An Manius Tiberius Durus
Villa Tiberia
Roma
Lucius Flavius F. Manio Tiberio D. s. d.
Lange ist es her, seitdem ich dir das letzte Mal schreib, mein Freund. Es ist viel geschehen, viel Zeit verblichen. Verblichen, wie meine Haare. Ich hoffe, dir widerfuhr dies Schicksal nicht.
Aber genug von der Haarpracht, wir sind ja keine Frauen, mein Freund.
Es ist die Zeit, um Abschied zu nehmen. Ich hoffe, ich bete, dass dies kein endgültiger Abschied sein wird, doch es schmerzt mich nicht minder, wenn ich daran denke, welch gute Freunde ich in Rom zurück gelassen habe, um mich hier in Hispania zu verpflichten.
Mein Ruf ist dahin, über meinen Namen wird im Senat gespottet, als wäre ich einer von diesen Hunden, die schnell aus der Gosse und wieder dahin gewandert sind. Aus Vermutungen werden Unterstellungen und aus Unterstellungen wiederum Fakten. Welch trauriges Spiel.
Aufgrund dessen und auf die konsequente Behandlung meines Arztes durch Ermahnungen, gut gemeinten Ratschlägen und herzhaftem Apell, habe ich mich entschlossen seinem Rat folge zu leisten und mich nach Achaia zur Kur und Erholung zu begeben.
Da ich mich jedoch zur Zeit, wie auch die Monate davor, nicht gerade so fühle, dass ich aus meinem selbst erbauten goldenen Käfig werde je wiederkehren können, nehme ich besser jetzt Abschied von dir, auch wenn es nur in schriftlicher Form ist. Wer weiß, vielleicht kann ich in nächster Zeit nicht mehr alleine die Feder halten. Welch lustiger Augenblick das wohl sein wird, ich könnte lachen, wenn es mir nicht die Brust bersten würde.
Du bist stes ein Mann von größtem und schärfstem Verstand gewesen, Durus, dafür habe ich dich immer bewundert. Nicht nur im Gerichtssaal warst du stets der Beste, auch als Freund standest du mir immer zur Seite. Dafür gebührt dir mein aufrechter Dank. Falls ich in Achaia, sei es auch nur ein Brief an Rom, für dich tun kann, so lasse es mich wissen und ich werde dies, mit all meinen verbliebenen Kräften, erledigen.
Zu gerne hätte ich uns beide, Seite an Seite, als Consuln gesehen. Im Zenit der Macht, mit dem größten Imperium ausgestattet, hätten wir Großes vollbringen können. Vielleicht wird mir dies noch gegönnt werden, aber zur Zeit habe ich große Zweifel, so dass ich dich nun auffordern muss dich endlich zum Consul wählen zu lassen.
Du hast viele Freunde, viel mehr Sympathisanten, du wirst ohne Bedenken ruhmreich als Consul gewählt werden, da bin ich mir sicher. Warte nicht allzu lange mit diesem Schritt, denn du bist ihm schon gewachsen. Ich hoffe, ich kann dies noch miterleben.
Bitte sende allen deiner Familie meine besten Grüße aus, an Vitamalacus werde ich noch einen eigenen Brief verfassen.
Mögen die Götter dich segnen und wir uns noch wenigstens ein einziges Mal wieder sehen.
Vale bene, amice.
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