Beiträge von Manius Tiberius Durus

    Durus hatte Schwierigkeiten, sich an die damaligen Magistraten zu erinnern oder ihre Taten einzuordnen. Dies lag einerseits daran, dass die wichtigen Posten nicht besonders auffällig gewesen waren, die niedrigeren Posten jedoch an sich wenig Beachtung fanden und daher oft unterschätzt wurden. Doch da der Tiberier selbst keine Klienten unter den Bewerbern um die begehrte Diploma hatte, sah er sich auch nicht genötigt, das Wort zu erheben.

    Flavius Gracchus hatte offensichtlich großes Interesse an den Gesetzesänderungen und sogar eigene Ideen - doch Durus erkannte auch, warum er sie nicht im Senat vortrug: Sein Sprachfehler war doch unüberhörbar und Durus fragte sich, seit wann er ihn überhaupt hatte. Ob er ihm anbieten sollte, seine Wünsche dem Senat vorzutragen? Doch das sollte er wohl besser unter vier Augen klären.


    So schwieg er vorerst und genoss den Eierbrei auf seinem Fisch-Stückchen. Er sollte seinem Koch unbedingt ein Trinkgeld geben!

    "Im Allgemeinen kann doch der Kläger und der Beklagte selbst seinen Vertreter bestimmen, wie es bei Vergehen auch praktiziert wird. Wenn es mehrere Kläger gibt, wäre es allerdings wohl tatsächlich die Aufgabe des Iudex Prior. Dass der Kaiser dabei Vorrecht hat, versteht sich wegen seiner Auctoritas wohl von selbst und kaum ein Iudex wird ihm dieses absprechen.


    Die Ermittlungen wiederum könnten auch an die beteiligten Prozess-Parteien abgegeben werden. Natürlich könnte man allerdings fakultativ dem Iudex erlauben, eigene Nachforschungen anzustellen.


    Im Grunde würde ich alles ähnlich regeln, wie es in Verhandlungen der Kategorie Vergehen gehandhabt wird."

    Auch hier freute sich Durus, als es angesprochen wurde. Die Einteilung von Delikten in Schwerverbrechen, Verbrechen und Vergehen war seiner Meinung nach zwar wichtig, doch die aktuellen Vorgaben - insbesondere die Freiheitsstrafe - war doch irgendwie absolut unpraktisch. Er hatte auch schon eine gewisse Idee, wie man die Sache möglicherweise ändern konnte und dabei die Mores Maiorum wieder etwas mehr zu Bedeutung bringen konnte.


    "Nein, es wäre völliger Unsinn, Wahlfälschung als einfaches Vergehen zu betrachten. Das würde seiner Schwere nicht gerecht. Aber das liegt tatsächlich am Verständnis unserer Einteilungen. Wenn wir auf lange Sicht die Freiheitsstrafe abschaffen wollen - und ich persönlich würde dies unterstützen, da ein Häftling den Staat zusätzlich Geld kostet, ohne dass er etwas bringt - würde ich vorschlagen, die Einteilung allgemein zu verändern und möglicherweise auch das Strafmaß im gesamten Codex Iuridicialis umzuwandeln.


    Meiner Meinung nach wäre es eine sinnvolle Idee, die lebenslange Freiheitsstrafe allgemein umzuwandeln. Wesentlich billigere Alternativen zu ihr wären etwa die Todesstrafe, die Verurteilung ad metallum, also zur Zwangsarbeit in den staatlichen Bergwerken und Steinbrücken, sowie die deportatio ad insulam, also das Exil auf einer festgelegten Insel. Diese Alternativen würden wohl wesentlich abschreckender wirken und zusätzlich den Staat nicht belasten.


    Bei der Kategorie Verbrechen würde ich zu höheren Geldstrafen tendieren, zusätzlich die ehrenhafteren Schichten damit bedrohen, ihren Status zu verlieren - schließlich sollen sie Vorbilder für das einfache Volk sein. Auch eine Heranziehung zu öffentlichen Arbeiten oder Körperstrafen wären hier Möglichkeiten. Die Definition sollte allerdings unbedingt auch Geldstrafen beinhalten.


    Die Vergehen kann man schließlich so lassen. Das alles wären weitreichende Reformen, aber ich denke, sie sind bitter nötig, wenn wir der Kriminalität im Reich ein Riegel vorschieben wollen."

