Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus strich sich nachdenklich übers Kinn. Seine Meinung wurde ganz offensichtlich von den übrigen Senatoren unterstützt und der Vorschlag des Aelius Quarto wirkte ziemlich vernünftig auf ihn. 10 000 Sesterzen waren auch für einen Senatoren kein Pappenstiel - vielmehr war es sogar so viel, wie man für einen Senatoren-Census benötigte! Es konnte also schlimmstenfalls den Ruin für einen Mann bedeuten und das war genau das, was Durus für ein solches Gesetz forderte. Daher bekundete er seine Zustimmung.


    "Ich halte 10 000 Sesterzen als Obergrenze ebenfalls für angemessen."

    Durus machte eine wegwerfende Handbewegung. Er wollte noch immer nicht über seine 'Krankheit' sprechen, zumal er nicht so sicher wusste, was sein Sekretär bei den Entschuldigungen wegen der Vertagung der Feier genau angegeben hatte. Daher musste er einfach spekulieren und im Unbestimmten bleiben.


    "Mir geht es wieder sehr gut, Danke. Es war nichts Ernstes."


    Nun sah er sich um. Es waren schon einige Gäste anwesend, nur seine eigenen Familiares fehlten noch, aber auch Flavius Gracchus und Decimus Meridius fehlten. Vielleicht sollte er gleich beginnen...

    "Es ist doch nichts daran falsch, einen kleinen Anreiz zu geben! Es wurde doch schon bemängelt, dass sich der senatorische Adel zu wenig um die Belange des Cultus Deorum sorgen. Eine Gehaltserhöhung für Sacerdotes könnte vielleicht andere Schichten mobilisieren, die ebenfalls ehrenhafte Bürger sind, aber vielleicht dennoch für ihre Söhne eine ordentliche Grundlage für ein sorgenfreies Leben schaffen wollen."


    meinte der Pontifex, der schon die Steuer gefordert hatte. Durus fand dies einerseits plausibel, andererseits wünschte er sich keine Aufsteiger im Cultus Deorum. Für ihn war der Dienst am Staat (zu dem auch das Priesteramt gehörte) Sache des Senatorenadels und der Männer, die Zeit und Geld für derartige Tätigkeiten hatten. Das war doch keine Arbeit!


    Dennoch verkniff er sich, noch einmal darauf einzugehen, denn der Rex Sacrorum erhob sich, offensichtlich um seinerseits noch etwas zu sagen.


    "Ich denke, wir sollten abstimmen, ob wir einen solchen Antrag unterstützen. Wir haben beide Seiten gehört - oder möchtest Du noch etwas dazu sagen, Aurelius?"


    er sah den Septemvir an und auch Durus sah zu dem jungen Mann. Er fand, dass es doch in gewisser Weise mutig war, dass er als eher jüngerer Septemvir vor das Collegium Pontificium trat und einen solch...unpopulären Antrag stellte.

    Durus glaubte, sich verhört zu haben, als er den Brief vorgelesen bekam. Das Mädchen, das ihm den Ring gefunden hatte! Er konnte sich noch während des Briefes an die Gens erinnern - sie war mit dem Praefectus Praetorio verheiratet gewesen. Caecilia...Caecilia...Calena, wurde es am Ende des Briefes aufgelöst. Ob sich das Mädchen am Ende in ihn verliebt hatte? Sie war ziemlich nett gewesen, auch er mochte sie eigentlich ganz gern...doch in seinem Alter?


    Der Tiberier ließ sich auf das Bett sinken und verschränkte die Arme hinter dem Kopf, um noch einmal zu rekapitulieren. Natürlich war es außer Frage, dass er nicht mit einem Mädchen aus fremdem Hause einfach so Baden ging. Das gehörte sich nicht für einen Senator und Durus fand es schon für einen einfachen Bauern unangemessen, solange man nicht verheiratet war. Dennoch verspührte er den Drang, Calena zu antworten. In seinem sonst eher harten und berechnenden Herz gab es so etwas mit Mitgefühl und Sympathie für sie. Also blickte er auf.


    "Wie heißt du noch gleich?"


    fragte er die Sklavin.

