst brennt das ganze Haus ab!"


    Er ergriff sich wieder einen Sklaven und schüttelte ihn wie ein Verrückter. Der Sklave wirkte sehr verängstigt, doch dann klopfte er zwei anderen Sklaven auf den Rücken und machte sich mit diesen davon, einen Brunnen zu suchen. Was konnte man noch tun? Durus packte zwei ankommende Sklaven und deutete auf das Tablinium.


    "Holt alle Sachen aus dem Archiv! Bringt sie in Sicherheit!"


    blaffte er sie an und plötzlich fiel ihm das aller-, allerwichtigste ein: Im Atrium stand eine gewaltige Truhe, in der die Familienersparnisse eingeschlossen waren! Beinahe wäre er vor Schock zusammengebrochen, wenn nicht der Maiordomus erschienen wäre und das Heft in die Hand genommen hätte. Glücklicherweise hatte er auch den Schlüssel dafür, sodass er sich mit den übrigen Sklaven, die nun nach und nach auftauchten, in die immer stärker rauchende Halle eilten (glücklicherweise war sie so hoch, dass der Rauch eine Weile brauchte, bis er alles einnebelte) und kurz darauf, sich die Seele aus dem Leib hustend, aber säckchenschleppend herauskommen. Durus lobte innerlich die Ordnungsliebe des Maiordomus, der das Geld der Tiberier geordnet nach Besitzer in Säcken zu je 1000 Sesterzen verpacken hatte lassen. Darunter befanden sich Münzen aus den Punischen Kriegen - wie gut, dass zumindest ein bisschen gerettet werden konnte (obwohl Durus nicht sicher war, ob das alles war). Nachdem sie die Säcke irgendwo ins Freie gebracht hatten (und hoffentlich jemanden zur Bewachung abgestellt), kamen sie wieder und stürzten sich diesmal mit feuchten Tüchern vor Mund und Nase in die Rauchwolke, die nun auch den Boden zu bedecken begann. Wo steckten nur die Vigiles?

    Kalt? Umgänglich? Durus hatte zwar keine Ahnung von Frauen (ihm war eine Karriere dann doch immer wichtiger gewesen und darüber hatte er fast vergessen, wie wichtig eheliche Beziehungen waren), doch für ihn hatte eine Heirat sowieso nichts mit Sentimentalitäten zu tun. Eine umgängliche Frau? Wenn die Frau nicht umgänglich war, musste man sie eben umgänglich machen! Und wenn sie ausreichend aussah, dass man es überhaupt schaffte, ein Kind mit ihr zu zeugen, genügte das auch voll seinen Ansprüchen. Ansonsten hatte er wenig Interessen gegenüber einer Ehefrau - wozu gab es Sklavinnen, wenn nicht dafür, um sich zu vergnügen?


    Der zweite Punkt war allerdings etwas, was dem Tiberier ein wenig zu denken gab: Dass die Flavii nicht so alt waren, wie sie es gerne gehabt hätten, hatte er fast vergessen und war umso verwunderter, dass ein Flavius darauf hinwies (Durus sprach nicht gern über Ahnen, die nicht mindestens Senatoren gewesen waren - oder sein Vater waren). Dennoch wollte er nicht weiter darauf herumreiten, wer bei welcher Verbindung welche Geschäfte machte - vielmehr war es wichtig, dass jemand darauf hingewiesen hatte, dass auch Geburt nicht alles war!


    "Ich stimme zu - Geburt ist nicht alles, jeder muss sich auch seiner Geburt als würdig erweisen!"


    Durus konnte sich nur zu gut an diesen jungen Tiberier erinnern, den er einst freundlich aufgenommen hatte und der sich als undankbar erwiesen hatte, sodass er nun nicht mehr Mitglied der Familia war. Ja, egal, ob Patrizier oder Plebeier: Wer seinen Ahnen nicht gerecht wurde, stand in Gefahr, auch nicht wie sie behandelt zu werden!


    "Seid ihr gesättigt? In diesem Fall würde ich vorschlagen, zum Comissatio überzugehen. Ich werde Würfel holen."


    Neben der eigentliche Cena hatte sich Durus auch für eine Comissatio, ein Trinkgelage entschieden. Dabei wurden natürlich die üblichen Traditionen gewahrt: Ein Arbiter Bibendi durfte den Wein mischen und auch dafür sorgen, dass jeder genügend trank. Um diesen zu ermitteln, hatte Durus sich für das Auswürfeln entschieden, denn bei Wahlen per Akklamation wurde oft der Trinkfesteste bestimmt, der am Ende alle Anwesenden in einen grandiosen Rausch jagen konnte. So konnte zumindest Fortuna entscheiden. Eine weitere Tradition, nämlich dass Frauen zur Comissatio nicht zugelassen waren, war formell zwar schon vor Augustus aufgehoben worden, dennoch war er sich unsicher, ob die Damen bei dieser Veranstaltung teilnehmen wollten. Daher sah er Macer (der wohl für Philogena entscheiden konnte) - wenn Philogena blieb, war es wohl besser, auch Arvinia hierzubehalten, denn die Henne im Korb der betrunkenen Hähne zu sein, war sicher nicht sonderlich erfreulich.

    Durus blickte erstaunt auf, als er Dolabella sprechen hörte und erblickte einen Mann, den er nicht kannte (obschon ihm die Züge irgendwie bekannt vorkamen). Er wirkte völlig aufgelöst und ein flüchtiger Blick zum Toten ließ es klarer werden - es musste sich um einen nahen Verwandten von Iuvenalis handeln, vielleicht um seinen Bruder - das Alter konnte stimmen!


    Dennoch fragte er nach einem kurzen Schlucken


    "Wer bist du?"

    Durus blickte auf und sah ein wenig aus wie die Mutter dieses Christianergottes, als sie ihren Sohn, den man vom Kreuz abgenommen hatte, in ihren Schoß gelegt bekommen hatte (was von den Christianern späterer Jahrhunderte eine unglaublich beliebte Darstellungsform werden würde). Noch immer war er völlig verwirrt, während Capsa etwas von "Aufpassen, dass sie ihre Zunge nicht verschluckt!" sagte.


    Die Idee Arvinias war wirklich gut - offenbar hatte sie sich von ihrem Schock erholt und dachte nun vielleicht sogar etwas klarer als Durus selbst! Und da sah der Pontifex auch schon jemanden, der wie geschaffen für diese Aufgabe war, nachdem sich die anderen kräftigeren Sklaven um Crista kümmerten:


    "Titus, komm her! Bring diese Dame in das Zimmer von Arvinia!"


    befahl er. Dass Titus ein freier Mann war und kein Sklave und er, bloß weil dieser Quintus aufs Wort gehorchte, noch lange nicht ihm gehorchen musste, interessierte Durus in diesem Falle nicht (und für ihn war Titus sowieso eher ein sklavischer Geist, der Befehle brauchte, um nicht selbst denken zu müssen).