    "Es ist natürlich klar, dass der Kaiser sehr viel weitreichendere Einflussmöglichkeiten und Befugnisse hat. Selbstverständlich ist er niemals eine wirklich private Person. Dennoch bin ich der Meinung, dass man die Konsequenzen tragen muss, die eine solche Abtretung staatlicher Aufgaben in die Hand des Imperator Caesar Augustus mit sich bringt.


    Natürlich ist ein Procurator nicht mit einem einfachen Scriba vergleichbar, dennoch darf man nicht vergessen, dass er einzig und allein von seinem Dienstherrn abhängig ist - das ist ja auch der Grund, warum Adlige diese Posten nicht gern bekleiden - sie wären abhängig!


    Nach meinem Verständnis ist und bleibt ein Procurator der verlängerte Arm seines Herrn. Auch viele von uns haben eigene Procuratores, die etwa ihre Vermögen verwalten. Und so ist es auch beim a cognitionibus. Er wird vom Kaiser eingestellt und ist dem Kaiser Rechenschaft schuldig. Natürlich kann man sein Wirken durch Gesetze einschränken, aber das letzte Wort hat doch stets der Kaiser selbst. Und da dies so ist, ist es nicht notwendig, Gesetze darüber zu verfassen.


    Und um auf deine Konsequenz zu kommen: Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass der Kaiser sich weigert, einen Mörder zu verfolgen, doch in gewisser Weise entmündigen wir den Bürger auch, wenn wir ihm nicht gestatten, seine Anklage selbst vor Gericht zu vertreten. Und wer dies nicht kann, der kann sich ja immer noch an seinen Patron wenden."


    Durus war kein Freund von einem zu einflussreichen Staat. Zwar war er auch kein Freund eines allmächtigen Kaisers, doch in diesem Fall war das Gesetz wohl weniger wert, als das Papyrus, auf dem es festgehalten wurde. Der Einwand, dass bei mangelnden Kandidaten auch die Voraussetzungen verändert werden durften, machte im Grunde alles von der Willkür des Kaisers abhängig. Und die brauchte nicht in Gesetze gegossen zu werden!

    Nun endlich fiel auch Durus wieder der Sprachfehler des Flaviers auf. Im Eifer des Gefechts hatte er ihn bei dessen Ankunft kaum bemerkt. Dafür machte er sich nun umso mehr Sorgen - ob er recht krank war? Er hatte ihn auch schon längere Zeit nicht mehr im Senat gesehen...


    Er beschloss jedoch, diese Angelegenheit zu überspielen, um Gracchus nicht blos zu stellen. Stattdessen antwortete er einfach


    "Es gab in letzter Zeit einiges zu besprechen. Aelius Quarto möchte offensichtlich, wie er bereits angekündigt hatte, unsere Gesetze einer kritischen Prüfung unterwerfen. Die Gesetze gegen Wahlbetrug wurden bereits angegangen, ebenso Fragen zur Advocatio Imperialis."


    Er blickte zu Quarto hinüber. Er hatte zwar schon gerüchteweise gehört, dass die Flavier den Aeliern nicht allzu wohlgesonnen waren (hatte Furianus das nicht auch in seinem Brief angesprochen?), doch er nahm dies nicht allzu ernst und versuchte daher einfach, den Consul auch einzubeziehen.


    "Müssen denn noch weitere Gesetze Dein prüfendes Auge fürchten, Aelius?"

    Nachdem die Germanicer ihre Glückwünsche überbracht hatten, beschloss Durus, dass es auch für ihn Zeit war - sein Geschenk würde mit Sicherheit bald schon benötigt werden! Daher trat er vor und begrüßte das glückliche Brautpaar mit einem Lächeln.


    "Prudentius, Aelia! Ich danke Euch für Eure Einladung! Natürlich auch von mir viele Glückwünsche für Euren neuen, gemeinsamen Lebensabschnitt!"


    Er holte eine Pergamentrolle hervor. Diese hatte er extra für diesen Zweck anfertigen lassen und in einer kunstvollen Halterung verpackt. Alles in allem wirkte sie doch relativ edel.


    "Mein Geschenk. Ich denke, Du wirst es noch heute benötigen."


    erklärte Durus mit einem Lächeln und überreichte die Rolle an Balbus.