    Tiberius Durus fand die junge Frau sympathisch - sie wirkte nicht allzu kindisch, dennoch sympathisch. Er hätte gern noch ein wenig mit ihr oder zumindest mit Macer über sie gesprochen, doch schon trat Aurelius Corvinus hinzu, der den jungen Mann mit sich zog. Tatsächlich kam er ihm bekannt vor, auch wenn er sich nicht erinnern konnte, woher.


    "Aurelius Corvinus, ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich wieder gesundet bin."


    Unwillkürlich fasste er sich an die Wange, wo noch eine leichte Verfärbung zu erkennen gewesen wäre, wenn die Ornatrix ihn nicht so geschickt geschminkt hätte. Doch er wollte sich nicht weiter in seine 'Krankheit' vertiefen, sodass er sich an Orestes wandte, der irgend jemanden zu suchen schien. Dass Kompliment des aurelischen Senators tat er wie üblich mit Bescheidenheitsbekundungen ab.


    "Aurelius Orestes, Corvinus übertreibt maßlos! Aber ich hoffe, dass wir ein paar kurzweilige Stunden miteinander haben werden."

    Durus lag gerade in seinem Bett und hatte sich ein kleines Mittagsschläfchen genehmigt, denn heute Abend war er bei einem Senator eingeladen, der für seine langen Gelage bekannt war. Morgen war jedoch eine Senatssitzung, also musste er vorher schlafen.


    Er rappelte sich auf, als es klopfte und rief dann


    "Herein!"


    Was ihn wohl in seiner Ruhe störte? Ob etwas wichtiges passiert war? War der Kaiser seiner Krankheit erlegen? Oder waren Barbaren an der Grenze eingefallen? Oder war eine Verschwörung aufgedeckt worden? Als die Tür sich öffnete, erschien eine Sklavin mit einem Brief. Ob es ein wichtiger Brief seines Freundes Furianus war? Oder eine Warnung eines Klienten oder Freundes?


    "Tu' das!"


    antwortete er daher, als er gefragt wurde, ob er vorlesen sollte. Er war noch ein wenig zu schläfrig, um so einen langen Brief zu lesen. Und wozu hatte man Sklaven? Wenn die Nachricht gefährlich war, konnte er die Sklavin noch immer zwingen, den Mund zu halten...

    Während eine Sklavin herumwuselte, die Durus irgendwie kannte und heute ziemlich gut angezogen war (auch etwas individuell für einen Sklaven, die Durus fand), und Wein anbot, war der Hausherr selbst nun ziemlich beschäftigt, Gäste zu begrüßen. An der Tür erblickte er Aurelius Corvinus und einen anderen Mann, der ihn wohl begleitete, dann erschien Purgitius Macer mit einer jungen Dame. Der Senator kam direkt auf ihn zu und so erwiderte Durus auch den Gruß


    "Es freut mich, dass Du kommen konntest!"


    Dann wandte er sich an Philogena. Auch sie lächelte er wie gewohnt an und schmeichelte ein wenig.


    "Und natürlich freut es mich auch besonders, dass Du gekommen bist und mit Deiner Schönheit unsere triste Männer-Runde erhellst!"


    Zumindest sah es bis jetzt so aus, als hätte keiner der übrigen Gäste eine weibliche Begleitung gewählt.


    "Aber keine Angst - ich bin sicher, dass einer der anderen Gäste seine Gattin mitbringt."


    In Wahrheit log er an dieser Stelle - seine Speiserunden genossen offensichtlich nicht gerade den Ruf geselliger Abende mit Gesprächen über Kultur und Dinge, die Frauen mochten. Daher zogen es die meisten Gattinen vor, zu Hause zu bleiben. Aber Durus liebte die Politik einfach zu sehr, als dass er sie bei solchen Anlässen ruhen lassen konnte...

    Durus überlegte. Er hatte sich noch keine genauen Pläne gemacht, wie er dieses Thema betrachten sollte, doch da es wohl eine mögliche Tätergruppe in den höheren Klassen gab, musste es vermutlich viel sein. Daher sagte er


    "Ich denke, derartige Manipulationen liegen eher im Interesse finanziell pontenterer Schichten, daher sollte man die Strafe an derartigen Einkommensverhältnissen messen. Man könnte also getrost 1000 Sesterzen als untere Grenze ansetzen, nach oben sehe ich im Grunde keine Grenzen bis hin zur Einziehung des gesamten Vermögens. Es handelt sich hierbei schließlich um eine der schwerwiegendsten Straftaten. Vielleicht sollte man die genaue Summe eher in das Ermessen des Praetors legen.