    Sim-Off:

    WiSim und PN

    Andere Sklaven bedienten die übrigen Gäste. Jeder erhielt einen halben Fisch, der mit einer Art Ei-Paste gefüllt war und mit Kräutern dekoriert worden war. Nachdem die Teller abgestellt worden waren, begannen die Sklaven, den Fisch vor den Augen der Gäste in mundgerechte Happen zu zerlegen, sodass man nur noch zugreifen musste.


    Zu alldem stellte ein Sklave eine Korb mit frischen Brotstücken in die Mitte. Damit ließ sich der Fischsaft, der auf den Tellern schwamm, ein wenig aufsaugen.

    Durus hörte sich das ganze an. Der Brief klang bis hierhin nicht schlecht, doch die Bemerkung der Sklavin stimmte ihn nachdenklich. Normalerweise gab er nicht viel auf die Ratschläge von Sklaven, doch in diesem Fall - dem Umgang mit jungen Frauen - war er völlig überfordert und freute sich über die kleine Hilfestellung. Einen Ring zu verschenken war zwar ziemlich passend, doch andererseits hatte er eine zu große Bedeutung: Eheleute schenkten sich Ringe, manchmal gab es ihn auch zu den Sponsalia. Caecilius Crassus' geübte Augen würden ihn auch sofort entdecken und Durus am Ende zur Rede stellen, warum er seiner Cousine Avancen machte. Ein anderes Schmuckstück vielleicht? Ein paar Ohrringe? Oder eine Halskette? Oder vielleicht doch lieber etwas kleineres?


    "Ich weiß nicht - ein Ring ist vielleicht etwas intim. Aber ein Geschenk ist eine gute Idee - was meinst du, würde einer jungen Frau noch gefallen?"

    Offensichtlich kannten sich die Anwesenden bereits (zumindest die meisten), daher sah Durus davon ab, eine Vorstellungsrunde zu starten. Stattdessen befand er, dass es nun langsam wirklich Zeit für die Vorspeise war. Er hatte sich Fisch mit Ei gewünscht - nichts besonders kreatives, dennoch ein guter Beginn, wie er fand. Daher blickte er zu Crista, die heute mit dem Servieren der Speisen beauftragt war und winkte sie herbei.


    "Die Vorspeise bitte!"


    Dann wandte er sich an seine Gäste.


    "Ich dachte, ich lasse es heute einigermaßen einfach - ich hoffe, es schmeckt Euch trotzdem."


    Sim-Off:

    WiSim für die Vorspeise

    Dieser Teil des Codex Iuridicialis war auch Durus schon lange ein Dorn im Auge gewesen, daher hatte er sich selbst auch schon einige Gedanken zu der Angelegenheit gemacht. Allerdings war er zu einer wesentlich radikaleren Lösung gekommen.
    So erhob er sich und begann das ganze wie eine Rede (denn es würde wohl ein relativ langer Redebeitrag werden).


    "Consul Aelius, patres conscripti,


    ich muss Dir zustimmen, auch mir ist dieser Subpars schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge und ich bin glücklich, dass dieser endlich thematisiert wird.


    Bei meiner Beschäftigung mit diesen Paragraphen bin ich jedoch zu dem Schluss gekommen, dass sie in großen Teilen gänzlich überflüssig sind. Bevor jetzt ein Aufschrei durch die Curia geht, lasst mich erklären:


    Bei der Betrachtung dieser Gesetze habe ich mich nach der ursprünglichen Intention gefragt, die hinter der Beauftragung eines kaiserlichen Procurators mit derartigen Aufgaben steht. Meines Erachtens ist diese die überragende Auctoritas des Imperator Caesar Augustus, die ihn befugt, im Namen des Staates Ermittlungen gegen diejenigen aufzunehmen, die die Ordnung unserer geliebten Res Publica gefährden. Als Patronus aller römischen Bürger ist er darüber hinaus auch derjenige, der auf die Bitte seiner Klienten für sie vor den Gerichten Partei ergreift.


    Dass der Imperator Caesar Augustus seine zahlreichen Aufgaben nicht alle persönlich wahrnehmen kann, liegt natürlich auf der Hand. Daher hat er den Procurator a cognitionibus in seinen Diensten, der gelegentlich auch als Advocatus Imperialis bezeichnet wurde.