    Früher hat eine solche Straftat das Exil nach sich gezogen. Man kann heute also durchaus eine schmerzende Strafe fordern."


    Tullius Cicero hatte eine der Gesetze gegen Ambitus durchgebracht, die allerdings später wieder gelockert wurden und nach Augustus von Iulianus zu einer lächerlichen Strafe verfallen waren...

    Tiberius Durus betrat nun endlich den Raum der Hochzeit, wobei er sich weiterhin über den langsamen Sklaven beschwerte, bei dem er sich nicht einmal sicher war, ob es Mann oder Frau war. Wie konnte man nur so jemanden mit so einer wichtigen Aufgabe betrauen?


    Als er jedoch den Bräutigam, sowie die zahlreichen und illustren Gäste erblickte, setzte er sein übliches, freundliches Lächeln auf, das über seine innere Stimmung so gut wie garnichts aussagte. Er kannte das Paar, das gerade mit Prudentius Balbus sprach, allerdings nicht. So stellte er sich einfach hinten an und holte sein kleines Geschenk für das Opfer, das hoffentlich noch nicht vorüber war, hervor.

    | Stesichoros


    Inzwischen hatte sich Stesichoros noch ein Halstuch geholt - nur um sicher zu gehen, dass er sich keine Erkältung holte! So präpariert öffnete er die Tür und erblickte den Senator Purgitius, der bereits gelegentlich Gast in diesem Haus gewesen war.


    "Ich werde sie sofort zum Triclinium bringen, wo mein Herr bereits auf sie wartet!"


    erwiderte er und ließ seinen Worten Taten folgen. Dabei warf er einen besonders aufmerksamen Blick auf das Mädchen, das in ihrer Palla ziemlich liebreizend wirkte, wie er fand.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Durus blieb stehen und wandte sich langsam zu dem Sklaven um. Von einem Consular hätte er zweifelsohne bessere Sklaven erwartet, die Praetorier kannten! Und wenn schon der Ianitor ihn nicht kannte, konnte man ihm doch noch immer einen Nomenclator an die Seite stellen!


    Er zischte nur


    "Manius Tiberius Durus, Praetorier, Pontifex et Senator!"

    Durus hatte sich auf einer der Klinen niedergelassen, als der Consul als erster Gast erschien. Das war Durus ganz recht, denn so konnte er möglicherweise ein paar Worte wechseln, ehe er sich mit allen Gästen beschäftigen musste.


    Er erhob sich und ging auf den Aelier zu. Mit einem breiten Lächeln, das er schon häufig trainiert und auch eingesetzt hatte, begrüßte er Quarto.


    "Salve, Consul Aelius Quarto! Es ist mir eine ganz besondere Ehre, Dich begrüßen zu dürfen! Wie geht es Dir? Und wie geht es Deiner werten Gattin?"


    Noch sah er nicht, dass in der Tür schon die nächsten beiden Gäste auftauchten. Doch schon bald würde er sie zweifelsohne entdecken.

    "Vielleicht möchte jemand die Wahlen so manipulieren, dass ein für ihn günstigerer Kandidat gewinnt - zwar mögen die Götter verhüten, dass jemand in diesem Staat Macht erhält, der in gewissen Abhängigkeiten steht, dennoch sollte man dem sicherheitshalber ein sicheres Riegel vorschieben."


    erwiderte Durus. Er dachte unter anderem an verschiedene Klienten-Patron-Dinge oder schier die Erpressbar- oder Empfänglichkeit für Bestechungen. So etwas sollte schon vorgekommen sein...

    Dass dies genau die Sache war, die er selbst ebenfalls hätte anbringen wollen, daher nickte Durus bestätigend. Auf Aelius Quarto war doch immer Verlass! Eine Sache jedoch musste er doch hinzufügen.


    "Für einen Senator könnte dies eine angemessene Strafe sein. Für jemanden, der jedoch ohnehin nicht gewählt werden kann, weil er beispielsweise nicht über genügend Ansehen verfügt, wäre eine solche Strafe allerdings bedeutungslos. Daher würde ich vorschlagen, diesen Verlust entweder noch mit einer Geldstrafe verbinden. Und zwar eine wesentlich höhere als die maximal 800 Sesterzen, die das Gesetz zur Zeit vorschreibt."