    Daraus folgere ich, dass es wohl allein im Ermessen des Imperator Caesar Augustus liegt, wen er mit den Ermittlungen und Anklagen beauftragt, die er verfolgen möchte. Dabei sollte er von keinem Gesetz gebunden werden - es gibt schließlich auch kein Gesetz, das den Imperator Caesar Augustus anweist, wem er welches Kommando geben soll oder wen er zur Reinigung seines Palastes einstellt. Ein Procurator ist meiner Meinung nach per definitionem ein persönlicher Angestellter, der meiner Meinung nach nicht durch Gesetze definiert werden muss.


    Ich schlage daher vor, die Advocatio Imperialis aus dem Codex zu streichen und stattdessen einen Hinweis darauf zu geben, dass der Imperator Caesar Augustus eine legitime Appellationsinstanz ist und das Recht besitzt, zum Wohle des Staates Ermittlungen gegen Staatsfeinde aufzunehmen."


    Damit hatte er seine Ansicht hoffentlich einigermaßen erklärt. Erwartungsvoll blickte er in die Augen der anwesenden Senatoren.

    Durus nickte verstehend, als Quarto erklärte, dann wagte er einen Blick in die Runde. Die Cousine von Macer war offensichtlich ein wenig eingeschüchtert von seinem erlesenen Gesprächskreis, doch das wunderte ihn wenig - Gerüchten zufolge waren die Purgitier keine besonders altadlige Familie und hatten daher wohl auch etwas einfachere Umstände zu Hause. Die beiden Aurelier hingegen waren ziemlich wortkarg - vermutlich mussten auch sie sich noch ein wenig eingewöhnen.


    Dann jedoch wurden seine Vermutungen in Gewissheit aufgelöst, als Flavius Gracchus den Raum betrat. Er wirkte nur leicht gestresst, was wohl an seiner großen Bedächtigkeit lag (zumindest hatte Durus immer diesen Eindruck). Und er hatte sogar einen Begleiter mitgebracht: Es war ein Offizier, an den sich der Tiberier dunkel erinnerte - hatte er mit diesem nicht über die Jagd gesprochen? Nun galt es jedoch das Sitzplatz-Problem zu lösen. Durus hätte Gracchus gern neben sich platziert - dies würde allerdings ein Platzproblem ergeben, wenn Arvinia doch noch erschien. So würde es allerdings für alle Gäste eng werden, während die Hausherren bequem Platz hatten. Einen Augenblick überlegte er, dann sagte er zu Gracchus


    "Salvete! Ich freue mich, dass Du doch noch kommen konntest und mir sogar ein neues Gesicht mitgebracht hast. Wir haben schon Platz genommen - darf ich euch trennen und Dir, mein lieber Flavius Gracchus, einen Platz an meiner Seite anbieten, während Du, Flavius Aristides, neben Aurelius Orestes, dem Großvetter von Aurelius Corvinus, Platz nimmst?"


    Zwar war dies eher ein unüblicher Platz für einen Gast, doch einerseits war Gracchus ja schon öfter bei Durus zu Gast gewesen und andererseits war es wohl die bequemste Lösung für die gesamte Gesellschaft. Diese starren Triclinia hatten tatsächlich ihre Probleme!

    Unterdessen hatte Durus ein wenig überlegt. Wenn er an die zierliche Blondine zurückdachte, reizte es eigentlich schon, sie in luftiger Kleidung im Wasser baden zu sehen. Doch seine harte römische Erziehung brach sich natürlich die Bahn (außerdem die Angst vor einem Skandal). Folglich beschloss er, vorerst nur von seiner Gesundung zu sprechen. Es war wohl auch kaum förderlich, dieses Mädchen zu heiraten - gehörte sie doch zu einer Familie aus dem Ritterstand! Wäre die Ehe mit Fabia damals nicht geplatzt, hätte er wohl gar nicht geantwortet. Doch einem Junggesellen würde man wohl nachsehen, dass er mit einer jungen Dame Kontakt pflegte (solange dieser nicht zu eng wurde).


    Als Crista endlich zurück war, setzte der Tiberier sich auf. Im Liegen ging das Diktieren doch nicht ganz so gut!