    Durus war definitiv ein Freund harter Gesetze, denn sie mussten schließlich auch abschrecken! Und die Gesetze waren zu einer Zeit gemacht worden, als der Sesterz noch wesentlich mehr Geld wert gewesen war.

    Durus erblickte den Sklaven, der ihn freundlich begrüßte. Daraus schloss er, dass er damit auch hereingebeten wurde und ging auf die Tür zu, um hinein zu gehen. Wenn er nicht aufgehalten werden würde, würde er direkt ins Atrium gehen.

    | Stesichoros


    Als Stesichoros die Tür öffnete, kam ihm ein Windstoß entgegen, der ihn glücklich machte, dass er eine lange Tunica trug. Dennoch hatte er Angst, dass das Wetter ihm sehr zu schaffen machen würde.


    "Ich bringe deine Herren gleich hinein."


    Damit wartete er auf die Herrschaften und führte sie ins Triclinium.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Nachdem alles bereit war, erschien Tiberius Durus. Er trug für diesen Anlass eine blaue Synthesis, die mit Mustern bestickt war. Auch hatte er sich selbstverständlich rasieren lassen und die Haare in gewohnter Weise geschnitten.


    Während er durch den Raum spazierte, fragte er sich, ob seine Gäste noch Nebengäste mitbringen würden. Und ob sie überhaupt kommen würden - wegen der kurzfristigen Einladung war es schwer zu sagen, ob jeder Zeit hatte. Viele bedeutende Männer hatten ja nahezu jeden Tag eine Einladung!

    | Stesichoros


    Heute würde es wieder einmal stressig werden für Stesichoros, den stets erkrankten Ianitor der Gens Tiberia. Daher hatte er sich gut auf den Tag vorbereitet: Ein Bad in duftenden Kräutern und besonders warme Kleidung, um sich keinen Zug zu holen.


    So öffnete er und staunte nicht schlecht, als er den Zug eines Consuls erblickte. Zwar hatte er so etwas schon öfters gesehen, dennoch beeindruckten ihn die zahlreichen Liktoren, Diener und Klienten jedes Mal aufs Neue.


    Natürlich musste der Liktor nichts sagen - Stesichoros wusste von der Gästeliste, dass es sich um Lucius Aelius Quarto handeln musste!


    "Der ehrenwerte Consul Aelius Quarto wird bereits erwartet! Wenn er möchte, möge er mir folgen!"


    meinte er daher mit besonders untertäniger Stimme - vor einem Consul kuschte man besser!





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Tiberius Durus marschierte, eskortiert von seinem Leibsklaven, den Weg zum Palatin hinauf. Etwas nachdenklich sog er die Luft ein, die er lange nicht mehr gerochen hatte: Die Luft des Zentrums der Macht! Noch immer kannte er sich hier aus wie im Sinus seiner Toga, dennoch wirkte ihm alles nicht mehr ganz so vertraut wie vor vielen Jahren, als er hier gearbeitet hatte.


    Der Sklave klopfte für ihn und gemeinsam warteten sie, bis geöffnet wurde. Das letzte Mal, als er hier gewesen war, hatte Durus Aelius Calidus besucht - wo der wohl steckte? Lange hatte er ihn nicht gesehen und nicht von ihm gehört!


    Als geöffnet wurde, sagte er nichts - er erwartete, dass man ihn kannte und es gab sicherlich eine Gästeliste, auf der er verzeichnet war, hatte er doch ein sehr wichtiges Geburtstagsgeschenk für den Bräutigam bei sich!

    Auf Anweisung des Tiberius Durus hatte man eines der Triclinia in der Villa Tiberia für ein kleines Abendessen vorbereitet - es waren zwar einige Gäste eingeladen, dennoch wurde der Raum nicht übermäßig geschmückt - es war immerhin nur ein kleines Gastmahl, das keinen besonderen Grund hatte.


    Daher hatte man zwar Girlanden im Raum verteilt und der Maiordomus persönlich hatte überwacht, dass der Raum auch sauber war, auf sonstigen übermäßigen Pomp jedoch verzichtet. Folglich war der Raum auch relativ früh dazu bereit, die Gäste zu empfangen und am späten Nachmittag mussten nur noch die Öllampen aufgefüllt werden.