    "Gut, dann beginnen wir. Die übliche Anschriebsfloskel: 'Tiberius Durus Caeciliae Calenae salutem dicit'. Kannst du abkürzen."


    Natürlich meinte Durus damit das berühmte: 'Tiberius Durus Caeciliae Calenae s. d.'. Das war als Anrede absolut üblich und da Durus kein besonders kreativer Briefeschreiber war, begann er alle seine Briefe so. Bei Freunden fügte er auch noch ein 'p.' zwischen 's' und 'd', das 'plurimum' - 'viele' bedeutete. Doch Calena kannte er wohl kaum genug dafür. Er fuhr fort.


    "'Ich danke dir für deinen Brief.' 'Und deine Sorge um mich' - also in einem Satz. Dann...'Ich bin wohlbehalten zu Hause angekommen, habe aber offensichtlich ein wenig zu lange mit dem Kühlen gewartet. Ich hatte in paar kleine blaue Flecken. Es hat sich aber nichts entzündet.'"


    Er überlegte einen Moment. Ob er gleich seine Krankenakte hineinkopieren sollte? Eigentlich war das wohl kaum nützlich und würde sie sicherlich nicht beruhigen - und das wollte er mit seinem Brief ja erreichen.


    "Vergiss den letzten Satz. Wir schreiben: 'Mir geht es allerdings bereits wieder gut. Ich habe kaum Schaden davongetragen...dank der Kühlung.' Nein, das geht so nicht. Setze das 'dank der Kühlung' lieber an den Anfang des Satzes! Lies noch einmal alles vor."


    Briefe zu diktieren hatte den Nachteil, dass man den Brief nicht immer vor Augen hatte. Und jetzt wusste Durus nicht so recht, wie er am besten an die Beantwortung des Briefes anschloss. Es sollte Interesse suggerieren, aber dennoch nicht aufdringlich wirken. Ob er sie einladen sollte? Aber war das nicht wieder nur ein Grund für Gerede?

    Durus hatte gerade seinen Scherz gemacht, als auch schon Iuvenalis auftauchte. Er wollte gerade Platz nehmen und winkte den Alten zu sich, um neben ihm Platz zu nehmen - auf dem traditionellen Platz der Gastgeberfamilie. Auch stellte er fest, dass Purgitia Philogena von der geistesgegenwärtigen Sklavin ein Korbsessel angeboten wurde. Wenn Decimus Meridius noch erscheinen würde, war das vermutlich keine schlechte Idee, denn ihm stand als Triumphator eigentlich der Platz zur linken des Consul zu. Andererseits konnte man auch zu viert auf den tiberischen Klinen noch ganz bequem liegen.


    "Hast Du Dich wieder an das Consulat gewöhnt, Aelius Quarto?"


    fragte er schließlich, um ein Gespräch in Gang zu bringen. In diesem Augenblick zeigte ihm eine Geste des "Türstehers", dass ein weiterer Gast im Anzug war. Ob es Decimus Meridius war? Oder doch Flavius Gracchus? Gracchus und seine Frau würden vermutlich auf der Kline gegenüber der seinen Platz nehmen (und dabei Corvinus und Orestes wohl zum Rutschen bewegen müssen), bei Meridius würde es auf der Lectus Medius etwas enger werden...

    | Stesichoros


    Der Sklave hatte sich schon gefreut, dass sonst keine Gäste mehr kamen und sich in eine Decke eingewickelt, um in seinem kleinen Pförtnerhäusschen ein wenig zu schlafen. Als es dann doch klopfte, dauerte es daher ein wenig länger, bis er öffnete. Davor standen zweifelsohne noch mehr Gäste und Stesichoros erkannte sogar einen von ihnen als Flavius Gracchus, der Stammgast bei den Mählern seines Herrn war.


    "Sie mögen mir bitte folgen!"


    erklärte er etwas mürrisch, denn er hatte tatsächlich gerade erst Schlaf gefunden. Doch die Herrschaften bestimmten, wann er schlief und wann nicht, daher führte er die beiden Patrizier ins Triclinium.





    IANITOR – GENS TIBERIA

    Crista, ah ja. Er glaubte, sie schon öfters gesehen zu haben - war sie nicht diese Leibsklavin gewesen, auf die Antoninus verzichtet hatte...nunja, egal. Als er sie genauer ansah, stellte er fest, dass sie feuchte Augen hatte. Ob sie so von dem Brief angerührt war? Er war schon ziemlich ungewöhnlich und zeugte von einer ungewöhnlichen Sympathie einer jungen Frau für ihn. Doch dass man deswegen gleich vor Rührung in Tränen ausbrechen musste? Vielleicht sollte er ihr sagen, dass das besser in diesem Raum blieb...aber das würde das Gerücht wohl nur stärker befeuern...


    Er seufzte und meinte dann.


    "Ja. Vorher diktiere ich dir den Brief. Kannst du eine Wachstafel besorgen?"


    Durus hatte keine große Lust, aufzustehen und in der Zeit, in der Crista eine Tafel holte, konnte er überlegen, was er antworten sollte.

    Anstatt nach Artorius Avitus an der Reihe zu sein, drängte sich der Consul zwischen die Gratulanten und entriss den Bräutigam seinen Gästen für ein kurzes Zwiegespräch, wie es schien. Dafür hatte Durus Zeit, die übrigen Gäste ein wenig zu mustern. Erwartungsgemäß war eine große Schar von bedeutenden Gästen erschienen, obwohl der Tiberier den bedeutendsten Gast und Onkel der Braut, den Imperator Caesar Augustus vermisste. Ob er wieder einmal krank war? Immer wieder musste Durus sich wundern, wie dieser Mann in seinem Zustand dieses Reich regieren konnte.


    Ansonsten war jedoch alles vertreten: Purgitius Macer und Aurelius Corvinus, weitere patrizische Gäste, die er irgendwie mit den Aureliern asoziierte, natürlich auch eine Menge Prätorianer - schließlich war Balbus ein wichtiger Offizier bei ihnen gewesen! Auch der oberste der Prätorianer, Caecilius Crassus war erschienen. Und bei ihm stand...das Mädchen, das seinen Ring gefunden hatte! Offensichtlich hatte sie die Villa gefunden und einen Augenblick kreuzten sich ihre Blicke. Durus war ein wenig verlegen, doch überspielte er es mit einem freundlichen Lächeln. Dann wurde der Blickkontakt auch schon wieder unterbrochen, als ein anderer Gast durch die Bildfläche spazierte.

    Beinahe wäre Durus mit der Sklavin, die die Weinbecher an den Mann zu bringen versuchte, zusammen gestoßen. Doch sie wich glücklicherweise geschickt aus, was allerdings dazu führte, dass Durus Mühe hatte, ebenfalls einen Becher zu ergreifen. Doch es gelang ihm und so konnte er einen Schluck trinken, ehe er die Situation überblickte.


    Dass Orestes ihn auf das letzte Zusammentreffen hinwies, beruhigte ihn ein wenig - der Junge war ihm bekannt vorgekommen, allerdings hatte er sich nicht an den Anlass erinnern können. Zwar konnte er das jetzt auch nicht, doch zumindest musste er jetzt nicht spekulieren und konnte sich so Peinlichkeiten ersparen. Offensichtlich hatte er schließlich bestanden - sonst wäre er jetzt kein Sacerdos!
    Ein Blick zu dem Sklaven, der an der Tür postiert war und den Blick auf das Atrium hatte, zeigte ihm, dass im Augenblick keine weiteren Gäste zu erwarten waren. Folglich beschloss der Tiberier, vorerst mit dem Essen zu beginnen - man konnte den Nachzüglern ja noch persönlich etwas auftragen!


    "Ich denke, wir können bereits Platz nehmen. Offensichtlich verspäten sich einige Gäste und meine Familiaren - sie haben ja auch einen durchaus weiten Weg von ihrem Cubiculum bis hierher!"


    Mit dieser ironischen Bemerkung trat Durus selbst an das Triclinium heran und legte sich an den Platz des Hausherrn, während weitere Sklaven herbeieilten und den Gästen ihre Plätze zuwiesen, um zu verhindern, dass jeder an der für ihn angemessenen Stelle lag. Danach würde das Mahl beginnen.


    Sim-Off:

    WiSim für den Wein!
    Platz-Zuweisung:
    1: frei; 2: Tiberius I.; 3: MTD; 4: Aelius; 5: Purgitius; 6: Purgitia; 7: Aurelius C.; 8: Aurelius O.; 9: frei